Dieses Wochenende hat es uns in die Hauptstadt der chinesischen Provinz Shaanxi verschlagen.
Neben zahlreichen Sehenswürdigkeiten, die ich euch gleich noch genauer vorstellen werde, hat Xi’an vor allem eines: unglaublich viel Geschichte.
Die Stadt war unter der Qin-Dynastie die erste Hauptstadt des Kaiserreichs China und das nicht nur einmal. Auch während wichtiger Dynastien wie der westlichen Zhou, Qin, westlichen Han, Sui und Tang war Xi’an über viele Jahrhunderte politisches und kulturelles Zentrum des Reiches. Bereits im 7. Jahrhundert war sie eine Millionenstadt. Heute hat Xi’an eine Fläche von 10.097 km² und rund 12,95 Millionen Einwohner (Stand: Zensus 2020).
Kein Wunder also, dass es zu den beliebtesten Reisezielen in China zählt und mit seinen knapp 913 Kilometern Luftlinie von Peking perfekt für einen Wochenendtrip geeignet ist.
Anreise & unser erster Tag
Samstagmorgen um 04:00 Uhr klingelte der Wecker, wir machten uns voller Vorfreude fertig und bestellten ein Didi (Taxi) zum Flughafen. Die Fahrerin war ziemlich müde, ihr Fahrstil ließ uns etwas nervös werden, aber wir kamen sicher an. Beim betreten des Flughafen wird ein Abstrich an einer Stelle (Körper/Koffer etc.) pro Person gekommen, erst wenn dieser Drogentest negativ ausfällt darf man den Flughafen betreten.
Da wir nur mit Handgepäck reisen, sind wir direkt zum Security Check gegangen. Vom Eingang bis zu unserem Gate haben wir insgesamt nur 14 Minuten gebraucht, dass haben wir so schnell noch nie erlebt. In einem süß eingerichteten Café haben wir uns noch zwei Cappuccino gekauft und damit den Trip eingeläutet.
Das Boarding begann pünktlich und war nach 20 Minuten schon abgeschlossen. Somit konnten wir um 07:17 Uhr losfliegen. An jedem Platz stand bereits ein Wasser bereit und zum Essen gab es ein warmes Panini mit Hähnchenwurst und Käse, Maronen sowie Tee oder Kaffee. Außerdem ein Joghurt, welcher hier typischerweise mit Strohhalm getrunken wird. All dies ist im Flugpreis inklusive, aber wer möchte kann darauf verzichten und bekommt stattdessen Flugmeilen gutgeschrieben.
Nach 1 Stunde und 50 Minuten landeten wir und wurden anschließend in etwa einer Stunde zum Hotel gebracht. Der Check-in war bereits deutlich früher als geplant möglich, sodass wir direkt los konnten, um unsere Umgebung zu erkunden.
Unsere Unterkunft, das Novotel, liegt mitten im Herzen der Stadt, direkt am bekannten Glockenturm, also die perfekte Lage um Xi’an zu erkunden. Es liegt neben einem Theater und direkt dahinter ist eine Freilichtbühne, auf der an diesem Tag eine kostenlose öffentliche Aufführung stattfand.






Um 12:30 Uhr wurden wir von unserem englischsprachigen Tourguide abgeholt. Mit ihm ging es direkt zu DEM Highlight der Stadt:
Die Terrakotta-Armee
Im Mausoleum Qin Shihuangdis befindet sich die berühmteste Sehenswürdigkeit Xi’ans: die Terrakotta-Armee.
Chinas erster Kaiser, Qin Shihuang (259–210 v. u. Z.), ließ diese unterirdische Armee aus Tausenden lebensgroßen Kriegern errichten, als Wächter für sein Jenseits.
1974 wurde die Anlage zufällig entdeckt, als Bauern einen Brunnen graben wollten. Heute zählt sie zu den größten archäologischen Funden des 20. Jahrhunderts.
Und das Beeindruckendste: Keine einzige Figur gleicht der anderen.
Steht man vor diesen unzähligen Kriegern, die seit über 2000 Jahren unter der Erde standen, bleibt einem wirklich kurz die Luft weg. Ein absoluter Pflichtbesuch.





Unser nächster Stopp war der Huaqing Palace, ein historischer Ort am Fuße des Lishan-Bergs. Dort haben wir uns Tickets für die berühmte „Song of Everlasting Sorrow“-Show gebucht.
Wir holten unsere Tickets ab und hatten noch etwas Zeit, bis die Show um 18:30 Uhr begann. Wir stärkten uns in einem gemütlichen Restaurant mit Abendessen und entdeckten auf dem Weg dorthin einen schönen Platz mit beeindruckendem Brunnen.


Zurück bei der Show Location, durften wir noch die Parade sehen, gemeinsam mit dieser läuft man dann zu dem Einlass. Nachdem man die Sicherheitskontrolle erledigt hat, kann man gegen ein paar Schauspieler „Schere-Stein-Papier“ spielen. Für jede Person die man schlägt bekommt man eine Münze und wenn man gegen alle gewinnt bekommt man ein rotes Seiden-Tuch geschenkt.
Wir machten dann noch ein Foto mit den Hauptdarstellern der Show (Kaiser und Geliebte) und suchten unseren Plätze auf. Diese waren super zentral und boten uns die perfekte Aussicht auf die wahnsinnige Kulisse.

Das Tanzdrama basiert auf Bai Juyis Gedicht „Lied der ewigen Trauer“ und erzählt die tragisch-romantische Liebesgeschichte zwischen Kaiser Xuanzong und seiner Geliebten Yang Yuhuan – vom ersten Kennenlernen über glückliche Zeiten bis hin zur dramatischen Trennung und dem Wiedersehen im sagenumwobenen Penglai-Wunderland.
Die Show selbst ist unglaublich aufwendig inszeniert, mit Musik, Lichtern und Kulissen, die in die natürliche Landschaft eingebettet sind. Der Berg wurde beleuchtet mit Sternen, die Gebäude auf den Bergen leuchteten auf, Feuerwerke, Schnee und sogar fliegende Tauben. Eine wirklich eindrucksvolle Show, welche für uns das Highlight des Wochenende war.



Tag zwei & die Abreise
Der zweite Tag startete für uns ganz entspannt mit einem Frühstück im Hotel. Es gab überwiegend chinesisches Essen, aber auch Brot, Marmelade und Croissants. Danach checkten wir aus dem Hotel aus und konnten unsere Koffer dort untergestellt, damit wir den Tag voll nutzen konnten, ohne Gepäck hinter uns herzuziehen.
An diesem Tag wollten wir uns vor allem auf Xi’ans Stadtleben und seine historischen Highlights konzentrieren.
Unser erster Stopp war die Großen Wildganspagode, einem der wichtigsten buddhistischen Bauwerke Chinas. Die Anlage strahlt eine wunderbare Ruhe aus und bietet einen spannenden Kontrast zur lebendigen Stadt drumherum. Die 7-stöckige Pagode wurde errichtet, um die buddhistischen Schriften und Statuen aufzubewahren, die der Mönch Xuanzang aus Indien zurückbrachte.












Danach führte uns der Weg zur Stadtmauer, eine der am besten erhaltenen Chinas. Sie ist nahezu vollständig intakt und zieht sich in einem Rechteck von etwa 13–14 km um die Altstadt – perfekt für eine Fahrradtour!
Wir entschieden uns für ein Tandem. Leider konnten die Sitze nicht eingestellt werden, aber Spaß hatten wir trotzdem jede Menge. Hoch über den Straßen zu radeln, den Blick über Dächer, Türme und Parks schweifen zu lassen, war einmalig.

Im Anschluss besuchten wir das Muslimische Viertel, dass zur Zeit der Tang-Dynastie entstand, als Handelsrouten Händler und Muslime zusammenbrachten. Die Straßen sind voller Essenstände, Gewürze, Musik und Händler. Wir probierten regionale Spezialitäten und ließen uns von der Atmosphäre treiben.

Unser letzter Programmpunkt war der Glocken- und Trommelturm, zwei Wahrzeichen mitten im Herzen der Stadt. Die Glocken dienten früher zur Zeitansage und als Alarm, die Trommeln als Pendant abends zur Zeitangabe. Heute sind darin Ausstellungen und sie werden als Foto-Kulisse genutzt.




Da wir noch etwas Zeit hatten haben wir noch die traditionellen Biang Biang Nudeln gegessen, dies sind sehr breite, handgezogene Nudeln typisch mit würziger Chili- Knoblauch-Essig-Sauce, Gemüse und Fleisch. Danach kauften wir uns noch ein paar Souvenirs, holten unsere Koffer im Hotel ab und machten uns auf zum Flughafen.

Unser Rückflug mit Air China startete um 18:50 Uhr. Wie üblich bei der Airline , gab es eine warme Mahlzeit an Bord. Ein kleines, aber feines Detail, das wir beide super finden, weil man nach der Landung nicht mehr überlegen muss, was man noch essen soll. Gegen 20:45 Uhr landeten wir wieder in Peking, nahmen ein Didi nach Hause und waren etwas müde, aber sehr erfüllt von unserem kleinen Wochenendtripp.
Leider reichte die Zeit diesmal nicht, den berühmten Hua Shan zu besuchen, einer der heiligen Berge Chinas mit spektakulären Granitwänden, mehreren Gipfeln und Wanderwegen, die fast in den Himmel führen. Viele schwärmen vom Sonnenaufgang dort oben, andere vom legendären „Plank Walk“, der wohl spannendsten Himmelsleiter Chinas.
Ein Grund mehr, noch einmal nach Xi’an zurückzukommen.
Um euch Xi’an noch etwas lebendiger zu zeigen, habe ich ein kleines Video zusammengestellt. Darin seht ihr einige der Highlights unserer Reise und bekommt einen visuellen Eindruck von Eindrücken und Emotionen, die in Worten nur schwer zu beschreiben sind.