Tage, die leiser sind

Nach den vielen Eindrücken der letzten Wochen wurde es bei mir in Peking erstmal etwas ruhiger. Ein Grund dafür waren unter anderem die Osterferien. Viele sind verreist oder hatten Besuch, wodurch die klassischen Termine ausgefallen sind oder gar nicht erst stattgefunden haben.

Der Wochenstart begann somit recht entspannt, denn am Montag war hier in China ebenfalls Feiertag und Nico hatte frei. Statt großer Pläne haben wir den Tag ganz bewusst ruhig verbracht, einfach zu Hause, ein bisschen abschalten und vor allem Zeit mit unseren Familien – wenn auch nur über Videoanrufe.

Auch die Tage danach waren eher vom Alltag geprägt. Ich habe wieder intensiver mit dem Chinesischlernen angefangen, mich um unsere Steuerunterlagen gekümmert und mir bewusst Zeit für Sport genommen. Viel Yoga, ein paar Fitness-Einheiten, einfach wieder in einen Rhythmus kommen.

Ein kleines Highlight war ein Ausflug auf den Markt mit einer Freundin. Bei dem schönen Wetter sind wir mit dem Fahrrad gefahren, was hier in Peking immer abenteuerlich ist. Besonders schön war dabei, dass aktuell überall alles blüht – Bäume, Blumen, ganze Straßenzüge wirken plötzlich viel lebendiger. Diese Mischung aus Bewegung, Alltag und den kleinen Eindrücken unterwegs macht den Frühling hier irgendwie besonders.

Zwischendurch habe ich auch mit Freunden aus Deutschland telefoniert, manchmal merkt man erst in solchen ruhigeren Phasen, wie gut es tut sich einfach auszutauschen.

Donnerstagabend habe ich mich außerdem noch mit einer Freundin zum Abendessen getroffen. Wir waren in einem neuen chinesischen Restaurant in der Mall unseres Apartmentkomplexes. Neben vielen bekannten Klassikern gab es dort auch einige außergewöhnlichere Gerichte, die man nicht in jedem Restaurant findet. Besonders begeistert haben mich die Okraschoten und die Knoblauchgarnelen, beides wirklich unglaublich lecker. Insgesamt war es ein richtig schöner Abend und eine willkommene Abwechslung zum ansonsten eher ruhigen Alltag.

Mittagspausen Ausflug

Am Freitag habe ich nach dem Chinesisch lernen und meinen anderen To-dos spontan die Gelegenheit genutzt und bin zum Qingfeng Park gelaufen.

Dieser liegt nur etwa 20 Minuten zu Fuß von unserer Wohnung entfernt und schon der Weg dorthin war richtig schön. Besonders beeindruckend war der Blick auf einen der bekanntesten Wolkenkratzer Pekings, den CITIC Tower (chinesisch: Zhongguo Zun). Durch die blühenden Äste wirkte das Gebäude fast schon weich und es war irgendwie ein schöner Kontrast zu seiner sonst eher massiven Erscheinung.

Mit seinen 108 Stockwerken und einer Höhe von 528 Metern ist er das höchste Gebäude Pekings. Genutzt wird er überwiegend als Bürogebäude, beherbergt aber auch ein Hotel sowie eine Bar mit Dachterrasse in der obersten Etage. Seine besondere Form ist übrigens an ein traditionelles chinesisches Gefäß, den sogenannten „Zun“, angelehnt.

Im Park angekommen erwartete mich genau das, was ich mir erhofft hatte: blühende Bäume, viele Blumen und eine Joggingstrecke entlang des Flusses, mit Blick auf die Skyline der Stadt. Diese Kombination aus Natur und Großstadt ist einfach immer wieder etwas Besonderes.

Viele Menschen waren draußen unterwegs, einige spielten Tischtennis an öffentlichen Platten (vermutlich in ihrer Mittagspause) und an anderen Ecken wurde das typische chinesische Brettspiel gespielt. Der Park hat wirklich viel zu bieten, aber ich habe die Zeit einfach genutzt, um ein bisschen zu laufen, die Natur zu genießen und den Vögeln zuzuhören.

Da ich bis dahin noch nichts gegessen hatte, habe ich mir gegen 14 Uhr ein Restaurant ausgesucht. Wichtig war mir vor allem, draußen in der Sonne sitzen zu können. Die Wahl fiel auf ein Restaurant in der Nähe unserer Wohnung. Ich hatte ein Mittagsmenü mit Beilagensalat, Getränk und Lachs auf Kartoffelpüree mit Spinat, Spargel und einer Joghurtsauce. Besonders die Kombination mit Himbeeren und Cranberries war richtig lecker.

Zurück zu Hause habe ich mich dann wieder meinen To-dos gewidmet und angefangen Fotobücher von unseren Reisen zu erstellen.

Abends sind Nico und ich noch gemeinsam essen gegangen und haben dabei unseren ersten Aperol in schönem Ambiente genossen.

Um 23 Uhr hat mich dann noch spontan die Lust gepackt zu backen. Für das Wochenende hatte ich ohnehin Kuchen geplant und da hier die Erdbeersaison längst begonnen hat, war klar: Es wird endlich Zeit für einen Erdbeerkuchen.

Sonniger Start ins Wochenende

Nach dem Aufstehen ging es dann wieder in die Küche, denn die Kuchen mussten fertiggestellt werden. Pudding kochen, Tortenguss vorbereiten und den Erdbeerspiegel aufkochen. Dieses Mal habe ich zum ersten Mal wirklich alles selbst gemacht. Gerade beim Tortenguss war das eine Premiere, den habe ich sonst immer fertig gekauft. Optisch war die Farbe noch nicht ganz so, wie ich sie mir vorgestellt hatte, aber geschmacklich hat es definitiv überzeugt.

Zum Kaffee mittags haben wir dann beide Kuchen probiert: ein Käsekuchen mit Erdbeerspiegel und ein Erdbeerbärmchen. Beide waren richtig lecker und genau das Richtige für einen entspannten Samstag.

Danach ging es für uns mit den Leihfahrrädern los. Da es für Nico tatsächlich das erste Mal in Peking war, musste er sich erstmal freischalten lassen. Dies funktioniert hier über den Reisepass, den man in der App hinterlegt. In Deutschland wäre das aus Datenschutzgründen kaum vorstellbar, hier ist es völlig normal und hilft natürlich auch Kriminalität vorzubeugen.

Die Fahrt selbst war, wie eigentlich immer in Peking, ein kleines Abenteuer. Man muss ständig aufmerksam sein, mitdenken und vorausschauend fahren. Gleichzeitig gilt aber auch: Wer zögert, verliert. Also lieber mit dem Flow gehen, als unsicher stehen bleiben.

Unterwegs begegnet man immer wieder spannenden Szenen: vollbeladene Rollerfahrer, Katzen in Rucksäcken oder süße Kuscheltiere an Autos, Helmen oder Kleidung. Unser Favorit an diesem Tag war allerdings ein Rollerfahrer neben uns an der Ampel. Sein Roller verfügte über eine eingebaute Musikbox und ein Display, auf dem er Musikvideos schauen und steuern konnte. So verging die 100 Sekunden lange Ampelphase für uns mit guter Musik wie im Flug.

Unser Ziel war an diesem Tag der Chaoyang Park. Schon bei der Ankunft war klar, dass wir nicht die Einzigen mit dieser Idee waren: Menschenmengen strömten in den Park hinein und wieder hinaus, davor parkten unzählige Roller. Bei bestem Wetter mit etwa 22 Grad und Sonne – kein Wunder, dass es alle nach draußen zog.

Der Park selbst hat unglaublich viel zu bieten und für jedes Alter ist etwas dabei. Von XXL-Luftballonständen über Tretboote und Kanus bis hin zu kleinen Fahrgeschäften. Manche Dinge sind allerdings auch etwas gewöhnungsbedürftig, wie zum Beispiel das Angeln in kleinen Becken mit echten Fischen.

Besonders spannend fand ich, wie viele Familien und Gruppen sich dort richtig „einrichten“. Überall wurden kleine Zelte aufgebaut, oft sogar mit Tischen und Stühlen. Es wurde gepicknickt meist ganz unkompliziert mit bestelltem Essen, Karten gespielt, Musik gehört oder auch selbst Gitarre gespielt. Hintergrund ist, dass viele keinen eigenen Garten haben und sich so ihren Platz im Grünen schaffen. Die Zelte dienen dabei gleichzeitig als Sonnenschutz und machen den ganzen Platz fast wie eine kleine, persönliche Oase für den Tag.

Beim weiteren Spazieren durch den Park hörten wir plötzlich Gesang und sind neugierig den Menschen gefolgt. Auf einem großen Platz spielte eine Band mit Keyboard, Gitarren und mehreren Sängern. Rundherum hatten sich viele Menschen versammelt, die mitsangen, klatschten und teilweise sogar tanzten. Es war eine richtig schöne Stimmung und irgendwie schön zu sehen, wie so etwas, an einem ganz normalen Tag in einem Park, so viele Menschen zusammenbringt.

Am späten Nachmittag ging es dann wieder mit den Fahrrädern zurück. Zu Hause haben wir uns Pizza bestellt und Fußball geschaut. Der Sieg des 1. FC Kaiserslautern war schließlich die Krönung des Tages.

Unser Sonntag

Den letzten Tag des Wochenendes verbrachten wir ganz entspannt zu Hause ein bisschen arbeiten, organisieren, telefonieren und zwischendurch eine kleine Runde spazieren gehen.

Am Abend waren wir dann noch zum gemeinsamen Essen verabredet. Zu Fuß liefen wir Richtung Ritan Park, in dessen Nähe sich ein deutsches Restaurant mit Biergarten befindet. Bei dem schönen Wetter war das natürlich genau die richtige Wahl, um den Tag gemütlich ausklingen zu lassen.

Es gab sogar eine eigene Spargelkarte und da musste ich natürlich direkt zuschlagen. Für mich gab es Lachs mit Kartoffeln und Spargel mit Sauce Hollandaise, während die anderen drei ganz klassisch Schnitzel mit Pommes oder Spätzle bestellt haben.

Außerdem trafen wir dort viele weitere Expats aus Deutschland, was dem Abend nochmal eine ganz besondere, fast schon „heimatliche“ Atmosphäre gegeben hat. Auch der Kellner hat uns direkt auf Deutsch empfangen – im ersten Moment ungewohnt, aber dann irgendwie sehr vertraut.

Die Restaurants von Schindler gehören zu den bekanntesten deutschen Restaurants hier in Peking und verfügen außerdem über einen eigenen Shop, in dem wir regelmäßig Fleisch einkaufen gehen.

Es war auf jeden Fall einen Besuch wert und ein wirklich schöner Abschluss der Woche.

Kommentar verfassen