Fundstรผck Juli 2026

โ€žLieber Helm-Frisur statt Schรคdel-Frakturโ€œ

Wahrscheinlich eines der bekanntesten Sprichwรถrter unter Reitern und mittlerweile auch unter vielen anderen Sportlern. Denn egal ob beim Reiten, Fahrradfahren, Skifahren oder Motorradfahren: Ein Helm kann im entscheidenden Moment einen groรŸen Unterschied machen.

Seit dem 1. Mai 2026 gilt in Peking eine neue Regelung, die das Thema Helm auch im alltรคglichen StraรŸenverkehr deutlich sichtbarer macht. Wer mit einem elektrischen Fahrrad/ elektrischen Roller unterwegs ist, muss seitdem einen geeigneten und zertifizierten Schutzhelm tragen. Das gilt nicht nur fรผr den Fahrer, sondern auch fรผr einen Mitfahrer. Fรผr normale Fahrrรคder gilt diese neue gesetzliche Helmpflicht dagegen nicht.

Als wir nach unserem Sommerurlaub wieder zurรผck in Peking waren, fiel uns sofort auf, dass sich im StraรŸenbild etwas verรคndert hatte. Besonders faszinierend finde ich dabei, wie unterschiedlich die Menschen mit der neuen Regelung umgehen.

Deshalb dachte ich: Das ist doch ein perfektes Fundstรผck des Monats.

Helm-Situation Oktober 2025

Seit der neuen Regelung begegnen uns zwar tatsรคchlich mehr Menschen mit Kopfschutz. Gleichzeitig zeigt sich aber auch: โ€žHelm tragenโ€œ bedeutet offenbar nicht automatisch, dass dieser auch so genutzt wird, wie man es sich ursprรผnglich vorgestellt hat.

Man sieht zum Beispiel Menschen, die den Helm zwar auf dem Kopf haben, ihn aber nicht richtig befestigt haben. Der Kinnriemen hรคngt locker unter dem Kinn oder ist รผberhaupt nicht geschlossen. Damit ist der Helm zwar theoretisch vorhanden, wรผrde im Falle eines Sturzes aber wahrscheinlich schneller vom Kopf fliegen als der Fahrer selbst.

Und auch bei der GrรถรŸe scheint manchmal das Motto zu gelten: Hauptsache, er ist irgendwie auf dem Kopf. Manche Helme sind deutlich zu groรŸ und wackeln bei jeder Bewegung frรถhlich hin und her. Andere wirken eher eine Nummer zu klein und sitzen so eng, dass man sich fragt, ob der Helm oder der Kopf eigentlich angepasst werden musste. Dazu kommen schief sitzende Helme, die irgendwo zwischen Stirn und Hinterkopf ihren persรถnlichen Lieblingsplatz gefunden haben.

Und dann gibt es natรผrlich noch die Frage: Ist Helm wirklich gleich Helm?

Wenn man durch Peking lรคuft, sieht man die unterschiedlichsten Modelle. Manche Menschen tragen klassische Fahrradhelme, andere eher geschlossene Helme, wie man sie auch vom Motorrad kennt. Wieder andere Modelle erinnern eher an Bauhelme oder sehen aus wie einfache Kunststoffschalen. Fรผr den Laien ist deshalb gar nicht immer leicht zu erkennen, ob es sich tatsรคchlich um einen geeigneten Schutzhelm handelt.

Die neue Regelung schreibt vor, dass die Helme den entsprechenden nationalen Standards entsprechen und zertifiziert sein mรผssen. Ein beliebiger Fahrradhelm oder eine einfache Kopfbedeckung reicht also natรผrlich nicht aus.

Das รœberraschendste bleibt aber, dass trotz der neuen Regelung noch immer einige Menschen ganz ohne Helm unterwegs sind. Besonders hรคufig sieht man Situationen, in denen zwar der Fahrer einen Helm trรคgt, die Beifahrerin, ob Partnerin, Freundin oder Tochter, jedoch ohne Kopfschutz mitfรคhrt. Manchmal entsteht dabei fast der Eindruck, dass der Helm weniger der Sicherheit dient, sondern eher dazu, mรถgliche Strafen zu vermeiden.

Denn der Helm ist erstaunlich oft zumindest in der Nรคhe: Manche Fahrer hรคngen ihn bequem an den Lenker, andere befestigen ihn an einem Haken am Roller. Wieder andere platzieren ihn einfach vor sich auf dem Sitz, quasi als Beifahrer ohne Fรผhrerschein. Der Helm fรคhrt also mit und ist theoretisch jederzeit griffbereit. Nur befindet er sich wรคhrend der Fahrt nicht unbedingt dort, wo er im Falle eines Sturzes den grรถรŸten Nutzen hรคtte: auf dem Kopf.

Besonders amรผsant wird es, wenn eine Polizeikontrolle auftaucht. Dann verwandelt sich der lรคssig am Roller baumelnde Helm innerhalb weniger Sekunden in einen ordnungsgemรครŸ getragenen Kopfschutz. Eine beeindruckende Reaktionsgeschwindigkeit und fast schon ein kleines Schauspiel fรผr die Zuschauer am StraรŸenrand.

Positiv ist das die meisten Lieferfahrer vorallem von groรŸen Unternehmen jetzt durchweg Helme tragen. Auch im allgemeinen fรคllt auf das mehr Leute nun geschรผtzt fahren.

Wรคhrend man frรผher deutlich hรคufiger Menschen ohne Helm gesehen hat, begegnen uns inzwischen immer mehr Fahrer mit Kopfschutz. Natรผrlich gibt es weiterhin Menschen, die keinen Helm tragen oder ihn nicht korrekt befestigen. Aber insgesamt scheint sich das StraรŸenbild langsam zu verรคndern.

Die Polizei kontrolliert nun die Einhaltung der neuen Vorschriften stรคrker. Wer ohne vorgeschriebenen Helm mit einem elektrischen Fahrrad unterwegs ist, muss mit einer Verwarnung oder einer Geldstrafe von 10 bis 50 Yuan rechnen.

Helm-Situation Juli 2026

Der Helm ist aber auch einfach ein beliebtes Accessoire geworden, denn viele Menschen machen ihren Helm inzwischen zu etwas ganz Persรถnlichem. Statt eines einfachen schwarzen Schutzhelms sieht man immer hรคufiger bunte Modelle, kleine Figuren, Ohren, Schleifen oder andere Verzierungen. In China, wo Individualisierung und niedliche Designs im Alltag eine groรŸe Rolle spielen, wird selbst aus einem eigentlich praktischen Gegenstand schnell ein kleines Statement.

Doch nicht nur optisch wird der Helm immer individueller. Immer hรคufiger sieht man auch Helme mit kleinen Kameras, รคhnlich wie eine Dashcam am Auto. Diese zeichnen wรคhrend der Fahrt den Verkehr auf und sollen im Falle eines Unfalls helfen, den Hergang besser nachvollziehen zu kรถnnen. Gerade im dichten Pekinger StraรŸenverkehr, wo Fahrrรคder, E-Bikes, Roller und Autos oft sehr nah aneinander unterwegs sind, kรถnnen solche Aufnahmen wertvolle Hinweise liefern. Videoaufnahmen kรถnnen bei der Klรคrung von Verkehrsunfรคllen als Beweismittel herangezogen werden, wenn sie zur Aufklรคrung des Unfallhergangs beitragen. 

Vielleicht liegt genau darin eine Chance: Je mehr Menschen รผberhaupt einen Helm tragen, desto normaler wird der Anblick im StraรŸenbild. Und wenn ein Helm nicht mehr nur als lรคstige Pflicht gesehen wird, sondern auch als etwas, das den eigenen Stil widerspiegeln kann oder sogar zusรคtzliche Sicherheit bietet, steigt vielleicht fรผr den ein oder anderen die Motivation, tatsรคchlich einen zu tragen.

Denn am Ende schรผtzt auch der schรถnste, kreativste oder technisch ausgestattetste Helm nur dann, wenn er dort sitzt, wo er hingehรถrt: auf dem Kopf.

Ob sich dadurch langfristig wirklich alle Menschen an die Helmpflicht halten werden, wird sich natรผrlich noch zeigen. Aber die Regelung soll vor allem dazu beitragen, ein neues Sicherheitsbewusstsein zu schaffen und bereits jetzt ist der Unterschied im Stadtbild bemerkbar. Besonders wenn man nach einigen Wochen aus dem Urlaub zurรผckkommt, fallen solche Verรคnderungen wahrscheinlich noch stรคrker auf.

Regenzeit mit รผber 30 Grad

Wir sind genau zur Pekinger Regenzeit aus Deutschland zurรผckgekommen. Der Juli gehรถrt zu den niederschlagsreichsten Monaten des Jahres. Das bedeutet allerdings nicht, dass es hier tagelang durchregnet. Viel hรคufiger wechseln sich strahlender Sonnenschein und kurze, teilweise krรคftige Regenschauer ab.

Und selbst wenn es regnet, bleiben die Temperaturen sommerlich warm. Bei รผber 30 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit fรผhlt sich das Wetter dadurch manchmal fast tropisch an.

Genau dieses typische Pekinger Sommerwetter begleitete uns auch durch die vergangenen zwei Wochen. Mal begann der Tag bei strahlendem Sonnenschein und endete mit einem krรคftigen Regenschauer.

Dazwischen gab es aber trotzdem einiges zu erleben und auch der Alltag direkt wieder auf Hochtouren.

Ein Besuch im Pekinger Freibad

Gemeinsam mit einer Freundin nutzte ich einen sonnigen Tag, um endlich einmal etwas auszuprobieren, das ich mir hier in Peking ehrlich gesagt zunรคchst gar nicht so richtig vorstellen konnte: einen Besuch im Freibad.

Das Schwimmbad war deutlich grรถรŸer, als ich erwartet hatte. Es gab allerdings nur ein einziges groรŸes Becken mit verschiedenen Bereichen fรผr Schwimmer, Nichtschwimmer und einen Kinderbereich.

Was mir allerdings sofort auffiel: Ein klassisches Freibad, wie wir es aus Deutschland kennen, ist es nicht. Eine groรŸe Liegewiese mit Handtรผchern und Picknickdecken sucht man hier vergeblich. Stattdessen gibt es Klappstรผhle, betonierte Flรคchen und Tribรผnen, auf denen es sich die Besucher gemรผtlich machen.

Das liegt unter anderem auch daran, dass helle Haut in China nach wie vor einem verbreiteten Schรถnheitsideal entspricht. Viele Besucher suchten deshalb bewusst den Schatten auf oder trugen lange UV-Schutzkleidung.

Auch der Eintrittspreis war fรผr uns zunรคchst รผberraschend. Wรคhrend man sich in Deutschland schon gerne einmal รผber die Preise mancher Freibรคder beschwert, kostete der Eintritt hier umgerechnet etwa zehn Euro pro Person. Das empfand ich ehrlich gesagt als ziemlich teuer. Vor allem, weil es sich dabei nicht um eine riesige Freizeitanlage mit mehren Becken handelte, wie man sie aus Deutschland kennt.

Alles in allem war es also weniger ein klassischer Freibadtag mit stundenlangem Liegen auf der Wiese, sondern vielmehr eine Mischung aus Schwimmen, Entspannen und einem ausgiebigen Update mit einer Freundin.

Ein regnerisches Wochenende

Am Freitagabend wollten Nico und ich ein italienisches Restaurant in Sanlitun ausprobieren, einem lebhaften Viertel Pekings mit vielen Restaurants, Bars und Nachtleben.
Trotz groรŸer Nachfrage mussten wir nur fรผnf statt der angekรผndigten 20 Minuten warten und bekamen sogar einen Platz drauรŸen. Die Pizza war zudem so gut, dass sie fรผr uns jetzt auf Platz eins in Peking steht.


Danach gingen wir noch auf eine Dachterrasse, genossen den Blick รผber die Stadt und starteten entspannt ins Wochenende.

Weil es immer wieder regnete, blieben wir ansonsten viel zuhause, erledigten To-dos und planten unseren nรคchsten Trip mit Freunden sowie die Reise fรผr die Golden Week im Oktober.


Samstagabend ging es fรผr uns, noch zu Haidilao Hot Pot. Diese Kette ist bekannt fรผr solides Essen, Roboter, die Speisen bringen und eine Nudel-Show am Tisch.

Fรผr uns gehรถrt Hot Pot inzwischen einfach zu den Dingen, die man in China erlebt haben sollte.

Kleine Erledigungen

In der folgenden Woche standen bei mir vor allem die Planung unserer nรคchsten Wochen und das Chinesischlernen auf dem Programm.

Nach der lรคngeren Sommerpause hatte ich vor meiner ersten Chinesischstunde tatsรคchlich ein wenig Sorge, dass ich vieles wieder vergessen haben kรถnnte. Umso positiver war ich รผberrascht, dass das Gegenteil der Fall war. Die Stunde lief besser als erwartet und hat mir wieder richtig SpaรŸ gemacht.

Wรคhrend ich langsam wieder in meine Routinen zurรผckfand, war Nico zudem weiterhin mit seinem chinesischen Fรผhrerschein beschรคftigt. Fรผr den Antrag fehlte unter anderem noch ein Sehtest. Da die entsprechende Stelle am Wochenende geschlossen hatte, kam Nico an einem Wochentag etwas frรผher von der Arbeit nach Hause und wir machten uns gemeinsam auf den Weg.

Schon beim Betreten des ร„rztehauses wurde klar: Hier spricht niemand Englisch. Also hieรŸ es: Gestik, Handzeichen und รœbersetzer-App. Wir wurden von Zimmer zu Zimmer geschickt, erst zum Arzt, zurรผck zur Anmeldung, dann endlich zum Sehtest.

Der Sehtest selbst war dann รผberraschend vertraut. Aus einem Buch musste er eine Zahl erkennen fรผr die Rost-Grรผn schwรคche auszuschlieรŸen und anschlieรŸend an verschiedene Zeichen sagen, ob die ร–ffnung nach oben, unten, links oder rechts ist.

Nach vier Zeichen war der Test auch schon geschafft.

Die nรคchste Herausforderung wartete allerdings direkt danach: Nico musste mit seinem chinesischen Namen unterschreiben. Zum ersten Mal in seinem Leben musste er also chinesische Schriftzeichen schreiben.

Mit dem fertigen Dokument wollten wir dann eigentlich heim, doch das Wetter hatte andere Plรคne. Aus strahlendem Sonnenschein wurde plรถtzlich starker Regen und natรผrlich hatten wir kein Schirm dabei.

Also Standen wir erstmal noch in dem Eingang, Nico erledigte nebenher noch ein paar Telefonate fรผr die Arbeit und als es etwas nachlieรŸ, sind wir nach Hause gelaufen.

Chinesische Kรผche entdecken

Mittwochs war ich mit meiner Freundin zum Brunch verabredet. Sie wollte mir unbedingt eines ihrer Lieblingsrestaurants zeigen: das Buffet im JEN Hotel direkt gegenรผber von unserem Gebรคude.

Dieses bietet eine groรŸe Auswahl an verschiedenen Speisen. Es gibt ausschlieรŸlich typische Pekinger Speisen und einige besondere Stationen. Man kann sich zum Beispiel sogar seinen eigenen kleinen Hot Pot zusammenstellen.

Meine Freundin kommt gebรผrtig aus Peking und konnte mir deshalb viele der Gerichte erklรคren. Es war schรถn, gemeinsam durch das Buffet zu gehen und von ihr einige ihrer Lieblingsspeisen gezeigt zu bekommen.

Ein Wochenend-Roadtrip

Am Freitagnachmittag trafen wir uns gemeinsam mit einem befreundeten Pรคrchen am Mercedes Benz Werk, um gemeinsam unseren Ausflug zu starten.

Unser Ziel: Qingdao.

Insgesamt waren es rund 650 Kilometer von Peking bis an die Kรผste und diese haben wir gemeinsam mit dem elektrischen EQS zurรผcklegen. Nach 4 1/2 Stunden machten wir unseren einzigen Ladestopp von etwa 20 Minuten. Wรคhrend unser Auto geladen wurde, konnten wir uns die Beine vertreten und die Raststรคtte erkunden.

Diese sind gar nicht so anders als bei uns. Es gibt Restaurants, Toiletten, kleine Geschรคfte und teilweise sogar Spielbereiche fรผr Kinder. Nur das Essen unterscheidet sich natรผrlich deutlich. Statt belegter Brรถtchen oder Currywurst gibt es chinesische Gerichte. AuรŸerdem findet man รผberall Stationen mit heiรŸem Wasser, an denen man sich Tee oder Instantnudeln zubereiten kann.

Nach insgesamt etwa sieben Stunden Fahrt kamen wir kurz vor 23 Uhr in Qingdao an. Die Kรผstenstadt in der Provinz Shandong ist vor allem fรผr ihre Strรคnde und ihr Bier bekannt.

Gleichzeitig hat Qingdao eine besondere Verbindung zu Deutschland: Von 1898 bis 1914 stand die Stadt unter deutscher Kolonialherrschaft. Noch heute findet man dort zahlreiche deutsche Bauwerke und rote Ziegeldรคcher. Und zudem ist Qingdao auch die Heimat des berรผhmten Tsingtao-Biers.

Nach der langen Fahrt wollten wir den Abend noch nicht sofort beenden. Also setzten wir uns noch zusammen in dem Restaurant direkt am Hotel, bestellten uns einen Drink und stieรŸen auf das bevorstehende Wochenende an. Danach ging es fรผr uns aber auch schnell ins Bett, schlieรŸlich wartete am nรคchsten Morgen unser erstes richtiges Qingdao-Abenteuer auf uns.

Zwischen deutscher Geschichte und chinesischer Bierkultur

Am Samstag machten wir uns nach einem gemรผtlichen Frรผhstรผck mit dem Taxi auf den Weg in die Altstadt rund um die Zhongshan Lu. Eigentlich wollten wir direkt das Tsingtao-Biermuseum besuchen. Als wir dort ankamen, mussten wir allerdings feststellen, dass fรผr den Tag bereits fast alles ausgebucht war. Die einzige noch verfรผgbare Mรถglichkeit war eine Fรผhrung auf Englisch zu einem spรคteren Zeitpunkt.

Im Nachhinein war das aber eigentlich gar nicht schlecht. So hatten wir zunรคchst noch Zeit, die Altstadt zu erkunden.

Unser erster Stopp war die St.-Michael-Kathedrale. Die Kirche mit ihren beiden markanten Tรผrmen gehรถrt zu den bekanntesten historischen Bauwerken Qingdaos und wurde in den 1930er-Jahren von deutschen Missionaren errichtet. Sie liegt mitten in dem Teil der Stadt, der noch heute stark von der deutschen Geschichte Qingdaos geprรคgt ist.

Von dort aus schlenderten wir einfach ohne konkreten Plan durch die StraรŸen. Qingdao fรผhlt sich in vielen Teilen der Altstadt erstaunlich europรคisch an. Die roten Ziegeldรคcher, historischen Gebรคude und die teilweise fast mediterrane Atmosphรคre unterscheiden sich deutlich von vielen anderen chinesischen Stรคdten.

Der Grund dafรผr liegt in der besonderen Geschichte der Stadt. Qingdao stand von 1898 bis 1914 unter deutscher Kontrolle. Nach dem Ersten Weltkrieg รผbernahm Japan die Stadt, bevor Qingdao 1945 wieder endgรผltig unter chinesische Kontrolle kam. Die deutsche Prรคgung ist heute aber noch deutlich im Stadtbild sichtbar und natรผrlich auch in der wohl bekanntesten Erfindung dieser Zeit: dem Qingdao-Bier.

Wรคhrend wir weiter durch die StraรŸen schlenderten, holten wir uns noch einen Kaffee und kamen immer wieder an kleinen Stรคnden und Werbeflรคchen rund um das Qingdao-Bier vorbei. In der ganzen Stadt begegnet man dem Bier auf unterschiedliche Weise.

Eine Besonderheit Qingdaos ist ist das Bier in Plastiktรผten. Das klingt zunรคchst etwas ungewรถhnlich, ist dort aber eine richtige Tradition. Frisch gezapftes Bier wird in Tรผten gefรผllt und hรคufig mit einem Strohhalm getrunken. Frรผher war diese Variante vor allem praktisch und gรผnstig und bis heute gehรถrt sie fรผr viele einfach zum typischen Qingdao-Erlebnis dazu.

Auch die Bierbรถrse ist besonders bekannt in der Stadt. Dabei handelt es sich um eine Art Selbstbedienungsstation, an der verschiedene Biersorten zu unterschiedlichen Preisen angeboten werden. Die Preise schwanken je nach aktueller Nachfrage, รคhnlich wie an einer Bรถrse. รœber einen QR-Code kann man sein Bier bezahlen, selbst zapfen und anschlieรŸend direkt genieรŸen.

Brauerei Besuch

Nach einer kleinen Stรคrkung mit Jiaozi, also chinesische Dumplings, ging es dann zum eigentlichen Hรถhepunkt der Stadt: der Tsingtao-Brauerei.

Die Geschichte der Brauerei ist eng mit der deutschen Vergangenheit der Stadt verbunden. Sie wurde 1903 von deutschen und britischen Geschรคftsleuten als „Germania-Brauerei Tsingtao Co., Ltd.“ gegrรผndet . Die deutschen Brauer brachten dabei nicht nur ihr Wissen, sondern auch die entsprechende Technik nach Qingdao, darunter vier kupferne Sudkessel und einen Siemens-Elektromotor, der tatsรคchlich bis 1995 im Einsatz war.

So entstand eine Brauerei, die deutsche Brautradition mit chinesischen Zutaten und lokalen Gegebenheiten verband.

Wรคhrend der Fรผhrung erfuhren wir mehr รผber die Geschichte der Brauerei, konnten verschiedene Produktionsbereiche sehen und bekamen erklรคrt, wie sich das Bier im Laufe der Zeit entwickelt hat. Besonders interessant fand ich auch die Ausstellung mit alten Flaschen und Krรผgen im Qingdao Beer Museum, das auf dem alten Brauereigelรคnde eingerichtet ist Dadurch wurde sichtbar, wie sich das Design der Marke รผber die Jahrzehnte verรคndert hat.

Zusรคtzlich wurde uns die Herstellung des Bieres genauer erklรคrt. Wir erfuhren, welche Zutaten verwendet werden und welche Rolle Wasser, Malz und Hopfen bei der Produktion spielen. In der Ausstellung waren auรŸerdem einige der ursprรผnglichen deutschen Maschinen zu sehen, die in der Anfangszeit der Brauerei nach Qingdao gebracht wurden.

Die Tsingtao-Brauerei gehรถrt heute zu den bekanntesten Biermarken Chinas und wurde im Laufe ihrer Geschichte mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet. 2025 wurde sie sogar als stรคrkste Biermarke der Welt ausgezeichnet . Mit einem Markenwert von 3,6 Milliarden US-Dollar und einem BierausstoรŸ von 7,65 Millionen Hektolitern ist sie zudem einer der grรถรŸten Bierproduzenten der Welt.

Auch bei groรŸen internationalen Veranstaltungen ist die Marke prรคsent. So war Tsingtao unter anderem offizieller Sponsor der Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking sowie der Olympischen Winterspiele 2022 โ€“ als weltweit einziger „Double-Olympic“-Biersponsor“ . Dadurch ist die Marke lรคngst nicht mehr nur mit China verwurzelt, sondern weltweit bekannt, in รผber 120 Lรคndern .

Natรผrlich durfte auch eine Verkostung nicht fehlen. Dazu gab es kostenlos kleine Glรคser des traditionellen Biers und Bier-Erdnรผsse.

Wir wollten allerdings unbedingt nach der Fรผhrung auch noch etwas Besonderes probieren: das sogenannte Original Beer.

Dabei handelt es sich um besonders frisches, unpasteurisiertes Bier, das direkt aus der Brauerei kommt und deshalb nur sehr kurz haltbar ist. Es wird frisch gezapft und direkt vor Ort verkauft.

Wir kauften uns zwei der berรผhmten Bierbeutel. Eine Tรผte tranken wir direkt aus unseren Glรคsern, die andere nahmen wir fรผr den Abend mit. Die Tรผten waren dabei sogar eine Art Premium-Version der klassischen Plastiktรผte und eine groรŸe Tรผte mit ungefรคhr zwei Litern kostete dabei gerade einmal umgerechnet etwa acht Euro.

Geschmacklich ist das Tsingtao Bier wesentlich leichter und weniger bitter als viele traditionelle deutsche Biere. Ursprรผnglich wurde es nach deutschem Vorbild gebraut, dieses war aber fรผr viele Chinesen zunรคchst zu bitter und wurde als Pferdeurin verpรถnt. Deshalb wurde der Geschmack im Laufe der Zeit an die chinesischen Vorlieben angepasst und das Bier wird nun deutlich milder gebraut.

Nach einem kurzen Zwischenstopp im Hotel machten wir uns am Abend wieder auf den Weg zum Essen. Da Qingdao eine Hafenstadt ist, gehรถrt Seafood natรผrlich zu den Spezialitรคten der Region.

Wir bestellten eine groรŸe Seafood-Platte fรผr uns vier. Fรผr umgerechnet etwa 20 Euro bekamen wir eine beeindruckende Auswahl an verschiedenen Meeresfrรผchten: Muscheln, Garnelen, Krabben, Hummer und sogar einen Seestern. Dazu gab es Pommes, Reis, Lotuswurzel, Blumenkohl und eingelegten Sellerie.

Und dann war es endlich Zeit fรผr den eigentlichen Grund, warum wir dieses Wochenende hierher gekommen waren.

Ein chinesisches Beer Fest?

Das Qingdao Beer Festival gilt als eines der grรถรŸten Bierfestivals der Welt und wird als das grรถรŸte Bierfest Asiens bezeichnet. 2026 fand bereits die 36. Ausgabe statt. Das Festival erstreckt sich รผber mehrere Veranstaltungsorte und verbindet Biergรคrten, Konzerte, Fahrgeschรคfte, Shows und internationale Marken miteinander. Der Hauptstandort allein bot 2026 mehr als 2.300 verschiedene Biere und รผber 2.000 Veranstaltungen. 

Als wir das Gelรคnde betraten, waren wir zunรคchst vรถllig รผberwรคltigt. Es war riesig und deutlich grรถรŸer, als wir erwartet hatten. รœberall gab es verschiedene Bierzelte, Essensstรคnde, Fahrgeschรคfte und Bรผhnen. Zudem fiel uns immer wieder ein ganz besonderes Gebรคude ins Auge: das auรŸergewรถhnliche Theatergebรคude direkt am Strand. Mit seiner markanten, geschwungenen Form ragte es zwischen den verschiedenen Bereichen des Festivalgelรคndes hervor. Zu der lebhaften Atmosphรคre tragen auรŸerdem jedes Jahr groรŸe Shows, Feuerwerke und weitere Veranstaltungen bei.

Unser erster Stopp war das deutsche Warsteiner-Zelt, da wir hofften, dort etwas Discofox tanzen zu kรถnnen. Die Stimmung war allerdings ganz anders als erwartet und deutsche Tanzmusik lief ebenfalls nicht.

Also probierten wir stattdessen das groรŸe Tsingtao-Bierzelt aus. Dort war die Stimmung deutlich ausgelassener. Allerdings wurde auch hier nur wenig getanzt. Stattdessen gab es eine moderierte Show mit verschiedenen Wettbewerben und Spielen: Wer trinkt am schnellsten? Welcher Tisch ist am lautesten? Und wer kann fรผr die beste Stimmung sorgen?

Auch das dritte Zelt, das wir uns anschauten, vermittelte wieder eine ganz andere Atmosphรคre, eher wie bei einer Hochzeit oder einem groรŸen Geschรคftsessen. Besonders interessant fanden wir dort eine Band, die auf den ersten Blick aus Robotern zu bestehen schien. Zumindest dachten wir das zunรคchst. Bei genauerem Hinsehen stellten wir jedoch fest, dass es sich lediglich um Attrappen handelte.

So hatte jedes Zelt seinen ganz eigenen Charme. Fairerweise mรผssen wir allerdings sagen, dass wir auch gar nicht richtig in die jeweilige Atmosphรคre eintauchen konnten. Die meisten Tische waren bereits besetzt und ohne Bรคndchen hรคtten wir uns auch keinen eigenen Tisch nehmen kรถnnen. Fรผr die wenigen Stunden, die wir noch auf dem Festival verbringen wollten, hรคtte sich das fรผr uns jedoch nicht mehr wirklich gelohnt.

Tsingtao Zelt
Warsteiner Zelt

Zwischendurch sahen wir Fahrgeschรคfte, eine europรคische Blaskapelle, verschiedene Shows und sogar eine gemeinsame Gesangseinlage, bei der plรถtzlich alle zusammen ein Lied sangen. Auch die Biergรถttin bekamen wir zu Gesicht. Wir fanden es besonders interessant, dass es sich dabei um eine weibliche Figur handelt und nicht wie man bei einem Bierfestival vielleicht zunรคchst erwarten wรผrde, um einen mรคnnlichen Gott.

Natรผrlich durfte auch das berรผhmte Foto vor dem Tor mit den beiden anstoรŸenden Bierkrรผgen nicht fehlen. Pรผnktlich dazu gab es auch das groรŸe Feuerwerk, das jeden Abend gleich zweimal stattfindet und das Festivalgelรคnde fรผr einen Moment noch einmal in ein ganz besonderes Licht tauchte.

Einmal mussten wir natรผrlich auch noch das Bier direkt an einer Bier-Tankstelle ausprobieren und zapften uns unser Bier selbst. Anfangs war das gar nicht so einfach, doch sobald man den Dreh heraus hatte, klappte es auch mit der angemessenen Menge an Schaum.

Es waren diese kleinen, teilweise unerwarteten Momente, die uns immer wieder zum Schmunzeln brachten und die besondere Atmosphรคre des Qingdao Beer Festivals ausmachten. Hier ging es nicht nur um das Bier selbst, sondern um die gesamte bunte, laute und manchmal auch etwas skurrile Mischung aus Musik, Shows und den vielen kleinen รœberraschungen am Wegesrand, wie zum Beispiel einem Verkรคufer an einem Stand, der voller Begeisterung tanzte, wรคhrend er seine Waren anpries.

Zum Abschluss lieรŸen wir den Abend jedoch nicht in einem der groรŸen Bierzelte ausklingen, sondern gingen noch an die Uferpromenade. Das Festivalgelรคnde liegt direkt am Meer und deshalb setzten wir uns dort zum Abschluss noch auf die Campingstรผhle. Hinter uns lag das bunte und laute Festivalgelรคnde, wรคhrend wir vor uns das Meer hatten. Ein schรถner Kontrast zu den vielen Eindrรผcken des Tages.

AnschlieรŸend liefen wir noch etwa 25 Minuten zurรผck zu unserem Hotel. Ein langer, ereignisreicher Tag, an dem wir unglaublich viel gesehen und erlebt hatten und definitiv eine Erinnerung, die uns noch lange bleiben wird.

Ein ruhiger Sonntag am Meer

Am Sonntag lieรŸen wir es deutlich ruhiger angehen. Nach dem Frรผhstรผck mussten wir eigentlich nur die StraรŸe รผberqueren und standen bereits am Strand.

Dort wollten wir uns vier Liegen mieten. Der erste Preis lag bei 500 Yuan, also umgerechnet etwa 63 Euro. Da wir allerdings wussten, dass wir nur wenige Stunden bleiben konnten, begannen wir zu verhandeln. Am Ende konnten wir den Preis auf 200 Yuan, also etwa 25 Euro, reduzieren.

Obwohl der Himmel an diesem Tag eher bewรถlkt und dunstig war, war es am Strand sehr warm. Das Meer war deshalb eine willkommene Abkรผhlung. Der Einstieg war zwar zunรคchst etwas algenreich, aber sobald man einmal im Wasser war, war es sehr angenehm.

Nach ungefรคhr drei Stunden machten wir uns wieder auf den Weg zurรผck ins Hotel, duschten und packten unsere Sachen. Danach ging es mit dem Auto wieder zurรผck nach Peking.

Auch auf der Rรผckfahrt blieben wir von Staus verschont. Nach einem kurzen Ladestopp von etwa 15 Minuten kamen wir nach rund sieben Stunden wieder in Peking an.

Damit ging unser Wochenende in Qingdao zu Ende. Wir hatten deutsche Geschichte, chinesische Bierkultur, frisches Seafood, ein riesiges Bierfestival und einen Tag am Meer miteinander verbunden. Und genau diese Mischung war fรผr uns der Grund, warum sich die lange Fahrt von Peking nach Qingdao absolut gelohnt hatte.

Moderne Architektur, die mich beeindruckt

Peking ist eine Stadt voller architektonischer Gegensรคtze. Neben den historischen Bauwerken der Kaiserzeit ist in den letzten Jahrzehnten eine vรถllig neue Stadtlandschaft entstanden: futuristische Hochhรคuser, auรŸergewรถhnliche Bรผrogebรคude und experimentelle Architektur, die weltweit Aufmerksamkeit bekommen hat.

Die Zahl faszinierender moderner Gebรคude in Peking ist riesig und diese Liste kรถnnte noch deutlich lรคnger sein. Ich habe deshalb bewusst meine persรถnlichen Highlights herausgesucht: Gebรคude, die mich durch ihre Form, ihre Idee, ihre Atmosphรคre oder ihre besondere Wirkung vor Ort beeindruckt haben.

Dabei habe ich einige bekannte Sehenswรผrdigkeiten bewusst nicht aufgenommen, da ich sie bereits in anderen Beitrรคgen vorgestellt habe. Dazu gehรถren zum Beispiel die Bauwerke des Olympiaparks wie das โ€žBirdโ€™s Nestโ€œ oder der โ€žWater Cubeโ€œ. Diese sind zweifellos wunderschรถn, passen aber nicht zu meiner persรถnlichen Auswahl der modernen Architektur, die mich in Peking besonders fasziniert.

Der Fokus dieser Liste liegt daher auf der neuen Skyline Pekings, den futuristischen SOHO-Projekten, auรŸergewรถhnlichen Bรผrogebรคuden und sonstigen Bauwerken, die zeigen, wie vielfรคltig und spannend die Architektur der Stadt heute ist.

SOHO โ€“ Pekings futuristische Bรผroarchitektur

SOHO steht ursprรผnglich fรผr โ€žSmall Office / Home Officeโ€œ und wurde durch die chinesische Immobiliengruppe SOHO China zu einer eigenen Architektursprache in Peking. Besonders bekannt sind die Projekte von Zaha Hadid Architects, die mit flieรŸenden Formen, organischen Linien und futuristischen Innenrรคumen neue Akzente in der Stadt gesetzt haben.

Die SOHO-Gebรคude gehรถren zu den auffรคlligsten modernen Bauwerken Pekings und zeigen eine Architektur, die eher wie eine Skulptur wirkt als wie ein klassisches Gebรคude.

Galaxy SOHO

Architekt: Zaha Hadid Architects, Vereinigtes Kรถnigreich
Fertigstellung: 2012
Nutzung: Bรผro- und Einzelhandelsflรคchen

Galaxy SOHO ist eines der ersten groรŸen futuristischen Projekte von Zaha Hadid in Peking.

Vier geschwungene Baukรถrper verbinden sich รผber Brรผcken und offene Ebenen miteinander. Die Architektur verzichtet fast vollstรคndig auf klassische rechte Winkel und wirkt wie eine flieรŸende Landschaft. Die einzelnen Gebรคudeteile scheinen ineinander รผberzugehen, anstatt klar voneinander getrennt zu sein.

Besonders beeindruckend finde ich die Innenrรคume. Man fรผhlt sich hier weniger in einem normalen Bรผro- und Einkaufszentrum als in einer futuristischen Welt. Die geschwungenen Wรคnde und offenen Ebenen erzeugen eine Atmosphรคre, die ich so bei kaum einem anderen Gebรคude in Peking erlebt habe.

Fรผr mich ist Galaxy SOHO ein Gebรคude, bei dem man stรคndig neue Formen entdeckt, je nachdem, aus welchem Winkel man es betrachtet.

Wangjing SOHO

Architekt: Zaha Hadid Architects, Vereinigtes Kรถnigreich
Fertigstellung: 2014
Nutzung: Bรผro- und Einzelhandelsflรคchen

Die drei Tรผrme von Wangjing SOHO gehรถren zu den bekanntesten modernen Gebรคuden Pekings.

Ihre geschwungenen Formen erinnern an Segel oder an flieรŸende Bewegungen. Je nach Blickwinkel verรคndert sich die Wirkung des gesamten Komplexes. Mal wirken die Tรผrme leicht und elegant, mal massiv und beeindruckend.

Wangjing SOHO ist eines der gelungensten Beispiele dafรผr, wie ein Bรผrokomplex gleichzeitig funktional und skulptural sein kann. Die Gebรคude sehen nicht einfach wie drei nebeneinanderstehende Hochhรคuser aus, sondern wirken wie eine zusammengehรถrige Komposition.

Pekings neue Skyline โ€“ die Wahrzeichen der modernen Stadt

Peking hat in den letzten Jahrzehnten eine neue Skyline entwickelt, die nicht nur aus hohen Tรผrmen besteht. Einige Gebรคude beeindrucken durch ihre Hรถhe und Prรคsenz, andere durch vรถllig neue Formen und architektonische Ideen.

Besonders spannend ist, dass viele dieser Bauwerke nicht einfach klassische Wolkenkratzer sind, sondern eigenstรคndige Skulpturen im Stadtraum.

CCTV Headquarters

Architekt: OMA / Rem Koolhaas und Ole Scheeren, Niederlande
Fertigstellung: 2012
Nutzung: Hauptsitz des chinesischen Fernsehsenders CCTV

Das CCTV Headquarters ist fรผr mich das beeindruckendsten Gebรคude Pekings. Statt eines klassischen Hochhauses besteht es aus zwei geneigten Tรผrmen, die durch einen riesigen umlaufenden Baukรถrper verbunden werden.

Durch seine ungewรถhnliche Form wird es in China oft scherzhaft โ€žUnterhoseโ€œ genannt โ€“ ein Spitzname, der sich auf die zwei โ€žBeineโ€œ und die groรŸe ร–ffnung dazwischen bezieht. Gerade dieser Kontrast macht das Gebรคude so interessant: ein weltweit bedeutendes Architekturprojekt, das gleichzeitig einen sehr menschlichen und humorvollen Spitznamen bekommen hat.

Die sichtbare Stahlstruktur an der Fassade ist nicht nur Gestaltung, sondern Teil der Konstruktion. Das Gebรคude zeigt, dass ein Bรผrohochhaus nicht einfach nur ein hoher Glaskasten sein muss.

Fรผr mich ist das CCTV Headquarters ein Gebรคude, bei dem man sofort stehen bleibt und denkt: Wie kann so etwas รผberhaupt funktionieren?

China Zun (CITIC Tower)

Architekten: TFP Farrells, Vereinigtes Kรถnigreich, und BIAD, China
Fertigstellung: 2018
Nutzung: Bรผrogebรคude, Hotel und weitere Nutzungen

Mit 528 Metern ist China Zun das hรถchste Gebรคude Pekings.

Die Form orientiert sich an einem traditionellen chinesischen GefรครŸ (โ€žZunโ€œ), wodurch der Turm eine Verbindung zwischen chinesischer Kultur und moderner Hochhausarchitektur herstellt.

Seine GrรถรŸe ist beeindruckend, besonders wenn man direkt davor steht und die Dimensionen wahrnimmt. Auch die Wรถlbungen an den Eingรคngen finde ich faszinierend, da sie dem Gebรคude trotz seiner enormen Hรถhe eine elegante und harmonische Form verleihen.

Weitere Gebรคude, die mich beeindrucken

Phoenix International Media Center

Architekt: BIAD / Shao Weiping, China
Fertigstellung: 2014
Nutzung: Medien- und Bรผrogebรคude

Ein auรŸergewรถhnliches Gebรคude, das eher wie eine riesige Skulptur wirkt. Die ringfรถrmige Struktur erinnert an ein technisches Objekt und zeigt eine andere Richtung moderner chinesischer Architektur.

Linked Hybrid

Architekt: Steven Holl Architects, USA
Fertigstellung: 2009
Nutzung: Wohngebรคude, Hotel, Geschรคfte und รถffentliche Einrichtungen

Ein Wohnkomplex, der Hochhรคuser neu denkt. Die einzelnen Tรผrme werden durch Brรผcken verbunden, wodurch eine vertikale Stadt entsteht.

Das Projekt zeigt, dass moderne Architektur nicht nur aus spektakulรคren Fassaden besteht, sondern auch neue Formen des Zusammenlebens schaffen kann.

Ganz ehrlich: meiner Meinung nach ist Linked Hybrid nicht unbedingt das schรถnste Gebรคude auf dieser Liste. Aber genau deshalb fasziniert es mich. Die Architektur ist ungewรถhnlich, eigenstรคndig und irgendwie schwer einzuordnen.

Man schaut es an und denkt nicht unbedingt sofort: โ€žDas ist schรถn.โ€œ Aber man fragt sich: Warum sieht dieses Gebรคude so aus?

National Centre for the Performing Arts

Architekt: Paul Andreu, Frankreich
Fertigstellung: 2007
Nutzung: Oper, Theater und Konzertsaal

Das berรผhmte โ€žEiโ€œ gehรถrt zu den bekanntesten Gebรคuden Pekings.

Die Titan-Glas-Kuppel schwimmt wie eine Insel in einem Wasserbecken und bildet einen starken Kontrast zur historischen Umgebung.

Besonders spannend ist, wie stark sich die Wirkung des Gebรคudes je nach Tageszeit verรคndert. Am Tag wirkt die Kuppel fast wie ein futuristisches Objekt, das auf dem Wasser liegt. Nachts verรคndert sich die Atmosphรคre komplett.

Chaoyang Park Plaza

Architekt: MAD Architects / Ma Yansong, China
Fertigstellung: 2017
Nutzung: Wohnungen, Bรผros und Geschรคfte

Die Gebรคude erinnern an chinesische Landschaftsmalerei, insbesondere an die traditionelle โ€žShan-Shuiโ€œ-Malerei. Berge, Tรคler und natรผrliche Landschaften werden in moderne Architektur รผbersetzt.

Die Tรผrme wirken wie dunkle Felsen oder Berge, die aus der Stadt herausragen.

Fรผr mich ist Chaoyang Park Plaza eindeutig Batmans Zuhause.

Durch die dunkle Fassade und die massiven, geschwungenen Formen wirkt das Gebรคude gleichzeitig elegant, geheimnisvoll und ein wenig aggressiv.

Peopleโ€™s Daily Headquarters

Architekt: chinesische Planungsbรผros
Fertigstellung: 2015
Nutzung: Hauptsitz der chinesischen Tageszeitung Peopleโ€™s Daily

Die Zentrale der chinesischen Tageszeitung ist ein weiteres Beispiel fรผr reprรคsentative Architektur in Pekings neuer Skyline.

Die ungewรถhnliche Form macht das Gebรคude zu einem markanten Symbol fรผr die Bedeutung groรŸer Institutionen in China.

Hotels, die selbst zu architektonischen Wahrzeichen geworden sind

Die bisherigen Gebรคude zeigen bereits, wie unterschiedlich moderne Architektur in Peking aussehen kann. Doch nicht nur Bรผrokomplexe und Wolkenkratzer prรคgen das moderne Stadtbild. Auch einige Hotels haben sich durch ihre Architektur zu echten Wahrzeichen entwickelt.

InterContinental Beijing Sanlitun

Nutzung: Hotel
Fertigstellung: 2018

Von Anfang an habe ich dieses Gebรคude mit seiner wabenfรถrmigen Fassade geliebt.

Die Struktur wirkt modern und gleichzeitig sehr ungewรถhnlich. Besonders nachts ist das Hotel wunderschรถn anzusehen. Die Beleuchtung verรคndert sich immer wieder und erzeugt unterschiedliche Farbspiele.

Besonders bekannt ist das Gebรคude fรผr seine farbigen Lichtinstallationen. Je nach Anlass und Zeitraum kann sich die gesamte Wirkung des Hauses dadurch verรคndern.

Fairmont Beijing

Architekt: Paul Tange, Japan
Erรถffnung: 2010
Nutzung: Luxushotel

Ein riesiges Tor mitten in einem modernen Hochhauskomplex โ€“ genau das ist es, was mich am Fairmont Beijing sofort fasziniert hat.

Die Architektur verbindet moderne Hochhausarchitektur mit einem Element, das stark an traditionelle chinesische Stadttore erinnert. Besonders auffรคllig ist der gewaltige Torbogen, der sich รผber mehrere Stockwerke erstreckt und dem Gebรคude eine auรŸergewรถhnliche Silhouette verleiht.

Fรผr mich wirkt das Fairmont Beijing dadurch fast wie eine moderne Interpretation eines chinesischen Stadttores. Der Kontrast ist faszinierend: Auf der einen Seite ein modernes Luxushotel mit einer zeitgenรถssischen Fassade, auf der anderen Seite eine Form, die an die historischen Tore und Eingรคnge Pekings erinnert.

Gerade diese Verbindung von Tradition und moderner Architektur gefรคllt mir besonders gut. Das Gebรคude versucht nicht, einfach wie ein gewรถhnlicher internationaler Hotelbau auszusehen. Stattdessen greift es ein Element auf, das stark mit der chinesischen und besonders der Pekinger Stadtgeschichte verbunden ist, und interpretiert es vรถllig neu.

Legendale Hotel Beijing

Nutzung: Hotel

Mitten in Peking plรถtzlich vor einem Gebรคude zu stehen, das stark an europรคische Architektur erinnert, ist durchaus รผberraschend.

Das Legendale Hotel fรคllt durch seinen europรคischen Stil deutlich aus dem architektonischen Umfeld heraus. Zwischen traditionellen chinesischen Bauwerken und futuristischen Hochhรคusern wirkt es fast wie ein Stรผck Europa mitten in China.

Genau dieser Kontrast ist es, der mich an dem Gebรคude fasziniert. Es passt nicht unbedingt in das typische Bild, das man von der modernen Architektur Pekings erwartet und gerade deshalb bleibt es im Gedรคchtnis.

Diese Liste ist keine Rangliste der besten Gebรคude Pekings, sondern eine persรถnliche Auswahl der Bauwerke, die mich besonders beeindruckt, รผberrascht oder einfach nicht mehr losgelassen haben.

Fรผr diesen Blogbeitrag habe ich innerhalb drei Tagen alle vorgestellten Gebรคude selbst mit dem Fahrrad oder zu FuรŸ besucht. Insgesamt bin ich dabei 63 Kilometer gefahren und gelaufen. Die lรคngste Strecke an einem Tag waren 24,7 Kilometer.

Dabei wurde die Suche nach den Gebรคuden fast zu einer eigenen Stadterkundung. Im Vergleich zu Stรคdten wie London oder New York konzentrieren sich die architektonischen Highlights und Wolkenkratzer in Peking nicht auf ein einziges, dicht bebautes Zentrum, sondern sind รผber die gesamte Stadt verteilt. Zwischen den einzelnen architektonischen Highlights liegen teilweise groรŸe Entfernungen, sodass man auf dem Weg dorthin immer wieder ganz unterschiedliche Seiten Pekings erlebt.

Trotz der vielen Hochhรคuser wirkt Peking dadurch oft erstaunlich luftig und groรŸzรผgig. Zwischen den groรŸen Gebรคuden gibt es viel Raum, breite StraรŸen, Parks und offene Flรคchen. Man fรผhlt sich dadurch trotz der enormen GrรถรŸe der Stadt nicht stรคndig von Hochhรคusern umgeben oder eingeengt.

Gerade unterwegs entdeckt man hier oft neue Perspektiven und erlebt, wie sich Pekings Stadtbild verรคndert. Ein Gebรคude wirkt auรŸerdem ganz anders, wenn man tatsรคchlich davorsteht und nicht nur ein Foto davon sieht.

Nach diesen drei Tagen und all den unterschiedlichen Eindrรผcken ist mir deshalb noch einmal klar geworden, dass Architektur sehr unterschiedlich wirken kann. Manche Gebรคude beeindrucken durch ihre GrรถรŸe, andere durch ihre ungewรถhnliche Form, ihre Konstruktion oder einfach durch die Atmosphรคre, die sie vor Ort erzeugen.

Inmitten zweier Weltenย 

Drei Wochen lang war es hier ungewรถhnlich ruhig. Der Grund dafรผr war allerdings ein sehr schรถner: Nach fast neun Monaten in China ging es fรผr uns endlich wieder nach Deutschland.

Wir hatten uns natรผrlich unglaublich auf Familie, Freunde und all die kleinen Dinge gefreut, die man im Alltag oft fรผr selbstverstรคndlich hรคlt. Gleichzeitig waren wir aber auch gespannt, wie sich Deutschland nach so langer Zeit anfรผhlen wรผrde.

Und ehrlich gesagt? Es fรผhlte sich รผberhaupt nicht fremd an.

Es war, als hรคtten wir unser Leben dort nur kurz auf Pause gedrรผckt. Die vertrauten StraรŸen, unsere Familien, Freunde und Lieblingsorte โ€“ alles war sofort wieder da. Gleichzeitig haben wir aber auch gemerkt, dass sich etwas verรคndert hat. Nicht Deutschland, sondern wir. Viele Dinge, die frรผher selbstverstรคndlich waren, haben wir plรถtzlich viel bewusster wahrgenommen und wertgeschรคtzt.

Zehn Stunden Vorfreude

Los ging unsere Reise bereits frรผh Morgens in Peking. Vor uns lagen fast zehn Stunden Flug, ein Zwischenstopp in Istanbul und anschlieรŸend noch einmal knapp drei Stunden bis nach Luxemburg.

Fรผr den Rรผckflug hatten wir uns bewusst gegen Frankfurt und fรผr Luxemburg entschieden. Ursprรผnglich waren vor allem die bessere Flugverbindung und der gรผnstigere Preis ausschlaggebend. Im Nachhinein stellte sich aber heraus, dass es genau die richtige Entscheidung war. Der Flughafen ist angenehm klein und รผbersichtlich, die Wege sind kurz und selbst die Ein- und Ausreise verlief erstaunlich entspannt. Auch die Weiterfahrt nach Hause unterscheidet sich zeitlich kaum von Frankfurt, fรผr uns also definitiv eine Verbindung, die wir wieder wรคhlen wรผrden.

Der Zwischenstopp in Istanbul verging ebenfalls schneller als gedacht. Zwar mussten wir unser Handgepรคck erneut kontrollieren lassen, ansonsten blieb aber genรผgend Zeit, sich kurz die Beine zu vertreten, bevor es in den letzten Flieger Richtung Heimat ging.

Je nรคher wir Luxemburg kamen, desto grรถรŸer wurde die Vorfreude. Und kaum aus dem Flughafen heraus, warteten schon die ersten vertrauten Gesichter auf uns. Ab diesem Moment fรผhlte es sich an, als hรคtte unser Leben in Deutschland einfach auf uns gewartet.

Was wir am meisten vermisst haben

Rรผckblickend waren es gar nicht die groรŸen Programmpunkte, die diese Zeit so besonders gemacht haben, sondern die vielen kleinen Momente, die fรผr uns frรผher vรถllig selbstverstรคndlich waren.

Am meisten haben wir natรผrlich die Zeit mit unserer Familie und unseren Freunden genossen. Nach dieser langen Zeit gab es unendlich viel zu erzรคhlen. Manche Gesprรคche dauerten bis spรคt in die Nacht, andere fanden ganz spontan bei einer Tasse Kaffee oder am Kรผchentisch statt. Ein spontaner Besuch, ein gemeinsames Frรผhstรผck oder einfach zusammen im Garten sitzen.

Auch unsere GroรŸeltern endlich wieder in den Arm nehmen zu kรถnnen, war fรผr uns sehr emotional. Es ist etwas ganz Besonderes, einfach wieder gemeinsam am Kรผchentisch zu sitzen, Geschichten auszutauschen und Zeit miteinander zu verbringen. Gerade weil man weiรŸ, dass solche Momente nicht selbstverstรคndlich sind, schรคtzt man sie noch einmal ganz anders.

Natรผrlich durfte danach auch ausgiebiges Kuscheln mit unseren Hunden nicht fehlen. Sie nach so langer Zeit wiederzusehen, war mindestens genauso schรถn und sie haben uns begrรผรŸt, als wรคren wir nie weg gewesen.

Mit unseren Freunden verbrachten wir ebenfalls viele schรถne Stunden. Besonders spannend war es, den Familienzuwachs von Freunden kennenzulernen. Wรคhrend wir in China waren, hat sich zuhause das Leben natรผrlich ebenfalls weiterentwickelt. Plรถtzlich hรคlt man ein Baby auf dem Arm, das es bei der Abreise noch im Bauch lebte.

Mit meiner besten Freundin verbindet mich seit einigen Jahren eine besondere Tradition: Einmal im Jahr gehen wir gemeinsam wandern, nehmen uns bewusst Zeit fรผreinander und genieรŸen diese Stunden in. Umso schรถner war es, dass wir diese Tradition auch diesmal wieder erleben konnten.

Auch fรผr unsere Freunden aus Stuttgart haben wir uns bewusst Zeit genommen und uns in der Mitte getroffen, um gemeinsam schรถne Stunden zu verbringen. Bei einem Besuch im Erlebnisbad in Karlsruhe konnten wir uns alles neue berichten, viel lachen und einfach die gemeinsame Zeit genieรŸen.

Dazu kamen viele gemeinsame FuรŸballabende. Mal konnten wir jubeln, mal hรคtten wir vermutlich besser frรผher den Fernseher ausgeschaltet und wรคren schlafen gegangen. Aber genau darum ging es auch gar nicht. Es war einfach schรถn, wieder gemeinsam auf der Couch zu sitzen, mitzufiebern und รผber jede Szene zu diskutieren.

Oft sind es eben die kleinen Dinge die das Leben so besonders machen und die Menschen die es mit Liebe schmรผcken.

Es gibt auch einige Lebensmittel, die wir in den vergangenen neun Monaten vermisst haben. Die Essenskultur in China ist einfach eine andere als in Deutschland. Vieles schmeckt hervorragend, aber trotzdem gibt es eben Gerichte und Snacks, die man dort einfach nicht bekommt oder die anders schmecken.

Deshalb fรผhrte uns unser erster Stopp nach der Ankunft auch direkt zu unserem Lieblingsdรถner. Ja, auch in Peking gibt es Dรถner, aber an diesen hier kommt fรผr uns einfach keiner heran.

Mindestens genauso sehr hatten wir das gemeinsame Grillen vermisst. Gute Bratwรผrste, verschiedene Salate, frisches Brot und einfach ein langer Sommerabend mit der Familie und Freunden im Garten.

Das sind Dinge, รผber die man sich frรผher kaum Gedanken gemacht hat. Erst wenn sie plรถtzlich nicht mehr selbstverstรคndlich sind, merkt man, wie besonders sie eigentlich sind.

AuรŸerdem standen auch Besuche in unseren Lieblingsrestaurants auf dem Programm. Viele Orte waren noch genauso, wie wir sie in Erinnerung hatten.

Ein kleines Highlight waren fรผr mich aber tatsรคchlich auch die deutschen Supermรคrkte. Plรถtzlich freut man sich รผber Dinge, an denen man frรผher einfach vorbeigelaufen ist. Entsprechend landeten einige unserer Lieblingssnacks, Gewรผrze und andere Kleinigkeiten direkt im Einkaufswagen und spรคter natรผrlich auch im Koffer zurรผck nach Peking.

Beim Packen mussten wir deshalb fast schon รผberlegen, wie wir all die Mitbringsel und Lebensmittel noch unterbekommen. Ein Teil unseres Gepรคcks bestand am Ende weniger aus Kleidung als aus Dingen, die uns in China einfach ein Stรผck Heimat schenken.

Deutschland neu entdecken

Eine Erkenntnis hat uns wรคhrend unseres Heimaturlaubs besonders รผberrascht.

Seit wir in China leben, nutzen wir fast jedes Wochenende, um neue Orte zu entdecken. Mal ein Markt, mal ein Tempel, mal eine andere Stadt oder einfach ein Cafรฉ, das wir noch nicht kannten. Irgendwann haben wir uns deshalb gefragt: Warum haben wir das in Deutschland eigentlich so selten gemacht?

Oft ist man im eigenen Alltag gefangen. Man fรคhrt immer wieder an die gleichen Orte, besucht die gleichen Restaurants oder fรคhrt weit weg in ein anderes Land. Dabei gibt es direkt vor der eigenen Haustรผr so viel zu entdecken.

Genau deshalb haben wir unseren Heimaturlaub auch genutzt, um Deutschland einmal mit den Augen eines Touristen zu erleben.

Gemeinsam verbrachten wir einen Tag an der Saarschleife, spazierten รผber den Baumwipfelpfad, genossen den Ausblick von dem Cloef und machten anschlieรŸend noch eine Schiffsrundfahrt.

Auch mit Freunden waren wir gemeinsam unterwegs. Wir besuchten die Zitadelle in Bitche in Frankreich. Besonders die audiovisuelle Fรผhrung hat uns begeistert, weil Geschichte dadurch auf eine ganz andere Art erlebbar wird.

Aus diesem Heimaturlaub nehmen wir deshalb nicht nur schรถne Erinnerungen mit, sondern auch einen Vorsatz fรผr die Zukunft. Deutschland hat unglaublich viel zu bieten und wir mรถchten kรผnftig viel รถfter bewusst neue Orte entdecken, statt immer nur an die bekannten Plรคtze zurรผckzukehren.

Ganz oben auf unserer Liste steht inzwischen die Schwรคbische Alb. Seit wir 2019 nach Stuttgart gezogen sind, waren wir tatsรคchlich noch kein einziges Mal dort. Das mรถchten wir unbedingt nach unserer Auslandszeit รคndern.

Bevor es fรผr uns wieder zurรผck nach China ging, stand dann noch ein letzter besonderer Termin auf dem Programm: das Dorffest.

รœber den Abend verteilt trafen wir viele Menschen, die man lange nicht gesehen hatte. Manche nur kurz fรผr ein Gesprรคch, andere fรผr eine lรคngere Unterhaltung.

Es wurde viel erzรคhlt, gelacht gegessen und auch ausgiebig getanzt.

Besonders schรถn war, dass man nicht das Gefรผhl hatte, einfach nur โ€žzu Besuchโ€œ zu sein. Fรผr einen Abend war alles wieder genauso vertraut wie frรผher.

Und genau da merkt man, wie besonders Heimat ist. Auch wenn sich in neun Monaten viel verรคndert hat, gibt es Orte und Menschen, bei denen man sofort wieder anknรผpfen kann.

Am Montagmorgen hieรŸ es dann aber wieder Abschied nehmen. Um 10 Uhr startete unser Flug von Luxemburg zurรผck nach Peking.

Mit vielen schรถnen Erinnerungen im Gepรคck und gleichzeitig einem etwas gemischten Gefรผhl machten wir uns auf den Weg zurรผck in unser Leben in China.

Zurรผck in unserer zweiten Welt

Obwohl die ersten Nรคchte geprรคgt von Jetlag waren, sind wir insgesamt erstaunlich schnell wieder im Alltag angekommen.

Am ersten Tag holten wir zunรคchst etwas Schlaf nach, packten unsere Koffer aus und genossen gemeinsam unseren letzten freien Tag.

Wรคhrend Nico am Mittwoch wieder zurรผck in seinen Arbeitsalltag fand, warteten auf mich die ganz normalen Dinge nach einer lรคngeren Reise: mehrere Wรคscheberge, den Kรผhlschrank wieder auffรผllen und die Wohnung langsam wieder in unseren Alltag zurรผckbringen.

Abgesehen von einem Arzttermin am Donnerstag standen zunรคchst keine groรŸen Termine an. Stattdessen genossen wir es, wieder unsere normalen Routinen aufzunehmen.

Am Wochenende trafen wir uns dann jeden Abend mit Freunden zum Essen. Nach so einer langen Zeit in Deutschland gab es natรผrlich viel zu erzรคhlen und wir nutzten die Gelegenheit, uns gegenseitig auf den neuesten Stand zu bringen.

Sonntags ging es spontan noch in eine Bar, da direkt gegenรผber von unserer Wohnung die Dachterrassenbar wieder geรถffnet hatte. Vor einigen Monaten hatte es dort gebrannt, weshalb sie lange geschlossen und komplett renoviert wurde. Jetzt konnten wir sie endlich wieder ausprobieren, den Blick รผber die Stadt genieรŸen und auf die grรถรŸte Gebรคude Pekings schauen.

Es fรผhlte sich fast so an, als hรคtten beide Welten wรคhrend unserer Abwesenheit einfach auf uns gewartet.

Deutschland hatte uns wieder aufgenommen, als wรคren wir nie weg gewesen. Und genauso empfing uns auch Peking wieder mit unserem vertrauten Alltag.

Unser Heimaturlaub hat uns vor allem eines gezeigt: Wie schรถn es ist, Familie und Freunde wieder ganz nah bei sich zu haben.

Gleichzeitig hat uns die Zeit in Deutschland aber auch gezeigt, dass inzwischen nicht mehr nur ein Ort unser Zuhause ist.

Deutschland wird immer unsere Heimat bleiben. Dort sind unsere Familien, unsere Freunde und unsere Geschichte.

Aber gleichzeitig freuen wir uns inzwischen auch darauf, nach Peking zurรผckzukommen. Auf unsere Wohnung, unsere Arbenteuer, unsere Freunde hier und das Leben, das wir uns in den vergangenen Monaten aufgebaut haben.

Lea allein in Beijing

Diese Woche war fรผr mich eine kleine Premiere: Zum ersten Mal seit unserem Umzug nach Peking war ich eine ganze Woche alleine hier.

Ich war vorher ehrlich gesagt etwas gespannt, wie sich das anfรผhlen wรผrde. In den vergangenen Monaten war Nico immer da und viele Routinen haben sich ganz selbstverstรคndlich um unseren gemeinsamen Alltag herum entwickelt.

Gleichzeitig wusste ich aber auch, dass ich die Woche nicht komplett alleine verbringen wรผrde. Neben meinen festen Terminen wie Chinesischunterricht, Sport und einem Besuch im Nagelstudio standen auch einige Treffen mit Freunden auf dem Programm.

Rรผckblickend war die Woche eine gute Mischung aus Zeit fรผr mich selbst und gemeinsamen Unternehmungen. Es gab Momente, in denen die Wohnung ungewohnt leer wirkte, aber auch viele schรถne Begegnungen, die gezeigt haben, wie sehr sich mein eigenes Leben hier inzwischen entwickelt hat.

Mit dem FloรŸboot auf dem Liangma River

Eines meiner Highlights der Woche war das letzte gemeinsame Event unserer Patengruppe, bevor es nun in die Sommerpause geht. Bei strahlend blauem Himmel und Temperaturen um die 30 Grad hรคtten die Bedingungen dafรผr kaum besser sein kรถnnen.

Geplant war eine gemeinsame FloรŸboot-Tour auf dem Liangma River. Wobei โ€žFloรŸbootโ€œ eigentlich nicht ganz richtig ist. Die bereits fertige Konstruktion bestand aus zwei Stand-up-Paddle-Boards, die mit Eisenstangen miteinander verbunden waren. In der Mitte befand sich eine Kiste fรผr persรถnliche Gegenstรคnde und auf den Boards wurden Campingstรผhle befestigt.

In der Theorie sollte man sich gemรผtlich mit den Paddeln รผber den Fluss bewegen. In der Praxis hatten wir allerdings mit einer รผberraschend starken Strรถmung und ordentlich Gegenwind zu kรคmpfen. Entsprechend anstrengend war es teilweise, รผberhaupt voranzukommen. Statt elegant รผber das Wasser zu gleiten, drehten wir uns eher gelegentlich im Kreis oder kรคmpften darum, die gewรผnschte Richtung beizubehalten.

Gerade das sorgte aber fรผr jede Menge Gelรคchter. Zwischendurch legten wir die Paddel auch einfach beiseite, lieรŸen uns treiben und nutzten die Zeit zum Reden.

Nach der Tour gingen wir noch gemeinsam essen. Das Restaurant lag eines nur etwa 500 Meter entfernt, sodass wir nach dem sportlichen Teil direkt dort einkehren konnten. Bei gutem Essen, kalten Getrรคnken und vielen Gesprรคchen lieรŸen wir den Nachmittag schlieรŸlich entspannt ausklingen.

Ablenkung mit guter Gesellschaft

Rรผckblickend haben mir in dieser Woche vor allem die vielen kleinen Treffen mit Freunden geholfen, dass sich die Tage nie wirklich einsam angefรผhlt haben. Mal traf ich mich spontan zum Mittagessen, mal zum Abendessen und manchmal auch einfach nur auf einen Kaffee.

Dabei habe ich sogar wieder ein neues chinesisches Restaurant entdeckt, das mich wirklich positiv รผberrascht hat. AuรŸerdem war ich erneut in dem Steakrestaurant, das fรผr mich nach wie vor das beste Steak in Beijing serviert. Diesmal kam ich dort lรคnger mit der Besitzerin ins Gesprรคch. Solche Begegnungen mag ich besonders, denn plรถtzlich ist es nicht mehr nur ein Restaurant, sondern ein Ort mit Geschichten und Menschen, die man kennt. Dadurch fรผhlt sich die Stadt fรผr mich jedes Mal ein kleines Stรผck vertrauter an.

Natรผrlich durfte auch unser Frรผhstรผckstreff nicht fehlen. Diesmal trafen wir uns in genau dem Cafรฉ, das wir erst vor kurzem getestet hatten und das uns so gut gefallen hatte. Die Runde war wieder gemรผtlich und die Gesprรคche vergingen wie immer viel zu schnell.

Besonders amรผsant war allerdings das Geschehen um unseren Tisch herum. In dem Park hatten sich nach und nach verschiedene Gruppen versammelt. Drei รคltere Chinesen sangen lautstark Karaoke, ein paar Meter weiter spielte jemand auf einem Instrument, das ich bis heute nicht benennen kรถnnte, wรคhrend eine Frau dazu Tรถne sangen. Es war ein herrlich chaotisches Klanggemisch und wir mussten teilweise einfach etwas lauter sprechen, um uns รผberhaupt zu verstehen.

Pรผnktlich gegen halb zwรถlf verschwanden die meisten Gruppen dann zum Mittagessen und plรถtzlich wurde es erstaunlich ruhig. Erst in diesem Moment bemerkten wir, wie laut es zuvor eigentlich gewesen war.

Eine kleine Attraktion waren wir allerdings ebenfalls. Sieben Auslรคnder an einem Tisch ziehen hier noch immer Aufmerksamkeit auf sich. Immer wieder wurden wir heimlich gefilmt, beobachtet oder sogar nach gemeinsamen Fotos gefragt. Solche Situationen passieren inzwischen zwar deutlich seltener als noch vor einigen Jahren, ganz alltรคglich sind sie aber trotzdem noch nicht. Mittlerweile nehmen wir es meist mit Humor und gehรถren damit vermutlich genauso zum Unterhaltungsprogramm des Parks wie die Karaoke-Gruppe nebenan.

Von KTV bis hin zum Pekinger Coachella

Eigentlich hatte ich Freitagabend gar nichts GroรŸes geplant, aber dann habe ich mich doch noch mit einem befreundeten Paar zum Hotpot essen verabredet.

Die Einladung kam ziemlich spontan beim Schwimmen freitags morgens. Umso schรถner war es, dass sich daraus direkt ein gemeinsamer Abend entwickelt hat.

Wir gingen in ihr Lieblings-Hotpot-Restaurant, das vor allem fรผr seine besonderen Pilze bekannt ist. Schon beim Essen merkt man hier wieder, wie sehr Hotpot in China auch ein soziales Erlebnis ist. Man sitzt lange zusammen, bestellt nach und nach und probiert sich durch verschiedene Zutaten.

Nach dem Essen wollten wir eigentlich nur noch kurz etwas trinken gehen und den Abend ruhig ausklingen lassen. Wir setzten uns mit Blick auf die Skyline, beobachteten die Leute und lieรŸen die Atmosphรคre auf uns wirken. Rund um uns herum war einiges los: Menschen machten Fotos von der Skyline, teilweise mit professionellen Setups mit groรŸen Lichtern und Kameras, andere wiederum ganz simpel mit dem Handy oder sogar mit kleinen Tanzvideos fรผr Social Media.

Eigentlich hรคtte es dabei bleiben sollen, aber irgendwann kam dachten wir โ€žLass doch noch Karaoke singen gehen.โ€œ Und wer mich kennt, weiรŸ, dazu sage ich eigentlich nie nein.

Wir bekamen einen eigenen Raum, der รผberraschend professionell ausgestattet war: zwei groรŸe Bildschirme, eine kleine Bรผhne und alles, was man braucht, um sich komplett in den Karaoke-Modus zu verlieren. รœber ein Tablet konnte man Essen und Getrรคnke bestellen und gleichzeitig Songs in die Warteschlange packen.

Die Songauswahl war groรŸ, zumindest auf Chinesisch und Englisch. Deutsch hingegen gab es erwartungsgemรครŸ gar nicht. โ€žBruttosozialproduktโ€œ hรคtte ich zwar gerne gesungen, aber dann musste eben alles von Rihanna herhalten.

Am Ende wurden es zwei Stunden voller Energie, Gesang und sehr wenig Zurรผckhaltung. Bis zur letzten Minute haben wir durchgezogen und einfach SpaรŸ gehabt. Ein spontaner und gelungener Abend, der mir fรผr immer in Erinnerung bleibt.

Am Samstagabend stand dann das Sommerfest der Deutschen Schule Peking auf dem Programm. Bei strahlendem Sonnenschein und rund 30 Grad machte ich mich gegen 17 Uhr auf den Weg. Das diesjรคhrige Motto lautete โ€žCoachellaโ€ und schon am Eingang wurde klar, dass man sich bei der Gestaltung wirklich Mรผhe gegeben hatte. Jeder Besucher erhielt ein bedrucktes Festivalbรคndchen und entlang der Wege reihten sich zahlreiche Essens- und Getrรคnkestรคnde aneinander.

Kulinarisch war fรผr jeden etwas dabei. Neben Dรถner, Fleischkรคsebrรถtchen, Schnitzelbrรถtchen und Bratwรผrsten gab es auch chinesische FleischspieรŸe sowie ein groรŸes Kuchenbuffet. Auch bei den Getrรคnken war die Auswahl beeindruckend. Neben deutschem Bier von Bitburger und Erdinger wurde auch das deutsch-chinesische Bier โ€žKarl Fรผrstโ€ ausgeschenkt. Dahinter steckt ein Deutscher, der sich mit seiner eigenen Brauerei in China ein erfolgreiches Standbein aufgebaut hat. Auserdem gab es Aperol Spritz, Sekt und verschiedene Cocktails.

Im Zentrum des Festgelรคndes stand ein groรŸer Pavillon mit Bรผhne. Dort sorgten Schรผlerinnen und Schรผler mit musikalischen Auftritten, Chorbeitrรคgen und weiteren Programmpunkten fรผr Unterhaltung.

Leider machte uns das Wetter zwischenzeitlich einen Strich durch die Rechnung. Aus dem Nichts zogen dunkle Wolken auf und kurz darauf begann es krรคftig zu regnen. Innerhalb weniger Minuten flรผchteten alle Besucher in die Schulgebรคude. Glรผcklicherweise tat das der Stimmung keinen Abbruch. Im Gegenteil: Wรคhrend drauรŸen der Regen gegen die Fenster prasselte, traf man drinnen รผberall bekannte Gesichter und kam gleichzeitig mit neuen Leuten ins Gesprรคch. So verging die Regenpause erstaunlich schnell.

Nach etwa einer Stunde zog der Himmel wieder auf und das Fest konnte drauรŸen weitergehen. Bei gutem Essen, angenehmen Temperaturen und vielen Gesprรคchen verging der Abend wie im Flug.

Besonders schรถn fand ich, was nach den offiziellen Programmpunkten auf der Bรผhne passierte. Diese wurde anschlieรŸend fรผr Karaoke geรถffnet und die Schรผlerinnen und Schรผler nutzten die Gelegenheit mit beeindruckendem Selbstbewusstsein. Nach und nach wurde gesungen, getanzt und performt.

Spontan bin ich noch mit drei Freunden zu einer Afterparty gegangen. Einer von ihnen legte dort als DJ auf und da ich ihn bisher noch nie live erlebt hatte, sagte ich kurzerhand zu. Allerdings mit dem festen Vorsatz, nicht allzu lange zu bleiben.

Nach etwa zwei Stunden machten wir uns dann wie geplant wieder auf den Heimweg. Fรผr mich war es genau die richtige Mischung: noch einmal etwas Neues erleben, meinen Freund als DJ sehen und einen schรถnen Abend verbringen, ohne vรถllig รผbermรผdet nach Hause zu kommen. Die Atmosphรคre hat mir auf jeden Fall gefallen und ich werde dort bestimmt noch einmal vorbeischauen, dann am liebsten gemeinsam mit Nico.

Rรผckblickend war meine erste Woche alleine in Peking zuerst definitiv ungewohnt. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass sich in den vergangenen Monaten viele eigene Routinen entwickelt haben. Chinesischunterricht, Sport, Treffen mit Freunden oder einfach ein Spaziergang durch die Nachbarschaft. Sodass die Woche dann schneller verging, als anfangs vermutet.

Natรผrlich habe ich mich trotzdem sehr gefreut, als Nico am Sonntagnachmittag wieder zurรผckkam und wir den Abend gemeinsam mit selbstgemachten Burgern verbringen konnten. Auch wenn die Woche schneller vorbei war als gedacht, war es schรถn, wieder gemeinsam am Tisch zu sitzen und sich von Angesicht zu Angesicht erzรคhlen zu kรถnnen, was in den letzten Tagen alles passiert war.

Fรผr die nรคchsten Wochen wird es hier auf dem Blog รผbrigens etwas ruhiger. Durch unseren Heimaturlaub in Deutschland werde ich mir bis zum 13. Juli eine kleine Blogpause gรถnnen, um die Zeit mit Familie und Freunden bewusst zu genieรŸen.

Danach geht es natรผrlich wieder weiter mit unseren Geschichten und Eindrรผcken aus China.

Eine ruhige Woche und doch voller Termine

Diese Woche war eine dieser Wochen, die man wahrscheinlich nicht auf einer Postkarte festhalten wรผrde. Keine spektakulรคren Ausflรผge, keine neuen Sehenswรผrdigkeiten und keine besonderen Highlights, รผber die man sofort erzรคhlen mรถchte.

Und trotzdem habe ich in dieser Woche gemerkt, wie sehr sich unser Leben hier verรคndert hat.

Vor neun Monaten war jeder Tag in Peking ein kleines Abenteuer. Alles war neu, ungewohnt und manchmal auch รผberfordernd. Heute kenne ich die Verkรคufer auf dem Markt, habe meine Lieblingscafรฉs, fahre selbstverstรคndlich mit dem Fahrrad quer durch die Stadt und รคrgere mich รผber die gleichen Alltagsdinge wie zuhause. Vieles wirkt inzwischen vertraut und genau das hรคtte ich vor einem Jahr wahrscheinlich nicht erwartet.

Gleichzeitig befinde ich mich gerade in einer merkwรผrdigen Zwischenphase. Der Heimaturlaub rรผckt immer nรคher und ich freue mich unglaublich darauf, Familie und Freunde wiederzusehen. Nach neun Monaten gibt es vieles zu erzรคhlen und noch mehr Menschen, die ich gerne in den Arm nehmen mรถchte.

Vielleicht hat mich diese Woche deshalb mehr zum Nachdenken gebracht als viele andere. Darรผber, wie schnell man sich an ein Leben auf der anderen Seite der Welt gewรถhnen kann. Darรผber, wie wichtig Freundschaften und Routinen werden. Und darรผber, dass gerade die ganz normalen Tage das schwierigste sein kรถnnen.

Montag = Markttag

Der Montag begann fรผr mich, nachdem ich den Blog verรถffentlicht hatte, mal wieder mit einem Besuch auf dem Markt. Bereits um 10 Uhr zeigte das Thermometer knapp 30 Grad, als ich mich mit dem Fahrrad auf den Weg machte. Der Markt liegt etwa eine halbe Stunde von uns entfernt, die Strecke lรคsst sich aber angenehm fahren, da es grรถรŸtenteils einfach geradeaus geht.

Als ich zwischen den Kirschstรคnden stand, musste ich daran denken, dass mir vor neun Monaten dieser Markt noch vรถllig fremd war. Heute erkennen mich die Hรคndler teilweise wieder und ich weiรŸ genau, an welchem Stand ich welches Obst kaufe. Solche Momente zeigen mir immer wieder, wie sehr Peking inzwischen zu einem Stรผck Alltag geworden ist.

Trotzdem gibt es jedes Mal etwas Neues zu entdecken. Stรคndig erรถffnen neue Hรคndler ihre Stรคnde und bringen andere Spezialitรคten mit. Gleichzeitig verรคndert sich das Angebot mit den Jahreszeiten. Die Erdbeerbauern, die noch vor wenigen Wochen รผberall vertreten waren, sind inzwischen fast ganz verschwunden.

An diesem Tag brauchte ich gar nicht besonders viel, trotzdem blieb ich an einigen Stรคnden stehen, probierte hier und da etwas und genoss die besondere Atmosphรคre.

Mit meinen Einkรคufen machte ich mich anschlieรŸend wieder auf den Heimweg.

๐Ÿ“ธ Kleines Ratespiel:
Was glaubt ihr, habe ich fรผr meinen Einkauf auf dem Markt bezahlt? Die Auflรถsung gibt es am Ende dieses Abschnitts.

Der restliche Tag war deutlich weniger spektakulรคr, aber nicht weniger produktiv. Zuhause arbeitete ich weiter an unseren Fotobรผchern. Da die Versandkosten recht hoch sind, wollte ich alle Bรผcher gleichzeitig bestellen. Insgesamt sind es mittlerweile fรผnf Fotobรผcher geworden, die unsere vergangenen Monate in Asien festhalten. Zwei davon mussten noch fertiggestellt werden, damit ich am nรคchsten Tag alles gemeinsam bestellen konnte.

Dabei habe ich mich immer wieder in den Bildern verloren. Es ist verrรผckt, wie viele Erinnerungen sich in nur wenigen Monaten ansammeln kรถnnen. Viele Situationen fรผhlen sich an, als wรคren sie erst vor ein paar Wochen gewesen, obwohl inzwischen fast ein Jahr vergangen ist.

Danach bereitete ich noch einen Kartoffelsalat fรผr das Abendessen vor, bevor am Nachmittag mein Chinesischunterricht stattfand. Am Abend ging es dann wie so oft noch gemeinsam ins Fitnessstudio, bevor wir den Tag zuhause ausklingen lieรŸen.

Auflรถsung Ratespiel: 8,47โ‚ฌ๐Ÿ’ฐ๐Ÿ’๐Ÿ‘๐Ÿ‰

Mรคdelstage mit kleinen Besorgungen

Am Dienstag und Mittwoch standen vor allem viele kleine Erledigungen und gemeinsame Unternehmungen mit meiner Freundin auf dem Programm. Morgens kรผmmerte ich mich meist zuerst um meine To-dos, lernte Chinesisch, erledigte die Wรคsche, bestellte die fertigen Fotobรผcher und arbeitete meine Aufgabenliste ab, bevor wir uns spรคter trafen.

An einem der Tage starteten wir ganz entspannt mit einem Kaffee im Cabo Cafรฉ, einem meiner absoluten Lieblingscafรฉs in Peking. Dort gibt es den besten Affogato der Stadt (Espresso mit Vanilleeis). Bei den sommerlichen Temperaturen wรคre das eigentlich die perfekte Wahl gewesen, ich blieb aber wie gewohnt bei meinem Flat White.

Kleine Sprachbeobachtung am Rande: Ein Flat White heiรŸt auf Chinesisch tatsรคchlich รผbersetzt โ€žweiรŸer Kaffeeโ€œ, wรคhrend Cappuccino meist einfach als โ€žKapuโ€œ ausgesprochen wird.

AnschlieรŸend fuhren wir gemeinsam mit dem Fahrrad zum Pearl Market. Dort wollte meine Freundin noch eine Tasche fรผr ihre Mutter abholen, die sie bereits zuvor ausgesucht hatte. Der Pearl Market ist immer wieder ein Erlebnis. Manche Geschรคfte wirken von auรŸen fast geschlossen und man muss erst klingeln, klopfen oder die Hรคndler anrufen, damit sie einen hereinlassen.

Nachdem wir unsere Besorgungen erledigt hatten, gingen wir noch gemeinsam etwas essen, bevor wir wieder nach Hause radelten. Dort aktualisierte ich an meinen Lebenslauf, ging zum Sport und bereitete spรคter das Abendessen vor, bis Nico von der Arbeit nach Hause kam.

Am nรคchsten Tag stand erneut etwas Chinesischlernen auf dem Programm, auรŸerdem begann ich damit, die ersten Notizen fรผr diesen Wochenblog zu sammeln. Ehrlich gesagt fallen mir solche Wochen manchmal sogar schwerer zu schreiben als Reiseberichte oder Ausflรผge. Bei Sehenswรผrdigkeiten kann man Fakten erzรคhlen. Im Alltag geht es viel mehr um die kleinen Momente und die Gefรผhle dahinter.

Am Nachmittag traf ich mich dann mit zwei Freundinnen zu einem kleinen Abschiedstag. Da eine von ihnen Peking bald verlassen wird, hatte sie sich zum Abschied noch einmal einen gemeinsamen Mรคdelstag gewรผnscht. Ihre Wahl fiel auf etwas, das in China fast schon zum Alltag gehรถrt: eine ausgiebige Massage.

Fรผr 378 Yuan, also rund 48 Euro, bekamen wir 130 Minuten Entspannung mit FuรŸmassage, Ganzkรถrpermassage, Aromaรถl und heiรŸen Steinen. In Deutschland wรผrde man fรผr ein vergleichbares Angebot vermutlich deutlich mehr bezahlen.

Danach ging es noch zu einem anderen Markt, der grรถรŸtenteils von russischsprachigen Hรคndlern betrieben wird. Meine Freundin wollte dort noch ein paar Mitbringsel fรผr ihre Familie besorgen und mir gleichzeitig eine Hรคndlerin zeigen, die fรผr ihre hochwertigen Seiden- und Kaschmirschals bekannt ist. Solche Kontakte sind in Peking Gold wert. Viele der besten Hรคndler findet man nicht รผber das Internet, sondern nur durch Empfehlungen.

Genau solche Tipps machen fรผr mich einen groรŸen Teil des Lebens hier aus. So wird diese riesige Millionenstadt mit der Zeit immer kleiner und vertrauter. Was anfangs oft รผberwรคltigend wirkte, fรผhlt sich heute an vielen Stellen schon erstaunlich selbstverstรคndlich an.

Als Nico am Abend von der arbeit kam, gingen wir erneut gemeinsam zum Sport, aรŸen anschlieรŸend zu Abend und lieรŸen den Tag schlieรŸlich gemรผtlich auf der Couch ausklingen. Weil wir einfach Lust auf etwas Leichtes zum Abschalten hatten, starteten wir die neue Staffel โ€žLOLโ€œ auf Amazon Prime und verbrachten einen entspannten Abend zuhause.

Cafรฉ zwischen Tempel und Parkidylle

Am Donnerstag stand noch eine kleine Mission fรผr unser โ€žFrรผhstรผckstreffโ€œ an. Bevor ich nach Deutschland fliege, wollten wir noch eine neue Location Empfehlung testen, die fรผr eines unserer nรคchsten Treffen In Frage kommen kรถnnte.

Dabei gibt es immer einige Punkte zu prรผfen: Ist das Cafรฉ groรŸ genug fรผr unsere Gruppe? ร–ffnet es tatsรคchlich zur angegebenen Uhrzeit? Gibt es Frรผhstรผck oder nur Mittagessen? Und natรผrlich die wichtigste Frage: Schmeckt es รผberhaupt?

Vor Ort angekommen, war ich zunรคchst etwas verwirrt, weil ich das Cafรฉ nicht direkt finden konnte. Stattdessen stand ich plรถtzlich vor einem kleinen Tempel. Natรผrlich nutzte ich die Gelegenheit und schaute mich kurz um. Der Tempel war zwar nicht besonders groรŸ, wirkte aber unglaublich friedlich. Im Inneren stand eine Buddha-Statue, davor brannten Rรคucherstรคbchen und zwei kunstvoll gestaltete Figuren bewachten den Eingang.

Direkt neben dem Tempel lag ein Park und genau dort versteckte sich auch das Cafรฉ. Schon beim Betreten war ich begeistert. รœberall waren Menschen unterwegs. Einige sangen, andere tanzten, spielten Karten oder saรŸen einfach zusammen und unterhielten sich. Es ist etwas, das mir in China immer wieder auffรคllt: Parks sind hier keine Orte, durch die man nur hindurchlรคuft. Sie sind echte Treffpunkte fรผr Menschen jeden Alters.

Kurz darauf trafen auch die beiden anderen Mitorganisatorinnen ein. Es war vermutlich eines unserer letzten Treffen in dieser Konstellation, umso schรถner war es, noch einmal gemeinsam unterwegs zu sein.

Das Cafรฉ selbst รผberzeugte schnell. Es lag direkt an einem kleinen angelegten See, hatte sowohl einen gemรผtlichen AuรŸenbereich als auch einen sehr schรถn gestalteten Innenraum und bot genau die entspannte Atmosphรคre, die wir fรผr unsere Frรผhstรผcksrunde suchen. Bei Kaffee, Frรผhstรผck und vielen Gesprรคchen testeten wir die Speisekarte und waren uns schnell einig: Diese Location wird es fรผr das nรคchste Treffen.

Nach zwei schรถnen Stunden machten wir uns wieder auf den Heimweg. Die sechs Kilometer mit dem Leihfahrrad nach Hause kosteten mich gerade einmal 2 Yuan, also rund 26 Cent. Solche Preise sind einer der Grรผnde, warum ich hier fast alles mit dem Fahrrad erledige. Es ist gรผnstig, flexibel und oft sogar schneller als mit dem Auto oder Taxi. AuรŸerdem erlebt man die Stadt viel intensiver, als wenn man einfach nur von A nach B gefahren wird.

Am Abend war ich dann mit Nico verabredet. Eigentlich wollten wir uns gemeinsam mit einem Arbeitskollegen von ihm zum Essen treffen, doch dieser musste kurzfristig absagen. Also gingen wir spontan einfach zu zweit essen.

Die Wahl fiel auf ein tรผrkisches Restaurant, nur etwa 1,8 Kilometer von unserer Wohnung entfernt. Das Essen war hervorragend und wir verbrachten einen entspannten Abend mit guten Gesprรคchen.

Ein ruhiger Ausklang

Am Freitag startete ich den Tag ganz entspannt mit einem Kaffee und meinen Chinesisch-Vokabeln im Innenhof unseres Apartmentkomplexes. Eigentlich nutze ich diesen Bereich viel zu selten, denn er ist wirklich schรถn angelegt. Von dort hat man sogar einen direkten Blick auf eines der bekanntesten modernen Bauwerke Pekings โ€“ das CCTV-Hauptquartier, das aufgrund seiner ungewรถhnlichen Form von vielen liebevoll einfach nur โ€ždie Unterhoseโ€œ genannt wird.

Zwischen schattigen Sitzplรคtzen, sonnigen Ecken, kleinen Grรผnflรคchen und einer Laufstrecke lรคsst es sich dort wunderbar aushalten. An diesem Morgen war es erstaunlich ruhig. AuรŸer einem Mitarbeiter, der gerade die Blumen und Bรผsche bewรคsserte, war niemand unterwegs. So konnte ich die angenehme Ruhe genieรŸen, Vokabeln lernen und anschlieรŸend auch meine Hausaufgaben fรผr den Chinesischunterricht erledigen.

Wieder zurรผck in der Wohnung hรคngte ich die Wรคsche auf, bereitete mir Frรผhstรผck zu und schon begann mein Chinesischunterricht. Aktuell habe ich zweimal pro Woche jeweils anderthalb Stunden Unterricht. Zusรคtzlich habe ich mir vorgenommen, die nรคchsten 70 Tage besonders intensiv zu lernen, um zu sehen, wie weit ich komme und ob ich mir vielleicht sogar die HSK-Prรผfungen zutrauen wรผrde.

Die grรถรŸte Herausforderung beim Chinesischlernen sind fรผr mich aktuell die Schriftzeichen. Ab HSK 3 werden diese vorausgesetzt und genau damit tue ich mich im Moment noch schwer. Trotzdem merke ich, wie gut mir das Lernen tut. Es gibt meinem Alltag Struktur und das Gefรผhl, auf etwas hinzuarbeiten.

Manchmal fehlt mir ein konkretes Ziel, auf das ich hinarbeiten kann, oder etwas Greifbares, an dem ich meinen Fortschritt messen kann. Umso wichtiger sind fรผr mich inzwischen die kleinen Projekte geworden: das Chinesischlernen, die Fotobรผcher oder auch dieser Blog. Sie erinnern mich daran, dass diese Zeit nicht einfach nur vorbeigeht. Ich sammle Erfahrungen, lerne neue Dinge, entwickle mich weiter und schaffe Erinnerungen, die mich wahrscheinlich noch lange begleiten werden, auch wenn man das im Alltag nicht immer so deutlich sieht wie spรคter auf den fertigen Seiten eines Fotobuchs.

Nach dem Unterricht ging es fรผr mich noch zum Sport. AnschlieรŸend nutzte ich die letzten Erdbeeren der Saison, um eine Erdbeer-Biskuitrolle zu backen. Die Erdbeeren beziehen wir hier regelmรครŸig direkt รผber einen Bauern, bei dem viele Bewohner unseres Apartmentkomplexes gemeinsam bestellen.

Fรผr das letzte Kilo der Saison zahlten wir gerade einmal 18 Yuan โ€“ umgerechnet etwa 2,20 Euro.

Das eigentliche Abenteuer begann allerdings beim Backen. Mein Handrรผhrgerรคt hat vor einiger Zeit den Geist aufgegeben, weshalb ich die Eier fรผr den Biskuit komplett von Hand aufschlagen musste. Dabei wurde mir schnell bewusst, wie viel Arbeit das frรผher gewesen sein muss.

Am Abend trafen wir uns nach der Arbeit noch mit einem Freund und gleichzeitig Nachbarn aus unserem Apartmentkomplex. Gemeinsam gingen wir in ein Restaurant direkt gegenรผber unserer Wohnanlage, das man mittlerweile fast schon als eines unserer Stammlokale bezeichnen kann. Bei gutem Essen, netten Gesprรคchen und sommerlichen Temperaturen lieรŸen wir den Tag ausklingen.

Am Samstag stand fรผr uns zunรคchst der groรŸe Gesundheitscheck an. Nachdem wir in der vergangenen Woche bereits zur Voruntersuchung dort gewesen waren, folgte nun der eigentliche Termin mit Blutbild, EKG und verschiedenen weiteren Untersuchungen.

AnschlieรŸend gingen wir gemeinsam frรผhstรผcken und genossen einen entspannten Vormittag zu zweit. Danach musste Nico noch seinen Koffer packen, zum Friseur und die letzten Vorbereitungen fรผr seine bevorstehende Dienstreise erledigen.

Am Abend aรŸen wir noch gemeinsam, bevor es fรผr ihn schlieรŸlich zum Flughafen ging. Fรผr Nico beginnt damit seine erste Reise zurรผck nach Deutschland seit unserem Umzug nach Peking.

Nachdem er losgefahren war, machte ich es mir mit einer Maracuja-Schorle in unserem Sessel am Fenster gemรผtlich. Ich hรถrte Musik, blickte รผber die Stadt und begann schlieรŸlich, ein kleines Video von unserer Party am Hochzeitstag zusammenzuschneiden. Da am Sonntag unser erster kirchlicher Hochzeitstag anstand, war das die perfekte Gelegenheit, noch einmal in die Erinnerungen dieses besonderen Tages einzutauchen.

Der Sonntag verlief anschlieรŸend sehr ruhig. Nachdem es am Samstag fast durchgehend geregnet hatte, zeigte sich nun wieder die Sonne. Mit einem Kaffee setzte ich mich erneut in den Innenhof, las ein wenig in meinem Buch und genoss die angenehme Morgenstimmung.

Spรคter traf ich mich ein letztes Mal mit einer Freundin und ihrem Mann. Gemeinsam schauten wir durch ihre verbliebenen Lebensmittelvorrรคte und stieรŸen noch einmal auf die vergangenen Monate an.

Gerade in den letzten Wochen habe ich gemerkt, wie viele Menschen Peking aktuell verlassen. Einerseits freue ich mich natรผrlich fรผr jeden, der den nรคchsten Schritt geht. Andererseits wird einem dabei bewusst, wie vergรคnglich vieles hier ist. Freundschaften entstehen oft unglaublich schnell, weil alle in einer รคhnlichen Situation stecken. Gleichzeitig weiรŸ man aber oft schon von Anfang an, dass sich die Wege irgendwann wieder trennen werden.

Am Abend ging ich noch einmal gemeinsam mit ihnen essen, bevor wir uns verabschiedeten. Den Sonntag lieรŸ ich anschlieรŸend zuhause an unserem ersten kirchlichen Hochzeitstag ganz ruhig im Schein unserer Traukerze ausklingen.

Diese Woche war deutlich ruhiger als viele der vergangenen. Keine groรŸen Reisen, keine spektakulรคren Sehenswรผrdigkeiten und keine besonderen Events.

Die besonderen Highlights bleiben natรผrlich in Erinnerung, doch am Ende sind es oft die ganz normalen Tage, die zeigen, wie sich ein Ort wirklich anfรผhlt.

Und nรคchste Woche wartet dann direkt die nรคchste neue Erfahrung auf mich: Zum ersten Mal seit unserem Umzug werde ich eine ganze Woche alleine in Peking verbringen, wรคhrend Nico beruflich in Stuttgart unterwegs ist.

Tage voller Abschiede und Vorfreude

Die letzten Tage standen bei uns schon ganz im Zeichen der Vorfreude auf den bevorstehenden Heimaturlaub in Deutschland. Nach inzwischen neun Monaten freuen wir uns riesig darauf, endlich wieder Familie und Freunde zu sehen. Gleichzeitig bringt so ein kurzer Heimatbesuch aber auch einiges an Organisation mit sich. Zwischen Packlisten, Mitbringseln, aussortierten Sachen und den letzten Fotobรผchern gab es deshalb im Alltag einiges zu erledigen.

Parallel dazu waren die vergangenen Wochen aber auch geprรคgt von vielen Verabschiedungen, denn aktuell verlassen wieder zahlreiche Freunde und Bekannte Peking. Dazu kamen sommerliche Temperaturen um die 30 Grad, die das Leben in der Stadt momentan besonders angenehm machen.

Und genau zwischen all diesen Vorbereitungen, Abschieden und kleinen Alltagsmomenten war natรผrlich trotzdem wieder einiges los, von einem spontanen Tagesausflug nach Tianjin รผber lange Fahrradtouren durch Peking bis hin zu gemeinsamen Sommerabenden mit Freunden.

Tianjin

Am letzten Wochenende zog es uns mal wieder aus Peking heraus. Diesmal ging es nach Tianjin, eine Millionenstadt etwa 130 Kilometer sรผdรถstlich von Peking, die man mit dem Schnellzug in gerade einmal rund 30 Minuten erreicht. Gerade diese unkomplizierte Verbindung macht Tianjin zu einem beliebten Ziel fรผr Tagesausflรผge.

Die Stadt unterscheidet sich architektonisch deutlich von Peking. Der Grund dafรผr liegt in der Geschichte: Ende des 19. Jahrhunderts entstanden dort mehrere internationale Konzessionen unter anderem von GroรŸbritannien, Frankreich, Italien, Deutschland und Japan. Deshalb findet man bis heute ganze StraรŸenzรผge mit europรคischer Architektur, alten Villen und Gebรคuden im westlichen Stil.

Schon nach der Ankunft machten wir uns direkt auf den Weg zu den berรผhmten โ€žFรผnf GroรŸen Alleenโ€œ, auf Chinesisch Wudadao genannt. Das Viertel zรคhlt zu den bekanntesten Gegenden Tianjins und besteht aus รผber 200 historischen Villen verschiedenster Baustile von britisch รผber franzรถsisch bis hin zu italienisch. Frรผher lebten dort Diplomaten, wohlhabende Hรคndler und wichtige Persรถnlichkeiten Chinas. Beim Spaziergang fรผhlt man sich teilweise eher wie in Europa als mitten in China. Zwischen alten Fassaden, kleinen Cafรฉs und den breiten, von Bรคumen gesรคumten StraรŸen herrschte eine richtig entspannte Atmosphรคre.

Von dort aus ging es fรผr uns mit den Leihfahrrรคdern weiter durch die Stadt. Ganz spontan hielten wir an einem Gebรคude an, das uns sofort ins Auge stach. Der groรŸe rote Uhrturm mit den neugotischen Elementen wirkte fast wie eine kleine europรคische Kirche mitten zwischen modernen Hochhรคusern. Tatsรคchlich gehรถrt das Gebรคude zu einer kรผnstlich angelegten europรคischen ThemenstraรŸe im Stil britischer Architektur.

Wir setzten uns dort spontan in ein Cafรฉ, tranken einen Kaffee und genossen einfach ein bisschen die Aussicht und das sommerliche Wetter. Genau solche ungeplanten Stopps machen Tagesausflรผge oft besonders schรถn.

Danach ging es mit dem Fahrrad weiter zu unserem eigentlichen Ziel: dem berรผhmten Porzellanhaus, auch โ€žChina Houseโ€œ genannt, sowie zur ehemaligen Residenz von Commander Zhang. Das Porzellanhaus gehรถrt zu den bekanntesten Sehenswรผrdigkeiten Tianjins. Die komplette Fassade wurde mit Millionen von Porzellanscherben, Vasen und Keramikelementen verziert und wirkt fast ein bisschen surreal. Allerdings war an diesem Tag dort extrem viel los. Die StraรŸen waren komplett รผberfรผllt, รผberall drรคngten sich Touristengruppen und die Atmosphรคre war dadurch leider ziemlich hektisch. Deshalb schauten wir uns die Gebรคude nur kurz von auรŸen an und beschlossen dann relativ schnell, lieber weiterzufahren.

AnschlieรŸend fuhren wir ins italienische Viertel von Tianjin. Auch dort merkt man noch deutlich den europรคischen Einfluss vergangener Zeiten. Kleine Plรคtze, alte Fassaden und enge StraรŸen verleihen dem Viertel einen ganz eigenen Charme. Dort suchten wir auรŸerdem den Paulaner Biergarten, in dem Nico bereits 2023 einmal gewesen war.

Danach spazierten wir noch entspannt entlang des Haihe-Flusses, der sich mitten durch Tianjin zieht. Dort herrschte eine richtig lebendige Stimmung. Menschen saรŸen am Wasser, Angler beobachteten geduldig ihre Ruten, einige schwammen sogar im Fluss und an manchen Stellen standen Sรคnger mit Lautsprechern und sorgten fรผr Unterhaltung. Gerade solche Alltagsszenen machen chinesische Stรคdte fรผr mich oft besonders spannend, weil sich รผberall gleichzeitig ganz unterschiedliche Dinge abspielen.

Eigentlich wollten wir anschlieรŸend noch weiter durch die Stadt fahren. Als wir dann allerdings wieder zufรคllig am Bahnhof ankamen was wir direkt an dem groรŸe Kreisverkehr mit der riesigen mechanischen Uhrenskulptur erkannten, beschlossen wir spontan, doch schon zurรผck nach Peking zu fahren. Irgendwie hatten wir beide das Gefรผhl, den Tag lieber entspannt ausklingen zu lassen, anstatt noch krampfhaft weitere Sehenswรผrdigkeiten mitzunehmen.

Zurรผck in Peking ging es deshalb am Abend noch in den Biergarten beim Paulaner. Nach einem langen Sommertag mit viel Fahrradfahren, Sonne und Stadttrubel war das wirklich der perfekte Abschluss: deutsches Essen, ein kaltes Bier und gemรผtliche Biergarten-Atmosphรคre mitten in Peking. Manchmal sind genau diese einfachen Abschlรผsse am Ende die schรถnsten Momente eines Tages.

Mit dem Fahrrad durch Pekings Sommer

Seit die Temperaturen bei uns dauerhaft รผber 15 Grad liegen, fahre ich eigentlich fast alles nur noch mit dem Fahrrad. Man erlebt die Stadt dadurch nochmal viel intensiver und entdeckt oft schon auf dem Weg zum eigentlichen Ziel kleine Dinge, die man aus dem Auto oder Taxi wahrscheinlich gar nicht wahrnehmen wรผrde. AuรŸerdem spart man sich den dichten Verkehr, in dem man in Peking sonst schnell viel Zeit verlieren kann.

Und obwohl wir mittlerweile meistens zwischen 26 und 36 Grad haben, fahre ich weiterhin fast รผberall mit dem Rad. Durch den Fahrtwind bleibt es oft รผberraschend angenehm und gerade an sonnigen Tagen macht es einfach SpaรŸ, durch die StraรŸen Pekings zu fahren.

So ging es fรผr uns auch zu einigen unserer letzten gemeinsamen Shopping-Ausflรผge. Meine Freundin brauchte noch ein paar Dinge vor ihrer Ausreise zurรผck nach Deutschland und ich war ebenfalls auf der Suche nach kleinen Mitbringseln fรผr unseren Heimaturlaub. Dabei verbrachten wir viel Zeit damit, einfach gemeinsam durch die Stadt zu fahren, kleine Lรคden zu entdecken und zwischendurch spontan irgendwo anzuhalten.

Doch fast noch schรถner als das eigentliche Shoppen war am Ende oft der Weg dorthin. Gemeinsam Fahrrad zu fahren, unterwegs zu quatschen, รผber Kleinigkeiten zu lachen und einfach die sommerliche Atmosphรคre der Stadt zu genieรŸen, sind genau die Momente, die ich spรคter wahrscheinlich besonders mit dieser Zeit in Peking verbinden werde.

Farewell-Partys

Diese Woche standen bei uns direkt mehrere Verabschiedungen an. Unsere gemeinsamen Freunde, bei deren Hochzeit wir vor einiger Zeit eingeladen waren, veranstalteten nochmal einen kleinen Umtrunk, bevor es fรผr sie weitergeht. Leider รผberschnitten sich an diesem Abend gleich mehrere Termine, denn auch bei unserem โ€žBreakfast Goes Outโ€œ mussten wir wieder eine der Mitorganisatorinnen verabschieden. Deshalb teilten Nico und ich uns auf, er ging zu unseren Freunden und ich zur Abschiedsfeier auf der Rooftopbar des Lenbachs.

Dort verabschiedeten wir unsere Mitorganisatorin, aber vor allem auch Freundin, natรผrlich mit Blumen, einem kleinen Gutschein und ein paar persรถnlichen Worten. Gerade bei solchen Abenden merkt man immer wieder, wie schnell hier im Ausland Freundschaften entstehen. Viele Menschen sind nur fรผr eine begrenzte Zeit in Peking und trotzdem fรผhlt es sich oft so an, als wรผrde man sich schon viel lรคnger kennen.

Am Freitagabend stand dann direkt die nรคchste Verabschiedung an. Gemeinsam gingen wir zur Farewell-Party eines Arbeitskollegen von Nico, die im Marriott stattfand. Dort wurde wirklich groรŸ gefeiert. Eingeladen waren viele Freunde, Kollegen und Bekannte und es gab ein riesiges Buffet mit chinesischen sowie westlichen Speisen.

Besonders schรถn war, dass an dem Abend sogar die Gewinnerin von โ€žThe Voice of Russiaโ€œ fรผr einige Stunden sang und fรผr richtig gute Stimmung sorgte. Spรคter am Abend griffen dann auch einige Gรคste selbst zum Mikrofon, denn Karaoke ist hier unglaublich beliebt. Was mich dabei immer wieder รผberrascht: Viele Chinesen singen wirklich extrem gut und man rechnet im ersten Moment oft gar nicht damit. Dadurch entstand eine richtig lockere und ausgelassene Atmosphรคre und der Abend wurde zu einem wirklich schรถnen Abschluss einer Woche voller Abschiede und gemeinsamer Erinnerungen.

Gemรผtliche Abende

Am Samstag gingen wir zunรคchst gemeinsam zum Sport, bevor wir uns spรคter fรผr ein Treffen mit Freunden fertig machten. Zu sechst gingen wir am Abend auf der Dachterrasse eines kleinen Lokals essen. Die Stimmung war wirklich schรถn entspannt und harmonisch, wir hatten tolle Gesprรคche, haben viel gelacht und einfach einen richtig gemรผtlichen Sommerabend zusammen verbracht.

Nach dem Essen schlenderten wir noch etwas durch das angrenzende Viertel. Dort gibt es viele kleine Cafรฉs, Bars und Restaurants, alles schรถn angelegt und besonders am Abend mit den vielen Lichtern und den Menschen drauรŸen eine richtig angenehme Atmosphรคre. Man merkt in solchen Momenten immer wieder, wie lebendig Peking auch in vermeintlich kleinen Ecken ist.

Da wir alle in dieselbe Richtung wohnen, machten wir uns anschlieรŸend gemeinsam mit den Fahrrรคdern auf den Heimweg. Gerade abends macht das Fahrradfahren hier besonders SpaรŸ, wenn die Temperaturen langsam angenehmer werden, die StraรŸen leerer werden und die Stadt trotzdem noch voller Leben ist.

Am nรคchsten Tag stand dann noch ein Arzttermin an. Wir wollten bereits einen kleinen medizinischen Check-up machen und bei mir auรŸerdem einige zuvor auffรคllige Blutwerte (unter anderem Vitamin D) noch einmal kontrollieren lassen. Der groรŸe jรคhrliche Gesundheitscheck folgt allerdings erst nรคchsten Dienstag mit EKG, groรŸem Blutbild und verschiedenen Vorsorgeuntersuchungen.

Den Abend lieรŸen wir den Tag dann noch ganz entspannt beim Pizzaessen ausklingen, bevor am nรคchsten Morgen schon wieder die neue Arbeitswoche beginnt.

Fundstรผck Mai 2026

Wasserzapfstelle am StraรŸenrand ๐Ÿšฐ

Dieses Fundstรผck haben wir eher zufรคllig entdeckt, bei einem Spaziergang in Kaiyuan in der Provinz Liaoning. Mitten am StraรŸenrand stand plรถtzlich dieses riesige rote Metallgestell, das irgendwie aussah wie eine Mischung aus Hydrant, Industrieanlage und Tankstelle.

Wรคhrend ich noch gerรคtselt habe, was dieses Gerรคt eigentlich sein kรถnnte, hatte Nico die Vermutung, dass es etwas mit der Wasserversorgung zu tun haben muss. Und tatsรคchlich lag er damit genau richtig.

In dieser Region haben wir diese Anlagen plรถtzlich immer wieder gesehen. Als wir einige Tage spรคter mit dem Auto Richtung Changbai Mountain gefahren sind, sogar mehrfach in Benutzung. Da wurde uns klar, dass das kein einzelnes kurioses Objekt ist, sondern Teil der ganz normalen Infrastruktur hier.

Bei dem Gerรคt handelt es sich um eine รถffentliche Wasserentnahmestelle. Sie wird vor allem von Tankwagen, StraรŸenreinigungsfahrzeugen oder Fahrzeugen zur Bewรคsserung genutzt. Die Konstruktion ist dabei erstaunlich simpel und gleichzeitig ziemlich praktisch: Fahrzeuge kรถnnen direkt darunterfahren und Wasser aufnehmen, ohne komplizierte Anschlรผsse oder lange Wege.

Gerade in Stรคdten oder Regionen mit viel StraรŸenreinigung, Bewรคsserung oder Baustellen ist das natรผrlich unglaublich effizient. Wege werden verkรผrzt, Wasser kann flexibel aufgenommen werden und die Fahrzeuge mรผssen nicht jedes Mal zu einem zentralen Betriebshof zurรผckfahren.

Besonders interessant fanden wir dabei, wie selbstverstรคndlich solche Anlagen hier mitten im รถffentlichen Raum stehen. In Deutschland wรผrde man technische Infrastruktur dieser Art wahrscheinlich eher hinter Zรคunen, auf Betriebshรถfen oder in Industriegebieten vermuten. Hier dagegen gehรถrt sie einfach zum StraรŸenbild dazu. Niemand scheint ihr besondere Aufmerksamkeit zu schenken auรŸer vermutlich wir, die erst einmal rรคtselnd davorstanden.


Natรผrlich gibt es รคhnliche Systeme auch in Deutschland, allerdings meist deutlich unscheinbarer. ร–ffentliche Hydranten oder Wasseranschlรผsse fรผr StraรŸenreinigung und Feuerwehr existieren natรผrlich ebenfalls. Frรผher gab es in manchen Regionen sogar รถffentliche Wasserpumpen oder Zapfstellen, insbesondere in Dรถrfern oder รคlteren Stadtvierteln.

Der Unterschied liegt heute aber vor allem darin, wie sichtbar Infrastruktur gestaltet wird. Wรคhrend man in Deutschland und mittlerweile auch in vielen chinesischen Metropolen versucht, technische Anlagen mรถglichst zu verstecken oder optisch anzupassen, scheint in kleineren Stรคdten hier hรคufig noch der praktische Nutzen im Vordergrund zu stehen: Es muss funktionieren und leicht erreichbar sein.

Gerade dieser Unterschied ist uns zwischen kleineren Stรคdten und Metropolen in China immer wieder aufgefallen. In Kaiyuan oder generell auรŸerhalb der groรŸen Zentren sieht man Infrastruktur oft noch sehr direkt und offen. Rohre, Leitungen, Wasseranschlรผsse oder technische Anlagen werden nicht zwangslรคufig verkleidet oder โ€žverschรถnertโ€œ sie sind einfach Teil des Alltags. Funktion steht hier hรคufig klar รผber Design.

In modernen GroรŸstรคdten wie Peking verรคndert sich das allerdings zunehmend. Dort verschwindet Infrastruktur immer mehr aus dem sichtbaren Stadtbild. ร„hnlich wie in europรคischen GroรŸstรคdten wird Wert auf ein modernes, aufgerรคumtes und รคsthetisches Erscheinungsbild gelegt. GroรŸe freistehende Wasserzapfstellen wie in Kaiyuan passen dort immer weniger hinein. Stattdessen werden viele Systeme unterirdisch verbaut, hinter Verkleidungen versteckt oder deutlich unauffรคlliger gestaltet.

Natรผrlich spielt dabei auch das Geld eine groรŸe Rolle. In wirtschaftlich starken und touristisch wichtigen Regionen wird enorm viel investiert. StraรŸen, Versorgungssysteme und รถffentliche Infrastruktur werden modernisiert, um Stรคdte moderner, sauberer und internationaler wirken zu lassen. In kleineren oder weniger touristischen Regionen dagegen liegt der Fokus hรคufig stรคrker auf Funktionalitรคt. Solange eine Anlage zuverlรคssig arbeitet, besteht oft kein dringender Grund, sie teuer umzubauen oder optisch anzupassen.

Genau das macht solche Orte aber auch spannend. Man bekommt einen direkteren Eindruck davon, wie eine Stadt tatsรคchlich funktioniert. Vieles wirkt pragmatischer, weniger durchdesignt und manchmal fast wie eine Momentaufnahme zwischen โ€žaltโ€œ und โ€žneuโ€œ.

Gleichzeitig kรถnnte es gut sein, dass solche sichtbaren Anlagen in einigen Jahren immer seltener werden. China entwickelt sich unglaublich schnell und selbst kleinere Stรคdte verรคndern sich kontinuierlich. Was heute noch offen am StraรŸenrand steht, kรถnnte morgen bereits modernisiert, unterirdisch verlegt oder komplett ersetzt worden sein.

Dadurch bekommen solche Entdeckungen fast etwas Zeitdokumentarisches. Vielleicht schaut man in ein paar Jahren auf solche Wasserzapfstellen zurรผck und sagt: โ€žWeiรŸt du noch, damals standen die noch รผberall sichtbar am StraรŸenrand?โ€œ

Die rote Wasserzapfstelle am StraรŸenrand ist deshalb weit mehr als nur ein merkwรผrdiges Rohr mitten in Kaiyuan. Sie ist ein kleines Beispiel dafรผr, wie unterschiedlich Infrastruktur sichtbar gemacht wird โ€“ in China genauso wie in Europa.

Ein Tag im Sommerpalast

Manche Orte in Peking beeindrucken einen allein durch ihre GrรถรŸe, andere durch ihre Geschichte. Der Sommerpalast schafft beides gleichzeitig. Zwischen glitzernden Seen, geschwungenen Brรผcken, versteckten Pavillons und den bunt bemalten Wandelgรคngen fรผhlt man sich dort schnell wie in einer anderen Zeit.

Fรผr uns war dieser Tag aber nicht nur ein Ausflug zu einer der bekanntesten Sehenswรผrdigkeiten Chinas, sondern gleichzeitig auch ein besonderer gemeinsamer Tag mit Freunden. Den Besuch im Sommerpalast hatten wir Laura zum Geburtstag geschenkt, gemeinsam mit einer deutschsprachigen Fรผhrung. Gleichzeitig war es aber auch ein bisschen ein Abschiedstag, denn Laura wird Peking bald verlassen und wieder zurรผck nach Deutschland ziehen. Umso schรถner war es, dass wir noch einmal gemeinsam als kleine Gruppe unterwegs sein konnten.

Schon frรผh am Morgen machten wir uns gemeinsam auf den Weg in den Nordwesten Pekings. Der Neue Sommerpalast liegt etwa 15 Kilometer auรŸerhalb des Stadtzentrums und nur wenige hundert Meter westlich der Ruinen des Alten Sommerpalastes. Die Anlage erstreckt sich รผber rund 297 Hektar Flรคche, wovon ungefรคhr drei Viertel allein vom Wasser des Kunming-Sees bedeckt werden. Seit 1998 gehรถrt die Anlage auรŸerdem zum UNESCO-Weltkulturerbe und gilt bis heute als eines der bedeutendsten Beispiele traditioneller chinesischer Gartenkunst.

Unsere Guide begrรผรŸte uns direkt am Ost-Eingang. Sie hat Germanistik an der Universitรคt studiert und spricht wirklich beeindruckend gutes Deutsch. Dadurch war die Fรผhrung nicht nur informativ, sondern auch angenehm locker und verstรคndlich. Besonders spannend fand ich, dass sie nicht einfach nur Daten und Fakten heruntergebetet hat, sondern auch viele Geschichten aus dem Alltag des Kaiserhofes erzรคhlte. Gerade diese kleinen Details machen Geschichte und Orte irgendwie lebendig.

Der Sommerpalast heiรŸt auf Chinesisch รผbrigens gar nicht einfach โ€žSommerpalastโ€œ. Sein eigentlicher Name lautet Yiheyuan und bedeutet รผbersetzt etwa โ€žGarten der Erholung und Harmonieโ€œ oder auch โ€žGarten des friedvollen Bewahrensโ€œ. Ursprรผnglich wurde die Anlage bereits im 12. Jahrhundert angelegt. Kaiser Qianlong lieรŸ den Palast schlieรŸlich zwischen 1751 und 1764 als Geschenk zum 60. Geburtstag seiner Mutter ausbauen. Dafรผr wurde damals die enorme Summe von 4,8 Millionen Silber-Tael investiert.

Besonders bekannt wurde der Sommerpalast jedoch durch Kaiserinwitwe Cixi aus der Qing-Dynastie. Interessant war dabei vor allem, dass der Sommerpalast eigentlich gar nicht die Hauptresidenz des Kaisers war. Vielmehr entwickelte sich die Anlage zunehmend zum Wohnort von Kaiserinwitwe Cixi, also der Mutter des Kaisers.

Die Geschichte des Sommerpalastes verlief allerdings keineswegs friedlich. Wie auch der Alte Sommerpalast wurde die Anlage wรคhrend des Zweiten Opiumkrieges 1860 von anglo-franzรถsischen Truppen zerstรถrt und geplรผndert. Anders als der Alte Sommerpalast wurde der Neue Sommerpalast jedoch spรคter auf Initiative von Kaiserinwitwe Cixi zwischen 1885 und 1895 wieder aufgebaut.

Ursprรผnglich war die Anlage gar nicht vollstรคndig ummauert. Lange Zeit existierte hauptsรคchlich nur das Osttor als reprรคsentativer Zugang zum Gelรคnde. Doch die Kaisermutter war beim Volk nicht sonderlich beliebt und fรผhlte sich zunehmend unsicher. Aus diesem Grund lieรŸ sie zusรคtzlich Wachtรผrme und Mauern errichten, um die Anlage besser zu schรผtzen und gleichzeitig Kontrolle รผber das Gelรคnde zu behalten. Dadurch entstanden weitere Eingรคnge, sodass der Sommerpalast heute รผber drei Zugรคnge verfรผgt und deutlich stรคrker abgegrenzt ist als in seiner ursprรผnglichen Form.

Wรคhrend wir durch die Anlage liefen, wurde schnell klar, wie sehr hier Architektur und Natur miteinander verbunden wurden. Genau dieses Zusammenspiel gilt als eines der wichtigsten Prinzipien chinesischer Gartenkunst. Der Mensch soll die Natur nicht dominieren, sondern sich harmonisch in sie einfรผgen.

Unser erster grรถรŸerer Halt war der ehemalige Gerichts- und Verwaltungsbereich des Palastes. Dort befanden sich frรผher die Hallen, in denen politische Entscheidungen getroffen wurden und wo Cixi Gรคste empfing.

Nicht weit entfernt befand sich die Halle der Jadewellen, die frรผher als Wohnbereich des Kaisers Guangxu diente. Besonders bedrรผckend war die Geschichte dahinter: Nach der gescheiterten Hundert-Tage-Reform von 1898 wurde Guangxu dort von Cixi praktisch unter Hausarrest gestellt.

Danach liefen wir weiter zur Halle der Freude und Langlebigkeit. Diese wurde ursprรผnglich bereits 1750 unter Kaiser Qianlong erbaut, spรคter jedoch zerstรถrt und 1886 erneut aufgebaut. Sie diente anschlieรŸend als Privatgemach von Kaiserinwitwe Cixi.

Immer wieder blieben wir aber auch einfach stehen, um die vielen kleinen Details zu betrachten. รœberall entdeckte man kunstvolle Zimmer, geschnitzte Fensterrahmen oder alte Holzbetten.

Danach liefen wir weiter Richtung Kunming-See. Der riesige See bildet das Herzstรผck des Sommerpalastes und prรคgt die gesamte Anlage. รœberall spiegelten sich die Weiden im Wasser und durch den leichten Wind bewegten sich die langen grรผnen ร„ste fast wie Vorhรคnge รผber dem See.

Vom Stadtzentrum in Peking kann man mit dem Boot direkt in den Sommerpalast fahren, durch alte Kanรคle bis in den Kunming-See hinein. Genau diese Route entlang der kaiserlichen WasserstraรŸe nutzte einst Cixi, um der stickigen Verbotenen Stadt zu entkommen. Die Bootsfahrt vom Zizhuyuan Park zum Sommerpalast dauert ca. 40 Minuten und ist mittlerweile eine beliebte Touristen Attraktion.

Doch was viele nicht wissen: Der Kunming-See ist komplett kรผnstlich. Kaiser Qianlong lieรŸ ihn 1750 ausheben und der Aushub wanderte gleich nebenan auf den Langlebigkeitshรผgel. Der Name โ€žKunmingโ€œ ist eine Hommage an den Kunming-See in der alten Hauptstadt Chang’an (dem heutigen Xi’an).

Die Kaiserinwitwe Cixi reiste nicht gerne, weshalb sie stattdessen viele Elemente aus verschiedenen Stรคdten Chinas in den Sommerpalast einbauen. Pavillons, Brรผcken und Gartendesigns aus unterschiedlichen Regionen fanden sich hier zusammen, als wรคre das ganze Reich in einem Garten versammelt.

Von dort aus ging es fรผr uns weiter entlang des Sees zur berรผhmten Siebzehn-Bogen-Brรผcke. Sie verbindet das Festland mit der Insel Nanhu und wurde bereits 1750 erbaut. Unsere Guide erklรคrte uns, dass die Brรผcke bewusst an die berรผhmte Marco-Polo-Brรผcke in Peking erinnern soll, die fรผr ihre vielen Bรถgen und Steinfiguren bekannt ist. Auch die Siebzehn-Bogen-Brรผcke wirkt durch ihre geschwungene Form besonders elegant und spiegelt sich wunderschรถn im Wasser des Kunming-Sees.

Die Zahl 17 wurde dabei nicht zufรคllig gewรคhlt: In der chinesischen Architektur gelten ungerade Zahlen oft als harmonisch und symbolisch bedeutungsvoll. Der mittlere, hรถchste Bogen bildet gemeinsam mit den jeweils acht kleineren Bรถgen auf beiden Seiten eine perfekt symmetrische Anlage. Besonders auffรคllig sind auรŸerdem die vielen kunstvoll gestalteten Steinlรถwen entlang der Brรผcke, von denen keiner exakt dem anderen gleicht.

Ein weiteres Highlight war der berรผhmte Wandelgang. Mit seinen 728 Metern gilt er als lรคngster bemalter Korridor Chinas. Viele davon zeigen Landschaften, historische Szenen oder Figuren aus alten chinesischen Geschichten.

Der Gang besteht aus 273 verbundenen Sรคulenpaaren und mehreren Pavillons. รœber 8000 Gemรคlde schmรผcken die Balken des Wandelgangs.

Eine der Darstellungen zeigte beispielsweise eine Szene aus โ€žDie Reise nach Westenโ€œ, einem der bekanntesten Werke der chinesischen Literatur. Der Roman aus dem 16. Jahrhundert erzรคhlt die abenteuerliche Reise des Mรถnchs Xuanzang nach Indien, wo er buddhistische Schriften beschaffen soll. Begleitet wird er dabei von mehreren mystischen Figuren, darunter auch der berรผhmte Affenkรถnig Sun Wukong, der bis heute zu den bekanntesten Figuren der chinesischen Kultur zรคhlt. Unsere Guide erklรคrte uns, dass diese Bilder frรผher nicht nur der Dekoration dienten, sondern gleichzeitig Geschichten, Werte und kulturelles Wissen vermitteln sollten.

Zwischendurch machten wir immer wieder kleine Pausen und genossen einfach die Atmosphรคre. Mal saรŸen wir am Wasser, mal liefen wir durch kleine Gartenanlagen mit blรผhenden Bรคumen und verwinkelten Wegen.

Besonders beeindruckend war, wie sich immer wieder neue Perspektiven รถffneten. Mal blickte man durch Fenster auf einen Pavillon, mal auf kleine Inseln mitten im Wasser.

Natรผrlich durfte auch das berรผhmte Marmorboot nicht fehlen, das wir nun endlich auch selbst vor uns sahen. Unsere Guide erklรคrte uns dazu nochmal die spannende Geschichte hinter dem Bauwerk. Das dekorative Boot aus Stein wurde Ende des 19. Jahrhunderts unter Kaiserinwitwe Cixi fertiggestellt und erinnert bis heute daran, dass fรผr den Wiederaufbau des Sommerpalastes teilweise Gelder verwendet wurden, die ursprรผnglich fรผr die Modernisierung der chinesischen Marine vorgesehen waren.

Zwar kann das Boot natรผrlich nicht fahren und diente rein reprรคsentativen Zwecken, trotzdem gehรถrt es heute zu den bekanntesten Fotomotiven der gesamten Anlage.

Im Laufe des Tages stiegen die Temperaturen immer weiter an und wir waren froh รผber die vielen schattigen Wege unter den Weidenbรคumen. รœberall in der Anlage saรŸen Menschen auf Steinen oder kleinen Mauern und genossen einfach das Frรผhlingswetter.

Unsere Guide zeigte uns noch viele weitere Gebรคude, die man sonst wahrscheinlich einfach รผbersehen hรคtte. Darunter die Wolkenzerstreuende Halle, den Pavillon des Buddhistischen Wohlgeruchs hoch oben auf dem Berg der Langlebigkeit sowie den Pavillon der Kostbaren Wolken.

Den Aufstieg zum Pavillon des Buddhistischen Wohlgeruchs schafften wir zeitlich leider nicht. Aber selbst von unten ist er schon sehr beeindruckenden anzusehen.

Am Ende der Fรผhrung waren wir zwar mรผde, aber gleichzeitig auch beeindruckt davon, wie viel Geschichte und Symbolik hinter dieser Anlage steckt. Der Sommerpalast ist weit mehr als nur ein schรถner Park. Er erzรคhlt von Macht, Politik, Familienstrukturen und dem Leben am chinesischen Kaiserhof und schafft es gleichzeitig, eine unglaubliche Ruhe auszustrahlen.

Langsam liefen wir Richtung Ausgang und verlieรŸen den Sommerpalast schlieรŸlich รผber eine der eleganten Steinbrรผcken, die sich perfekt in die Gartenlandschaft einfรผgen. Besonders diese Brรผcke blieb mir nochmal im Kopf, weil sie mit ihrem geschwungenen Rundbogen und der Spiegelung im Wasser fast wie aus einem Gemรคlde wirkte. Solche Brรผcken sind typisch fรผr die chinesische Gartenkunst. Sie sollten nicht nur Wege verbinden, sondern gleichzeitig bewusst schรถne Blickachsen schaffen und die Landschaft harmonisch ergรคnzen.

Und wรคhrend wir ein letztes Mal zwischen Wasser, alten Bรคumen und den geschwungenen Steinbrรผcken entlangliefen, wurde uns allen bewusst, warum dieser Ort seit Jahrhunderten als Rรผckzugsort der Kaiser galt. Manche Orte schaffen es einfach, selbst mitten in einer Millionenstadt Ruhe auszustrahlen.

Fรผr uns war es aber nicht nur ein touristischer Ausflug, sondern vor allem ein gemeinsamer Tag voller Gesprรคche, Eindrรผcke und Erinnerungen. Gerade mit dem Gedanken daran, dass Laura bald Peking verlassen wird, hatte dieser Tag nochmal eine ganz besondere Bedeutung.

Sommerliche Tage in Peking

Zwischen Sprachunterricht, Sauerteig und spontanen StraรŸensperrungen war auch diese Woche wieder einiges los.

Mein Chinesischunterricht hat nun wieder begonnen und damit heiรŸt es zweimal pro Woche jeweils anderthalb Stunden neue Vokabeln lernen, Grammatik รผben und versuchen, beim Sprechen nicht komplett durcheinanderzukommen. Auch wenn es manchmal anstrengend ist, macht es SpaรŸ und ich hoffe, dass langsam Fortschritte im Alltag zu merken sind.

Neben dem Unterricht begleitet mich aktuell vor allem auch das โ€žProjektโ€œ Sauerteigstarter durch den Alltag. Damit er nicht irgendwann im Mรผll landet, wurde diese Woche fleiรŸig gebacken. Zum Wochenende gab es deshalb frische Brรถtchen und sรผรŸe Nutella Hรถrnchen aus selbstgemachtem Teig.

Auch in Peking selbst war diese Woche einiges los und durch einen besonderen Staatsbesuch hat man das sogar im Alltag immer wieder gemerkt.

Sunset Hike Jinshanling Great Wall

Diesmal ging es zu einer eher ungewohnten Uhrzeit fรผr mich auf eine Wanderung zur Chinesischen Mauer. Wir trafen uns erst um 13 Uhr an der Deutschen Schule im Botschaftsviertel Pekings, von wo aus unser Bus startete.

Schon auf dem Weg dorthin fiel mir auf, dass die Stadt an diesem Tag anders wirkte als sonst. Es standen deutlich mehr Polizisten an den StraรŸen, teilweise sogar mit Campingstรผhlen an StraรŸenecken, und ganze Abschnitte wirkten wie leergefegt. Kaum Autos, kaum Fahrrรคder und insgesamt eine ungewohnte Stimmung fรผr Peking.

Auch rund um die Schule selbst war sofort zu erkennen, dass etwas Besonderes im Gange war. Die beiden groรŸen Hotels in der Nรคhe, das Kempinski und das Four Seasons, waren groรŸflรคchig abgesperrt, mit Sicherheitskontrollen, Zelten und vielen Sicherheitskrรคften ausgestattet. Es war schnell klar, dass ein Staatsbesuch im Land sein musste und man merkte deutlich, wie sich die Stadt darauf einstellte.

Da die Deutsche Schule mitten im Botschaftsviertel liegt, war auch dort alles etwas anders als sonst. Normalerweise herrscht hier viel Bewegung, besonders um die Mittagszeit, wenn Schรผler abgeholt werden. An diesem Tag jedoch fehlten die รผblichen Busse zunรคchst komplett. Irgendwann kam unser Busfahrer schlieรŸlich zu FuรŸ und erklรคrte, dass er mit dem Bus nicht wie gewohnt drauรŸen halten dรผrfe und stattdessen รผber einen anderen Zugang auf das Gelรคnde fahren mรผsse. Auch die anderen Busse wurden verlegt und kamen nun รผber einen gesicherten Bereich auf das Schulgelรคnde.

Als wir schlieรŸlich vollstรคndig waren, ging es los.

Dieses Mal war die Fahrt deutlich lรคnger als gewohnt und wir waren etwa zwei Stunden unterwegs. Unser Ziel war die Jinshanling Great Wall, ein Abschnitt der Chinesischen Mauer, der besonders fรผr seine Sonnenuntergรคnge bekannt ist. Dort wollten wir eine Sunset Hike Tour machen und den Tag auf der Mauer ausklingen lassen.

Im Gegensatz zu vielen unserer bisherigen Touren handelte es sich diesmal um einen eher touristisch erschlossenen Abschnitt. Nach der Ankunft mussten wir zunรคchst Tickets kaufen, da der Zugang offiziell geregelt ist. Es gibt dort sogar die Mรถglichkeit, mit einer Seilbahn nach oben zu fahren und direkt auf der Mauer zu starten. Wir entschieden uns jedoch bewusst fรผr den Aufstieg zu FuรŸ.

Nach dem Eingang fรผhrten uns die Wege zunรคchst durch ein kleines Besucherzentrum, bevor sich der Pfad in zwei Richtungen teilte. Wir entschieden uns fรผr die linke Route und machten uns auf den Weg. Etwa 45 Minuten ging es bergauf, bevor wir schlieรŸlich die Mauer erreichten.

Der Moment, in dem man oben ankommt, ist jedes Mal beeindruckend. Die Jinshanling Great Wall schlรคngelt sich dort รผber die Bergkรคmme und wirkt wie eine endlose steinerne Linie, die sich durch die Landschaft zieht. Auch wenn dieser Abschnitt teilweise restauriert ist, bleibt die Kulisse unglaublich eindrucksvoll.

Wir liefen ein Stรผck entlang der Mauer, vorbei an alten Wachtรผrmen und steilen Treppen, wรคhrend sich immer wieder weite Blicke รผber die Berge รถffneten.

Nach einiger Zeit erreichten wir schlieรŸlich unseren Zielturm, den sogenannten Sunset Tower. Dort angekommen war die Sonne zwar noch nicht ganz untergegangen, aber schon deutlich tiefer am Himmel. Jeder hatte etwas zu essen mitgebracht und so entstand ein kleines Picknick mit Brot, Dips, Wรผrstchen, Kรคse und einigen chinesischen Snacks. Nur ein klassischer Kuchen fehlte, obwohl genau das im Nachhinein eigentlich ganz gut gepasst hรคtte.

Wรคhrend wir dort saรŸen, wurde es langsam ruhiger. Die Gesprรคche wurden entspannter, der Himmel fรคrbte sich immer wรคrmer und die Stimmung war einfach besonders. Als die Sonne schlieรŸlich langsam hinter den Bergen verschwand, war der Moment kaum in Worte zu fassen. Das Licht fรคrbte die Mauer und die umliegenden Berge in warme Rot und Orangetรถne und fรผr einen kurzen Augenblick wirkte alles fast still.

Fotos konnten diesen Moment nur teilweise einfangen, denn in echt war die Atmosphรคre deutlich intensiver. Genau solche Augenblicke bleiben einem oft am stรคrksten im Gedรคchtnis.

Da es nach Sonnenuntergang schnell dunkel wird und der Abschnitt nicht beleuchtet ist, machten wir uns kurz darauf wieder auf den Rรผckweg. Der Abstieg fรผhrte uns entlang der Mauer zurรผck, wรคhrend der Himmel langsam in dunklere Blautรถne wechselte. Immer wieder konnten wir noch den rosa gefรคrbten Abendhimmel sehen und kleine Details am Wegesrand entdecken, wie kรผnstliche Blรผten an echten Bรคumen, die uns kurz zum Schmunzeln brachten.

Unten angekommen war es bereits komplett dunkel und wir stiegen wieder in den Bus fรผr die Rรผckfahrt nach Peking. Nach etwa zwei Stunden Fahrt kamen wir wieder in der Stadt an und ich machte mich schlieรŸlich mit dem Fahrrad auf den letzten Weg nach Hause.

Gemeinsamkeiten finden

Mit neuen Freundschaften entdeckt man nach und nach immer mehr Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede. So kam es dazu, dass ich gemeinsam mit einer Freundin, die im selben Gebรคude wie wir wohnt, in ein kleines Studio gefahren bin, um zusammen zu malen.

Sie wollte schon lange ein Bild ihrer Heimatgemeinde nachmalen und ich hatte vor allem das Ziel, etwas mehr Farbe in unser Apartment zu bringen.

Ganz so kรผnstlerisch begabt bin ich leider nicht. Das meiste Talent dafรผr ging wohl eher an meinen Bruder. Deshalb entschied ich mich fรผr ein eher schlichtes Motiv, bei dem vor allem die Farben im Mittelpunkt standen. Mit dem Spruch โ€žDonโ€™t overthink itโ€œ habe ich das Bild dann noch etwas personalisiert.

Da sie bereits etwas Erfahrung hatte und auรŸerdem ein kleineres Bild malte, passte es zeitlich perfekt und wir wurden tatsรคchlich fast gleichzeitig mit unseren Gemรคlden fertig. Zuhause ergรคnzte sie spรคter noch mit einem dรผnnen Stift die Konturen der Hรคuser ihres Bildes.

Es war schรถn, gemeinsam kreativ zu sein und einfach Zeit miteinander zu verbringen. Und jedes Mal, wenn ich jetzt den kleinen Farbklecks in unserer Wohnung sehe, freue ich mich darรผber.

Hoher Besuch mit groรŸem Aufwand

In dieser Woche war US Prรคsident Donald Trump zu Besuch in China. Solche Staatsbesuche sorgen in Peking immer fรผr enorme SicherheitsmaรŸnahmen und auch diesmal war der Aufwand im gesamten Stadtbild deutlich spรผrbar.

Bereits Tage vorher wurden StraรŸen leergerรคumt, Leihfahrrรคder entfernt und parkende Autos teilweise sogar mit Gabelstaplern umgesetzt. Vor einigen Hotels entstanden plรถtzlich Sicherheitskontrollen mit Zelten, Absperrungen und zahlreichen Sicherheitskrรคften. Immer wieder wurden StraรŸen komplett oder zeitweise gesperrt.

Teilweise wusste man gar nicht mehr, ob die Sperrungen wirklich notwendig waren oder eher zur Verwirrung dienten, damit niemand nachvollziehen konnte, welche Route tatsรคchlich genutzt wird.

Auch wir bekamen den Staatsbesuch direkt mit. Auf dem Weg zum Frรผhstรผckstreff kamen eine Freundin mit ihrem Roller und ich mit dem Fahrrad an eine Kreuzung, die gerade abgesperrt wurde. Interessanterweise blieben viele Menschen bewusst an den Absperrungen stehen und warteten ab, was passieren wรผrde. Also beschlossen wir ebenfalls, noch kurz zu bleiben, da wir genug Zeit hatten.

Oft werden StraรŸen auch einfach vorsorglich gesperrt und am Ende fรคhrt doch niemand vorbei. Doch als plรถtzlich aus allen vier Richtungen Polizeiautos und Notarztwagen auftauchten, war klar: Hier muss gleich die Kolonne durchfahren.

Etwa zehn Minuten warteten wir schlieรŸlich, bis es dann soweit war. Die Fahrzeugkolonne raste unglaublich schnell an uns vorbei und bestand aus deutlich mehr Fahrzeugen, als man es sich vorher vorgestellt hรคtte. Nach gerade einmal einer Minute und vierzig Sekunden war das gesamte Schauspiel schon wieder vorbei.

Wenige Minuten spรคter wurden die ersten Absperrungen bereits wieder aufgehoben. Zuerst durften FuรŸgรคnger und Fahrrรคder weiterfahren, etwa zehn Minuten spรคter dann auch wieder die Autos. Schon verrรผckt, wie schnell sich eine Millionenstadt innerhalb weniger Minuten komplett an einen solchen Besuch anpasst.

(Das Video der Kolonne ist leider zu lang, um es hier einzufรผgen. Schreibt mir einfach kurz eine Nachricht, dann sende ich es euch bei Interesse zu.)

Bei gutem Wetter kamen wir schlieรŸlich in der Frรผhstรผckslocation an und genossen zu elft den Vormittag mit netten Gesprรคchen und leckeren Bagels. Wie immer verging die Zeit dabei deutlich schneller als gedacht.

Danach wollten wir uns eigentlich ganz entspannt mit den Drahteseln wieder auf den Weg nach Hause machen, doch der Besuch von Donald Trump beeinflusste erneut unseren Alltag. Die StraรŸe, in der wir uns befanden, wurde plรถtzlich abgesperrt und wir kamen erstmal nicht weiter. Erst nach etwa zehn Minuten wurden die Absperrungen wieder geรถffnet und wir durften unsere Fahrt fortsetzen.

An dem Abend war ich noch mit zwei Freundinnen zum Abendessen verabredet. Wir entschieden uns fรผr indisches Essen in einem versteckten kleinen Lokal. Danach ging es noch auf einen Drink weiter, da wir noch viel Gesprรคchsstoff hatten.

Es war ein schรถner Abend und leider ebenfalls einer der letzten in dieser Konstellation, denn auch fรผr eine dieser Freundinnen geht es bald zurรผck in die Heimat.

Gemeinsame Tage

Die Woche beendeten wir ganz entspannt mit vielen kleinen Dingen, die einfach guttun. Bei meist รผber 30 Grad und strahlendem Sonnenschein fรผhlte sich Peking inzwischen richtig sommerlich an.

Zwar war fรผr das Wochenende eigentlich Regen angekรผndigt, doch dieser kam erst am Sonntag. So konnten wir das warme Wetter noch genieรŸen, gemeinsam lecker essen gehen, gemรผtliche Abende mit Freunden verbringen, ein paar Folgen Bergdoktor schauen, zur Massage gehen und etwas Sport machen.

Nach den vielen Ausflรผgen, stressigen Arbeitstagen und Erlebnissen der vergangenen Tage tat dieses ruhigere Wochenende uns beiden besonders gut.