Wenn man in China ankommt, merkt man eines ziemlich schnell: Dieses Land ist digitaler, als man es sich vorstellen kann.
Ob im Supermarkt, im Taxi, im Restaurant, beim Bäcker oder sogar am Straßenstand, überall wird gescannt und mit Handy bezahlt. Bargeld steckt man hier kaum noch ein, denn das Leben funktioniert zu über 90 % komplett digital.
Während man in Deutschland noch über Kartenterminals schimpft, die nicht funktionieren oder gar nicht vorhanden sind, läuft man in China einfach an einer QR-Code-Tafel vorbei, scannt, bestätigt, bezahlt. So simpel und so selbstverständlich.
💡Ein QR-Code ist ein Quadrat aus vielen kleinen schwarzen und weißen Kästchen, in denen Informationen wie ein Link oder Text gespeichert sind. Ein Handy kann dieses Muster scannen und die enthaltenen Daten sofort anzeigen. Jeder QR-Code sieht anders aus, weil jede Information ein eigenes, einzigartiges Muster erzeugt.

In diesem Beitrag zeige ich euch, wie das Bezahlen in China funktioniert, welche Apps man braucht, wie sicher das Ganze ist und wie man als Tourist problemlos zurechtkommt.
Die drei häufigsten Bezahlmethoden
1. WeChat – nicht nur ein Messenger, sondern ein Alleskönner
WeChat ist weit mehr als eine App. Eigentlich ist es ein eigenes Ökosystem. Hierüber schreiben die Menschen, telefonieren, bestellen Essen, buchen Arzttermine und natürlich zahlen sie.
Bezahlen mit WeChat Pay funktioniert so:
Möglichkeit 1: QR-Code des Geschäfts scannen, vereinbarten Betrag eingeben und mit PIN bestätigen – fertig!
Diese Variante nutzt man oft dort, wo Preise flexibel sind, sprich auf Märkten oder im Nagelstudio. Man sagt, was man möchte, der Verkäufer nennt einen Preis, man verhandelt (wer kann und möchte) und gibt den vereinbarten Betrag ein.
Möglichkeit 2: Eigenen QR-Code zeigen und vom Händler scannen lassen, den Betrag mit PIN bestätigen – fertig!
Das ist der Standard bei festen Preisen etwa im Supermarkt, im Restaurant oder in Geschäften.
Möglichkeit 3 (für bestehende Kontakte): Den vereinbarten Betrag per unkomplizierter Freund-zu-Freund Überweisung transferieren. Hierbei sendet die eine Partei der anderen Partei ein Art „Überweisungsanfrage“. Stimmt die empfangende Partei dem Betrag zu, wird die Transaktion durchgeführt, ansonsten wird die Transaktion verworfen.
Möglichkeit 4 (für bestehende Kontakte): Split-the-Bill (Teile die Rechnung). Bei dieser Zahlungsmöglichkeit kann eine gemeinsame Rechnung, beispielsweise nach einem gemeinsamen Besuch im Restaurant, unkompliziert und transparent unter den „Freunden“ bzw. Kontakten aufgeteilt und beglichen werden. Dies nutzen in unserem Umkreis häufig Personen, die sich die Kosten für eine gemeinsame Taxifahrt aufteilen möchten, da die Taxi bzw. Didi Zahlung nur von demjenigen bezahlt werden kann, der das Taxi/Didi geordert hat.


2. Alipay – der große Konkurrent
Alipay ist die zweite große Plattform.
Gerade in Geschäften, die ein bisschen touristischer sind, sieht man viele Alipay-Codes – beide Apps sind absolut gleichwertig und überall akzeptiert.
Viele Urlauber nutzen Alipay besonders gern, weil es gut mit internationalen Kredit-Karten kompatibel ist und ein super übersichtliches Interface hat.
Auch hier läuft alles über QR-Codes:
scannen – bestätigen – bezahlen!


3. Bankkarten (UnionPay + internationale Karten)
Bankkarten werden hier auch vereinzelt genutzt, aber eher weniger für den alltäglichen Gebrauch. Auch wenn UnionPay (das nationale Kartennetz, vergleichbar mit Visa) und in vielen städtischen Geschäften auch vereinzelt internationale Karten akzeptiert werden, ist das Zahlen mit dem Handy deutlich unkomplizierter.

Im Alltag greifen die meisten Menschen trotzdem entweder zu WeChat Pay oder Alipay, zusammen dominieren sie den Markt. Bankkarten bleiben dennoch relevant für größere Zahlungen, Hotels, Geldautomaten und für manche Tourist:innen, die keine lokalen Konten einrichten wollen.
Kann man in China noch mit Bargeld bezahlen?
Ja, theoretisch schon.
Praktisch jedoch wird es jedes Jahr seltener.
Einige kleine Händler, ältere Verkäufer auf Märkten oder staatliche Einrichtungen nehmen Bargeld weiterhin an, denn offiziell muss jedes Geschäft Bargeld akzeptieren. Trotzdem bevorzugen fast alle die digitale Zahlung, einfach weil es schneller, sauberer und bequemer ist.
Ein kleiner aber doch entscheidender Haken bringt dieser Wandel klar mit sich… das Bargeld in den Beständen der Geschäfte hat stark abgenommen. Dies wiederum hat zur Folge, dass sich das Rückgeld (teilweise) als schwieriger herausstellt, als man das bisher aus Deutschland gewohnt war. So kann es also durchaus vorkommen, dass bei Bargeldzahlungen, kein oder nicht der vollständige Rückgeldbetrag ausgehändigt wird. Genau dies ist Nico bei seiner damaligen Reise 2023 bei einer Busfahrt passiert. Der Bus akzeptierte nur Alipay, über welches Nico damals nicht verfügte. Die Fahrt kostete 3 Yuan, Nico hatte jedoch nur einen 10 Yuan Schein und der Busfahrer kein Bargeld. Somit war die Fahrt also dreifach so gut bezahlt…
Ein kurzer Blick auf Chinas Bargeld:
Die chinesische Währung heißt Renminbi (RMB), die geläufigste Einheit ist der Yuan (¥ / 元).
Auf den Scheinen findet man immer dieselbe Person:
Mao Zedong (1893–1976) – Er war die zentrale Führungspersönlichkeit der kommunistischen Revolution, erster Vorsitzender der Volksrepublik China und prägendste Figur des 20. Jahrhunderts des Landes. Sein Bild auf den Scheinen ist Ausdruck seiner historischen Rolle im Aufbau des modernen chinesischen Staates und der politischen Kontinuität seit 1949.
Egal ob 1 Yuan, 5 Yuan, 10, 20, 50 oder 100 Yuan – es ist immer sein Porträt.
Ein paar interessante Fakten:
Der häufigste Schein im Alltag ist der 100-Yuan-Schein, er ist knallrot und oft der einzige, den man überhaupt noch in der Hand hält. Münzen gibt es ebenfalls (1 Yuan, 0,5 und 0,1 Yuan), werden aber nur selten genutzt. Im Vergleich zu früher wird Bargeld kaum noch bewegt und viele jüngere Menschen sehen es fast als „Ausnahmezahlung“.



Gibt es Risiken und vermeintliche Probleme?
1. Thema Sicherheit
Natürlich stellt man sich erstmal die Frage, wie sicher ist das Zahlungssystem über das Handy?
Aufgrund starker Authentifizierung wird das System als sehr sicher eingestuft. Jede Zahlung wird mit Gesichtserkennung oder Fingerabdruck bestätigt. Der QR-Code ändert sich alle paar Sekunden und Transaktionen lassen sich sofort in der App einsehen. Außerdem haben WeChat und Alipay integrierte Sicherheitschecks, die ungewöhnliche Aktivitäten melden.
Für die meisten Menschen ist digitales Bezahlen sicherer als Bargeld. Denn man kann kein Portemonnaie verlieren, keine Geldscheine fallen lassen, nichts wird geklaut. Auch das Risiko von Betrug oder Kartenmissbrauch ist dadurch extrem gering.
2. Technische Probleme
Zum Abwickeln einer Zahlung ist natürlich auch eine gute Infrastruktur des Landes nötig, denn die Händler benötigen zur Durchführung der Zahlung eine Internetverbindung. Als Kunde ist dies irrelevant, da der persönliche Zahlungs-QR-Code auch offline funktioniert. Zudem gibt es in den meisten Geschäften WLAN Zugänge für die Gäste. Komplett ohne Internet ist man hier praktisch nie, die Infrastruktur ist beeindruckend verlässlich.
Aber nicht nur das Internet kann versagen, sondern auch der Akku eines Gerätes kann leer werden. Doch auch für dieses Problem ist gesorgt. An vielen Straßenecken, Bahnhöfen und Einkaufszentren gibt es Power-Bank-Leihstationen: QR-Code scannen → Powerbank ausleihen → nach Gebrauch zurückgeben. Diese Option ist günstig und praktisch. Alternativ bieten Cafés und Restaurants ihre Steckdosen zum Kurzzeit-Laden an, sofern man eine Kleinigkeit bestellt.
China ist daher aus meiner Sicht bestens auf das moderne Smartphone-Leben eingestellt, sodass ein leerer Akku in der Regel überhaupt kein Problem darstellt.


Meine persönliche Empfehlung an Reisende
1. Installiere Alipay vor der Reise und versuche, ein internationales Zahlungsmittel damit zu verbinden. Das ist für die meisten Tourist:innen der unkomplizierteste Start.
2. Kauf eine lokale SIM / eSIM für SMS-Verifizierung & stabile Navigation.
3. Ein bisschen Bargeld (kleine Scheine) dabei haben für den Notfall.
4. Powerbank oder Ladekabel im Rucksack haben beruhigt!
Ein digitales System, das funktioniert!
Was anfangs vielleicht ungewohnt ist, wird innerhalb weniger Tage selbstverständlich. Man muss nur einmal verstehen, wie WeChat oder Alipay funktionieren.
Kein Kleingeld suchen, kein Bankkarten-Pin, keine Kassenprobleme.
Für uns gehört das digitale Bezahlen mittlerweile völlig selbstverständlich dazu.
Ob Taxi, Supermarkt oder Arztbesuch: wir brauchen nur unser Handy. Bargeld spielt keine Rolle.
Zum Abschied erkläre ich euch noch ein paar praktische Beispiele, wie wir das digitale Bezahlen hier im Alltag tatsächlich nutzen.
1. Bahnfahren mit Alipay
Wenn wir in Peking U-Bahn fahren, brauchen wir kein Ticket kaufen und auch keine Fahrkarte vorher laden. Wir öffnen einfach in Alipay die Funktion: „Transport Code“. Dort wird ein einzelner QR-Code angezeigt, den man am Eingang und Ausgang der Station scannt.
Das System erkennt automatisch, an welcher Station wir eingestiegen und wo wir wieder ausgestiegen sind, und berechnet den passenden Fahrpreis. Der Betrag wird direkt nach der Fahrt in Alipay abgebucht.
2. Taxi fahren mit Didi
Auch beim Taxi fahren nutzen wir ausschließlich digitale Bezahlung. Wenn wir ein Didi (das chinesische Pendant zu Uber) bestellen, wird die Fahrt automatisch mit WeChat Pay oder Alipay verknüpft. Wir steigen einfach ein, fahren los und nach dem Aussteigen betätigen wir den Betrag und bezahlen mit Wechat oder Alipay.
Es gibt keine Diskussion über Wechselgeld, keine Kartenzahlung, die nicht funktioniert. Auch Quittungen können wir digital abrufen, was vor allem bei beruflichen Fahrten super praktisch ist.
Sollte es einmal ein Problem geben (z. B. ein Umweg oder ein technischer Fehler), lassen sich Rückbuchungen ganz einfach über die App anfragen und das Geld landet problemlos wieder im Wallet.
Auch die oftmalige Angst, als Tourist oder „Nicht-Einheimischer“ in touristisch geprägten Regionen vom Taxifahrer über den Tisch gezogen zu werden, ist völlig ausgeschlossen.
China zeigt uns jeden Tag, wie flüssig und intuitiv ein digitales Zahlungssystem sein kann, wenn es wirklich konsequent umgesetzt wird.