Der perfekte Wocheneinkauf
Vor einer Weile wurde mir ein lokaler Lebensmittelmarkt empfohlen, auf dem man frisches Gemüse, Obst, Fleisch und Fisch kaufen kann. Da mich die chinesische Küche und ihre Lebensmittel sehr interessiert, war ein Besuch auf diesem natürlich Pflicht. Begleitet wurde ich von einer meiner neuen Freundinnen.
Mein Weg dorthin war schon ein Highlight: durch einen kleinen Park mit herbstlich gelben und orangenen Blättern, die Sonne schien, alles wirkte so richtig schön herbstlich.
Der Markt selbst ist eine überdachte Markthalle, richtig lebendig und bunt: Gemüse, Obst, Fleisch, Fisch, frische Nudeln, getrocknete Getreideprodukte, Tee und sogar kleine Essensstände an denen man direkt etwas snacken kann. Alles super frisch! Besonders beeindruckend fand ich die Fisch- und Meeresfrüchte-Abteilung: hier gibt es nicht nur Lachsfilets, sondern auch lebende Fische und Krabben, die man direkt auswählen kann. Alles zappelt, krabbelt oder zittert– definitiv ein Erlebnis!
Beim Fleisch ist es ähnlich: man wählt einfach das gewünschte Stück aus, welches direkt vor den eigenen Augen herausgeschnitten wird.






Wir haben uns zuerst etwas treiben lassen und dann versucht unsere Einkaufsliste abzuarbeiten. Am Stand sagt man was man möchte und wie viel. Bei Obst kann man sich die Stücke oft selbst aussuchen, bei Fleischwaren ziehen die Verkäufer Handschuhe an und packen es hygienisch für einen ab. Danach wird alles gewogen, man scannt einen QR-Code und bezahlt direkt mit dem Handy. Am Anfang war es noch etwas ungewohnt, aber nach ein paar Ständen hatten wir den Dreh raus und verstanden gut, wie alles abläuft.
Besonders schön war, dass wir ein paar interessante Begegnungen mit Einheimischen hatten: An zwei, drei Ständen wurden wir gefragt, woher wir kommen. Die Menschen waren super freundlich, offen und neugierig. Bereits auf der Bahnfahrt hatte ich ein junges Mädchen neben mir, das versuchte, mir auf Chinesisch und Englisch Fragen zu stellen. Wir konnten uns zwar nur rudimentär verständigen, aber ich fand es super schön, wie interessiert sie war. Für mich ein Ansporn noch besser chinesisch zu lernen!
Am Ende waren wir sehr zufrieden: für umgerechnet 13,92 Euro hatte ich eine riesige Auswahl an frischem Gemüse und Obst gekauft. Der Marktbesuch lohnt sich definitiv, nicht nur wegen der Frische der Produkte, sondern auch wegen der lebendigen Atmosphäre und der kleinen Begegnungen mit Einheimischen. Ich werde ab sofort regelmäßig hier einkaufen gehen.

Unser erster Arztbesuch in Peking
Am Dienstagmorgen stand bei uns mal ein etwas anderer „Ausflug“ auf dem Plan: ein Arztbesuch. Nico hatte seit Montagmorgen starke Rückenschmerzen. Am Abend ist er bereits zur Massage gegangen, in der Hoffnung, dass es sich nur um eine einfache Verspannung handelt. Doch danach spürte er kaum Besserung und über Nacht wurden die Schmerzen sogar noch stärker, sodass er sich morgens nur noch eingeschränkt bewegen konnte. Also haben wir beschlossen, die Situation ärztlich beurteilen zu lassen.
In Peking ist das Buchen von Arztterminen sehr unkompliziert. Alles läuft online. Man kann gezielt nach Ärzten suchen, die auf ein bestimmtes Gebiet spezialisiert sind und auch die Sprache filtern. In unserem Fall suchten wir also gezielt einen Orthopäden und Rücken-Spezialisten, der Englisch spricht.
Ich habe also einen Arzt gefunden, der noch einen freien Termin um 9 Uhr im United Family Hospital hatte, etwa 20 Minuten von uns entfernt. Bereits online konnten wir unsere Daten hochladen: Krankenkarte, Pass und eine kurze Beschreibung der Symptome. So war der Arzt beim Eintreffen bereits vorbereitet und wir mussten vor Ort kaum noch Papierkram erledigen.
Mit einem Didi (Taxi) fuhren wir zum Krankenhaus. An der Rezeption wurde kurz überprüft, bei welchem Arzt wir sind und welcher Termin gebucht war. Dann wurde der Pass gescannt, um eine Mitgliedsnummer zu vergeben, dies erleichtert zukünftige Besuche. Schon nach wenigen Minuten konnten wir zum Arzt gehen.
Der Termin begann pünktlich um 9 Uhr. Nach einer kurzen Befragung zu den Symptomen und einer Untersuchung meinte der Arzt, dass es sich wahrscheinlich um ein Problem mit Muskeln oder Nerven handele, wollte aber sicherheitshalber ein Röntgenbild machen.
Für das Röntgen wurde Nico von einem Mitarbeiter in einem rollbaren Stuhl abgeholt, sodass er nicht laufen musste. Vom Gebäudewechsel bis zur Umkleide und zum Röntgen lief alles wie am Schnürchen, ohne Wartezeiten. Zwei Aufnahmen später- fertig.
Zurück beim Arzt: die Röntgenbilder waren zum Glück unauffällig. Anschließend nahm sich der Arzt ausgiebig Zeit (mindestens 20 Minuten), um Nico mit Lockerungsübungen, Druckpunktmassagen und gezielten Übungen für zu Hause zu behandeln. Ein Folgetermin wurde direkt vereinbart, zudem erhielten wir ein Rezept, das wir sofort in der Apotheke im selben Gebäude einlösen konnten.
Nach der Apotheke kauften wir uns noch einen Kaffee am Eingang und fuhren zurück nach Hause. Die Abrechnung erfolgt direkt mit der Krankenkasse, alles sehr einfach und unkompliziert. Nico konnte sich frisch machen, Wärmepflaster aufkleben, frühstücken und dann gestärkt wieder zur Arbeit gehen.
Der Besuch im United Family Hospital war ein echter Einblick in die moderne medizinische Versorgung in Peking: hell, sauber, effizient und patientenfreundlich. Von der Online-Buchung über den Check-in bis zur Behandlung und Medikamentenabholung läuft hier alles reibungslos. Was mich wirklich beeindruckt hat: keine langen Wartezeiten, selbst für Röntgen oder MRTs. Alles befindet sich unter einem Dach: Arzt, Röntgen, Apotheke. Nach dem Besuch verlässt man das Krankenhaus quasi „fertig versorgt“. So effizient, unkompliziert und professionell habe ich einen Arztbesuch selten erlebt.





Kunst und Geschichte
Auf Empfehlung von Nico bin ich zur 798 Art Zone in Peking gefahren, einem riesigen Areal im Nordosten Pekings (Chaoyang, Dashanzi). Dort war in den 1950er Jahren ein Fabrikgelände, entworfen mit Hilfe der DDR. Mit der Zeit haben Künstler diese leerstehenden Hallen gemietet und zum heutigen, kreativen Hotspot voller Galerien, Werkstätten, Cafés und riesiger Außenskulpturen entwickelt.


Ich bin den ganzen Vormittag ohne Plan durch die Gassen geschlendert. Mal tauchte plötzlich eine meterhohe Statur auf, mal ein buntes Wandbild, mal eine kleine Metallwerkstatt, in der Mini-Eisenbahnen, Motorräder oder Skulpturen gefertigt werden.
Dazwischen Cafés, Designläden, Schmuckboutiquen und Handwerksstudios mit Keramik, Mode oder selbst bemalten Tellern.
Ein Ort, an dem man stundenlang herumstöbern kann, ohne dass es langweilig wird.









Besonders fasziniert haben mich die kleinen Keramikläden.
Bei einem Laden stand vor dem Geschäft eine kleine Auswahl. Ich blieb stehen, schaute mich um und der Besitzer bemerkte schnell, dass ich Interesse habe. Er hat mich freundlich hereingebeten und im nächsten Moment wurde ich schon von einem neugierigen Hund begrüßt. Voller Begeisterung. Voller Liebe. Mein Herz zerbrach etwas, da ich ihn nicht streicheln konnte, da man leider nie genau weiß, wie der Gesundheitszustand der Tiere ist. Unser Arzt sowie der Werksarzt rieten uns daher zur kompromisslosen Vorsicht.
Eigentlich wollte ich direkt mit dem Taxi (Didi) zurückfahren. Aber als ich gesehen habe, wie der Verkehr stand, bin ich lieber noch etwas gelaufen.
Auf einer Fußgängerbrücke hatte ich dann diesen typischen Peking-Moment: Gebäude, Autos, Lichter, eigentlich nichts Besonderes. Aber zusammen ergibt es dieses echte Großstadtgefühl, das gleichzeitig überwältigend und beruhigend ist.
Ein paar Straßen weiter kam ich an einem Fluss vorbei. Die hängenden Bäume spiegelten sich im Wasser und für ein paar Minuten war einer dieser intensiven Pekinger Sonnenuntergänge: warm, orange, kräftig, fast schon magisch.
Ich liebe diese kurzen Momente hier, die einen komplett einfangen und alles entschleunigen.


Hike „Gubeikou Great Wall
Am Sonntag haben wir eine geführte Wanderung entlang der Chinesischen Mauer gebucht – Nicos erste Wanderung in China und mein erstes Mal an der Mauer. Treffpunkt war um 7:30 Uhr, wo wir von dem Tour-Bus eingesammelt wurden. Gemeinsam mit fünf weiteren Personen und einer Freundin fuhren wir ca. zwei Stunden zum Startpunkt.
Die Tour führte uns in den Panlongshan-Abschnitt der Gubeikou Great Wall.
Gestartet sind wir in der Nähe eines kleinen Dorfes. Von dort beginnt ein Bergpfad, der uns zur oberen Sektion der Großen Mauer von Gubeikou führte. Der Aufstieg war nicht besonders schwierig, da er mit gut erhaltenen Treppen versehen ist. Oben angekommen standen wir bereits fast am höchsten Punkt der gesamten Tour.
Der tatsächliche höchste Punkt ist der 24-Eyes Tower. Wir folgten der Mauer weiter bergauf und wurden mit weiten Ausblicken auf die umliegenden Berge und weitere Mauerabschnitte belohnt. Der Turm ist der höchste und einer der größten auf dem Panlongshan-Abschnitt, auch bekannt als „Coiling Dragon Mountain“. Seinen Namen verdankt er ursprünglich den 24 Fenstern: sechs auf jeder der vier Seiten. Heute stehen allerdings nur noch zwei Seiten, da der Turm über die Jahre, unter anderem während eines Gefechts in den 1930er-Jahren zwischen chinesischen und japanischen Truppen, stark beschädigt wurde.






Nach einer kurzen Pause wanderten wir weiter die Mauer hinunter in Richtung des Nordtors von Gubeikou. Der Weg führte größtenteils direkt auf der Mauer entlang, vorbei am Haowang Tower und später am General’s Tower. Kurz hinter diesem Turm bogen wir auf einen Seitenpfad ab, um über schmale Hügelwege wieder zur alten Stadtmauer von Gubeikou zu gelangen. Auf dieser letzten Mauerpassage wanderten wir schließlich bis zum Nordtor, einem eindrucksvollen, bogenförmigen Tor in der Mauer.
Vom Nordtor stiegen wir ins Dorf hinab und beendeten den Tag mit einem großzügigen, wohlverdienten Essen in einem lokalen Dorfrestaurant.
Wie in China üblich, gab es viele Gerichte, die auf den Tisch gestellt werden. Jeder kann sich das nehmen, was er möchte, alles wird geteilt. Zu trinken gab es Bier, Jasmintee und chinesische Limonaden. Mit netten Gesprächen und gutem Essen ließen wir die Wanderung ausklingen.



Danach fuhren wir wieder zweieinhalb Stunden zurück in die Stadt und fielen nach einer Dusche glücklich ins Bett. Wir sind dankbar, so etwas erleben zu können und freuen uns auf weitere Wanderungen.