Die ersten Arbeitstage
Nach der Golden Week war es so weit: Nicos erster Arbeitstag stand an. Um 6:45 Uhr klingelte der Wecker und wir machten uns fertig für den Tag. Mit Regenschirmen bewaffnet verließen wir gegen 7:15 Uhr das Apartment. Nach etwa neun Minuten Fußweg erreichten wir die Bushaltestelle, an der bereits einige weitere Mitarbeiter warteten.
Der Bus, ein von Mercedes organisierter Shuttle, sammelt täglich die Mitarbeiter aus verschiedenen Wohnbezirken ein und bringt sie gemeinsam zu den Werken TCC (Tech Center China) und BBAC (Beijing Benz Automotive Co.). Schon auf der ersten Fahrt kam Nico schnell mit den anderen ins Gespräch.
Ich drehte anschließend noch eine kleine Runde um den Block, holte mir einen Kaffee für unterwegs und machte es mir dann zuhause gemütlich. Auf meinem Plan standen an diesem Tag chinesisch lernen, Unterricht, ein paar To-dos zur Wohnungssuche, Fitnessstudio und ein kleines persönliches Projekt.
Abends verabredeten wir uns, damit ich Nico an der Bushaltestelle abhole. Um 18:30 Uhr machte ich mich auf den Weg, doch dann kam die Nachricht: „Bin im falschen Bus gelandet.“ Offenbar war Nico versehentlich in einen Shuttle gestiegen, der in einen anderen Stadtteil fuhr. Nach einem kurzen Umweg und einer zusätzlichen 30-minütigen Fahrt mit dem Didi (Taxi) kam er schließlich zuhause an.
Beim gemeinsamen Abendessen erzählte er mir vom ersten Arbeitstag, zeigte stolz sein neues Arbeits-Polo und erwähnte, dass am Samstag Arbeitstag ist. In China ist das üblich: Wenn Feiertage oder Ferien stattfinden, werden die ausgefallenen Arbeitstage an Wochenenden, meist am darauffolgenden Samstag oder Sonntag, nachgeholt. So bleibt die wöchentliche Arbeitszeit im Gleichgewicht.
Flohmarkt in der deutschen Botschaft
Am Sonntag machten wir uns nach einer Sporteinheit auf den Weg zum Flohmarkt in der deutschen Botschaft. Wir wollten die Gelegenheit nutzen, um ein paar neue Kontakte zu knüpfen.
Nach einigen netten Gesprächen, leckerem Kuchen und spannenden neuen Möglichkeiten für mich, schlenderten wir noch durch die Umgebung. Nico war bereits 2023 in dieser Gegend unterwegs und kannte noch das Solana Einkaufszentrum. Auf dem Weg dorthin spazierten wir am Liangma Fluss entlang, eine wirklich schöne Strecke. Im Solana angekommen, kaufte ich mir einen neuen Jogging- bzw. Hausanzug und war (und bin immer noch) richtig happy damit.
Auf dem Rückweg kamen wir beim Paulaner Biergarten vorbei und schauten uns dort ein wenig um. Außerdem entdeckten wir mehrere kleine Flohmärkte entlang des Weges, auf denen es alles von Schmuck über Taschen und selbstgestrickten Figuren bis hin zu Schnaps und Streetfood gab. Ein rundum schöner Sonntag zu zweit, mit neuen Kontakten, gutem Essen und einem kleinen Hauch von Deutschland.








Das erste Mal im chinesischen Nagelstudio
Bereits in Deutschland gehörte es zu meiner Routine, alle vier Wochen ins Nagelstudio zu gehen und natürlich wollte ich das auch in China fortsetzen. Chinesische Nageldesignerinnen sind ja auch in Deutschland bekannt für ihre Präzision und Kreativität.
Nun war es also wieder so weit: Zeit für frische Nägel. Ich hatte in Peking schon einige Studios gesehen, besonders in den Malls, aber irgendwie sprach mich keines so richtig an. Also beschloss ich, einfach loszuziehen und mich treiben zu lassen.
Meine Kriterien waren klar: Sauberkeit, ein gepflegter Eindruck, gut besucht und faire Preise. Schließlich erinnerte ich mich an das CBD-Viertel, wo mir bei einem Spaziergang schon die Atmosphäre gefallen hatte: kleine Läden, viel Grün, alles offen angeordnet wie in ein Outdoor-Einkaufszentrum. Dort wurde ich schließlich fündig: Die Besitzerin begrüßte mich herzlich, erklärte die Preisstruktur und ließ mich das Studio anschauen. Alle Plätze waren belegt, die Stimmung lebendig.
Ich ließ mich nieder, auf einem ultra-bequemen Sofasessel. Nur eines wunderte mich: kein Tisch, keine UV-Lampen in Sicht. Doch kaum hatte ich den Gedanken, legte man mir ein Kissen auf den Schoß, deckte es mit Tüchern ab und schon saß eine Mitarbeiterin auf einem Hocker vor mir. Kurz darauf kam die zweite, eine feilte links, die andere rechts. Um 13:40 kam ich an, um 15:20 war ich fertig, Kostenpunkt rund 30 €. In Deutschland hätte der Besuch etwa eine Stunde gedauert und 42-50 € gekostet. Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden: die Nägel sind gleichmäßig, dünn gearbeitet, sauber und ohne Hubbel.
Ein neues Studio und wieder ein Stück Alltag, das langsam seinen Platz in unserem neuen Leben hier in Peking findet.



Amtstermin
Diese Woche stand ein wichtiger Termin beim Amt für die Work Permit und Residence Permit New Application an. Aktuell sind wir beide noch mit einem vorübergehenden Visum hier und mussten nun das endgültige für drei Jahre beantragen. Da dies nur unter der Woche möglich ist, machte Nico am Vormittag Homeoffice, bevor wir mit dem Didi zum Amt fuhren.
Dort wartete bereits unsere externe Unterstützung, die uns bei der Antragstellung hilft. Das Gebäude war riesig, mit zahlreichen Abteilungen, vergleichbar mit einer Mischung aus Stadtverwaltung, Rathaus und Versicherungsbüros. Hier kann man alles erledigen: vom Führerschein über die Wohnsitzanmeldung bis hin zu Visa- und Versicherungsangelegenheiten.
Wir hatten einen festen Termin und konnten direkt an der Anmeldung vorbeigehen. Die Mitarbeitenden tragen alle einheitliche Kleidung: hellblaue Hemden und dunkelblaue Anzüge, Frauen mit Halstuch wie Stewardessen. Wir ergänzten ein paar bereits vorbereitete Formulare, darunter auch unsere Geburtsorte, die natürlich auf Chinesisch eingetragen werden mussten. Dann folgten Unterschriften und Fotos, bei mir gleich zweimal, da ich beim ersten Versuch Ohrringe trug.
Um 10:52 Uhr gingen wir hinein, um 11:13 Uhr waren wir fertig. Alles super schnell und reibungslos. Unsere Pässe wurden einbehalten, wir erhielten vorläufige Ersatzdokumente, spätestens nächsten Dienstag bekommen wir unsere Reisepässe mit dem neuen Visum zurück.



Anschließend fuhr Nico direkt weiter zur Arbeit, während ich die Gegend rund um den zweiten Ring erkundete. Ein Stück weiter entdeckte ich einen chinesischen Supermarkt, voll mit Einheimischen. Ich erkundete das Sortiment: frische Fleischtheke, Gebäck, Obst, Gemüse, Getreide und Reis in großen Säcken, teils zur Selbstbedienung.






Ich kaufte ein paar Kleinigkeiten: Popcorn, Tomaten, Cookies, Kekse mit Schokofüllung und eine Mango.
Nun könnt ihr raten, was es gekostet hat (umgerechnet in Euro):
A) 13,20 €
B) 5,64 €
C) 19,87 €

Es gibt hier wie in Deutschland auch Selbstscanner, aber ich entschied mich für die klassische Kasse. Die Verkäuferin sagte „sì shí liù yuán wŭ shí bā“ – 46,58 Yuan, also richtig war Antwort B: 5,64 €!
Danach lief ich zur nächsten Bahnstation und fuhr zurück nach Hause, wo der Alltag weiterging.
Frühstückstreff in Peking
Wie bereits beim Flohmarkt erwähnt, haben sich für mich neue Möglichkeiten eröffnet. Ich wurde in eine WeChat-Gruppe eingeladen, die sich einmal im Monat zum Frühstück und einmal im Monat abends in einer Bar trifft. Bereits an diesem Donnerstag war es soweit: 23 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten zugesagt – potenzielle Freunde, Wegbegleiterinnen und Austauschpartner in ähnlicher Situation.
Etwas nervös, aber voller Vorfreude machte ich mich am Morgen auf den Weg. Eine Teilnehmerin bat mir an gemeinsam hinzufahren, wofür ich sehr dankbar war.
Am Frühstücksrestaurant angekommen, saßen bereits weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer an einer großen Tafel. Schnell kamen wir ins Gespräch, über das Leben in Peking, Tipps, Erfahrungen und Unternehmungen. Alle waren offen, freundlich und interessiert. Das Frühstück schmeckte hervorragend, und die Stimmung war ausgelassen und herzlich. Wir tauschten Kontakte aus, planten erste gemeinsame Aktivitäten und genossen einfach einen schönen Vormittag zusammen. Eine tolle Community!
Oktoberfest
Ein weiteres Highlight der Woche war das Oktoberfest in Peking. Bereits bei unserem Spaziergang am Tag des Flohmarkts waren wir an der Paulaner Gaststätte vorbeigelaufen, wo das Festzelt bereits aufgebaut war. Nach einer Sporteinheit machten wir uns fertig, zogen unsere Trachten an und waren voller Vorfreude. Schon in Deutschland hatten uns ehemalige Expats erzählt, dass dieses Fest hier ein echtes Highlight sei.
Mitten in Peking, zwischen Hochhäusern und bunten Lichtern in Dirndl und Lederhose unterwegs zu sein, fühlte sich zunächst merkwürdig an. Doch am Fest angekommen, war es sofort ein kleiner Heimatsmoment: ein Zelt mit blau-weißer Deko, Bierkrügen, bayerischer Musik und einer deutschen Band, die Oktoberfestklassiker spielte.
Auch das Essen war pure Heimat: Brötchen und Laugengebäck mit Butter, Leberwurst und Obazda, eine Wurstplatte mit Aufschnitt und gemischten Salaten, Haxe, Hähnchenflügel, Rote und Nürnberger Würstchen, Fleischkäse, Kassler, Kartoffelpüree und Sauerkraut. Zum Dessert gab es Schwarzwälder Kirschtorte – zwar nicht ganz wie von Mama, aber lecker.
Es gab „Unlimited Beer“ (Paulamer) d.h. einmal zahlen und so viel trinken wie man wollte. Die Stimmung war ausgelassen und herzlich. Wir lernten viele nette Deutsche / Österreicher kennen, die wie wir in Peking arbeiten. Die Band spielte bis etwa 22:15 Uhr, danach folgten noch ausgelassene,Gespräche, bis wir um Mitternacht das Zelt verlassen mussten. Doch der Abend war noch nicht vorbei: Wir wurden von neuen Bekannten zur Afterparty in die Bar „La Social“ eingeladen, tanzten, feierten und hatten eine großartige Zeit gemeinsam bis 2 Uhr nachts.



Unsere ersten gemeinsamen Routinen
Was hat sich in der letzten Woche als feste Routine etabliert? Morgens stehen wir gemeinsam um 6:45 Uhr auf, ich gönne mir meistens noch 15 Minuten, während Nico bereits im Bad ist. Danach mache auch ich mich fertig und begleite Nico zur Bushaltestelle. Auf dem Weg erzählen wir uns etwas, genießen den Start in den Tag und verabschieden uns kurz vor der Haltestelle. Anschließend beginne ich meinen Tag mit einem kleinen Spaziergang.
Während Nico auf der Arbeit in seine neuen Aufgaben und ins Team eingearbeitet wird, versuche ich mir Routinen aufzubauen. Von Chinesischunterricht, lernen, Sport (Pilates, Yoga, Schwimmen und Fitnessstudio), Blog schreiben, einkaufen, Kontakte knüpfen, ehrenamtlich Arbeiten über Reisen wird vermutlich von allem etwas dabei sein.
Über den Tag gibt es bisher noch keine festen Abläufe, wie man an den bisherigen Geschichten merkt. Doch mit der Zeit werden sich Routinen herausbilden.
Abends hole ich Nico an der Haltestelle ab und wir gehen etwas essen oder wir gehen gemeinsam zum Sport und bestellen danach etwas Leckeres. Manchmal nimmt Nico noch am Chinesischunterricht teil, manchmal lassen wir den Abend einfach ruhig ausklingen.
Unser Alltag nimmt langsam Form an. Routinen entstehen und gleichzeitig warten noch so viele neue Erlebnisse, Begegnungen und Geschichten auf uns in Peking.