Von Bürokratie bis zu kulinarischen Abenteuern
Wo soll man da nur anfangen?
Am Tag nach der Ankunft wurden wir direkt um 8:45 Uhr an unserem Apartment abgeholt. Der erste Stopp: die Eröffnung unserer chinesischen Handyverträge. Jeweils eine Nummer für Nico und eine für mich, denn ohne Handy läuft in China wirklich nichts.
Vor Ort meldete uns unsere Relocaterin Nancy über ihr Handy für den Termin an, damit wir einem Mitarbeiter zugeordnet werden (vergleichbar mit dem Nummernziehen an der Fleischtheke bei Edeka). Kaum ein paar Sekunden später waren wir auch schon dran.
Der Mitarbeiter begann Nicos Passdaten abzutippen und ins System einzutragen. Eigentlich keine große Sache, schließlich steht auf so einem Pass nicht viel drauf. Doch kaum hatte er angefangen, kam von der Seite ein anderer Kunde herein, der offenbar ein neues Handy abholen wollte. Statt das ihn einer der beiden freien Kollegen übernimmt, kümmert sich unser Mitarbeiter gleich um beides: Handy einrichten, den anderen Kunden abkassieren, zwischendurch wieder zu uns zurück – ein Multitasking-Moment der Extraklasse.
Währenddessen wurde Nicos Pass gescannt, die passende Datenmenge (GB) für den Vertrag ausgewählt und dann kam das obligatorische Foto, wie bei uns auf dem Amt, nur mit einer kleinen Besonderheit: Nicos Kopf musste exakt in eine vorgegebene Rahmenform passen. Das Problem? Diese Form erscheint erst nach dem Foto. Da Nico größer ist als die meisten Chinesen, musste der Mitarbeiter kurzerhand die Kamera vom Tisch heben und freihändig ausrichten bis alles passte.
Mit den Unterbrechungen durch den anderen Kunden zog sich das Ganze etwas hin. Rund 30 Minuten später war es endlich geschafft: Vertrag unterschrieben, Nummer ausgesucht, SIM-Karte eingelegt (übrigens ohne PIN!), Foto gemacht und bezahlt.
Weiter ging’s zur Bank of China, um ein Konto zu eröffnen und mein zuvor in Deutschland gewechseltes Bargeld einzuzahlen. Das lief erstaunlich unkompliziert: Formulare ausfüllen, Pass scannen, Handynummer angeben – fertig. Nancy richtete Nico direkt das Onlinebanking ein und verknüpfte alles mit WeChat. So konnte Nico, der sein Account schon in Deutschland eröffnet hatte, es nun endlich auch hier vollständig nutzen.


Danach folgten an diesem Tag neun Wohnungsbesichtigungen und ehrlich gesagt waren wir bis zur letzten ziemlich ernüchtert. Nur die letzte Wohnung gefiel uns. In der Mittagspause suchten wir uns ein Restaurant in einer Mall aus, die Auswahl war riesig! Ich entschied mich einfach für ein gut besuchtes Lokal namens Dumpling Xi. Zum ersten Mal bestellten und bezahlten wir über WeChat, es gab Dumplings und ein würziges Fleisch-Gemüse-Gericht. Super lecker!
Abends gingen wir noch neapolitanische Pizza essen, preislich wie in Deutschland. Das typisch chinesische Mittagessen war dagegen mit rund 9 € für zwei Personen unschlagbar günstig.



Am nächsten Tag standen weitere acht Besichtigungen an. Diesmal durfte Nico das Restaurant für die Mittagspause aussuchen. Dort bestellte man vorne am Tresen und Nico nutzte die Gelegenheit, seine ersten Chinesisch-Kenntnisse zu testen – mit Erfolg! Es gab verschiedene Fleisch- und Gemüsegerichte, einen Kohl-Karotten-Salat und Baozi. Danach kauften wir unser erstes chinesisches Getränk im Supermarkt.
Zurück im Hotel erkundeten wir noch die Anlage: Fitnessstudio, Basketball- und Tennisplatz, Laufstrecke, Fotospot, Bar alles da. Abends ging’s wieder raus zum Essen. Fast wäre ich auf die „Taubenflügel“ hereingefallen, die aussahen wie Chicken Nuggets. Zum Glück hat Nico das Missverständnis rechtzeitig gerettet.



Am dritten Tag wurden wir morgens vom Hotel abgeholt, um Nicos zukünftigen Arbeitsplatz kennenzulernen. Am Werk angekommen, musste meine Handykamera abgeklebt werden (Sicherheitsvorschrift), da Nico im Forschungs- und Entwicklungsbereich arbeitet.
Nicos Chefin, eine unglaublich herzliche, zuvorkommende Person, begrüßte uns mit Getränken: Kaffee für Nico, Jasmin-Maracuja-Tee für mich (sehr lecker!). Danach führte sie uns über das ganze Gelände, stellte Kollegen vor und wir aßen gemeinsam mit dem Abteilungsleiter zu Mittag. Es gab viele kleine Gerichte zum Teilen, darunter Peking-Ente, Aubergine, Entenleber und frittierte Fleischbällchen.
Am Nachmittag ging es weiter mit der Werksführung mit mehr technischen Einblicken. Gegen 17 Uhr fuhren wir zurück ins Apartment, bei wunderschönem Sonnenuntergang. Abends gab es noch Abendbrot und Mondkuchen, ein Geschenk von Nicos Arbeit.
💡Mondkuchen sind traditionelle chinesische Teigkuchen und meist süße oder nussige Füllungen enthalten. Sie werden vor allem zum Mittherbstfest gegessen und symbolisieren Familie, Zusammengehörigkeit und Vollkommenheit.



WeChat, Golden Week & erste Bestellungen
Bereits seit einigen Tagen versuchte ich mein WeChat zum Laufen zu bekommen, das Herzstück des chinesischen Alltags. Anders als Nico musste ich von einem WeChat Nutzer verifiziert werden, der bereits 6 Monate das Konto aktiv nutzt. Zuerst fragten wir Mitarbeiter im Hotel, aber leider funktionierte es dort noch nicht, da meine Handynummer mindestens 48 Stunden existieren musste. Da mich Nicos Chefin auf WeChat adden wollte, erklärte ich ihr das Problem und sie verifizierte mich. Dies war ein besonders wichtiger Schritt, denn hierüber läuft alles: Kommunikation, Bezahlung, Lieferdienste, Restaurantbestellungen, Onlinebanking, Arzttermine, Ticketkauf und vieles mehr.
Pünktlich dazu begann die Golden Week, die wichtigsten Nationalfeiertage in China (💡Golden Week: Festivitäten anlässlich der Gründung, der Volksrepublik China 1949). Eine ganze Woche frei, perfekt um unsere neue Umgebung zu erkunden. Wegen der Feiertage waren alle Sehenswürdigkeiten und Zugtickets ohnehin ausgebucht.
Wir nutzten die Zeit also, um den Stadtteil rund um unser aktuelles Apartment besser kennenzulernen: Wo ist der nächste Bäcker? Die Bushaltestelle, an der Nico später zur Arbeit fährt? Die nächste U-Bahn-Station? Nette Café Spots?
Abends probierten wir viele neue Restaurants: von traditionellen „Old Beijing Noodles“ über chinesisches BBQ bis hin zu Sushi und Burgern.
Und endlich, mit funktionierendem WeChat konnten wir auch Essen und Einkäufe liefern lassen: Frühstück, Wasser, Lebensmittel, alles per App. Riesige Auswahl, blitzschnelle Lieferung, aber definitiv eine kleine Reizüberflutung!






Unsere erste Onlinebestellung & das Abenteuer Wäsche waschen
Auch das Online-Shopping haben wir inzwischen ausprobiert, unsere erste Bestellung beim „chinesischen Amazon“.
Denn Spülmaschinentabs und Kaffee waren in den umliegenden Supermärkten und bei den Lieferdiensten entweder gar nicht zu finden oder extrem teuer. Also wagte ich die erste Bestellung.
Anders als erwartet war das Paket nicht schon am nächsten Tag da, vielleicht muss ich erst noch Prime-Mitglied werden? 😄
Drei Tage nach der Bestellung kamen die Sachen schließlich an, ganz bequem vom Hauspersonal direkt vor unsere Apartmenttür gelegt.
Und dann stand auch noch ein weiteres „erstes Mal“ an: Wäsche waschen in China.
In unserem Apartment gibt es eine Kombi-Maschine Waschen und Trocknen in einem Gerät. So etwas benutzten wir bisher nicht.
Im Willkommenspaket des Apartments waren zum Glück ein paar nützliche Dinge enthalten: fünf Kaffeekapseln, etwas Milch, Müsli, zwei Fertignudelgerichte (vergleichbar mit Mirácoli), eine Tafel 70%-Schokolade und Waschmittel.
Also los: Programm gewählt 30 Grad, 1 Stunde 15 Minuten Laufzeit. Nach dem Waschgang die erste Überraschung: keine Wäscheleine weit und breit. Also alles, bis auf ein Wolloberteil ab in den Trockner.
Nach dem ersten Durchlauf, mit dem falsch gewählten Programm, war die Wäsche noch feucht. Also noch einmal rein. Dieses Mal trocken, aber… der Geruch war seltsam. Ich googelte, ob ich etwas falsch gemacht hatte, aber laut Anleitung war alles korrekt. Vielleicht liegt es am Waschmittel? Wir werden weiter experimentieren, bis unsere Wäsche wieder so frisch riecht wie zuhause.
Nicos erster Friseurbesuch in China
Am Samstag schlenderten wir nach einer kleinen Kaffee- und Kuchen-Pause bei Starbucks noch durch das Einkaufszentrum, das direkt an unser Hotel anschließt.
Plötzlich meinte Nico: „Eigentlich müsste ich mal wieder zum Friseur… warum nicht jetzt? Dann kann’s bis zum ersten Arbeitstag noch ein bisschen wachsen, falls es schiefgeht.“ 😄
Gesagt, getan. Zwischen verschiedenen Preiskategorien konnte man wählen – Nico entschied sich für die zweite Stufe. Zuerst wurden ihm die Haare gewaschen, dann versuchten wir auf Englisch und mit Hilfe eines Fotos zu erklären, wie er sich den Schnitt vorstellt.
Und dann hieß es: kein Zurück mehr. Die Schere schnitt, die Maschinen summten, ein paar Zwischenanweisungen von Nico und nach einer Weile ging es erneut zum Haarewaschen, bevor das Styling folgte.
Das Ergebnis? Wir finden: kann sich absolut sehen lassen!


Was für eine Woche! Bürokratie, Kulinarik, Alltagschaos und mittendrin ganz viele kleine Erlebnisse, die uns jeden Tag zeigen: Wir sind wirklich in China angekommen. 🇨🇳✨