Mit sieben Koffern nach China

Abschied von unserer Heimat

Die erste große Verabschiedung stand schon am ersten September-Wochenende an, bei der Hengstbacher Kerb, die für uns immer ein ganz besonderes Fest ist.

2017 hatte Nico die Straußbuben gemeinsam mit seinen Freunden aus dem Dorf neu gegründet und 2018 trat ich ebenfalls bei. Die Kerb und die Hengstbacher Straußbuben sind für uns beide zu einer echten Herzenssache geworden.

Am Kerwesonntag, am Ende der Kerweredd, wurden wir mit bewegenden Worten verabschiedet und gemeinsam sangen wir mit dem ganzen Dorf das Pfalzlied, traurig und schön zugleich. Einige Tränen flossen, bei uns und bei vielen anderen. Da wurde uns das erste Mal so richtig bewusst, was wir uns in all den Jahren aufgebaut hatten und welch wunderbare Gemeinschaft hinter uns steht.

Am Kerwemontag folgte das Stännele bei Familie F.. Wie jedes Jahr wurden wir Straußbuben mit offenen Armen in der Hofeinfahrt empfangen, mit Snacks, Limoncello und gemeinsamem Gesang. Auch dort verabschiedete man uns mit einem Lied und wieder war es ein sehr besonderer Moment.

Am Wochenende vor dem Abflug stand dann noch ein weiteres Highlight an: ein letztes Mal auf den Betzenberg.

Nico liebt den 1. FC Kaiserslautern und auch ich gehe gerne mit ins Stadion. Die Stimmung im Block ist einfach unbeschreiblich. Zum Abschied bekamen wir sogar einen 4:1-Sieg geschenkt!

Auch unsere Großeltern verabschiedeten wir an diesem Wochenende. Mit ihnen verbinden wir viele schöne Erinnerungen aus der Kindheit, vom Marmeladenbrot in Reiter geschnitten über Traktorfahrten, Wald-Expeditionen und gemeinsamen Schaukelerlebnissen. Gerade deshalb war der Abschied sehr schwer, denn wir wussten, dass drei Jahre ohne diese Nähe eine große Herausforderung sein werden. Besonders berührend war es, als Nicos Opa uns auf seiner Mundharmonika vorspielte.

Abschiede vom Alltag

Natürlich hieß es auch, sich von unseren Arbeitsplätzen zu verabschieden.

Für Nico bedeutete das, sein erstes großes Projekt nach dem Studium loszulassen, eine Erfahrung, die ihn nicht nur beruflich, sondern auch menschlich sehr geprägt hat. Besonders dankbar ist er für die Kollegen und Lieferanten, mit denen er in dieser Zeit zusammenarbeiten durfte und von denen er viel lernen konnte. Um sich angemessen zu verabschieden, machte Nico zwei Feiern: eine für seine Kollegen sowie eine für die Lieferanten und Partner. Überall gab es kleine Snacks und Getränke und natürlich durfte die berühmte Daimler-Brezel nicht fehlen.

Für mich heißt es ab jetzt drei Jahre Pause vom Arbeitsleben, von meinen Routinen und natürlich auch von meinen Kolleginnen, die mich in den letzten Jahren begleitet und unterstützt haben. Mein Team ist klein und familiär, deshalb wollte ich etwas ganz Persönliches vorbereiten. Ich backte Brownies, belegte eine große Laugenbrezel in der Form unserer Teamnummer 13, zauberte den legendären Curry-Dattel-Dip und stellte, wie es bei uns Tradition ist, eine Flasche Sekt kalt. Es war ein herzlicher, sehr persönlicher Abschied, der mir einmal mehr gezeigt hat, wie wertvoll die letzten Jahre mit diesem Team waren.

Ein emotionaler Abschied am Flughafen

Am Abflugtag holten uns meine Eltern und mein Bruder ab. Mit sieben Koffern und drei Taschen, verteilt auf zwei Autos (und einem unserer Schreibtische für Niclas), fuhren wir zum Flughafen.

Eigentlich wollten wir nur Gepäck aufgeben und noch in Ruhe einen Kaffee trinken, doch dann wartete die große Überraschung:

Freunde aus Stuttgart, meine Stallfreundinnen, meine beste Freundin mit ihrer Mama, meine Freundin seit der Ausbildung, Nicos Studienfreunde, sein Bruder, insgesamt zwölf Menschen waren gekommen, um uns zu verabschieden. Wir waren überwältigt und unendlich dankbar.

Zwei Tage zuvor hatten wir uns schon von Nicos Eltern zuhause verabschiedet. Seine Mama konnte wegen Ihrer Reha, die vor unserer Ausreise begann, nicht mit zum Flughafen.

Das größte Geschenk kam von allen zusammen: Ein 30-minütiges Video, in dem Familie und Freunde uns erzählten, was sie an uns vermissen werden, was sie mit China verbinden und was wir in Deutschland am meisten vermissen könnten. Dieses Video haben wir uns im Flugzeug angesehen, ein unbezahlbarer Schatz.

An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal recht herzlich bei euch allen und speziell bei DIR Jasmin für die Orga und Produktion bedanken! Das war wortwörtlich „ganz großes Kino“!

Kleine Pannen und der Start

Natürlich lief nicht alles reibungslos. Ich bangte bei der Sicherheitskontrolle, ob das Erinnerungsglas von Anna durchkommt. Kein Problem! Aber im Mäppchen lag noch eine Bastelschere. „Upsi“, sagte ich, während Nico schon skeptisch schaute. Glücklicherweise war sie klein genug und durfte mit.

Nach einer kurzen Pause in der Lounge hieß es dann: Boarding.

Ganz deutsch standen wir pünktlich am Gate, doch es verzögerte sich um fast eine Stunde. Schließlich starteten wir mit halbstündiger Verspätung Richtung Istanbul.

Zwischenstopp in Istanbul

Die Lounge dort war beeindruckend: Buffets, Piano, sogar ein Flugsimulator. Um Mitternacht zogen einige schon den Schlafanzug an und putzten Zähne, ein witziger Anblick.

Unser zweiter Flug ging mit einer Boeing 777 weiter. Etwas älter, aber mit Liegesitzen! Außerdem bekamen wir ein kleines Amenity-Kit mit Schlafmaske und Kuschelsocken und ich liebe Kuschelsocken.

Eine Szene bleibt mir besonders im Kopf: Ein Kellner stolperte, und ein ganzes Tablett mit Gläsern kippte über den Gast neben mir. Zum Glück traf es mich nur minimal an der Hand. Der Sitz des Gastes wurde neu bezogen, und ich bekam ein warmes Tuch. Richtig zur Ruhe kam ich deshalb anfangs nicht, aber immerhin folgte bald das Essen und danach konnten wir vier Stunden schlafen.

Ankunft in Peking

Am Morgen ging die Sonne auf, das Licht im Flugzeug wurde heller, Frühstück wurde serviert und plötzlich war es soweit: Landung in Peking.

Nach einer langen Passkontrolle und einer kurzen Zugfahrt zur Gepäckhalle, holten wir unsere Koffer ab. Alles unversehrt angekommen!

Dann der Moment am Ausgang: Hunderte Menschen mit Schildern und Handys, ich fühlte mich wie ein Star auf dem roten Teppich. Und mittendrin fanden wir unseren Fahrer mit einem Handy, auf dem „Nico Hunsicker“ stand.

Die erste Fahrt durch den chaotisch-schnellen chinesischen Straßenverkehr war ein Erlebnis für sich. Nach einer Stunde erreichten wir unser Hotel.

Kaum eingecheckt, rief Nicos Chef an: „Seid ihr bereit zum Abendessen?“

Eigentlich dachten wir, dass sei erst für den nächsten Tag geplant, aber wir sagten natürlich Ja.

Gemeinsam mit seiner Frau und den drei Kindern gingen wir in ein dänisches Restaurant, das für seine besonderen Schnäpse bekannt ist: Kiwi, Ingwer, Kaffee, Haselnuss, wir probierten alle. Danach zeigten sie uns noch ein bisschen die Gegend. Sie selbst lebten in dieser Gegend während ihres ersten Einsatzes.

Vollgestopft mit Eindrücken, dankbar für so viele liebe Menschen, müde, aber glücklich, fielen wir spätabends ins Bett.

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