Tage, die leiser sind

Nach den vielen Eindrücken der letzten Wochen wurde es bei mir in Peking erstmal etwas ruhiger. Ein Grund dafür waren unter anderem die Osterferien. Viele sind verreist oder hatten Besuch, wodurch die klassischen Termine ausgefallen sind oder gar nicht erst stattgefunden haben.

Der Wochenstart begann somit recht entspannt, denn am Montag war hier in China ebenfalls Feiertag und Nico hatte frei. Statt großer Pläne haben wir den Tag ganz bewusst ruhig verbracht, einfach zu Hause, ein bisschen abschalten und vor allem Zeit mit unseren Familien – wenn auch nur über Videoanrufe.

Auch die Tage danach waren eher vom Alltag geprägt. Ich habe wieder intensiver mit dem Chinesischlernen angefangen, mich um unsere Steuerunterlagen gekümmert und mir bewusst Zeit für Sport genommen. Viel Yoga, ein paar Fitness-Einheiten, einfach wieder in einen Rhythmus kommen.

Ein kleines Highlight war ein Ausflug auf den Markt mit einer Freundin. Bei dem schönen Wetter sind wir mit dem Fahrrad gefahren, was hier in Peking immer abenteuerlich ist. Besonders schön war dabei, dass aktuell überall alles blüht – Bäume, Blumen, ganze Straßenzüge wirken plötzlich viel lebendiger. Diese Mischung aus Bewegung, Alltag und den kleinen Eindrücken unterwegs macht den Frühling hier irgendwie besonders.

Zwischendurch habe ich auch mit Freunden aus Deutschland telefoniert, manchmal merkt man erst in solchen ruhigeren Phasen, wie gut es tut sich einfach auszutauschen.

Donnerstagabend habe ich mich außerdem noch mit einer Freundin zum Abendessen getroffen. Wir waren in einem neuen chinesischen Restaurant in der Mall unseres Apartmentkomplexes. Neben vielen bekannten Klassikern gab es dort auch einige außergewöhnlichere Gerichte, die man nicht in jedem Restaurant findet. Besonders begeistert haben mich die Okraschoten und die Knoblauchgarnelen, beides wirklich unglaublich lecker. Insgesamt war es ein richtig schöner Abend und eine willkommene Abwechslung zum ansonsten eher ruhigen Alltag.

Mittagspausen Ausflug

Am Freitag habe ich nach dem Chinesisch lernen und meinen anderen To-dos spontan die Gelegenheit genutzt und bin zum Qingfeng Park gelaufen.

Dieser liegt nur etwa 20 Minuten zu Fuß von unserer Wohnung entfernt und schon der Weg dorthin war richtig schön. Besonders beeindruckend war der Blick auf einen der bekanntesten Wolkenkratzer Pekings, den CITIC Tower (chinesisch: Zhongguo Zun). Durch die blühenden Äste wirkte das Gebäude fast schon weich und es war irgendwie ein schöner Kontrast zu seiner sonst eher massiven Erscheinung.

Mit seinen 108 Stockwerken und einer Höhe von 528 Metern ist er das höchste Gebäude Pekings. Genutzt wird er überwiegend als Bürogebäude, beherbergt aber auch ein Hotel sowie eine Bar mit Dachterrasse in der obersten Etage. Seine besondere Form ist übrigens an ein traditionelles chinesisches Gefäß, den sogenannten „Zun“, angelehnt.

Im Park angekommen erwartete mich genau das, was ich mir erhofft hatte: blühende Bäume, viele Blumen und eine Joggingstrecke entlang des Flusses, mit Blick auf die Skyline der Stadt. Diese Kombination aus Natur und Großstadt ist einfach immer wieder etwas Besonderes.

Viele Menschen waren draußen unterwegs, einige spielten Tischtennis an öffentlichen Platten (vermutlich in ihrer Mittagspause) und an anderen Ecken wurde das typische chinesische Brettspiel gespielt. Der Park hat wirklich viel zu bieten, aber ich habe die Zeit einfach genutzt, um ein bisschen zu laufen, die Natur zu genießen und den Vögeln zuzuhören.

Da ich bis dahin noch nichts gegessen hatte, habe ich mir gegen 14 Uhr ein Restaurant ausgesucht. Wichtig war mir vor allem, draußen in der Sonne sitzen zu können. Die Wahl fiel auf ein Restaurant in der Nähe unserer Wohnung. Ich hatte ein Mittagsmenü mit Beilagensalat, Getränk und Lachs auf Kartoffelpüree mit Spinat, Spargel und einer Joghurtsauce. Besonders die Kombination mit Himbeeren und Cranberries war richtig lecker.

Zurück zu Hause habe ich mich dann wieder meinen To-dos gewidmet und angefangen Fotobücher von unseren Reisen zu erstellen.

Abends sind Nico und ich noch gemeinsam essen gegangen und haben dabei unseren ersten Aperol in schönem Ambiente genossen.

Um 23 Uhr hat mich dann noch spontan die Lust gepackt zu backen. Für das Wochenende hatte ich ohnehin Kuchen geplant und da hier die Erdbeersaison längst begonnen hat, war klar: Es wird endlich Zeit für einen Erdbeerkuchen.

Sonniger Start ins Wochenende

Nach dem Aufstehen ging es dann wieder in die Küche, denn die Kuchen mussten fertiggestellt werden. Pudding kochen, Tortenguss vorbereiten und den Erdbeerspiegel aufkochen. Dieses Mal habe ich zum ersten Mal wirklich alles selbst gemacht. Gerade beim Tortenguss war das eine Premiere, den habe ich sonst immer fertig gekauft. Optisch war die Farbe noch nicht ganz so, wie ich sie mir vorgestellt hatte, aber geschmacklich hat es definitiv überzeugt.

Zum Kaffee mittags haben wir dann beide Kuchen probiert: ein Käsekuchen mit Erdbeerspiegel und ein Erdbeerbärmchen. Beide waren richtig lecker und genau das Richtige für einen entspannten Samstag.

Danach ging es für uns mit den Leihfahrrädern los. Da es für Nico tatsächlich das erste Mal in Peking war, musste er sich erstmal freischalten lassen. Dies funktioniert hier über den Reisepass, den man in der App hinterlegt. In Deutschland wäre das aus Datenschutzgründen kaum vorstellbar, hier ist es völlig normal und hilft natürlich auch Kriminalität vorzubeugen.

Die Fahrt selbst war, wie eigentlich immer in Peking, ein kleines Abenteuer. Man muss ständig aufmerksam sein, mitdenken und vorausschauend fahren. Gleichzeitig gilt aber auch: Wer zögert, verliert. Also lieber mit dem Flow gehen, als unsicher stehen bleiben.

Unterwegs begegnet man immer wieder spannenden Szenen: vollbeladene Rollerfahrer, Katzen in Rucksäcken oder süße Kuscheltiere an Autos, Helmen oder Kleidung. Unser Favorit an diesem Tag war allerdings ein Rollerfahrer neben uns an der Ampel. Sein Roller verfügte über eine eingebaute Musikbox und ein Display, auf dem er Musikvideos schauen und steuern konnte. So verging die 100 Sekunden lange Ampelphase für uns mit guter Musik wie im Flug.

Unser Ziel war an diesem Tag der Chaoyang Park. Schon bei der Ankunft war klar, dass wir nicht die Einzigen mit dieser Idee waren: Menschenmengen strömten in den Park hinein und wieder hinaus, davor parkten unzählige Roller. Bei bestem Wetter mit etwa 22 Grad und Sonne – kein Wunder, dass es alle nach draußen zog.

Der Park selbst hat unglaublich viel zu bieten und für jedes Alter ist etwas dabei. Von XXL-Luftballonständen über Tretboote und Kanus bis hin zu kleinen Fahrgeschäften. Manche Dinge sind allerdings auch etwas gewöhnungsbedürftig, wie zum Beispiel das Angeln in kleinen Becken mit echten Fischen.

Besonders spannend fand ich, wie viele Familien und Gruppen sich dort richtig „einrichten“. Überall wurden kleine Zelte aufgebaut, oft sogar mit Tischen und Stühlen. Es wurde gepicknickt meist ganz unkompliziert mit bestelltem Essen, Karten gespielt, Musik gehört oder auch selbst Gitarre gespielt. Hintergrund ist, dass viele keinen eigenen Garten haben und sich so ihren Platz im Grünen schaffen. Die Zelte dienen dabei gleichzeitig als Sonnenschutz und machen den ganzen Platz fast wie eine kleine, persönliche Oase für den Tag.

Beim weiteren Spazieren durch den Park hörten wir plötzlich Gesang und sind neugierig den Menschen gefolgt. Auf einem großen Platz spielte eine Band mit Keyboard, Gitarren und mehreren Sängern. Rundherum hatten sich viele Menschen versammelt, die mitsangen, klatschten und teilweise sogar tanzten. Es war eine richtig schöne Stimmung und irgendwie schön zu sehen, wie so etwas, an einem ganz normalen Tag in einem Park, so viele Menschen zusammenbringt.

Am späten Nachmittag ging es dann wieder mit den Fahrrädern zurück. Zu Hause haben wir uns Pizza bestellt und Fußball geschaut. Der Sieg des 1. FC Kaiserslautern war schließlich die Krönung des Tages.

Unser Sonntag

Den letzten Tag des Wochenendes verbrachten wir ganz entspannt zu Hause ein bisschen arbeiten, organisieren, telefonieren und zwischendurch eine kleine Runde spazieren gehen.

Am Abend waren wir dann noch zum gemeinsamen Essen verabredet. Zu Fuß liefen wir Richtung Ritan Park, in dessen Nähe sich ein deutsches Restaurant mit Biergarten befindet. Bei dem schönen Wetter war das natürlich genau die richtige Wahl, um den Tag gemütlich ausklingen zu lassen.

Es gab sogar eine eigene Spargelkarte und da musste ich natürlich direkt zuschlagen. Für mich gab es Lachs mit Kartoffeln und Spargel mit Sauce Hollandaise, während die anderen drei ganz klassisch Schnitzel mit Pommes oder Spätzle bestellt haben.

Außerdem trafen wir dort viele weitere Expats aus Deutschland, was dem Abend nochmal eine ganz besondere, fast schon „heimatliche“ Atmosphäre gegeben hat. Auch der Kellner hat uns direkt auf Deutsch empfangen – im ersten Moment ungewohnt, aber dann irgendwie sehr vertraut.

Die Restaurants von Schindler gehören zu den bekanntesten deutschen Restaurants hier in Peking und verfügen außerdem über einen eigenen Shop, in dem wir regelmäßig Fleisch einkaufen gehen.

Es war auf jeden Fall einen Besuch wert und ein wirklich schöner Abschluss der Woche.

Frühlingserwachen

Zurück in Peking wurde ich natürlich liebevoll von meinem Mann empfangen. Aber nicht nur das, auch das Wetter zeigte sich direkt von seiner besten Seite. Mit angenehmen 20 bis 25 Grad und viel Sonnenschein war es wirklich gut auszuhalten, besonders nachdem ich zuvor die 30 Grad aus Malaysia gewohnt war.

Ein kleiner Nachteil des plötzlichen Temperaturanstiegs war allerdings, dass unsere Heizung noch auf Hochtouren lief, während die Klimaanlage noch nicht aktiviert war. Meine erste Amtshandlung nach der Rückkehr war also, mich genau darum zu kümmern.

Natürlich standen auch erst einmal die typischen Alltagsdinge an wie einkaufen, Wäsche waschen, ein Besuch im Nagelstudio und einfach wieder ankommen. Gleichzeitig habe ich auch wieder aktiv mit dem Chinesischlernen angefangen, was nach der Reise erstmal wieder etwas Überwindung gekostet hat, aber gleichzeitig gut getan hat, um wieder in die Routine zu kommen.

Neben dem Alltäglichen mussten wir uns aber auch wieder organisatorischen Themen widmen. Ich habe mich an die Vorbereitung der Steuererklärung für 2025 gesetzt und gemeinsam haben wir einige Planungen besprochen. Unter anderem für unseren Besuch in Deutschland, der nun offiziell für Mitte Juni bis Anfang Juli geplant ist.

Doch der Alltag bestand natürlich nicht nur aus To-do-Listen, es standen auch einige richtig schöne Dinge an.

Zeit im ursprünglichen Peking

Die sogenannten Hutongs sind traditionelle Wohnviertel in Peking, die aus engen Gassen, kleinen Innenhöfen und oft sehr alten Häusern bestehen. Sie geben einen ganz anderen Einblick von der Stadt, viel ursprünglicher, ruhiger und persönlicher als die modernen Hochhausviertel.

In den letzten Tagen waren wir mehrmals dort unterwegs und jedes Mal hatte es wieder seinen ganz eigenen Charme.

Einer dieser Abende war gemeinsam mit einem Paar, das erst vor Kurzem nach Peking gezogen ist. Die beiden arbeiten ebenfalls bei Mercedes und wohnen sogar im selben Gebäude wie wir. Man läuft sich also zwangsläufig immer mal wieder über den Weg. Umso schöner war es, den Abend mal bewusst zusammen zu verbringen.

Wir waren gemütlich essen und wie so oft in den Hutongs hätte man von außen niemals vermutet, was sich dahinter verbirgt. Man betritt ein eher unscheinbares Gebäude, geht durch eine Tür, biegt ein paar Mal ab und plötzlich steht man in einem wunderschönen, gemütlichen Hinterhof mit einem kleinen Restaurant. Genau diese versteckten Orte machen den Reiz dort aus.

Danach ging es noch weiter in eine Bar mit schöner Außenbeleuchtung. Dort gab es verschiedene Biere, und wir haben uns einfach durch die jeweiligen Tagesbiere probiert. Mein persönliches Highlight war definitiv das Drachenfrucht-Bier, wobei es mit klassischem Bier eigentlich kaum noch etwas zu tun hatte, eher süß und fast wie ein Cocktail. Die Stimmung war total entspannt, wir haben viel gelacht und uns einfach richtig gut unterhalten – ein rundum gelungener Abend.

Ein paar Tage später war ich dann nochmal mittags in den Hutongs unterwegs, diesmal mit einer ganz anderen Dynamik. Ich war mit einer noch Unbekannten verabredet, die ebenfalls erst vor Kurzem nach Peking gezogen ist. Sie ist gemeinsam mit ihrem Mann hier und arbeitet in Deutschland, genau wie ich, im Steuerbereich, nur auf der anderen Seite. Da fanden wir natürlich direkt auf Anhieb viele Gesprächsthemen.

Beim Warten am Treffpunkt wurde ich allerdings erstmal von zwei chinesischen Reportern angesprochen und spontan interviewt. Sie wollten wissen, wie ich die Kultur, das Leben, das Essen und chinesische Produkte finde. Danach wurden noch Fotos gemacht – ein Moment, der mir inzwischen fast schon vertraut ist. Als Blondine fällt man hier einfach auf und wir gerne mal fotografiert.

Ich muss aber sagen: Ich mag es lieber, wenn man mich fragt, ob man ein Foto machen darf – was an diesem Tag leider nicht immer der Fall war. Da wurde dann auch einfach mal ungefragt die Kamera draufgehalten.

Nach dem kurzen Feedback zum Leben als Deutsche in China, sind wir gemeinsam durch die Hutongs geschlendert, haben die Atmosphäre genossen und uns bei einem entspannten Mittagessen kennengelernt. Es war spannend, sich auszutauschen gerade, weil wir beide neu hier sind und ähnliche Erfahrungen machen.

Universal Studios Beijing

Am Mittwoch ging es für uns mit der U-Bahn in den Süden Pekings, genauer gesagt in den Stadtteil Tongzhou, wo sich das Universal Resort Beijing befindet. Nach etwa 45 Minuten erreichten wir unser Ziel und damit eine der beliebtesten Attraktionen der Stadt.

Es ist ein riesiger Freizeitpark, der verschiedene Themenwelten rund um bekannte Filme vereint, darunter Harry Potter, Jurassic World, Transformers und Kung Fu Panda. Neben dem eigentlichen Park gibt es auch einen großen Eingangsbereich mit Restaurants, Cafés und Shops, der schon fast wie eine eigene kleine Stadt wirkt.

Bereits beim Verlassen der U-Bahn läuft man direkt auf die bekannte Weltkugel zu, das typische Universal-Symbol. Alles wirkte direkt unglaublich beeindruckend: schöne, aufwendig gestaltete Gebäude, Palmen, ein kleiner Fluss und Musik aus Lautsprechern. Selbst die Gullideckel waren mit dem Logo des Parks verziert.

Wir waren extra früh da und standen pünktlich zur Öffnung um 9 Uhr am Eingang. Trotzdem war die Schlange selbst unter der Woche ziemlich lang, vermutlich wegen des guten Wetters. Aber mit der richtigen Gesellschaft vergeht so eine Wartezeit zum Glück schnell. Wir drei Mädels hatten wie immer genug zu erzählen und viel Spaß zusammen.

Der Eintritt lief super unkompliziert: Man scannt einfach seinen Reisepass, da das Ticket bereits am Vortag online mit der Passnummer gebucht wurde.

Im Park angekommen gab es erstmal einen kleinen Stopp für Kaffee und Frühstück, bevor wir direkt in die erste Themenwelt gestartet sind: die Harry Potter Welt.

Das war für mich definitiv eines der Highlights, da ich die Filme sehr gerne mag. Die ganze Kulisse ist extrem detailreich und man fühlt sich wirklich, als wäre man mitten in der Geschichte. Besonders beeindruckend war die animierte Achterbahn, bei der man das Gefühl hat, auf einem Besen zu fliegen – inklusive Quidditch, Verfolgungsjagden und Zauberei. Diese Art von Attraktion kannte ich so bisher noch nicht und war echt fasziniert.

Danach sind wir noch eine „klassische“ Achterbahn gefahren, die wie ein Feuervogel gestaltet war. Sie war witzig, aber im Vergleich zu europäischen Parks eher kurz und nicht besonders schnell.

Natürlich haben wir uns auch die Zauberstäbe angeschaut und die bekannte Stofftier-Eule (Hedwig), die sogar ihren Kopf bewegen kann allerdings alles zu ziemlich hohen Preisen.

Als Nächstes ging es weiter in die Jurassic World Welt. Dort sind wir nur die animierte Attraktion gefahren, bei der man durch die Welt der Dinosaurier fährt und ständig das Gefühl hat, gleich gefressen zu werden.

Danach kam der Transformers Bereich. Hier sind wir zuerst die schnellste Achterbahn im Park gefahren, mit Loopings und hoher Geschwindigkeit. Trotzdem muss ich ehrlich sagen: Im Vergleich zu Parks in Europa (z. B. Europa- oder Holiday Park) war sie eher entspannt und der typische Adrenalinkick hat ein bisschen gefehlt. Spaß gemacht hat sie aber trotzdem.

Was mir außerdem aufgefallen ist: Hier hebt kaum jemand die Arme beim Fahren, aber das konnten wir uns natürlich nicht nehmen lassen.

Die zweite Attraktion dort war wieder eine animierte Fahrt, bei der wir mit einem Jeep durch die Transformers-Welt gefahren sind. Besonders cool war ein Moment, in dem wir scheinbar von einem Hochhaus in die Tiefe stürzen und dann von Bumblebee gerettet werden.

Mit Popcorn als kleine Stärkung ging es danach weiter ins Kung Fu Panda Land. Dort war die Stimmung direkt viel ruhiger, fast schon meditativ, mit passender Musik und liebevoller Gestaltung. Die Wartezeit war hier mit nur 5 Minuten überraschend kurz. Wir machten eine Bootsfahrt durch eine Wasserwelt und wurden dabei auch leicht nass.

Insgesamt war es ein wirklich tolles Erlebnis, auch wenn wir teilweise bis zu 100 Minuten für eine Attraktion anstehen mussten. Dadurch haben wir leider nicht alles geschafft und sogar ganze Bereiche ausgelassen, wie zum Beispiel die Minions-Welt.

Ich würde auf jeden Fall nochmal wiederkommen, am liebsten dann auch mit Nico. Der Park ist einfach anders als viele Freizeitparks in Europa, da hier der Fokus viel stärker auf Animationen, Storytelling und den Themenwelten liegt.

Den Tag haben wir schließlich ganz entspannt bei einem Abendessen bei einem Japaner ausklingen lassen. Dort habe ich zum ersten Mal Ramen probiert und mir natürlich direkt die schärfste Variante auf der Karte ausgesucht. Es war definitiv intensiv, aber richtig lecker. Ich glaube, das wird nicht das letzte Mal gewesen sein.

Frühlings- und Kirschblüten Zeit

In ganz Peking wird plötzlich für die Zeit der Kirschblüte geworben. Auf Plakaten, in Apps und auf Social Media – einfach überall. Also beschlossen wir uns dies einmal genauer anzuschauen und recherchierten, wo man denn „am Besten“ startet. Unsere Wahl fiel auf die Gegend rund um den Beixiao River, die mit ziemlich vielversprechenden Worten beworben wurde: Über 6.000 Kirschbäume mit mehr als 60 verschiedenen Arten entlang des Flusses und in den umliegenden Parks.

Da für das Wochenende perfektes Wetter angesagt war, entschieden wir uns am Samstag dazu in den Park zu gehen.

Vor Ort angekommen erwartete uns eine wirklich moderne, wunderschön angelegte und gut besuchte Flusspromenade. Alles war sauber, weitläufig und sehr durchdacht gestaltet. Allerdings fiel uns ziemlich schnell auf: Von den angekündigten rosa und weißen Kirschblüten war noch nicht allzu viel zu sehen. Stattdessen entdeckten wir vor allem viele junge, noch recht kleine Bäume.

Unsere Vermutung: Die Anlage ist noch relativ neu und wird vermutlich erst in ein paar Jahren wirklich so aussehen, wie sie aktuell beworben wird.

Trotzdem hat sich der Ausflug absolut gelohnt. Wir sind entspannt an der Promenade entlang spaziert und anschließend noch in den angrenzenden Beixiaohe Park gegangen.

Diser ist riesig und hatte unglaublich viele verschiedene Bereiche sowohl für Kinder, Familien, Spaziergänger oder einfach zum Entspannen. Überall waren Blumenbeete, kleine Teiche, blühende Bäume und sogar kleine Fahrgeschäfte verteilt.

Es war ziemlich viel los, aber fast ausschließlich Einheimische. Man hat gemerkt, dass wir hier auffallen. Immer wieder hörte man leise das chinesische Wort für Ausländer „lǎowài“, das geflüstert wurde, wenn wir vorbeigingen. Was bei ihnen meist nicht negativ gemeint ist, sondern eher eine neutrale, oft sogar neugierige Bemerkung darstellt. Denn als Ausländer fällt man dort noch immer auf und für viele ist es etwas Besonderes.

Ein absolutes Highlight war allerdings ein Mann, der mit seinem Haustier im Park unterwegs war und zwar mit einer Art Flugmaus. Er platzierte sie immer wieder an besonders schönen, blühenden Bäumen oder Blumen, machte Fotos von ihr und auf Kommando sprang sie dann zurück auf seinen Kopf. Ein Moment, den man definitiv nicht jeden Tag erlebt.

Nach dem Spaziergang ging es für uns noch ein bisschen shoppen und anschließend sind wir noch einen Kaffee trinken gegangen, bevor wir pünktlich zum Fußballspiel vom 1.FC Kaiserslautern wieder zu Hause waren.

Jiankou Zhengbei Tower Great Wall Loop

Ostern wird in Peking nicht gefeiert, da der Anteil an Christen hier vergleichsweise gering ist. Interessanterweise richtet sich aber auch das Osterdatum, genau wie viele traditionelle chinesische Feste nach dem Mondkalender. Deshalb fällt die Zeit um Ostern oft in die Nähe des Qingming-Festes, auch bekannt als „Totengedenktag oder Gräberreinigungstag (Tomb Sweeping)“. An diesem Tag gedenken viele Chinesen ihren Vorfahren, besuchen deren Gräber, reinigen sie und bringen Opfergaben wie Essen oder Blumen. Gleichzeitig nutzen viele Familien die freien Tage auch, um Zeit draußen zu verbringen, ganz ähnlich wie wir es an Ostern kennen.

Auch wir haben das lange Wochenende genutzt, um viel Zeit an der frischen Luft zu verbringen. Am Karfreitag gab es ganz klassisch Fisch und sowohl Samstag als auch Sonntag standen im Zeichen von Sonne, Bewegung und Natur. Für mich persönlich auch etwas, das zu Ostern dazugehört.

Am Sonntag entschieden wir uns dann für einen etwas größeren „Osterspaziergang“, nämlich eine Wanderung auf der Chinesischen Mauer, genauer gesagt den Jiankou Zhengbei Tower Great Wall Loop. Bereits um 7 Uhr morgens trafen wir uns an unserem Treffpunkt, um gemeinsam in den Nordosten von Peking in den Huairou District zu fahren. Durch das Feiertagswochenende herrschte auf den Straßen deutlich mehr Verkehr als sonst, da viele Menschen die freien Tage ebenfalls für Ausflüge ins Umland nutzen.

Nach etwa zwei Stunden Fahrt erreichten wir den Startpunkt unserer Wanderung. Schon der Beginn hatte es in sich: Es ging direkt steil bergauf, bevor wir über eine Holzleiter auf die Mauer kletterten – ein Moment, der sich direkt nach Abenteuer anfühlte.

Die Jiankou-Sektion der Großen Mauer gilt als eine der ursprünglichsten und gleichzeitig schönsten Abschnitte. Der Name „Jiankou“ bedeutet übersetzt „Pfeilnocke“ und beschreibt die markante, V-förmige Landschaft. Anders als bei restaurierten Abschnitten wurde hier nur das Nötigste gesichert, um Einstürze zu verhindern und der ursprüngliche Charakter der Mauer ist erhalten geblieben. Genau das macht diese Wanderung so besonders: Man bewegt sich über alte, teilweise verfallene, aber trotzdem sichere Mauerabschnitte, klettert über Steine, steigt steile Treppen hinauf und passiert schmale Passagen.

Unsere Route führte uns über etwa 10 Kilometer mit rund 700 Höhenmetern entlang einiger der spektakulärsten Teile der südöstlichen Jiankou-Mauer. Die Wanderung ist nicht besonders lang, aber technisch anspruchsvoll immer wieder ging es steil bergauf und bergab, teilweise über unebene oder schmale Wege. Gefährliche Abschnitte wie steile Klippen wurden bewusst umgangen, was die Tour sicherer, aber nicht weniger aufregend machte.

Ein absolutes Highlight war der Zhengbei Tower, der auf etwa 1.019 Metern Höhe liegt. Von dort hatten wir eine atemberaubende Aussicht über die umliegenden Berge, Peking und die sich endlos schlängelnde Mauer. Das Wetter war perfekt sonnig und klar, wenn auch etwas windig, was die Aussicht noch beeindruckender machte.

Nach einer Pause ging es weiter zur sogenannten „Ox-Horn“-Sektion – ein besonders steiler, geschwungener Teil der Mauer, der sich wie Hörner den Berg hinaufzieht. Der Aufstieg war herausfordernd, aber absolut lohnenswert. Oben angekommen wurden wir erneut mit einer spektakulären Aussicht belohnt, bevor wir den Rückweg antraten.

Zum Abschluss wanderten wir durch bewaldete Hügel hinunter und beendeten unsere Tour nach etwa fünf Stunden. Insgesamt starteten wir auf rund 642 Metern Höhe und legten fast 1.000 Höhenmeter im Auf- und Abstieg zurück.

Ein spannender geschichtlicher Aspekt: Die Jiankou-Mauer stammt aus der Zeit der Ming-Dynastie (1368–1644). Diese Dynastie ist bekannt dafür, große Teile der heutigen Mauer gebaut oder verstärkt zu haben, um das Reich vor Angriffen aus dem Norden zu schützen. Die Bauweise aus Ziegeln und Stein machte die Mauer stabiler und langlebiger. Viele dieser Abschnitte sind bis heute erhalten und werden immer wieder verstärkt.

Nach der Wanderung ging es bei einem unserer Wander-Guides essen. Er betreibt ein kleines Restaurant und einen Food Truck. Aufgrund des guten Wetters entschieden wir uns, draußen zu essen. Es gab viel frisches Gemüse und selbstgemachte Jiaozi (Dumplings), die unglaublich lecker waren.

Und irgendwie fühlte sich genau dieser Moment gemeinsam draußen sitzen, gutes Essen teilen und den Tag Revue passieren lassen, doch ein bisschen wie Ostern an oder zumindest nach Frühlingsanfang.

Straßenverkehr

Bevor wir nach China gezogen sind, haben uns viele gesagt: „Der Verkehr wird euch schocken so laut, chaotisch, gefährlich und die Luft ist dadurch total verschmutzt.“

Dementsprechend gespannt war ich, als wir am ersten Tag nach unserer Landung ins Taxi stiegen.

Ich saß dort, schaute aus dem Fenster und beobachtete jede Bewegung ganz genau. Autos, Roller, Fahrräder und Fußgänger alles schien sich gleichzeitig zu bewegen. Im ersten Moment wirkte es tatsächlich etwas chaotisch. Jeder fuhr, lief oder bog irgendwie und ich fragte mich kurz, wie das überhaupt funktionieren kann.

Und dann kam der Moment, den wahrscheinlich jeder kennt, der zum ersten Mal hier ist:

Als ich das erste Mal eine Straße in Peking überqueren wollte, stand ich da und dachte mir: Wie soll ich hier bitte rüberkommen?

Doch je länger man hinschaut, desto mehr merkt man: Es ist kein echtes Chaos, sondern eher ein „geordnetes Chaos“.

Was mich außerdem überrascht hat, dass der Verkehr gar nicht so laut ist, wie ich erwartet hatte. Ja, es wird viel gehupt, aber eher um auf sich aufmerksam zu machen, nicht aus Aggression. Viele Fahrzeuge, vor allem Roller und Autos, sind mittlerweile elektrisch unterwegs, was den gesamten Geräuschpegel deutlich reduziert.

Alles ist ständig in Bewegung, doch irgendwie fließt es. Es gibt eine Dynamik, an die man sich erst gewöhnen muss, die aber nach und nach Sinn ergibt.

Mittlerweile leben wir seit sechs Monaten hier und haben den Verkehr aus ganz unterschiedlichen Perspektiven erlebt: als Fußgänger, als Fahrradfahrer und auch mit dem Taxi (Didi).

Was anfangs ungewohnt und leicht überwältigend wirkte, ist für mich inzwischen fast schon normal geworden. Trotzdem gibt es einige Besonderheiten und Unterschiede, die den Straßenverkehr in Peking wirklich einzigartig machen und genau die möchte ich euch in diesem Beitrag zeigen.

Die Verkehrslandschaft einer Megastadt

Wer den Verkehr in Peking wirklich verstehen möchte, muss sich zunächst die Dimensionen der Stadt vor Augen führen. Mit über 20 Millionen Einwohnern gehört die Stadt zu den größten Metropolen der Welt und entsprechend hoch ist das Verkehrsaufkommen.

Täglich sind Millionen Autos, unzählige E-Scooter, Fahrräder, Busse und Taxis gleichzeitig unterwegs. Trotzdem wirkt das System erstaunlich selten komplett außer Kontrolle.

Ein großer Grund dafür ist die beeindruckende Infrastruktur. Die Straßen in Peking sind extrem breit, oft mit mehreren Spuren pro Richtung. Besonders typisch sind die sogenannten Ringstraßen: große Verkehrsadern, die sich kreisförmig um die Stadt ziehen und verschiedene Stadtteile miteinander verbinden. Je weiter man sich nach außen bewegt, desto größer werden diese Ringe.

Zusätzlich gibt es klar getrennte Bereiche für unterschiedliche Verkehrsteilnehmer: eigene Busspuren für den öffentlichen Nahverkehr breite Fahrradwege, die oft stark genutzt werden separate Bereiche für E-Scooter und Roller

Gerade diese Aufteilung sorgt dafür, dass der Verkehr trotz der hohen Dichte vergleichsweise flüssig bleibt.

Was ebenfalls eine große Rolle spielt, ist die starke Digitalisierung und Überwachung des Verkehrs.

Diese Kombination aus Infrastruktur, Technologie und Flexibilität macht das System so besonders.

Ringstraßensystem
Straßenverkehr von oben

Verkehrsregeln & deren Umsetzung

Wenn man sich den Verkehr in Peking anschaut, kann man sich schwer vorstellen das es hier überhaupt feste Verkehrsregeln gibt. Doch auch hier gibt es Vorschriften, sie werden nur anders gelebt als bei uns in Deutschland.

Grundsätzlich gilt auch hier ein festes Verkehrssystem mit Ampeln, Zebrastreifen und klaren Vorschriften. Ein Beispiel, das vielen sofort auffällt: Rechtsabbiegen bei Rot ist immer erlaubt, wenn es kein Schild aktiv verbietet. Das bedeutet, dass Autos auch dann weiterfahren dürfen, wenn für Fußgänger eigentlich Grün ist. Man muss also beim Überqueren immer aufmerksam bleiben und kann sich nicht blind auf die Ampel verlassen.

Ein weiterer Unterschied, der einem direkt ins Auge fällt, ist die Position der Ampeln. In Peking befinden sie sich meist auf der gegenüberliegenden Seite der Kreuzung. Anders als in Deutschland hängen sie also nicht direkt an der Haltelinie, sondern weiter vorne im Sichtfeld. Das sorgt dafür, dass man sie auch bei dichtem Verkehr oder mit größeren Fahrzeugen vor sich deutlich besser erkennen kann.

Rechts vor links, spielt außerdem kaum eine Rolle. Der Verkehr wird hauptsächlich durch Ampeln und Schilder geregelt. Ohne klare Regel gilt oft: Der Stärkere fährt zuerst. Auch die Spurdisziplin ist deutlich lockerer. Spurwechsel passieren spontan, häufig und oft ohne Blinker.

Rollerfahrer haben grundsätzlich eigene Spuren oder müssen auf der Straße fahren. Doch in der Realität ist dies leider meist nicht der Fall, sie fahren wann und wo sie möchten. Mit einem Roller muss man immer rechnen auf der Straße, der Fahrradspur und auch auf dem Fußgängerweg.

Offiziell gibt es eine Helmpflicht für Rollerfahrer, vor allem für bestimmte Fahrzeugtypen. In der Praxis sieht man aber sehr viele Fahrer und vor allem Mitfahrer ohne Helm. Besonders bei kurzen Strecken wird das oft nicht so streng genommen.

Auch das Verhalten an Zebrastreifen unterscheidet sich deutlich. Während in Deutschland Fußgänger meist automatisch Vorrang haben und Autos anhalten, funktioniert das hier eher nach dem Prinzip: Wer sich traut, geht.

Das selbe gilt für die Fußgängerampeln. Theoretisch geben sie klare Vorgaben, aber praktisch werden sie nicht immer strikt befolgt. Viele Menschen gehen auch bei Rot, wenn gerade kein Verkehr kommt.

Autos bremsen zwar oft ab, aber man sollte immer aktiv schauen, sich bemerkbar machen und den Moment selbst einschätzen.

Das führt zu einem generellen Unterschied:

In Deutschland verlässt man sich stark auf Regeln. In Peking verlässt man sich eher auf Aufmerksamkeit und gegenseitiges „Lesen“ im Verkehr.

Eine Regel ist jedoch strenger als in Deutschland, denn bei Alkohol am Steuer kann einem sogar eine Gefängnisstrafe drohen. ab 0,2 Promille ist es bereits eine Ordnungswidrigkeiten und ab 0,8 Promille eine Straftat.

Rechtsabbieger und grüne Fußgängerampel
Überqueren einer Kreuzung

Verkehrsteilnehmer im Alltag

Der Verkehr in lebt hier vor allem durch die vielen unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer und genau dieses Zusammenspiel macht ihn so besonders. Jede Gruppe hat dabei ihre eigenen „Regeln“ und Verhaltensweisen.

Autos sind natürlich ein großer Teil des Verkehrsbildes. Gerade zu Stoßzeiten kommt es häufig zu Staus, besonders auf den großen Ringstraßen. Auch Parkplätze sind in vielen Gegenden Mangelware, weshalb oft kreativ geparkt wird.

Ein spannender Punkt ist die Kennzeichenregelung: In Peking bekommt man ein Nummernschild nicht einfach so, sondern über eine Art Lotteriesystem. Dadurch soll die Anzahl der Autos begrenzt werden. Außerdem gibt es Nummernschilder mit denen Autos an bestimmten Tagen nicht fahren dürfen.

Auffällig ist außerdem der hohe Anteil an Elektroautos. Diese sind nicht nur leiser unterwegs, sondern werden auch staatlich gefördert, was sie besonders attraktiv macht. Im dichten Stadtverkehr fahren viele Autofahrer sehr aufmerksam, reagieren schnell und passen sich ständig an die Situation an.

Roller- und E-Bike-Fahrer prägen das Straßenbild wahrscheinlich am meisten. E-Scooter und E-Bikes sind überall und oft auch schneller, als man denkt.

Sie nutzen in der Regel die Fahrradwege, fahren aber auch mal auf dem Gehweg oder wenn es schneller geht entgegen der Fahrtrichtung. Für Außenstehende wirkt das erstmal chaotisch, ist hier aber fast schon normal.

Besonders präsent sind die vielen Lieferdienste wie Meituan. Die Fahrer stehen oft unter Zeitdruck und bewegen sich entsprechend schnell und effizient durch den Verkehr. Mit großen Boxen auf dem Rücken oder am Roller gehören sie fest zum Stadtbild.

Fahrräder erleben in Peking seit einigen Jahren ein echtes Comeback, vor allem durch die vielen Leihfahrradsysteme.

Über Apps kann man sich überall unkompliziert, kostengünstig, schnell ein Fahrrad leihen und es an nahezu jeder Straßenecke wieder abstellen.

Die Fahrradwege sind meist breit und gut ausgebaut, oft sogar baulich von der Straße getrennt. Trotzdem gibt es auch hier Herausforderungen: Viele unterschiedliche Geschwindigkeiten (vom gemütlichen Fahrer bis zum schnellen E-Bike) treffen aufeinander und Helme tragen die wenigsten.

Auch als Fußgänger wird man schnell Teil dieses dynamischen Systems. Ampeln und Zebrastreifen sind zwar vorhanden, aber man kann sich nicht immer komplett darauf verlassen.

Gerade an großen Kreuzungen treffen oft mehrere Verkehrsarten gleichzeitig aufeinander – Autos, Roller, Fahrräder und Menschen. Hier ist Aufmerksamkeit das Wichtigste.

In vielen Bereichen gibt es auch Fußgängerzonen oder Unterführungen, die das Überqueren erleichtern sollen. Trotzdem gilt: Man bewegt sich aktiv mit und wartet nicht einfach nur darauf, dass alles stehen bleibt.

Öffentlicher Verkehr

Ein ganz entscheidender Faktor, warum der Verkehr in Peking trotz der enormen Größe der Stadt überhaupt funktioniert, ist der öffentliche Nahverkehr. Ohne ihn würde das gesamte System vermutlich schnell an seine Grenzen kommen.

Das Herzstück ist dabei die Metro. Das U-Bahn-Netz in Peking gehört zu den größten der Welt und wird täglich von Millionen Menschen genutzt. Die Züge fahren im Minutentakt, sind zuverlässig, vergleichsweise günstig und decken nahezu die gesamte Stadt ab. Gerade für längere Strecken ist die Metro oft die schnellste und stressfreieste Option.

Ergänzt wird das Ganze durch ein dichtes Busnetz. Busse fahren nahezu überall hin, auch in Bereiche, die nicht direkt an die Metro angebunden sind. Besonders praktisch: In vielen Fällen gibt es eigene Busspuren, sodass sie sich nicht komplett im Autoverkehr „festfahren“.

Neben dem klassischen ÖPNV spielen auch Taxis und vor allem Didi eine große Rolle. Didi ist im Prinzip das chinesische Pendant zu Uber und aus dem Alltag kaum wegzudenken. Mit wenigen Klicks kann man sich ein Auto bestellen, den Preis vorher sehen und wird zuverlässig von A nach B gebracht. Gerade für kürzere Strecken oder wenn man spät abends unterwegs ist, ist das oft die bequemste Lösung.

Was den Verkehr in Peking besonders macht, ist die Kombination aus öffentlichem Verkehr und sogenannter Mikromobilität. Viele Menschen fahren zum Beispiel mit dem Fahrrad oder E-Scooter zur nächsten Metrostation, steigen dort in die Bahn und legen den Rest des Weges wieder mit einem Leihfahrrad zurück.

Diese Kombination sorgt dafür, dass deutlich weniger Menschen auf das eigene Auto angewiesen sind. Und genau das entlastet den Straßenverkehr enorm.

Besondere Akteure im Straßenverkehr

Neben den „klassischen“ Verkehrsteilnehmern gibt es in Peking noch einige besondere Akteure, die im Alltag eine wichtige und oft unterschätzte Rolle spielen.

Was mir relativ schnell aufgefallen ist: Die Müllabfuhr funktioniert hier ganz anders als in vielen europäischen Städten.

Statt großer Müllwagen sieht man häufig kleine elektrische Fahrzeuge, die leise durch die Straßen fahren. Gerade in Wohnanlagen oder kleineren Gassen sind diese viel praktischer unterwegs als große LKWs.

Oft sind sie mehrmals täglich im Einsatz, sammeln Müll direkt vor Ort ein oder transportieren ihn zu zentralen Sammelstellen.

Ein riesiger Bestandteil des Verkehrs sind die vielen Lieferdienste. Pakete, Essen, Getränke gefühlt wird hier alles jederzeit geliefert.

Die Logistik dahinter ist beeindruckend:

Selbst enge Gassen oder Wohnkomplexe werden problemlos erreicht, meist mit kleinen E-Rollern oder kompakten Transportfahrzeugen. Große Lieferwagen sieht man zwar auch, aber deutlich seltener im direkten Wohnumfeld.

Gerade in Stoßzeiten hat man das Gefühl, dass ein Großteil des Verkehrs aus Lieferfahrern besteht, die sich effizient und oft sehr schnell durch die Stadt bewegen.

Zudem ist Peking eine Stadt, die sich ständig weiterentwickelt. Baustellen gehören daher ganz selbstverständlich zum Stadtbild.

Interessant ist, dass viele Bau- und Transportarbeiten in die Nacht verlegt werden, um den Verkehr am Tag nicht zusätzlich zu belasten. Große LKWs oder schwerer Bauverkehr sind daher oft eher abends oder nachts unterwegs.

Teilweise gibt es sogar spezielle Zeitfenster, in denen bestimmte Fahrzeuge überhaupt erst in die Stadt fahren dürfen.

Auch Rettungswagen oder Feuerwehrfahrzeuge sind natürlich regelmäßig unterwegs.

Sobald ein Einsatzfahrzeug mit Sirene kommt, wird in der Regel Platz gemacht, allerdings nicht immer so klar und strukturiert wie in Deutschland. Es entsteht eher eine Art „fließende Gasse“, bei der sich alle langsam zur Seite bewegen, statt einer perfekt gebildeten Rettungsgasse.

Nicht alles ist streng geregelt oder perfekt organisiert, vieles ist praktisch gedacht, flexibel umgesetzt und erstaunlich effizient im Alltag.

Technologische Besonderheiten

Was den Verkehr in Peking wirklich von vielen anderen Städten unterscheidet, ist der enorme Einsatz von Technologie. Vieles läuft im Hintergrund und genau das sorgt dafür, dass dieses scheinbar „chaotische“ System überhaupt so gut funktioniert.

An vielen großen Kreuzungen kommen inzwischen intelligente Verkehrssysteme zum Einsatz. Diese analysieren in Echtzeit, wie viele Autos, Roller oder Fußgänger unterwegs sind, und passen die Ampelphasen entsprechend an.

Wenn eine Richtung besonders stark ausgelastet ist, bekommt sie automatisch länger Grün. Dadurch wird der Verkehrsfluss optimiert, ohne dass jemand manuell eingreifen muss.

Es gibt sowohl für Fußgänger als auch motorisierte Verkehrsteilnehmer Ampeln mit Cowntdown. Sowohl wie lange die Ampel noch rot ist, aber auch wie lange sie noch grün ist. Gerade zu Fuß finde ich es praktisch, da man besser einschätzen kann ob ,an die Straße noch überqueren kann.

Technologie wird auch konsequent zur Überwachung eingesetzt. An einigen Kreuzungen gibt es Systeme, die Rotlichtverstöße von Fußgängern erkennen, teilweise sogar mit Gesichtserkennung. Wer bei Rot über die Straße geht, kann erfasst und identifiziert werden. In manchen Fällen werden die Bilder sogar öffentlich angezeigt. Die Polizei ist im Straßenverkehr zwar präsent, greift aber im Alltag weniger aktiv ein, als man es vielleicht aus Europa kennt. Vieles läuft automatisiert im Hintergrund.

Auch für Autofahrer gilt: Verstöße wie zu schnelles Fahren oder das Überfahren roter Ampeln werden automatisch registriert und geahndet.

Apps spielen ebenfalls eine zentrale Rolle im Alltag. Mit Baidu Maps kann man nicht nur navigieren, sondern auch Staus in Echtzeit sehen und alternative Routen planen.

Auch Bußgelder und Verkehrsverstöße werden häufig digital abgewickelt. Informationen dazu erscheinen direkt in entsprechenden Apps oder Systemen – schnell, transparent und ohne großen Papieraufwand.

All diese Technologien sorgen dafür, dass der Verkehr in Peking trotz seiner Größe erstaunlich effizient bleibt.

Man merkt schnell: Hier wird nicht nur reagiert, hier wird aktiv gesteuert, analysiert und optimiert.

Und genau das ist vielleicht der größte Unterschied:

Der Verkehr funktioniert nicht nur durch Menschen, sondern zu einem großen Teil auch durch Technologie im Hintergrund.

Peking investiert stark in neue Technologien und Verkehrskonzepte.

Ein spannender Bereich sind autonome Fahrzeuge, die bereits getestet werden und schon am Verkehr teilnehmen.

Ziel ist es, den Verkehr noch effizienter und sicherer zu machen. Auch smarte Verkehrsleitsysteme werden weiterentwickelt: Noch genauere Datenauswertung, bessere Verkehrssteuerung in Echtzeit und eine stärkere Vernetzung aller Verkehrsteilnehmer könnten in Zukunft eine noch größere Rolle spielen.

Umwelt & Zukunft

Wenn man über den Verkehr in Peking spricht, kommt man am Thema Umwelt nicht vorbei. Gerade die Luftqualität war lange eines der größten Probleme der Stadt und wurde oft direkt mit dem Verkehr in Verbindung gebracht.

Früher galten dichter Smog, schlechte Sicht und hohe Feinstaubwerte als Alltag. Auch heute gibt es noch Tage mit schlechter Luft, aber insgesamt hat sich in den letzten Jahren bereits einiges verbessert.

Der Verkehr ist neben Industrie und Energieerzeugung ein wesentlicher Faktor für Emissionen. Millionen Fahrzeuge täglich hinterlassen natürlich ihre Spuren.

Die Stadt hat in den letzten Jahren viele Maßnahmen ergriffen, um die Belastung zu reduzieren:

Förderung von E-Mobilität: Elektroautos bekommen Vorteile bei der Zulassung und sind im Stadtbild allgegenwärtig. Ein großer Teil der Autos, Roller und Busse fährt mittlerweile elektrisch. Das reduziert nicht nur Lärm, sondern auch Emissionen im Stadtverkehr.

Kennzeichen-Regulierung: Durch das Lotteriesystem wird die Anzahl neuer Fahrzeuge begrenzt.

Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs: Metro und Busse werden kontinuierlich erweitert, um Alternativen zum Auto attraktiver zu machen.

Verlagerung von Verkehr: Schwerer Verkehr wird teilweise in Randzeiten oder in die Nacht verschoben.

Diese Maßnahmen zeigen Wirkung, auch wenn das Thema Luftqualität weiterhin präsent bleibt.

Man merkt, dass sich hier gerade etwas verändert. Der Verkehr ist nicht statisch, sondern entwickelt sich ständig weiter.

Peking versucht aktiv, die Balance zu finden zwischen einer riesigen, dynamischen Stadt und dem Wunsch nach besserer Lebensqualität.

Und genau deshalb ist der Verkehr hier nicht nur eine Herausforderung, sondern auch ein Blick in die Zukunft moderner Städte.

Malaysia Teil 2 – Pferde, Kreativität & Shopping

Ankunft an unserem Ziel für die nächsten 10 Tage: Cherating. Das kleine Küstendorf liegt im Bundesstaat Pahang an der Ostküste der malaiischen Halbinsel, direkt am Südchinesischen Meer.

Cherating gilt als einer der ältesten Backpacker- und Strandorte an dieser Küste. Schon in den 1970er-Jahren wurde der Ort von Reisenden entdeckt und hat sich bis heute seinen ursprünglichen Charme bewahrt. Hier geht alles etwas langsamer, ruhiger und authentischer zu als in vielen anderen touristischen Orten Südostasiens.

Besonders bekannt ist der Ort für seine langen Sandstrände, das warme Meer und die umliegende Natur. In der Nähe befinden sich Mangrovenwälder, Flusslandschaften und kleine Dschungelgebiete, in denen man mit etwas Glück sogar Tiere wie Affen, Warane oder Meeresschildkröten entdecken kann.

Tatsächlich befindet sich hier auch eines der wichtigsten Schutzprogramme für Schildkröten in Malaysia.

Grob lässt sich Cherating in zwei Bereiche unterteilen:

Old Town ist der ursprüngliche Teil des Ortes. Hier findet man kleine lokale Restaurants, einfache Unterkünfte, ein paar Shops und diese ganz typische, leicht verschlafene Atmosphäre. Alles wirkt authentisch, wenig inszeniert und genau das macht den Charme aus.

New Town hingegen ist etwas moderner geprägt. Hier gibt es größere Resorts, Cafés und touristischere Angebote. Trotzdem bleibt auch dieser Teil im Vergleich zu vielen anderen Orten in Südostasien angenehm ruhig und unaufgeregt.

Unser persönlicher Lieblingsort wurde schnell ein kleines Café: das OMBOK Café. Egal ob Frühstück, Lunch oder Kaffee zwischendurch, wir waren gefühlt ständig dort. Gute Atmosphäre, leckeres Essen und einfach ein Ort, an dem man gerne bleibt.

Unsere Unterkunft

Für uns war von Anfang an klar: Die Unterkunft musste nah am Stall sein, schließlich war das Reiten unser Hauptgrund, hierherzukommen.

Normalerweise wohnen Anna und ihr Vater direkt am Stall und am Meer, aber diese Unterkunft wurde gerade renoviert. Deshalb haben wir über Kontakte eine Alternative organisiert.

Die ersten zwei Nächte verbrachten wir in einem kleinen Doppelhäuschen: links Anna und ich, rechts ihr Vater.

Sehr einfach, aber absolut ausreichend.

Ein kleines Highlight war unser täglicher Besucher auf unserer Veranda: ein Hauskater, der scheinbar beschlossen hatte, dass wir jetzt zu ihm gehören. Er kam jeden Tag vorbei, ließ sich ausgiebig kraulen und machte es sich ganz selbstverständlich bei uns gemütlich.

Zusätzlich liefen am ersten Tag sogar zwei kleine Ziegenbabys über das Grundstück. Spätestens da war klar: Das hier ist kein touristischer Ort, sondern echtes lokales Leben.

Die Lage war super: etwa 1 Minute mit dem Auto zum Stall. Zum Meer waren es eigentlich auch nur wenige Minuten, allerdings trennte uns ein Zaun vom direkten Zugang, weshalb wir etwa 5 Minuten zu Fuß laufen mussten.

Nach zwei Nächten zogen wir in ein Haus schräg gegenüber und das hat sich definitiv gelohnt.

Zwei Schlafzimmer, zwei Badezimmer, Wohnzimmer, kleiner Pool, Outdoor-Küche, großer Tisch, Veranda, Leinwand und sogar ein Carport fürs Auto.

Insgesamt war diese Unterkunft genau das, was wir für die nächsten Tage brauchten: entspannt, praktisch gelegen und mit genug Platz, um sich zwischendurch auch mal zurückziehen zu können.

Tagesbeschäftigungen

Ein fester Bestandteil unserer Tage wurde auch ziemlich schnell das Muschelsammeln am Strand. Malaysia hat wirklich mit Abstand die schönsten und vielfältigsten Muscheln, die ich bisher gesehen habe.

Fast jeden Tag gingen wir etwa eine Stunde an den Strand, meist am Nachmittag. Unsere Sachen lagerten wir immer in einem verlassenen Boot am Strandanfang und liefen dann im Bikini los.

Einmal kamen wir zurück und plötzlich stand eine ganze Herde Kühe rund um unser „Umkleide-Boot“. Also hieß es: warten, bis die Herrschaften weiterziehen. Ein Moment, der einfach perfekt zu diesem Ort passt.

Nach ein paar Tagen wurden die Muscheln allerdings weniger gut. Also dachten wir: Vielleicht müssen wir früher gehen. Gesagt, getan – wir gingen mittags los.

Ergebnis: keine besseren Muscheln, aber verbrannte Füße.

Ein weiteres Highlight war unser spontaner Kreativ-Tag. Nach dem Frühstück im OMBOK Café entdeckten wir einen kleinen Laden mit Schmuck, Kleidung, Accessoires und die Möglichkeit, selbst etwas zu gestalten.

Spontan entschieden wir uns, Armbänder zu machen. Ich wollte eines passend zu meinen Ketten gestalten, während Anna sich für eine sommerliche Fußkette entschied.

Die Besitzerin war skeptisch gegenüber unseren Ideen, aber wir haben sie trotzdem durchgezogen. Und am Ende sind sie genau so geworden, wie wir es wollten.

Leider hatte der Laden danach wegen Hari Raya mehrere Tage geschlossen, sonst wären wir definitiv nochmal hingegangen.

Cherating ist außerdem bekannt für seine vielen Batik-Läden. Allerdings hatten wir keine Lust auf die typischen Touristen-T-Shirts in XL. Also entschieden wir uns kurzerhand, selbst weiße Kleidungsstücke zu kaufen.

Am Abend gingen wir dann nach dem Essen durch die Stadt und fragten in verschiedenen Läden nach. Der erste hatte wegen Hari Raya (dem Ende des Ramadan) bereits geschlossen. Der zweite war zwar offen, bot aber nur klassische Öl-Batik auf Leinwänden an und keine Kleidung.

Zum Glück bekamen wir dort aber einen Tipp und kontaktierten einen anderen Anbieter über Instagram und vereinbarten einem Termin.

Am nächsten Tag wollten wir um 13 Uhr starten, allerdings kam unsere Ansprechpartnerin erstmal 30 Minuten zu spät. Pünktlichkeit wird hier… sagen wir mal, etwas entspannter gesehen.

Dann stellte sich zudem heraus: Unsere Shirts mussten erstmal gewaschen werden. Das erledigte sie kurzerhand in etwa 20 Minuten, während wir uns schon einmal für Farben und Technik entschieden.

Als Technik wählten wir eine klassische Tie-Dye-Technik: Stoff knüllen, mit Gummibändern abbinden und anschließend mit Farbe gestalten.

Danach hieß es warten. Die Shirts mussten einen ganzen Tag trocknen, bevor wir sie am nächsten Tag geöffnet werden.

Die Tops sind nicht so knallig wie erwartet, aber wir sind beide trotzdem zufrieden. Es sind echte Unikate geworden und gleichzeitig eine richtig schöne Erinnerung an die gemeinsame Zeit.

Ganz ohne Bewegung ging es für uns natürlich auch nicht. Allerdings stellte sich das mit dem Sport anfangs etwas schwieriger heraus als gedacht wegen des Ramadans.

Als wir das erste Mal gegen 11 Uhr morgens zu einem Fitnessstudio fahren wollten, standen wir vor verschlossenen Türen. Nicht nur das Studio war geschlossen, sondern auch die umliegenden Läden alles wirkte wie ausgestorben.

Also fuhren wir weiter zum nächsten Studio, in der Hoffnung, dort mehr Glück zu haben. Doch auch dort: absolute Ruhe, keine Menschenseele weit und breit.

Irgendwann mussten wir uns eingestehen: Das wird heute nichts mehr. Also ging es wieder zurück nach Hause.

Anna schrieb daraufhin ein paar Studios direkt über Instagram an und tatsächlich bekamen wir so die zuverlässigeren Öffnungszeiten heraus.

Bei den nächsten Versuchen klappte es dann auch deutlich besser. Wir konnten entspannt trainieren, meist in angenehm ruhiger Atmosphäre, da insgesamt weniger los war.

Zwischendurch zog es uns auch einmal raus aus dem eher ruhigen Cherating, da Annas Vater etwas bei einem Geschäft abholen wollte. Deshalb machten wir uns auf den Weg nach Kuantan.

Kuantan ist die Hauptstadt des Bundesstaates Pahang und mit rund 500.000 Einwohnern eine der größeren Städte an der Ostküste Malaysias. Im Vergleich zu Kuala Lumpur ist sie zwar deutlich entspannter, aber trotzdem merkt man sofort den Unterschied zu den kleineren Küstenorten. Hier ist mehr los, moderner, lebendiger und es gibt große Shopping-Malls.

Wir verbrachten den Großteil des Tages in verschiedenen Einkaufszentren, allen voran in der East Coast Mall. Dort gab es alles, was man sich vorstellen kann: internationale Marken, lokale Shops, Food Courts und Cafés.

Unsere Hauptbeschäftigung war, wie viele von euch schon richtig vermutet haben die Pferde und das Reiten.

Anna kommt seit über zehn Jahren jedes Jahr nach Cherating und reitet dort bei einem Endurance-Stall. Für sie ist dieser Ort also längst ein Stück Zuhause geworden und ich durfte nun auch ein Teil davon sein.

Beim Endurance-Reiten (auch Distanzreiten genannt) geht es nicht um Geschwindigkeit auf kurzer Strecke, sondern um Ausdauer, Vertrauen und das richtige Tempo über lange Distanzen. Je nach Wettbewerb legen die Pferde zwischen 40 und 160 Kilometer an einem einzigen Tag zurück. Dabei gibt es regelmäßige Tierarztkontrollen, um sicherzustellen, dass es den Pferden gut geht und sie fit genug sind, weiterzulaufen.

Der Stall „Penn Endurance“ liegt direkt an der Küste, am endlos wirkenden Strand von Cherating.

Über Nacht stehen die Pferde in Boxen, aber tagsüber sind sie einfach frei. Keine Koppeln, keine Zäune, keine Begrenzungen.

Die Pferde bewegen sich selbstständig über das Gelände, stehen am Strand, grasen auf den Wiesen oder dösen im Schatten. Es war unglaublich schön zu sehen, wie zufrieden sie wirken.

In diesem Stall stehen etwa 30 Pferde, hauptsächlich Araber Pferde oder Araber-Mischlinge und das aus gutem Grund.

Araber sind unglaublich ausdauernd, hitzeresistent und haben ein sehr effizientes Herz-Kreislauf-System. Genau deshalb eignen sie sich perfekt für lange Strecken und warme Klimazonen.

Gleichzeitig sind sie aber auch sensibel, aufmerksam und oft sehr fein in der Kommunikation. Sie reagieren schnell, sind wach und verzeihen Unsicherheit nicht einfach. Man muss klar, ruhig und präsent sein. Doch wenn man sich auf sie einlässt, dann bekommt man auch unglaublich viel zurück.

Vor unserem ersten Ausritt war ich ehrlich gesagt etwas aufgeregt. Ich kannte die Videos von Anna und wusste diese Pferde sind schnell. Zudem hatte ich letztes Jahr eine eher unschönen Erfahrung bei einem Strandausritt in den Niederlanden. Dort wurden viele unerfahrene Reiter einfach auf Pferde gesetzt, was am Ende zu einer Massenpanik geführt hatte.

Hier fühlte sich aber von Anfang an alles anders an. Am Stall angekommen standen bereits vier Pferde bereit. Zwei Männer kümmerten sich um die Vorbereitung.

Dann wurde es ernst „This is yours – come with me.“ Mir wurde eine kleine, zierliche, weiße Araberstute zugeteilt namens Jenna. Ich habe sie kurz begrüßt, sie schnupperte an mir und irgendwie war direkt eine Verbindung da.

Anna bekam einen größeren, schwarzen Araber-Warmblut-Mix – Blacko, den sie bereits aus dem letzten Jahr kannte.

Nach ein paar Minuten im Schritt, um uns aneinander zu gewöhnen und alles einzustellen, ging es los. Kaum hatte ich mich an den Trab gewöhnt, galoppierten wir auch schon los, direkt am Wasser entlang. Der Sand dort ist am festesten, deshalb reitet man immer so nah es geht am Meer.

Ich testete kurz:

Lenkung – funktioniert.

Bremse – funktioniert.

Also ließ ich los, vertraute und genoss den Ausritt.

Der Wind, das Rauschen der Wellen, das Gefühl von Geschwindigkeit – es war einfach unbeschreiblich.

Wir wechselten zwischen Schritt, Trab und immer wieder langen Galoppstrecken. Die beiden Männer begleiteten uns, machten Fotos und Videos.

Zwischendurch wurden wir tatsächlich von ein paar Hunden verfolgt, die neben den Pferden herliefen und sie anbellten. Ein etwas unangenehmes Gefühl, da man Angst hatte, dass sie an einem hochspringen. Also zurück in den Galopp und die Hunde abhängen.

Am Ende ritten wir unglaubliche 25 Kilometer entlang dieses scheinbar endlosen Strandes. Der gesamte Ausritt dauerte knapp über zwei Stunden.

Als wir abstiegen, fühlten sich meine Beine an wie Wackelpudding, aber es war jede Sekunde wert.

Was wir allerdings nach dem ersten Ritt ein kleines bisschen unterschätzt hatten: die körperliche Belastung.

In der ersten Nacht hatten wir beide so starken Muskelkater oder vermutlich sogar leichte Zerrungen, dass wir kaum eine bequeme Position zum Liegen fanden. Sich im Bett umzudrehen wurde zur Herausforderung und am nächsten Morgen die Treppe herunterzugehen… sagen wir mal so: eher ein vorsichtiges Runterhangeln als normales Laufen.

Man merkt einfach, dass diese Art zu reiten eine ganz andere Belastung ist als das, was man aus Deutschland kennt. Und vor allem, weil das letzte Mal Reiten bei mir schon etwa sechs Monate zurücklag.

Beim nächsten Ausritt selbst war davon dann erstaunlicherweise kaum noch etwas zu spüren. Sobald man im Sattel saß, war alles gut.

Dieser war zur sogenannte „Dubai-Wüste“ geplant, eine sandige Landschaft im Inland.

Leider war dieser Bereich an dem Tag gesperrt, sodass wir umdrehen und stattdessen durch Felder reiten mussten. Trotzdem war es ein wunderschöner Ritt, bis auf einen kurzen Abschnitt an der Straße.

Wir waren während unseres Aufenthalts fast täglich am Stall. Und jedes Mal freute ich mich darauf, Jenna wiederzusehen. Eine aufmerksame, sensible Stute, aber beim reiten auf mich fokussiert. Was die anderen machten, interessierte sie kaum – sie war ganz bei mir. Sie kam auf mich zu, wenn ich sie rief, ließ sich kraulen und suchte die Nähe – ein echtes Herzenspferd.

Ich habe den Kontakt zu Pferden wirklich vermisst.

Und bin unglaublich dankbar für diese Erfahrung, für den Mut, es einfach zu machen, für diese besonderen Momente und für dieses eine Pferd, das mir in so kurzer Zeit so ans Herz gewachsen ist.

Abendbeschäftigungen

Abends waren wir meistens einfach nur: müde und hungrig. Wir gingen fast immer spontan essen und bis auf ein einziges Mal Pizza am Strand, waren wir nur einheimisch essen. Oft bestellten wir Mee goreng (Nudeln) Oder Nashi goreng (Reis) mit einer Portion Sayur (Gemüse).

Unser Favorit wurde schnell das Asam Pedas, welches nur wenige Minuten unserer Unterkunft entfernten war. Anna kannte es noch vom letzten Urlaub und schwärmte von einem bestimmten Gericht. So kam es, dass wir mindestens 3 oder 4 mal dort essen waren und neben unserer üblichen Bestellung noch die Buttermilk Shrimps aßen. Einfach unfassbar lecker. Einziger Nachteil: Die Stühle färbten ab, weshalb wir uns danach immer die Beine waschen mussten.

Ein besonderes Erlebnis war unsere Fireflies Tour. Mit einem Boot fuhren wir nachts über den Fluss komplett im Dunkeln.

Keine Lichter, keine Geräusche.

Der Guide lockte die Glühwürmchen mit einem kleinen roten Licht an. Und plötzlich flogen sie überall um uns herum.

Es war magisch so viele Glühwürmchen gleichzeitig zu sehen. Ein wirklich empfehlenswerter Ausflug.

Während unseres Aufenthalts hatten wir das große Glück, gleich an zwei Abenden zum Hari Raya eingeladen zu werden.

Dies ist eines der wichtigsten Feste in Malaysia und markiert das Ende des Fastenmonats Ramadan. Gefeiert wird das Fastenbrechen nach einem Monat des Verzichts, der Besinnung und des Gebets. Es ist vergleichbar mit dem Zuckerfest, das viele vielleicht kennen.

Eine schöne Tradition während Hari Raya ist das sogenannte „Open House“. Das bedeutet, dass Familien ihre Türen für Gäste öffnen und zwar nicht nur für Freunde und Verwandte, sondern oft auch für Nachbarn, Bekannte oder sogar Fremde. Man besucht sich gegenseitig, geht von Haus zu Haus, isst gemeinsam und verbringt Zeit miteinander. Es geht dabei vor allem um Gemeinschaft, Großzügigkeit und das Miteinander.

Am ersten Tag wurden wir von unserem Verwalter eingeladen, der direkt neben unserem Cottage wohnt. Mit der Familie und vor allem mit dem jüngeren Sohn hatten wir während unseres Aufenthalts immer wieder Kontakt.

Wie in Malaysia üblich, zogen wir vor dem Betreten des Hauses unsere Schuhe aus. Das hat hier sowohl praktische als auch kulturelle Gründe: Zum einen hält man so den Wohnraum sauber, zum anderen gilt es als Zeichen von Respekt gegenüber dem Zuhause und der Familie.

Im Haus erwartete uns ein großes Buffet mit verschiedensten traditionellen Speisen. Unser Gastgeber erklärte uns jedes einzelne Gericht, was es ist, welche Zutaten enthalten sind und welche Bedeutung es hat.

Einige dieser Speisen gibt es tatsächlich nur zu Hari Raya, was das Ganze noch besonderer machte. Wir durften uns überall bedienen, probieren und nachnehmen.

Bei der Verabschiedung bekamen wir auch einen kleinen Umschlag mit Geld. Das ist eine traditionelle Geste, ähnlich wie man sie auch aus anderen asiatischen Kulturen kennt. Diese Umschläge werden als Zeichen von Wertschätzung, Gastfreundschaft und guten Wünschen überreicht. Sie symbolisieren Glück, Segen und einen guten Start in die Zeit nach dem Ramadan.

Für uns war das natürlich total unerwartet und umso besonderer.

Am zweiten Tag wurden wir am Abend von Angah eingeladen, einem der Reiter vom Stall.

Als wir ankamen, war das eigentliche Essen bereits größtenteils aufgegessen was aber überhaupt kein Problem war. Seine Familie betreibt eine eigene kleine Bäckerei und so wurden wir stattdessen mit frisch gebackenem Bananenbrot versorgt. Und ich kann wirklich sagen: So gutes Bananenbrot habe ich selten gegessen.

Dazu gab es selbstgemachte Kekse, unter anderem mit Peanut Butter, und frisch gepressten Mangosaft – alles unglaublich lecker.

Obwohl wir immer wieder betonten, dass wir nichts mehr brauchen, brachte uns seine Mutter später sogar noch eine warme Mahlzeit, die sie extra für uns vorbereitet hatte. Eine Geste, die so viel Herzlichkeit zeigt, dass man sie kaum in Worte fassen kann.

Wir wurden überall willkommen geheißen, haben Gespräche geführt, gelacht und dieses Fest hautnah miterlebt. Es war etwas ganz Besonderes, zu so einem Anlass eingeladen zu werden und wir haben uns wirklich geehrt gefühlt, daran teilhaben zu dürfen.

Die Hauptstadt des Landes

Nach unseren intensiven und erlebnisreichen Tagen in Cherating ging es für uns weiter nach Kuala Lumpur und somit zu unserem letzten Stopp, bevor es zurück nach Hause ging. Die Fahrt dorthin dauerte etwa vier Stunden und führte uns noch einmal durch ganz unterschiedliche Landschaften, bevor wir schließlich in der Großstadt ankamen.

Am Flughafen gaben wir zunächst unseren Mietwagen zurück und fuhren anschließend mit dem Taxi zu unserem Hotel, dem The Ritz-Carlton Kuala Lumpur. Schon beim Ankommen wurde klar, dass dieser letzte Abschnitt unserer Reise nochmal ein ganz besonderer wird. Mein Zimmer war wunderschön, sehr großzügig und vor allem unglaublich ruhig. Immer wieder wurden wir mit kleinen Aufmerksamkeiten überrascht, wie zum Beispiel kostenlosen Brownies. Auch die Lage war ideal, sodass wir vieles gut erreichen konnten.

Da unser Zimmer noch nicht fertig war, warteten wir zunächst in der Lounge und stärkten uns mit einem griechischen Salat, einem Lachs-Sandwich, Kaffee und frisch gepresstem Saft. Danach machten wir uns fertig, um die Stadt zu erkunden.

Unser erster Stopp war die Pavilion Mall, eines der bekanntesten und luxuriösesten Einkaufszentren der Stadt. Wir schlenderten entspannt durch die Läden und gingen einfach dort hinein, wo es uns gefiel. Ich wurde tatsächlich auch fündig und kaufte mir einen Pyjama, auf den sogar direkt vor Ort mein Name kostenlos gestickt wurde – ein kleines, aber sehr schönes Andenken.

Zwischendurch machten wir Halt in einem bekannten Café, wo wir uns eine erfrischende Limonade gönnten. Besonders bekannt ist dieses Café für sein Merchandising, denn bei den Getränken ist eine kleine Bärenfiguren am Becher befestigt. Ein witziges Detail, das vor allem auf Social Media sehr beliebt ist.

Auf dem Weg zum Treffpunkt mit Annas Vater kamen wir an der bekannten Kreuzung rund um Bukit Bintang vorbei, wo auch die Monorail oberirdisch durch die Stadt fährt.

Am Abend trafen gingen wir gemeinsam auf einen lokalen Streetfood-Markt. Die Märkte sind typisch aufgebaut: links und rechts unzählige Essensstände mit den verschiedensten Gerichten. Anna und ich teilen uns dabei meistens alles, um möglichst viel probieren zu können. So gab es an diesem Abend Frühlingsrollen, Dumplings, einen Wrap und frisch gepressten Mango-Dragonfruit-Saft.

Danach stand dann noch das Highlight auf dem Programm: die Petronas Towers. Die beiden Zwillingstürme gehören zu den bekanntesten Wahrzeichen der Welt und waren lange Zeit die höchsten Gebäude der Erde. Besonders spannend: Die Türme wurden tatsächlich von zwei unterschiedlichen Bauunternehmen errichtet – einer von einem japanischen Unternehmen und der andere von einem südkoreanischen. Dadurch wollte man einen Wettlauf erzeugen, um die Bauzeit zu verkürzen. Verbunden sind sie durch die bekannte Skybridge, und ihre Architektur ist stark vom islamischen Design geprägt.

Als wir ankamen, lief gerade ein Wasser- und Lichterspiel, das die gesamte Szenerie noch beeindruckender machte. Wir machten Fotos, liefen ein wenig durch die Umgebung und ließen den Moment einfach auf uns wirken.

Anschließend liefen wir noch zur Saloma Link Brücke, die besonders durch Social Media bekannt geworden ist. Die beleuchtete Brücke bietet einen wunderschönen Blick auf die Skyline, vor allem bei Nacht.

Am nächsten Morgen starteten wir mit einem ausgiebigen Frühstück. Das Angebot war riesig und reichte von westlichen bis hin zu asiatischen und indischen Speisen. Ich probierte mich einmal quer durch von Hummus mit Pitabrot und Feta über Roti Canai bis hin zu French Toast und frischem Obst.

Danach machten Anna und ich uns auf den Weg zum Central Market. Dort gibt es viele kleine Stände mit Kunsthandwerk und Souvenirs. Direkt am ersten Stand wurden wir wieder kreativ und gestalteten uns jeweils eine eigene Kette mit Charms, die wir kurze Zeit später schon abholen konnten.

Von dort aus liefen wir weiter Richtung Petaling Street. Wie in vielen Städten besteht das sogenannte Chinatown vor allem aus Märkten und Souvenirständen, doch mit China hat das für mich meist wenig zu tun.

Besonders schön war ein Bereich ganz in der Nähe: Kwai Chai Hong. Diese kleine Gasse wurde liebevoll restauriert und ist heute bekannt für ihre kunstvollen Wandmalereien, die Szenen aus dem alten Kuala Lumpur zeigen. Viele der Motive sind interaktiv gestaltet, man kann sich beispielsweise auf einen Stuhl setzen und wirkt dann selbst wie Teil des Bildes. Dazu kommen die vielen Lampions über den Gassen, die eine ganz besondere Atmosphäre schaffen.

Den Hin- und Rückweg legten wir mit der Metro zurück, was super einfach und günstig war. Besonders aufgefallen ist uns, dass es eigene Waggons nur für Frauen gibt. Ein Konzept, das vor allem abends ein zusätzliches Sicherheitsgefühl gibt.

Zurück in der Stadt schauten wir noch bei ein paar Geschäften vorbei, welche auf unserem Weg lagen. Trafen uns mit Annas Papa auf einen Kaffee und machten noch einen kurzen Stopp im Hotel für einen kleinen Lunch. Es gab verschiedene Sandwiches und gefüllte Blätterteigtaschen sowie frisch gepressten Ananassaft. Eine perfekte Stärkung zwischendurch und vorallem nach dem anstrengenden Shoppen.

Anschließend ging es noch einmal zurück in die Pavilion Mall, da wir am Tag zuvor noch nicht alles gesehen hatten. Wir nutzten die letzten Stunden, um noch ein wenig weiter zu bummeln, bevor es für mich am Abend zurück zum Flughafen ging. Mit etwa einer Stunde Verspätung startete mein Flug und am frühen Morgen landete ich wieder in Peking.

Fazit

Diese Reise war in vielerlei Hinsicht etwas ganz Besonderes. Malaysia hat mich wirklich überrascht. Vor allem die Orte wie Dungun und Cherating haben mir unglaublich gut gefallen, weil sie so ursprünglich, ruhig und kaum touristisch waren. Teilweise hatten wir kilometerlange Strände fast komplett für uns allein. Dieses Gefühl von Ruhe und Weite ist etwas, das man so nur noch selten findet.

Die Natur, das Meer und die gesamte Atmosphäre wirkten sehr authentisch und unberührt. Auch das Essen hat mich absolut überzeugt – die Mischung aus verschiedenen Kulturen macht die Küche unglaublich vielseitig und spannend.

Was mir außerdem besonders aufgefallen ist, war die Herzlichkeit der Menschen. Egal ob im Resort, auf der Straße oder bei Einladungen. Wir wurden überall offen, freundlich und mit großer Gastfreundschaft empfangen. Viele sprechen zumindest etwas Englisch, sodass man sich eigentlich immer verständigen kann. Das macht das Reisen dort unglaublich angenehm und unkompliziert.

Ein absolutes Highlight war natürlich das Reiten am Strand. Nach so langer Zeit wieder mit Pferden in Kontakt zu sein, war für mich etwas ganz Besonderes. Und das Ganze dann auch noch in dieser Kulisse erleben zu dürfen, werde ich so schnell nicht vergessen.

Gleichzeitig war die gemeinsame Zeit mit Anna einfach wunderschön. Es fühlte sich an wie früher, vertraut, unkompliziert und einfach richtig harmonisch.

Zum Abschluss dann noch Kuala Lumpur als Kontrast: eine moderne, lebendige Stadt mit vielen Möglichkeiten in der man problemlos mehrere Tage verbringen kann. 

Insgesamt war diese Reise die perfekte Mischung aus Entspannung, Abenteuer und besonderen Momenten.

Fundstück März 2026


Der Friseur to go


Dieses Fundstück hat Nico morgens um 7 Uhr, auf dem Weg zur Arbeit entdeckt. Während in Deutschland um diese Uhrzeit die meisten Friseursalons noch geschlossen sind, spielte sich hier in Peking bereits ein ganz anderes Bild ab: Mitten auf dem Gehweg saß ein Mann auf einem kleinen Hocker, ein Friseur neben ihm, ausgestattet mit Schere, Kamm und einem Spiegel. Ein improvisierter „Salon“ unter freiem Himmel.


Im ersten Moment wirkt das ungewohnt und vielleicht sogar etwas überraschend. Ein Friseur auf dem Gehweg? Ohne Laden, ohne Termin, ohne viel Ausstattung? Doch wie so oft lohnt sich ein zweiter Blick, um das Ganze wirklich zu verstehen.


Straßenfriseure sind in vielen Teilen Chinas kein ungewöhnlicher Anblick, besonders in älteren Wohnvierteln oder in Gegenden, in denen sich das Leben viel draußen abspielt. Früh am Morgen oder am Vormittag sieht man immer wieder Menschen, die sich spontan die Haare schneiden lassen. Oft direkt vor ihrer Haustür, an einer Straßenecke oder direkt beim Einkaufsmarkt.


Der Hintergrund ist dabei weniger „Improvisation“, als man vielleich zunächst denkt, sondern vielmehr Pragmatismus und Alltagstauglichkeit. Viele dieser Friseure sind erfahren und bieten ihre Dienste ganz bewusst draußen an. Die Ausstattung ist minimal, aber ausreichend und genau das macht den Reiz aus.

Die Hauptgründe sind Zeitersparnis, Nähe und Zugänglichkeit. Statt einen Termin zu vereinbaren oder extra in einen Salon zu fahren, kann man sich die Haare schneiden lassen, während man ohnehin unterwegs ist. Gerade für ältere Menschen oder für diejenigen, die in der Nachbarschaft bleiben, ist das eine enorme Erleichterung.


Ein weiterer Punkt ist der Preis. Ein Haarschnitt auf dem Gehweg ist in der Regel deutlich günstiger als im Salon. Gleichzeitig ist er schnell erledigt – ohne Wartezeit, ohne großen Aufwand.


Und dann spielt auch die Kultur des öffentlichen Lebens eine Rolle. In China findet ein großer Teil des Alltags draußen statt: Menschen treffen sich, essen gemeinsam, spielen Spiele oder erledigen kleine Dinge des täglichen Lebens direkt auf der Straße. Der Friseur auf dem Gehweg fügt sich ganz selbstverständlich in dieses Bild ein.
Gleichzeitig entsteht oft auch eine gewisse soziale Komponente.
Während des Haarschnitts wird geredet, gelacht oder einfach das Treiben auf der Straße beobachtet. Es ist weniger ein anonymer Dienstleistungsbesuch und mehr ein Teil des Nachbarschaftslebens.

Nicht nur für die Kunden bringt dieses Modell Vorteile, auch für den Friseur selbst ist diese Art zu arbeiten durchaus attraktiv.


Der offensichtlichste Punkt: Er benötigt keinen eigenen Salon. Damit entfallen hohe Fixkosten wie Miete, Einrichtung oder laufende Betriebskosten. Gerade in einer Großstadt wie Peking, in der Gewerbeflächen teuer sein können, ist das ein großer Vorteil.
Hinzu kommt die Ortsunabhängigkeit. Der Friseur ist nicht an einen festen Standort gebunden, sondern kann flexibel entscheiden, wo er arbeitet, zum Beispiel in belebten Wohnvierteln oder an Orten, an denen morgens viele Menschen unterwegs sind. So kann er sich gezielt dort positionieren, wo potenzielle Kunden sind.


Auch die Flexibilität im Arbeitsalltag ist ein wichtiger Faktor. Ohne feste Öffnungszeiten oder Terminpläne kann er seinen Tag freier gestalten und sich stärker am tatsächlichen Bedarf orientieren. Gerade am frühen Morgen, wenn viele Menschen vor der Arbeit noch schnell einen Haarschnitt möchten, kann er diese Nachfrage direkt bedienen.


Ein weiterer Vorteil ist die niedrige Einstiegshürde. Um als Straßenfriseur zu arbeiten, braucht es deutlich weniger Kapital als für einen eigenen Salon. Das kann besonders für Menschen interessant sein, die sich selbstständig machen möchten, ohne ein großes finanzielles Risiko einzugehen.


Natürlich erfordert diese Arbeitsweise auch Erfahrung, Geschick und Vertrauen der Kunden. Doch genau das zeigt sich oft in solchen Situationen: Viele Kunden kommen nicht zufällig, sondern gezielt, weil sie den Friseur kennen und seine Arbeit schätzen.


Für uns wirkt dieses Konzept im ersten Moment vielleicht ungewohnt, weil wir Friseurbesuche mit festen Salons, Terminen und einem bestimmten Standard verbinden. Doch genau darin liegt auch die Erkenntnis: Nicht jedes System muss gleich funktionieren, um sinnvoll zu sein.


Der Straßenfriseur zeigt, wie flexibel und alltagsnah Dienstleistungen gestaltet sein können. Er ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich Angebote an den Bedürfnissen der Menschen orientieren und nicht umgekehrt.

Malaysia – Palmen, Meer und Tiere

Diese Woche stand eine Reise an, welche ich als allererstes gebucht habe, seit wir in Peking leben. Schon als ich meinen Stallmädels damals erzählt habe, dass es für uns nach China geht, stand für Anna und mich fest: Wir müssen uns irgendwo auf der Welt treffen.

Sie reist fast jedes Jahr mit ihrem Papa nach Malaysia. Nicht nur ein wunderschönes Reiseziel, sondern von China aus auch noch vergleichsweise nah. Da ihre Reisepläne für 2026 bereits feststanden, war für mich schnell klar, dass ich sie dort besuchen komme.

Als ihre Planung stand, schaute ich, wie sich das Ganze für mich einrichten lässt. Schließlich buchte ich meine Flüge und Unterkünfte. Ich stoße etwas später zu ihnen dazu und werde insgesamt 16 Tage inklusive der Reisetage mit ihnen unterwegs sein und drei verschiedene Orte entdecken.

Außerdem werden wir dort auch eines unserer gemeinsamen Hobbys an einer der schönsten Kulissen der Welt ausüben. Mehr dazu später, aber vielleicht kann sich der ein oder andere schon denken was wir geplant haben.

Der Beginn eines neuen Abenteuers

Am Montagmorgen bin ich nach einer ziemlich schlaflosen Nacht aufgestanden. Bevor es losging, habe ich erstmal noch eine Runde im Fitnessstudio eingelegt. Bewegung hilft mir einfach immer, einen freien Kopf zu bekommen.

Nach dem Frühstück habe ich meinen Koffer fertig gepackt und mich spontan noch mit einer Freundin auf einen Kaffee getroffen. Wenn man erst am späten Nachmittag fliegt, zieht sich der Morgen oft ziemlich. Man möchte nichts Großes mehr anfangen, aber richtig entspannen kann man auch nicht. Deshalb kam mir die kleine Ablenkung durch nette Gespräche gerade recht.

Direkt aufgeregt war ich eigentlich nicht, gespannt war ich allerdings schon. Schließlich war es meine erste Flugreise komplett alleine. Die Abläufe kenne ich mittlerweile zwar sehr gut, trotzdem ist es ein anderes Gefühl, wenn man alleine unterwegs ist.

Als ich gegen 14:30 Uhr am Flughafen ankam, verlief zunächst alles völlig unproblematisch.
Check-in, Sicherheitskontrolle alles wie immer.

Eine Neuerung gab es allerdings: Nico und ich hatten uns bei unserem letzten internationalen Flug für den sogenannten E-Channel registriert. Dadurch können wir mit unserem Visum an den Flughäfen in Peking dieselben automatischen Grenzkontrollen nutzen wie chinesische Staatsbürger.

Das wollte ich natürlich direkt ausprobieren. Also lief ich selbstbewusst zu den automatischen Scannern, genau wie die Einheimischen. Nur leider waren die Mitarbeiter auf dem Weg dorthin weniger überzeugt davon, dass ich dort hingehöre.

Mehrere Mitarbeiter schickten mich zunächst wieder weg und erklärten mir, ich müsse zur Ausländer-Schlange. Also erklärte ich insgesamt bestimmt fünf verschiedenen Mitarbeitern, dass ich aufgrund meines Visums für den E-Channel registriert bin.

Am Ende durfte ich tatsächlich durch den automatischen Scanner. Pass auflegen, Daumenabdruck scannen, Gesichtserkennung und schon war ich fertig. Keine fünf Minuten später war ich ohne Warteschlange durch die Kontrolle.

Danach ging es mit der Flughafenbahn weiter zu meinem Gate und schließlich pünktlich in den Flieger.

Ankunft in Malaysia

Nach etwa sechs Stunden und dreißig Minuten Flug landeten wir in Kuala Lumpur. Dies ist die Hauptstadt von Malaysia und besitzt einen der flächenmäßig größten Flughäfen der Welt.

Direkt nach der Landung wurde mir bewusst, wie riesig dieser Flughafen wirklich ist. Nach etwa zehn Minuten Fußweg musste ich noch mit einem Bus weiter zur Immigration und zur Gepäckausgabe fahren.

Damit war der Weg allerdings noch nicht zu Ende. Mein Hotel für die Nacht lag nämlich im zweiten Terminal, während ich im ersten Terminal angekommen war. Also ging es erneut in einen Bus, der zwischen den Terminals pendelt.

Das Hotel schließlich zu finden, stellte sich ebenfalls etwas komplizierter heraus als gedacht. Aber irgendwie hat es am Ende doch geklappt, sodass ich gegen halb eins nachts einchecken konnte.

Und damit stand auch meine erste Nacht alleine in einem Hotel an. Davor hatte ich tatsächlich am meisten Respekt. Ich schlafe ohnehin nicht besonders gut alleine und normalerweise sind Nico und ich es gewohnt, gemeinsam einzuschlafen. In einer fremden Umgebung und dazu noch mit der Geräuschkulisse eines Flughafens im Hintergrund war ich also gespannt, wie die Nacht werden würde.

Das Einschlafen funktionierte zum Glück erstaunlich gut. Vermutlich war ich einfach extrem müde und hatte so viele Eindrücke zu verarbeiten, dass mein Körper irgendwann einfach abgeschaltet hat.

Doch um vier Uhr morgens wurde ich plötzlich von einem Geräusch geweckt. Zwei Frauen versuchten, meine Zimmertür zu öffnen.

Einmal.
Dann ein zweites Mal.

Im Halbschlaf überlegte ich kurz, was ich jetzt machen sollte. Dann hörte ich eine der beiden sagen:
„Ups … das ist ja gar nicht unser Zimmer.“

Offensichtlich hatten sie einfach die falsche Tür erwischt. Naja die Zimmernummern stehen schließlich auch nur groß und deutlich an jeder Tür.

Am nächsten Morgen bekam ich direkt die nächste Nachricht: Mein Anschlussflug war inzwischen bereits zum dritten Mal nach hinten verschoben worden. Aber so konnte ich den Morgen noch etwas entspannter angehen.

Nach dem Frühstück machte ich mich auf den Weg, meinen Koffer aufzugeben. Diesmal lief allerdings nicht alles ganz so reibungslos wie sonst.

An diesem Flughafen funktioniert vieles komplett automatisiert. Zuerst muss man sich an einem Self-Check-in-Schalter einchecken und dort selbst das Gepäcklabel ausdrucken. Danach geht man zum Gepäckband, scannt den Code und legt den Koffer auf das Band, wo er automatisch gewogen wird.

Leider ist mir mein Gepäckaufkleber dabei etwas unglücklich eingerissen und ich musste ihn etwas improvisiert befestigen. Deshalb habe ich während des gesamten Fluges gehofft, dass der Koffer trotzdem problemlos am Ziel ankommt.

Alleine unterwegs ist man in solchen Momenten natürlich etwas nervöser. Man hat niemanden, den man schnell fragen kann, niemanden, mit dem man die Verantwortung teilen oder einfach kurz Rücksprache halten kann.

Aber genau in solchen Situationen ist es wichtig, ruhig zu bleiben. Sich nicht vom Stress der Umgebung anstecken zu lassen und Schritt für Schritt das zu erledigen, was gerade nötig ist.

Und genau das habe ich dann auch gemacht.

Wiedersehen

Am nächsten Tag ging es mit meinem Anschlussflug weiter an die Ostküste von Malaysia.

Das Land besteht aus zwei geografisch getrennten Teilen: dem westlichen Teil auf der malaiischen Halbinsel und dem östlichen Teil auf der Insel Borneo. Insgesamt leben hier über 33 Millionen Menschen und Malaysia gilt als eines der vielfältigsten Länder Südostasiens.

Neben Malaien leben hier auch viele Menschen chinesischer und indischer Herkunft. Diese kulturelle Mischung spürt man überall: in der Sprache, in der Architektur und natürlich besonders beim Essen.

Nach einem etwas turbulenten, sehr kurzen Flug holte Anna mich mit dem Auto am Flughafen ab und gemeinsam fuhren wir zu unserer ersten Unterkunft: dem Tanjong Jara Resort.

Das Resort liegt im Bundesstaat Terengganu, nahe der kleinen Küstenstadt Dungun. Diese Region gilt als eine der traditionellsten Gegenden Malaysias. Der Islam spielt hier eine besonders große Rolle, weshalb vieles etwas ruhiger und konservativer ist als zum Beispiel in der Hauptstadt Kuala Lumpur.

Terengganu ist außerdem bekannt für seine langen, nahezu unberührten Strände und das türkisfarbene Wasser des Südchinesischen Meeres. Viele Reisende nutzen die Region auch als Ausgangspunkt für bekannte Inseln wie die Perhentian Islands oder Redang.

Gerade deshalb wirkt die Gegend hier noch sehr ursprünglich und deutlich weniger touristisch als viele andere Orte in Südostasien.

Flughafen in Terengganu

Meine Unterkunft für die nächsten vier Nächte war wie ein kleines Hochhaus-Cottage auf Stelzen. Innen war sie überraschend großzügig: zwei große Betten, viel Platz und ein wunderschönes, großes Badezimmer mit Dusche und Badewanne.

Alles war offen und hell gestaltet, mit vielen Holzelementen, die perfekt zum Stil der Anlage passten.

Im Zimmer standen immer Trinkwasserflaschen bereit und es gab sogar hauseigenes Mückenspray sowie einen Balsam gegen Mückenstiche – etwas das man in dieser tropischen Umgebung definitiv zu schätzen lernt.

Abends kam außerdem immer jemand vom Service vorbei, um das Zimmer noch einmal vorzubereiten. Die Vorhänge wurden geschlossen, neue Trinkwasserflaschen hingestellt und kleine Insektenabwehr-Stecker in die Steckdosen gesetzt.

Anna und ihr Vater sind dort inzwischen schon zum vierten Mal und schon bei der Ankunft konnte ich verstehen, warum sie immer wieder zurückkehren. Die Anlage ist im traditionellen malaysischen Stil gebaut und wirkt eher wie ein kleines Dorf als wie ein klassisches Hotel.

Statt eines großen Hotelgebäudes verteilen sich viele kleine Häuser mit dunklen Holzdächern, geschnitzten Details und offenen Veranden über das gesamte Gelände. Zwischen Palmen, tropischen Pflanzen und kleinen Wegen liegen die einzelnen Häuser verteilt, sodass alles sehr ruhig und natürlich wirkt.

Einige der Häuser liegen direkt am Strand, andere etwas weiter im Gartenbereich.

Die Anlage selbst bietet eigentlich alles, was man sich für einen entspannten Aufenthalt wünschen kann: mehrere Restaurants, zwei Pools, ein Fitnessstudio, einen Spa-Bereich, Tennisplätze und sogar einen Gaming Room.

Den Großteil unserer Zeit verbrachten wir allerdings damit, einfach in der Sonne zu entspannen. Wir lagen am Pool, gingen zum Meer, sammelten Muscheln oder machten Fotos.

Besonders beeindruckend war natürlich das Meer direkt vor dem Resort. Der Strand ist breit, mit hellem Sand und das Wasser leuchtet in verschiedenen Türkis- und Blautönen.

Allerdings wehte während unseres Aufenthalts ziemlich starker Wind, wodurch die Wellen deutlich höher waren als sonst. Deshalb hing fast die ganze Zeit die rote Flagge am Strand – ein Zeichen dafür, dass Schwimmen im Meer aktuell nicht empfohlen wird.

Auch die Schnorchelausflüge, die normalerweise vom Resort organisiert werden, konnten deshalb leider nicht stattfinden.

Trotzdem war der Strand wunderschön. Gerade morgens oder abends hatte er eine unglaubliche Ruhe und allein das Rauschen der Wellen zu hören war schon Entspannung genug.

Nach dem Frühstück fütterten wir oft die Fische und Schildkröten in den vier großen Wasserbecken neben dem Restaurant.

Es gab hier viele Tiere zu entdecken. Neben zahlreichen Vögeln liefen auch Pfauen über das Gelände und hin und wieder sah man Echsen oder sogar Warane. Diese entdeckte man meist zufällig irgendwo zwischen den Wegen oder auf Bäumen. Nur einmal sorgte ein Waran für ordentlich Aufregung, als er plötzlich direkt neben uns in den Pool sprang und damit schlagartig die komplette Aufmerksamkeit auf sich zog.

Auch das Fitnessstudio des Resorts haben wir genutzt. Es ist relativ klein, aber überraschend gut ausgestattet. Es gibt mehrere Laufbänder, Fahrräder, Hanteln und verschiedene Kraftgeräte. Für ein Hotelgym war es wirklich völlig ausreichend, auch wenn uns ein oder zwei Beinmaschinen zum Trainieren noch gefehlt hätten.

Während wir dort trainierten, zog draußen langsam eine dunkle Wolkenwand auf. Als wir fertig waren und zurück zu unseren Zimmern laufen wollten, begann es plötzlich stark zu regnen. Und zwar nicht einfach nur ein bisschen.

Innerhalb weniger Minuten entwickelte sich daraus ein richtiger tropischer Regenschauer. Der Regen war so stark, dass man kaum ein paar Meter weit sehen konnte. Solche starken Regenfälle sind hier übrigens ganz normal, besonders während der Hauptmonsunzeit zwischen November und Februar.

Die Ostküste Malaysias liegt im Einflussbereich des Monsuns. Dabei bringen bestimmte Windströmungen aus dem Meer sehr feuchte Luft mit sich, die sich dann in heftigen, oft kurzen, aber intensiven Regenschauern entlädt.

Wir sind zum Glück schon eher am Ende dieser Saison unterwegs, weshalb es meist nur einzelne starke Schauer gibt. Aber wenn es regnete, dann richtig.

Abends fuhren wir häufig in die nahegelegene Stadt oder besuchten einen lokalen Markt zum Essen.

Während unseres Aufenthalts fiel mir schnell auf, dass viele Restaurants und Geschäfte tagsüber geschlossen waren. Der Grund dafür ist Ramadan. Malaysia ist ein überwiegend muslimisches Land. Während des Ramadan fasten gläubige Muslime von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Das bedeutet, dass sie tagsüber weder essen noch trinken.

Deshalb öffnen viele Restaurants erst abends, wenn das tägliche Fastenbrechen beginnt. Auch bei unserer Restaurantwahl mussten wir das berücksichtigen, da viele Orte abends schnell ausgebucht waren.

Zurück im Resort spielten wir Uno oder Kniffel auf dem Balkon, gingen in den Gaming Room für Billard oder Tischkicker oder sangen Karaoke. Oder ich telefonierte noch mit Nico, bevor ich schlafen ging.

An unserem letzten Tag wollten wir unbedingt noch eine kleine Dschungelwanderung machen. Am Abend zuvor hatten wir den Weg bereits alleine ausprobiert, mussten aber nach fünf Minuten wieder umdrehen, weil wir von Moskitos regelrecht aufgefressen wurden. Immerhin entdeckten wir dabei schon einen Leguan und ein paar Affen.

Am nächsten Morgen versuchten wir es deshalb noch einmal mit Guide. Die Tour sollte etwa 45 Minuten dauern. Unsere Guide erklärte uns viele Dinge über Bäume und Pflanzen.

Sie zeigte uns verschiedene Früchte erzählte, welche Pflanzen essbar sind und welche man lieber nicht anfassen sollte.

Die Vegetation war unglaublich dicht. Überall hingen Lianen, riesige Blätter und hohe Bäume bildeten ein fast geschlossenes Blätterdach über uns.

Etwa auf halber Strecke begann es erneut zu regnen und innerhalb weniger Minuten waren wir komplett durchnässt. Aber irgendwie passte das sogar zu dieser Umgebung. Durch einen tropischen Regenwald zu laufen, während es tatsächlich tropisch regnet.

Zurück im Resort erlebten wir noch einen kleinen besonderen Moment.

In der Anlage leben zwei Pfaue, die wir während unseres Aufenthalts immer wieder gesehen hatten. Meist liefen sie irgendwo über das Gelände oder saßen in den Bäumen.

Doch an diesem Tag stand einer von ihnen plötzlich auf der Wiese und schlug sein Rad auf. Die bunten Federn glitzerten im Licht, während er sich langsam drehte. Ein wirklich beeindruckender Anblick und irgendwie ein perfekter kleiner Abschied von diesem Ort.

Nach unserer Wanderung hieß es dann leider schon wieder Koffer packen. Wir checkten aus und machten uns etwa eineinhalb Stunden mit dem Auto auf den Weg zu unserer nächsten Unterkunft.

Die Fahrt führte uns entlang der Küste durch kleine Dörfer, vorbei an Palmen, Moscheen und bunten Häusern. Immer wieder sah man Fischerboote am Strand oder kleine Märkte am Straßenrand.

Die Reise geht weiter und das nächste Erlebnis wartet bereits auf uns.

Vom Urlaub zurück in die Gewohnheiten

Nach unserem Urlaub kamen wir am Donnerstag zurück und kaum war der Koffer ausgepackt, ging für Nico am Freitag direkt wieder der Arbeitsalltag los.

Am Samstag musste er ebenfalls arbeiten, um die vielen Feiertage hier in China auszugleichen. Diese sogenannten „Working Saturdays“ sind meist ruhiger als normale Wochentage. Viele Mitarbeiter haben weniger Termine und genau deshalb eignet sich der Tag oft gut für längere, strategische Gespräche mit Kollegen oder Führungskräften.

Während Nico also arbeitete, stand für mich neben Wäsche und Haushalt am Samstagabend ein schöner Programmpunkt an: der Geburtstag von Laura.

Hotpot-Geburtstag

Wir waren insgesamt zu elft in einer bekannten Hotpot-Kette in Peking verabredet. Für unsere Gruppe hatten wir in einem separaten Raum einen rund Tisch für uns alleine. In der Mitte des Tisches steht ein großer Topf mit Brühen, die konstant erhitzt werden. Alle bestellen verschiedenste Zutaten z.B. Fleisch, Gemüse, Pilze, Tofu, Innereien und geben sie selbst in die Brühe. Jeder fischt sich später wieder heraus, was er hineingelegt hat.

Es erinnert ein bisschen an Fondue, nur mit deutlich mehr Zutaten und oft auch kräftigeren, würzigeren Brühen.

Das wohl ausgefallenste Gericht an diesem Abend war Pansen. Ich habe ihn tatsächlich nicht probiert, aber er war sehr beliebt und dementsprechend schnell verschwunden.

Mein persönliches Highlight waren dagegen die verschiedenen Tofu-Varianten: Tofu-Haut, klassischer Tofu, frittierter Tofu. Einfach ein Produkt das so unglaublich vielseitig und richtig lecker ist.

Ein weiteres Erlebnis waren die handgezogenen Nudeln. Ein Mitarbeiter kam an unseren Tisch und zog vor unseren Augen aus einem Stück Teig eine lange, dünne Nudel, begleitet von einer kleinen Tanzeinlage. In China sagt man: Je länger die Nudel, desto länger das Leben.

Besonders schön war auch, dass Laura von dem Restaurant kleine Aufmerksamkeiten bekam wie eine Obstplatten, kleine Geschenke und schließlich sogar eine kleine Showeinlage.

Sie bekam eine Krone aufgesetzt, die Mitarbeitenden kamen mit Sonnenblumen herein und gemeinsam sangen wir zwei chinesische Geburtstagslieder. Es wurde getanzt, gelacht und applaudiert. Es war unglaublich herzlich und gleichzeitig etwas kitschig.

Im Anschluss zogen wir noch gemeinsam in eine Bar weiter und ließen den Abend bei Gesprächen ausklingen. Viele aus der Runde arbeiten in der Botschaft. Es war spannend, Einblicke in diesen Alltag zu bekommen, den man sonst nur von außen wahrnimmt.

Sonntag: Drinnen statt draußen

Der Sonntag verlief deutlich ruhiger. Das Wetter in Peking ist aktuell wieder kälter und auch die Luftqualität war an diesem Tag leider nicht besonders gut. Deshalb verbrachten wir den Großteil des Tages drinnen und nutzten die Zeit einfach zum Entspannen.

Am Abend ging Nico noch zu einem Spieleabend mit ein paar Freunden im gegenüberliegenden Wohnkomplex. Dort wurden verschiedene Gesellschaftsspiele gespielt und gemeinsam Pizza bestellt.

Mädelsfrühstück, Shopping und Sport

Unter der Woche standen für mich vor allem Haushalt und ein paar bürokratische Dinge an, deshalb gibt es diesmal gar nicht so viele spektakuläre Geschichten zu erzählen. Außer ihr möchtet mehr über Steuern, Krankenversicherung und co. wissen. 😄

Am Dienstag war ich mit zwei Freundinnen zum Frühstück verabredet. Wir haben aktuell eine kleine Tradition gestartet: Reihum richtet jede von uns ein Frühstück aus. Beim letzten Mal waren wir bei der einen, diesmal bei der anderen und nach meiner Reise nach Malaysia werde ich Gastgeberin sein.

Allerdings gibt es bei mir dann kein klassisches Frühstück. Die beiden haben sich Flammkuchen gewünscht, nachdem ich ihnen natürlich begeistert von unserem Flammkuchenofen erzählt habe. Also wird es wohl eher ein Brunch mit verschiedenen Flammkuchenvariationen. Ich freue mich jetzt schon darauf unsere Rolle als Flammkuchen-Paar auch hier einzunehmen.

Nachdem Essen spielten wir „Stadt Land Tatort“ eine True-Crime-Variante von Stadt, Land, Fluss vom ARD. Da wir alle eine gewisse Faszination für True Crime haben, war das Spiel perfekt für uns und sorgte für viele Lacher.

Anschließend machten wir noch ein schwäbisches Quiz. Keine von uns ist gebürtige Schwäbin dementsprechend schwierig war es. Aber genau das machte es lustig und wir lernten sogar noch etwas über unsere Wahlheimat.

Ansonsten habe wir diese Woche viel Sport gemacht, was uns nachdem Urlaub auch wieder gutgetan hat. Unser Pool im Compound wurde grundgereinigt, weshalb ich gezwungen war eine andere Ausdauerquelle zu wählen. Tatsächlich machte mir das Joggen auf dem Laufband etwas Spaß, auch wenn Krafttraining nach wie vor mein Favorit bleibt.

Am Mittwoch war ich mit den Mädels im Einkaufszentrum Bairong unterwegs. Wie es so immer ist, findet man natürlich das Gewünschte bzw. das Gesuchte nicht.

Ich habe tatsächlich kaum etwas gekauft nur ein paar zusammenfaltbare Becher, die für Wanderungen oder den Sommer praktisch sein werden. Die anderen wurden deutlich erfolgreicher fündig. Gemeinsam haben wir dort noch zu Mittag gegessen und viel geredet. Am Abend ging Nico noch schwimmen, denn an diesem Tag wurde unser Pool endlich wieder geöffnet.

Hoch die Hände Wochenende

Endlich Freitag und damit Zeit zu zweit. Nachdem wir gegessen hatten, wollten wir eigentlich noch etwas im Fernsehen schauen. Leider war die Internetverbindung an diesem Abend wieder ziemlich schlecht, sodass wir unseren Filmversuch schnell aufgaben. Also gingen wir einfach früh schlafen.

Am Samstag erledigten wir gemeinsam ein paar Dinge im Haushalt. Nico beschäftigte sich außerdem mit unserem neuen Luftbefeuchter. Aktuell haben wir in der Wohnung teilweise nur etwa 20 % Luftfeuchtigkeit, was auf Dauer ziemlich unangenehm sein kann, besonders nachts beim Schlafen. Der empfohlene Wert für Wohnräume liegt eher zwischen 40 und 60 %.

Während Nico sich also mit der Technik beschäftigte, machte ich mich auf den Weg zum Einkaufen. Ich hatte spontan Lust auf Milchreis zum Frühstück.

Der Weg dorthin führt mich durch unseren CBD-Park, welcher morgens voller Leben ist. Kinder spielen, Eltern schieben Kinderwagen, ältere Menschen sitzen gemeinsam im Kreis, unterhalten sich oder tanzen zu Musik. Diese Mischung aus Generationen und Aktivitäten finde ich jedes Mal wieder schön zu beobachten.

Am Abend wünschte ich mir, wieder einmal im Restaurant „Bleu Marine“ essen zu gehen. Von diesem Ort habe ich euch tatsächlich schon einmal erzählt: Es war das erste Restaurant, das wir überhaupt in Peking besucht haben – direkt an unserem Ankunftstag.

Das Restaurant wurde 1998 von Celine Shen und dem französischen Koch Olivier Bourdon eröffnet und gehörte damals zu den ersten westlichen Restaurants in Peking. Schon kurz nach der Eröffnung entwickelte es sich zu einem beliebten Treffpunkt für internationale Gäste.

Später kam Torben aus Dänemark dazu, der inzwischen mit Celine verheiratet ist. Seitdem finden sich neben französischen Einflüssen auch einige skandinavische Gerichte auf der Karte.

Das „Bleu Marine“ beschreibt sich selbst als kleines Familienrestaurant und ein Ort, der sich bewusst von den unzähligen Restaurants der riesigen Stadt abhebt. In Peking soll es über 50.000 Restaurants geben und doch wirkt dieses hier wie ein kleines Stück Zuhause in der Fremde.

Der Fokus liegt auf französischer und skandinavischer Küche: Salate, Steaks, Meeresfrüchte und auch klassische dänische Spezialitäten wie Smørrebrød. Besonders bekannt ist das Restaurant allerdings für seine Steaks und tatsächlich sind diese hervorragend.

Außerdem stellt Torben selbst Schnaps her und diesen bekommt man in verschiedenen Runden kostenlos zum Essen angeboten. Meist bekommt man 3 Schnäpse pro Abend zum Probieren, von Kiwi bis hin zu Kaffee ist alles dabei.

Es war ein richtig schöner Abend zu zweit: gutes Essen, eine gemütliche Atmosphäre und zum Abschluss noch eine Serie zu Hause auf dem Sofa.

Gestern startete Nico den Tag mit einer Runde schwimmen, während ich mich um das Frühstück kümmerte. Auf dem Rückweg brachte er noch frischen Kaffee mit – ein perfekter Start in den Tag.

Den Nachmittag verbrachten wir ganz gemütlich zu Hause. Wir schauten gemeinsam die Formel 1 und freuten uns über einen Doppel-Sieg unseres Favoriten, Mercedes. Wir verfolgen die F1 bereits seit Jahren recht intensiv. Umso mehr freut es uns, dass es endlich wieder so scheint, dass Mercedes in dieser Saison den Takt angibt. Bleiben wir gespannt und interpretieren den Sieg als sehr guten und freudigen Saisonauftakt.

Nebenbei erledigten wir noch ein paar Kleinigkeiten im Haushalt, die letzte Wäsche wurde gewaschen und ich begann bereits damit, meinen Koffer für die bevorstehende Reise zu packen.

Rückblickend war diese Woche deutlich ruhiger als sonst. Nachdem Urlaub tat es gut, wieder etwas Routine zu haben und einfach den Alltag zu genießen.

Und lange bleibt es ohnehin nicht ruhig: Schon morgen geht es für mich weiter ins nächste Abenteuer und gleichzeitig auch zu einem Wiedersehen.

Vietnam – zwischen Laternenzauber und Skyline

Nach den ersten Tagen zwischen Großstadttrubel, Kalksteinbergen und Meeresrauschen spürten wir: Vietnam ist ein Land der Kontraste. Doch was uns im zweiten Teil unserer Reise erwartete, sollte diesen Eindruck noch einmal verstärken.

Hoi An – Laternen, Kokospalmen und gelbe Häuser

Der Morgen begann entspannt am Strand von Da Nang, direkt gegenüber von unserem Hotel. Ein toller Strand nur leider war er zu flach um wirklich gut zu schwimmen, weshalb wir ihn nur zum Abkühlen nutzten.

Nach kurzem „Frischmachen“ im Hotel bestellten wir uns ein Taxi. Rund 40 Minuten Fahrt später und für umgerechnet etwa 10 Euro erreichten wir Hoi An.

Eine Stadt wie aus einem Bilderbuch!

Hoi An ist kleiner als Hanoi oder Ho-Chi-Minh-Stadt und genau das macht ihren Charme aus. Die Altstadt gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und war zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert ein bedeutender Handelshafen. Händler aus China, Japan und später auch Europa prägten die Architektur und Kultur der Stadt.

Gelbe Handelshäuser mit dunklen Holzbalken, hölzerne Fensterladen, überall Bougainvillea-Blüten, die über die Fassaden wachsen. Kleine Boutiquen, Schneidereien, Kunstgalerien, Cafés. Alles wirkt lebendig, aber nicht überfordernd.

Nach unserem Spaziergang durch die Altstadt setzten wir uns in ein kleines Café, um der Hitze für einen Moment zu entkommen. Nico entschied sich für einen klassischen Cappuccino, während ich mich an eine typische vietnamesische Kaffeekreation wagte: Coconut Coffee. Kräftiger Kaffee trifft hier auf eine cremige Mischung aus Kokosmilch und Eis – süß, vollmundig und zugleich überraschend erfrischend.

Kaffee ist in Vietnam weit mehr als nur ein Getränk, er ist Teil des Alltags und gehört für viele einfach dazu. Das Land zählt zu den größten Kaffeeproduzenten der Welt und ist besonders für seinen intensiven Robusta-Kaffee bekannt. Traditionell wird er mit einem kleinen Metallfilter, dem sogenannten „Phin“, direkt auf der Tasse aufgebrüht. Langsam tropft der starke Kaffee hindurch und wird häufig mit gesüßter Kondensmilch serviert, was ihm eine leicht karamellige Süße verleiht.

Ein weiteres Erlebnis erwartete uns etwas außerhalb der Altstadt: die berühmten Coconut Boats.

In runden Korbbooten, sogenannten „Basket Boats“ wurden wir durch dichte Kokospalmen gerudert. Unsere Ruderin war wieder eine einheimische Frau, routiniert und gleichzeitig Entertainerin. Es wurde gesungen, gescherzt, sogar Karaoke angestimmt. Ein paar Boote führten kleine „Spin-Shows“ auf und drehten sich blitzschnell im Kreis, während alle applaudierten.

Zwischendurch gab es Fotoshootings, inklusive klarer Anweisungen unserer Ruderin, wie wir die Arme halten oder wohin wir schauen sollten.

Die Palmen spiegelten sich im Wasser, überall lachende Menschen, es war einfach eine tolle Atmosphäre. Es war herrlich absurd und gleichzeitig unglaublich unterhaltsam.

Zurück in der Altstadt liefen wir zur berühmten Japanischen Brücke, dem Wahrzeichen Hoi Ans. Diese wurde im 16. Jahrhundert von japanischen Händlern erbaut, um ihr Viertel mit dem Chinesischen zu verbinden. Sie ist überdacht, reich verziert und so bedeutend, dass sie sogar auf dem 20.000-Dong-Schein abgebildet ist.

Überhaupt erzählt hier fast jedes Gebäude eine Geschichte. Die gelben Handelshäuser stammen größtenteils aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Das warme Ockergelb sollte ursprünglich Glück bringen und heute sorgt es vor allem dafür, dass die gesamte Altstadt in der Nachmittagssonne golden leuchtet.

Man möchte in dieser Stadt dauernd stehen bleiben. Fotografieren. Weitergehen. Und wieder stehen bleiben.

Am Abend suchten wir uns ein Restaurant auf einer Dachterrasse aus. Von oben sahen wir die untergehende Sonne über den Dächern, während langsam überall Laternen angezündet wurden.

Sobald es dunkel wird, verwandelt sich Hoi An. Hunderte bunte Laternen spiegeln sich im Fluss. Kleine Boote treiben vorbei, geschmückt mit Lichtern. Manche lassen Wunschlaternen ins Wasser gleiten.

Wir standen eine Weile am Ufer, beobachteten die Szene und genossen einfach die Atmosphäre, bevor wir mit dem Taxi zurück ins Hotel kehrten.

Ho Chi Minh City – Zwischen Skyline und Geschichte

Der nächste Stopp unserer Reise ist die pulsierende Metropole Ho Chi Minh City. Alles wirkt moderner, höher und schneller als an jedem Ort zuvor auf unserer Vietnam-Reise. Wolkenkratzer, beleuchtete Brücken und ein fast amerikanisch anmutendes Großstadtgefühl treffen hier auf bewegende Kriegsgeschichte und eine Stadt, die sich rasant entwickelt.

Mit rund neun Millionen Einwohnern ist Ho Chi Minh City die größte Stadt Vietnams und das wirtschaftliche Zentrum des Landes. Noch heute ist sie für viele unter ihrem früheren Namen Saigon bekannt. Offiziell wurde die Stadt 1976 nach dem Ende des Vietnamkriegs in Ho Chi Minh City umbenannt, zu Ehren des Revolutionsführers und Staatsgründers Ho Chi Minh. Im Alltag verwenden Einheimische wie Touristen jedoch weiterhin häufig den Namen „Saigon“, besonders wenn es um das Stadtzentrum geht.

Die Stadt liegt im Süden Vietnams nahe dem Mekong-Delta und war während des Vietnamkriegs politisches und militärisches Zentrum Südvietnams. Heute symbolisiert sie vor allem Aufbruch, Wirtschaftswachstum und Modernisierung.

Am Ankunftstag machten wir uns von unserem Hotel zu Fuß auf den Weg, um die Stadt zu erkunden. Direkt in unserer Straße wurden wir von einem traditionellen Drachentanz überrascht aufgrund des vietnamesischen Neujahrsfestes. Beim sogenannten Löwen- oder Drachentanz ziehen Tänzer in farbenfrohen Kostümen durch die Straßen, begleitet von Trommeln und lauter Musik. Die Darbietung soll Glück bringen und böse Geister vertreiben. Das Interesse war groß, viele Menschen standen am Straßenrand und beobachteten das Spektakel.

Wir ließen die Atmosphäre einen Moment auf uns wirken, doch unser Zeitplan war straff, denn zwei Nächte sind nicht viel für eine Stadt wie Ho Chi Minh City.

Unser erster Stopp war das imposante Saigon Central Post Office. Das Gebäude stammt aus der französischen Kolonialzeit und beeindruckt mit seiner gelb-weißen Fassade und den grünen Fensterläden. Im Inneren erwarten einen hohe Gewölbedecken, alte Landkarten und eine große Porträttafel von Ho Chi Minh. Es ist eine spannende Mischung aus europäischer Architektur und vietnamesischer Geschichte.

Direkt gegenüber steht die Notre-Dame Cathedral Basilica of Saigon, erbaut zwischen 1863 und 1880 ebenfalls während der französischen Kolonialzeit. Die roten Backsteine wurden damals extra aus Frankreich importiert. Aktuell befindet sich die Kathedrale in Renovierung, weshalb wir sie nur von außen betrachten konnten.

Weiter ging es durch die Nguyen Van Binh Book Street, eine kleine, charmante Straße voller Buchläden und Cafés. Ein ruhiger Kontrast zur sonst so pulsierenden Metropole.

Auf dem Weg zur bekannten Einkaufsstraße kamen wir am Ho Chi Minh City People’s Committee Building vorbei. Das prachtvolle Gebäude im französischen Kolonialstil wirkt fast wie ein Rathaus in Europa. Es ist jedoch nicht öffentlich zugänglich und dient heute als Verwaltungsgebäude.

Gerade hier wurde uns der Unterschied zwischen Hanoi und Ho Chi Minh City besonders bewusst. Während Hanoi stark von der französischen Kolonialzeit geprägt ist, mit schmalen Häusern, gelb gestrichenen Fassaden, alten Villen, kleinen Cafés und einem eher historischen, politischen Charakter, präsentiert sich Ho Chi Minh City moderner, höher und wirtschaftlich dynamischer.

Der Grund liegt in der Geschichte: Hanoi war über Jahrzehnte politisches Zentrum Nordvietnams und trägt bis heute deutlich den architektonischen Stempel Frankreichs. Ho Chi Minh City hingegen (früher Saigon) war während des Vietnamkriegs Hauptstadt Südvietnams und eng mit den USA verbunden. Amerikanische Militärpräsenz, wirtschaftliche Unterstützung und spätere internationale Investitionen haben die Entwicklung der Stadt nachhaltig beeinflusst.

Heute zeigt sich das vor allem im Stadtbild: breite Straßen, moderne Hochhäuser mit Glasfassaden, große Einkaufszentren, internationale Marken und eine stark ausgeprägte Business- und Konsumkultur. Gebäude wie der Bitexco Financial Tower prägen die Skyline und erinnern eher an westliche Metropolen als an traditionelle südostasiatische Städte. Die Stadt wirkt schneller, unternehmerischer und globaler. Während Hanoi historischer und traditioneller erscheint.

Anschließend liefen wir die bekannte Flaniermeile Nguyen Hue Walking Street entlang. Menschenmassen, Straßenkünstler, kleine Verkaufsstände, Figuren wie Mickey Maus für Fotos. Hier pulsiert das Leben. Ein besonderes Highlight ist das The Cafe Apartments, ein ehemaliges Wohnhaus, das heute aus unzähligen individuell gestalteten Cafés besteht. Von außen wirkt es wie ein bunt beleuchtetes Schaufenster voller kleiner Geschichten und ist eines der beliebtesten Fotomotive der Stadt.

Nachdem wir uns über die dicht befahrenen Straßen gekämpft haben, liefen wir entlang des Saigon-Flusses und ließen die Skyline auf uns wirken. Besonders schön beleuchtet ist die Thu Thiem Bridge, die das Stadtzentrum mit dem neuen Entwicklungsgebiet Thu Thiem verbindet. Abends spiegeln sich die Lichter der Hochhäuser im Wasser und es präsentiert sich ein ganz anderes Vietnam als noch wenige Tage zuvor.

Zum Abschluss des Tages gingen wir in die wohl bekannteste Pizzakette Vietnams: Pizza 4P’s. Super Service, gute Qualität und ein entspannter Ausklang eines intensiven ersten Tages in dieser modernen, energiegeladenen Stadt.

Wie bereits erwähnt, wollten wir auch in die Kriegsgeschichte eintauchen. Nico hatte schon in der Schulzeit einen Vortrag über den Vietnamkrieg gehalten und gemeinsam schauen wir leidenschaftlich gerne historische Kriegsfilme. Dieser Abschnitt unserer Reise war also nicht nur touristisches Interesse, sondern echtes persönliches Anliegen.

Morgens wurden wir um 8 Uhr abgeholt, mit dem Ziel, eine der wichtigsten und kriegsentscheidenden „Waffen“ der Vietnamesen zu erleben: die Cu Chi Tunnels, genauer gesagt der Abschnitt Ben Duoc.

Die Tunnelanlagen entstanden bereits im Kampf gegen die französische Kolonialmacht und wurden während des Vietnamkriegs (1955–1975) massiv erweitert. Insgesamt erstreckte sich das Tunnelsystem über mehr als 250 Kilometer. Es ist ein unterirdisches Netzwerk aus Wohnräumen, Küchen, Lazaretten, Lagerräumen, Waffenwerkstätten und Kommandoposten.

Die Tunnel ermöglichten es dem Vietcong, sich unbemerkt zu bewegen, Angriffe zu planen und schnell wieder zu verschwinden. Für die US-Armee war dieses System extrem schwer zu bekämpfen. Genau diese Taktik trug entscheidend dazu bei, dass die technisch weit überlegenen amerikanischen Truppen den Krieg letztlich nicht gewinnen konnten.

Schon die Belüftungsschächte waren faszinierend: Von außen wirkten sie wie kleine Termitenhügel, kaum sichtbar und perfekt getarnt im Dschungel. Von innen jedoch clever konstruiert, sodass Luft zirkulieren konnte, ohne Rauch oder Bewegungen preiszugeben.

Einen Teil des Systems durften wir selbst erleben. Für Touristen wurden die Gänge bereits größer gemacht und trotzdem war es unfassbar eng. Heiß. Stickig. Klaustrophobisch.

Nico wurde beim ersten Tunnel auserkoren, als Erster einzusteigen. Man sah ihm die Anspannung an, doch er zögerte nicht und ich wurde direkt hinterhergeschickt mit den Worten unseres Guides: „You only survive together.“

Der erste Tunnel war psychisch am herausforderndsten. Die Ungewissheit, die Enge, die Hitze und das Gefühl, nicht genau zu wissen, wie weit es noch geht.

Der dritte Abschnitt war der längste mit rund 50 Meter und mit drei möglichen Ausstiegen. Mehrere Passagen waren extrem schmal, teilweise ging es bergauf über Kanten hinweg. Trotzdem zog unsere gesamte Gruppe bis zum Ende durch.

Im letzten Tunnel wurde uns eine andere Bauweise gezeigt: Während viele Tunnel mit gewölbten Rundbögen gebaut wurden, gab es hier eine dreieckige Konstruktion. Diese sparte Material, war schneller zu graben und bot trotzdem ausreichend Stabilität.

Diesmal war ich vorne und sollte mit der Handy-Kamera in eine kleine Höhle leuchten. Nico direkt hinter mir. Und plötzlich flatterte mir etwas fast ins Gesicht. Zwei- oder dreimal. „Aaah, Fledermäuse!“ Nach mir wollte dann verständlicherweise niemand mehr hinein. Zugegeben: Sie waren vermutlich harmlos, aber Körperkontakt möchte man trotzdem vermeiden.

Die Tour war insgesamt sehr eindrücklich und es war eine Erfahrung, die den Krieg greifbarer machte weit über das hinaus, was Dokumentationen vermitteln können.

Anschließend besuchten wir das War Remnants Museum, dieses zeigt die Auswirkungen des Vietnamkriegs. Mit Fotografien internationaler Kriegsreporter, Ausstellungen zu Agent Orange (Entlaubungsmittel) und dessen langfristigen gesundheitlichen Folgen, Gefängnisnachbauten, Folterinstrumenten sowie militärischen Fahrzeugen im Außenbereich.

Besonders die Bilddokumentationen gingen unter die Haut. Viele Aufnahmen stammen von bekannten Fotografen, die das Leid der Zivilbevölkerung festhielten. Es ist keine leichte Kost, aber wichtig um die Perspektive Vietnams zu verstehen.

Hungrig und auch etwas nachdenklich legten wir danach einen Kaffee-und-Kuchen-Stopp ein, bevor wir zurück ins Hotel gingen, um uns frisch zu machen und die Eindrücke zu verarbeiten.

Abends gingen wir im Steakrestaurant Olivia’s Prime Steakhouse essen. Neben hochwertigem Fleisch, tollem Ambiente, gab es sogar schwäbisches Bier von Schwaben Bräu. Der Besitzer hatte selbst einige Monate in Deutschland gelebt, deshalb wollte er auch deutsches Bier in seinem Restaurant anbieten.

Später trafen wir uns mit einem 27-jährigen Münchner, den wir morgens auf der Tour kennengelernt hatten. Er erkundet Vietnam alleine in seinem Urlaub und wir haben uns auf Anhieb gut verstanden. Gemeinsam gingen wir in eine Rooftop-Bar in der bekannten Partymeile Bui Vien Walking Street. Von oben beobachteten wir das bunte, laute Treiben. Neonlichter, Musik, Backpacker, Partystimmung.

Phu Quoc – Zwischen Postkartenidylle und Realität

Zum Abschluss unserer Reise ging es auf die Insel Phu Quoc. Sie liegt im Golf von Thailand, gehört geografisch zu Vietnam, ist aber näher an Kambodscha als am Festland. Es ist die größte Insel des Landes und bekannt für weiße Sandstrände, klares Wasser und luxuriöse Resorts. Große Teile der Insel sind als Nationalpark geschützt, gleichzeitig entstehen hier seit einigen Jahren riesige Hotel- und Investorenprojekte.

Für uns stand vor allem eines auf dem Plan: entspannen. Keine großen To-do-Listen, kein Sightseeing-Marathon. Nur Meer, Sonne und abschalten. Das Einzige, was wir unbedingt machen wollten, war schnorcheln. Also buchten wir eine 4-Insel-Tour. Phu Quoc zählt zwar nicht zu den bekanntesten Schnorchelgebieten Südostasiens, aber für Anfänger ist es absolut geeignet.

Morgens wurden wir am Hotel abgeholt und fuhren zu einem kleinen Fischerdorf, wo unser Speedboot startete. Der erste Halt war eine ruhige Bucht, in der wir die Grundlagen lernten.

Dann ging es mit Schwimmflossen ins Wasser, um zu testen, ob jemand Angst im offenen Meer bekommt. Wer unsicher war, sollte für den Rest der Tour eine Schwimmweste tragen, da die weiteren Stopps im offenen, tiefen Gewässer lagen.

Der nächste Stopp war das Highlight. Rund 30–40 Minuten verbrachten wir dort im Wasser und konnten unzählige Fische und Korallen beobachten. Es war ein unfassbar schönes Gefühl, gemeinsam durch die Riffe zu schwimmen, zwischen Fischschwärmen hindurchzutauchen und diese Unterwasserwelt hautnah zu erleben.

Einer unserer vier Tourguides fand dabei sogar einen goldenen Ring im Wasser – für ihn definitiv ein Glückstag.

Beim nächsten Stopp gab es deutlich weniger Korallen. Nico nutzte die Zeit, um Müll aus dem Meer zu ziehen. Den Guides liegt viel daran, die Riffe sauber zu halten und sie waren über jede Hilfe dankbar. Während ich weiter fasziniert Fische beobachtete und mich treiben ließ, sammelte auch ich ein paar Plastikteile ein.

Den letzten Halt machten wir an der Insel Hon Thom (auch bekannt als Thom Island). Dort gab es frische Mango und ein Getränk, bevor es zurück zum Fischerdorf und schließlich ins Hotel ging.

Den Rest der Zeit verbrachten wir hauptsächlich am Strand unseres Hotels, welches direkt am Khem Beach liegt. Heller, fast weißer Sand. Kein steiniger Einstieg. Das Wasser wird langsam tiefer, sodass man entspannt hineingehen und auch gut schwimmen kann. Kaum Wellengang, eine unglaubliche Klarheit des Wassers, wodurch man auch gut Fische sehen konnte.

Rein landschaftlich gehört dieser Strand definitiv zu den schönsten, die wir bisher gesehen haben.

Von unserem Hotel aus bekamen wir Tickets für eine Show und den kostenlosen Shuttle nach Sunset Town. Dabei handelt es sich um ein neues Tourismus- und Erlebnisareal im Süden der Insel. Außerdem ist der Teil von Phu Quoc bekannt für den schönsten Sonnenuntergang über dem Meer. Also dachten wir: Warum nicht anschauen?

Leider hat uns dieser Teil der Insel überhaupt nicht überzeugt. Große Investoren haben hier künstliche Stadtviertel im mediterranen Stil gebaut. Viele Gebäude stehen komplett leer und es fühlt sich wie eine künstliche Geisterstadt an. Es wirkt inszeniert. Unecht. Austauschbar.

Die Restaurants dort waren qualitativ enttäuschend, vieles wirkte auf schnellen Massentourismus ausgelegt. Mit authentischem Vietnam hatte das für uns wenig zu tun. Auch die tägliche Show mit Feuerwerk ließen wir aus, da uns die Atmosphäre einfach nicht gefiel.

Allgemein fanden wir es auf Phu Quoc überraschend schwer, wirklich gute Restaurants zu finden. Vieles wirkte hochwertig inszeniert, mit hohe Preise, schönen Kulissen, aber Service und Qualität blieben oft hinter den Erwartungen zurück. In manchen vermeintlichen 5-Sterne-Hotels wartete man 30 Minuten, bis überhaupt jemand die Bestellung aufnahm. Dazu mittelmäßiges Essen und die Aufforderung, direkt im Voraus zu bezahlen.

Zwei Restaurants können wir jedoch ehrlich empfehlen: Red Rum und Jos Cucina. Hier stimmten Qualität, Service und Preis-Leistung.

Phu Quoc war für uns damit ein Ort der Gegensätze:

Traumhafte Natur und klares Wasser auf der einen Seite. Überdimensionierte Investorenprojekte und fehlende Authentizität auf der anderen.

Ein schöner Abschluss zum Entspannen, aber nicht der Teil Vietnams, der uns kulturell am meisten berührt hat.

Fazit – Ein Land voller gegensätzlicher Städte

Vietnam hat uns überrascht. Nicht nur wegen seiner Landschaften oder Städte, sondern wegen der Intensität, mit der alles auf uns gewirkt hat.

Von den leuchtenden Laternen in Hoi An über die moderne Skyline von Ho Chi Minh City bis hin zu den stillen Momenten im Wasser. Jeder Ort hatte seinen eigenen Charakter.

Unsere absoluten Highlights waren definitiv, die Landschaft rund um Ninh Binh mit ihren dramatischen Kalksteinfelsen und der fast surrealen Ruhe auf dem Wasser.

Auch die Cu-Chi-Tunnel, die Geschichte greifbar gemacht haben wie kaum ein Museum es könnte, berührten uns sehr.

Die schönsten Stadt war für uns Hoi An, diese Kleinstadt im goldenen Licht, die einfach eine besondere Magie ausstrahlt.

Aber auch Saigon mit seiner Energie, seiner Geschwindigkeit und der spürbaren Aufbruchsstimmung hat uns beeindruckt. Ebenso wie die Strände von Phu Quoc und Da Nang.

Vietnam ist kein Land, das man nebenbei erlebt. Es ist laut, intensiv, manchmal widersprüchlich und genau das macht es so faszinierend.

Es ist ein Land zwischen Tradition und Moderne, zwischen Kriegsgeschichte und wirtschaftlichem Aufbruch, zwischen Garküchen auf Plastikstühlen und Rooftop-Bars mit Skylineblick.

Vietnam ist definitiv ein Besuch wert!

Fundstück Februar 2026

Der digitale Leseautomat in Peking

Lesen ist für mich seit ein paar Jahren wieder ein richtiges Hobby geworden. Besonders vor dem Schlafengehen oder im Urlaub liebe ich es, beim Umblättern eines Buches diesen besonderen Moment zu genießen. In Deutschland war es für mich immer einfach an Bücher zu gelangen, sei es über die nächste Bibliothek oder die Buchhandlung um die Ecke.

Doch hier in Peking gestaltet sich das ein wenig anders, besonders wenn man Bücher auf Deutsch oder Englisch lesen möchte. 

In Deutschland kennt man Leseautomaten meist als kleine Regale oder Tauschstationen: Bücher hinlegen, Bücher mitnehmen, fertig. Sie funktionieren nach dem Prinzip „bring eins, nimm eins“ und leben von der Eigenverantwortung der Leser. Praktisch für kurze Pausen oder um alte Klassiker loszuwerden, aber das echte Bücherei-Erlebnis bleibt dabei außen vor. Seltene oder besonders interessante Bücher findet man nur selten, die Organisation ist locker und eine offizielle Kontrolle, wer welches Buch ausgeliehen hat, gibt es nicht. Außerdem werden diese Automaten manchmal beschädigt oder verwahrlosen.

Hier in Peking ist der digitale Leseautomat anders. Er wird von einer Bibliothek organisiert und verbindet Technik, Bibliothekswesen und Stadtlogistik auf clevere Weise. Auf den ersten Blick sieht er aus wie ein normaler Automat, ein Kasten voller Bücher. Doch dahinter steckt ein ausgeklügeltes System, das ein komplettes Büchereierlebnis außerhalb der Bibliotheksmauern ermöglicht.

Es gibt drei Abonnent-Modelle des Automaten: eines für Erwachsene, eines für Kinder und eines für Menschen mit Beeinträchtigungen. Jedes Modell ist auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnitten, sowohl in der Buchauswahl als auch in der Bedienung. Für Kinder gibt es etwa eine speziell kuratierte Auswahl an Bilder- und Kinderbüchern, während die Automaten für Erwachsene chinesische Titel, Hörbücher und auch ausländische Bücher anbieten. Das Modell für Menschen mit Beeinträchtigungen ist barrierefrei gestaltet, sodass jeder Zugang zu Literatur hat, egal welche Einschränkungen bestehen.

Die Ausleihe läuft komplett über eine digitale Lesekarte und QR-Codes am Automaten. Der Leser scannt einfach den Code, meldet sich an und der Automat öffnet sich. Danach kann man das gewünschte Buch herausnehmen. Kein Anstehen, kein Blättern durch Regale und doch ein richtiges Bibliotheksgefühl.

Man kann bis zu 40 Bücher in den 28 Tage ausleihen, darunter chinesische Bücher, Hörbücher und ausländische Titel (letztere sind auf drei pro Ausleihperiode begrenzt). Die digitale Lesekarte sorgt dafür, dass die Bibliothek immer genau weiß, wer welches Buch hat.

Wird ein Buch nicht zurückgebracht, wird die Karte vorübergehend gesperrt. Ebenso bei beschädigten Büchern, dann wird die Bibliothek informiert und man regelt das wie gewohnt vor Ort.

Dieses System schafft Transparenz, Fairness und eine reibungslose Organisation. Zudem sind darin die neusten und angesagten Bücher erhältlich und nicht nur die aussortiert eines anderen.

Ein Vorteil ist das man nicht mehr extra zur Bibliothek fahren muss, sondern kann an verschiedenen Automaten in der ganzen Stadt Bücher ausleihen. Besonders praktisch, wenn man wenig Zeit hat oder unterwegs spontan ein Buch mitnehmen möchte. Gleichzeitig spart es den Bibliotheksmitarbeitern Arbeit: weniger Ausleihe über den Schalter, weniger Verwaltungsaufwand und trotzdem bleibt alles organisiert und nachvollziehbar.

Für mich persönlich ist das natürlich nichts, da ich chinesische Bücher oder Hörbücher noch nicht verstehen kann. In China ist die Auswahl ausländischer Bücher auch in Bibliotheken stark begrenzt, oft gibt es nur wenige Exemplare und Bestseller auf Deutsch oder Englisch sind selten.

Bücherwurm bleiben als Expat

Aktuell habe ich ein paar Strategien entwickelt, um trotzdem an deutschsprachige Bücher zu kommen. Einige Bücher hatte ich selbst aus Deutschland mitgebracht, die habe ich inzwischen alle gelesen. Danach bin ich auf eine WeChat-Gruppe für Expats gestoßen, in der Bücher untereinander verkauft oder getauscht werden. Man bekommt Zugang zu Titeln, die sonst schwer zu bekommen wären und gleichzeitig können andere Leser etwas davon profitieren, dass ich meine Bücher weitergebe.

Ich bin auch noch der klassische „Buch-in-der-Hand“-Typ: Ich mag es, Bücher zu besitzen, die ich gelesen habe und zu sehen, was ich schon geschafft habe. Digitales Lesen kommt für mich nur begrenzt infrage. Deshalb ist diese WeChat-Gruppe aktuell eine gute Lösung.

Außerdem leihe ich Bücher von Freundinnen aus, die einen ähnlichen Lesegeschmack haben. Zum Beispiel habe ich mir ein Buch über die Generation der Kriegskinder ausgeliehen, welches Nico schon in Vietnam gelesen hat und ich werde es demnächst in Malaysia lesen.

Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, über die Bibliothek der Deutschen Schule in Peking einen Ausweis zu beantragen und darüber Bücher auszuleihen. Das werde ich auf jeden Fall noch machen.

Als letzte Möglichkeit kann man auch, über die Deutsche Schule Bücher in Deutschland bestellen, allerdings dauert das lange und ist teuer. Deshalb werde ich wahrscheinlich diese Option nicht nutzen.

Meine pragmatische Lösung neben den bereits bestehenden: Ich plane bei meiner nächsten Deutschlandreise einen Besuch bei Thalia, um gezielt Bücher einzukaufen.

Fazit

Lesen war noch nie so flexibel und gleichzeitig so gut organisiert. Der digitale Leseautomat in Peking zeigt, wie Technik, Literatur und Stadtleben harmonisch zusammenpassen. Für Leser, die Chinesisch verstehen, bietet er schnellen Zugang zu einer breiten Auswahl an Büchern, Hörbüchern und ausländischen Titeln. Für Expats wie mich ist er noch nichts, aber zum Glück ist der Zusammenhalt in der Community so gut.

Mein Fundstück des Monats ist ein kleines Stück Alltagsmagie, das zeigt, dass moderne Technologie Bibliothekskultur nicht ersetzt, sondern sinnvoll ergänzt. Vielleicht könnte dieses Konzept in Zukunft auch Deutschland inspirieren und Bücher zugänglich, flexibel und gleichzeitig gut organisiert zu machen.

Vietnam – Die Reise beginnt

Wie bereits im letzten Beitrag erzählt, hat Nico durch die gesetzlichen Feiertage zehn Tage frei. Schnell war klar, dass wir diese Gelegenheit zum Reisen nutzen.

Schon länger stand Vietnam auf unserer Wunschliste, ein Land voller Kontraste, bewegter Geschichte, beeindruckender Natur und traumhafter Küsten.

Insgesamt werden wir 13 Tage unterwegs sein. Unsere Route führt uns vom Norden Vietnams Schritt für Schritt Richtung Süden, mit einem entspannten Inselabschluss. Neben Natur, Kultur und Strand möchten wir uns auch mit der Kriegsgeschichte des Landes beschäftigen, die Vietnam bis heute prägt.

Anreise – Premiere am Daxing Flughafen

Schon der Start fühlte sich neu an. Zum ersten Mal flogen wir über den Beijing Daxing International Airport. Der riesige, futuristische Flughafen ist beeindruckend, modern, aber eben auch deutlich weiter außerhalb gelegen.

Viele hatten mich gewarnt: Stau, lange Anfahrt, Chaos. Manche brauchten bis zu vier Stunden mit dem Auto. Alternativ gibt es eine Zugverbindung (ca. 1,5 Stunden mit Umstieg), allerdings nur zwischen 5 Uhr morgens und Mitternacht.

Unser Flug ging um 01:40 Uhr und wir entschieden uns trotzdem für die Anreise per Auto, mit ausreichend Pufferzeit versteht sich. Am Ende waren wir fast ein bisschen enttäuscht, wie reibungslos alles lief. Vom Betreten des Flughafens bis zur Sicherheitskontrolle dauerte es nur wenige Minuten.

Direkt danach trafen wir Bekannte aus Peking, die ebenfalls nach Vietnam gereist sind. Gemeinsam verbrachten wir die Zeit bis zum Boarding und somit vergingen die 2 Stunden wie im Flug.

Am Gate trafen wir dann weitere Bekannte. Vietnam scheint dieses Jahr ein echter Favorit unter den Expats zu sein. Vielleicht liegt es an der Mischung aus exotischer Ferne, gutem Essen, bewegter Geschichte und vergleichsweise kurzer Flugzeit aus China.

Der Flug selbst war… sagen wir zweckmäßig. Alte Sitze, wenig Beinfreiheit, kaum Schlaf. Mein Sitznachbar konnte auf eine freie Reihe ausweichen, wodurch ich etwas mehr platzt hatte. Allerdings konnte ich trotzdem nicht besser schlafen und starrte irgendwann einfach nur noch ins Dunkel.

Als wir in Hanoi landeten, begann der Tag für die Stadt gerade erst. Für uns fühlte es sich eher wie das Ende einer sehr langen Nacht an.

Die Einreise gestaltete sich sehr zäh. Zwei lange Schlangen und nur vier Schalter geöffnet. Die Beamten arbeiteten ruhig, fast gemächlich. Niemand schien sich von der wachsenden Warteschlange stressen zu lassen. Nach anderthalb Stunden wurde ich unruhig, denn unser Fahrer wartete nur bis 6:19 Uhr. Es war nun inzwischen 05:45 Uhr. Ein weiterer Schalter öffnete, wir kamen endlich durch, holten hektisch die Koffer vom Band und liefen ohne klaren Plan Richtung Ausgang.

Zum Glück fanden wir sofort den richtigen Treffpunkt und unseren sichtlich genervten Fahrer. Es war eine Punktlandung: Zehn Minuten vor Ablauf der Zeit.

Ankommen in Hanoi – zwischen Chaos und Charme

Nach etwa 45 Minuten Fahrt erreichten wir unser Hotel Du Lac im Zentrum von Hanoi.

Hanoi ist nicht nur die Hauptstadt Vietnams, sondern auch eine der ältesten Hauptstädte Asiens. Über 1.000 Jahre Geschichte liegen hier in der Luft. Und das spürt man sofort.

Ein Check-in war natürlich noch nicht möglich. Stattdessen ließen wir unser Gepäck an der Rezeption und zogen los. Unser erstes Ziel war ein Geldautomat und vor allem ein Kaffee.

Wir liefen durchs Old Quarter, der Altstadt. Hier trägt jede Straße traditionell den Namen eines alten Handwerks z.B. Seidenstraße, Zinnstraße, Bambusstraße. Früher arbeiteten hier die jeweiligen Zünfte, heute reihen sich Souvenirshops, Cafés, kleine Restaurants und traditionelle Geschäfte in schmalen Häusern aneinander. Oft sind diese nur wenige Meter breit, dafür aber mehrere Stockwerke hoch aneinander. Der französische Baustil ist noch deutlich erkennbar: Balkone mit schmiedeeisernen Geländern, helle Fassaden, verspielte Details. Überall Blumen an den Gebäuden. Man möchte am liebsten jedes zweite Haus fotografieren, weil keines dem anderen gleicht.

Während wir im Café saßen, beobachteten wir das Straßenleben. Motorroller schoben sich hupend durch den Verkehr, winzige Plastikstühle standen am Straßenrand, auf denen Menschen bereits morgens Suppe aßen.

Vietnam fühlt sich vom ersten Moment an lebendig an. Intensiv. Warm. Laut. Und gleichzeitig unglaublich herzlich.

Mit starkem vietnamesischem Kaffee vor uns, kam langsam das Gefühl an: Wir sind in Vietnam.

Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg zum Hoàn-Kiếm-See. Der gepflegte, mitten in der Stadt gelegene See wirkt wie eine kleine Oase im sonst so lebendigen Hanoi. Die Temperaturen waren angenehm warm, moderne und liebevoll restaurierte Gebäude spiegelten sich im Wasser.

Schon von weitem strahlte uns die leuchtend rote Huc-Brücke entgegen. Die Brücke, deren Name so viel wie „Brücke der aufgehenden Sonne“ bedeutet, wurde im 19. Jahrhundert erbaut und ist eines der bekanntesten Fotomotive der Stadt. Wie ein Farbklecks über dem grünen Wasser führt sie zum Ngọc-Sơn-Tempel, der auf einer kleinen Insel im See liegt.

Der Tempel stammt ebenfalls aus dem 19. Jahrhundert und ist dem Nationalhelden Trần Hưng Đạo gewidmet, einem General, der Vietnam im 13. Jahrhundert gegen mongolische Invasionen verteidigte. Zwischen Blumenarrangements, kleinen Innenhöfen und Fischen im Wasser herrschte hier eine ruhige, fast meditative Stimmung.

Anschließend liefen wir eine komplette Runde um den See. Der Fußweg ist gut ausgebaut, breit und angenehm. In der Altstadt muss man ständig parkenden Rollern ausweichen oder vom Bürgersteig auf die Straße treten, wo man sich den Weg mit hupenden Motorrollern teilt. Am See hingegen konnte man einfach laufen, ohne „Tetris mit dem Verkehr“ spielen zu müssen.

Unser nächster Stopp war die St.-Joseph-Kathedrale. Diese ragt auffällig zwischen den schmalen Häusern hervor. Ein pompöses, neugotisches Bauwerk, das stark an französische Kolonialarchitektur erinnert. Auch innen beeindruckte sie mit hohen Gewölben und bunten Fenstern.

Gerade fand eine Trauerfeier statt. Wir setzten uns in die letzte Reihe und beobachteten leise das Geschehen. Besonders spannend: moderne Bose-Lautsprecher und elektronische Anzeigen an jeder Sitzreihe, auf denen die Liedtexte eingeblendet wurden.

Danach ging es weiter zur berühmten Train Street, wohl eines der bekanntesten Fotomotive der Stadt. Die schmale Bahntrasse verläuft hier mitten durch ein dicht bebautes Wohnviertel, so nah an den Häusern, dass man von den Balkonen fast die vorbeifahrenden Züge berühren könnte. Ursprünglich wurde die Strecke Anfang des 20. Jahrhunderts während der französischen Kolonialzeit gebaut und ist bis heute Teil der wichtigen Nord-Süd-Eisenbahnlinie Vietnams, die Hanoi mit Ho Chi Minh City verbindet. Mehrmals täglich fährt hier tatsächlich ein Zug durch, nur wenige Zentimeter an Hauswänden und Gästen vorbei.

Schon am Eingang wurden wir von einem Hahn begrüßt, der seelenruhig auf den Gleisen stand. Links und rechts der Schienen reihten sich kleine Cafés und Bars, geschmückt mit Lichterketten, Pflanzen und bunten Blumenranken. Die Tische standen so nah an den Gleisen, dass man sich kaum vorstellen konnte, dass hier tatsächlich ein Zug durchfährt.

Wir fragten nach dem nächsten Zug. „20 Minuten“, hieß es. Nach unserer Bestellung waren es plötzlich 45 Minuten. Und am Ende warteten wir 1 Stunde und 15 Minuten, bis der Zug schließlich gegen 12 Uhr durchfuhr.

Wirklich jeder filmte gespannt die Einfahrt des Zuges. Einer war sogar so mutig, sein Handy von einem Kellner mittig auf die Gleise stellen zu lassen, um ein Video aufzunehmen, wie der Zug darüber hinwegrollt. Er fuhr langsam ein, alles wirkte erstaunlich geordnet und routiniert.

Aber jetzt hatten wir nur noch ein Ziel: Das Hotel und ein Bett. Denn zu diesem Zeitpunkt waren wir seit rund 27 Stunden wach. Die Müdigkeit setzte langsam ein. Zum Glück war unser Zimmer bereits früher fertig. Ein kurzer Mittagsschlaf und wir fühlten uns zumindest halbwegs wieder wie Menschen.

Abends zog es uns traditionell zu Bánh Mì, Vietnams berühmtem Sandwich. Bánh Mì ist ebenfalls ein Überbleibsel der französischen Kolonialzeit: ein knuspriges Baguette, gefüllt mit einer Mischung aus vietnamesischen und französischen Einflüssen. Meist kommen verschiedene Fleischsorten wie Schweinefleisch oder Pastete hinein, dazu eingelegtes Gemüse, Gurke, frischer Koriander und eine würzige Sauce. Außen kross, innen saftig, einfach, günstig und unglaublich aromatisch. In Vietnam bekommt man es an fast jeder Straßenecke, frisch zubereitet und oft für nur wenige Euro.

Auf dem Weg dorthin merkten wir sofort den Unterschied zum frühen Morgen. Der Verkehr war deutlich intensiver. Lauter. Chaotischer. Beim Überqueren der Straße musste man tatsächlich „Tetris mit Rollern und Autos“ spielen. Stehen bleiben ist keine Option, gleichmäßig weitergehen ist die Regel.

Die Bürgersteige sind zwar breiter als in Thailand und immerhin hängen einem hier keine Kabel direkt ins Gesicht. Doch oft sind sie komplett von Rollern zugeparkt oder mit den typischen kleinen Plastik-Hockern vollgestellt, auf denen die Gäste in den Straßenrestaurants sitzen.

Nach einem Dessert (Eggnog-Tiramisu) ging es für uns noch auf die Dachterrasse unseres Hotels. Wunderschön angelegt, mit Blick über die Dächer der Stadt. Unter uns das ununterbrochene Hupen, über uns warme Abendluft und nebenher lief das Spiel des 1. FC Kaiserslautern auf unserem Tablet.

Ein langer, intensiver erster Tag ging zu Ende.

Tag 2 – Die erste Berührung mit der Landschaft Vietnam’s

Der Tag begann… leicht stressig.

Am Abend zuvor, kurz bevor wir eigentlich schlafen wollten, schrieb uns unser Tourguide, dass wir am nächsten Morgen eine halbe Stunde früher abgeholt würden. Diskussion zwecklos. Für uns bedeutete das: Frühstück in Gefahr.

Hätten wir es früher gewusst, hätten wir sicher mit dem Hotel sprechen können. Also versuchten wir es am Morgen auf gut Glück. Zehn Minuten vor offizieller Öffnung standen wir beim Frühstück, erklärten die Situation und tatsächlich: Wir durften schon hinein. 20 Minuten Zeit. Schnell, aber machbar.

Nach einer rund zweistündigen Fahrt in einem recht komfortablen Mini Bus, mit ca. 20 Plätzen, war unser erster Stopp die Mua-Höhle in Ninh Binh.

Der Weg über ca. 400 Stufen führt hinauf auf den sogenannten „Berg des liegenden Drachens“. Oben angekommen wird man mit einem spektakulären Panorama belohnt: Tam Coc liegt einem zu Füßen, eingerahmt von Reisfeldern und dramatisch aufragenden Kalksteinbergen.

Unterwegs begegneten uns immer wieder Ziegen, die mühelos über die Felsen kletterten. Und nach dem Abstieg erwartete uns unten im Tal eine liebevoll angelegte Anlage mit kleinen Teichen, Wegen und weiten Reisfeldern.

Weiter ging es für unsere Reisegruppe nach Hoa Lu, der antiken Hauptstadt Vietnams aus dem 10. Jahrhundert. Hier besichtigten wir alte Königstempel, umgeben von grünen Bergen.

Direkt am Eingang stand ein Wasserbüffel ruhig da. Und auf der anderen Seite eine kleine Babyziege am Berg. Natürlich blieben wir stehen. Viel zu süß.

Nach einem vietnamesischen Buffet-Mittagessen und netten Gesprächen mit zwei Österreichern, die ebenfalls Urlaub hier machten, ging es zur Verdauung auf eine Fahrradtour.

Wir fuhren durch Reisfelder, vorbei an kleinen Häusern, Wassergräben und lokalen Dörfern. Überall diese gewaltigen Kalksteinberge, die aus der Landschaft ragen. Es fühlte sich ruhig, weit und gleichzeitig lebendig an. Kein Großstadtlärm, nur Natur und ein paar lachende Kinder am Wegesrand. Das war unerwartet eines der Highlights der Tagestour.

Doch danach kam dann Trang An, der Hauptprogrammpunkt. Der Landschsaftskomplex liegt in Nordvietnam nahe Ninh Binh und gehört zum UNESCO-Weltnatur- und -kulturerbe. Die Region ist berühmt für ihre spektakuläre Karstlandschaft mit Kalksteinfelsen, Flüssen, Höhlen und Tempeln.

Mit jeweils vier Personen pro Boot, gerudert von einer einheimischen Frau (ca. 70 Jahre alt), erkundeten wir 2 stundenlang die Gegend.

Langsam glitten wir durch die beeindruckende Karstlandschaft, hinein in dunkle Höhlentunnel, vorbei an heiligen Tempeln, die zwischen Felsen versteckt liegen. Das Wasser spiegelte die Berge, es war fast surreal ruhig.

Unser Boot teilten wir mit zwei deutschen Urlaubern. Zwischendurch halfen wir beim Rudern, um zumindest ein bisschen zu entlasten. Viele Arbeitsplätze hängen hier vom Tourismus ab. Es ist eine harte und körperliche Arbeit, weshalb jede Person nur eine Tour pro Tag rudert.

Die Zeit verging wie im Flug und damit endete unser Trip. Es war ein rundum gelungener Ausflug, geprägt von beeindruckender Natur und einem tollen 24-jährigen Tourguide. Ein Tag, der uns eindrucksvoll gezeigt hat, warum Ninh Binh oft als „trockene Halong-Bucht“ bezeichnet wird.

Zurück in Hanoi waren wir müde, aber hungrig. Eigentlich hatten wir uns ein bestimmtes italienisches Restaurant ausgesucht, doch es war leider ausgebucht. Also entschieden wir uns spontan für eine Alternative und landeten im „Läpis – Mixology & Cuisine“.

Was zunächst nach einem Plan B klang, entpuppte sich als echter Glücksgriff. Kreative Küche, stilvolles Ambiente und eine tolle Atmosphäre machten das Abendessen zu einem hervorragenden Abschluss eines langen Tages.

Im Hotel angekommen wartete dann noch eine Überraschung auf Nico: Girlande, Rosenblätter auf dem Bett und ein kleines Dessert. Eine liebevolle Aufmerksamkeit des Hotels, auch wenn sie einen Tag zu früh dran waren mit seinem Geburtstag.

Da Nang – Meer, Geburtstag & ein Himmel voller Feuerwerk

Nach dem Frühstück in Hanoi ging es für uns weiter Richtung Zentralvietnam.

Da Nang ist die drittgrößte Stadt Vietnams und gilt als moderne Küstenmetropole zwischen Tradition und Aufbruch. Während Hanoi noch laut, historisch und verwinkelt wirkt, empfängt einen Da Nang deutlich strukturierter, breiter, luftiger. Hochhäuser treffen hier auf kilometerlange Sandstrände. Die Stadt liegt strategisch perfekt zwischen dem alten Kaiserzentrum Huế und der charmanten Altstadt von Hoi An und ist deshalb für viele der ideale Ausgangspunkt.

Nach dem Einchecken zog es uns direkt ans Meer. Unser Hotel lag gegenüber vom bekannten My Khe Beach, einem der beliebtesten Strände Vietnams. Weicher Sand, breite Promenade, Palmen und ein erstaunlich sauberes, ruhiges Meer. Nach dem quirligen Hanoi fühlte sich das fast meditativ an.

Abends durfte Nico sich natürlich sein Lieblingsessen aussuchen – Burger. Also ging es für uns in die Innenstadt zu Chops Burger (absolute Empfehlung!). Saftige Burger, gute Atmosphäre und genau das Richtige für einen Geburtstagsabend.

Danach wechselten wir in die Sky Bar unseres Hotels. Oben angekommen bot sich uns ein großartiger Blick: auf der einen Seite die funkelnde Skyline von Da Nang, auf der anderen das dunkle Meer mit dem leisen Rauschen der Wellen.

Und dann kam das Highlight des Abends.

Es war Tết, das vietnamesische Neujahrsfest (= chinesisches Neujahr). Punkt 12 begann ein spektakuläres Feuerwerk über der Stadt. Minutenlang erhellten bunte Explosionen den Himmel, spiegelten sich im Meer und tauchten die Hochhäuser in flackerndes Licht. Laut, intensiv und beeindruckend.

Ba Na Hills im Nebel

Am dritten Tag stand ein Ausflug zu den berühmten Ba Na Hills auf dem Plan. Das Bergresort liegt auf knapp 1.500 Metern Höhe und ist vor allem für das Größtes Seilbahn-System (>20 km) der Welt und die ikonische „Golden Bridge“ mit den riesigen steinernen Händen bekannt.

Leider zog pünktlich zu unserem Besuch Regen auf. Schon während der Fahrt mit der 6 km langen Seilbahn sahen wir: nichts. Nebel. Dichte Wolken. Keine Aussicht.

Oben angekommen war es trotz des Wetters erstaunlich voll. Menschenmassen schoben sich durch das nachgebaute französische Bergdorf, doch von Panorama oder Weitblick keine Spur. Man merkte, wie viel Potenzial dieser Ort bei gutem Wetter haben muss. Aber an diesem Tag war es einfach schade.

So ist Reisen eben manchmal. Nicht jeder Tag ist perfekt.

Abends ließen wir den Tag entspannter ausklingen: Abendessen in der Stadt, danach wieder ein Drink in der Hotelbar.

Während wir auf unser Essen warteten, kamen wir mit einem netten Ehepaar aus Australien ins Gespräch. Schnell ging es um Reisen, Fußball und die unterschiedlichen Lebensstile zweier Generationen. Wir – mitten im Abenteuer Peking, voller Pläne und Fernweh. Und sie – bereits im Ruhestand, lebend in einer Gated Community in Australien, mit unzähligen Reisen und Geschichten im Gepäck.

Solche zufälligen Begegnungen sind oft die schönsten und gaben dem Abend einen besonders stimmigen Abschluss.

Damit endet der erste Teil unserer Vietnam-Reise.

Vom quirligen Hanoi über die beeindruckenden Landschaften rund um Ninh Binh bis hin zur Küstenstadt Da Nang. Der Norden und der erste Teil in der Mitte des Landes haben uns bereits unglaublich viele Eindrücke geschenkt: Geschichte, Natur, Tradition und Strand.

Doch unsere Reise ist noch nicht vorbei.

Im nächsten Teil führt uns unsere Reise zunächst ins charmante Hoi An in Zentralvietnam, bevor wir weiter in den Süden nach Ho Chi Minh City und schließlich auf die Insel Phu Quoc reisen. Dort erwartet uns noch einmal eine ganz andere Dynamik, ein anderes Klima und eine neue Energie.

Mehr dazu dann nächsten Montag.