Straßenverkehr

Bevor wir nach China gezogen sind, haben uns viele gesagt: „Der Verkehr wird euch schocken so laut, chaotisch, gefährlich und die Luft ist dadurch total verschmutzt.“

Dementsprechend gespannt war ich, als wir am ersten Tag nach unserer Landung ins Taxi stiegen.

Ich saß dort, schaute aus dem Fenster und beobachtete jede Bewegung ganz genau. Autos, Roller, Fahrräder und Fußgänger alles schien sich gleichzeitig zu bewegen. Im ersten Moment wirkte es tatsächlich etwas chaotisch. Jeder fuhr, lief oder bog irgendwie und ich fragte mich kurz, wie das überhaupt funktionieren kann.

Und dann kam der Moment, den wahrscheinlich jeder kennt, der zum ersten Mal hier ist:

Als ich das erste Mal eine Straße in Peking überqueren wollte, stand ich da und dachte mir: Wie soll ich hier bitte rüberkommen?

Doch je länger man hinschaut, desto mehr merkt man: Es ist kein echtes Chaos, sondern eher ein „geordnetes Chaos“.

Was mich außerdem überrascht hat, dass der Verkehr gar nicht so laut ist, wie ich erwartet hatte. Ja, es wird viel gehupt, aber eher um auf sich aufmerksam zu machen, nicht aus Aggression. Viele Fahrzeuge, vor allem Roller und Autos, sind mittlerweile elektrisch unterwegs, was den gesamten Geräuschpegel deutlich reduziert.

Alles ist ständig in Bewegung, doch irgendwie fließt es. Es gibt eine Dynamik, an die man sich erst gewöhnen muss, die aber nach und nach Sinn ergibt.

Mittlerweile leben wir seit sechs Monaten hier und haben den Verkehr aus ganz unterschiedlichen Perspektiven erlebt: als Fußgänger, als Fahrradfahrer und auch mit dem Taxi (Didi).

Was anfangs ungewohnt und leicht überwältigend wirkte, ist für mich inzwischen fast schon normal geworden. Trotzdem gibt es einige Besonderheiten und Unterschiede, die den Straßenverkehr in Peking wirklich einzigartig machen und genau die möchte ich euch in diesem Beitrag zeigen.

Die Verkehrslandschaft einer Megastadt

Wer den Verkehr in Peking wirklich verstehen möchte, muss sich zunächst die Dimensionen der Stadt vor Augen führen. Mit über 20 Millionen Einwohnern gehört die Stadt zu den größten Metropolen der Welt und entsprechend hoch ist das Verkehrsaufkommen.

Täglich sind Millionen Autos, unzählige E-Scooter, Fahrräder, Busse und Taxis gleichzeitig unterwegs. Trotzdem wirkt das System erstaunlich selten komplett außer Kontrolle.

Ein großer Grund dafür ist die beeindruckende Infrastruktur. Die Straßen in Peking sind extrem breit, oft mit mehreren Spuren pro Richtung. Besonders typisch sind die sogenannten Ringstraßen: große Verkehrsadern, die sich kreisförmig um die Stadt ziehen und verschiedene Stadtteile miteinander verbinden. Je weiter man sich nach außen bewegt, desto größer werden diese Ringe.

Zusätzlich gibt es klar getrennte Bereiche für unterschiedliche Verkehrsteilnehmer: eigene Busspuren für den öffentlichen Nahverkehr breite Fahrradwege, die oft stark genutzt werden separate Bereiche für E-Scooter und Roller

Gerade diese Aufteilung sorgt dafür, dass der Verkehr trotz der hohen Dichte vergleichsweise flüssig bleibt.

Was ebenfalls eine große Rolle spielt, ist die starke Digitalisierung und Überwachung des Verkehrs.

Diese Kombination aus Infrastruktur, Technologie und Flexibilität macht das System so besonders.

Ringstraßensystem
Straßenverkehr von oben

Verkehrsregeln & deren Umsetzung

Wenn man sich den Verkehr in Peking anschaut, kann man sich schwer vorstellen das es hier überhaupt feste Verkehrsregeln gibt. Doch auch hier gibt es Vorschriften, sie werden nur anders gelebt als bei uns in Deutschland.

Grundsätzlich gilt auch hier ein festes Verkehrssystem mit Ampeln, Zebrastreifen und klaren Vorschriften. Ein Beispiel, das vielen sofort auffällt: Rechtsabbiegen bei Rot ist immer erlaubt, wenn es kein Schild aktiv verbietet. Das bedeutet, dass Autos auch dann weiterfahren dürfen, wenn für Fußgänger eigentlich Grün ist. Man muss also beim Überqueren immer aufmerksam bleiben und kann sich nicht blind auf die Ampel verlassen.

Ein weiterer Unterschied, der einem direkt ins Auge fällt, ist die Position der Ampeln. In Peking befinden sie sich meist auf der gegenüberliegenden Seite der Kreuzung. Anders als in Deutschland hängen sie also nicht direkt an der Haltelinie, sondern weiter vorne im Sichtfeld. Das sorgt dafür, dass man sie auch bei dichtem Verkehr oder mit größeren Fahrzeugen vor sich deutlich besser erkennen kann.

Rechts vor links, spielt außerdem kaum eine Rolle. Der Verkehr wird hauptsächlich durch Ampeln und Schilder geregelt. Ohne klare Regel gilt oft: Der Stärkere fährt zuerst. Auch die Spurdisziplin ist deutlich lockerer. Spurwechsel passieren spontan, häufig und oft ohne Blinker.

Rollerfahrer haben grundsätzlich eigene Spuren oder müssen auf der Straße fahren. Doch in der Realität ist dies leider meist nicht der Fall, sie fahren wann und wo sie möchten. Mit einem Roller muss man immer rechnen auf der Straße, der Fahrradspur und auch auf dem Fußgängerweg.

Offiziell gibt es eine Helmpflicht für Rollerfahrer, vor allem für bestimmte Fahrzeugtypen. In der Praxis sieht man aber sehr viele Fahrer und vor allem Mitfahrer ohne Helm. Besonders bei kurzen Strecken wird das oft nicht so streng genommen.

Auch das Verhalten an Zebrastreifen unterscheidet sich deutlich. Während in Deutschland Fußgänger meist automatisch Vorrang haben und Autos anhalten, funktioniert das hier eher nach dem Prinzip: Wer sich traut, geht.

Das selbe gilt für die Fußgängerampeln. Theoretisch geben sie klare Vorgaben, aber praktisch werden sie nicht immer strikt befolgt. Viele Menschen gehen auch bei Rot, wenn gerade kein Verkehr kommt.

Autos bremsen zwar oft ab, aber man sollte immer aktiv schauen, sich bemerkbar machen und den Moment selbst einschätzen.

Das führt zu einem generellen Unterschied:

In Deutschland verlässt man sich stark auf Regeln. In Peking verlässt man sich eher auf Aufmerksamkeit und gegenseitiges „Lesen“ im Verkehr.

Eine Regel ist jedoch strenger als in Deutschland, denn bei Alkohol am Steuer kann einem sogar eine Gefängnisstrafe drohen. ab 0,2 Promille ist es bereits eine Ordnungswidrigkeiten und ab 0,8 Promille eine Straftat.

Rechtsabbieger und grüne Fußgängerampel
Überqueren einer Kreuzung

Verkehrsteilnehmer im Alltag

Der Verkehr in lebt hier vor allem durch die vielen unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer und genau dieses Zusammenspiel macht ihn so besonders. Jede Gruppe hat dabei ihre eigenen „Regeln“ und Verhaltensweisen.

Autos sind natürlich ein großer Teil des Verkehrsbildes. Gerade zu Stoßzeiten kommt es häufig zu Staus, besonders auf den großen Ringstraßen. Auch Parkplätze sind in vielen Gegenden Mangelware, weshalb oft kreativ geparkt wird.

Ein spannender Punkt ist die Kennzeichenregelung: In Peking bekommt man ein Nummernschild nicht einfach so, sondern über eine Art Lotteriesystem. Dadurch soll die Anzahl der Autos begrenzt werden. Außerdem gibt es Nummernschilder mit denen Autos an bestimmten Tagen nicht fahren dürfen.

Auffällig ist außerdem der hohe Anteil an Elektroautos. Diese sind nicht nur leiser unterwegs, sondern werden auch staatlich gefördert, was sie besonders attraktiv macht. Im dichten Stadtverkehr fahren viele Autofahrer sehr aufmerksam, reagieren schnell und passen sich ständig an die Situation an.

Roller- und E-Bike-Fahrer prägen das Straßenbild wahrscheinlich am meisten. E-Scooter und E-Bikes sind überall und oft auch schneller, als man denkt.

Sie nutzen in der Regel die Fahrradwege, fahren aber auch mal auf dem Gehweg oder wenn es schneller geht entgegen der Fahrtrichtung. Für Außenstehende wirkt das erstmal chaotisch, ist hier aber fast schon normal.

Besonders präsent sind die vielen Lieferdienste wie Meituan. Die Fahrer stehen oft unter Zeitdruck und bewegen sich entsprechend schnell und effizient durch den Verkehr. Mit großen Boxen auf dem Rücken oder am Roller gehören sie fest zum Stadtbild.

Fahrräder erleben in Peking seit einigen Jahren ein echtes Comeback, vor allem durch die vielen Leihfahrradsysteme.

Über Apps kann man sich überall unkompliziert, kostengünstig, schnell ein Fahrrad leihen und es an nahezu jeder Straßenecke wieder abstellen.

Die Fahrradwege sind meist breit und gut ausgebaut, oft sogar baulich von der Straße getrennt. Trotzdem gibt es auch hier Herausforderungen: Viele unterschiedliche Geschwindigkeiten (vom gemütlichen Fahrer bis zum schnellen E-Bike) treffen aufeinander und Helme tragen die wenigsten.

Auch als Fußgänger wird man schnell Teil dieses dynamischen Systems. Ampeln und Zebrastreifen sind zwar vorhanden, aber man kann sich nicht immer komplett darauf verlassen.

Gerade an großen Kreuzungen treffen oft mehrere Verkehrsarten gleichzeitig aufeinander – Autos, Roller, Fahrräder und Menschen. Hier ist Aufmerksamkeit das Wichtigste.

In vielen Bereichen gibt es auch Fußgängerzonen oder Unterführungen, die das Überqueren erleichtern sollen. Trotzdem gilt: Man bewegt sich aktiv mit und wartet nicht einfach nur darauf, dass alles stehen bleibt.

Öffentlicher Verkehr

Ein ganz entscheidender Faktor, warum der Verkehr in Peking trotz der enormen Größe der Stadt überhaupt funktioniert, ist der öffentliche Nahverkehr. Ohne ihn würde das gesamte System vermutlich schnell an seine Grenzen kommen.

Das Herzstück ist dabei die Metro. Das U-Bahn-Netz in Peking gehört zu den größten der Welt und wird täglich von Millionen Menschen genutzt. Die Züge fahren im Minutentakt, sind zuverlässig, vergleichsweise günstig und decken nahezu die gesamte Stadt ab. Gerade für längere Strecken ist die Metro oft die schnellste und stressfreieste Option.

Ergänzt wird das Ganze durch ein dichtes Busnetz. Busse fahren nahezu überall hin, auch in Bereiche, die nicht direkt an die Metro angebunden sind. Besonders praktisch: In vielen Fällen gibt es eigene Busspuren, sodass sie sich nicht komplett im Autoverkehr „festfahren“.

Neben dem klassischen ÖPNV spielen auch Taxis und vor allem Didi eine große Rolle. Didi ist im Prinzip das chinesische Pendant zu Uber und aus dem Alltag kaum wegzudenken. Mit wenigen Klicks kann man sich ein Auto bestellen, den Preis vorher sehen und wird zuverlässig von A nach B gebracht. Gerade für kürzere Strecken oder wenn man spät abends unterwegs ist, ist das oft die bequemste Lösung.

Was den Verkehr in Peking besonders macht, ist die Kombination aus öffentlichem Verkehr und sogenannter Mikromobilität. Viele Menschen fahren zum Beispiel mit dem Fahrrad oder E-Scooter zur nächsten Metrostation, steigen dort in die Bahn und legen den Rest des Weges wieder mit einem Leihfahrrad zurück.

Diese Kombination sorgt dafür, dass deutlich weniger Menschen auf das eigene Auto angewiesen sind. Und genau das entlastet den Straßenverkehr enorm.

Besondere Akteure im Straßenverkehr

Neben den „klassischen“ Verkehrsteilnehmern gibt es in Peking noch einige besondere Akteure, die im Alltag eine wichtige und oft unterschätzte Rolle spielen.

Was mir relativ schnell aufgefallen ist: Die Müllabfuhr funktioniert hier ganz anders als in vielen europäischen Städten.

Statt großer Müllwagen sieht man häufig kleine elektrische Fahrzeuge, die leise durch die Straßen fahren. Gerade in Wohnanlagen oder kleineren Gassen sind diese viel praktischer unterwegs als große LKWs.

Oft sind sie mehrmals täglich im Einsatz, sammeln Müll direkt vor Ort ein oder transportieren ihn zu zentralen Sammelstellen.

Ein riesiger Bestandteil des Verkehrs sind die vielen Lieferdienste. Pakete, Essen, Getränke gefühlt wird hier alles jederzeit geliefert.

Die Logistik dahinter ist beeindruckend:

Selbst enge Gassen oder Wohnkomplexe werden problemlos erreicht, meist mit kleinen E-Rollern oder kompakten Transportfahrzeugen. Große Lieferwagen sieht man zwar auch, aber deutlich seltener im direkten Wohnumfeld.

Gerade in Stoßzeiten hat man das Gefühl, dass ein Großteil des Verkehrs aus Lieferfahrern besteht, die sich effizient und oft sehr schnell durch die Stadt bewegen.

Zudem ist Peking eine Stadt, die sich ständig weiterentwickelt. Baustellen gehören daher ganz selbstverständlich zum Stadtbild.

Interessant ist, dass viele Bau- und Transportarbeiten in die Nacht verlegt werden, um den Verkehr am Tag nicht zusätzlich zu belasten. Große LKWs oder schwerer Bauverkehr sind daher oft eher abends oder nachts unterwegs.

Teilweise gibt es sogar spezielle Zeitfenster, in denen bestimmte Fahrzeuge überhaupt erst in die Stadt fahren dürfen.

Auch Rettungswagen oder Feuerwehrfahrzeuge sind natürlich regelmäßig unterwegs.

Sobald ein Einsatzfahrzeug mit Sirene kommt, wird in der Regel Platz gemacht, allerdings nicht immer so klar und strukturiert wie in Deutschland. Es entsteht eher eine Art „fließende Gasse“, bei der sich alle langsam zur Seite bewegen, statt einer perfekt gebildeten Rettungsgasse.

Nicht alles ist streng geregelt oder perfekt organisiert, vieles ist praktisch gedacht, flexibel umgesetzt und erstaunlich effizient im Alltag.

Technologische Besonderheiten

Was den Verkehr in Peking wirklich von vielen anderen Städten unterscheidet, ist der enorme Einsatz von Technologie. Vieles läuft im Hintergrund und genau das sorgt dafür, dass dieses scheinbar „chaotische“ System überhaupt so gut funktioniert.

An vielen großen Kreuzungen kommen inzwischen intelligente Verkehrssysteme zum Einsatz. Diese analysieren in Echtzeit, wie viele Autos, Roller oder Fußgänger unterwegs sind, und passen die Ampelphasen entsprechend an.

Wenn eine Richtung besonders stark ausgelastet ist, bekommt sie automatisch länger Grün. Dadurch wird der Verkehrsfluss optimiert, ohne dass jemand manuell eingreifen muss.

Es gibt sowohl für Fußgänger als auch motorisierte Verkehrsteilnehmer Ampeln mit Cowntdown. Sowohl wie lange die Ampel noch rot ist, aber auch wie lange sie noch grün ist. Gerade zu Fuß finde ich es praktisch, da man besser einschätzen kann ob ,an die Straße noch überqueren kann.

Technologie wird auch konsequent zur Überwachung eingesetzt. An einigen Kreuzungen gibt es Systeme, die Rotlichtverstöße von Fußgängern erkennen, teilweise sogar mit Gesichtserkennung. Wer bei Rot über die Straße geht, kann erfasst und identifiziert werden. In manchen Fällen werden die Bilder sogar öffentlich angezeigt. Die Polizei ist im Straßenverkehr zwar präsent, greift aber im Alltag weniger aktiv ein, als man es vielleicht aus Europa kennt. Vieles läuft automatisiert im Hintergrund.

Auch für Autofahrer gilt: Verstöße wie zu schnelles Fahren oder das Überfahren roter Ampeln werden automatisch registriert und geahndet.

Apps spielen ebenfalls eine zentrale Rolle im Alltag. Mit Baidu Maps kann man nicht nur navigieren, sondern auch Staus in Echtzeit sehen und alternative Routen planen.

Auch Bußgelder und Verkehrsverstöße werden häufig digital abgewickelt. Informationen dazu erscheinen direkt in entsprechenden Apps oder Systemen – schnell, transparent und ohne großen Papieraufwand.

All diese Technologien sorgen dafür, dass der Verkehr in Peking trotz seiner Größe erstaunlich effizient bleibt.

Man merkt schnell: Hier wird nicht nur reagiert, hier wird aktiv gesteuert, analysiert und optimiert.

Und genau das ist vielleicht der größte Unterschied:

Der Verkehr funktioniert nicht nur durch Menschen, sondern zu einem großen Teil auch durch Technologie im Hintergrund.

Peking investiert stark in neue Technologien und Verkehrskonzepte.

Ein spannender Bereich sind autonome Fahrzeuge, die bereits getestet werden und schon am Verkehr teilnehmen.

Ziel ist es, den Verkehr noch effizienter und sicherer zu machen. Auch smarte Verkehrsleitsysteme werden weiterentwickelt: Noch genauere Datenauswertung, bessere Verkehrssteuerung in Echtzeit und eine stärkere Vernetzung aller Verkehrsteilnehmer könnten in Zukunft eine noch größere Rolle spielen.

Umwelt & Zukunft

Wenn man über den Verkehr in Peking spricht, kommt man am Thema Umwelt nicht vorbei. Gerade die Luftqualität war lange eines der größten Probleme der Stadt und wurde oft direkt mit dem Verkehr in Verbindung gebracht.

Früher galten dichter Smog, schlechte Sicht und hohe Feinstaubwerte als Alltag. Auch heute gibt es noch Tage mit schlechter Luft, aber insgesamt hat sich in den letzten Jahren bereits einiges verbessert.

Der Verkehr ist neben Industrie und Energieerzeugung ein wesentlicher Faktor für Emissionen. Millionen Fahrzeuge täglich hinterlassen natürlich ihre Spuren.

Die Stadt hat in den letzten Jahren viele Maßnahmen ergriffen, um die Belastung zu reduzieren:

Förderung von E-Mobilität: Elektroautos bekommen Vorteile bei der Zulassung und sind im Stadtbild allgegenwärtig. Ein großer Teil der Autos, Roller und Busse fährt mittlerweile elektrisch. Das reduziert nicht nur Lärm, sondern auch Emissionen im Stadtverkehr.

Kennzeichen-Regulierung: Durch das Lotteriesystem wird die Anzahl neuer Fahrzeuge begrenzt.

Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs: Metro und Busse werden kontinuierlich erweitert, um Alternativen zum Auto attraktiver zu machen.

Verlagerung von Verkehr: Schwerer Verkehr wird teilweise in Randzeiten oder in die Nacht verschoben.

Diese Maßnahmen zeigen Wirkung, auch wenn das Thema Luftqualität weiterhin präsent bleibt.

Man merkt, dass sich hier gerade etwas verändert. Der Verkehr ist nicht statisch, sondern entwickelt sich ständig weiter.

Peking versucht aktiv, die Balance zu finden zwischen einer riesigen, dynamischen Stadt und dem Wunsch nach besserer Lebensqualität.

Und genau deshalb ist der Verkehr hier nicht nur eine Herausforderung, sondern auch ein Blick in die Zukunft moderner Städte.

Malaysia Teil 2 – Pferde, Kreativität & Shopping

Ankunft an unserem Ziel für die nächsten 10 Tage: Cherating. Das kleine Küstendorf liegt im Bundesstaat Pahang an der Ostküste der malaiischen Halbinsel, direkt am Südchinesischen Meer.

Cherating gilt als einer der ältesten Backpacker- und Strandorte an dieser Küste. Schon in den 1970er-Jahren wurde der Ort von Reisenden entdeckt und hat sich bis heute seinen ursprünglichen Charme bewahrt. Hier geht alles etwas langsamer, ruhiger und authentischer zu als in vielen anderen touristischen Orten Südostasiens.

Besonders bekannt ist der Ort für seine langen Sandstrände, das warme Meer und die umliegende Natur. In der Nähe befinden sich Mangrovenwälder, Flusslandschaften und kleine Dschungelgebiete, in denen man mit etwas Glück sogar Tiere wie Affen, Warane oder Meeresschildkröten entdecken kann.

Tatsächlich befindet sich hier auch eines der wichtigsten Schutzprogramme für Schildkröten in Malaysia.

Grob lässt sich Cherating in zwei Bereiche unterteilen:

Old Town ist der ursprüngliche Teil des Ortes. Hier findet man kleine lokale Restaurants, einfache Unterkünfte, ein paar Shops und diese ganz typische, leicht verschlafene Atmosphäre. Alles wirkt authentisch, wenig inszeniert und genau das macht den Charme aus.

New Town hingegen ist etwas moderner geprägt. Hier gibt es größere Resorts, Cafés und touristischere Angebote. Trotzdem bleibt auch dieser Teil im Vergleich zu vielen anderen Orten in Südostasien angenehm ruhig und unaufgeregt.

Unser persönlicher Lieblingsort wurde schnell ein kleines Café: das OMBOK Café. Egal ob Frühstück, Lunch oder Kaffee zwischendurch, wir waren gefühlt ständig dort. Gute Atmosphäre, leckeres Essen und einfach ein Ort, an dem man gerne bleibt.

Unsere Unterkunft

Für uns war von Anfang an klar: Die Unterkunft musste nah am Stall sein, schließlich war das Reiten unser Hauptgrund, hierherzukommen.

Normalerweise wohnen Anna und ihr Vater direkt am Stall und am Meer, aber diese Unterkunft wurde gerade renoviert. Deshalb haben wir über Kontakte eine Alternative organisiert.

Die ersten zwei Nächte verbrachten wir in einem kleinen Doppelhäuschen: links Anna und ich, rechts ihr Vater.

Sehr einfach, aber absolut ausreichend.

Ein kleines Highlight war unser täglicher Besucher auf unserer Veranda: ein Hauskater, der scheinbar beschlossen hatte, dass wir jetzt zu ihm gehören. Er kam jeden Tag vorbei, ließ sich ausgiebig kraulen und machte es sich ganz selbstverständlich bei uns gemütlich.

Zusätzlich liefen am ersten Tag sogar zwei kleine Ziegenbabys über das Grundstück. Spätestens da war klar: Das hier ist kein touristischer Ort, sondern echtes lokales Leben.

Die Lage war super: etwa 1 Minute mit dem Auto zum Stall. Zum Meer waren es eigentlich auch nur wenige Minuten, allerdings trennte uns ein Zaun vom direkten Zugang, weshalb wir etwa 5 Minuten zu Fuß laufen mussten.

Nach zwei Nächten zogen wir in ein Haus schräg gegenüber und das hat sich definitiv gelohnt.

Zwei Schlafzimmer, zwei Badezimmer, Wohnzimmer, kleiner Pool, Outdoor-Küche, großer Tisch, Veranda, Leinwand und sogar ein Carport fürs Auto.

Insgesamt war diese Unterkunft genau das, was wir für die nächsten Tage brauchten: entspannt, praktisch gelegen und mit genug Platz, um sich zwischendurch auch mal zurückziehen zu können.

Tagesbeschäftigungen

Ein fester Bestandteil unserer Tage wurde auch ziemlich schnell das Muschelsammeln am Strand. Malaysia hat wirklich mit Abstand die schönsten und vielfältigsten Muscheln, die ich bisher gesehen habe.

Fast jeden Tag gingen wir etwa eine Stunde an den Strand, meist am Nachmittag. Unsere Sachen lagerten wir immer in einem verlassenen Boot am Strandanfang und liefen dann im Bikini los.

Einmal kamen wir zurück und plötzlich stand eine ganze Herde Kühe rund um unser „Umkleide-Boot“. Also hieß es: warten, bis die Herrschaften weiterziehen. Ein Moment, der einfach perfekt zu diesem Ort passt.

Nach ein paar Tagen wurden die Muscheln allerdings weniger gut. Also dachten wir: Vielleicht müssen wir früher gehen. Gesagt, getan – wir gingen mittags los.

Ergebnis: keine besseren Muscheln, aber verbrannte Füße.

Ein weiteres Highlight war unser spontaner Kreativ-Tag. Nach dem Frühstück im OMBOK Café entdeckten wir einen kleinen Laden mit Schmuck, Kleidung, Accessoires und die Möglichkeit, selbst etwas zu gestalten.

Spontan entschieden wir uns, Armbänder zu machen. Ich wollte eines passend zu meinen Ketten gestalten, während Anna sich für eine sommerliche Fußkette entschied.

Die Besitzerin war skeptisch gegenüber unseren Ideen, aber wir haben sie trotzdem durchgezogen. Und am Ende sind sie genau so geworden, wie wir es wollten.

Leider hatte der Laden danach wegen Hari Raya mehrere Tage geschlossen, sonst wären wir definitiv nochmal hingegangen.

Cherating ist außerdem bekannt für seine vielen Batik-Läden. Allerdings hatten wir keine Lust auf die typischen Touristen-T-Shirts in XL. Also entschieden wir uns kurzerhand, selbst weiße Kleidungsstücke zu kaufen.

Am Abend gingen wir dann nach dem Essen durch die Stadt und fragten in verschiedenen Läden nach. Der erste hatte wegen Hari Raya (dem Ende des Ramadan) bereits geschlossen. Der zweite war zwar offen, bot aber nur klassische Öl-Batik auf Leinwänden an und keine Kleidung.

Zum Glück bekamen wir dort aber einen Tipp und kontaktierten einen anderen Anbieter über Instagram und vereinbarten einem Termin.

Am nächsten Tag wollten wir um 13 Uhr starten, allerdings kam unsere Ansprechpartnerin erstmal 30 Minuten zu spät. Pünktlichkeit wird hier… sagen wir mal, etwas entspannter gesehen.

Dann stellte sich zudem heraus: Unsere Shirts mussten erstmal gewaschen werden. Das erledigte sie kurzerhand in etwa 20 Minuten, während wir uns schon einmal für Farben und Technik entschieden.

Als Technik wählten wir eine klassische Tie-Dye-Technik: Stoff knüllen, mit Gummibändern abbinden und anschließend mit Farbe gestalten.

Danach hieß es warten. Die Shirts mussten einen ganzen Tag trocknen, bevor wir sie am nächsten Tag geöffnet werden.

Die Tops sind nicht so knallig wie erwartet, aber wir sind beide trotzdem zufrieden. Es sind echte Unikate geworden und gleichzeitig eine richtig schöne Erinnerung an die gemeinsame Zeit.

Ganz ohne Bewegung ging es für uns natürlich auch nicht. Allerdings stellte sich das mit dem Sport anfangs etwas schwieriger heraus als gedacht wegen des Ramadans.

Als wir das erste Mal gegen 11 Uhr morgens zu einem Fitnessstudio fahren wollten, standen wir vor verschlossenen Türen. Nicht nur das Studio war geschlossen, sondern auch die umliegenden Läden alles wirkte wie ausgestorben.

Also fuhren wir weiter zum nächsten Studio, in der Hoffnung, dort mehr Glück zu haben. Doch auch dort: absolute Ruhe, keine Menschenseele weit und breit.

Irgendwann mussten wir uns eingestehen: Das wird heute nichts mehr. Also ging es wieder zurück nach Hause.

Anna schrieb daraufhin ein paar Studios direkt über Instagram an und tatsächlich bekamen wir so die zuverlässigeren Öffnungszeiten heraus.

Bei den nächsten Versuchen klappte es dann auch deutlich besser. Wir konnten entspannt trainieren, meist in angenehm ruhiger Atmosphäre, da insgesamt weniger los war.

Zwischendurch zog es uns auch einmal raus aus dem eher ruhigen Cherating, da Annas Vater etwas bei einem Geschäft abholen wollte. Deshalb machten wir uns auf den Weg nach Kuantan.

Kuantan ist die Hauptstadt des Bundesstaates Pahang und mit rund 500.000 Einwohnern eine der größeren Städte an der Ostküste Malaysias. Im Vergleich zu Kuala Lumpur ist sie zwar deutlich entspannter, aber trotzdem merkt man sofort den Unterschied zu den kleineren Küstenorten. Hier ist mehr los, moderner, lebendiger und es gibt große Shopping-Malls.

Wir verbrachten den Großteil des Tages in verschiedenen Einkaufszentren, allen voran in der East Coast Mall. Dort gab es alles, was man sich vorstellen kann: internationale Marken, lokale Shops, Food Courts und Cafés.

Unsere Hauptbeschäftigung war, wie viele von euch schon richtig vermutet haben die Pferde und das Reiten.

Anna kommt seit über zehn Jahren jedes Jahr nach Cherating und reitet dort bei einem Endurance-Stall. Für sie ist dieser Ort also längst ein Stück Zuhause geworden und ich durfte nun auch ein Teil davon sein.

Beim Endurance-Reiten (auch Distanzreiten genannt) geht es nicht um Geschwindigkeit auf kurzer Strecke, sondern um Ausdauer, Vertrauen und das richtige Tempo über lange Distanzen. Je nach Wettbewerb legen die Pferde zwischen 40 und 160 Kilometer an einem einzigen Tag zurück. Dabei gibt es regelmäßige Tierarztkontrollen, um sicherzustellen, dass es den Pferden gut geht und sie fit genug sind, weiterzulaufen.

Der Stall „Penn Endurance“ liegt direkt an der Küste, am endlos wirkenden Strand von Cherating.

Über Nacht stehen die Pferde in Boxen, aber tagsüber sind sie einfach frei. Keine Koppeln, keine Zäune, keine Begrenzungen.

Die Pferde bewegen sich selbstständig über das Gelände, stehen am Strand, grasen auf den Wiesen oder dösen im Schatten. Es war unglaublich schön zu sehen, wie zufrieden sie wirken.

In diesem Stall stehen etwa 30 Pferde, hauptsächlich Araber Pferde oder Araber-Mischlinge und das aus gutem Grund.

Araber sind unglaublich ausdauernd, hitzeresistent und haben ein sehr effizientes Herz-Kreislauf-System. Genau deshalb eignen sie sich perfekt für lange Strecken und warme Klimazonen.

Gleichzeitig sind sie aber auch sensibel, aufmerksam und oft sehr fein in der Kommunikation. Sie reagieren schnell, sind wach und verzeihen Unsicherheit nicht einfach. Man muss klar, ruhig und präsent sein. Doch wenn man sich auf sie einlässt, dann bekommt man auch unglaublich viel zurück.

Vor unserem ersten Ausritt war ich ehrlich gesagt etwas aufgeregt. Ich kannte die Videos von Anna und wusste diese Pferde sind schnell. Zudem hatte ich letztes Jahr eine eher unschönen Erfahrung bei einem Strandausritt in den Niederlanden. Dort wurden viele unerfahrene Reiter einfach auf Pferde gesetzt, was am Ende zu einer Massenpanik geführt hatte.

Hier fühlte sich aber von Anfang an alles anders an. Am Stall angekommen standen bereits vier Pferde bereit. Zwei Männer kümmerten sich um die Vorbereitung.

Dann wurde es ernst „This is yours – come with me.“ Mir wurde eine kleine, zierliche, weiße Araberstute zugeteilt namens Jenna. Ich habe sie kurz begrüßt, sie schnupperte an mir und irgendwie war direkt eine Verbindung da.

Anna bekam einen größeren, schwarzen Araber-Warmblut-Mix – Blacko, den sie bereits aus dem letzten Jahr kannte.

Nach ein paar Minuten im Schritt, um uns aneinander zu gewöhnen und alles einzustellen, ging es los. Kaum hatte ich mich an den Trab gewöhnt, galoppierten wir auch schon los, direkt am Wasser entlang. Der Sand dort ist am festesten, deshalb reitet man immer so nah es geht am Meer.

Ich testete kurz:

Lenkung – funktioniert.

Bremse – funktioniert.

Also ließ ich los, vertraute und genoss den Ausritt.

Der Wind, das Rauschen der Wellen, das Gefühl von Geschwindigkeit – es war einfach unbeschreiblich.

Wir wechselten zwischen Schritt, Trab und immer wieder langen Galoppstrecken. Die beiden Männer begleiteten uns, machten Fotos und Videos.

Zwischendurch wurden wir tatsächlich von ein paar Hunden verfolgt, die neben den Pferden herliefen und sie anbellten. Ein etwas unangenehmes Gefühl, da man Angst hatte, dass sie an einem hochspringen. Also zurück in den Galopp und die Hunde abhängen.

Am Ende ritten wir unglaubliche 25 Kilometer entlang dieses scheinbar endlosen Strandes. Der gesamte Ausritt dauerte knapp über zwei Stunden.

Als wir abstiegen, fühlten sich meine Beine an wie Wackelpudding, aber es war jede Sekunde wert.

Was wir allerdings nach dem ersten Ritt ein kleines bisschen unterschätzt hatten: die körperliche Belastung.

In der ersten Nacht hatten wir beide so starken Muskelkater oder vermutlich sogar leichte Zerrungen, dass wir kaum eine bequeme Position zum Liegen fanden. Sich im Bett umzudrehen wurde zur Herausforderung und am nächsten Morgen die Treppe herunterzugehen… sagen wir mal so: eher ein vorsichtiges Runterhangeln als normales Laufen.

Man merkt einfach, dass diese Art zu reiten eine ganz andere Belastung ist als das, was man aus Deutschland kennt. Und vor allem, weil das letzte Mal Reiten bei mir schon etwa sechs Monate zurücklag.

Beim nächsten Ausritt selbst war davon dann erstaunlicherweise kaum noch etwas zu spüren. Sobald man im Sattel saß, war alles gut.

Dieser war zur sogenannte „Dubai-Wüste“ geplant, eine sandige Landschaft im Inland.

Leider war dieser Bereich an dem Tag gesperrt, sodass wir umdrehen und stattdessen durch Felder reiten mussten. Trotzdem war es ein wunderschöner Ritt, bis auf einen kurzen Abschnitt an der Straße.

Wir waren während unseres Aufenthalts fast täglich am Stall. Und jedes Mal freute ich mich darauf, Jenna wiederzusehen. Eine aufmerksame, sensible Stute, aber beim reiten auf mich fokussiert. Was die anderen machten, interessierte sie kaum – sie war ganz bei mir. Sie kam auf mich zu, wenn ich sie rief, ließ sich kraulen und suchte die Nähe – ein echtes Herzenspferd.

Ich habe den Kontakt zu Pferden wirklich vermisst.

Und bin unglaublich dankbar für diese Erfahrung, für den Mut, es einfach zu machen, für diese besonderen Momente und für dieses eine Pferd, das mir in so kurzer Zeit so ans Herz gewachsen ist.

Abendbeschäftigungen

Abends waren wir meistens einfach nur: müde und hungrig. Wir gingen fast immer spontan essen und bis auf ein einziges Mal Pizza am Strand, waren wir nur einheimisch essen. Oft bestellten wir Mee goreng (Nudeln) Oder Nashi goreng (Reis) mit einer Portion Sayur (Gemüse).

Unser Favorit wurde schnell das Asam Pedas, welches nur wenige Minuten unserer Unterkunft entfernten war. Anna kannte es noch vom letzten Urlaub und schwärmte von einem bestimmten Gericht. So kam es, dass wir mindestens 3 oder 4 mal dort essen waren und neben unserer üblichen Bestellung noch die Buttermilk Shrimps aßen. Einfach unfassbar lecker. Einziger Nachteil: Die Stühle färbten ab, weshalb wir uns danach immer die Beine waschen mussten.

Ein besonderes Erlebnis war unsere Fireflies Tour. Mit einem Boot fuhren wir nachts über den Fluss komplett im Dunkeln.

Keine Lichter, keine Geräusche.

Der Guide lockte die Glühwürmchen mit einem kleinen roten Licht an. Und plötzlich flogen sie überall um uns herum.

Es war magisch so viele Glühwürmchen gleichzeitig zu sehen. Ein wirklich empfehlenswerter Ausflug.

Während unseres Aufenthalts hatten wir das große Glück, gleich an zwei Abenden zum Hari Raya eingeladen zu werden.

Dies ist eines der wichtigsten Feste in Malaysia und markiert das Ende des Fastenmonats Ramadan. Gefeiert wird das Fastenbrechen nach einem Monat des Verzichts, der Besinnung und des Gebets. Es ist vergleichbar mit dem Zuckerfest, das viele vielleicht kennen.

Eine schöne Tradition während Hari Raya ist das sogenannte „Open House“. Das bedeutet, dass Familien ihre Türen für Gäste öffnen und zwar nicht nur für Freunde und Verwandte, sondern oft auch für Nachbarn, Bekannte oder sogar Fremde. Man besucht sich gegenseitig, geht von Haus zu Haus, isst gemeinsam und verbringt Zeit miteinander. Es geht dabei vor allem um Gemeinschaft, Großzügigkeit und das Miteinander.

Am ersten Tag wurden wir von unserem Verwalter eingeladen, der direkt neben unserem Cottage wohnt. Mit der Familie und vor allem mit dem jüngeren Sohn hatten wir während unseres Aufenthalts immer wieder Kontakt.

Wie in Malaysia üblich, zogen wir vor dem Betreten des Hauses unsere Schuhe aus. Das hat hier sowohl praktische als auch kulturelle Gründe: Zum einen hält man so den Wohnraum sauber, zum anderen gilt es als Zeichen von Respekt gegenüber dem Zuhause und der Familie.

Im Haus erwartete uns ein großes Buffet mit verschiedensten traditionellen Speisen. Unser Gastgeber erklärte uns jedes einzelne Gericht, was es ist, welche Zutaten enthalten sind und welche Bedeutung es hat.

Einige dieser Speisen gibt es tatsächlich nur zu Hari Raya, was das Ganze noch besonderer machte. Wir durften uns überall bedienen, probieren und nachnehmen.

Bei der Verabschiedung bekamen wir auch einen kleinen Umschlag mit Geld. Das ist eine traditionelle Geste, ähnlich wie man sie auch aus anderen asiatischen Kulturen kennt. Diese Umschläge werden als Zeichen von Wertschätzung, Gastfreundschaft und guten Wünschen überreicht. Sie symbolisieren Glück, Segen und einen guten Start in die Zeit nach dem Ramadan.

Für uns war das natürlich total unerwartet und umso besonderer.

Am zweiten Tag wurden wir am Abend von Angah eingeladen, einem der Reiter vom Stall.

Als wir ankamen, war das eigentliche Essen bereits größtenteils aufgegessen was aber überhaupt kein Problem war. Seine Familie betreibt eine eigene kleine Bäckerei und so wurden wir stattdessen mit frisch gebackenem Bananenbrot versorgt. Und ich kann wirklich sagen: So gutes Bananenbrot habe ich selten gegessen.

Dazu gab es selbstgemachte Kekse, unter anderem mit Peanut Butter, und frisch gepressten Mangosaft – alles unglaublich lecker.

Obwohl wir immer wieder betonten, dass wir nichts mehr brauchen, brachte uns seine Mutter später sogar noch eine warme Mahlzeit, die sie extra für uns vorbereitet hatte. Eine Geste, die so viel Herzlichkeit zeigt, dass man sie kaum in Worte fassen kann.

Wir wurden überall willkommen geheißen, haben Gespräche geführt, gelacht und dieses Fest hautnah miterlebt. Es war etwas ganz Besonderes, zu so einem Anlass eingeladen zu werden und wir haben uns wirklich geehrt gefühlt, daran teilhaben zu dürfen.

Die Hauptstadt des Landes

Nach unseren intensiven und erlebnisreichen Tagen in Cherating ging es für uns weiter nach Kuala Lumpur und somit zu unserem letzten Stopp, bevor es zurück nach Hause ging. Die Fahrt dorthin dauerte etwa vier Stunden und führte uns noch einmal durch ganz unterschiedliche Landschaften, bevor wir schließlich in der Großstadt ankamen.

Am Flughafen gaben wir zunächst unseren Mietwagen zurück und fuhren anschließend mit dem Taxi zu unserem Hotel, dem The Ritz-Carlton Kuala Lumpur. Schon beim Ankommen wurde klar, dass dieser letzte Abschnitt unserer Reise nochmal ein ganz besonderer wird. Mein Zimmer war wunderschön, sehr großzügig und vor allem unglaublich ruhig. Immer wieder wurden wir mit kleinen Aufmerksamkeiten überrascht, wie zum Beispiel kostenlosen Brownies. Auch die Lage war ideal, sodass wir vieles gut erreichen konnten.

Da unser Zimmer noch nicht fertig war, warteten wir zunächst in der Lounge und stärkten uns mit einem griechischen Salat, einem Lachs-Sandwich, Kaffee und frisch gepresstem Saft. Danach machten wir uns fertig, um die Stadt zu erkunden.

Unser erster Stopp war die Pavilion Mall, eines der bekanntesten und luxuriösesten Einkaufszentren der Stadt. Wir schlenderten entspannt durch die Läden und gingen einfach dort hinein, wo es uns gefiel. Ich wurde tatsächlich auch fündig und kaufte mir einen Pyjama, auf den sogar direkt vor Ort mein Name kostenlos gestickt wurde – ein kleines, aber sehr schönes Andenken.

Zwischendurch machten wir Halt in einem bekannten Café, wo wir uns eine erfrischende Limonade gönnten. Besonders bekannt ist dieses Café für sein Merchandising, denn bei den Getränken ist eine kleine Bärenfiguren am Becher befestigt. Ein witziges Detail, das vor allem auf Social Media sehr beliebt ist.

Auf dem Weg zum Treffpunkt mit Annas Vater kamen wir an der bekannten Kreuzung rund um Bukit Bintang vorbei, wo auch die Monorail oberirdisch durch die Stadt fährt.

Am Abend trafen gingen wir gemeinsam auf einen lokalen Streetfood-Markt. Die Märkte sind typisch aufgebaut: links und rechts unzählige Essensstände mit den verschiedensten Gerichten. Anna und ich teilen uns dabei meistens alles, um möglichst viel probieren zu können. So gab es an diesem Abend Frühlingsrollen, Dumplings, einen Wrap und frisch gepressten Mango-Dragonfruit-Saft.

Danach stand dann noch das Highlight auf dem Programm: die Petronas Towers. Die beiden Zwillingstürme gehören zu den bekanntesten Wahrzeichen der Welt und waren lange Zeit die höchsten Gebäude der Erde. Besonders spannend: Die Türme wurden tatsächlich von zwei unterschiedlichen Bauunternehmen errichtet – einer von einem japanischen Unternehmen und der andere von einem südkoreanischen. Dadurch wollte man einen Wettlauf erzeugen, um die Bauzeit zu verkürzen. Verbunden sind sie durch die bekannte Skybridge, und ihre Architektur ist stark vom islamischen Design geprägt.

Als wir ankamen, lief gerade ein Wasser- und Lichterspiel, das die gesamte Szenerie noch beeindruckender machte. Wir machten Fotos, liefen ein wenig durch die Umgebung und ließen den Moment einfach auf uns wirken.

Anschließend liefen wir noch zur Saloma Link Brücke, die besonders durch Social Media bekannt geworden ist. Die beleuchtete Brücke bietet einen wunderschönen Blick auf die Skyline, vor allem bei Nacht.

Am nächsten Morgen starteten wir mit einem ausgiebigen Frühstück. Das Angebot war riesig und reichte von westlichen bis hin zu asiatischen und indischen Speisen. Ich probierte mich einmal quer durch von Hummus mit Pitabrot und Feta über Roti Canai bis hin zu French Toast und frischem Obst.

Danach machten Anna und ich uns auf den Weg zum Central Market. Dort gibt es viele kleine Stände mit Kunsthandwerk und Souvenirs. Direkt am ersten Stand wurden wir wieder kreativ und gestalteten uns jeweils eine eigene Kette mit Charms, die wir kurze Zeit später schon abholen konnten.

Von dort aus liefen wir weiter Richtung Petaling Street. Wie in vielen Städten besteht das sogenannte Chinatown vor allem aus Märkten und Souvenirständen, doch mit China hat das für mich meist wenig zu tun.

Besonders schön war ein Bereich ganz in der Nähe: Kwai Chai Hong. Diese kleine Gasse wurde liebevoll restauriert und ist heute bekannt für ihre kunstvollen Wandmalereien, die Szenen aus dem alten Kuala Lumpur zeigen. Viele der Motive sind interaktiv gestaltet, man kann sich beispielsweise auf einen Stuhl setzen und wirkt dann selbst wie Teil des Bildes. Dazu kommen die vielen Lampions über den Gassen, die eine ganz besondere Atmosphäre schaffen.

Den Hin- und Rückweg legten wir mit der Metro zurück, was super einfach und günstig war. Besonders aufgefallen ist uns, dass es eigene Waggons nur für Frauen gibt. Ein Konzept, das vor allem abends ein zusätzliches Sicherheitsgefühl gibt.

Zurück in der Stadt schauten wir noch bei ein paar Geschäften vorbei, welche auf unserem Weg lagen. Trafen uns mit Annas Papa auf einen Kaffee und machten noch einen kurzen Stopp im Hotel für einen kleinen Lunch. Es gab verschiedene Sandwiches und gefüllte Blätterteigtaschen sowie frisch gepressten Ananassaft. Eine perfekte Stärkung zwischendurch und vorallem nach dem anstrengenden Shoppen.

Anschließend ging es noch einmal zurück in die Pavilion Mall, da wir am Tag zuvor noch nicht alles gesehen hatten. Wir nutzten die letzten Stunden, um noch ein wenig weiter zu bummeln, bevor es für mich am Abend zurück zum Flughafen ging. Mit etwa einer Stunde Verspätung startete mein Flug und am frühen Morgen landete ich wieder in Peking.

Fazit

Diese Reise war in vielerlei Hinsicht etwas ganz Besonderes. Malaysia hat mich wirklich überrascht. Vor allem die Orte wie Dungun und Cherating haben mir unglaublich gut gefallen, weil sie so ursprünglich, ruhig und kaum touristisch waren. Teilweise hatten wir kilometerlange Strände fast komplett für uns allein. Dieses Gefühl von Ruhe und Weite ist etwas, das man so nur noch selten findet.

Die Natur, das Meer und die gesamte Atmosphäre wirkten sehr authentisch und unberührt. Auch das Essen hat mich absolut überzeugt – die Mischung aus verschiedenen Kulturen macht die Küche unglaublich vielseitig und spannend.

Was mir außerdem besonders aufgefallen ist, war die Herzlichkeit der Menschen. Egal ob im Resort, auf der Straße oder bei Einladungen. Wir wurden überall offen, freundlich und mit großer Gastfreundschaft empfangen. Viele sprechen zumindest etwas Englisch, sodass man sich eigentlich immer verständigen kann. Das macht das Reisen dort unglaublich angenehm und unkompliziert.

Ein absolutes Highlight war natürlich das Reiten am Strand. Nach so langer Zeit wieder mit Pferden in Kontakt zu sein, war für mich etwas ganz Besonderes. Und das Ganze dann auch noch in dieser Kulisse erleben zu dürfen, werde ich so schnell nicht vergessen.

Gleichzeitig war die gemeinsame Zeit mit Anna einfach wunderschön. Es fühlte sich an wie früher, vertraut, unkompliziert und einfach richtig harmonisch.

Zum Abschluss dann noch Kuala Lumpur als Kontrast: eine moderne, lebendige Stadt mit vielen Möglichkeiten in der man problemlos mehrere Tage verbringen kann. 

Insgesamt war diese Reise die perfekte Mischung aus Entspannung, Abenteuer und besonderen Momenten.

Fundstück März 2026


Der Friseur to go


Dieses Fundstück hat Nico morgens um 7 Uhr, auf dem Weg zur Arbeit entdeckt. Während in Deutschland um diese Uhrzeit die meisten Friseursalons noch geschlossen sind, spielte sich hier in Peking bereits ein ganz anderes Bild ab: Mitten auf dem Gehweg saß ein Mann auf einem kleinen Hocker, ein Friseur neben ihm, ausgestattet mit Schere, Kamm und einem Spiegel. Ein improvisierter „Salon“ unter freiem Himmel.


Im ersten Moment wirkt das ungewohnt und vielleicht sogar etwas überraschend. Ein Friseur auf dem Gehweg? Ohne Laden, ohne Termin, ohne viel Ausstattung? Doch wie so oft lohnt sich ein zweiter Blick, um das Ganze wirklich zu verstehen.


Straßenfriseure sind in vielen Teilen Chinas kein ungewöhnlicher Anblick, besonders in älteren Wohnvierteln oder in Gegenden, in denen sich das Leben viel draußen abspielt. Früh am Morgen oder am Vormittag sieht man immer wieder Menschen, die sich spontan die Haare schneiden lassen. Oft direkt vor ihrer Haustür, an einer Straßenecke oder direkt beim Einkaufsmarkt.


Der Hintergrund ist dabei weniger „Improvisation“, als man vielleich zunächst denkt, sondern vielmehr Pragmatismus und Alltagstauglichkeit. Viele dieser Friseure sind erfahren und bieten ihre Dienste ganz bewusst draußen an. Die Ausstattung ist minimal, aber ausreichend und genau das macht den Reiz aus.

Die Hauptgründe sind Zeitersparnis, Nähe und Zugänglichkeit. Statt einen Termin zu vereinbaren oder extra in einen Salon zu fahren, kann man sich die Haare schneiden lassen, während man ohnehin unterwegs ist. Gerade für ältere Menschen oder für diejenigen, die in der Nachbarschaft bleiben, ist das eine enorme Erleichterung.


Ein weiterer Punkt ist der Preis. Ein Haarschnitt auf dem Gehweg ist in der Regel deutlich günstiger als im Salon. Gleichzeitig ist er schnell erledigt – ohne Wartezeit, ohne großen Aufwand.


Und dann spielt auch die Kultur des öffentlichen Lebens eine Rolle. In China findet ein großer Teil des Alltags draußen statt: Menschen treffen sich, essen gemeinsam, spielen Spiele oder erledigen kleine Dinge des täglichen Lebens direkt auf der Straße. Der Friseur auf dem Gehweg fügt sich ganz selbstverständlich in dieses Bild ein.
Gleichzeitig entsteht oft auch eine gewisse soziale Komponente.
Während des Haarschnitts wird geredet, gelacht oder einfach das Treiben auf der Straße beobachtet. Es ist weniger ein anonymer Dienstleistungsbesuch und mehr ein Teil des Nachbarschaftslebens.

Nicht nur für die Kunden bringt dieses Modell Vorteile, auch für den Friseur selbst ist diese Art zu arbeiten durchaus attraktiv.


Der offensichtlichste Punkt: Er benötigt keinen eigenen Salon. Damit entfallen hohe Fixkosten wie Miete, Einrichtung oder laufende Betriebskosten. Gerade in einer Großstadt wie Peking, in der Gewerbeflächen teuer sein können, ist das ein großer Vorteil.
Hinzu kommt die Ortsunabhängigkeit. Der Friseur ist nicht an einen festen Standort gebunden, sondern kann flexibel entscheiden, wo er arbeitet, zum Beispiel in belebten Wohnvierteln oder an Orten, an denen morgens viele Menschen unterwegs sind. So kann er sich gezielt dort positionieren, wo potenzielle Kunden sind.


Auch die Flexibilität im Arbeitsalltag ist ein wichtiger Faktor. Ohne feste Öffnungszeiten oder Terminpläne kann er seinen Tag freier gestalten und sich stärker am tatsächlichen Bedarf orientieren. Gerade am frühen Morgen, wenn viele Menschen vor der Arbeit noch schnell einen Haarschnitt möchten, kann er diese Nachfrage direkt bedienen.


Ein weiterer Vorteil ist die niedrige Einstiegshürde. Um als Straßenfriseur zu arbeiten, braucht es deutlich weniger Kapital als für einen eigenen Salon. Das kann besonders für Menschen interessant sein, die sich selbstständig machen möchten, ohne ein großes finanzielles Risiko einzugehen.


Natürlich erfordert diese Arbeitsweise auch Erfahrung, Geschick und Vertrauen der Kunden. Doch genau das zeigt sich oft in solchen Situationen: Viele Kunden kommen nicht zufällig, sondern gezielt, weil sie den Friseur kennen und seine Arbeit schätzen.


Für uns wirkt dieses Konzept im ersten Moment vielleicht ungewohnt, weil wir Friseurbesuche mit festen Salons, Terminen und einem bestimmten Standard verbinden. Doch genau darin liegt auch die Erkenntnis: Nicht jedes System muss gleich funktionieren, um sinnvoll zu sein.


Der Straßenfriseur zeigt, wie flexibel und alltagsnah Dienstleistungen gestaltet sein können. Er ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich Angebote an den Bedürfnissen der Menschen orientieren und nicht umgekehrt.

Malaysia – Palmen, Meer und Tiere

Diese Woche stand eine Reise an, welche ich als allererstes gebucht habe, seit wir in Peking leben. Schon als ich meinen Stallmädels damals erzählt habe, dass es für uns nach China geht, stand für Anna und mich fest: Wir müssen uns irgendwo auf der Welt treffen.

Sie reist fast jedes Jahr mit ihrem Papa nach Malaysia. Nicht nur ein wunderschönes Reiseziel, sondern von China aus auch noch vergleichsweise nah. Da ihre Reisepläne für 2026 bereits feststanden, war für mich schnell klar, dass ich sie dort besuchen komme.

Als ihre Planung stand, schaute ich, wie sich das Ganze für mich einrichten lässt. Schließlich buchte ich meine Flüge und Unterkünfte. Ich stoße etwas später zu ihnen dazu und werde insgesamt 16 Tage inklusive der Reisetage mit ihnen unterwegs sein und drei verschiedene Orte entdecken.

Außerdem werden wir dort auch eines unserer gemeinsamen Hobbys an einer der schönsten Kulissen der Welt ausüben. Mehr dazu später, aber vielleicht kann sich der ein oder andere schon denken was wir geplant haben.

Der Beginn eines neuen Abenteuers

Am Montagmorgen bin ich nach einer ziemlich schlaflosen Nacht aufgestanden. Bevor es losging, habe ich erstmal noch eine Runde im Fitnessstudio eingelegt. Bewegung hilft mir einfach immer, einen freien Kopf zu bekommen.

Nach dem Frühstück habe ich meinen Koffer fertig gepackt und mich spontan noch mit einer Freundin auf einen Kaffee getroffen. Wenn man erst am späten Nachmittag fliegt, zieht sich der Morgen oft ziemlich. Man möchte nichts Großes mehr anfangen, aber richtig entspannen kann man auch nicht. Deshalb kam mir die kleine Ablenkung durch nette Gespräche gerade recht.

Direkt aufgeregt war ich eigentlich nicht, gespannt war ich allerdings schon. Schließlich war es meine erste Flugreise komplett alleine. Die Abläufe kenne ich mittlerweile zwar sehr gut, trotzdem ist es ein anderes Gefühl, wenn man alleine unterwegs ist.

Als ich gegen 14:30 Uhr am Flughafen ankam, verlief zunächst alles völlig unproblematisch.
Check-in, Sicherheitskontrolle alles wie immer.

Eine Neuerung gab es allerdings: Nico und ich hatten uns bei unserem letzten internationalen Flug für den sogenannten E-Channel registriert. Dadurch können wir mit unserem Visum an den Flughäfen in Peking dieselben automatischen Grenzkontrollen nutzen wie chinesische Staatsbürger.

Das wollte ich natürlich direkt ausprobieren. Also lief ich selbstbewusst zu den automatischen Scannern, genau wie die Einheimischen. Nur leider waren die Mitarbeiter auf dem Weg dorthin weniger überzeugt davon, dass ich dort hingehöre.

Mehrere Mitarbeiter schickten mich zunächst wieder weg und erklärten mir, ich müsse zur Ausländer-Schlange. Also erklärte ich insgesamt bestimmt fünf verschiedenen Mitarbeitern, dass ich aufgrund meines Visums für den E-Channel registriert bin.

Am Ende durfte ich tatsächlich durch den automatischen Scanner. Pass auflegen, Daumenabdruck scannen, Gesichtserkennung und schon war ich fertig. Keine fünf Minuten später war ich ohne Warteschlange durch die Kontrolle.

Danach ging es mit der Flughafenbahn weiter zu meinem Gate und schließlich pünktlich in den Flieger.

Ankunft in Malaysia

Nach etwa sechs Stunden und dreißig Minuten Flug landeten wir in Kuala Lumpur. Dies ist die Hauptstadt von Malaysia und besitzt einen der flächenmäßig größten Flughäfen der Welt.

Direkt nach der Landung wurde mir bewusst, wie riesig dieser Flughafen wirklich ist. Nach etwa zehn Minuten Fußweg musste ich noch mit einem Bus weiter zur Immigration und zur Gepäckausgabe fahren.

Damit war der Weg allerdings noch nicht zu Ende. Mein Hotel für die Nacht lag nämlich im zweiten Terminal, während ich im ersten Terminal angekommen war. Also ging es erneut in einen Bus, der zwischen den Terminals pendelt.

Das Hotel schließlich zu finden, stellte sich ebenfalls etwas komplizierter heraus als gedacht. Aber irgendwie hat es am Ende doch geklappt, sodass ich gegen halb eins nachts einchecken konnte.

Und damit stand auch meine erste Nacht alleine in einem Hotel an. Davor hatte ich tatsächlich am meisten Respekt. Ich schlafe ohnehin nicht besonders gut alleine und normalerweise sind Nico und ich es gewohnt, gemeinsam einzuschlafen. In einer fremden Umgebung und dazu noch mit der Geräuschkulisse eines Flughafens im Hintergrund war ich also gespannt, wie die Nacht werden würde.

Das Einschlafen funktionierte zum Glück erstaunlich gut. Vermutlich war ich einfach extrem müde und hatte so viele Eindrücke zu verarbeiten, dass mein Körper irgendwann einfach abgeschaltet hat.

Doch um vier Uhr morgens wurde ich plötzlich von einem Geräusch geweckt. Zwei Frauen versuchten, meine Zimmertür zu öffnen.

Einmal.
Dann ein zweites Mal.

Im Halbschlaf überlegte ich kurz, was ich jetzt machen sollte. Dann hörte ich eine der beiden sagen:
„Ups … das ist ja gar nicht unser Zimmer.“

Offensichtlich hatten sie einfach die falsche Tür erwischt. Naja die Zimmernummern stehen schließlich auch nur groß und deutlich an jeder Tür.

Am nächsten Morgen bekam ich direkt die nächste Nachricht: Mein Anschlussflug war inzwischen bereits zum dritten Mal nach hinten verschoben worden. Aber so konnte ich den Morgen noch etwas entspannter angehen.

Nach dem Frühstück machte ich mich auf den Weg, meinen Koffer aufzugeben. Diesmal lief allerdings nicht alles ganz so reibungslos wie sonst.

An diesem Flughafen funktioniert vieles komplett automatisiert. Zuerst muss man sich an einem Self-Check-in-Schalter einchecken und dort selbst das Gepäcklabel ausdrucken. Danach geht man zum Gepäckband, scannt den Code und legt den Koffer auf das Band, wo er automatisch gewogen wird.

Leider ist mir mein Gepäckaufkleber dabei etwas unglücklich eingerissen und ich musste ihn etwas improvisiert befestigen. Deshalb habe ich während des gesamten Fluges gehofft, dass der Koffer trotzdem problemlos am Ziel ankommt.

Alleine unterwegs ist man in solchen Momenten natürlich etwas nervöser. Man hat niemanden, den man schnell fragen kann, niemanden, mit dem man die Verantwortung teilen oder einfach kurz Rücksprache halten kann.

Aber genau in solchen Situationen ist es wichtig, ruhig zu bleiben. Sich nicht vom Stress der Umgebung anstecken zu lassen und Schritt für Schritt das zu erledigen, was gerade nötig ist.

Und genau das habe ich dann auch gemacht.

Wiedersehen

Am nächsten Tag ging es mit meinem Anschlussflug weiter an die Ostküste von Malaysia.

Das Land besteht aus zwei geografisch getrennten Teilen: dem westlichen Teil auf der malaiischen Halbinsel und dem östlichen Teil auf der Insel Borneo. Insgesamt leben hier über 33 Millionen Menschen und Malaysia gilt als eines der vielfältigsten Länder Südostasiens.

Neben Malaien leben hier auch viele Menschen chinesischer und indischer Herkunft. Diese kulturelle Mischung spürt man überall: in der Sprache, in der Architektur und natürlich besonders beim Essen.

Nach einem etwas turbulenten, sehr kurzen Flug holte Anna mich mit dem Auto am Flughafen ab und gemeinsam fuhren wir zu unserer ersten Unterkunft: dem Tanjong Jara Resort.

Das Resort liegt im Bundesstaat Terengganu, nahe der kleinen Küstenstadt Dungun. Diese Region gilt als eine der traditionellsten Gegenden Malaysias. Der Islam spielt hier eine besonders große Rolle, weshalb vieles etwas ruhiger und konservativer ist als zum Beispiel in der Hauptstadt Kuala Lumpur.

Terengganu ist außerdem bekannt für seine langen, nahezu unberührten Strände und das türkisfarbene Wasser des Südchinesischen Meeres. Viele Reisende nutzen die Region auch als Ausgangspunkt für bekannte Inseln wie die Perhentian Islands oder Redang.

Gerade deshalb wirkt die Gegend hier noch sehr ursprünglich und deutlich weniger touristisch als viele andere Orte in Südostasien.

Flughafen in Terengganu

Meine Unterkunft für die nächsten vier Nächte war wie ein kleines Hochhaus-Cottage auf Stelzen. Innen war sie überraschend großzügig: zwei große Betten, viel Platz und ein wunderschönes, großes Badezimmer mit Dusche und Badewanne.

Alles war offen und hell gestaltet, mit vielen Holzelementen, die perfekt zum Stil der Anlage passten.

Im Zimmer standen immer Trinkwasserflaschen bereit und es gab sogar hauseigenes Mückenspray sowie einen Balsam gegen Mückenstiche – etwas das man in dieser tropischen Umgebung definitiv zu schätzen lernt.

Abends kam außerdem immer jemand vom Service vorbei, um das Zimmer noch einmal vorzubereiten. Die Vorhänge wurden geschlossen, neue Trinkwasserflaschen hingestellt und kleine Insektenabwehr-Stecker in die Steckdosen gesetzt.

Anna und ihr Vater sind dort inzwischen schon zum vierten Mal und schon bei der Ankunft konnte ich verstehen, warum sie immer wieder zurückkehren. Die Anlage ist im traditionellen malaysischen Stil gebaut und wirkt eher wie ein kleines Dorf als wie ein klassisches Hotel.

Statt eines großen Hotelgebäudes verteilen sich viele kleine Häuser mit dunklen Holzdächern, geschnitzten Details und offenen Veranden über das gesamte Gelände. Zwischen Palmen, tropischen Pflanzen und kleinen Wegen liegen die einzelnen Häuser verteilt, sodass alles sehr ruhig und natürlich wirkt.

Einige der Häuser liegen direkt am Strand, andere etwas weiter im Gartenbereich.

Die Anlage selbst bietet eigentlich alles, was man sich für einen entspannten Aufenthalt wünschen kann: mehrere Restaurants, zwei Pools, ein Fitnessstudio, einen Spa-Bereich, Tennisplätze und sogar einen Gaming Room.

Den Großteil unserer Zeit verbrachten wir allerdings damit, einfach in der Sonne zu entspannen. Wir lagen am Pool, gingen zum Meer, sammelten Muscheln oder machten Fotos.

Besonders beeindruckend war natürlich das Meer direkt vor dem Resort. Der Strand ist breit, mit hellem Sand und das Wasser leuchtet in verschiedenen Türkis- und Blautönen.

Allerdings wehte während unseres Aufenthalts ziemlich starker Wind, wodurch die Wellen deutlich höher waren als sonst. Deshalb hing fast die ganze Zeit die rote Flagge am Strand – ein Zeichen dafür, dass Schwimmen im Meer aktuell nicht empfohlen wird.

Auch die Schnorchelausflüge, die normalerweise vom Resort organisiert werden, konnten deshalb leider nicht stattfinden.

Trotzdem war der Strand wunderschön. Gerade morgens oder abends hatte er eine unglaubliche Ruhe und allein das Rauschen der Wellen zu hören war schon Entspannung genug.

Nach dem Frühstück fütterten wir oft die Fische und Schildkröten in den vier großen Wasserbecken neben dem Restaurant.

Es gab hier viele Tiere zu entdecken. Neben zahlreichen Vögeln liefen auch Pfauen über das Gelände und hin und wieder sah man Echsen oder sogar Warane. Diese entdeckte man meist zufällig irgendwo zwischen den Wegen oder auf Bäumen. Nur einmal sorgte ein Waran für ordentlich Aufregung, als er plötzlich direkt neben uns in den Pool sprang und damit schlagartig die komplette Aufmerksamkeit auf sich zog.

Auch das Fitnessstudio des Resorts haben wir genutzt. Es ist relativ klein, aber überraschend gut ausgestattet. Es gibt mehrere Laufbänder, Fahrräder, Hanteln und verschiedene Kraftgeräte. Für ein Hotelgym war es wirklich völlig ausreichend, auch wenn uns ein oder zwei Beinmaschinen zum Trainieren noch gefehlt hätten.

Während wir dort trainierten, zog draußen langsam eine dunkle Wolkenwand auf. Als wir fertig waren und zurück zu unseren Zimmern laufen wollten, begann es plötzlich stark zu regnen. Und zwar nicht einfach nur ein bisschen.

Innerhalb weniger Minuten entwickelte sich daraus ein richtiger tropischer Regenschauer. Der Regen war so stark, dass man kaum ein paar Meter weit sehen konnte. Solche starken Regenfälle sind hier übrigens ganz normal, besonders während der Hauptmonsunzeit zwischen November und Februar.

Die Ostküste Malaysias liegt im Einflussbereich des Monsuns. Dabei bringen bestimmte Windströmungen aus dem Meer sehr feuchte Luft mit sich, die sich dann in heftigen, oft kurzen, aber intensiven Regenschauern entlädt.

Wir sind zum Glück schon eher am Ende dieser Saison unterwegs, weshalb es meist nur einzelne starke Schauer gibt. Aber wenn es regnete, dann richtig.

Abends fuhren wir häufig in die nahegelegene Stadt oder besuchten einen lokalen Markt zum Essen.

Während unseres Aufenthalts fiel mir schnell auf, dass viele Restaurants und Geschäfte tagsüber geschlossen waren. Der Grund dafür ist Ramadan. Malaysia ist ein überwiegend muslimisches Land. Während des Ramadan fasten gläubige Muslime von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Das bedeutet, dass sie tagsüber weder essen noch trinken.

Deshalb öffnen viele Restaurants erst abends, wenn das tägliche Fastenbrechen beginnt. Auch bei unserer Restaurantwahl mussten wir das berücksichtigen, da viele Orte abends schnell ausgebucht waren.

Zurück im Resort spielten wir Uno oder Kniffel auf dem Balkon, gingen in den Gaming Room für Billard oder Tischkicker oder sangen Karaoke. Oder ich telefonierte noch mit Nico, bevor ich schlafen ging.

An unserem letzten Tag wollten wir unbedingt noch eine kleine Dschungelwanderung machen. Am Abend zuvor hatten wir den Weg bereits alleine ausprobiert, mussten aber nach fünf Minuten wieder umdrehen, weil wir von Moskitos regelrecht aufgefressen wurden. Immerhin entdeckten wir dabei schon einen Leguan und ein paar Affen.

Am nächsten Morgen versuchten wir es deshalb noch einmal mit Guide. Die Tour sollte etwa 45 Minuten dauern. Unsere Guide erklärte uns viele Dinge über Bäume und Pflanzen.

Sie zeigte uns verschiedene Früchte erzählte, welche Pflanzen essbar sind und welche man lieber nicht anfassen sollte.

Die Vegetation war unglaublich dicht. Überall hingen Lianen, riesige Blätter und hohe Bäume bildeten ein fast geschlossenes Blätterdach über uns.

Etwa auf halber Strecke begann es erneut zu regnen und innerhalb weniger Minuten waren wir komplett durchnässt. Aber irgendwie passte das sogar zu dieser Umgebung. Durch einen tropischen Regenwald zu laufen, während es tatsächlich tropisch regnet.

Zurück im Resort erlebten wir noch einen kleinen besonderen Moment.

In der Anlage leben zwei Pfaue, die wir während unseres Aufenthalts immer wieder gesehen hatten. Meist liefen sie irgendwo über das Gelände oder saßen in den Bäumen.

Doch an diesem Tag stand einer von ihnen plötzlich auf der Wiese und schlug sein Rad auf. Die bunten Federn glitzerten im Licht, während er sich langsam drehte. Ein wirklich beeindruckender Anblick und irgendwie ein perfekter kleiner Abschied von diesem Ort.

Nach unserer Wanderung hieß es dann leider schon wieder Koffer packen. Wir checkten aus und machten uns etwa eineinhalb Stunden mit dem Auto auf den Weg zu unserer nächsten Unterkunft.

Die Fahrt führte uns entlang der Küste durch kleine Dörfer, vorbei an Palmen, Moscheen und bunten Häusern. Immer wieder sah man Fischerboote am Strand oder kleine Märkte am Straßenrand.

Die Reise geht weiter und das nächste Erlebnis wartet bereits auf uns.

Vom Urlaub zurück in die Gewohnheiten

Nach unserem Urlaub kamen wir am Donnerstag zurück und kaum war der Koffer ausgepackt, ging für Nico am Freitag direkt wieder der Arbeitsalltag los.

Am Samstag musste er ebenfalls arbeiten, um die vielen Feiertage hier in China auszugleichen. Diese sogenannten „Working Saturdays“ sind meist ruhiger als normale Wochentage. Viele Mitarbeiter haben weniger Termine und genau deshalb eignet sich der Tag oft gut für längere, strategische Gespräche mit Kollegen oder Führungskräften.

Während Nico also arbeitete, stand für mich neben Wäsche und Haushalt am Samstagabend ein schöner Programmpunkt an: der Geburtstag von Laura.

Hotpot-Geburtstag

Wir waren insgesamt zu elft in einer bekannten Hotpot-Kette in Peking verabredet. Für unsere Gruppe hatten wir in einem separaten Raum einen rund Tisch für uns alleine. In der Mitte des Tisches steht ein großer Topf mit Brühen, die konstant erhitzt werden. Alle bestellen verschiedenste Zutaten z.B. Fleisch, Gemüse, Pilze, Tofu, Innereien und geben sie selbst in die Brühe. Jeder fischt sich später wieder heraus, was er hineingelegt hat.

Es erinnert ein bisschen an Fondue, nur mit deutlich mehr Zutaten und oft auch kräftigeren, würzigeren Brühen.

Das wohl ausgefallenste Gericht an diesem Abend war Pansen. Ich habe ihn tatsächlich nicht probiert, aber er war sehr beliebt und dementsprechend schnell verschwunden.

Mein persönliches Highlight waren dagegen die verschiedenen Tofu-Varianten: Tofu-Haut, klassischer Tofu, frittierter Tofu. Einfach ein Produkt das so unglaublich vielseitig und richtig lecker ist.

Ein weiteres Erlebnis waren die handgezogenen Nudeln. Ein Mitarbeiter kam an unseren Tisch und zog vor unseren Augen aus einem Stück Teig eine lange, dünne Nudel, begleitet von einer kleinen Tanzeinlage. In China sagt man: Je länger die Nudel, desto länger das Leben.

Besonders schön war auch, dass Laura von dem Restaurant kleine Aufmerksamkeiten bekam wie eine Obstplatten, kleine Geschenke und schließlich sogar eine kleine Showeinlage.

Sie bekam eine Krone aufgesetzt, die Mitarbeitenden kamen mit Sonnenblumen herein und gemeinsam sangen wir zwei chinesische Geburtstagslieder. Es wurde getanzt, gelacht und applaudiert. Es war unglaublich herzlich und gleichzeitig etwas kitschig.

Im Anschluss zogen wir noch gemeinsam in eine Bar weiter und ließen den Abend bei Gesprächen ausklingen. Viele aus der Runde arbeiten in der Botschaft. Es war spannend, Einblicke in diesen Alltag zu bekommen, den man sonst nur von außen wahrnimmt.

Sonntag: Drinnen statt draußen

Der Sonntag verlief deutlich ruhiger. Das Wetter in Peking ist aktuell wieder kälter und auch die Luftqualität war an diesem Tag leider nicht besonders gut. Deshalb verbrachten wir den Großteil des Tages drinnen und nutzten die Zeit einfach zum Entspannen.

Am Abend ging Nico noch zu einem Spieleabend mit ein paar Freunden im gegenüberliegenden Wohnkomplex. Dort wurden verschiedene Gesellschaftsspiele gespielt und gemeinsam Pizza bestellt.

Mädelsfrühstück, Shopping und Sport

Unter der Woche standen für mich vor allem Haushalt und ein paar bürokratische Dinge an, deshalb gibt es diesmal gar nicht so viele spektakuläre Geschichten zu erzählen. Außer ihr möchtet mehr über Steuern, Krankenversicherung und co. wissen. 😄

Am Dienstag war ich mit zwei Freundinnen zum Frühstück verabredet. Wir haben aktuell eine kleine Tradition gestartet: Reihum richtet jede von uns ein Frühstück aus. Beim letzten Mal waren wir bei der einen, diesmal bei der anderen und nach meiner Reise nach Malaysia werde ich Gastgeberin sein.

Allerdings gibt es bei mir dann kein klassisches Frühstück. Die beiden haben sich Flammkuchen gewünscht, nachdem ich ihnen natürlich begeistert von unserem Flammkuchenofen erzählt habe. Also wird es wohl eher ein Brunch mit verschiedenen Flammkuchenvariationen. Ich freue mich jetzt schon darauf unsere Rolle als Flammkuchen-Paar auch hier einzunehmen.

Nachdem Essen spielten wir „Stadt Land Tatort“ eine True-Crime-Variante von Stadt, Land, Fluss vom ARD. Da wir alle eine gewisse Faszination für True Crime haben, war das Spiel perfekt für uns und sorgte für viele Lacher.

Anschließend machten wir noch ein schwäbisches Quiz. Keine von uns ist gebürtige Schwäbin dementsprechend schwierig war es. Aber genau das machte es lustig und wir lernten sogar noch etwas über unsere Wahlheimat.

Ansonsten habe wir diese Woche viel Sport gemacht, was uns nachdem Urlaub auch wieder gutgetan hat. Unser Pool im Compound wurde grundgereinigt, weshalb ich gezwungen war eine andere Ausdauerquelle zu wählen. Tatsächlich machte mir das Joggen auf dem Laufband etwas Spaß, auch wenn Krafttraining nach wie vor mein Favorit bleibt.

Am Mittwoch war ich mit den Mädels im Einkaufszentrum Bairong unterwegs. Wie es so immer ist, findet man natürlich das Gewünschte bzw. das Gesuchte nicht.

Ich habe tatsächlich kaum etwas gekauft nur ein paar zusammenfaltbare Becher, die für Wanderungen oder den Sommer praktisch sein werden. Die anderen wurden deutlich erfolgreicher fündig. Gemeinsam haben wir dort noch zu Mittag gegessen und viel geredet. Am Abend ging Nico noch schwimmen, denn an diesem Tag wurde unser Pool endlich wieder geöffnet.

Hoch die Hände Wochenende

Endlich Freitag und damit Zeit zu zweit. Nachdem wir gegessen hatten, wollten wir eigentlich noch etwas im Fernsehen schauen. Leider war die Internetverbindung an diesem Abend wieder ziemlich schlecht, sodass wir unseren Filmversuch schnell aufgaben. Also gingen wir einfach früh schlafen.

Am Samstag erledigten wir gemeinsam ein paar Dinge im Haushalt. Nico beschäftigte sich außerdem mit unserem neuen Luftbefeuchter. Aktuell haben wir in der Wohnung teilweise nur etwa 20 % Luftfeuchtigkeit, was auf Dauer ziemlich unangenehm sein kann, besonders nachts beim Schlafen. Der empfohlene Wert für Wohnräume liegt eher zwischen 40 und 60 %.

Während Nico sich also mit der Technik beschäftigte, machte ich mich auf den Weg zum Einkaufen. Ich hatte spontan Lust auf Milchreis zum Frühstück.

Der Weg dorthin führt mich durch unseren CBD-Park, welcher morgens voller Leben ist. Kinder spielen, Eltern schieben Kinderwagen, ältere Menschen sitzen gemeinsam im Kreis, unterhalten sich oder tanzen zu Musik. Diese Mischung aus Generationen und Aktivitäten finde ich jedes Mal wieder schön zu beobachten.

Am Abend wünschte ich mir, wieder einmal im Restaurant „Bleu Marine“ essen zu gehen. Von diesem Ort habe ich euch tatsächlich schon einmal erzählt: Es war das erste Restaurant, das wir überhaupt in Peking besucht haben – direkt an unserem Ankunftstag.

Das Restaurant wurde 1998 von Celine Shen und dem französischen Koch Olivier Bourdon eröffnet und gehörte damals zu den ersten westlichen Restaurants in Peking. Schon kurz nach der Eröffnung entwickelte es sich zu einem beliebten Treffpunkt für internationale Gäste.

Später kam Torben aus Dänemark dazu, der inzwischen mit Celine verheiratet ist. Seitdem finden sich neben französischen Einflüssen auch einige skandinavische Gerichte auf der Karte.

Das „Bleu Marine“ beschreibt sich selbst als kleines Familienrestaurant und ein Ort, der sich bewusst von den unzähligen Restaurants der riesigen Stadt abhebt. In Peking soll es über 50.000 Restaurants geben und doch wirkt dieses hier wie ein kleines Stück Zuhause in der Fremde.

Der Fokus liegt auf französischer und skandinavischer Küche: Salate, Steaks, Meeresfrüchte und auch klassische dänische Spezialitäten wie Smørrebrød. Besonders bekannt ist das Restaurant allerdings für seine Steaks und tatsächlich sind diese hervorragend.

Außerdem stellt Torben selbst Schnaps her und diesen bekommt man in verschiedenen Runden kostenlos zum Essen angeboten. Meist bekommt man 3 Schnäpse pro Abend zum Probieren, von Kiwi bis hin zu Kaffee ist alles dabei.

Es war ein richtig schöner Abend zu zweit: gutes Essen, eine gemütliche Atmosphäre und zum Abschluss noch eine Serie zu Hause auf dem Sofa.

Gestern startete Nico den Tag mit einer Runde schwimmen, während ich mich um das Frühstück kümmerte. Auf dem Rückweg brachte er noch frischen Kaffee mit – ein perfekter Start in den Tag.

Den Nachmittag verbrachten wir ganz gemütlich zu Hause. Wir schauten gemeinsam die Formel 1 und freuten uns über einen Doppel-Sieg unseres Favoriten, Mercedes. Wir verfolgen die F1 bereits seit Jahren recht intensiv. Umso mehr freut es uns, dass es endlich wieder so scheint, dass Mercedes in dieser Saison den Takt angibt. Bleiben wir gespannt und interpretieren den Sieg als sehr guten und freudigen Saisonauftakt.

Nebenbei erledigten wir noch ein paar Kleinigkeiten im Haushalt, die letzte Wäsche wurde gewaschen und ich begann bereits damit, meinen Koffer für die bevorstehende Reise zu packen.

Rückblickend war diese Woche deutlich ruhiger als sonst. Nachdem Urlaub tat es gut, wieder etwas Routine zu haben und einfach den Alltag zu genießen.

Und lange bleibt es ohnehin nicht ruhig: Schon morgen geht es für mich weiter ins nächste Abenteuer und gleichzeitig auch zu einem Wiedersehen.

Vietnam – zwischen Laternenzauber und Skyline

Nach den ersten Tagen zwischen Großstadttrubel, Kalksteinbergen und Meeresrauschen spürten wir: Vietnam ist ein Land der Kontraste. Doch was uns im zweiten Teil unserer Reise erwartete, sollte diesen Eindruck noch einmal verstärken.

Hoi An – Laternen, Kokospalmen und gelbe Häuser

Der Morgen begann entspannt am Strand von Da Nang, direkt gegenüber von unserem Hotel. Ein toller Strand nur leider war er zu flach um wirklich gut zu schwimmen, weshalb wir ihn nur zum Abkühlen nutzten.

Nach kurzem „Frischmachen“ im Hotel bestellten wir uns ein Taxi. Rund 40 Minuten Fahrt später und für umgerechnet etwa 10 Euro erreichten wir Hoi An.

Eine Stadt wie aus einem Bilderbuch!

Hoi An ist kleiner als Hanoi oder Ho-Chi-Minh-Stadt und genau das macht ihren Charme aus. Die Altstadt gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und war zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert ein bedeutender Handelshafen. Händler aus China, Japan und später auch Europa prägten die Architektur und Kultur der Stadt.

Gelbe Handelshäuser mit dunklen Holzbalken, hölzerne Fensterladen, überall Bougainvillea-Blüten, die über die Fassaden wachsen. Kleine Boutiquen, Schneidereien, Kunstgalerien, Cafés. Alles wirkt lebendig, aber nicht überfordernd.

Nach unserem Spaziergang durch die Altstadt setzten wir uns in ein kleines Café, um der Hitze für einen Moment zu entkommen. Nico entschied sich für einen klassischen Cappuccino, während ich mich an eine typische vietnamesische Kaffeekreation wagte: Coconut Coffee. Kräftiger Kaffee trifft hier auf eine cremige Mischung aus Kokosmilch und Eis – süß, vollmundig und zugleich überraschend erfrischend.

Kaffee ist in Vietnam weit mehr als nur ein Getränk, er ist Teil des Alltags und gehört für viele einfach dazu. Das Land zählt zu den größten Kaffeeproduzenten der Welt und ist besonders für seinen intensiven Robusta-Kaffee bekannt. Traditionell wird er mit einem kleinen Metallfilter, dem sogenannten „Phin“, direkt auf der Tasse aufgebrüht. Langsam tropft der starke Kaffee hindurch und wird häufig mit gesüßter Kondensmilch serviert, was ihm eine leicht karamellige Süße verleiht.

Ein weiteres Erlebnis erwartete uns etwas außerhalb der Altstadt: die berühmten Coconut Boats.

In runden Korbbooten, sogenannten „Basket Boats“ wurden wir durch dichte Kokospalmen gerudert. Unsere Ruderin war wieder eine einheimische Frau, routiniert und gleichzeitig Entertainerin. Es wurde gesungen, gescherzt, sogar Karaoke angestimmt. Ein paar Boote führten kleine „Spin-Shows“ auf und drehten sich blitzschnell im Kreis, während alle applaudierten.

Zwischendurch gab es Fotoshootings, inklusive klarer Anweisungen unserer Ruderin, wie wir die Arme halten oder wohin wir schauen sollten.

Die Palmen spiegelten sich im Wasser, überall lachende Menschen, es war einfach eine tolle Atmosphäre. Es war herrlich absurd und gleichzeitig unglaublich unterhaltsam.

Zurück in der Altstadt liefen wir zur berühmten Japanischen Brücke, dem Wahrzeichen Hoi Ans. Diese wurde im 16. Jahrhundert von japanischen Händlern erbaut, um ihr Viertel mit dem Chinesischen zu verbinden. Sie ist überdacht, reich verziert und so bedeutend, dass sie sogar auf dem 20.000-Dong-Schein abgebildet ist.

Überhaupt erzählt hier fast jedes Gebäude eine Geschichte. Die gelben Handelshäuser stammen größtenteils aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Das warme Ockergelb sollte ursprünglich Glück bringen und heute sorgt es vor allem dafür, dass die gesamte Altstadt in der Nachmittagssonne golden leuchtet.

Man möchte in dieser Stadt dauernd stehen bleiben. Fotografieren. Weitergehen. Und wieder stehen bleiben.

Am Abend suchten wir uns ein Restaurant auf einer Dachterrasse aus. Von oben sahen wir die untergehende Sonne über den Dächern, während langsam überall Laternen angezündet wurden.

Sobald es dunkel wird, verwandelt sich Hoi An. Hunderte bunte Laternen spiegeln sich im Fluss. Kleine Boote treiben vorbei, geschmückt mit Lichtern. Manche lassen Wunschlaternen ins Wasser gleiten.

Wir standen eine Weile am Ufer, beobachteten die Szene und genossen einfach die Atmosphäre, bevor wir mit dem Taxi zurück ins Hotel kehrten.

Ho Chi Minh City – Zwischen Skyline und Geschichte

Der nächste Stopp unserer Reise ist die pulsierende Metropole Ho Chi Minh City. Alles wirkt moderner, höher und schneller als an jedem Ort zuvor auf unserer Vietnam-Reise. Wolkenkratzer, beleuchtete Brücken und ein fast amerikanisch anmutendes Großstadtgefühl treffen hier auf bewegende Kriegsgeschichte und eine Stadt, die sich rasant entwickelt.

Mit rund neun Millionen Einwohnern ist Ho Chi Minh City die größte Stadt Vietnams und das wirtschaftliche Zentrum des Landes. Noch heute ist sie für viele unter ihrem früheren Namen Saigon bekannt. Offiziell wurde die Stadt 1976 nach dem Ende des Vietnamkriegs in Ho Chi Minh City umbenannt, zu Ehren des Revolutionsführers und Staatsgründers Ho Chi Minh. Im Alltag verwenden Einheimische wie Touristen jedoch weiterhin häufig den Namen „Saigon“, besonders wenn es um das Stadtzentrum geht.

Die Stadt liegt im Süden Vietnams nahe dem Mekong-Delta und war während des Vietnamkriegs politisches und militärisches Zentrum Südvietnams. Heute symbolisiert sie vor allem Aufbruch, Wirtschaftswachstum und Modernisierung.

Am Ankunftstag machten wir uns von unserem Hotel zu Fuß auf den Weg, um die Stadt zu erkunden. Direkt in unserer Straße wurden wir von einem traditionellen Drachentanz überrascht aufgrund des vietnamesischen Neujahrsfestes. Beim sogenannten Löwen- oder Drachentanz ziehen Tänzer in farbenfrohen Kostümen durch die Straßen, begleitet von Trommeln und lauter Musik. Die Darbietung soll Glück bringen und böse Geister vertreiben. Das Interesse war groß, viele Menschen standen am Straßenrand und beobachteten das Spektakel.

Wir ließen die Atmosphäre einen Moment auf uns wirken, doch unser Zeitplan war straff, denn zwei Nächte sind nicht viel für eine Stadt wie Ho Chi Minh City.

Unser erster Stopp war das imposante Saigon Central Post Office. Das Gebäude stammt aus der französischen Kolonialzeit und beeindruckt mit seiner gelb-weißen Fassade und den grünen Fensterläden. Im Inneren erwarten einen hohe Gewölbedecken, alte Landkarten und eine große Porträttafel von Ho Chi Minh. Es ist eine spannende Mischung aus europäischer Architektur und vietnamesischer Geschichte.

Direkt gegenüber steht die Notre-Dame Cathedral Basilica of Saigon, erbaut zwischen 1863 und 1880 ebenfalls während der französischen Kolonialzeit. Die roten Backsteine wurden damals extra aus Frankreich importiert. Aktuell befindet sich die Kathedrale in Renovierung, weshalb wir sie nur von außen betrachten konnten.

Weiter ging es durch die Nguyen Van Binh Book Street, eine kleine, charmante Straße voller Buchläden und Cafés. Ein ruhiger Kontrast zur sonst so pulsierenden Metropole.

Auf dem Weg zur bekannten Einkaufsstraße kamen wir am Ho Chi Minh City People’s Committee Building vorbei. Das prachtvolle Gebäude im französischen Kolonialstil wirkt fast wie ein Rathaus in Europa. Es ist jedoch nicht öffentlich zugänglich und dient heute als Verwaltungsgebäude.

Gerade hier wurde uns der Unterschied zwischen Hanoi und Ho Chi Minh City besonders bewusst. Während Hanoi stark von der französischen Kolonialzeit geprägt ist, mit schmalen Häusern, gelb gestrichenen Fassaden, alten Villen, kleinen Cafés und einem eher historischen, politischen Charakter, präsentiert sich Ho Chi Minh City moderner, höher und wirtschaftlich dynamischer.

Der Grund liegt in der Geschichte: Hanoi war über Jahrzehnte politisches Zentrum Nordvietnams und trägt bis heute deutlich den architektonischen Stempel Frankreichs. Ho Chi Minh City hingegen (früher Saigon) war während des Vietnamkriegs Hauptstadt Südvietnams und eng mit den USA verbunden. Amerikanische Militärpräsenz, wirtschaftliche Unterstützung und spätere internationale Investitionen haben die Entwicklung der Stadt nachhaltig beeinflusst.

Heute zeigt sich das vor allem im Stadtbild: breite Straßen, moderne Hochhäuser mit Glasfassaden, große Einkaufszentren, internationale Marken und eine stark ausgeprägte Business- und Konsumkultur. Gebäude wie der Bitexco Financial Tower prägen die Skyline und erinnern eher an westliche Metropolen als an traditionelle südostasiatische Städte. Die Stadt wirkt schneller, unternehmerischer und globaler. Während Hanoi historischer und traditioneller erscheint.

Anschließend liefen wir die bekannte Flaniermeile Nguyen Hue Walking Street entlang. Menschenmassen, Straßenkünstler, kleine Verkaufsstände, Figuren wie Mickey Maus für Fotos. Hier pulsiert das Leben. Ein besonderes Highlight ist das The Cafe Apartments, ein ehemaliges Wohnhaus, das heute aus unzähligen individuell gestalteten Cafés besteht. Von außen wirkt es wie ein bunt beleuchtetes Schaufenster voller kleiner Geschichten und ist eines der beliebtesten Fotomotive der Stadt.

Nachdem wir uns über die dicht befahrenen Straßen gekämpft haben, liefen wir entlang des Saigon-Flusses und ließen die Skyline auf uns wirken. Besonders schön beleuchtet ist die Thu Thiem Bridge, die das Stadtzentrum mit dem neuen Entwicklungsgebiet Thu Thiem verbindet. Abends spiegeln sich die Lichter der Hochhäuser im Wasser und es präsentiert sich ein ganz anderes Vietnam als noch wenige Tage zuvor.

Zum Abschluss des Tages gingen wir in die wohl bekannteste Pizzakette Vietnams: Pizza 4P’s. Super Service, gute Qualität und ein entspannter Ausklang eines intensiven ersten Tages in dieser modernen, energiegeladenen Stadt.

Wie bereits erwähnt, wollten wir auch in die Kriegsgeschichte eintauchen. Nico hatte schon in der Schulzeit einen Vortrag über den Vietnamkrieg gehalten und gemeinsam schauen wir leidenschaftlich gerne historische Kriegsfilme. Dieser Abschnitt unserer Reise war also nicht nur touristisches Interesse, sondern echtes persönliches Anliegen.

Morgens wurden wir um 8 Uhr abgeholt, mit dem Ziel, eine der wichtigsten und kriegsentscheidenden „Waffen“ der Vietnamesen zu erleben: die Cu Chi Tunnels, genauer gesagt der Abschnitt Ben Duoc.

Die Tunnelanlagen entstanden bereits im Kampf gegen die französische Kolonialmacht und wurden während des Vietnamkriegs (1955–1975) massiv erweitert. Insgesamt erstreckte sich das Tunnelsystem über mehr als 250 Kilometer. Es ist ein unterirdisches Netzwerk aus Wohnräumen, Küchen, Lazaretten, Lagerräumen, Waffenwerkstätten und Kommandoposten.

Die Tunnel ermöglichten es dem Vietcong, sich unbemerkt zu bewegen, Angriffe zu planen und schnell wieder zu verschwinden. Für die US-Armee war dieses System extrem schwer zu bekämpfen. Genau diese Taktik trug entscheidend dazu bei, dass die technisch weit überlegenen amerikanischen Truppen den Krieg letztlich nicht gewinnen konnten.

Schon die Belüftungsschächte waren faszinierend: Von außen wirkten sie wie kleine Termitenhügel, kaum sichtbar und perfekt getarnt im Dschungel. Von innen jedoch clever konstruiert, sodass Luft zirkulieren konnte, ohne Rauch oder Bewegungen preiszugeben.

Einen Teil des Systems durften wir selbst erleben. Für Touristen wurden die Gänge bereits größer gemacht und trotzdem war es unfassbar eng. Heiß. Stickig. Klaustrophobisch.

Nico wurde beim ersten Tunnel auserkoren, als Erster einzusteigen. Man sah ihm die Anspannung an, doch er zögerte nicht und ich wurde direkt hinterhergeschickt mit den Worten unseres Guides: „You only survive together.“

Der erste Tunnel war psychisch am herausforderndsten. Die Ungewissheit, die Enge, die Hitze und das Gefühl, nicht genau zu wissen, wie weit es noch geht.

Der dritte Abschnitt war der längste mit rund 50 Meter und mit drei möglichen Ausstiegen. Mehrere Passagen waren extrem schmal, teilweise ging es bergauf über Kanten hinweg. Trotzdem zog unsere gesamte Gruppe bis zum Ende durch.

Im letzten Tunnel wurde uns eine andere Bauweise gezeigt: Während viele Tunnel mit gewölbten Rundbögen gebaut wurden, gab es hier eine dreieckige Konstruktion. Diese sparte Material, war schneller zu graben und bot trotzdem ausreichend Stabilität.

Diesmal war ich vorne und sollte mit der Handy-Kamera in eine kleine Höhle leuchten. Nico direkt hinter mir. Und plötzlich flatterte mir etwas fast ins Gesicht. Zwei- oder dreimal. „Aaah, Fledermäuse!“ Nach mir wollte dann verständlicherweise niemand mehr hinein. Zugegeben: Sie waren vermutlich harmlos, aber Körperkontakt möchte man trotzdem vermeiden.

Die Tour war insgesamt sehr eindrücklich und es war eine Erfahrung, die den Krieg greifbarer machte weit über das hinaus, was Dokumentationen vermitteln können.

Anschließend besuchten wir das War Remnants Museum, dieses zeigt die Auswirkungen des Vietnamkriegs. Mit Fotografien internationaler Kriegsreporter, Ausstellungen zu Agent Orange (Entlaubungsmittel) und dessen langfristigen gesundheitlichen Folgen, Gefängnisnachbauten, Folterinstrumenten sowie militärischen Fahrzeugen im Außenbereich.

Besonders die Bilddokumentationen gingen unter die Haut. Viele Aufnahmen stammen von bekannten Fotografen, die das Leid der Zivilbevölkerung festhielten. Es ist keine leichte Kost, aber wichtig um die Perspektive Vietnams zu verstehen.

Hungrig und auch etwas nachdenklich legten wir danach einen Kaffee-und-Kuchen-Stopp ein, bevor wir zurück ins Hotel gingen, um uns frisch zu machen und die Eindrücke zu verarbeiten.

Abends gingen wir im Steakrestaurant Olivia’s Prime Steakhouse essen. Neben hochwertigem Fleisch, tollem Ambiente, gab es sogar schwäbisches Bier von Schwaben Bräu. Der Besitzer hatte selbst einige Monate in Deutschland gelebt, deshalb wollte er auch deutsches Bier in seinem Restaurant anbieten.

Später trafen wir uns mit einem 27-jährigen Münchner, den wir morgens auf der Tour kennengelernt hatten. Er erkundet Vietnam alleine in seinem Urlaub und wir haben uns auf Anhieb gut verstanden. Gemeinsam gingen wir in eine Rooftop-Bar in der bekannten Partymeile Bui Vien Walking Street. Von oben beobachteten wir das bunte, laute Treiben. Neonlichter, Musik, Backpacker, Partystimmung.

Phu Quoc – Zwischen Postkartenidylle und Realität

Zum Abschluss unserer Reise ging es auf die Insel Phu Quoc. Sie liegt im Golf von Thailand, gehört geografisch zu Vietnam, ist aber näher an Kambodscha als am Festland. Es ist die größte Insel des Landes und bekannt für weiße Sandstrände, klares Wasser und luxuriöse Resorts. Große Teile der Insel sind als Nationalpark geschützt, gleichzeitig entstehen hier seit einigen Jahren riesige Hotel- und Investorenprojekte.

Für uns stand vor allem eines auf dem Plan: entspannen. Keine großen To-do-Listen, kein Sightseeing-Marathon. Nur Meer, Sonne und abschalten. Das Einzige, was wir unbedingt machen wollten, war schnorcheln. Also buchten wir eine 4-Insel-Tour. Phu Quoc zählt zwar nicht zu den bekanntesten Schnorchelgebieten Südostasiens, aber für Anfänger ist es absolut geeignet.

Morgens wurden wir am Hotel abgeholt und fuhren zu einem kleinen Fischerdorf, wo unser Speedboot startete. Der erste Halt war eine ruhige Bucht, in der wir die Grundlagen lernten.

Dann ging es mit Schwimmflossen ins Wasser, um zu testen, ob jemand Angst im offenen Meer bekommt. Wer unsicher war, sollte für den Rest der Tour eine Schwimmweste tragen, da die weiteren Stopps im offenen, tiefen Gewässer lagen.

Der nächste Stopp war das Highlight. Rund 30–40 Minuten verbrachten wir dort im Wasser und konnten unzählige Fische und Korallen beobachten. Es war ein unfassbar schönes Gefühl, gemeinsam durch die Riffe zu schwimmen, zwischen Fischschwärmen hindurchzutauchen und diese Unterwasserwelt hautnah zu erleben.

Einer unserer vier Tourguides fand dabei sogar einen goldenen Ring im Wasser – für ihn definitiv ein Glückstag.

Beim nächsten Stopp gab es deutlich weniger Korallen. Nico nutzte die Zeit, um Müll aus dem Meer zu ziehen. Den Guides liegt viel daran, die Riffe sauber zu halten und sie waren über jede Hilfe dankbar. Während ich weiter fasziniert Fische beobachtete und mich treiben ließ, sammelte auch ich ein paar Plastikteile ein.

Den letzten Halt machten wir an der Insel Hon Thom (auch bekannt als Thom Island). Dort gab es frische Mango und ein Getränk, bevor es zurück zum Fischerdorf und schließlich ins Hotel ging.

Den Rest der Zeit verbrachten wir hauptsächlich am Strand unseres Hotels, welches direkt am Khem Beach liegt. Heller, fast weißer Sand. Kein steiniger Einstieg. Das Wasser wird langsam tiefer, sodass man entspannt hineingehen und auch gut schwimmen kann. Kaum Wellengang, eine unglaubliche Klarheit des Wassers, wodurch man auch gut Fische sehen konnte.

Rein landschaftlich gehört dieser Strand definitiv zu den schönsten, die wir bisher gesehen haben.

Von unserem Hotel aus bekamen wir Tickets für eine Show und den kostenlosen Shuttle nach Sunset Town. Dabei handelt es sich um ein neues Tourismus- und Erlebnisareal im Süden der Insel. Außerdem ist der Teil von Phu Quoc bekannt für den schönsten Sonnenuntergang über dem Meer. Also dachten wir: Warum nicht anschauen?

Leider hat uns dieser Teil der Insel überhaupt nicht überzeugt. Große Investoren haben hier künstliche Stadtviertel im mediterranen Stil gebaut. Viele Gebäude stehen komplett leer und es fühlt sich wie eine künstliche Geisterstadt an. Es wirkt inszeniert. Unecht. Austauschbar.

Die Restaurants dort waren qualitativ enttäuschend, vieles wirkte auf schnellen Massentourismus ausgelegt. Mit authentischem Vietnam hatte das für uns wenig zu tun. Auch die tägliche Show mit Feuerwerk ließen wir aus, da uns die Atmosphäre einfach nicht gefiel.

Allgemein fanden wir es auf Phu Quoc überraschend schwer, wirklich gute Restaurants zu finden. Vieles wirkte hochwertig inszeniert, mit hohe Preise, schönen Kulissen, aber Service und Qualität blieben oft hinter den Erwartungen zurück. In manchen vermeintlichen 5-Sterne-Hotels wartete man 30 Minuten, bis überhaupt jemand die Bestellung aufnahm. Dazu mittelmäßiges Essen und die Aufforderung, direkt im Voraus zu bezahlen.

Zwei Restaurants können wir jedoch ehrlich empfehlen: Red Rum und Jos Cucina. Hier stimmten Qualität, Service und Preis-Leistung.

Phu Quoc war für uns damit ein Ort der Gegensätze:

Traumhafte Natur und klares Wasser auf der einen Seite. Überdimensionierte Investorenprojekte und fehlende Authentizität auf der anderen.

Ein schöner Abschluss zum Entspannen, aber nicht der Teil Vietnams, der uns kulturell am meisten berührt hat.

Fazit – Ein Land voller gegensätzlicher Städte

Vietnam hat uns überrascht. Nicht nur wegen seiner Landschaften oder Städte, sondern wegen der Intensität, mit der alles auf uns gewirkt hat.

Von den leuchtenden Laternen in Hoi An über die moderne Skyline von Ho Chi Minh City bis hin zu den stillen Momenten im Wasser. Jeder Ort hatte seinen eigenen Charakter.

Unsere absoluten Highlights waren definitiv, die Landschaft rund um Ninh Binh mit ihren dramatischen Kalksteinfelsen und der fast surrealen Ruhe auf dem Wasser.

Auch die Cu-Chi-Tunnel, die Geschichte greifbar gemacht haben wie kaum ein Museum es könnte, berührten uns sehr.

Die schönsten Stadt war für uns Hoi An, diese Kleinstadt im goldenen Licht, die einfach eine besondere Magie ausstrahlt.

Aber auch Saigon mit seiner Energie, seiner Geschwindigkeit und der spürbaren Aufbruchsstimmung hat uns beeindruckt. Ebenso wie die Strände von Phu Quoc und Da Nang.

Vietnam ist kein Land, das man nebenbei erlebt. Es ist laut, intensiv, manchmal widersprüchlich und genau das macht es so faszinierend.

Es ist ein Land zwischen Tradition und Moderne, zwischen Kriegsgeschichte und wirtschaftlichem Aufbruch, zwischen Garküchen auf Plastikstühlen und Rooftop-Bars mit Skylineblick.

Vietnam ist definitiv ein Besuch wert!