Fundstück Oktober 2025

„Please refrain from squatting on the toilet seat“

Bereits bei unserer Ankunft am Flughafen in Peking fiel mir dieses Schild auf und ich musste einfach ein Foto machen.

Darauf zu sehen: eine Figur, die auf einer Toilette hockt, daneben der Hinweis „Please refrain from squatting on the toilet seat“, also „Bitte verzichten Sie darauf, sich auf den Toilettensitz zu hocken“.

Für viele Europäer wirkt das auf den ersten Blick vielleicht etwas kurios. Doch tatsächlich steckt dahinter eine praktische Notwendigkeit und ein spannender kultureller Unterschied.

In vielen asiatischen Ländern, auch in China, sind sogenannte Squat Toilets (Hocktoiletten) weit verbreitet. Diese Toilettenform gilt als hygienischer, weil man dabei keinen direkten Körperkontakt mit der Sitzfläche hat. Gerade auf öffentlichen Toiletten empfinden viele Menschen das als deutlich sauberer. Außerdem entspricht die Hockhaltung der natürlichen Körperhaltung beim Toilettengang, medizinisch gesehen kann das die Entleerung erleichtern und gilt als gesünder für die Darmfunktion.

Wer mit dieser Art von Toilette aufgewachsen ist, empfindet das Hocken also als völlig normal und angenehmer. Und so kommt es hin und wieder vor, dass Reisende auch auf westlichen Toiletten versuchen, in die gewohnte Hockposition zu gehen. Das Problem: westliche Toiletten sind nicht dafür ausgelegt, die Sitze können brechen oder das ganze Becken kippen, was schnell gefährlich werden kann.

In vielen öffentlichen Toiletten in China ist es daher üblich, dass die letzten Kabinen noch mit Hocktoiletten ausgestattet sind. So kann jeder selbst entscheiden, welche Variante ihm lieber ist.

Das Schild ist also weniger ein skurriler Gag, sondern eine gut gemeinte Sicherheitsmaßnahme.

Für mich war es ein charmantes Beispiel dafür, wie unterschiedlich Alltagsgewohnheiten sein können und wie selbst an einem so unscheinbaren Ort wie einer Flughafentoilette Kultur sichtbar wird.

Andere Länder, andere (Toiletten-)Sitten 🚽

„Bitte unterlassen Sie es, auf dem Toilettensitz zu hocken“

Unser Zuhause in China

Von der Übergangswohnung zu unserem Apartment für die nächsten drei Jahre

Bereits in Deutschland mussten wir uns anhand eines Katalogs für eine Unterkunft entscheiden, in der wir die ersten Wochen in Peking verbringen wollten. Die Wahl fiel auf die Kerry Residence, ein modernes Serviced-Apartment mitten im Herzen des Chaoyang Districts, zentral, gepflegt und optisch sehr ansprechend.

Bei der Einrichtung wurde besonders auf praktische Details geachtet: Viele Einbauschränke bieten ausreichend Stauraum, sodass wir unsere Koffer und Kleidung problemlos verstauen können. Selbst der Waschtrockner ist elegant hinter einer Schranktür versteckt.

Ich liebe außerdem die Nachttische, bei denen man die Kabel clever hinter einer kleinen Klappe verschwinden lassen kann, so bleibt alles schön clean und ordentlich. Auch unser Bett ist perfekt durchdacht: Auf jeder Seite befinden sich Schubladen, was zusätzlichen Stauraum schafft, ähnlich wie wir es schon von zuhause gewohnt waren.

Ein kleiner Wermutstropfen ist der Mülleimer, der etwas im Weg steht. Dafür finde ich es schön zu sehen, dass hier tatsächlich auch versucht wird auf Mülltrennung zu achten.

Ein witziges Detail: Wenn man sich auf den Bürostuhl setzt, passt man nicht mehr unter den Schreibtisch, da dieser zu hoch ist und der Stuhl keine Höhenverstellung hat 😄

Wie in fast allen chinesischen Wohnungen gibt es natürlich auch hier eine Klimaanlage, die sowohl im Sommer kühlt als auch im Winter heizt, ein echtes Must-have in Peking.

Die Anlage

Unser Gebäude ist direkt mit einer angrenzenden Mall verbunden, die genau wie unser Apartment zum Unternehmen Kerry gehört. Außerdem gibt es noch das Kerry Hotel, in dem Gäste übernachten können.

Besonders auffällig (und typisch für China) sind die großen Einfahrten vor den Gebäuden. Diese sind meist als Einbahnstraße mit zwei Spuren angelegt, eine zum Halten oder Warten und die andere zum Vorbeifahren. Morgens spielt sich hier regelmäßig ein kleines Schauspiel ab: Eine lange Reihe von mindestens zehn Autos steht auf der rechten Spur, während die Fahrer geduldig auf ihre Kundschaft warten. Wenn es regnet, nutzen sie die Zeit, um ihre Autos zu trocknen, zu polieren oder sich miteinander zu unterhalten. Sobald der Fahrgast kommt, steigen sie ein, ziehen auf die linke Spur und fahren los. Manche Fahrer sind fest bei einer Person/Familie angestellt, andere arbeiten als Didi-/ Taxi-Fahrer auf Abruf.

Die Lobby ist modern eingerichtet und wir werden jedes Mal freundlich begrüßt. Die Mitarbeitenden sind unglaublich hilfsbereit und aufmerksam. Zur Begrüßung steht dort immer frisch gebrühter Tee und Wasser bereit. Türen und Aufzüge lassen sich nur mit Zimmerkarte öffnen, ein beruhigendes Gefühl von Sicherheit. 

Auch das Sportangebot lässt keine Wünsche offen: Ein großes Fitnessstudio mit vielfältigen Kursen, darunter Yoga und sogar Reformer-Pilates. Außerdem gibt es Indoor-Tennis-, Tischtennis- und Basketballplätze sowie ein angenehm beheiztes Schwimmbad (selbst für mich, die eigentlich immer friert!). All diese Angebote können kostenlos genutzt werden, nur wer einen Personal Trainer möchte, zahlt extra.

Zusätzlich gibt es Meetingräume, eine Bibliothek, ein Teezimmer und eine Gemeinschaftsküche, in der regelmäßig Kochevents stattfinden. Diese Woche wurde dort zum Beispiel Kürbisschnitzen angeboten. Die fertigen Kunstwerke schmücken nun die Flure, damit die Kinder beim „Süßes oder Saures“-Spielen von Apartment zu Apartment in Halloween-Stimmung kommen.

Die Anlage bietet also wirklich alles, was man braucht: Komfort, Sicherheit und zahlreiche Möglichkeiten, die Freizeit aktiv zu gestalten.

Der erste Schritt – unsere Wohnungssuche

Direkt nach unserer Ankunft standen zwei volle Tage Wohnungsbesichtigungen auf dem Programm.

Unser Ziel: schnell ein „Zuhause auf Zeit“ finden.

Unsere Kriterien:

– Gute Verkehrsanbindung für Nicos Arbeitsweg

– Fitnessmöglichkeiten

– Nähe zur U-Bahn

– Zentrale Lage

– Moderne und helle Einrichtung

Mit Hilfe einer Maklerin, die uns von Nicos Arbeitgeber gestellt wurde, besichtigten wir 17 Wohnungen in zwei Tagen.

Dabei sind uns ein paar interessante Unterschiede zu Deutschland aufgefallen: Eine Spülmaschine oder ein Backofen gehören hier tatsächlich nicht zur Standardausstattung, dafür findet man in vielen Küchen Gasherde. Im Badezimmer sind die Toiletten extrem modern, häufig mit Sitzheizung, Beleuchtung und allerlei weiteren Funktionen ausgestattet.

Nach der Golden Week mussten wir uns überlegen, welche Option die Beste ist. Zwei Wohnungen gefielen uns besonders, hatten aber Nachteile: die eine über Budget, die andere wirkte zu sehr wie ein Hotel, und beide lagen zu weit von Nicos Bushaltestelle entfernt. Außerdem stand noch eine dritte Möglichkeit im Raum: in unserem aktuellen Apartment bleiben, das ursprünglich nur als Übergangslösung gedacht war.

Unser Zuhause für die nächsten drei Jahre

Nach den Feiertagen gaben wir der Maklerin Bescheid, welche drei Wohnungen für uns in Frage kommen. Gleichzeitig fragten wir nach, ob es möglich wäre, einfach ein paar Stockwerke höher in unserem aktuellen Gebäude zu ziehen.

Die Antwort kam noch am selben Tag: Ja, ein paar Etagen höher wäre noch eine passende Wohnung frei, die wir am nächsten Tag sogar direkt besichtigen konnten.

Also setzten Nico und ich uns daraufhin zusammen und entschieden:

Wir bleiben!

Wir fühlen uns hier wohl, lieben die zentrale Lage, die Ausstattung und das vielfältige Sportangebot. All das passt perfekt zu unserem Alltag.

Der Umzug zum 1. November (hoffentlich) bringt zwar keine großen Veränderungen mit sich, da das Layout und die Einrichtung genau gleich sind wie in unserem bisherigen Apartment (siehe Videos und Bilder oben). Doch das neue Apartment bietet einen noch schöneren Blick über die Skyline und sorgt für mehr Ruhe vom Straßenverkehr.

Unsere Umgebung – mitten im Herzen von Chaoyang

Direkt vor unserer Haustür gibt es zahlreiche Möglichkeiten:

Kerry Mall: Kleidung, Supermarkt, Friseure (bei einem war Nico bereits Gast) und Restaurants – international wie chinesisch.

China World Mall: Luxus, internationale Marken, Spielzeugläden, Foodcourt.

The Place: Berühmt für die riesige LED-Decke, Restaurants, Bars und Shops – besonders abends beeindruckend.

CBD Park: Outdoor-Einkaufsviertel, kreisförmig aufgebaut, mit viel Grün angelegt.

Wir leben hier sehr international: Pizza, Döner oder Burger und traditionelle chinesische Küche, alles nur wenige Schritte entfernt. Die nächste U-Bahn-Station ist drei Minuten entfernt, von dort fünf Minuten nach Sanlitun, dem Hotspot für Bars oder zum Chaoyang Park, ideal für Spaziergänge im Grünen.

Und auch wenn der Umzug selbst unspektakulär ist, freuen wir uns darauf, endlich unsere Koffer vollständig auspacken zu können, Kleinigkeiten wie einen Wäscheständer zu besorgen und einfach zu 100 % in unserer Wohnung anzukommen.

Neuer Rhythmus

Die ersten Arbeitstage

Nach der Golden Week war es so weit: Nicos erster Arbeitstag stand an. Um 6:45 Uhr klingelte der Wecker und wir machten uns fertig für den Tag. Mit Regenschirmen bewaffnet verließen wir gegen 7:15 Uhr das Apartment. Nach etwa neun Minuten Fußweg erreichten wir die Bushaltestelle, an der bereits einige weitere Mitarbeiter warteten.

Der Bus, ein von Mercedes organisierter Shuttle, sammelt täglich die Mitarbeiter aus verschiedenen Wohnbezirken ein und bringt sie gemeinsam zu den Werken TCC (Tech Center China) und BBAC (Beijing Benz Automotive Co.). Schon auf der ersten Fahrt kam Nico schnell mit den anderen ins Gespräch.

Ich drehte anschließend noch eine kleine Runde um den Block, holte mir einen Kaffee für unterwegs und machte es mir dann zuhause gemütlich. Auf meinem Plan standen an diesem Tag chinesisch lernen, Unterricht, ein paar To-dos zur Wohnungssuche, Fitnessstudio und ein kleines persönliches Projekt.

Abends verabredeten wir uns, damit ich Nico an der Bushaltestelle abhole. Um 18:30 Uhr machte ich mich auf den Weg, doch dann kam die Nachricht: „Bin im falschen Bus gelandet.“ Offenbar war Nico versehentlich in einen Shuttle gestiegen, der in einen anderen Stadtteil fuhr. Nach einem kurzen Umweg und einer zusätzlichen 30-minütigen Fahrt mit dem Didi (Taxi) kam er schließlich zuhause an.

Beim gemeinsamen Abendessen erzählte er mir vom ersten Arbeitstag, zeigte stolz sein neues Arbeits-Polo und erwähnte, dass am Samstag Arbeitstag ist. In China ist das üblich: Wenn Feiertage oder Ferien stattfinden, werden die ausgefallenen Arbeitstage an Wochenenden, meist am darauffolgenden Samstag oder Sonntag, nachgeholt. So bleibt die wöchentliche Arbeitszeit im Gleichgewicht.

Flohmarkt in der deutschen Botschaft

Am Sonntag machten wir uns nach einer Sporteinheit auf den Weg zum Flohmarkt in der deutschen Botschaft. Wir wollten die Gelegenheit nutzen, um ein paar neue Kontakte zu knüpfen.

Nach einigen netten Gesprächen, leckerem Kuchen und spannenden neuen Möglichkeiten für mich, schlenderten wir noch durch die Umgebung. Nico war bereits 2023 in dieser Gegend unterwegs und kannte noch das Solana Einkaufszentrum. Auf dem Weg dorthin spazierten wir am Liangma Fluss entlang, eine wirklich schöne Strecke. Im Solana angekommen, kaufte ich mir einen neuen Jogging- bzw. Hausanzug und war (und bin immer noch) richtig happy damit.

Auf dem Rückweg kamen wir beim Paulaner Biergarten vorbei und schauten uns dort ein wenig um. Außerdem entdeckten wir mehrere kleine Flohmärkte entlang des Weges, auf denen es alles von Schmuck über Taschen und selbstgestrickten Figuren bis hin zu Schnaps und Streetfood gab. Ein rundum schöner Sonntag zu zweit, mit neuen Kontakten, gutem Essen und einem kleinen Hauch von Deutschland.

Das erste Mal im chinesischen Nagelstudio

Bereits in Deutschland gehörte es zu meiner Routine, alle vier Wochen ins Nagelstudio zu gehen und natürlich wollte ich das auch in China fortsetzen. Chinesische Nageldesignerinnen sind ja auch in Deutschland bekannt für ihre Präzision und Kreativität.

Nun war es also wieder so weit: Zeit für frische Nägel. Ich hatte in Peking schon einige Studios gesehen, besonders in den Malls, aber irgendwie sprach mich keines so richtig an. Also beschloss ich, einfach loszuziehen und mich treiben zu lassen.

Meine Kriterien waren klar: Sauberkeit, ein gepflegter Eindruck, gut besucht und faire Preise. Schließlich erinnerte ich mich an das CBD-Viertel, wo mir bei einem Spaziergang schon die Atmosphäre gefallen hatte: kleine Läden, viel Grün, alles offen angeordnet wie in ein Outdoor-Einkaufszentrum. Dort wurde ich schließlich fündig: Die Besitzerin begrüßte mich herzlich, erklärte die Preisstruktur und ließ mich das Studio anschauen. Alle Plätze waren belegt, die Stimmung lebendig.

Ich ließ mich nieder, auf einem ultra-bequemen Sofasessel. Nur eines wunderte mich: kein Tisch, keine UV-Lampen in Sicht. Doch kaum hatte ich den Gedanken, legte man mir ein Kissen auf den Schoß, deckte es mit Tüchern ab und schon saß eine Mitarbeiterin auf einem Hocker vor mir. Kurz darauf kam die zweite, eine feilte links, die andere rechts. Um 13:40 kam ich an, um 15:20 war ich fertig, Kostenpunkt rund 30 €. In Deutschland hätte der Besuch etwa eine Stunde gedauert und 42-50 € gekostet. Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden: die Nägel sind gleichmäßig, dünn gearbeitet, sauber und ohne Hubbel.

Ein neues Studio und wieder ein Stück Alltag, das langsam seinen Platz in unserem neuen Leben hier in Peking findet.

Amtstermin

Diese Woche stand ein wichtiger Termin beim Amt für die Work Permit und Residence Permit New Application an. Aktuell sind wir beide noch mit einem vorübergehenden Visum hier und mussten nun das endgültige für drei Jahre beantragen. Da dies nur unter der Woche möglich ist, machte Nico am Vormittag Homeoffice, bevor wir mit dem Didi zum Amt fuhren.

Dort wartete bereits unsere externe Unterstützung, die uns bei der Antragstellung hilft. Das Gebäude war riesig, mit zahlreichen Abteilungen, vergleichbar mit einer Mischung aus Stadtverwaltung, Rathaus und Versicherungsbüros. Hier kann man alles erledigen: vom Führerschein über die Wohnsitzanmeldung bis hin zu Visa- und Versicherungsangelegenheiten.

Wir hatten einen festen Termin und konnten direkt an der Anmeldung vorbeigehen. Die Mitarbeitenden tragen alle einheitliche Kleidung: hellblaue Hemden und dunkelblaue Anzüge, Frauen mit Halstuch wie Stewardessen. Wir ergänzten ein paar bereits vorbereitete Formulare, darunter auch unsere Geburtsorte, die natürlich auf Chinesisch eingetragen werden mussten. Dann folgten Unterschriften und Fotos, bei mir gleich zweimal, da ich beim ersten Versuch Ohrringe trug.

Um 10:52 Uhr gingen wir hinein, um 11:13 Uhr waren wir fertig. Alles super schnell und reibungslos. Unsere Pässe wurden einbehalten, wir erhielten vorläufige Ersatzdokumente, spätestens nächsten Dienstag bekommen wir unsere Reisepässe mit dem neuen Visum zurück.

Anschließend fuhr Nico direkt weiter zur Arbeit, während ich die Gegend rund um den zweiten Ring erkundete. Ein Stück weiter entdeckte ich einen chinesischen Supermarkt, voll mit Einheimischen. Ich erkundete das Sortiment: frische Fleischtheke, Gebäck, Obst, Gemüse, Getreide und Reis in großen Säcken, teils zur Selbstbedienung.

Ich kaufte ein paar Kleinigkeiten: Popcorn, Tomaten, Cookies, Kekse mit Schokofüllung und eine Mango.

Nun könnt ihr raten, was es gekostet hat (umgerechnet in Euro):

A) 13,20 €

B) 5,64 €

C) 19,87 €

Es gibt hier wie in Deutschland auch Selbstscanner, aber ich entschied mich für die klassische Kasse. Die Verkäuferin sagte „sì shí liù yuán wŭ shí bā“ – 46,58 Yuan, also richtig war Antwort B: 5,64 €!

Danach lief ich zur nächsten Bahnstation und fuhr zurück nach Hause, wo der Alltag weiterging.

Frühstückstreff in Peking

Wie bereits beim Flohmarkt erwähnt, haben sich für mich neue Möglichkeiten eröffnet. Ich wurde in eine WeChat-Gruppe eingeladen, die sich einmal im Monat zum Frühstück und einmal im Monat abends in einer Bar trifft. Bereits an diesem Donnerstag war es soweit: 23 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten zugesagt – potenzielle Freunde, Wegbegleiterinnen und Austauschpartner in ähnlicher Situation.

Etwas nervös, aber voller Vorfreude machte ich mich am Morgen auf den Weg. Eine Teilnehmerin bat mir an gemeinsam hinzufahren, wofür ich sehr dankbar war.

Am Frühstücksrestaurant angekommen, saßen bereits weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer an einer großen Tafel. Schnell kamen wir ins Gespräch, über das Leben in Peking, Tipps, Erfahrungen und Unternehmungen. Alle waren offen, freundlich und interessiert. Das Frühstück schmeckte hervorragend, und die Stimmung war ausgelassen und herzlich. Wir tauschten Kontakte aus, planten erste gemeinsame Aktivitäten und genossen einfach einen schönen Vormittag zusammen. Eine tolle Community!

Oktoberfest

Ein weiteres Highlight der Woche war das Oktoberfest in Peking. Bereits bei unserem Spaziergang am Tag des Flohmarkts waren wir an der Paulaner Gaststätte vorbeigelaufen, wo das Festzelt bereits aufgebaut war. Nach einer Sporteinheit machten wir uns fertig, zogen unsere Trachten an und waren voller Vorfreude. Schon in Deutschland hatten uns ehemalige Expats erzählt, dass dieses Fest hier ein echtes Highlight sei.

Mitten in Peking, zwischen Hochhäusern und bunten Lichtern in Dirndl und Lederhose unterwegs zu sein, fühlte sich zunächst merkwürdig an. Doch am Fest angekommen, war es sofort ein kleiner Heimatsmoment: ein Zelt mit blau-weißer Deko, Bierkrügen, bayerischer Musik und einer deutschen Band, die Oktoberfestklassiker spielte.

Auch das Essen war pure Heimat: Brötchen und Laugengebäck mit Butter, Leberwurst und Obazda, eine Wurstplatte mit Aufschnitt und gemischten Salaten, Haxe, Hähnchenflügel, Rote und Nürnberger Würstchen, Fleischkäse, Kassler, Kartoffelpüree und Sauerkraut. Zum Dessert gab es Schwarzwälder Kirschtorte – zwar nicht ganz wie von Mama, aber lecker.

Es gab „Unlimited Beer“ (Paulamer) d.h. einmal zahlen und so viel trinken wie man wollte. Die Stimmung war ausgelassen und herzlich. Wir lernten viele nette Deutsche / Österreicher kennen, die wie wir in Peking arbeiten. Die Band spielte bis etwa 22:15 Uhr, danach folgten noch ausgelassene,Gespräche, bis wir um Mitternacht das Zelt verlassen mussten. Doch der Abend war noch nicht vorbei: Wir wurden von neuen Bekannten zur Afterparty in die Bar „La Social“ eingeladen, tanzten, feierten und hatten eine großartige Zeit gemeinsam bis 2 Uhr nachts.

Unsere ersten gemeinsamen Routinen

Was hat sich in der letzten Woche als feste Routine etabliert? Morgens stehen wir gemeinsam um 6:45 Uhr auf, ich gönne mir meistens noch 15 Minuten, während Nico bereits im Bad ist. Danach mache auch ich mich fertig und begleite Nico zur Bushaltestelle. Auf dem Weg erzählen wir uns etwas, genießen den Start in den Tag und verabschieden uns kurz vor der Haltestelle. Anschließend beginne ich meinen Tag mit einem kleinen Spaziergang.

Während Nico auf der Arbeit in seine neuen Aufgaben und ins Team eingearbeitet wird, versuche ich mir Routinen aufzubauen. Von Chinesischunterricht, lernen, Sport (Pilates, Yoga, Schwimmen und Fitnessstudio), Blog schreiben, einkaufen, Kontakte knüpfen, ehrenamtlich Arbeiten über Reisen wird vermutlich von allem etwas dabei sein.

Über den Tag gibt es bisher noch keine festen Abläufe, wie man an den bisherigen Geschichten merkt. Doch mit der Zeit werden sich Routinen herausbilden.

Abends hole ich Nico an der Haltestelle ab und wir gehen etwas essen oder wir gehen gemeinsam zum Sport und bestellen danach etwas Leckeres. Manchmal nimmt Nico noch am Chinesischunterricht teil, manchmal lassen wir den Abend einfach ruhig ausklingen.

Unser Alltag nimmt langsam Form an. Routinen entstehen und gleichzeitig warten noch so viele neue Erlebnisse, Begegnungen und Geschichten auf uns in Peking.

Ein Tag zwischen Himmel und Erde

Um 08:45 Uhr haben wir pünktlich unser Apartment verlassen, ausgerüstet mit unseren Regenjacken, die wir für den letzten Wanderurlaub gekauft hatten. Bei leichtem Nieselregen machten wir uns auf den Weg zu unserem ersten Highlight: das erste Mal Bahn fahren in der großen Stadt.

In der Bahnstation angekommen hieß es gleich: Sicherheitskontrolle! Anders als in Deutschland wird hier jede Tasche durchleuchtet und man selbst geht durch einen Scanner, ähnlich wie am Flughafen. Auf dem Hinweg kamen wir noch ohne Stichprobe davon, auf dem Rückweg musste ich dann aber meine Tasche öffnen und sogar mein Wasser wurde separat überprüft.

Danach ging’s ans Ticket kaufen. Wir beobachteten die anderen, wie sie locker mit dem Handy durch die Schranke gingen, offenbar hat hier jeder ein digitales Ticket. Wir standen zunächst etwas ratlos vor dem Automaten, aber nach ein paar neugierigen Tippversuchen fanden wir endlich die Sprachoption „English“.

Wir fuhren mit der Linie 10 und mussten einmal auf die Linie 1 umsteigen. In unserem Eifer buchten wir aber erst die eine Strecke und dann die nächste separat, was bedeutete: doppelte Sicherheitskontrolle und doppelte Tickets. Erst auf der Rückfahrt entdeckten wir, dass man Start- und Zielstation direkt eingeben kann – spart Zeit, Geld und Nerven. Wieder was gelernt!

Ein weiterer Unterschied zum deutschen Bahnsystem: Die Bahnsteige sind mit Glastüren gesichert, die erst öffnen, wenn der Zug eintrifft.

An unserer Zielhaltestelle angekommen, wurden wir gleich von einer Menschenmenge empfangen. Der Verkehr wurde von der Polizei mit Megafonen und temporären Absperrungen geregelt. Es herrschte ein geordnetes Chaos. Die meisten liefen zur Verbotenen Stadt, aber unser Ziel war heute der Temple of Heaven (Tempel des Himmels).

Vielleicht hatte ich bei der Planung die falsche Haltestelle ausgewählt oder ich laufe einfach gerne, jedenfalls wurde es ein 30-minütiger Spaziergang durch die Nachbarschaft, bevor wir ankamen. Zu meiner Verteidigung: Eigentlich hatte ich anfangs eine andere Sehenswürdigkeit als erstes geplant, da hätte die Station perfekt gepasst. Nur habe ich wohl vergessen, das nach meiner Umplanung nochmal zu prüfen. Upsi.

Auf unserem Weg kamen wir noch am Historischen Archiv vorbei, das gerade seinen 100. Jahrestag feierte. Außerdem entdeckte Nico eine künstlerisch gestaltete Landschaft. Diese schöne Dekoration und das kleine Kunstwerk am Wegesrand wären uns aus der Bahn heraus bestimmt entgangen.

Am Eingang angekommen, mussten wir erneut eine Kontrolle passieren. Die Tickets, die namentlich personalisiert und mit der Passnummer versehen waren, wurden gescannt. Im Innenhof erwartete uns eine prächtige Kulisse aus blühenden Blumen und prachtvollen Bäumen.

Der Tempel des Himmels

Die Anlage ist eines der beeindruckendsten Bauwerke Pekings und gehört seit 1998 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Sie wurde im 15. Jahrhundert während der Ming-Dynastie von Kaiser Yongle erbaut.

Das Gelände ist riesig: etwa 2,7 Millionen Quadratmeter groß, umgeben von alten Kiefern und weitläufigen Gärten. Früher war es ein Ort, an dem die Kaiser für gute Ernten beteten und Opferzeremonien abhielten. Die gesamte Anlage ist ein Symbol für das Gleichgewicht zwischen Himmel und Erde, ein zentraler Leitsatz der chinesischen Philosophie.

Besonders beeindruckend ist der Weg durch die Anlage selbst: eine breite, wunderschön geschmückte Allee, gesäumt von alten Bäumen und Blumen. Bereits am Ende dieser Allee erkennt man die Spitze der Halle des Gebets für gute Ernten, die majestätisch über die Gärten hinausragt.

Die Halle des Gebets für gute Ernten (Hall of Prayer for Good Harvests) ist ein kreisförmiges, prachtvoll verziertes Gebäude, das komplett ohne Nägel gebaut wurde und auf einer dreistufigen weißen Marmorplattform steht. Diese Plattform symbolisiert die Verbindung zwischen den drei Ebenen des Himmels und markiert das Zentrum ritueller Zeremonien.

Daneben befindet sich der Circular Mound Altar, erbaut im Jahr 1530. Hier findet jede Wintersonnenwende die traditionelle „Himmelsgottesdienstzeremonie“ statt. Die Stufen, das Pflaster, die Anzahl der Geländer, die Tischgröße und die Stockwerke des Altars sind nach der multiplen Theorie der „Anzahl der Tage“ von eins, drei, fünf und sieben gestaltet und drehen sich in einem Kreis, ein Symbol für den traditionellen „Weg des Himmels“.

Die Mitte des Altars gilt als „Nabel der Welt“ – der Punkt, an dem Himmel und Erde verbunden sind. Wenn der Kaiser hier stand, galt er als dem Himmel am nächsten – der Ort, an dem er direkt mit dem Himmel kommunizieren konnte. An genau diesem Punkt wurden die Opfergaben für gutes Wetter und reiche Ernten dargebracht. Der zentrale Stein wird „Heavenly Center Stone“ genannt. Steht man darauf und spricht oder klatscht, hallen die Schallwellen so, dass es klingt, als käme die Stimme direkt von oben zurück. Die kreisförmige Anordnung der Steinplatten und die glatte Oberfläche konzentrieren den Schall perfekt. Heute stehen Touristen hier Schlange, um Fotos zu machen oder die besondere Akustik selbst zu erleben.

Ein weiteres bedeutendes Gebäude ist die Imperial Vault of Heaven, die ebenfalls zur Temple of Heaven-Anlage gehört. Das turmrunde Gebäude erhielt seine heutige Form im Jahr 1752. Architektonisch spiegelt die runde Form des Daches die Himmelskugel wider, ähnlich wie bei der Halle des Erntegebets. Diese wird wochentags für die Verehrung des Himmels genutzt und diente zugleich als Lager und Vorbereitungsort für die Zeremonien: Hier wurden die Ritualgegenstände und Opfergaben aufbewahrt, bevor sie zum Circular Mound Altar gebracht wurden.

 

Direkt vor der Imperial Vault of Heaven ist die Echo Wall, eine runde Mauer, an der sich Schallwellen so stark übertragen, dass man flüsternd von einer Seite zur anderen sprechen kann.

Während wir durch das Gelände spazierten, war es erstaunlich ruhig. Wir ließen uns Zeit, bewunderten die leuchtend blauen Dächer, die filigranen Holzschnitzereien und die kunstvollen Verzierungen in Gold und Rot. Alles wirkt hier rund und harmonisch – kein Zufall, denn rund steht im alten China für den Himmel, quadratisch für die Erde.

Ein süßer Abschluss nach einem nassen Abenteuer

Nach unserem Besuch machten wir uns auf den Weg zur Wangfujing Street, einer der bekanntesten Einkaufs- und Foodstraßen Pekings. Wir entschieden uns für Nudeln mit Sauerkraut und dazu einen eiskalten Iced Tea – nach dem vielen Laufen einfach perfekt.

Kurz darauf zog ein kräftiger Regenschauer auf. Trotz unserer Regenjacken waren wir nach wenigen Minuten völlig durchnässt. Also beschlossen wir, den Tag etwas früher zu beenden und mit der Bahn zurückzufahren.

Mit 17.666 Schritten auf der Uhr kamen wir gegen 14 Uhr wieder in unser Apartment an. Wir machten es uns gemütlich: ein Brownie vom Vortag, dazu Kaffee und ein Schokomuffin von Starbucks, gleich um die Ecke.

Regnerisch, spannend und voller Eindrücke – unser erster Ausflug in Peking weckt Vorfreude auf mehr.

Unser Start in Peking

Von Bürokratie bis zu kulinarischen Abenteuern

Wo soll man da nur anfangen?

Am Tag nach der Ankunft wurden wir direkt um 8:45 Uhr an unserem Apartment abgeholt. Der erste Stopp: die Eröffnung unserer chinesischen Handyverträge. Jeweils eine Nummer für Nico und eine für mich, denn ohne Handy läuft in China wirklich nichts.

Vor Ort meldete uns unsere Relocaterin Nancy über ihr Handy für den Termin an, damit wir einem Mitarbeiter zugeordnet werden (vergleichbar mit dem Nummernziehen an der Fleischtheke bei Edeka). Kaum ein paar Sekunden später waren wir auch schon dran.

Der Mitarbeiter begann Nicos Passdaten abzutippen und ins System einzutragen. Eigentlich keine große Sache, schließlich steht auf so einem Pass nicht viel drauf. Doch kaum hatte er angefangen, kam von der Seite ein anderer Kunde herein, der offenbar ein neues Handy abholen wollte. Statt das ihn einer der beiden freien Kollegen übernimmt, kümmert sich unser Mitarbeiter gleich um beides: Handy einrichten, den anderen Kunden abkassieren, zwischendurch wieder zu uns zurück – ein Multitasking-Moment der Extraklasse.

Währenddessen wurde Nicos Pass gescannt, die passende Datenmenge (GB) für den Vertrag ausgewählt und dann kam das obligatorische Foto, wie bei uns auf dem Amt, nur mit einer kleinen Besonderheit: Nicos Kopf musste exakt in eine vorgegebene Rahmenform passen. Das Problem? Diese Form erscheint erst nach dem Foto. Da Nico größer ist als die meisten Chinesen, musste der Mitarbeiter kurzerhand die Kamera vom Tisch heben und freihändig ausrichten bis alles passte.

Mit den Unterbrechungen durch den anderen Kunden zog sich das Ganze etwas hin. Rund 30 Minuten später war es endlich geschafft: Vertrag unterschrieben, Nummer ausgesucht, SIM-Karte eingelegt (übrigens ohne PIN!), Foto gemacht und bezahlt.

Weiter ging’s zur Bank of China, um ein Konto zu eröffnen und mein zuvor in Deutschland gewechseltes Bargeld einzuzahlen. Das lief erstaunlich unkompliziert: Formulare ausfüllen, Pass scannen, Handynummer angeben – fertig. Nancy richtete Nico direkt das Onlinebanking ein und verknüpfte alles mit WeChat. So konnte Nico, der sein Account schon in Deutschland eröffnet hatte, es nun endlich auch hier vollständig nutzen.

Danach folgten an diesem Tag neun Wohnungsbesichtigungen und ehrlich gesagt waren wir bis zur letzten ziemlich ernüchtert. Nur die letzte Wohnung gefiel uns. In der Mittagspause suchten wir uns ein Restaurant in einer Mall aus, die Auswahl war riesig! Ich entschied mich einfach für ein gut besuchtes Lokal namens Dumpling Xi. Zum ersten Mal bestellten und bezahlten wir über WeChat, es gab Dumplings und ein würziges Fleisch-Gemüse-Gericht. Super lecker!

Abends gingen wir noch neapolitanische Pizza essen, preislich wie in Deutschland. Das typisch chinesische Mittagessen war dagegen mit rund 9 € für zwei Personen unschlagbar günstig.

Am nächsten Tag standen weitere acht Besichtigungen an. Diesmal durfte Nico das Restaurant für die Mittagspause aussuchen. Dort bestellte man vorne am Tresen und Nico nutzte die Gelegenheit, seine ersten Chinesisch-Kenntnisse zu testen – mit Erfolg! Es gab verschiedene Fleisch- und Gemüsegerichte, einen Kohl-Karotten-Salat und Baozi. Danach kauften wir unser erstes chinesisches Getränk im Supermarkt.

Zurück im Hotel erkundeten wir noch die Anlage: Fitnessstudio, Basketball- und Tennisplatz, Laufstrecke, Fotospot, Bar alles da. Abends ging’s wieder raus zum Essen. Fast wäre ich auf die „Taubenflügel“ hereingefallen, die aussahen wie Chicken Nuggets. Zum Glück hat Nico das Missverständnis rechtzeitig gerettet.

Am dritten Tag wurden wir morgens vom Hotel abgeholt, um Nicos zukünftigen Arbeitsplatz kennenzulernen. Am Werk angekommen, musste meine Handykamera abgeklebt werden (Sicherheitsvorschrift), da Nico im Forschungs- und Entwicklungsbereich arbeitet.

Nicos Chefin, eine unglaublich herzliche, zuvorkommende Person, begrüßte uns mit Getränken: Kaffee für Nico, Jasmin-Maracuja-Tee für mich (sehr lecker!). Danach führte sie uns über das ganze Gelände, stellte Kollegen vor und wir aßen gemeinsam mit dem Abteilungsleiter zu Mittag. Es gab viele kleine Gerichte zum Teilen, darunter Peking-Ente, Aubergine, Entenleber und frittierte Fleischbällchen.

Am Nachmittag ging es weiter mit der Werksführung mit mehr technischen Einblicken. Gegen 17 Uhr fuhren wir zurück ins Apartment, bei wunderschönem Sonnenuntergang. Abends gab es noch Abendbrot und Mondkuchen, ein Geschenk von Nicos Arbeit.

💡Mondkuchen sind traditionelle chinesische Teigkuchen und meist süße oder nussige Füllungen enthalten. Sie werden vor allem zum Mittherbstfest gegessen und symbolisieren Familie, Zusammengehörigkeit und Vollkommenheit.

WeChat, Golden Week & erste Bestellungen

Bereits seit einigen Tagen versuchte ich mein WeChat zum Laufen zu bekommen, das Herzstück des chinesischen Alltags. Anders als Nico musste ich von einem WeChat Nutzer verifiziert werden, der bereits 6 Monate das Konto aktiv nutzt. Zuerst fragten wir Mitarbeiter im Hotel, aber leider funktionierte es dort noch nicht, da meine Handynummer mindestens 48 Stunden existieren musste. Da mich Nicos Chefin auf WeChat adden wollte, erklärte ich ihr das Problem und sie verifizierte mich. Dies war ein besonders wichtiger Schritt, denn hierüber läuft alles: Kommunikation, Bezahlung, Lieferdienste, Restaurantbestellungen, Onlinebanking, Arzttermine, Ticketkauf und vieles mehr.

Pünktlich dazu begann die Golden Week, die wichtigsten Nationalfeiertage in China (💡Golden Week: Festivitäten anlässlich der Gründung, der Volksrepublik China 1949). Eine ganze Woche frei, perfekt um unsere neue Umgebung zu erkunden. Wegen der Feiertage waren alle Sehenswürdigkeiten und Zugtickets ohnehin ausgebucht.

Wir nutzten die Zeit also, um den Stadtteil rund um unser aktuelles Apartment besser kennenzulernen: Wo ist der nächste Bäcker? Die Bushaltestelle, an der Nico später zur Arbeit fährt? Die nächste U-Bahn-Station? Nette Café Spots?

Abends probierten wir viele neue Restaurants: von traditionellen „Old Beijing Noodles“ über chinesisches BBQ bis hin zu Sushi und Burgern.

Und endlich, mit funktionierendem WeChat konnten wir auch Essen und Einkäufe liefern lassen: Frühstück, Wasser, Lebensmittel, alles per App. Riesige Auswahl, blitzschnelle Lieferung, aber definitiv eine kleine Reizüberflutung!

Unsere erste Onlinebestellung & das Abenteuer Wäsche waschen

Auch das Online-Shopping haben wir inzwischen ausprobiert, unsere erste Bestellung beim „chinesischen Amazon“.

Denn Spülmaschinentabs und Kaffee waren in den umliegenden Supermärkten und bei den Lieferdiensten entweder gar nicht zu finden oder extrem teuer. Also wagte ich die erste Bestellung.

Anders als erwartet war das Paket nicht schon am nächsten Tag da, vielleicht muss ich erst noch Prime-Mitglied werden? 😄

Drei Tage nach der Bestellung kamen die Sachen schließlich an, ganz bequem vom Hauspersonal direkt vor unsere Apartmenttür gelegt.

Und dann stand auch noch ein weiteres „erstes Mal“ an: Wäsche waschen in China.

In unserem Apartment gibt es eine Kombi-Maschine Waschen und Trocknen in einem Gerät. So etwas benutzten wir bisher nicht.

Im Willkommenspaket des Apartments waren zum Glück ein paar nützliche Dinge enthalten: fünf Kaffeekapseln, etwas Milch, Müsli, zwei Fertignudelgerichte (vergleichbar mit Mirácoli), eine Tafel 70%-Schokolade und Waschmittel.

Also los: Programm gewählt 30 Grad, 1 Stunde 15 Minuten Laufzeit. Nach dem Waschgang die erste Überraschung: keine Wäscheleine weit und breit. Also alles, bis auf ein Wolloberteil ab in den Trockner.

Nach dem ersten Durchlauf, mit dem falsch gewählten Programm, war die Wäsche noch feucht. Also noch einmal rein. Dieses Mal trocken, aber… der Geruch war seltsam. Ich googelte, ob ich etwas falsch gemacht hatte, aber laut Anleitung war alles korrekt. Vielleicht liegt es am Waschmittel? Wir werden weiter experimentieren, bis unsere Wäsche wieder so frisch riecht wie zuhause.

Nicos erster Friseurbesuch in China

Am Samstag schlenderten wir nach einer kleinen Kaffee- und Kuchen-Pause bei Starbucks noch durch das Einkaufszentrum, das direkt an unser Hotel anschließt.

Plötzlich meinte Nico: „Eigentlich müsste ich mal wieder zum Friseur… warum nicht jetzt? Dann kann’s bis zum ersten Arbeitstag noch ein bisschen wachsen, falls es schiefgeht.“ 😄

Gesagt, getan. Zwischen verschiedenen Preiskategorien konnte man wählen – Nico entschied sich für die zweite Stufe. Zuerst wurden ihm die Haare gewaschen, dann versuchten wir auf Englisch und mit Hilfe eines Fotos zu erklären, wie er sich den Schnitt vorstellt.

Und dann hieß es: kein Zurück mehr. Die Schere schnitt, die Maschinen summten, ein paar Zwischenanweisungen von Nico und nach einer Weile ging es erneut zum Haarewaschen, bevor das Styling folgte.

Das Ergebnis? Wir finden: kann sich absolut sehen lassen!

Was für eine Woche! Bürokratie, Kulinarik, Alltagschaos und mittendrin ganz viele kleine Erlebnisse, die uns jeden Tag zeigen: Wir sind wirklich in China angekommen. 🇨🇳✨

Was euch hier erwartet– ein kleiner Ausblick 🌏

Hallo, liebe mitreisenden Herzen ❤️

Ab sofort möchten wir euch regelmäßig mit auf unsere Reise und in unseren neuen Alltag nehmen. Immer Montags erscheint ein neuer Beitrag mit Reisegeschichten, kulinarischen Eindrücken oder Alltagsmomenten aus unserem Leben in China.

Außerdem gibt es am letzten Freitag im Monat ein kleines Highlight: unser „Fundstück des Monats“ etwas Witziges, Überraschendes oder Typisch-Chinesisches, das uns im Alltag begegnet ist.

Was euch diesen Monat erwartet:

🇨🇳 Unser Start in Peking- von Bürokratie bis zu kulinarischen Abenteuern

🏯 Ein Tag zwischen Himmel und Erde

💼 Neuer Rhythmus – Nicos Arbeit und unsere ersten Routinen

🏠 Unser Zuhause in China – Von der Übergangswohnung zu unserem Apartment für die nächsten drei Jahre

📸 Und natürlich unser Fundstück zum Monatsende

Wir freuen uns riesig, wenn ihr weiterhin mitlest, Feedback gebt oder einfach im Herzen mit uns auf Reisen geht. 💌

Liebe Grüße

Lea & Nico

Mit sieben Koffern nach China

Abschied von unserer Heimat

Die erste große Verabschiedung stand schon am ersten September-Wochenende an, bei der Hengstbacher Kerb, die für uns immer ein ganz besonderes Fest ist.

2017 hatte Nico die Straußbuben gemeinsam mit seinen Freunden aus dem Dorf neu gegründet und 2018 trat ich ebenfalls bei. Die Kerb und die Hengstbacher Straußbuben sind für uns beide zu einer echten Herzenssache geworden.

Am Kerwesonntag, am Ende der Kerweredd, wurden wir mit bewegenden Worten verabschiedet und gemeinsam sangen wir mit dem ganzen Dorf das Pfalzlied, traurig und schön zugleich. Einige Tränen flossen, bei uns und bei vielen anderen. Da wurde uns das erste Mal so richtig bewusst, was wir uns in all den Jahren aufgebaut hatten und welch wunderbare Gemeinschaft hinter uns steht.

Am Kerwemontag folgte das Stännele bei Familie F.. Wie jedes Jahr wurden wir Straußbuben mit offenen Armen in der Hofeinfahrt empfangen, mit Snacks, Limoncello und gemeinsamem Gesang. Auch dort verabschiedete man uns mit einem Lied und wieder war es ein sehr besonderer Moment.

Am Wochenende vor dem Abflug stand dann noch ein weiteres Highlight an: ein letztes Mal auf den Betzenberg.

Nico liebt den 1. FC Kaiserslautern und auch ich gehe gerne mit ins Stadion. Die Stimmung im Block ist einfach unbeschreiblich. Zum Abschied bekamen wir sogar einen 4:1-Sieg geschenkt!

Auch unsere Großeltern verabschiedeten wir an diesem Wochenende. Mit ihnen verbinden wir viele schöne Erinnerungen aus der Kindheit, vom Marmeladenbrot in Reiter geschnitten über Traktorfahrten, Wald-Expeditionen und gemeinsamen Schaukelerlebnissen. Gerade deshalb war der Abschied sehr schwer, denn wir wussten, dass drei Jahre ohne diese Nähe eine große Herausforderung sein werden. Besonders berührend war es, als Nicos Opa uns auf seiner Mundharmonika vorspielte.

Abschiede vom Alltag

Natürlich hieß es auch, sich von unseren Arbeitsplätzen zu verabschieden.

Für Nico bedeutete das, sein erstes großes Projekt nach dem Studium loszulassen, eine Erfahrung, die ihn nicht nur beruflich, sondern auch menschlich sehr geprägt hat. Besonders dankbar ist er für die Kollegen und Lieferanten, mit denen er in dieser Zeit zusammenarbeiten durfte und von denen er viel lernen konnte. Um sich angemessen zu verabschieden, machte Nico zwei Feiern: eine für seine Kollegen sowie eine für die Lieferanten und Partner. Überall gab es kleine Snacks und Getränke und natürlich durfte die berühmte Daimler-Brezel nicht fehlen.

Für mich heißt es ab jetzt drei Jahre Pause vom Arbeitsleben, von meinen Routinen und natürlich auch von meinen Kolleginnen, die mich in den letzten Jahren begleitet und unterstützt haben. Mein Team ist klein und familiär, deshalb wollte ich etwas ganz Persönliches vorbereiten. Ich backte Brownies, belegte eine große Laugenbrezel in der Form unserer Teamnummer 13, zauberte den legendären Curry-Dattel-Dip und stellte, wie es bei uns Tradition ist, eine Flasche Sekt kalt. Es war ein herzlicher, sehr persönlicher Abschied, der mir einmal mehr gezeigt hat, wie wertvoll die letzten Jahre mit diesem Team waren.

Ein emotionaler Abschied am Flughafen

Am Abflugtag holten uns meine Eltern und mein Bruder ab. Mit sieben Koffern und drei Taschen, verteilt auf zwei Autos (und einem unserer Schreibtische für Niclas), fuhren wir zum Flughafen.

Eigentlich wollten wir nur Gepäck aufgeben und noch in Ruhe einen Kaffee trinken, doch dann wartete die große Überraschung:

Freunde aus Stuttgart, meine Stallfreundinnen, meine beste Freundin mit ihrer Mama, meine Freundin seit der Ausbildung, Nicos Studienfreunde, sein Bruder, insgesamt zwölf Menschen waren gekommen, um uns zu verabschieden. Wir waren überwältigt und unendlich dankbar.

Zwei Tage zuvor hatten wir uns schon von Nicos Eltern zuhause verabschiedet. Seine Mama konnte wegen Ihrer Reha, die vor unserer Ausreise begann, nicht mit zum Flughafen.

Das größte Geschenk kam von allen zusammen: Ein 30-minütiges Video, in dem Familie und Freunde uns erzählten, was sie an uns vermissen werden, was sie mit China verbinden und was wir in Deutschland am meisten vermissen könnten. Dieses Video haben wir uns im Flugzeug angesehen, ein unbezahlbarer Schatz.

An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal recht herzlich bei euch allen und speziell bei DIR Jasmin für die Orga und Produktion bedanken! Das war wortwörtlich „ganz großes Kino“!

Kleine Pannen und der Start

Natürlich lief nicht alles reibungslos. Ich bangte bei der Sicherheitskontrolle, ob das Erinnerungsglas von Anna durchkommt. Kein Problem! Aber im Mäppchen lag noch eine Bastelschere. „Upsi“, sagte ich, während Nico schon skeptisch schaute. Glücklicherweise war sie klein genug und durfte mit.

Nach einer kurzen Pause in der Lounge hieß es dann: Boarding.

Ganz deutsch standen wir pünktlich am Gate, doch es verzögerte sich um fast eine Stunde. Schließlich starteten wir mit halbstündiger Verspätung Richtung Istanbul.

Zwischenstopp in Istanbul

Die Lounge dort war beeindruckend: Buffets, Piano, sogar ein Flugsimulator. Um Mitternacht zogen einige schon den Schlafanzug an und putzten Zähne, ein witziger Anblick.

Unser zweiter Flug ging mit einer Boeing 777 weiter. Etwas älter, aber mit Liegesitzen! Außerdem bekamen wir ein kleines Amenity-Kit mit Schlafmaske und Kuschelsocken und ich liebe Kuschelsocken.

Eine Szene bleibt mir besonders im Kopf: Ein Kellner stolperte, und ein ganzes Tablett mit Gläsern kippte über den Gast neben mir. Zum Glück traf es mich nur minimal an der Hand. Der Sitz des Gastes wurde neu bezogen, und ich bekam ein warmes Tuch. Richtig zur Ruhe kam ich deshalb anfangs nicht, aber immerhin folgte bald das Essen und danach konnten wir vier Stunden schlafen.

Ankunft in Peking

Am Morgen ging die Sonne auf, das Licht im Flugzeug wurde heller, Frühstück wurde serviert und plötzlich war es soweit: Landung in Peking.

Nach einer langen Passkontrolle und einer kurzen Zugfahrt zur Gepäckhalle, holten wir unsere Koffer ab. Alles unversehrt angekommen!

Dann der Moment am Ausgang: Hunderte Menschen mit Schildern und Handys, ich fühlte mich wie ein Star auf dem roten Teppich. Und mittendrin fanden wir unseren Fahrer mit einem Handy, auf dem „Nico Hunsicker“ stand.

Die erste Fahrt durch den chaotisch-schnellen chinesischen Straßenverkehr war ein Erlebnis für sich. Nach einer Stunde erreichten wir unser Hotel.

Kaum eingecheckt, rief Nicos Chef an: „Seid ihr bereit zum Abendessen?“

Eigentlich dachten wir, dass sei erst für den nächsten Tag geplant, aber wir sagten natürlich Ja.

Gemeinsam mit seiner Frau und den drei Kindern gingen wir in ein dänisches Restaurant, das für seine besonderen Schnäpse bekannt ist: Kiwi, Ingwer, Kaffee, Haselnuss, wir probierten alle. Danach zeigten sie uns noch ein bisschen die Gegend. Sie selbst lebten in dieser Gegend während ihres ersten Einsatzes.

Vollgestopft mit Eindrücken, dankbar für so viele liebe Menschen, müde, aber glücklich, fielen wir spätabends ins Bett.