Nach einem erfolgreichen Start ins neue Jahr haben wir uns sehr auf die weitere Zeit gefreut. Darauf, unsere Routine wiederzufinden und langsam wieder in den Alltag zurückzukehren.
Nico hat sich besonders über sein neues Dart-Equipment gefreut, inklusive einer neuen Dartscheibe, sodass er endlich auch hier in Peking seinem Hobby nachgehen kann.
Für mich standen neben Urlaubswäsche, direkt einige Termine und Veranstaltungen an. Ein besonderes Highlight war die Verabschiedung der bisherigen Leitung der Frühstücksgruppe, die diese Woche nach Deutschland zurückgekehrt ist. Wir schenkten ihr einen Gutschein für einen Wellnesstag und lösten diesen gemeinsam ein.
Mit fünf Mädels verbrachten wir einen wunderschönen Tag im Hamam. Dabei handelt es sich um ein traditionelles türkisches Bad, das vor allem für seine entspannenden Dampfbäder und Reinigungsrituale bekannt ist. Wir hatten 60-minütige Anwendungen und konnten anschließend den weitläufigen Ruhebereich genießen: von Leseecken über Entspannungslounges bis hin zu Hot-Stone-Räumen. Außerdem gab es ein Restaurant, in dem wir gemeinsam chinesisch gegessen haben, sowie kostenloses Eis, Obst und Getränke. Der Tag war geprägt von langen Gesprächen, viel Lachen und einer sehr entspannten Atmosphäre.

Frühstückstreff im Puzzles
Ein weiterer Höhepunkt der Woche war der erste Frühstückstreff, der in diesem Jahr von uns als neues Dreier-Team im Puzzles ausgerichtet wurde. Dies ist ein europäisches Restaurant, welches von einem deutschen Besitzer in den Hutongs in Peking geführt wird.
Für unseren ersten offiziellen Termin wählten wir ein Menü zum Teilen: frisch geschnittener Serrano-Schinken, Hummus, verschiedene Dips, Gemüse und Käse. Zusätzlich konnte sich jeder eine Hauptspeise aussuchen. Ich entschied mich für ein Spiegelei auf einem Kartoffel-Rösti mit Spinat. Zum Abschluss gab es eine frische und sehr leckere Früchteplatte.



Nach dem Frühstück beschlossen wir gemeinsam, den Weg zum nächsten Treffen zu Fuß zurückzulegen. Etwa eine Stunde spazierten wir durch die Stadt, bevor wir ein letztes Mal vor ihrer Abreise die frühere Leitung der Frühstücksgruppe und mittlerweile eine gute Freundin besuchten. Sie hatte zu einem Farewell-Flohmarkt eingeladen, bei dem wir aus ihren verbliebenen Sachen auswählen konnten, was wir noch gebrauchen konnten.
Wir genossen die letzten gemeinsamen Stunden, erinnerten uns an die schöne Zeit und führten viele Gespräche. Ich bin sehr dankbar für die Zeit mit ihr und dafür, wie herzlich sie mich aufgenommen hat. Umso trauriger war es, dass unsere gemeinsame Reise hier so schnell endete.
Post & Zoll – Erlebnis
Zu meinem Geburtstag und zu Weihnachten bekamen wir zwei Pakete aus Deutschland zugeschickt. Schon der Versand nach Peking war erschreckend teuer und leider lief auch nicht alles reibungslos.
Die Pakete wurden bereits etwa zwei Wochen vor Weihnachten verschickt. Mithilfe der Sendungsnummer konnten wir sie innerhalb Deutschlands über DHL verfolgen und auch in China gab es einen entsprechenden Tracking-Link. Als sie jedoch auch nach Weihnachten noch nicht angekommen waren, machte ich mich selbst auf die Suche nach dem Problem.
Online war zu sehen, dass beide Pakete bereits dem Zoll vorgelegt worden waren. Eines davon wurde relativ schnell freigegeben, also ging ich davon aus, dass es bald zugestellt werden würde. Als es jedoch auch im neuen Jahr noch nicht ankam, bat ich die Rezeption unseres Wohnkomplexes um Hilfe. Sie fanden heraus, dass Zollgebühren fällig waren und bezahlten diese zunächst für mich, sodass ich den Betrag unkompliziert bei ihnen begleichen konnte. Ein großes Glück, denn ohne ihre Unterstützung wäre es deutlich komplizierter gewesen.
Doch was war mit dem zweiten Paket? Der Status hatte sich seit Tagen nicht verändert und lautete weiterhin nur: „In Zollabwicklung“. Auch die Rezeption konnte es nicht lokalisieren. Das Problem: Bei der Sendung war das meine deutsche Telefonnummer hinterlegt war, weshalb ich keine SMS mit Bestätigungscode erhalten konnte und auch online keinen weiteren Status einsehen konnte.
Schließlich sagten sie mir, wo ich persönlich nachfragen müsse und haben mir die Adresse einer Postzentrale. Gleichzeitig wiesen sie mich aber direkt darauf hin, dass dort meist ausschließlich Chinesisch gesprochen wird. Ein kurzer Moment des Zweifelns, aber mein Motto hier lautet inzwischen: Nur Mut gewinnt.
In einer ohnehin vollen Woche entschied ich mich, am Freitag dorthin zu gehen, um genügend Zeit zu haben mich sowohl mental als auch sprachlich darauf vorzubereiten. Ich wiederholte ein paar Vokabeln und übte mir einfache Sätze ein.
Am Tag selbst wurde ich bereits am Eingang von einer Sicherheitsperson abgefangen:
„nǐ xiǎng yào shén me?“
Der Satz kam mir bekannt vor. yào = möchten, ma am Satzende macht eine Frage – also: Was möchten Sie?
Ich erklärte kurz, dass ich ein Paket abholen möchte und wurde in ein Nebenzimmer weitergeschickt.
Dort sprach ich mit einem Postmitarbeiter. Mit meinen vorbereiteten Sätzen kam ich zunächst gut zurecht. Anhand der Sendungsnummer zeigte er mir den Status, ich sah lediglich eine Lagernummer und fragte, ob er mir das Paket nun aushändigen könne. An dieser Stelle reichte unser gemeinsamer Wortschatz jedoch nicht mehr aus, also griffen wir beide zu unseren Übersetzer-Apps.
Er stellte mir viele Fragen: Was ist im Paket? Was hat es gekostet? Woher kommt es?
Am Ende erklärte er mir jedoch, dass er nicht zuständig sei und ich direkt zum Zoll müsse.
Also stellte ich mein Handy auf chinesische Tastatur um und fragte:
„wǒ yào qù nǎlǐ?“ – Wo muss ich hin?
Er tippte mir die Adresse ein und wenig später saß ich wieder im Taxi nach etwa 35 Minuten Fahrt, vorbei an unserer Wohnung, am Ritan Park entlang, bis ans Ende der Straße.
Dort stand ich schließlich vor einem unscheinbaren Gebäude: dem Zollamt.
Innen erwarteten mich vier Schalter mit Mitarbeitenden und eine Frau am Empfang. Zunächst versuchte ich es wieder auf Chinesisch, doch sie sprach zum Glück ganz ordentlich Englisch und bat mich, kurz zu warten.
Nach etwa vier Minuten durfte ich zu einer Mitarbeiterin, diese sprach allerdings ausschließlich Chinesisch. Zum Glück kam die Frau vom Empfang mit, um zu übersetzen. Nun musste ich erklären, warum ich das Paket erhalte, was sich darin befindet und welchen Wert der Inhalt hat. All das musste ich zusätzlich auf einem Formular ausfüllen, dieses war natürlich komplett auf Chinesisch. Der gesamte Vorgang wurde sogar mit einer kleinen Tischkamera aufgezeichnet.
Am Ende musste ich meinen Pass sowie Fotos vom Inhalt kopieren lassen. Ich dachte zunächst: Kein Problem, kurz ins Nebenzimmer, wie so oft in China.
Doch diesmal nicht. Ich musste dafür in einen externen, unabhängigen Copyshop.
Die Mitarbeiterin erklärte mir kurz den Weg, etwa fünf Minuten zu Fuß. Auch dort sprach natürlich niemand Englisch. Kopieren konnte ich zwar noch nicht auf Chinesisch sagen, aber was macht man sonst in einem Copyshop? Ich hielt einfach meinen Pass hin. Er fragte: in Farbe ? – ein Wort, das ich zum Glück kannte. Danach zeigte ich ihm das Foto auf meinem Handy. Er verwies mich auf einen QR-Code, über den ich ihm das Bild per WeChat schickte. Wenige Sekunden später war alles ausgedruckt. Bezahlt habe ich ebenfalls per Handy umgerechnet etwa 40 Cent.
Zurück beim Zoll gab ich alle Unterlagen ab. In der Zwischenzeit wurde berechnet, ob Zollgebühren anfallen würden. Da der Warenwert unter 45 Euro lag, musste ich nichts bezahlen. Man verabschiedete sich freundlich und versicherte mir, dass das Paket nun innerhalb von sieben Tagen zugestellt wird.
Eine schöne Geste und letztlich ein gutes Ende, aber alles in allem war der gesamte Prozess sehr teuer, zeitaufwendig und deutlich komplizierter, als man es gedacht hätte.
Spontaner Kinoabend in Peking
Am Samstag entschieden wir uns spontan, noch ins Kino zu gehen – genauer gesagt hatte Nico Lust darauf. Als ich ihn fragte, was denn aktuell läuft, meinte er nur ganz begeistert: Der neue Avatar!
Also machte er sich direkt auf die Suche nach einem Kino, in dem der Film auf Englisch gezeigt wird und buchte die Tickets kurzerhand online.
Am Abend machten wir uns gegen 18:30 Uhr auf den Weg, um die Tickets abzuholen und uns mit Popcorn einzudecken. Im Kino angekommen fiel uns direkt auf, wie digitalisiert hier alles abläuft: Es gibt kaum noch Mitarbeitende. Lediglich an den Essensständen für Popcorn und Getränke ist Personal vor Ort. Klassische Ticketschalter existieren nicht mehr. Stattdessen geht man zu einem Automaten, scannt den QR-Code der Onlinebuchung und bekommt dort seine Tickets ausgedruckt – ebenfalls wieder mit QR-Code, der später für den Einlass benötigt wird.
Beim Popcorn half dann wie so oft: zeigen statt sprechen. Das passende Wort kannten wir leider nicht, aber auch so kommt man hier erstaunlich gut durchs Leben.
Etwa zehn Minuten vor Filmbeginn wurde der Einlass geöffnet. Die Tickets wurden gescannt, wir gingen durch eine elektronische Schranke und konnten uns am Eingang noch eine 3D-Brille nehmen. Vor dem Film liefen einige chinesische Werbespots und wir waren kurz etwas nervös, ob der Film wirklich auf Englisch sein würde. Die ersten zwei Sätze klangen etwas ungewohnt, sodass wir kurz dachten: Oh nein, doch Chinesisch?
Zum Glück stellte sich schnell heraus, dass der Film tatsächlich auf Englisch war und die anfängliche Verwirrung lag wohl eher an der Soundkulisse und den fliegenden Avataren.
Der Film selbst hat uns sehr gut gefallen. Wieder einmal ein typischer Avatar-Film, der nicht nur visuell beeindruckt, sondern auch zum Nachdenken anregt.
Als wir nach dem Film aus dem Kino kamen und uns ein Didi rufen wollten, stellten wir überrascht fest, dass es angefangen hatte zu schneien. Ein unerwarteter, aber wunderschöner Abschluss des Abends und gleichzeitig eine perfekte Einstimmung auf den nächsten Tag.




Immortal Valley Loop – Winterwanderung in der Miyun-Region
Am Sonntag haben wir uns erneut für eine Wanderung entschieden, denn auch im Winter gibt es rund um Peking beeindruckende Naturerlebnisse zu entdecken. Unser Ziel war das Immortal Valley – ein Tal voller Wasserfälle, natürlicher Pools und weiter Bergpanoramen. Gerade in der kalten Jahreszeit zeigt sich die Landschaft hier von einer ganz besonderen Seite: Viele Wasserfälle sind zu Eis gefroren und bilden faszinierende, fast schon magische Formen.
Nach rund zwei Stunden Fahrt aus der Stadt erreichten wir den Startpunkt der Tour auf etwa 225 Metern Höhe. Der erste Teil der Route führte durch einen schattigen Park, in dem große Laubbäume den Weg säumen. Ein eingefrorenen Bach schlängelt sich zwischen riesigen Granitblöcken hindurch, sammelt sich in natürlichen Becken und stürzt schließlich in mehreren Wasserfällen bis zu zwanzig Meter in die Tiefe. Besonders im Winter sind diese gefrorenen Kaskaden ein beeindruckender Anblick und ein echtes Highlight. Nach etwa zwanzig Minuten auf dem Parkweg ging es über eine steile Treppe hinauf zu einem Aussichtspunkt am ersten großen Wasserfall.





Weiter führte uns der Weg tiefer ins Tal, vorbei an kleinen Pools, Höhlen und schattigen Passagen, bis wir den schmalen Talweg erreichten, der stetig bergauf verläuft. Schritt für Schritt gewannen wir an Höhe, bis wir schließlich den höchsten Punkt der Wanderung auf rund 785 Metern erreichten. Dort legten wir eine gemütliche Mittagspause ein und genossen die Aussicht: Auf der einen Seite öffnete sich der Blick in ein tief eingeschnittenes Flusstal, auf der anderen glitzerte der Miyun-Stausee in der Wintersonne, umrahmt von Bergen, die sich bis zum Horizont erstreckten.
Der Abstieg führte uns auf einem anderen Weg über einen Bergrücken. Unter riesigen Felsen hindurch wanderten wir durch kleine Wälder aus Kastanien-, Kiefern- und wilden Aprikosenbäumen. Die Landschaft wechselte ständig: von felsigen Passagen zu ruhigen Waldabschnitten, von stillen Pools zu weiten Aussichtspunkten. Schließlich trafen wir wieder auf den Parkweg, der uns zurück zum Parkplatz brachte.






Insgesamt waren wir etwa vier bis fünf Stunden unterwegs und legten rund 16 Kilometer zurück. Das Immortal Valley ist ein echtes Winterabenteuer: gefrorener Bach, gefrorene Wasserfälle, stille Wälder und weite Panoramen über Täler, Berge und den Stausee. Ein perfekter Sonntag, um die Natur rund um Peking von einer ganz neuen, ruhigen und eindrucksvollen Seite zu erleben.