– ein Reise-Wochenende rund um die Feiertage
Aber fangen wir erstmal vorne an…
Denn diese Woche startete mit meinem Geburtstag und dieser war in diesem Jahr ganz anders als sonst. Mein Geburtstag fällt in die Vorweihnachtszeit, eine Zeit, in der sonst fast immer alle frei haben, Familien zusammenkommen und sich alles vertraut anfühlt. Dieses Jahr war vieles neu: keine Familie vor Ort, keine Freunde und Nico war tagsüber arbeiten. Gleichzeitig spürte ich, dass genau darin auch eine Chance lag: innezuhalten, auf mich zu hören und mir selbst bewusst Zeit zu schenken.
Ich startete entspannt mit einem Saunagang und ging anschließend frühstücken. Auf meinem Teller landete ein pochiertes Ei auf einem Bagel mit Guacamole. Leider wurde bei der Zubereitung Koriander verwendet, aber davon ließ ich mir meine Laune nicht trüben. Bei einem Spaziergang genoss ich den Sonnenschein an dem kalten Wintertag. Mittags kaufte ich mir einen Kaffee und ein besonders leckeres Stück Karottenkuchen.
Zwischendurch telefonierte ich mit Familie und Freunden. Es waren Gespräche, die mir unglaublich gutgetan haben und über die ich mich sehr freute. Zum Abschluss meiner Me-Time hatte ich einen Termin zur Massage, bei der eine Stunde lang versucht wurden, alle Blockaden zu lösen. Es war genau das, was ich an diesem Tag gebraucht habe, um abzuschalten.
Als Nico von der Arbeit nach Hause kam gingen wir gemeinsam essen, in eine fabelhafte, mehrfach ausgezeichnete Pizzeria. Mit einem Glas Sekt stießen wir auf mich an, auf 26 Jahre Lea. Zurück im Apartment warteten gleich zwei schöne Überraschungen auf mich: Die Mitarbeiter an der Rezeption schenkten mir eine Flasche Wein und richteten mir herzliche Geburtstagsgrüße aus. Doch damit nicht genug, sie meinten vor unserer Tür würde ebenfalls etwas auf mich warten.
Die Aufzugsfahrt kam mir dieses Mal vor lauter Aufregung endlos vor. Oben angekommen erwartete mich ein wunderschöner Blumenstrauß von meinen Freunden aus dem Stall. In diesem Moment wurde mir bewusst, wie nah sich Menschen auch über große Entfernungen sein können. Ich war unendlich dankbar für diesen Strauß, aber genauso für jedes Telefonat, jede Nachricht und jedes liebe Wort an diesem Tag.






Frohe Weihnachten !
Den 24. Dezember begann ich ruhig, begleitet von etwas Weihnachtsmusik. Das Wetter war überraschend schön, also ging ich am Vormittag erst einmal spazieren, ließ die Gedanken treiben und genoss die frische Luft, bevor es danach an die Vorbereitungen für unser Weihnachtsessen ging.
Nico konnte dank seiner Chefin früher Feierabend machen. Sie zeigte großes Verständnis dafür, wie bedeutend Weihnachten für uns ist. Nicht nur diese Geste hat uns gerührt – sie hat ihm zusätzlich noch eine kleine Aufmerksamkeit zu Weihnachten geschenkt. Diese Offenheit und Wertschätzung sind alles andere als selbstverständlich.
So war Nico also bereits gegen 15 Uhr zu Hause. Bis zum Abendessen machten wir es uns gemütlich, schauten Serien und ließen den Tag langsam werden, unter anderem mit Michel aus Lönneberg, einem dieser Klassiker, der sofort ein vertrautes, weihnachtliches Gefühl auslöst.
Am Abend stand mein erstes selbst gekochtes Weihnachtsmenü bereit. Als Vorspeise gab es Toast-Hawaii-Sterne und Tomaten-Mozzarella-Bäumchen, angelehnt an die Tradition von Nicos Familie. Als Hauptgang habe ich versucht, so nah wie möglich an das Weihnachtsessen meiner eigenen Familie heranzukommen: Rotkraut, Spätzle, Truthahnbrust und eine festliche Soße. Zum Abschluss gab es einen Wichtel-Cheesecake und einen Brownie in Tannenbaumform. Begleitet wurde das Ganze von einem argentinischen Wein.
Auch wenn nicht alles perfekt war, der Tannenbaum war zum Beispiel etwas zerlaufen und die Soße war nicht ganz wie bei Mutti – bin ich trotzdem stolz darauf. Alles in allem hat es gut geschmeckt und schließlich wird man nur durchs Probieren besser.
Nach dem Essen telefonierten wir noch mit unseren Familien und für einen kurzen Moment fühlte es sich an, als säßen wir alle gemeinsam an einem Tisch. So ließen wir Heiligabend ruhig ausklingen ohne Trubel, ohne Hektik, aber mit viel Nähe und Dankbarkeit.





Den ersten Weihnachtsfeiertag starteten wir mit einer Runde Switch, welche uns passend zu Weihnachten beide als Sieger körte. Bei einem gemeinsamen ausgiebigen Frühstück, schauten wir die nächste Folge Michel. Tagsüber verbrachten wir Zeit zusammen, gingen zum Sport, räumten die Küche vollständig auf, packten langsam unsere Koffer und kamen ein wenig zur Ruhe. Bevor es am Abend für uns in ein Restaurant ging, welches ich extra reserviert hatte, denn dieses bietet Käsefondue an. Genau das Richtige für einen weihnachtlichen Abschluss.

Die Metropole Shanghai
Wir haben uns dazu entschieden uns zu Weihnachten das wichtigste zu schenken was wir haben: Zeit zu zweit. Und diese in Form eines gemeinsamen Erlebnisses, denn für uns ging es am Freitag um 8 Uhr mit dem Schnellzug nach Shanghai.
Die Tickets welche wir bereits online vorreserviert hatten, waren keine im klassischen Sinne. Denn durch die Angaben bei der Reservierung werden alle Daten gespeichert und man reist nur mit seinem Reisepass. Dieser dient als Ticket und wird direkt beim betreten des Bahnhofs gescannt. Somit wird sichergestellt, dass nur Personen mit Ticket Zugang zu den Gleisen haben.
Der Bahnhof für die Fernzüge wirkt eher wie ein Flughafen als wie ein klassischer Bahnhof. Es gibt verschiedene Check-in-Gates, jeweils mit zwei Eingängen. Über Rolltreppen gelangt man hinunter zu den Gleisen. Dort angekommen sucht man den Abschnitt seines Waggons, diese sind deutlich auf dem Boden markiert. Die Fahrgäste stellen sich ordentlich in Reihen auf, dabei sorgt extra Personal dafür, dass alles ruhig und strukturiert abläuft.
Im Zug selbst gibt es in der zweiten Klasse auf der einen Seite Zweier-, auf der anderen Seite Dreier-Sitzreihen. Die Beinfreiheit ist überraschend großzügig, deutlich angenehmer als in vielen Flugzeugen und auch die Rückenlehnen lassen sich bequem verstellen. Ähnlich wie im Flugzeug gibt es auch hier Mitarbeitende, die das Verstauen des Gepäcks kontrollieren, Müll einsammeln, bestelltes Essen verteilen und generell für das leibliche Wohl sorgen. Besonders faszinierend ist dabei das Essensbestellsystem in den chinesischen Zügen. Über eine App kann man Mahlzeiten vorbestellen, von klassischen Zuggerichten bis hin zu bekannten Ketten wie McDonald’s oder lokalen Restaurants. Diese Restaurants befinden sich an ausgewählten Bahnhöfen entlang der Strecke. Bei einem Zwischenstopp wird das Essen von Mitarbeitenden des Bahnhofs an den Zug übergeben, von Zugpersonal entgegengenommen und anschließend direkt an den jeweiligen Sitzplatz gebracht. Alles ist zeitlich genau abgestimmt, sodass selbst kurze Stopps ausreichen, um warme Speisen zuverlässig auszuliefern.






In nur 4 Stunden und 32 Minuten legten wir die Strecke von 1300 km von Peking nach Shanghai zurück. Der sogenannte Gaosu (G-Serie), kann eine Geschwindigkeiten von bis zu 350 km/h erreichen. Nach zwei Zwischenstopps kamen wir pünktlich in Shanghai an. Die Fahrt mit ihm war ein echtes Erlebnis und zeigt eindrucksvoll, wie durchorganisiert und effizient Reisen hier funktioniert.
Alle verließen den Zug ruhig und geordnet. Wir folgten den Schildern zu den Taxiständen und machten uns auf den Weg zu unserem Hotel. Dort angekommen wurden wir herzlich empfangen. Unser Zimmer war sehr komfortabel, einziges kleines Manko waren die fehlenden einheitlichen Steckdosen, weshalb ich dieses Wochenende ohne Glätteisen auskommen musste. Dafür überzeugte die Lage des Hotels umso mehr: Direkt gegenüber befindet sich eine der bekanntesten Attraktionen der Stadt und genau diese erkundeten wir noch am selben Tag.



Wir starteten am The Bund und spazierten an der Uferpromenade des Flusses entlang, mit Blick auf die Skyline von Shanghai. Ein Anblick, der wirklich atemberaubend ist. Unser Weg führte uns bis zum North Bund und wieder zurück, insgesamt 15.000 Schritte. Zwischendurch probierten wir noch die traditionellen Soup Dumplings, welche in Shanghai besonders bekannt sind.






Während wir entlang des Bunds liefen, lag vor uns eine der beeindruckendsten Skylines der Welt. Shanghai vereint hier auf engstem Raum Geschichte, Moderne und architektonische Superlative. Die Skyline von Pudong gilt als Symbol für Chinas rasante Entwicklung der letzten Jahrzehnte und verändert sich bis heute ständig weiter. Besonders faszinierend ist der Kontrast zwischen den historischen Gebäuden auf der einen Seite des Flusses und den futuristischen Wolkenkratzern auf der anderen.

Dominant ragt der Shanghai Tower in den Himmel, mit seinen rund 632 Metern ist er das höchste Gebäude Chinas und eines der höchsten der Welt. Seine spiralförmige Glasfassade steht für Nachhaltigkeit und Energieeffizienz und wirkt trotz der enormen Höhe erstaunlich leicht und elegant.
Im Zentrum der Skyline steht der Oriental Pearl Tower, eines der ikonischsten Wahrzeichen Shanghais. Mit seinen markanten, kugelförmigen Elementen wirkt er fast futuristisch und ist sofort unverwechselbar. Der 468 Meter hohe Fernsehturm verbindet moderne Architektur mit symbolischer Gestaltung: Die unterschiedlich großen Kugeln stehen für fallende Perlen und verleihen dem Bauwerk seine spielerische Eleganz. Als eines der meistfotografierten Bauwerke der Stadt zieht er Besucher aus aller Welt an und zieht alle Blicke auf sich.
Eins der Gebäude war Nico bereits gut bekannt: das Shanghai World Financial Center, das wegen seiner markanten Öffnung an der Spitze umgangssprachlich nur der „Flaschenöffner“ genannt wird. Mit etwa 492 Metern Höhe gehört es ebenfalls zu den Wahrzeichen der Stadt. Die charakteristische Form ist nicht nur ein architektonisches Statement, sondern wurde auch aus statischen Gründen so entworfen, um Windbelastungen besser standzuhalten.
Diese drei Giganten nebeneinander zu sehen, eingebettet in ein Meer aus weiteren Hochhäusern, war schlicht überwältigend.
Mit Einbruch der Dämmerung kehrten wir ins Hotel zurück, machten uns frisch und fuhren anschließend zum Abendessen. Den Tag beendeten wir schließlich dort, wo er begonnen hatte: mit dem Blick auf die Skyline, diesmal im Lichtermeer der Nacht.
Schon unser erster Tag in Shanghai fühlte sich magisch an. Ganz gleich ob bei Tageslicht, zum Sonnenuntergang oder später bei Nacht. Diese Stadt hatte zu jeder Zeit eine ganz eigene, fast unwirkliche Ausstrahlung. Wir machten unzählige Fotos, blieben immer wieder stehen, schauten, staunten und genossen einfach den Moment. Es war einer dieser Tage, an denen man nichts festhalten möchte, außer das Gefühl selbst.






Tag zwei: Kontraste, Geschichte und Lichterzauber
Gestärkt nach einem westlich-chinesischen Frühstück im Hotel starteten wir in unseren zweiten Tag. Unser erster Stopp führte uns zu einem beeindruckenden Gebäudekomplex: 1000 Trees. Schon beim Ankommen waren wir fasziniert. Die Architektur ist außergewöhnlich, terrassenförmig angelegte Gebäude, aus denen unzählige Bäume und Pflanzen wachsen. In Kombination mit der Lage direkt am Fluss und einem schön angelegten Parkweg rundherum entsteht eine unglaublich ruhige, fast meditative Atmosphäre mitten in der Großstadt. Ein Ort zum Verweilen und für uns definitiv ein Ort, an dem wir aus dem Fotografieren gar nicht mehr herauskamen.






Der restliche Tag verlief bewusst entspannt. Wir schlenderten durch die Former French Concession, eines der charmantesten Viertel Shanghais. Breite Alleen, historische Gebäude und viele kleine Läden prägen diese Gegend. Besonders schön waren die Einkaufsstraßen Wukang Road und Anfu Road, die mit ihren Cafés, Boutiquen und alten Fassaden zum Bummeln einladen.
Ein absolutes Highlight dort ist das Wukang Mansion. Das Gebäude wurde 1924 erbaut und ist im Stil des französischen Neoklassizismus gehalten. Durch seine Form erinnert es viele an das Flatiron Building in New York. Heute ist es eines der meistfotografierten Häuser der Stadt und das merkt man sofort: Menschenmassen versammeln sich rund um das Gebäude, um Fotos von und mit diesem besonderen Bauwerk zu machen.

Zwischendurch sammelten wir in verschiedenen Shops kleine Stempel. In China sind sogenannte Stempelbücher sehr beliebt. Viele Cafés, Läden oder Sehenswürdigkeiten haben eigene Stempel, die man als Erinnerung sammelt. Anschließend kehrten wir in ein französisches Café ein, tranken Café, aßen ein Kaffeestück und ließen die Eindrücke auf uns wirken.
Zurück im Hotel ruhten wir uns kurz aus, denn am Abend stand etwas ganz Besonderes an. Punkt 18 Uhr beginnt in Shanghai ein tägliches Schauspiel: Nach einem kurzen Lichterspiel und einem Countdown werden gleichzeitig die Lichter an unzähligen Gebäuden der Stadt eingeschaltet. Ein Moment, der uns beide tief beeindruckt hat- so synchron, so groß, so überwältigend. Ein Anblick, der uns für immer in Erinnerung bleiben wird.
Doch damit war der Tag noch nicht vorbei. Am Abend führte ich uns in die Gegend rund um die Yu Gardens. Diese klassischen chinesischen Gärten stammen ursprünglich aus dem 16. Jahrhundert und gehören zu den bekanntesten der Stadt. Auch die umliegenden Straßen sind ein echtes Highlight: kunstvoll verzierte Gebäude, Laternen, kleine Tempel und lebendige Gassen schaffen eine ganz besondere Atmosphäre.
Nach dem Abendessen in einem außergewöhnlichen Restaurant mit moderner chinesischer Küche, kunstvoll eingerichtet und ebenso kreativ angerichtet Speisen, ließen wir uns noch durch die belebten Straßen treiben. Es war der perfekte Abschluss für diesen wunderschönen Tag in Shanghai.






Tag drei: Ankommen im Moment
Nach all den Eindrücken der vergangenen zwei Tage entschieden wir uns, unseren letzten Tag ruhig anzugehen. Kein straffer Plan, keine Must-sees mehr, einfach bummeln, treiben lassen und genießen. Wir schlenderten durch die Straßen, gingen shoppen und wurden beide fündig.
Nach einem entspannten Kaffee-und-Kuchen-Stopp machten wir uns langsam auf den Weg zum Bahnhof. Mit einem Koffer voller neuer Erinnerungen traten wir unsere Rückreise an.
Wie schon auf der Hinfahrt kamen wir auch diesmal wieder pünktlich in Peking an. Zu Hause angekommen bekam unser neuer Magnet seinen Platz am Kühlschrank, die neue Espressotasse wanderte in den Schrank und wir fielen glücklich, erfüllt und ein kleines bisschen wehmütig ins Bett.
Shanghai ist eine magische Metropole. Eine Stadt voller Gegensätze, Lichter, Geschichte und moderner Dynamik. Sie hat uns überwältigt, inspiriert und berührt. Zudem hat sie uns gezeigt, wie viel es noch zu entdecken gibt. Ein Ort, der bleibt. In Bildern, in Erinnerungen und ganz tief im Gefühl.











































































































