Ein Jahr „Drei Jahre, zwei Herzen, ein neues Land“

Kaum zu glauben, aber mein erster Blogbeitrag ist inzwischen tatsächlich fast ein Jahr her.

Am 29. September letzten Jahres ging hier der erste Beitrag online. Damals war noch vieles neu: China war für uns noch kein Zuhause, Peking noch keine Stadt, in der wir uns selbstverständlich mit dem Auto/Fahrrad durch den Verkehr bewegen und unser Alltag bestand gefühlt aus einer Mischung aus Papierkram, Wohnungsbesichtigungen und der Frage: „Wie funktioniert das hier eigentlich?“

Heute, ein Jahr später, sieht vieles anders aus.

Wir wohnen inzwischen in unserem Zuhause für die nächsten Jahre, kennen unsere Lieblingsrestaurants, wissen, wie man Essen bestellt, bezahlen ganz selbstverständlich mit dem Handy, verstehen etwas die Sprache und haben gelernt, wie man in China zurecht kommt.

Und trotzdem gibt es noch regelmäßig Momente, in denen wir uns anschauen und denken: Wir leben wirklich in China.

Wenn ich an unsere ersten Wochen zurückdenke, fühlt sich vieles gleichzeitig unglaublich weit weg und doch erstaunlich nah an.

Da waren unsere ersten chinesischen SIM-Karten, die Bankkonten, die WeChat-Verifizierung und all die kleinen organisatorischen Dinge, die man vorher nie auf dem Schirm hatte. Dazu kamen unsere unzählige Wohnungsbesichtigungen.

Neun Wohnungen am ersten Tag, acht am zweiten. Insgesamt also 17 Besichtigungen, bevor wir das Gefühl hatten: Das könnte unser Zuhause werden.

Heute ist diese Wohnungssuche schon fast eine kleine Geschichte für sich. Damals war sie vor allem anstrengend.

Auch kulinarisch hat sich einiges verändert. Am Anfang wurde noch vieles ausprobiert und kritisch beäugt. Manche chinesischen Gerichte haben sofort einen Platz auf unserer persönlichen Favoritenliste bekommen, andere eher nicht. Dazu kam die Erkenntnis, dass man in Peking eigentlich fast alles bestellen kann.

Während man sich früher überlegt hat, ob man wirklich noch zum Supermarkt fahren möchte, steht das Essen in China teilweise schneller vor der Tür, als man sich entschieden hat, was man überhaupt bestellen möchte.

Auch Peking selbst hat sich für uns verändert. Oder vielleicht eher unser Blick auf Peking.

Am Anfang waren wir Touristen in unserer neuen Heimat. Wir wollten die Verbotene Stadt sehen, den Himmelstempel besuchen, über den Tian’anmen-Platz laufen und möglichst viel von dieser riesigen Stadt aufnehmen.

Mittlerweile kennen wir nicht nur die großen Sehenswürdigkeiten, sondern auch kleine Ecken, Restaurants, Cafés und Wege, die für uns einfach zu „unserem Peking“ gehören.

Natürlich stehen die großen Highlights weiterhin auf unserer Liste. Aber inzwischen ist Peking nicht mehr nur eine Stadt, die wir entdecken.

Es ist die Stadt, in der wir wohnen.

Und genau das war vielleicht eine der größten Veränderungen dieses ersten Jahres.

Ein großer Teil unseres ersten Jahres bestand zudem natürlich aus Reisen und Ausflügen.

Wir haben die chinesische Landschaft kennengelernt, waren auf verschiedenen Abschnitten der Chinesischen Mauer unterwegs und haben dabei eine neue gemeinsame Leidenschaft entdeckt: Wandern.

Dass ausgerechnet Wandern zu einem unserer gemeinsamen China-Hobbys werden würde, hätten wir vor unserem Umzug wahrscheinlich nicht unbedingt vorhergesagt.

Heute gehören Wanderungen mit zu unseren schönsten China-Erlebnissen.

Dazu kamen weitere Reisen und Ausflüge, neue Städte, neue Hotels, neue Landschaften und immer wieder dieses Gefühl, dass China einfach unglaublich groß ist.

Man kann monatelang hier leben und hat trotzdem das Gefühl, gerade erst angefangen zu haben.

Auch unser Alltag ist inzwischen ganz anders. Während Nico mittlerweile längst seinen Arbeitsalltag in China gefunden hat, hat auch bei mir im Laufe des Jahres etwas Neues begonnen.

Ich arbeite inzwischen auch ein paar Stunden in der Woche und habe damit meinen eigenen kleinen Platz in unserem China-Alltag gefunden. Aus dem anfänglichen „Was mache ich eigentlich in China?“ wurde ein ganz konkreter Alltag mit Kindern, Kolleginnen und Kollegen, Frühstückstreff und vielen neuen Aufgaben.

Das hat für mich persönlich noch mehr Struktur in unser gemeinsames Leben gebracht.

Denn unser China-Abenteuer besteht eben nicht nur aus Reisen und Sehenswürdigkeiten.

Es besteht auch aus ganz normalen Tagen.

Aus Arbeit.

Aus Einkaufen.

Aus Wäsche.

Aus „Was essen wir heute?“

Aus müden Abenden.

Aus kleinen Erfolgen.

Und manchmal auch aus Tagen, an denen China einfach nur China ist und man sich nach einem ganz normalen deutschen Alltag sehnt.

Genau diese Mischung macht unser Leben hier so besonders.

Und wenn ich mir die alten Blogbeiträge durchlese, fällt mir vor allem eines auf:

Wie viel in diesem einen Jahr passiert ist.

Wir sind angekommen.

Wir haben uns eingerichtet.

Wir haben Menschen kennengelernt.

Wir haben Dinge ausprobiert, die wir vorher noch nie gemacht haben, und uns an Dinge gewöhnt, die am Anfang völlig fremd waren.

Und wir haben festgestellt, dass sich „Zuhause“ manchmal schneller verändern kann, als man denkt.

Deutschland ist weiterhin unsere Heimat.

Aber Peking ist inzwischen unser Zuhause auf Zeit.

Und irgendwo zwischen diesen beiden Welten spielt sich gerade unser Leben ab.

Nach einem Jahr Blog wollte ich deshalb dieses Mal nicht einfach nur einen weiteren langen, emotionalen Rückblick schreiben.

Stattdessen gibt es ein kleines Quiz über Themen aus dem Blog.

Denn wenn ihr mich hier schon ein Jahr lang begleitet, dann habt ihr vielleicht sogar besser aufgepasst, als ihr denkt.

11 Fragen, 11 Buchstaben und am Ende wartet ein Lösungswort.

Kleiner Tipp: Die richtigen Antworten ergeben in der Reihenfolge ihrer Anfangsbuchstaben das Lösungswort.

1. Wo arbeitet Lea inzwischen?

A) Deutsche Botschaftsschule
B) Tierheim
C) Botschaft in Peking

2. Mit welcher Chinesischen Airline sind wir in unserem China-Jahr überwiegend unterwegs gewesen?

A) Air China
B) Hainan Airlines
C) China Eastern

3. Was bedeutet „Hallo“ auf chinesisch ?

A) Xiexie
B) Nihao
C) Konnichiwa

4. In welcher Stadt waren wir auf einer chinesischen Hochzeit?

A) Shanghai
B) Hongkong
C) Kaiyuan

5. In welcher Stadt leben wir?

A) Shanghai
B) Chengdu
C) Beijing

6. Welche App gehört bei uns inzwischen ganz selbstverständlich zum chinesischen Alltag?

A) Signal
B) Alipay
C) Telegram

7. Mit welchem Fortbewegungsmittel kommt unser bestelltes Essen zu uns?

A) Fahrrad
B) Auto
C) Roller

8. Wie heißt unser Apartment für die nächsten Jahre?

A) Kerry
B) Hilton
C) Kempinski

9. Wie viele Kilometer sind es ungefähr mit dem Zug von Beijing nach Shanghai?

A) Siebenhundert Kilometer
B) Eintausenddreihundert Kilometer
C) Zweitausendeinhundert Kilometer

10. In welcher Stadt machen wir meistens einen Zwischenstopp auf dem Flug nach Deutschland?

A) Istanbul
B) Madrid
C) Rom

11. Welches Land war unser erstes Reiseziel seitdem wir in China leben?

A) Thailand
B) Australien
C) Vietnam

Und wenn ihr nun alle Antworten habt, könnt ihr aus den Anfangsbuchstaben das Lösungswort zusammensetzen: _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _

Vielleicht ist das tatsächlich das Wort, das unser Gefühl zu dem erstes China-Jahr am besten beschreibt.

Nicht weil jeder Tag perfekt war.

Nicht weil immer alles einfach war.

Sondern weil wir unglaublich viele Dinge erleben durften, die wir vor einem Jahr noch nicht kannten.

D A N K B A R K E I T

Und auch D A N K B A R K E I T, für euch

Danke an alle, die seit dem ersten Beitrag mitlesen.

An diejenigen, die jeden Beitrag lesen, an diejenigen, die nur ab und zu vorbeischauen und natürlich auch an diejenigen, die mir irgendwann schreiben und erzählen, dass sie gerade beim Lesen das Gefühl hatten, ein kleines bisschen mit in China gewesen zu sein.

Genau dafür gibt es diesen Blog.

Natürlich schreibe ich ihn in erster Linie für uns. Als Erinnerung an diese besondere Zeit, als kleines digitales Fotoalbum und als Ort, an dem wir unsere Erlebnisse sammeln können.

Aber es ist etwas ganz Besonderes zu wissen, dass irgendwo in Deutschland, in Europa oder vielleicht sogar an einem ganz anderen Ort jemand sitzt und unseren Alltag in China mitverfolgt.

Ihr begleitet uns bei den großen Momenten.

Bei unseren Reisen.

Bei neuen Wohnungen.

Bei Wanderungen.

Bei kulinarischen Experimenten.

Aber eben auch bei den ganz normalen kleinen Geschichten, die unser Leben hier ausmachen.

Und genau diese Mischung möchte ich auch im nächsten Jahr beibehalten.

Denn unser China-Abenteuer ist noch lange nicht vorbei. Wir haben noch ungefähr zwei Jahre vor uns.

Noch viele Städte, die wir nicht kennen.

Noch viele Wanderwege, die wir nicht gelaufen sind.

Noch unzählige Gerichte, die wir ausprobieren werden.

Und wahrscheinlich auch noch einige Situationen, bei denen wir uns gegenseitig anschauen und sagen werden:

„Okay. Das ist jetzt wirklich sehr China.“

Also: Danke, dass ihr mit uns reist.

Danke fürs Lesen, Mitfiebern, Nachfragen und Wiederkommen.

Auf ein weiteres Jahr voller Geschichten, kleiner Abenteuer und hoffentlich ganz viel Dankbarkeit.

Eure Lea & Nico

Täglich grüßt was neues

Nach dem aufregenden Wochenende starteten wir zunächst etwas ruhiger in die neue Woche. Wir erledigten gemeinsam ein paar Einkäufe, schlenderten über einen Markt und kochten abends zusammen. Besonders interessant war es für uns, die verschiedenen Früchte auszusuchen und sie mittags direkt zu probieren. Denn schon die Pfirsiche sehen hier ganz anders aus als in Deutschland. So fanden wir uns nach den ereignisreichen Tagen langsam wieder im Pekinger Alltag ein, bevor es schon bald wieder etwas abwechslungsreicher wurde.

Rückzug im königlich Park

Ein Tag später stand dann direkt wieder ein kleines Highlight auf dem Programm. Gemeinsam mit einem Arbeitskollegen von Nico und seiner Tochter, die gerade ebenfalls zu Besuch war, machten wir uns zu sechst auf den Weg zum Sommerpalast.

Auch wenn ich bereits einmal dort gewesen war, hatte ich das Gefühl, bei diesem Besuch wieder ganz andere Dinge zu entdecken. Wir wählten diesmal einen anderen Eingang und mussten uns dadurch zunächst etwas neu orientieren. Manche Wege kannte ich noch erstaunlich gut, bei anderen war ich dann doch wieder völlig raus.

Neu für mich waren unter anderem kleine Verkaufsstände mit Robotern, die Getränke und Wasser anbieten. Außerdem entdeckte ich diesmal Stempel und so konnte ich endlich mein Stempelbuch weiterfüllen. In vielen chinesischen Sehenswürdigkeiten gibt es mittlerweile solche Stempelstationen, an denen man sich an verschiedenen Orten einen individuellen Erinnerungsstempel holen kann. Mein kleines Stempelbuch ist inzwischen zu einer schönen Beschäftigung geworden und jedes neue Motiv erinnert später an den jeweiligen Besuch.

Zum ersten Mal fuhren wir außerdem mit einem Boot über den Kunming-See. Gerade vom Wasser aus bekommt man noch einmal eine ganz andere Perspektive auf die doch sehr weitläufige Anlage.

Ein weiterer neuer Stopp für uns war der sogenannte Pavillon der vier großen Regionen. Die ursprünglich dreistöckige Anlage entstand während der Qianlong-Zeit, wurde jedoch 1860 im Zweiten Opiumkrieg zerstört. Erst unter Kaiser Guangxu wurde der Pavillon wieder aufgebaut. Heute findet man dort unter anderem Darstellungen der Buddhas der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sowie der 18 Arhats.

Schon bei meinem ersten Besuch fand ich den Sommerpalast unglaublich entschleunigend und auch die anderen waren bei unserem gemeinsamen Besuch schnell von dieser besonderen Atmosphäre angetan. Zwischen den großen Seen, den grünen Parkanlagen, Bergen und historischen Tempeln fühlt es sich für ein paar Stunden kaum noch so an, als wäre man mitten in einer Millionenstadt. Und obwohl ich inzwischen schon einige Male an bekannten Orten in Peking war, gibt es offenbar immer noch neue Ecken zu entdecken.

Kleine Mitbringsel

Mittwochs arbeite ich immer etwas länger, sodass unsere gemeinsamen Unternehmungen meistens erst am Nachmittag beginnen. Während ich noch bei der Arbeit bin, können die anderen ganz entspannt das Sportangebot in unserem Apartmentkomplex nutzen, zum Beispiel bei einer Yogastunde.

Für unseren gemeinsamen Nachmittag suchte ich deshalb nach einer passenden Idee. Bei unserem Ausflug am Vortag hatten die anderen von einem Handcreme-Laden erzählt, der sich wohl besonders gut für kleine Mitbringsel eignet. Also suchte ich einen Laden in unserer Nähe heraus und verband den Besuch direkt mit einem weiteren Ziel: einem Ausflug ins moderne Peking und zur bekannten Einkaufsstraße Wangfujing.

Wangfujing gehört zu den bekanntesten Einkaufsstraßen Pekings und verbindet traditionelle chinesische Geschäfte mit großen modernen Einkaufszentren und internationalen Marken. Die rund 700 Jahre alte Geschäftsstraße liegt im Herzen der Stadt und ist heute vor allem für ihre vielen Geschäfte, Einkaufszentren und die belebte Fußgängerzone bekannt.

Unser eigentliches Ziel war aber der Handcreme-Laden QINGZHI (青稚). Schon beim Betreten fiel auf, wie viele verschiedene Varianten es dort gibt. Neben unterschiedlichen Düften sind auch die Verpackungen sehr individuell gestaltet. Einige tragen typische Symbole oder Motive aus Peking, andere sind nach dem eigenen Geburtsdatum zusammengestellt. Dadurch eignet sich die Handcreme tatsächlich ziemlich gut als persönliches Mitbringsel.

Besonders schön fanden wir, dass man die Produkte kostenlos gravieren und anschließend auch direkt als Geschenk verpacken lassen kann. So wird aus einer eigentlich ganz einfachen Handcreme schnell ein kleines, persönliches Souvenir.

Mit unseren neuen Handcremes im Gepäck ging es anschließend wieder nach Hause, wo wir uns mit Nico zum Abendessen trafen. Wir erzählten uns von unseren Erlebnissen des Tages, tauschten uns aus und ließen den Abend gemeinsam zu fünft gemütlich ausklingen.

Alltagstermine erleben

Nach der langen Sommerpause stand außerdem unser erster Frühstückstreff wieder auf dem Programm. Natürlich durfte mein Besuch dabei nicht fehlen. Dieses Mal trafen wir uns im Gaga Garden in Sanlitun, wo insgesamt zwölf Leute zusammenkamen. Einige Gesichter kannte ich bereits, andere waren zum ersten Mal dabei.

Bei einem gemeinsamen Frühstück entstanden wieder viele interessante Gespräche. Gerade für Expat-Partner finde ich den Austausch immer spannend, weil man dabei ganz unterschiedliche Erfahrungen über das Leben in China, den Alltag und die eigene Eingewöhnung bekommt. Für meine Schwiegereltern war es ebenfalls schön, von anderen Expats zu hören, wie sie das Leben hier erleben und dabei zusätzlich noch etwas Neues über China zu erfahren.

Ich musste diesmal leider etwas früher gehen, weil ich anschließend noch arbeiten musste. Die anderen blieben noch ein wenig sitzen und schlenderten danach durch das angrenzende Shoppingcenter.

Nach meiner Arbeit trafen wir uns wieder und tauschten uns bei einem Kaffee über den Tag und unsere bisherigen Erlebnisse aus. Anschließend machten wir uns gemeinsam für das Abendessen fertig. Die Wahl fiel auf Pizza und da es in Peking einige gute Adressen gibt, suchten wir uns eine Pizzeria aus, die gleichzeitig günstig für den anschließenden Weg zu Nicos letztem Fußballspiel lag.

Das Spiel verlief allerdings etwas anders als geplant. Der Gegner hatte zu wenige Spieler dabei, sodass das offizielle Spiel kurzerhand mit 3:0 gewertet wurde. Damit war der Fußballabend aber noch lange nicht vorbei. Die eigentlichen Schieds- und Linienrichter entschieden sich kurzerhand mitzuspielen, einige Spieler von Nicos Mannschaft wechselten zum Gegner und so wurde aus dem geplanten Spiel einfach ein großes Trainingsspiel.

Das war am Ende sogar ziemlich unterhaltsam anzusehen und deutlich spannender als ein normales Trainingsspiel. Am Ende gewann Nicos Mannschaft mit 10:2 und wir machten uns nach einem langen, aber wirklich schönen Tag wieder auf den Heimweg.

Die Historische Seite

Am Freitag stand nach der langen Pause endlich wieder Chinesisch auf dem Programm. Es war die erste Stunde nach meiner Zeit in Deutschland und ich musste schnell feststellen, dass ich in den letzten Wochen doch einiges vergessen hatte. Zum Lernen war ich in dieser Zeit ebenfalls kaum gekommen, sodass ich mich erst einmal wieder in die Sprache hineinfinden musste.

Nach der Stunde ging es für uns direkt weiter in die Hutongs, die historischen Viertel Pekings. Unser erster Stopp war der Drum Tower, eines der bekannten Wahrzeichen der Stadt. Zusammen mit dem Bell Tower spielte er früher eine wichtige Rolle bei der Zeitmessung: Die Trommeln und Glocken gaben den Bewohnern den Tagesrhythmus vor.

Im Drum Tower angekommen, schafften wir es gerade noch rechtzeitig zur traditionellen Trommelvorführung. Mehrmals am Tag werden dort die großen Trommeln geschlagen, wie es bereits früher zur Bekanntgabe der Uhrzeit üblich war. Anschließend konnten wir uns die historischen Instrumente und Zeitmessgeräte anschauen und vom Turm aus den Blick über die Stadt bis hin zur Verbotenen Stadt genießen.

Anschließend ging es weiter zum nächsten Turm, dem Bell Tower. Die beiden Türme liegen nur wenige Meter voneinander entfernt und sind durch einen kleinen Innenhof miteinander verbunden. Auch hier gab es einiges zu entdecken. Im Hof spielten mehrere Menschen Jianzi, ein traditionelles chinesisches Geschicklichkeitsspiel, bei dem ein kleiner Federball mit den Füßen, Knien oder anderen Körperteilen möglichst lange in der Luft gehalten wird. Daneben waren einige Influencer damit beschäftigt, Videos zu drehen oder Produkte zu präsentieren.

Im Bell Tower selbst befindet sich eine riesige Bronzeglocke. Besonders beeindruckend war für uns jedoch der Rundumblick über Peking. Von oben konnten wir unter anderem den Verlauf der zentralen Nord-Süd-Achse der Stadt erkennen: In der einen Richtung lag die Verbotene Stadt, während in der anderen der Olympiapark in der Ferne zu sehen war.

Nach den Türmen ging es anschließend durch die engen und teilweise sehr belebten Hutongs. Bei den Hutongs handelt es sich um die traditionellen, schmalen Gassen Pekings, die vor allem für ihre kleinen Innenhöfe und die noch heute erhaltene historische Wohnstruktur bekannt sind.

Wir schlenderten dabei durch die Yandai Byway (烟袋斜街), eine der bekanntesten historischen Gassen Pekings. Der Name lässt sich sinngemäß mit „Tabakpfeifen-Gasse“ übersetzen und geht darauf zurück, dass hier früher viele Händler mit Tabakpfeifen und entsprechendem Zubehör ansässig waren. Heute findet man dort vor allem kleine Geschäfte, Souvenirläden, Cafés und Restaurants. Die Gasse wurde in den vergangenen Jahren restauriert und verbindet dadurch traditionelle Elemente des alten Pekings mit dem heutigen, deutlich touristischeren Stadtbild.

Zum Abschluss schlenderten wir noch durch die Gegend rund um den Houhai-See. Die kleinen Gassen rund um das Wasser waren wie erwartet ziemlich touristisch, aber gerade dadurch gab es viel zu sehen. Entlang der Straßen reihten sich kleine Geschäfte, Restaurants, Cafés und Bars aneinander. Besonders am Abend wird es hier lebendig, wenn die ersten Lichter angehen und immer mehr Menschen unterwegs sind. Wir ließen uns einfach ein wenig durch die Gassen treiben und genossen die ganz andere Atmosphäre dieses Teils der Stadt.

Auf dem Weg zu unserem Abendessen kamen wir außerdem an einem weiteren beeindruckenden Gebäude vorbei: dem Guanghua-Tempel (广化寺). Der buddhistische Tempel liegt direkt am Ufer des Houhai und unweit der bekannten Silberbarren-Brücke. Die Anlage umfasst rund 300 Gebäude und fällt schon von außen durch ihre traditionelle chinesische Architektur auf. Ende der Qing-Dynastie und zu Beginn der Republikzeit wurde der Tempel zeitweise als Pekinger Stadtbibliothek genutzt. Heute befindet sich dort der Sitz des Buddhistenverbandes von Peking.

Von dort ging es für uns schließlich weiter zum eigentlichen Highlight des Abends: unserem Weindinner im Puzzles.

Jeden Monat findet hier ein Weinabend mit wechselnden Themen statt. Das Restaurant wird von einem jungen deutschen Besitzer geführt, der inzwischen seit zehn Jahren in China lebt. An diesem Abend versammelten sich rund 20 Gäste an einer großen Tafel und passend zu unserem Heimatbesuch drehte sich dieses Mal alles um deutsche Weine.

Insgesamt wurden fünf verschiedene Weine ausgeschenkt: ein Barth Riesling Brut aus dem Rheingau, ein Bacchus von DIVINO aus Franken, ein Silvaner vom Staatlichen Hofkeller Würzburg, ein Spätburgunder von Robert Weil aus Rheinhessen sowie ein Spätburgunder Kabinett von Alde Gott aus Baden. Dazu gab es ein Menü zum Teilen, sodass wir uns gemeinsam durch die verschiedenen Gerichte probieren konnten.

Los ging es mit geräuchertem Lachs und einem Auberginen-Dip, gefolgt von Iberico-Schinken mit Melone und Garnelen. Danach kamen Flammkuchen, eine Wurstplatte, Flank Steak und verschiedene Ofengemüse auf den Tisch. Durch das Teilen konnte man von allem ein bisschen probieren und immer wieder neue Kombinationen mit den unterschiedlichen Weinen entdecken.

Zum Abschluss durfte natürlich auch das Puzzles-Dessert nicht fehlen. Es bestand aus einer cremigen Crème brûlée und einem fantastischen Schokoladenkuchen und bildete den perfekten Abschluss für unseren Abend.

Nach dem Essen wollte aber noch niemand so richtig nach Hause und glücklicherweise liegt direkt nebenan die Modernista, eine kleine Bar mit einem eher unscheinbaren Eingang. Während es vorne zunächst noch gemütlich und ruhig war, befand sich im hinteren Bereich eine kleine Tanzfläche mit Live-Musik. Bis Mitternacht wurde überwiegend auf Englisch live gesungen, bevor anschließend ein DJ übernahm und aus dem gemütlichen Abend ziemlich schnell eine kleine Tanzparty wurde.

Also blieben wir noch eine Weile, tanzten zusammen und genossen den spontanen Abschluss unseres Abends. Gegen 1 Uhr machten wir uns schließlich mit dem Didi auf den Heimweg.

Moderne Highlights Pekings

Nach der etwas längeren Nacht ließen wir den Samstag zunächst ganz entspannt mit einem ausgiebigen Frühstück beginnen. Danach wollten wir aber natürlich trotzdem noch etwas unternehmen und entschieden uns für einen Besuch im Olympiapark.

Unser erster Stopp war das Bird’s Nest, das berühmte Nationalstadion, das für die Olympischen Sommerspiele 2008 gebaut wurde. Aufgrund des Aufbaus für eine bevorstehende Veranstaltung war diesmal allerdings keine reguläre Besichtigung möglich. Durch einen Zaun konnten wir aber zumindest einen kurzen Blick ins Stadion werfen.

Anschließend ging es weiter zum Water Cube, dem damaligen National Aquatics Center. Nico kannte das Innere bereits, für mich war es der erste Besuch. Ehrlich gesagt war ich etwas überrascht, wie wenig spektakulär es von innen wirkte. Auch die Schwimmbecken waren wegen des Veranstaltungsaufbaus teilweise verdeckt, sodass vor allem die Sprungtürme und ein Teil des Beckens zu sehen waren. Von außen finde ich das Gebäude persönlich deutlich beeindruckender.

Ganz neu ist der Water Cube inzwischen natürlich auch nicht mehr: Er wurde für die Olympischen Spiele 2008 errichtet und später für die Olympischen Winterspiele 2022 erneut genutzt. Heute gehört er damit zu den bekannten Bauwerken des Olympiaparks und erinnert noch immer an die beiden Olympischen Spiele, die hier stattgefunden haben.

Danach schlenderten wir noch ein wenig durch das Gelände und entdeckten dabei immer wieder kleine Ecken, bevor wir uns Fahrräder schnappten und einmal eine größere Runde durch den Olympiapark drehten. Gerade für eine erste Fahrradtour in Peking ist das Gelände perfekt: keine Autos, sondern hauptsächlich Zweiradfahrer und Fußgänger. So konnte sich jeder ganz in Ruhe daran gewöhnen, bevor es später auch auf die Straßen der Stadt gehen soll.

Zum Abschluss fuhren wir noch ein Stück an einer schönen Allee entlang zurück zum Auto und machten uns auf den Heimweg. Abends ging es dann noch gemeinsam in den Paulaner Biergarten, wo wir den Tag gemütlich ausklingen ließen.

Checkliste: ein Weltwunder sehen

Am Sonntag stand schließlich das Highlight auf dem Programm, auf das sich wohl die meisten Besucher einer China-Reise besonders freuen: die Chinesische Mauer.

Wir hatten lange überlegt, welchen Abschnitt wir gemeinsam besuchen wollten. Da sich die Gruppe einen möglichst besonderen Ausblick gewünscht hatte, entschieden wir uns schließlich für die Lakeside Great Wall.

Nach rund 78 Kilometern und etwa anderthalb Stunden Fahrt kamen wir am Parkplatz des Gebiets an. Der Abschnitt gehört zur Huanghuacheng Great Wall, die während der Ming-Dynastie ab 1404 errichtet wurde. Ihren Namen verdankt sie den gelben Blumen, die im Frühjahr und Sommer die umliegenden Berge bedecken. Besonders ist dieser Abschnitt vor allem deshalb, weil die Mauer hier an mehreren Stellen direkt auf das Wasser des Stausees trifft und teilweise sogar darin verschwindet. 

Wir starteten direkt mit dem ersten Aufstieg auf die Mauer und wurden schon dort mit genau dem Panorama belohnt, weshalb wir uns auch für diesen Abschnitt entschieden hatten: Berge, Wasser und die sich durch die Landschaft ziehende Mauer.

Anschließend ging es in ein kleines Besucherdorf, in dem verschiedene Aktivitäten angeboten wurden. Wir entschieden uns für ein Kombiangebot mit drei Stationen und starteten mit einer kleinen Eisenbahn, die uns zunächst ein Stück durch das Gelände brachte. Anschließend ging es mit einer Wasserbahn wieder ein Stück zurück.

Nach einem kurzen Fußweg wartete dann noch eine Seilbahn auf uns. Damit konnten wir einen Teil des Aufstiegs überspringen und direkt weiter oben an einem Wachturm starten.

Von dort aus führte die Mauer zunächst recht steil bergab. Der Abschnitt war allerdings sehr gut restauriert und an fast jeder Stelle öffnete sich ein neues Panorama auf die Berge und den See. Unten angekommen, wartete dann doch noch ein Aufstieg auf uns. Der Weg nach oben war zwar ziemlich steil, dafür aber vergleichsweise kurz. Und natürlich ging es anschließend auch wieder hinunter und dann über eine kleine Glasbrücke zurück zum Anfang des Besucherdorfs.

Die letzten Meter führten schließlich über befestigte Wege zurück Richtung Parkplatz. Müde, aber mit vielen schönen Bildern im Kopf machten wir uns wieder auf den Heimweg. Besonders der Mix aus alter Mauer, grünen Bergen und dem Wasser unterhalb der Mauer hat diesen Ausflug für uns zu einem ganz besonderen Mauer-Erlebnis gemacht.

Nach den vielen unterschiedlichen Erlebnissen der vergangenen Tage war die Mauer mit Seeblick definitiv ein besonderer Abschluss. Von einem entspannten Start zurück in Peking über gemeinsame Abende, neue Ecken der Stadt und kleine Alltagserlebnisse bis hin zu diesem Ausflug war eigentlich alles dabei.

Besonders schön finde ich, dass selbst bekannte Orte immer wieder etwas Neues für uns bereithalten.

So ging eine ziemlich volle, aber wunderschöne Woche zu Ende. 

Unser China, euer Besuch

Nun wohnen wir schon fast zwölf Monate in Peking. Wir haben uns eingelebt, Freundschaften aufgebaut, erste Lieblingsorte entwickelt und sind einfach angekommen in unserem neuen Leben.

Und jetzt folgt eine ganz besondere erste Erfahrung: Wir dürfen zum ersten Mal Besuch empfangen und zeigen, wie wir hier leben und was Asien und China für Nico und mich bedeuten.

Ihr alle kennt China bisher vor allem aus unseren Erzählungen und meinen mal mehr, mal weniger lebhaften Schilderungen. Deshalb bin ich umso gespannter, wie gut ich unser Leben hier im Blog bereits vermitteln konnte.

Rückreise mit Begleitung

Am Montagmittag machten wir uns gemeinsam auf den Weg zum Flughafen. Zusammen mit meinen Schwiegereltern und meinem Schwager verging der Flug nach Peking wie im Flug.

Bei der Ankunft erwartete sie direkt die erste Überraschung, denn Nico konnte sich spontan frei nehmen und uns vom Flughafen abholen. Damit hatte niemand gerechnet und entsprechend groß war die Freude. Ein schöner Start für die gemeinsame Zeit in China.

Den restlichen Tag verbrachten wir ganz entspannt damit anzukommen, die ersten Straßen unserer Gegend zu erkunden und uns ein wenig einzuleben. Abends ging es dann direkt zum ersten gemeinsamen chinesischen Essen.

Für den Anreisetag hatte ich ein besonderes Restaurant ausgesucht, das vor allem für seine Pekingente bekannt ist. So konnten unsere Besucher direkt eines der wohl bekanntesten Gerichte der Hauptstadt kennenlernen. Ein ziemlich passender Einstieg in unsere gemeinsame Zeit.

Vom Finanzamt in den Hort

Für mich ging es bereits am nächsten Tag und auch am Donnerstag zu meinen ersten Arbeitstagen an der Deutschen Schule Peking.

Wie einige von euch schon mitbekommen haben, werde ich dort nun ein paar Stunden in der Woche aushelfen. Ich unterstütze dabei die Nachmittagsbetreuung beziehungsweise den Hort nach der regulären Schulzeit.

Mein Arbeitsalltag sieht so aus, dass wir uns als Team zunächst besprechen. Anschließend holt jeder seine Klasse ab und geht gemeinsam mit den Kindern zum Mittagessen in die Mensa. Danach tragen sich die Kinder für die verschiedenen Stationen der Nachmittagsbetreuung ein und wir als Betreuungskräfte verteilen uns auf die einzelnen Stationen.

Für mich ist das eine ganz neue Herausforderung und gleichzeitig eine Aufgabe, auf die ich mich sehr freue. Es ist schön, einmal mit Kindern arbeiten zu können. Von ihnen kann man viel lernen, man hat viel Freude und vor allem jede Menge Abwechslung im Alltag.

Nachmittags machten wir uns gemeinsam auf den Weg zu einer der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Pekings. Gleichzeitig war es auch die erste Sehenswürdigkeit, die ich selbst nach meinem Umzug nach Peking besucht hatte: der Himmelstempel (Temple of Heaven).

Obwohl die Anlage mit rund 273 Hektar riesig ist und damit etwa viermal so groß wie das Gelände der Verbotenen Stadt, wirkt sie erstaunlich übersichtlich. Für mich war und ist der Himmelstempel deshalb der perfekte Einstieg in das Sightseeing in Peking.

Über die Anlage selbst haben wir euch bereits ausführlich in unserem Beitrag „Ein Tag zwischen Himmel und Erde“ berichtet. Deshalb möchte ich heute nicht noch einmal alle historischen Fakten wiederholen, sondern vielmehr erzählen, welche Eindrücke der Besuch bei Nicole, Hendrik und Ralf hinterlassen hat.

Was direkt auffiel, waren die Menschenmassen. Überall waren Menschen unterwegs, von Einheimischen bis zu Touristen, und trotzdem wirkte das Ganze erstaunlich gut organisiert. Gerade für jemanden, der zum ersten Mal in China ist, ist es schon beeindruckend zu sehen, wie viele Menschen sich gleichzeitig auf einer solchen Anlage bewegen können, ohne dass direkt Chaos entsteht.

Auch die vielen Sicherheitskontrollen gehörten für unsere Besucher direkt zum ersten Eindruck von Peking. Bereits am Eingang wird kontrolliert, bevor man überhaupt auf das eigentliche Gelände kommt. Dazu kommen digitale Tickets, QR-Codes und verschiedene digitale Abläufe, die für uns inzwischen schon ziemlich selbstverständlich geworden sind. Für unsere Besucher war es dagegen ein weiterer kleiner Einblick darin, wie digitalisiert und gleichzeitig organisiert der Alltag hier funktioniert.

Und dann ist da natürlich die Anlage selbst. Zwischen den beeindruckenden Tempelbauten, den alten Bäumen und den weitläufigen Wegen trifft man immer wieder auf Menschen, die hier einfach ihren Alltag verbringen. Manche sitzen zusammen, andere unterhalten sich, machen Sport oder treffen sich mit Freunden. Dadurch fühlt sich der Himmelstempel trotz seiner historischen Bedeutung nicht wie ein reines Museum an, sondern wie ein lebendiger Teil der Stadt.

Für unsere Besucher war es damit direkt ein ziemlich intensiver erster Eindruck von Peking: Menschenmengen, strenge Sicherheitskontrollen, jede Menge Digitalisierung und gleichzeitig eine jahrhundertealte Tempelanlage mitten in einer modernen Millionenstadt. Ein ziemlich guter Vorgeschmack auf das, was sie in den nächsten Tagen noch erwarten sollte.

An diesem Abend ging es noch in eines meiner Lieblingsrestaurants. Dort gibt es ausgefallene, moderne Yunnan-Küche. Frische Zutaten wie Minze, Zitrone oder Rose sorgen für ganz besondere Geschmackskombinationen.

Wir bestellten verschiedene Gerichte zum Teilen, unter anderem Ananasreis, Minz-Rindfleischrollen und Rosenkuchen. Allen hat es sehr gut geschmeckt und damit konnten wir noch einmal eine neue Seite des chinesischen Essens zeigen.

Danach ging es weiter zu Nicos Fußballspiel, um ihn und seine Mannschaft anzufeuern. Es war das vorletzte Spiel der Mercedes-Benz-Liga und für seine Mannschaft lief es ziemlich gut: Mit 7:0 ging das Spiel glücklich aus.

Nicos Tor wurde leider wegen Abseits nicht gegeben. Dafür bekam er ein Vorlagentor zugeschrieben, das am Ende eigentlich ein Eigentor des Gegners war. Ganz egal, Hauptsache gewonnen! 

Gemeinsamer Wochenendtrip

Natürlich darf man bei einem Besuch in China auch eine Fahrt mit dem Schnellzug nicht verpassen.

Nach längerem Überlegen, welches Ziel die Pekinger Sehenswürdigkeiten für unsere Besucher am besten ergänzen würde und gleichzeitig möglichst wenig Stress verursacht, fiel unsere Wahl auf Shanghai.

Allerdings nicht nur auf Shanghai. Nico und ich waren bereits dort und wollten deshalb auch für uns noch etwas Neues in die Reise einbauen. Und so stand neben Shanghai auch Hangzhou auf unserem Plan.

Um 10 Uhr morgens ging für uns am Freitag der Zug nach Shanghai. Die insgesamt 4 Stunden und 35 Minuten lange Fahrt verging wie im Flug. Wir probierten sogar einmal aus, Essen direkt in den Zug liefern zu lassen.

Für den Zwischenstopp in Nanjing bestellten wir bei KFC drei Kaffees, die tatsächlich direkt an unseren Sitzplatz geliefert wurden. Es ist wirklich unglaublich, wie perfekt die Lieferungen hier getaktet sind. Selbst während eines kurzen Zughalts funktioniert es, dass das bestellte Essen pünktlich im Zug ankommt.

In Shanghai angekommen, ging es von unserem Hotel aus direkt zu Fuß zur berühmten Skyline „the Bund“. Unser Hotel lag praktischerweise direkt gegenüber, sodass wir nur einmal über die Straße mussten.

Zuerst hieß es: beobachten, fotografieren und einfach wirken lassen.

Wenn man die Skyline zum ersten Mal sieht, ist sie schon ziemlich überwältigend. Aber auch beim zweiten Mal war sie für uns noch immer beeindruckend. Gerade der Kontrast zwischen den historischen Gebäuden am Bund und den futuristischen Wolkenkratzern auf der anderen Seite des Huangpu-Flusses macht diesen Blick so besonders.

Nach einem Spaziergang entlang der Promenade ging es zum Abendessen in ein Restaurant, das wir bereits von unserem letzten Besuch kannten. Das Warehouse No. 3 liegt in einem bekannten Viertel und ist für chinesische Küche mit moderner Zubereitung bekannt.

Wir probierten uns gemeinsam durch verschiedene Gerichte: Gurkensalat, Kartoffeln, unterschiedliche Fleischgerichte, einen kleinen Hotpot, den man ein bisschen mit einem Fondue vergleichen kann, und zum Abschluss einen Dessertteller.

Anschließend liefen wir noch durch die beleuchteten Gassen der Umgebung und schauten uns den Yu Garden an. Der historische Garten ist vor allem am Abend wunderschön, wenn die traditionellen Gebäude und Pavillons beleuchtet sind.

Durch einen Park ging es anschließend wieder zurück Richtung „the Bund“. So konnten wir die Skyline noch einmal in voller Pracht bei Nacht bestaunen.

Alles in allem war es ein schöner erster Tag in Shanghai mit vielen Highlights und vor allem sehr vielen überwältigenden Eindrücken.

Eine alte Wasserstadt trifft auf die Moderne

Hangzhou, die Hauptstadt der Provinz Zhejiang, liegt rund 170 Kilometer südwestlich von Shanghai und gehört mit mehreren Millionen Einwohnern zu den bedeutendsten Städten Ostchinas. Bekannt ist die Stadt vor allem für den malerischen Westsee, traditionelle Wasserlandschaften und ihre lange Geschichte. Gleichzeitig ist Hangzhou heute eine moderne und wirtschaftsstarke Metropole, die besonders für ihre Technologiebranche und als Heimat von Alibaba bekannt ist.

Morgens um 9:45 Uhr ging es für uns in ca. 48 min. mit dem Schnellzug nach Hangzhou.

Unser erstes Ziel war der berüchtigte West Lake, das wohl bekannteste Wahrzeichen der Stadt. Der rund 6,4 Quadratkilometer große See ist von grünen Hügeln, Pagoden, Gärten und historischen Bauwerken umgeben und gilt seit Jahrhunderten als Inspiration für chinesische Dichter und Künstler. Seit 2011 gehört die Kulturlandschaft rund um den Westsee sogar zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Über den Bai Causeway, einen malerischen Damm, der den See auf einer schmalen Strecke durchquert, ging es für uns weiter zur Broken Bridge, einer der bekanntesten Brücken am Westsee. Ihren Namen verdankt sie nicht etwa einem tatsächlichen Schaden, sondern einem besonderen optischen Effekt: Im Winter kann eine dünne Schneeschicht auf der Brücke durch die Sonne teilweise schmelzen, sodass es aus der Entfernung aussieht, als wäre die Brücke in der Mitte unterbrochen.

Anschließend erkundeten wir Solitary Hill (Gushan), die größte natürliche Insel im nördlichen Teil des Westsees. Hier findet man neben ruhigen Wegen und schönen Aussichtspunkten auch historische Gebäude, Gärten und kulturelle Sehenswürdigkeiten. Besonders schön war für uns der Kontrast zwischen der ruhigen, traditionellen Landschaft und der modernen Skyline von Hangzhou im Hintergrund.

Von dort aus ging es mit zwei Taxis zu einem Highlight auf das ich mich sehr gefreut habe. Denn wenn ich an China denke, hatte ich neben den modernen Metropolen vor allem zwei Dinge vor Augen: Reisfelder und Teeplantagen. Schon lange standen die grünen Teehügel deshalb auf meiner Liste und in Hangzhou gibt es mit den Longjing Tea Hills eine der bekanntesten Teeregionen Chinas.

Die Gegend rund um Longjing ist vor allem für den berühmten Longjing-Tee, auch bekannt als Dragon Well Tea, bekannt. Der grüne Tee wird hier bereits seit Jahrhunderten angebaut und zählt zu den berühmtesten und hochwertigsten Tees Chinas. Die Teefelder ziehen sich in mehreren Lagen über die sanften Hügel und bilden zusammen mit kleinen Dörfern, Bambuswäldern und Wanderwegen eine ganz andere Landschaft als das geschäftige Stadtzentrum von Hangzhou.

Für mich war genau das der Moment, in dem sich mein China-Bild aus dem Kopf plötzlich vor unseren Augen wiederfand: Wir saßen inmitten der Teesträucher und konnten die typische Landschaft, die ich bisher nur von Bildern kannte, endlich selbst erleben. Bei schwarzem und grünem Tee, Gebäck und weiteren Leckereien, genossen wir die atemberaubende Aussicht.

Nach einem kurzen Spaziergang durch die Teeplantagen ging es für uns zurück zum Westsee … dachten wir zumindest. Denn nach der Ankunft mit unserem Didi stellten wir fest: Wir waren noch ganz schön weit von unserem eigentlichen Ziel entfernt.

Unser Fahrer erklärte uns, dass aufgrund verschiedener Umstände an diesem Tag nicht alle Fahrzeuge in diesen Bereich fahren durften. Kaum waren wir ausgestiegen, kamen auch schon mehrere Taxifahrer auf uns zu und versuchten, uns für einen deutlich höheren Preis weiterzufahren. Doch hier gilt: ruhig bleiben und erstmal alle Möglichkeiten abwägen.

Auf der anderen Straßenseite entdeckten wir eine Bushaltestelle, zu der auffällig viele Menschen liefen. Also fragten wir kurzerhand nach, wohin der Bus fährt. Ziel passt, Preis passt auch – für gerade einmal umgerechnet 25 Cent pro Person ging es für uns in einer etwa 20-minütigen, etwas abenteuerlichen Busfahrt weiter. Und tatsächlich: Wir kamen genau dort an, wo wir hinwollten, an der Leifeng Pagoda.

Die Pagode ist eines der bekanntesten Wahrzeichen am Westsee und blickt auf eine lange Geschichte zurück. Die ursprüngliche Pagode wurde bereits im Jahr 975 erbaut, stürzte allerdings 1924 ein. Die heutige Leifeng Pagoda wurde erst 2002 an gleicher Stelle neu errichtet und orientiert sich dabei am historischen Vorbild. Sie steht auf dem Xizhao Hill am südlichen Ufer des Westsees und bietet von oben einen tollen Blick über den See und die umliegende Landschaft.

Natürlich durfte auch hier erstmal eine kleine Fotosession nicht fehlen. Anschließend ging es mit der Rolltreppe hinauf zum Eingang der Pagode. Im Inneren machten wir uns zunächst zu Fuß auf den Weg nach oben und erklommen die insgesamt fünf Stockwerke. Wer sich die Treppen sparen möchte, kann übrigens auch den Aufzug nehmen. Nach den ersten Stockwerken entschieden wir uns auf dem Rückweg dann ebenfalls für die bequemere Variante und fuhren mit dem Aufzug wieder nach unten.

Oben angekommen wurden wir mit einem schönen Ausblick über den Westsee belohnt. Spannend fanden wir auch die Pagode selbst: Im Inneren gibt es historische Darstellungen und kunstvolle Details, die einen Eindruck von der Geschichte rund um den Westsee vermitteln.

Nach unserem kleinen Zwischenstopp hoch über Hangzhou ging es für uns mit dem Taxi zu unserem Abendessen in die Innenstadt. Alle hatten Lust auf Pizza, weshalb Nico und ich kurzerhand unseren Lieblingsladen dafür ausfindig machten. Denn das Alimentari Grande hat nicht nur in Peking eine Filiale sondern auch in Hangzhou. Somit konnten wir den gelungenen Tag zwischen historisch nachgebauter Pagode, grünen Teeplantagen, kleinen Wasserwegen und einer modernen Skyline mit der für uns besten Pizza abschließen.

Die Stadt ist eine spannende Mischung aus Vergangenheit und Gegenwart. Genau dieser Kontrast macht Hangzhou für uns so besonders: Eine Stadt, die ihre traditionelle chinesische Seite bewahrt hat und gleichzeitig mitten in der Moderne angekommen ist.

Rückreise und Resümee

Nach den zwei intensiven Reisetage sind wir den letzten Tag ganz entspannt angegangen. Auschecken, Frühstücken und etwas durch Einkaufszentren geschlendert. Doch ein Highlight wollten wir noch sehen, einen Aldi Einkaufsmarkt in China. Von Social Media wusste ich, dass in Shanghai bereits erste Filialen vor einigen Jahren eröffnet wurden. Deshalb wollten wir uns dieses Erlebnis nicht entgehen lassen: Deutscher Markt Sonntags geöffnet in China.

Das Logo, die Farben, Einkaufswagen und der Aufbau alles war gleich und sofort vertraut. Nur das Sortiment unterschied sich teilweise. Größtenteils waren es chinesische Produkte, aber teilweise versteckte sich auch vertrautes im Regal. Nussknacker Schokolade, Fussili Nudeln von Cucina, Karlskrone und vieles mehr. Ein paar Sachen durften mit nach Hause, zum Teil auch als Mitbringsel für Nicos Arbeitskollegen.

Ach wie schade, dass wir noch keinen in Peking haben. Es machte so Spaß zu sehen, wie der deutsche Markt auch in China angenommen wird, welche Produkte speziell für den chinesischen Markt entwickelt wurden und auch altbekannte, deutsche Aldi Produkte immer wieder in den Regalen auftauchten.

Und dann hieß es auch schon wieder Abschied nehmen von Shanghai. Die Rückfahrt nach Peking verlief, wie eigentlich auch unsere bisherigen Zugfahrten, völlig reibungslos. Pünktlich, bequem und ohne großes Aufsehen brachte uns der Schnellzug wieder zurück in unsere Wahlheimat.

Für uns war dieses Woche etwas ganz Besonderes. Nicht nur, weil wir endlich Besuch aus Deutschland empfangen durften, sondern vor allem, weil wir China einmal aus einer anderen Perspektive erleben konnten.

Wir waren plötzlich nicht mehr nur diejenigen, die selbst Neues entdecken. Wir konnten Orte zeigen, die inzwischen ein Teil unseres Lebens geworden sind, Lieblingsrestaurants vorstellen, unseren Alltag erklären und gleichzeitig feststellen, wie viel wir selbst in den vergangenen Monaten schon über dieses Land gelernt haben.

Unsere Besucher haben nun schon einen kleinen Ausschnitt von dem gesehen, was China für uns inzwischen bedeutet. Von Pekings Alltag über den Schnellzug bis hin zu Shanghais Skyline, den Teeplantagen von Hangzhou und einer kleinen abenteuerlichen Busfahrt.

Einmal Heimat und zurück

Die ersten Tage meiner Deutschlandzeit verbrachte ich ganz entspannt bei meiner Familie. Ich genoss die Heimat, verbrachte viel Zeit mit den Hunden und ließ die ersten Tage einfach ein bisschen auf mich zukommen. Am Mittwoch ging es dann für mich weiter nach Stuttgart. Denn dort wartete ein fester Termin auf mich, der mich inzwischen schon seit einigen Jahren jeden August begleitet und auf den ich mich jedes Mal aufs Neue freue.

Zurück am Weindorf

Während meiner Zeit in Deutschland durfte natürlich auch ein fester Teil meiner jährlichen Stuttgart-Routine nicht fehlen: das Stuttgarter Weindorf. Rund um den Schlossplatz, Schillerplatz und die angrenzenden Gassen verwandelt sich die Stuttgarter Innenstadt jedes Jahr in ein großes Weinfest mit zahlreichen Weinlauben, regionalen Weinen und schwäbischen Spezialitäten. Für mich war es dieses Jahr bereits das vierte Mal, dass ich dort gearbeitet habe.

Angefangen hat das Ganze eigentlich eher spontan. Als ich vor einigen Jahren einmal mit dem Gedanken gespielt hatte, auf dem Cannstatter Wasen zu kellnern, bin ich bei meiner Suche im Internet auf eine Ausschreibung für das Weindorf gestoßen. Ich habe mich beworben und bin seitdem irgendwie hängen geblieben. Denn obwohl mein eigentlicher Beruf normalerweise hauptsächlich aus Büroarbeit besteht, liebe ich genau diesen Kontrast: den ganzen Tag auf den Beinen zu sein, körperlich zu arbeiten, ständig neue Menschen kennenzulernen und dabei mittendrin im Geschehen zu sein.

Wie schon in den vergangenen Jahren arbeitete ich wieder in derselben Laube bei „zur Linde“. Dahinter steht die Familie Trautwein, ein Familienbetrieb in mittlerweile vierter Generation. Die beiden Brüder Ferdinand und Maximilian Trautwein haben das Gasthaus Möhringen 2015 übernommen und sind im selben Jahr mit der „Linde“ auch erstmals beim Stuttgarter Weindorf vertreten gewesen. Heute steht der Familienbetrieb vor allem für schwäbische Traditionsküche. Neben dem Gasthaus und der Weindorf-Laube gehören auch das Restaurant Knitz direkt am Marktplatz sowie eine eigene Catering-Manufaktur zum Betrieb.

Für mich ist die Linde inzwischen fast zu einem festen Bestandteil des Weindorfs geworden. Jedes Jahr treffe ich dort auf viele bekannte Gesichter, kenne die Abläufe und freue mich darauf, für ein paar Wochen einmal ganz anders zu arbeiten als sonst.

Dieses Jahr war es das Wetter allerdings ziemlich wechselhaft. Es gab Regentage, an denen deutlich weniger Gäste in die Lauben kamen. An einem Tag erwischte mich der Regen sogar so richtig und ich kam komplett durchnässt nach Hause. Kurz darauf zeigte sich dafür wieder die andere Seite des Sommers und über dem Weindorf spannte sich ein wunderschöner Regenbogen. An anderen Tagen kletterten die Temperaturen dagegen auf über 30 Grad. Dann wurde es selbst unseren Gästen in der Laube teilweise ziemlich warm und unsere kleinen Werbefächer waren deshalb plötzlich Gold wert.

An einem besonders regnerischen Tag hatte ich sogar spontan etwas früher Feierabend. Die Gelegenheit nutzte ich, um noch Zeit mit einer Freundin zu verbringen und anschließend einfach einmal früh ins Bett zu gehen. Eigentlich hätte ich 16 Tage am Stück gearbeitet, aber einmal bekam ich spontan einen zusätzlichen freien Tag. Den nutzte ich natürlich ebenfalls direkt für einen Besuch bei den Pferden und anschließend für ein Essen mit Freunden aus Stuttgart.

Auch an meinen Spätschicht-Tagen versuchte ich, die Zeit davor gut zu nutzen. Wenn meine Schicht erst um 15 Uhr begann, ging es vorher entweder zu den Pferden oder ich traf mich mit Freunden zum Brunchen. So blieb trotz der langen Arbeitstage noch etwas Zeit für die Dinge, wegen denen ich natürlich auch gerne wieder in Stuttgart war.

Besonders schön war es, einige bekannte Gesichter aus den vergangenen Weindörfern wiederzutreffen. Das gemeinsame Arbeiten macht Spaß, aber mindestens genauso schön sind inzwischen die Stunden danach. Wenn wir irgendwann zwischen 0 und 2 Uhr nachts Feierabend hatten, wurde noch gemeinsam ein Feierabendwein getrunken, geredet und manchmal sogar noch ein Vesperbrett für alle auf den Tisch gestellt. Genau diese Abende gehören für mich mittlerweile genauso zum Weindorf wie die Arbeit selbst.

Eine ziemlich verrückte Begegnung gab es dieses Jahr außerdem: Eine Freundin, die ich in Peking kennengelernt habe, arbeitete auf meinen Tipp hin ebenfalls bei uns in der Laube. Sie dann plötzlich am anderen Ende der Welt – beziehungsweise für mich gerade wieder am anderen Ende meines Lebens – auf dem Weindorf zu treffen, war schon irgendwie surreal.

Und natürlich kam auch das Essen nicht zu kurz. Wenn ich bereits ab 11 Uhr arbeitete, hatte ich zwischen 15 und 17 Uhr meine Mittagspause und damit regelmäßig Gelegenheit, mich durch die schwäbische Küche zu probieren. Auf dem Teller landeten unter anderem Zwiebelrostbraten, Maultaschen, Linsen mit Spätzle und Schweinefiletmedaillons. Und auch bei den Desserts fiel die Auswahl nicht gerade leicht: Ofenschlupfer oder doch „Schwarzwälder mal anders“? Nach mehreren Stunden auf den Beinen war das jedenfalls eine ziemlich gute Motivation für die nächste Schicht.

Auch die Gäste waren wie jedes Jahr sehr abwechslungsreich. Neben dem ein oder anderen bekannten Fußballspieler, Politikern oder Gästen großer Unternehmen saßen bei uns genauso Seniorenpaare, Jugendliche, Familien mit kleinen Kindern und viele neue Gesichter. Manchmal kamen sogar Vierbeiner mit in die Laube. Gerade diese Mischung macht die Arbeit für mich so besonders. Es entstehen viele unterschiedliche Gespräche und Begegnungen, die das Weindorf für mich jedes Jahr aufs Neue so besonders machen.

Damit ging mein viertes und vielleicht sogar letztes Jahr auf dem Weindorf zu Ende. Aber wer weiß schon, was die Zukunft bringt? Vielleicht gibt es ja doch noch ein fünftes Mal.

Wieder im Sattel

Ein fester Bestandteil meiner Zeit in Deutschland waren natürlich auch wieder die Pferde. Eines meiner Pferde war allerdings verletzt, weshalb diesmal keine großen Ausritte auf dem Programm standen. Stattdessen hieß es vor allem: putzen, kuscheln, ein bisschen Liebe schenken und gemütliche Spaziergänge im Schritt. Auch wenn das vielleicht weniger spektakulär klingt, habe ich genau diese Zeit sehr genossen. Nach so vielen Monaten in Peking einfach wieder im Stall zu stehen und Zeit mit den Pferden zu verbringen, hat mir richtig gutgetan.

Bei den anderen Pferden durfte es dann aber auch wieder etwas mehr sein. Gemeinsam mit Freunden ging es zum Ausreiten und ich konnte auch wieder Dressur auf dem Platz reiten. Wieder im Sattel zu sitzen, war einfach ein so schönes Gefühl. Gerade weil ich in Peking nicht die Möglichkeit habe, regelmäßig zu reiten, habe ich diese Momente besonders genossen.

Ein gemeinsamer Tag

Auch mit Jessie verbrachte ich einen schönen Tag. Zuerst ging es gemeinsam zu den Pferden, bevor wir an den Aliwisensee gingen. Eigentlich hatten wir überlegt, dort auch schwimmen zu gehen, allerdings war das aufgrund eines möglichen erhöhten Fischsterbens an diesem Tag nicht empfohlen. Also machten wir es uns stattdessen am Ufer gemütlich und verbrachten einfach Zeit mit Erzählen und Aussicht genießen.

Danach ging es noch weiter nach Metzingen ins Outlet zum Shoppen. Wirklich fündig wurden wir dort allerdings nicht, außer bei Lebkuchen und Spekulatius. Damit bin ich für die Vorweihnachtszeit in Peking aber immerhin schon bestens ausgestattet. 😄 Ein bisschen Heimat im Koffer kann schließlich nicht schaden.

Am Abend gingen wir noch etwas essen was wir bereits zusammen oft in unserem Berlin Urlaub gegessen hatten. Es ging zu der Foodkette „Schnitzery“, dort gibt es verschiedene Bowls mit Schnitzel. Wir entschieden uns wie immer für den Klassiker mit mac and chees (Käsenudeln), Krautsalat und einer Sauce. Völlig satt und glücklich verbrachten wir die letzten Stunde mit erzählen auf dem Sofa, bevor es für Mirco am nächsten Morgen zurück nach Zweibrücken ging.

Kerb in der Heimat

Zum Abschluss meiner Zeit in Deutschland durfte natürlich auch die Hengstbacher Kerb nicht fehlen. Am Samstag war zunächst noch nicht ganz so viel los und auch der Alleinunterhalter war nicht unbedingt die größte Stimmungskanone. Davon ließen wir uns aber nicht die Laune verderben und machten uns mit vielen Freunden einfach selbst einen schönen Abend. Wir haben getanzt, erzählt und ab Mitternacht schließlich unsere eigene Spotify-Playlist über eine Musikbox laufen lassen. Damit wurde die Stimmung dann doch noch deutlich ausgelassener und wir hatten einen richtig schönen Abend zusammen.

Am Sonntag ging es schon morgens mit dem Frühschoppen weiter. Danach stand eine kleine Aufgabe an, die sich leider nicht ganz so unkompliziert gestaltete wie geplant: Wir holten unseren Baum und wollten ihn anschließend aufhängen. Ganz reibungslos lief das Ganze allerdings nicht, am Ende hing er dann aber doch dort, wo er hingehörte.

Anschließend wurde pünktlich um 15 Uhr die Kerberede gehalten. Es wurden verschiedene Themen vom Dorf und Umland des letzten Jahres aufgegriffen. Danach spielten wir verschiedenen Spielen, zwischendurch wurde viel erzählt und natürlich durfte auch das Essen nicht fehlen. Es gab verschiedene leckere Bratenvariationen – genau das richtige Kerb-Essen für einen Sonntag. So ließen wir den letzten Abend in der Heimat noch einmal gemeinsam und ganz entspannt ausklingen.

Heute geht es noch einmal zum Frühschoppen und gemeinsamen Frühstück (für mich allerdings nur zum Frühstücken), bevor es anschließend zusammen mit einem Teil meiner Familie zum Flughafen geht.

Dann heißt es wieder Abschied nehmen und zurück in meine andere Welt, mein anderes Zuhause: Peking. Vier Wochen Deutschland sind unglaublich schnell vergangen. Ich habe die Zeit mit Familie, Freunden, Pferden, Hunde und natürlich auf die Zeit auf dem Weindorf sehr genossen und freue mich jetzt trotzdem wieder darauf, Nico in die Arme zu schließen und unseren gemeinsamen Alltag in Peking fortzusetzen.

Nicos Tage in China

Während ich in Deutschland unterwegs war, ging auch Nicos Alltag in Peking weiter. Neben seiner normalen Arbeit war diese Woche einiges los: Eine Veranstaltung musste organisiert werden, gleichzeitig stand die Einarbeitung einer neuen dualen Studentin an, die Nico betreut. Und zwischendurch blieb natürlich noch Zeit für Freunde, Sport und verschiedene Events.

Mercedes Soccer League 2026

An einem Samstag stand zunächst die Eröffnungsfeier der Mercedes-Benz Labor Union Football Champions League auf dem Programm. Bevor es mit den eigentlichen Ligaspielen losging, gab es verschiedene Stationen, an denen sich die Mannschaften ausprobieren konnten. Dazu gehörten unter anderem Schüsse auf eine riesige Torwand, ein Geschicklichkeitsparcours und kleine 2-gegen-2-Spiele.

Richtig ernst wurde es dann am Donnerstag: Das erste Ligaspiel stand an. Mit einem 6:2-Sieg erwischte Nicos Mannschaft einen ziemlich guten Start. Nico konnte dabei gleich vier Tore erzielen und wurde anschließend sogar zum MVP des Spiels gewählt.

Bei der Mannschaft ist trotzdem noch Luft nach oben im Zusammenspiel. Aber für Nico stand vor allem der Spaß im Vordergrund und davon gab es reichlich. Nach dem Spiel war er allerdings auch entsprechend fertig. Vier Tore hin oder her: Nach 90 Minuten Fußball bei den Pekinger Temperaturen war erstmal Erholung angesagt.

World Humanoid Robot Games 2026

Am letzten Sonntag ging es für Nico dann zu einem völlig anderen sportlichen Wettbewerb: den World Humanoid Robot Games 2026. Dabei treten nicht Menschen, sondern humanoide Roboter in verschiedenen Disziplinen gegeneinander an.

Die Veranstaltung soll zeigen, was moderne humanoide Roboter inzwischen leisten können. Neben Fußball stehen dabei unter anderem sportliche und geschicklichkeitsbasierte Wettbewerbe auf dem Programm, bei denen die Roboter laufen, sich bewegen, Aufgaben bewältigen und gegeneinander antreten. Gerade der Roboter-Fußball ist dabei ziemlich kurios anzusehen: Die kleinen Maschinen versuchen tatsächlich, selbstständig den Ball zu verfolgen, Tore zu erzielen und auf Spielsituationen zu reagieren.

Gemeinsam mit Freunden schaute Nico sich verschiedene Disziplinen an und wahrscheinlich habt ihr davon in den vergangenen Tagen sogar schon den ein oder anderen Ausschnitt in den Nachrichten gesehen. Besonders interessant war dabei zu sehen, wie unterschiedlich die Roboter inzwischen eingesetzt werden können und wie schnell sich die Technik weiterentwickelt.

Sommerfest im Apartmentkomplex

An diesem Freitagabend stand außerdem noch das Sommerfest in unserem Apartmentkomplex für Nico auf dem Programm. Unter dem Motto „Summer Splash & BBQ“ wurde direkt bei uns vor der Haustür gefeiert. Neben einem kleinen Kinder-Pool gab es ein großes BBQ, Getränke und später sogar eine Live-Band.

Das BBQ war richtig lecker und die entspannte Atmosphäre bot eine schöne Gelegenheit, noch mehr Leute aus unserem Apartmentkomplex kennenzulernen. Gerade weil man sich im Alltag zwar immer wieder über den Weg läuft, aber nicht unbedingt miteinander ins Gespräch kommt, war der Abend eine schöne Möglichkeit, ein paar neue Bekanntschaften zu machen.

Nach dem offiziellen Teil zog Nico mit einigen der neu kennengelernten Leute noch weiter in eine Bar. So wurde aus dem Sommerfest kurzerhand ein etwas längerer Abend.

Wanderrunde am Yanqi Lake

Am Sonntag ging es für Nico früh morgens gemeinsam mit einem Freund zum Wandern. Die beiden hatten sich eine rund 13 Kilometer lange Runde rund um das Kongresszentrum am Yanqi Lake ausgesucht. Der Yanqi Lake liegt im Bezirk Huairou, etwas außerhalb von Peking und ist von Bergen und viel Natur umgeben.

Das Gebiet ist vor allem für das Yanqi Lake International Convention & Exhibition Center bekannt. Das auffällige runde Gebäude direkt am See gehört zu den markantesten Bauwerken der Gegend und wurde unter anderem im Zusammenhang mit dem internationalen Konferenzzentrum rund um den APEC-Gipfel 2014 bekannt. 

Für die 13 Kilometer lange Runde ging es rund um den See und durch die umliegende Landschaft. Damit war die Wanderung eine schöne Abwechslung zum Alltag in der Stadt. Und Nicos Woche ging mit viel Natur, Wasser und Bergen statt Pekinger Straßen und Hochhäusern zu Ende.

Nicos letzte Wochen in Peking waren also alles andere als langweilig. Neben der Arbeit war mit Fußball, Freunden, verschiedenen Veranstaltungen und Ausflügen einiges geboten. Nun dauert es aber wirklich nicht mehr lange: Nur noch etwas mehr als eine Woche, dann sind wir wieder gemeinsam in Peking.

Fundstück August 2026

„Sonne tanken“, braun werden und am Ende des Sommers stolz die gebräunte Haut zeigen – für viele Menschen in Deutschland gehört das ganz selbstverständlich zum Sommer dazu. In China sieht man den Umgang mit Sonne dagegen oft genau andersherum.

Hier gilt helle Haut seit Jahrhunderten als Schönheitsideal. Der Grund dafür liegt unter anderem in der Geschichte und gesellschaftlichen Bedeutung von Hautfarbe. Früher war helle Haut ein Zeichen dafür, dass jemand nicht draußen körperlich arbeiten musste, sondern eher einer wohlhabenderen Gesellschaftsschicht angehörte. Während Menschen, die auf Feldern oder im Freien arbeiteten, durch die Sonne automatisch dunklere Haut bekamen, stand blasse Haut für einen geschützten und gepflegten Lebensstil.

Diese Vorstellung hat sich bis heute gehalten und wurde durch moderne Schönheitsideale noch verstärkt. Helle Haut wird häufig mit Eleganz, Jugendlichkeit und einem gepflegten Aussehen verbunden. Deshalb versuchen viele Menschen in China, ihre Haut im Sommer möglichst vor der Sonne zu schützen.

Als wir nun unsere ersten Sommer in Peking erlebt haben, ist uns schnell aufgefallen: Der Kampf gegen Sonne und Hitze ist hier fast eine eigene Alltagsdisziplin. Dabei entstehen viele kleine Gewohnheiten und Lösungen, die für uns zunächst ungewohnt wirken, aber im chinesischen Sommer völlig normal sind.

Beijing Bikinis

Eine der wohl bekanntesten chinesischen Sommererscheinungen ist der sogenannte „Beijing Bikini“. Dabei handelt es sich nicht um Badekleidung, sondern um eine Abkühlungs- Methode: Vor allem ältere Männer rollen an heißen Sommertagen ihr T-Shirt bis zur Brust hoch und legen so den Bauch frei. 

Für viele Besucher wirkt das zunächst ungewöhnlich, für die Träger ist es dagegen eine einfache Möglichkeit, sich bei Temperaturen von über 35 Grad etwas Abkühlung zu verschaffen. Ob das tatsächlich hilft, darüber lässt sich streiten – zum Pekinger Sommer gehört dieses Bild aber einfach dazu.

Schirme

Ein Regenschirm heißt zwar Regenschirm, wird in China aber mindestens genauso häufig gegen die Sonne eingesetzt. Egal ob zu Fuß, beim Warten an der Ampel oder sogar auf dem Fahrrad beziehungsweise Elektroroller. Überall sieht man Menschen, die sich mit einem Schirm ihren eigenen Schatten schaffen.

Kleine Helfer gegen die Sonne

Sonnenschutz wird hier nicht nur mit Sonnencreme verbunden. Stattdessen wird versucht, die Sonne möglichst gar nicht erst an die Haut kommen zu lassen. Das beginnt bei der Kleidung und reicht bis zu kleinen Alltagshelfern, die man unterwegs jederzeit griffbereit hat.

Lange, luftige Kleidung gehört im Sommer für viele ganz selbstverständlich dazu. Dünne UV-Jacken, lange Ärmel, Handschuhe oder spezielle Gesichtsmasken schützen möglichst viel Haut vor der Sonne. Selbst Tiere werden dabei nicht vergessen: Auch Hunde sieht man manchmal mit kleinen Kleidungsstücken oder Sonnenschutz-Accessoires, die sie vor der direkten Sonne schützen sollen.

Besonders auffällig ist, wie konsequent viele Menschen ihre Haut vor der Sonne schützen. Dünne UV-Jacken, lange Ärmel, Handschuhe oder spezielle Gesichtsmasken, die oft nur die Augen freilassen, gehören für viele einfach zur Sommergarderobe. 

Kopfbedeckung

Auch auf dem Kopf wird improvisiert. Klassische Sonnenhüte und Kappen sieht man überall. Manche wickeln sich aber auch einfach spontan ein Tuch oder einen Schal um den Kopf oder über den Nacken, sobald die Sonne zu stark wird. Hauptsache, möglichst wenig Haut ist der direkten Sonne ausgesetzt. Und natürlich darf auch während dem Rollerfahren die Kappe unterm Helm nicht fehlen.

Abkühlung

Neben dem Schutz vor der Sonne gibt es natürlich auch viele Tricks gegen die Hitze selbst. In den Straßen sieht man Menschen mit kleinen Ventilatoren, klassischen Handfächern oder manchmal sogar mit Eiswürfeln, die für einen kurzen Moment Abkühlung bringen.

Gerade die kleinen tragbaren Ventilatoren gehören im Sommer fast zur Grundausstattung. Sie hängen am Handy, werden um den Hals getragen oder stehen beim Warten auf Bus und Bahn bereit. Auch im Restaurant wird man fleißig mit Ventilatoren versorgt.

Überhaupt bekommt man in China erstaunlich oft einen Ventilator zur Seite gestellt. In Restaurants, Geschäften oder an anderen Orten, an denen man warten muss, stehen kleine Ventilatoren bereit oder werden direkt angeboten. Dazu kommen die ganz einfachen Methoden: ein Fächer, ein Stück Eis oder einfach ein möglichst schattiger Platz können bei 35 Grad schon einen erstaunlich großen Unterschied machen.

Die Schatten-Suche

Ein weitereres Detail was auffällt, ist das jeder aktiv sucht. Menschen warten lieber unter Bäumen, stellen sich unter Vordächer oder wählen bewusst die schattige Straßenseite.

Wo kein Schatten vorhanden ist, wird manchmal kurzerhand eigener geschaffen – durch das Handy, kleine Fächer oder andere kreative Lösungen. Jeder Meter ohne direkte Sonne zählt.

Nach unserem ersten Sommer in Peking haben wir gemerkt: Sommer bedeutet hier nicht unbedingt, möglichst viel Sonne abzubekommen. Statt Sonnenbräune steht der Schutz vor Hitze und UV-Strahlung im Vordergrund.

Natürlich ist ein bewusster Umgang mit Sonne auch aus gesundheitlicher Sicht sinnvoll. Intensive UV-Strahlung kann die Haut belasten und langfristig schädlich sein. Der Unterschied zu Deutschland liegt vor allem darin, dass die Sonneneinstrahlung in Peking über viele Monate hinweg deutlich intensiver und gleichmäßiger ist. Und nicht nur ein paar besonders sonnige Wochen im Jahr.

Was für uns zunächst ungewohnt aussieht, ist deshalb weniger ein kurioser Trend, sondern eine Anpassung an Klima, Kultur und Schönheitsvorstellungen. Der chinesische Sommer zeigt einmal mehr: Selbst bei etwas so Alltäglichem wie Sonne und Hitze gibt es ganz unterschiedliche Wege, damit umzugehen.

Selbstgemacht vs. gekauft

– ein kulinarisches Alltags-Experiment

Wer in China lebt, merkt schnell: Essen bestellen gehört hier ganz selbstverständlich zum Alltag. Dank unzähliger Lieferdienste ist fast alles nur wenige Klicks entfernt, vom Frühstück über den Kaffee bis hin zum Abendessen. Während wir in Deutschland vielleicht eher überlegen, ob sich eine Bestellung wirklich lohnt, gehört es in Peking für viele Menschen ganz normal dazu.

Aber ist gekauft wirklich immer besser? Oder lohnt es sich, selbst in der Küche zu stehen?

Genau das wollten wir herausfinden und haben ein kleines Experiment gestartet: Vier Tage lang haben wir verglichen – einmal europäisch und einmal chinesisch, jeweils selbstgemacht und gekauft.

Unsere Bewertungskriterien:
Geschmack, Kosten und Zeitaufwand.

Tag 1: Ein europäischer Tag – alles bestellt

Unser erster Versuch: ein kompletter Tag europäischer Gerichte ohne Kochen.

Kaffee, Frühstück und Abendessen wurden einfach bestellt beziehungsweise gekauft.

Vorab gibt es bei mir jeden Morgen einen Kaffee, am liebsten ein Flat White. Dafür bin ich zur deutschen Bäckerei gelaufen. Einen Flat White gab es dort allerdings nicht, deshalb wurde es ein Cappuccino für 36 Yuan (ca. 4,62 €).

Zum Frühstück gab es ein belegtes Brötchen mit Schinken, Tomate, Avocado, Salat, Cheddar und Mayonnaise. Bei dem internationalen Café „Jamaica Blue“ hat mich das 55 Yuan (ca. 7,06 €) gekostet. Für ein europäisches Frühstück in Peking fand ich das erstaunlich günstig.

Im Nachhinein habe ich mir noch einige andere Cafés angeschaut und festgestellt, dass mein Frühstück sogar vergleichsweise günstig war. Für ein ähnliches Sandwich zahlt man auswärts in Peking häufig ehr um die 90 Yuan (ca. 11,56 €).

Zum Abendessen habe ich mich für eines unserer Lieblingsgerichte entschieden Spaghetti Bolognese. Bestellt habe ich bei einem Restaurant mit einer Bewertung von 4,7 von 5 Sternen. Für 136,60 Yuan (ca. 17,53 €) bekam ich eine Portion Pasta, etwas Salat als Beilage und eine Sprite. Und das Beste: Als ich vom Sport nach Hause kam, kam die Pasta ebenfalls gerade an.

Ich habe bewusst nicht beim teuersten Italiener bestellt, sondern mich für ein Restaurant aus einem normalen Preisbereich entschieden. Schließlich sollte der Vergleich mit dem chinesischen Gericht am Ende auch einigermaßen fair sein.

Der Vorteil war natürlich unschlagbar: wenig Aufwand, keine Vorbereitung und kein Abwasch. All das hätte man sich für einen sehr geringen Aufpreis von maximal 50 cent pro Gericht auch liefern lassen können. Gerade nach einem langen Arbeitstag ist es unglaublich praktisch, wenn das Essen innerhalb kürzester Zeit vor der Tür steht.

Aber natürlich hat dieser Komfort seinen Preis und gerade bei europäischem Essen merkt man diesen in China deutlich.

Insgesamt habe ich an diesem ca. 29,21 € ausgegeben.

Geschmack: 3/5 (kleine Portionen, Bolognese ist selbstgemacht am besten)
Kosten: 3,5/5
Zeitaufwand: 5/5

= 11,5 ⭐️

Tag 2: Ein europäischer Tag – alles selbstgemacht

Am nächsten Tag ging es genau andersherum: Alles wurde selbst zubereitet.

Kaffee, Frühstück mit belegtem Brot und abends eine selbstgekochte Bolognese.

Dabei merkt man schnell: Selbst kochen bedeutet zwar etwas Arbeit, aber auch ein Stück Zuhause. Gerade bei Gerichten, die man aus Deutschland kennt, kommt durch die eigenen Zutaten und die vertraute Zubereitung ein Geschmack zurück, den man manchmal vermisst.

Der Nachteil: Man braucht natürlich deutlich mehr Zeit. Einkaufen, vorbereiten, kochen und anschließend wieder alles sauber machen.

Dafür weiß man genau, was im Essen steckt und kann es nach dem eigenen Geschmack anpassen.

Der Kaffee kostet mich im Einkauf ca. 4,5 Yuan (0,58 €) pro Kapsel. Für die Menge, die ich normalerweise bei einem gekauften Kaffee bekomme, brauche ich zwei Kapseln. Dazu kommen etwa 100 ml Milch für rund  1,31 Yuan (0,17 €).

Für das Frühstück habe ich die Zutaten bei einem deutschen Lebensmittelgeschäft gekauft und zusätzlich ein Brötchen aus der deutschen Bäckerei geholt.

Für Brötchen, 50 g Rucola, Mayonnaise, 50 g Schinken, zwei Scheiben Cheddar und eine halbe Avocado habe ich insgesamt 45,16 Yuan (ca. 5,79 €) bezahlt.

Tatsächlich war ich am Ende überrascht, wie wenig Unterschied zum gekauften Frühstück bestand.

Auch für das Abendessen habe ich bei einem Import-Supermarkt eingekauft. Das Fleisch kam vom deutschen Metzger Schindler. Für alle Zutaten und eine Sprite habe ich 53,50 Yuan (ca. 6,87 €) bezahlt. Gewürze, Öl und andere Basics, die ich bereits zu Hause hatte, sind dabei grob eingerechnet.

Die Zubereitung hat ungefähr 30 Minuten gebraucht. Mit anschließendem Abwasch waren es dann insgesamt etwa 45 Minuten.

Der ganze Tag hat dann alles in allem 13,41€ gekostet und Geschmacklich? Natürlich wie immer hervorragend.

Geschmack: 4/5 (Kaffee ist auswärts deutlich besser)
Kosten: 4/5
Zeitaufwand: 4/5

= 12 ⭐️

Tag 3: Ein chinesischer Tag – alles gekauft

Nach dem europäischen Vergleich wurde es typisch chinesisch.

Zum Frühstück gab es einen Iced Coffee mit Kokosmilch, eine Kombination, die in China sehr beliebt ist.

Viele Chinesen trinken zwar nach wie vor lieber Tee, aber morgens brauche ich einfach meinen Kaffee. Und während in China traditionell sehr viel Wert auf warmes beziehungsweise heißes Wasser gelegt wird, wird Kaffee erstaunlich häufig kalt getrunken.

Natürlich habe ich meinen Kaffee bei einer der beliebtesten chinesischen Kaffeeketten gekauft: Luckin Coffee. Der reguläre Preis beträgt 20 Yuan (ca. 2,75 €). Durch die zahlreichen Angebote bekommt man ihn allerdings sehr häufig für 9,90 Yuan (ca. 1,27 €). Damit der Vergleich fair bleibt, rechnen wir hier trotzdem mit dem regulären Preis.

Zum Frühstück gab es dann einen der beliebtesten chinesischen Frühstücksklassiker: Jianbing.

Früher bekam man Jianbing häufig direkt an kleinen Straßenständen. Auf dem Weg zur Arbeit blieb man kurz stehen, bestellte seinen Jianbing und nahm ihn direkt auf die Hand mit. Seit der Corona-Zeit sind diese Verkaufsstände allerdings deutlich weniger geworden. Heute bekommt man das beliebte Streetfood deshalb häufig in kleinen festen Läden.

Jianbing erinnert auf den ersten Blick ein wenig an einen Crêpe. Der dünne Teig wird traditionell aus einer Mischung verschiedener Mehlsorten hergestellt. Darauf kommen meist Ei, verschiedene Saucen und Gewürze, Frühlingszwiebeln und Kräuter sowie häufig ein knuspriger Cracker beziehungsweise eine knusprige Teigschicht für den Crunch.

Für einen Jianbing habe ich 25 Yuan (ca. 3,20 €) bezahlt und dieser hält tatsächlich erstaunlich lange satt.

Am Abend hatte ich Lust auf Old Beijing Noodles. Diese kosteten 25 Yuan (ca. 3,20 €). Dazu kamen ein Getränk und ein Gurkensalat, sodass wir insgesamt bei 42 Yuan (ca. 5,39 €) lagen.

Den Gurkensalat habe ich persönlich gar nicht unbedingt gebraucht, weil die Portion Nudeln schon ziemlich groß war. Für unseren Vergleich habe ich ihn trotzdem mit eingerechnet.

Gerade bei typisch chinesischen Gerichten stellt sich hier natürlich die Frage: Warum selbst machen, wenn es überall kleine Restaurants gibt, die genau darauf spezialisiert sind?

Zumal ich es natürlich auch noch nicht ansatzweise so gut kochen kann und es für den Preis von insgesamt 11,17€ für einen ganzen Tag auch sehr erschwinglich ist. Fast 2/3 günstiger als das europäische gekaufte Essen, bei dem zudem die Portionen auch ehr kleiner waren.

Geschmack: 5/5
Kosten: 5/5
Zeitaufwand: 5/5

= 15 ⭐️

Tag 4: Ein chinesischer Tag – alles selbstgemacht

Zum Abschluss wagten wir uns an die chinesischen Klassiker – diesmal selbstgemacht.

Kaffee mit Kokosmilch, Jiangbing und Old Beijing Noodles standen auf dem Plan.

Dabei wurde schnell klar: Manche Gerichte sehen einfacher aus, als sie tatsächlich sind. Gerade traditionelle Gerichte bestehen oft aus vielen einzelnen Schritten und Zutaten, die man erst einmal kennen und richtig kombinieren muss.

Wir starteten wieder einfach in den Tag mit einem Kokos Kaffee. Die Kokosmilch kostete mich im Einkauf für 100 ml etwa 2,35 Yuan (ca. 0,30 €). Dazu kamen ungefähr 4,50 Yuan für die Kaffeekapsel.

Damit lag mein selbstgemachter Kaffee bei insgesamt 6,85 Yuan (ca. 0,88 €). Preislich also unschlagbar.

Beim Geschmack muss ich allerdings noch etwas ausprobieren, denn die Kokosmilch war noch nicht die perfekte. Auch der Aufwand ist größer, als man zunächst denkt: Kaffee zubereiten, Milch aufschäumen und anschließend alle Geräte wieder reinigen.

Beim Jianbing habe ich etwas improvisiert. Da ich bereits viel Weizenmehl zu Hause hatte und nicht extra noch eine weitere Packung kaufen wollte, habe ich mich eher an einem einfachen Crêpe orientiert. Traditionell wird der Teig je nach Variante aus einer Mischung verschiedener Mehlsorten hergestellt. Als Füllung habe ich zwei Eier, Karotte, Frühlingszwiebeln und Chiliöl verwendet.

Alle Zutaten für mein chinesisches Frühstück haben mich insgesamt nur 5 Yuan (ca. 0,64 €) gekostet. Preislich also unschlagbar, aber geschmacklich leider überhaupt nicht.

Der Teig war nicht wirklich so, wie er sein sollte und auch insgesamt hat die Kombination für mich nicht funktioniert. Mit dem Jianbing, den man hier für 25 Yuan kaufen kann, hatte mein Ergebnis leider nicht viel gemeinsam.

Damit war auch ziemlich schnell klar, warum die Profis ihr Geld wert sind. Es sieht zwar zunächst einfach aus, aber bis ein Jianbing wirklich so schmeckt wie auf der Straße, braucht es offenbar doch etwas mehr Übung.

Zum Abendessen standen wieder Old Beijing Noodles auf dem Plan. Die Nudeln, Gurke, Radieschen und Bohnen habe ich auf dem Markt gekauft. Frische Nudeln bekommt man dort in den unterschiedlichsten Formen und Größen und dazu noch sehr günstig.

Die Bohnenpaste mit Schweinefleisch habe ich allerdings bereits fertig gekauft. Alles selbst zuzubereiten wäre mir für dieses Experiment dann doch zu aufwendig gewesen. Den Gurkensalat habe ich selbst mit Sesamöl, Sojasauce und Chiliöl angemacht.

Für alles zusammen inklusive Getränk habe ich gerade einmal 9,50 Yuan (ca. 1,22 €) bezahlt und geschmacklich kam mein Ergebnis tatsächlich ziemlich nah an das Original heran.

Trotzdem wurde schnell klar: Lokal einzukaufen ist unglaublich günstig, aber die Gerichte selbst zuzubereiten ist noch einmal eine ganz andere Herausforderung.

Viele traditionelle chinesische Gerichte bestehen aus zahlreichen einzelnen Zutaten und Arbeitsschritten. Man muss erst einmal wissen, welche Zutaten zusammenpassen, wie sie gewürzt werden und vor allem in welcher Reihenfolge alles zubereitet wird. Bis ich das wirklich beherrsche, brauche ich vermutlich noch ein paar Jahre Übung.

Doch natürlich war es von den Kosten her unschlagbar, gerade mal 2,74 € habe ich für den gesamten Tag ausgegeben.

Geschmack: 3/5
Kosten: 5/5
Zeitaufwand: 3/5

= 11 ⭐️

Und wer hat gewonnen?

🥇 Chinesisch gekauft – unschlagbar bei Preis, Geschmack und Komfort.

🥈 Europäisch selbstgemacht – besonders beim Geschmack und beim Heimatgefühl.

🥉 Europäisch gekauft – lecker und unglaublich bequem, dafür im Vergleich am teuersten.

🏅 Chinesisch selbstgemacht – extrem günstig, aber mit deutlich mehr Aufwand und noch etwas Übungspotenzial.

Unser Fazit

Was gewinnt also: selbstgemacht oder gekauft?

Die Antwort ist, wie so oft, es kommt darauf an.

Bei europäischen Gerichten lohnt sich das Selbermachen für uns besonders, weil es ein Stück Heimatgefühl in die eigene Küche bringt. Eine selbstgekochte Bolognese schmeckt einfach nach Zuhause.

Bei chinesischen Gerichten hat das Bestellen dagegen einen großen Vorteil: Viele kleine Restaurants sind auf genau diese Speisen spezialisiert und bieten eine Qualität, die man zu Hause mit deutlich mehr Aufwand erreichen müsste.

Was uns aber besonders auffällt: In China verändert sich unser Verhältnis zum Essen. Bestellen bedeutet hier nicht automatisch „keine Lust zu kochen“, sondern ist vielmehr ein ganz normaler Bestandteil des Alltags.

Man kann morgens auf dem Weg zur Arbeit einen Jianbing holen, sich mittags etwas ins Büro liefern lassen und abends spontan etwas Neues ausprobieren – ohne dass daraus jedes Mal ein großes Ereignis wird.

Manchmal ist es schön, einen Abend mit selbstgekochtem Essen zu verbringen, das ein bisschen nach Zuhause schmeckt.

Und am nächsten Tag kann man es sich genauso gut bequem machen, etwas Neues ausprobieren und sich das Essen direkt vor die Haustür liefern lassen. Oder mit Freunden gemeinsam viele verschiedene Gerichte zum Teilen im Restaurant testen.

Beides gehört für uns inzwischen zum Leben in Peking.

Kurz mal wieder zurück

Anfang August beginnt in China der Herbstanfang, 立秋 (Lìqiū), einer der 24 traditionellen chinesischen Jahreszeitenabschnitte. Auch wenn es temperaturmäßig noch lange nicht nach Herbst aussieht und die Tage weiterhin heiß und sommerlich bleiben, markiert dieser Zeitpunkt im chinesischen Kalender den Übergang von der heißesten Zeit des Jahres in Richtung einer langsam kühler werdenden Jahreszeit.

Allerdings zeigte sich das Wetter in dieser Woche noch einmal von seiner typisch sommerlichen Seite. Nach den heißen Tagen mit über 35 Grad sorgte zunächst die hohe Luftfeuchtigkeit weiter für tropisches Wettergefühl. Gleichzeitig zog ein Taifun auf, der bereits in Shanghai für starke Regenfälle, Überschwemmungen und Einschränkungen im Verkehr sorgte. Auch für Peking wurden kräftige Regenfälle erwartet, da der Taifun zwar nicht direkt über die Stadt zieht, aber weiterhin viel Feuchtigkeit und Regen mit sich bringt.

Für uns bedeutete das vor allem: öfter einen Blick auf die Wetter-App werfen und unsere Pläne etwas flexibler gestalten. Bei mir stand ohnehin nicht viel an diese Woche nur ein wenig Alltag zu Hause, chinesisch lernen und ein paar kleine Todos.

Erster Zahnarztbesuch in China

In dieser Woche stand für mich mein erster Zahnarztbesuch in China an um den jährlichen Checkup zu machen.

Obwohl ich schon mehrfach in diesem Krankenhaus war, war die Suche nach dem richtigen Gebäude zunächst gar nicht so einfach. Das Krankenhaus besteht aus insgesamt fünf verschiedenen Gebäuden und natürlich befand sich der Zahnarzt nicht dort, wo ich zuerst gesucht hatte. Also fragte ich kurzerhand einen Mitarbeiter nach dem Weg. Statt mir nur schnell eine Richtung zu zeigen, nahm er mich direkt mit und brachte mich persönlich bis zum richtigen Gebäude.

Dort angekommen, ging alles überraschend vertraut weiter. Die Räume, die Ausstattung und auch der Ablauf erinnerten sehr an einen Zahnarztbesuch in Deutschland. Ich wurde direkt aufgerufen und konnte mich problemlos auf Englisch mit der Zahnärztin und der Arzthelferin verständigen. Nach einem kurzen Check-up folgte eine professionelle Zahnreinigung, alles verlief unkompliziert und ohne Probleme.

Ein paar kleine Unterschiede gab es dann aber doch. Während der Behandlung bekam ich beispielsweise eine Schutzbrille mit leicht abgedunkelten Gläsern, damit die helle Lampe über dem Behandlungsstuhl nicht so blendet. Was ich als sehr angenehm und eine clevere Lösung finde.

Außerdem bekam ich während der Zahnreinigung plötzlich ein Haarnetz übergezogen, das die Arzthelferin sogar bis über meine Nase zog. Im ersten Moment war ich etwas überrascht, aber der Grund dafür war schnell klar: Bei der Reinigung wird mit einem starken Wasserstrahl gearbeitet und so sollte verhindert werden, dass Wasser oder Spritzer ins Gesicht gelangen. Ungewöhnlich, aber nicht weiter störend.

Nach dem Zahnarztbesuch machte ich noch einen kurzen Abstecher zu einem Markt in der Nähe, bevor es wieder nach Hause ging. Mittags regnete es dann auch immer mal wieder, meist stark und kurz. Aber lange nicht so schlimm wie erwartet.

Deutschland Teil 2

Am Mittwoch hieß es für mich: Koffer packen, die restliche Wäsche waschen und die letzten Vorbereitungen für meine Abreise erledigen. Zwischendurch war aber auch noch Zeit für ein bisschen Alltag. Ich war mit meiner Freundin zum Schwimmen verabredet und ging am Nachmittag noch einmal aufs Laufband. Am Abend gingen Nico und ich noch einmal gemeinsam essen und genossen die letzten Stunden zu zweit, bevor es am nächsten Tag für mich zum Flughafen ging.

Für mich standen knapp vier Wochen Deutschland bevor, unter anderem um wieder auf dem Stuttgarter Weindorf zu arbeiten. Für Nico bedeutete das gleichzeitig, dass er diese Zeit alleine in Peking bleiben würde. Anfangs wird es für uns beide sicher wieder ungewohnt sein, plötzlich nicht mehr den gesamten Alltag gemeinsam zu erleben. Aber vier Wochen gehen am Ende wahrscheinlich schneller vorbei, als man denkt. Und wenn ich dann wieder zurück in Peking bin, ist vielleicht sogar schon etwas von dem angekündigten Herbst zu spüren.

Am Donnerstag ging es für mich dann zum ersten Mal mit einem Direktflug von Peking nach Deutschland. Unser Flug startete um ca. 13 Uhr Pekinger Zeit und nach 9 Stunden und 20 Minuten in der Luft landeten wir in Frankfurt. Da es für mich mitten am Tag war und wir während des Fluges natürlich einige Stunden „zurückgewonnen“ hatten, war an Schlaf bei mir nicht wirklich zu denken. Stattdessen verbrachte ich die meiste Zeit mit Serien schauen. Zwischendurch wollte ich die Gelegenheit nutzen und endlich auch einmal chinesische Schriftzeichen mit meiner Lern-App zu üben. Ich hatte mir vorgenommen, elektronische Karteikarten anzulegen, um neben dem Sprechen nun auch das Lesen der Zeichen besser zu lernen. Pro Tag lassen sich in der App allerdings nur 50 neue Karten erfassen und nach etwa 30 Minuten war dieses Tageslimit bereits erreicht. So viel also zum geplanten intensiven Chinesischlernen im Flugzeug.

In Frankfurt angekommen, erwartete mich ungewohntes Gewusel am Terminal 1. Für die Einreise musste ich mich zunächst an die extrem lange Schlange zur sogenannten Immigration anstellen. Dabei wird kontrolliert, wer in ein Land einreist und ob die notwendigen Einreisevoraussetzungen erfüllt sind. Anders als an vielen anderen Flughäfen gab es zunächst keine getrennten Schlangen für EU- und Nicht-EU-Bürger. Erst weiter vorne wurden die Reisenden entsprechend aufgeteilt. Dadurch sah die Schlange zunächst endlos aus, bewegte sich letztlich aber erstaunlich schnell.

Am Gepäckband angekommen, wartete schon die nächste kleine Überraschung. Dort lagen bereits so viele Koffer, dass wir irgendwann selbst anfangen mussten, die Gepäckstücke zusammenzurücken oder vom Band zu nehmen, damit überhaupt noch Platz für die nächsten Koffer war. Personal, das sich darum kümmerte, war weit und breit nicht zu sehen. Irgendwann entdeckte ich dann tatsächlich einen schwarzen Koffer der aussah wie meiner. Allerdings fehlte mein grünes Kofferband, weshalb ich ihn zunächst einmal eine komplette Runde auf dem Band fahren ließ. Als er wieder bei mir vorbeikam, nahm ich ihn herunter, probierte den Code am Kofferschloss aus und öffnete ihn kurz. Und tatsächlich: Es war mein Koffer. Mein grünes Kofferband hatte die Reise dagegen offenbar nicht ganz bis Deutschland geschafft.

Draußen warteten dann bereits meine Eltern auf mich. Ohne größeren Stau ging es nach Hause und nach einer Kleinigkeit zu essen, fiel ich nach dem langen Reisetag ziemlich pünktlich um 22 Uhr ins Bett.

Am Freitagmittag ging es zunächst zu meinen Großeltern, bevor wir abends gemeinsam mit der Familie grillten. Und auch der Samstag startete direkt mit dem nächsten Besuch. Ich traf mich morgens mit einer Freundin in ihrem Stall, um ihre inzwischen schon deutlich größer gewordenen Fohlen anzuschauen. Anschließend durfte ich sogar noch eine Runde auf ihrem Islandpferd reiten. Dabei war ich allerdings ziemlich vorsichtig und zurückhaltend, denn das Pferd war erst seit kurzer Zeit eingeritten und ich wollte natürlich nichts falsch machen.

Danach ging es direkt weiter zu einem kleinen Städteausflug mit Lea. Wir entschieden uns für Saarburg – eine kleine Stadt an der Saar, die auf den ersten Blick überschaubar wirkt, aber erstaunlich viel zu entdecken bietet. Schon beim ersten Spaziergang durch die Altstadt fällt auf, wie eng hier Geschichte, Wasser und die historischen Häuser miteinander verbunden sind.

Wir schlenderten zunächst durch die kleinen Gassen und schauten uns die katholische Pfarrkirche St. Laurentius sowie dem Wasserfall mitten in der Stadt an. Der Leukbach stürzt hier auf einer Höhe von knapp 20 Metern über Felsen zwischen Ober- und Unterstadt hinab. Besonders spannend ist, dass der Wasserlauf bereits im Mittelalter künstlich durch die Stadt geführt wurde. Die Wasserkraft des Baches wurde früher für mehrere Mühlen genutzt. Heute ist der Wasserfall vor allem ein beeindruckendes Fotomotiv und macht Saarburg zu einer der außergewöhnlichsten kleinen Städte der Region.

Danach ging es zur evangelische Kirche, bevor es für uns hinauf zur Burg ging. Die Saarburg ist das Wahrzeichen der Stadt und thront rund 60 Meter über dem Leukbachtal. Die mittelalterliche Burganlage geht auf das Jahr 964 zurück und gehört damit zu den ältesten Höhenburgen im Westen Deutschlands. Heute sind vor allem die Reste der Burganlage und der mächtige Turm erhalten. Von oben hat man einen schönen Blick über die Dächer der Altstadt, die Saar und das umliegende Saartal. Durch den Wind war es dort oben außerdem angenehm kühl, sodass wir die Aussicht eine ganze Weile genossen.

Von dort ging es weiter zum Staden, einem der ältesten Bereiche Saarburgs. Direkt am Wasser stehen hier historische Fischer- und Schifferhäuser, die noch heute an die Zeit erinnern, als die Saar für das Leben und Arbeiten der Menschen eine wesentlich größere Rolle spielte. Kleine Brücken führen über den Leukbach, enge Gassen ziehen sich zwischen den Häusern hindurch und überall sorgen Blumen und das Wasser für eine besonders gemütliche Atmosphäre. An manchen Stellen erinnert die Altstadt dadurch tatsächlich ein wenig an ein kleines „Venedig“ – weshalb Saarburg diesen Spitznamen auch trägt.

Zum Abendessen ließen wir uns schließlich direkt an der Saar im Restaurant Fährhaus nieder. Das Restaurant liegt am Staden unmittelbar am Wasser und bietet dadurch gerade bei schönem Wetter eine richtig schöne Atmosphäre. Ich entschied mich für eine Chili-Lyoner, der nicht nur richtig lecker war, sondern auch eine überraschend große Portion hatte. Anschließend schlenderten wir noch einmal zurück in Richtung Altstadt und ließen den Tag bei einem Getränk am Wasser langsam ausklingen.

Gerade diese Mischung aus kleinen Gassen, historischen Häusern, Wasser und viel Grün hat mir an Saarburg besonders gut gefallen. Die Stadt ist überschaubar, wirkt nicht überlaufen und hat gleichzeitig genug zu entdecken, um dort problemlos einen ganzen Nachmittag zu verbringen.

Irgendwann mussten wir uns dann aber doch auf den Weg zurück zum Bahnhof machen. Ganz reibungslos lief die Rückfahrt allerdings nicht: Unser Zug hatte aufgrund von Personen im Gleis rund 45 Minuten Verspätung. Dafür wurde die Zugfahrt selbst noch einmal zu einem kleinen Erlebnis. Zwischen laut singenden Betrunkenen und allerlei anderen interessanten Mitreisenden wurde es zumindest nicht langweilig.

Am Sonntag ging es dann noch zu meinen Schwiegereltern, bevor das Wochenende und damit auch meine ersten Tage zurück in Deutschland langsam zu Ende gingen.

Derweil in China

Während ich bereits wieder deutsche Luft schnupperte, ließ Nico das Wochenende in Peking ruhiger angehen. Nach einem gemeinsamen Abendessen mit Freunden am Donnerstagabend nutzte er den Freitagabend für einen entspannten Ausklang der Woche. Am Samstag stand dann auch noch sein jährlicher Kontrolltermin beim Zahnarzt an, bevor er sich abends wieder mit einem Freund zum Essen traf. Am Sonntag telefonierten wir alle gemeinsam und für Nico ging es noch zum Sport.

So verbrachten wir unser erstes Wochenende seit Langem wieder in zwei verschiedenen Ländern. Plötzlich lagen nicht nur viele Tausende Kilometer zwischen uns, sondern auch eine andere Zeitzone. Zwischen meinen Terminen, seiner Arbeit und unseren unterschiedlichen Tagesabläufen müssen wir erst einmal herausfinden, wann wir Zeit für gemeinsame Telefonate finden. Nicht einfach spontan gemeinsam den Abend zu verbringen, wird zunächst ungewohnt sein und genau diese kleinen gemeinsamen Momente werden uns in den nächsten Wochen vermutlich am meisten fehle.

Großstadtflair und Bergpanorama

Die vergangenen Tage waren wieder eine Mischung aus ganz unterschiedlichen Momenten: Während Nico mit der Vorbereitung auf sein erstes Fußballturnier begonnen hat, habe ich ein neues Restaurant ausprobiert und mich mit einer Freunden getroffen. Am Wochenende haben wir außerdem die Pekinger Ghost Street erkundet und sind für einen Tag ins Haituo Valley gefahren. Dazwischen blieb natürlich auch Zeit für unsere ganz normalen To-dos, Sport und ein bisschen Entspannung.

Fußballfieber bei Mercedes-Benz

Diese Woche hat bei Nico die Vorbereitung auf ein besonderes Firmenevent begonnen: die Mercedes-Benz Labor Union Football Champions League. Bereits zum 13. Mal treten dabei verschiedene Mercedes-Benz-Teams aus den verschiedenen Abteilungen gegeneinander an. Insgesamt spielen sechs unternehmensinterne Mannschaften in einem Ligasystem um den Titel.

Bis Ende August finden zunächst vier gemeinsame Trainingseinheiten statt, bevor Ende August die ersten Ligaspiele beginnen. Gespielt wird jeweils im 8-gegen-8 auf dem halben Platz mit 80 Minuten Spielzeit.

Trainiert wird im Yinhai Soccer Theme Park im Süden Pekings, nicht weit von Nicos Arbeitsplatz entfernt. Die Anlage verfügt über vier Kunstrasenplätze sowie einen Naturrasenplatz mit Tartanbahn und Tribüne. Anders als in Deutschland sind solche Sportanlagen in China meist kostenpflichtig. Die Platzmiete wird normalerweise von den Spielern gemeinsam getragen. Da das Training jedoch im Rahmen der Mercedes-Benz Labor Union organisiert wird, übernimmt das Unternehmen die Kosten für den Platz. Sogar Wasser steht bei den Trainings für alle Spieler kostenlos bereit.

Besonders schön ist auch, dass jeder Teilnehmer eine komplette Mannschaftsausrüstung erhält. Vor dem Turnier bekommt jeder Spieler ein eigenes Trikot mit seinem Namen, dazu passende Hose und Stutzen. Das macht das Ganze noch ein Stück professioneller, steigert natürlich auch die Vorfreude auf die ersten Spiele und ist auch ein Andenken für die Zukunft.

Beim ersten Training ging es dann auch direkt auf den Platz. Die Stimmung war von Anfang an gut, auch wenn die sommerliche Temperatur das Training ziemlich anstrengend machten. Für die Mannschaft heißt es nun erst einmal, zusammenzufinden, die eigenen Positionen zu finden und sich als Team einzuspielen.

Die Restauranttester

Auf WeChat bin ich auf einen Restauranttipp gestoßen, der direkt meine Neugier geweckt hat: das 二十年老店 in Beixinqiao. Das Restaurant ist bei vielen Einheimischen für zwei ganz bestimmte Gerichte bekannt.

Da das Restaurant nicht allzu weit entfernt war, schwang ich mich kurzerhand aufs Fahrrad.  An diesem Tag war die Entscheidung allerdings nur bedingt clever. Bei fast 37 Grad, strahlendem Sonnenschein und dem teilweise ziemlich chaotischen Pekinger Verkehr kam ich entsprechend im Restaurant an.

Die Hitze war schnell vergessen: mit einem kalten Getränk in der Hand und der angenehmen Klimaanlage im Rücken, studierten wir erst einmal die Speisekarte. Bei der großen Auswahl an leckeren Gerichten fiel uns die Entscheidung allerdings gar nicht so leicht.

Doch wir kamen ja aus einem bestimmten Grund, nämlich die berühmten 锅贴 (Guōtiē), also knusprig angebratene Teigtaschen. Das Restaurant ist vor allem für die Sorte „drei frische Zutaten“ bekannt mit einer Füllung aus Garnelen, Schweinefleisch und Schnittlauch. Die Teigtaschen werden zunächst angebraten und anschließend gedämpft. Dadurch entsteht der typische Kontrast zwischen dem knusprigen Boden und dem weichen, saftigen Inneren.

Wir entschieden uns gleich für zwei verschiedene Varianten: einmal die klassische Kombination und zusätzlich eine Variante mit Schweinefleisch und Frühlingszwiebeln. Beide waren unglaublich saftig und hatten einen tollen Geschmack.

Das zweite Gericht, für das das Restaurant bekannt ist, war 糖醋里脊 (Tángcù Lǐji) – süß-saures Schweinefleisch. Anders als viele die süß-saure Sauce vielleicht vom chinesischen Restaurant in Deutschland kennen, wird das Fleisch hier außen besonders knusprig frittiert und erst anschließend mit einer glänzenden süß-sauren Sauce überzogen. Dadurch bleibt es außen knusprig und innen trotzdem zart. Für mich definitiv eines der besten süß-sauren Schweinegerichte, die ich bisher in China gegessen habe.

Dazu bestellten wir noch 凉拌葫芦丝, einen kalt angemachten Salat aus fein geschnittenem Flaschenkürbis, der angenehm frisch und leicht war und perfekt zu den eher herzhaften Gerichten passte. Außerdem teilten wir uns noch eine kleine Schale Reis und jeder bestellte zwei Getränke.

Für all das bezahlten wir am Ende gerade einmal 99 Yuan, also umgerechnet rund 12 Euro. Das Restaurant ist zwar schon etwas in die Jahre gekommen und sicher kein Ort, an den man wegen des Ambientes geht. Aber wenn man unkompliziert, authentisch und vor allem günstig essen möchte, ist es definitiv einen Besuch wert.

Danach wollte ich noch ein wenig durch die Hutongs schlendern und die Atmosphäre genießen. Nach gerade einmal fünf Minuten musste ich allerdings einsehen, dass es einfach zu heiß ist.

Also bestellte ich kurzerhand ein Didi und ließ mich lieber klimatisiert nach Hause fahren.

Restauranttester-Fazit: eindeutig Top, aber beim nächsten Mal vielleicht lieber mit dem Didi statt mit dem Fahrrad. (Oder im Herbst)

Der kleine Freitag

Am Donnerstag war bei uns das Wochenende schon zum Greifen nah. Wir nutzten beide den Abend, um uns mit Freunden/ Kollegen zu treffen und damit die Arbeitswoche langsam ausklingen zu lassen.

Für Nico ging es zur Abschiedsfeier einer Kollegin, die das Unternehmen verlassen hat, um sich beruflich neu zu orientieren. Gefeiert wurde in einem traditionellen chinesischen Restaurant. Gerade wenn größere Gruppen zusammenkommen, ist es in China üblich, einen eigenen Nebenraum zu reservieren. So sitzt die Gruppe etwas abgeschirmt zusammen, bestellt viele verschiedene Gerichte für alle und verbringt meist mehrere Stunden gemeinsam am Tisch.

Ein schöner Teil des Abends waren dabei auch die kleinen Abschiedsreden. Nach und nach richteten sich die Kollegen an die Kollegin und jeder sagte ein paar persönliche Worte. Solche kleinen Reden gehören bei Abschieden in China häufig einfach dazu. Dabei geht es weniger um eine große, vorbereitete Ansprache, sondern vielmehr darum, sich noch einmal für die gemeinsame Zeit zu bedanken, ein paar Erinnerungen zu teilen und der Person für ihren nächsten beruflichen Schritt alles Gute zu wünschen. 

Solche kleinen Farewell-Runden sind eine schöne Gelegenheit, gemeinsam auf die vergangenen Jahre zurückzublicken und auch neben der Arbeit die Kollegen besser kennenzulernen.

Währenddessen traf ich mich mit einer Freundin in der Cache Rooftop Bar. Schon lange wollten wir dort einmal den Abend verbringen. Allerdings mussten wir die Bar erst einmal finden. Sie befindet sich in einer Mall und ist dort nicht unbedingt auf den ersten Blick zu entdecken. Nach einigem Suchen hatten wir schließlich den richtigen Weg gefunden und spätestens als wir oben ankamen hatte sich die Suche gelohnt.

Von der Dachterrasse aus hat man einen tollen Blick über die Pekinger Skyline. Besonders am frühen Abend, wenn langsam die Sonne untergeht und die Lichter der Stadt nach und nach angehen, ist die Atmosphäre dort richtig schön. Mit einem Getränk in der Hand saßen wir einfach zusammen, haben uns über alles Mögliche unterhalten und den Blick über die Stadt genossen.

Preislich liegt die Rooftop Bar zwar etwas über dem, was man in Peking sonst durchschnittlich für ein Getränk bezahlt. Für die Lage und vor allem den Ausblick fanden wir die Preise aber absolut angemessen. Man bezahlt hier eben nicht nur für das Getränk, sondern auch ein bisschen für die Atmosphäre und die Aussicht.

Sterne und Lampions

Die Arbeitswoche beendeten wir noch mit einer kleine Neuigkeit: Unser Auto ist angekommen! Ab sofort können wir es für unsere Ausflüge und im Alltag nutzen. Abends haben wir es uns deshalb erst einmal in Ruhe angeschaut, bevor wir uns etwas zu essen bestellten und den Abend gemütlich bei einem Film ausklingen ließen.

Für Samstag hatten wir eigentlich schon überlegt, direkt unseren ersten Ausflug mit dem Auto zu machen. So richtig entscheiden konnten wir uns aber nicht. Das Ziel, das wir uns ausgesucht hatten, wäre mit einer Übernachtung deutlich schöner gewesen allerdings war dort bereits alles ausgebucht. Also beschlossen wir, lieber nichts zu erzwingen. Der Ort wurde uns von vielen Freunden empfohlen und wir wollten nicht durch eine kurzfristig zusammengeschusterte Tour am Ende genau die Erfahrung verlieren, auf die wir uns eigentlich gefreut hatten.

Stattdessen ließen wir den Samstag ganz entspannt angehen. Wir schliefen aus, erledigten ein paar gemeinsame To-dos und nutzten die Zeit, um schon einmal die nächsten Tage und Ausflüge zu planen. Danach ging es für uns noch zum Sport.

Am Abend stand dann aber doch noch ein kleines Abenteuer auf dem Programm: Wir trafen uns mit drei Freunden und machten uns gemeinsam auf den Weg zur Ghost Street, einer der bekanntesten Straßen Pekings. Obwohl wir mittlerweile schon einige Zeit hier leben, waren wir selbst bisher noch nie dort gewesen.

Zunächst schlenderten wir einfach die Straße entlang und schauten uns die verschiedenen Restaurants an. Bei der großen Auswahl fiel die Entscheidung gar nicht so leicht. Schließlich entschieden wir uns für ein Restaurant, dessen Gerichte uns direkt ansprachen und auch die offene Atmosphäre gefiel uns besonders.

Beim Essen entschieden wir uns für verschiedene Gerichte zum Teilen. Neben Klassikern wie Peking-Ente landeten auch ein oder zwei Gerichte auf dem Tisch, die wir bisher noch nicht probiert hatten.

Nach dem Essen schlenderten wir noch ein Stück weiter durch die Straße. Besonders am Abend ist die Ghost Street mit ihren unzähligen roten Lampions, den beleuchteten Restaurants und den vielen Menschen wirklich schön anzusehen. Gleichzeitig merkt man allerdings auch schnell, dass die Straße längst ein fester Bestandteil vieler Reiseführer ist. Neben Einheimischen trifft man hier auffällig viele Touristen.

Die Atmosphäre ist deshalb ohne Frage sehenswert, für das Gefühl von „echtem“ China bleiben die Hutongs für uns aber weiterhin unser Favorit. Dort wirkt vieles ursprünglicher und weniger touristisch, und gerade das macht für uns den besonderen Charme Pekings aus.

Für den Abschluss des Abends mussten wir zum Glück gar nicht weit laufen. Nur etwa zwei Minuten vom Restaurant entfernt, versteckt in einer kleinen Hutong-Seitenstraße, entdeckten wir noch eine Bar. Von außen eher unscheinbar, erwartete uns drinnen ein richtig schönes Ambiente. Da das Wetter noch angenehm war, setzten wir uns nach draußen und ließen den Abend bei ausgefallenen Cocktails ausklingen.

Schweiz oder doch China?

Am Sonntag machten wir uns um 8 Uhr auf den Weg ins Haituo Valley, das wegen seiner Landschaft auch gerne als „Mini Switzerland of Beijing“ bezeichnet wird.

Schon die Hinfahrt war ein kleines Erlebnis. Wir kamen an bekannten und weniger bekannten Abschnitten der Chinesischen Mauer vorbei und fuhren auch an verschiedenen Anlagen der Olympischen Winterspiele, unter anderem an einer Bobbahn, vorbei. Dazwischen gab es immer wieder schöne Ausblicke auf die Berge, sodass die Fahrt selbst schon einige schöne Eindrücke bot.

Nach etwa zwei Stunden kamen wir im Haituo Valley an. Bevor wir mit der Wanderung starteten, schauten wir uns noch kurz das kleine „Schweizer Dorf“ an. Dort stehen zahlreiche kleine Ferienhäuser im Schweizer Stil, dazu wurden sogar Kirchen und andere typische Gebäude nachgebaut. Durch die Holzhäuser, Blumenwiesen und die Berge im Hintergrund wirkt das Ganze tatsächlich ein bisschen wie ein kleines Schweizer Feriendorf, nur eben mitten in China.

Anschließend machten wir uns über Treppen aus Steinen und Holzstämmen auf den Weg zu einem Café. Wir entschieden uns für den längeren Weg durch den Birkenwald und kamen dabei an zwei Aussichtsplattformen vorbei. An der zweiten blieben wir allerdings unfreiwillig etwas länger: Plötzlich wurden wir von kleinen Fluginsekten regelrecht überfallen und hatten irgendwann genug von der Aussicht.

Der anschließende Holzsteg zum Café war für mich eines der Highlights. Zusammen mit den kleinen dekorierten Zelten, den Blumenwiesen und der Bergkulisse sah der Weg einfach wunderschön aus.

Am Café 1473山顶咖啡馆, das seinem Namen entsprechend auf etwa 1.473 Metern Höhe liegt, machten wir dann eine kleine Mittagspause. Mit einem Kaffee, dem selbstgemachten Lunchpaket und der Aussicht ließ es sich dort ziemlich gut aushalten.

Von dort aus ging es anschließend zurück Richtung Dorf. Eigentlich wollten wir noch zu den kleinen Zelten hinter dem See. Wir dachten, wir könnten dafür einfach durch das angrenzende traditionelle chinesische Dorf laufen, allerdings war dort jeder Eingang verschlossen. Also mussten wir wieder zurück zum Haupteingang und einen Umweg nehmen. Der Blick durch das traditionelle Dorf auf das Schweizer Dorf und dahinter das Café hoch oben am Berg machte den Umweg dann aber doch irgendwie lohnenswert.

Zurück im Resort erkundeten wir anschließend noch den Bereich rund um den See und schlenderten am Ufer entlang. Dort gab es bereits einige Attraktionen für Kinder: Ponyreiten, eine kleine Eisenbahn und dahinter einen großen Campingbereich.

Dieser wirkte fast wie ein kleines Familienparadies. Kinder ließen Drachen steigen, sprangen auf Trampolinen oder angelten in kleinen aufgestellten Pools. Viele Familien hatten sich mit Zelten und Essen für den ganzen Tag eingerichtet. Neben festen Zelten, die man nutzen konnte, hatten manche sogar ihre eigenen aufgebaut.

Am Ende unseres Rundgangs schauten wir uns noch einmal das gesamte Panorama des Dorfes und der umliegenden Berge an, bevor wir uns auf den Heimweg machten.

Wieder zu Hause angekommen, telefonierten wir noch mit unseren Familien. Mit gutem Essen und gemeinsamem Fußballschauen ließen wir den Tag schließlich gemütlich ausklingen.

Und damit war unser Wochenende auch schon wieder vorbei. Nach Ghost Street am Samstag und dem Haituo Valley am Sonntag hatten wir einiges erlebt und waren am Ende vor allem eines: ziemlich müde. Genau so darf ein Wochenende gerne sein.

Immer wieder etwas Neues

Die letzten Tage waren sehr abwechslungsreich und geprägt von vielen unterschiedlichen Erlebnissen und kleinen Entdeckungen. Doch vorab kommen wir zu dem Höhepunkt der Woche: Nicos chinesischer Führerschein.

Am Dienstag war es soweit und er machte sich auf den Weg zur zuständigen Stelle, um sich persönlich für die Prüfung anzumelden. Dort wurden die notwendigen Unterlagen geprüft, Formulare ausgefüllt und der Sehtest sowie die übersetzte Version seines deutschen Führerscheins abgegeben.

Für Ausländer finden die Prüfungen immer Dienstags und Mittwochs statt und so bekam Nico direkt einen Termin für den nächsten Morgen.

Am Mittwochmorgen ging es dann vor der Arbeit darum, das Gelernte abzurufen und anzuwenden. Die Prüfung selbst fand am Computer statt und konnte auf Englisch abgelegt werden. Dafür entschied sich Nico bewusst, da die englische Übersetzung der Fragen deutlich besser ist als die deutsche Version. Insgesamt mussten 100 Fragen innerhalb von 45 Minuten beantwortet werden, wobei mindestens 90 Fragen richtig beantwortet werden mussten. Anders als in Deutschland zählt hier jede Frage gleich viel. Sie werden nicht nach ihrer Relevanz gewichtet, sodass jede einzelne Aufgabe denselben Einfluss auf das Gesamtergebnis hat.

Direkt im Anschluss der letzten beantworteten Frage erschien das Ergebnis auf dem Bildschirm: bestanden. Nach einer kurzen Wartezeit durfte Nico seinen chinesischen Führerschein schließlich entgegennehmen – ein kleiner, aber wichtiger Schritt, um hier noch unabhängiger unterwegs zu sein.

Neben Nicos Führerschein hielt die Woche aber noch viele weitere schöne Momente bereit. Ein gemeinsamer IKEA-Ausflug mit einer Freundin, der erfolgreiche Abschluss meiner ersten HSK-Stufe, gemeinsame Schwimmeinheiten mit Freunden und viele kleine Erlebnisse sorgten dafür, dass auch diese Woche wieder wie im Flug verging.

Kleine Gassen und versteckte Cafés

Durch einen Instagram-Post stellte eine Freundin fest, dass ich aktuell ebenfalls in Peking bin. Gerade zu dieser Jahreszeit ist das gar nicht so selbstverständlich, denn viele Expats nutzen die Sommerferien und das heiße, schwüle Wetter, um nach Deutschland zu reisen.

Also verabredeten wir uns kurzerhand für ein Treffen. Eigentlich wollten wir gemeinsam eine neue Frühstückslocation ausprobieren, doch vor Ort stellte sich heraus, dass es sich eher um ein klassisches Restaurant handelte. Da es aber bereits halb zwölf war, passte das genauso gut.

Schon von außen machte das Restaurant einen besonderen Eindruck. Auch die Inneneinrichtung war wunderschön gestaltet: modern japanisch, mit viel Grün, liebevollen Details und einer tollen Dachterrasse. Auch das Essen konnte überzeugen und machte den Besuch zu einem echten Erlebnis.

Besonders begeistert hat mich jedoch die Lage. Das Restaurant befindet sich in einem weniger bekannten und touristischen Hutong-Gebiet, versteckt in einer kleinen Gasse mit Blick auf eine weiße Pagode. Genau diese Orte zeigen für mich den besonderen Charme der Hutongs: kleine Restaurants, versteckte Cafés, begrünte Innenhöfe und eine ruhige Atmosphäre mitten in der Millionenstadt.

Beim Schlendern durch die Gassen gab es überall etwas zu entdecken. Natürlich begegneten uns wieder viele Katzen, diese gehören mittlerweile schon zum typischen Bild der Pekinger Hutongs, denn in vielen Innenhöfen werden sie als kleine Begleiter gehalten. Daneben fielen mir immer wieder liebevoll dekorierte Lokale, kleine Gemälde auf Stromkästen sowie die typisch roten Türen mit ihren Holzbalken auf.

Besonders schön fand ich es, zwei Männer dabei zu beobachten, wie sie gerade ein neues Tor bemalten. Mit viel Ruhe und Feingefühl arbeiteten sie an den Details. Ein kleiner Moment, der perfekt zu dieser entschleunigten Atmosphäre der Hutongs passte.

Mexiko-Gefühle

Unter dem Motto „Life needs warmth and wonderful surprises!“ – also „Das Leben braucht Wärme und wundervolle Überraschungen“ – lud unsere Apartmentanlage zu einer besonderen Veranstaltung ein: einer mexikanischen Taco-DIY-Party.

Gemeinsam mit unseren Nachbarn trafen wir uns um 14 Uhr, um unsere eigenen Tacos zuzubereiten. Zu meiner Überraschung waren unglaublich viele Bewohner dabei und fast ausschließlich neue Gesichter. Tatsächlich kannte ich auch nur meine Freundin, mit der ich freitags regelmäßig schwimmen gehe. Leider sprachen die meisten nur Chinesisch, sodass das Knüpfen neuer Kontakte für mich noch etwas schwierig war. Ich hoffe aber, dass sich das mit meinem Chinesischunterricht nach und nach ändern wird.

Für den Workshop wurde extra ein erfahrener Koch von Jenny Lou’s, einem internationalen Supermarkt mit kleinem Bistro, eingeladen. Zunächst erklärte und zeigte er uns Schritt für Schritt die einzelnen Arbeitsschritte. Danach durften wir selbst loslegen. Ich war überrascht, wie schnell und unkompliziert die Zubereitung war und vor allem, wie unglaublich lecker die Tacos am Ende geschmeckt haben.

Natürlich habe ich das Rezept wieder für euch mitgeschrieben.

🌮 Taco-Rezept

Zutaten

  • Wraps (Tortillas)
  • Hähnchen
  • Rindersteak
  • Avocado
  • Tomaten
  • Zwiebeln
  • Koriander
  • eingelegtes Rotkraut
  • Tabasco
  • Chipotle-Chilis in Adobo-Sauce (La Costeña – Chipotles Adobados)
  • Olivenöl
  • Salz und Pfeffer

1. Salsa zubereiten

Tomaten und Zwiebeln in feine Würfel schneiden. Anschließend Koriander, etwas Olivenöl, Salz, Pfeffer und ein paar Spritzer Tabasco dazugeben und alles gut vermengen.

2. Guacamole zubereiten

Die Avocado mit einer Gabel zerdrücken, mit Salz und Pfeffer abschmecken und anschließend zwei Esslöffel der vorbereiteten Salsa unterrühren.

3. Rindfleisch

Das Rindersteak mit Olivenöl, Salz und Pfeffer würzen. Anschließend von jeder Seite etwa eineinhalb Minuten scharf anbraten und danach in feine Streifen schneiden.

4. Hähnchen

Das Hähnchen am besten bereits einige Stunden vorher oder über Nacht mit der Chipotle-Paste, Olivenöl, Salz und Pfeffer marinieren. Anschließend vollständig durchbraten und ebenfalls in Streifen schneiden.

5. Tacos belegen

Für die Rindfleisch-Variante den Wrap mit Guacamole, eingelegtem Rotkraut und den Steakstreifen belegen.

Für die Hähnchen-Variante Guacamole, Salsa und das Hähnchen in den Wrap geben.

Das Ergebnis war unglaublich lecker. Gerade bei den sommerlichen Temperaturen war das Essen herrlich leicht und trotzdem richtig sättigend. Solche Veranstaltungen gefallen mir immer wieder besonders gut. Man lernt nicht nur neue Rezepte kennen, sondern hat gleichzeitig die Gelegenheit, Menschen aus aller Welt zu treffen. Vielleicht klappt es beim nächsten Mal dank meines Chinesischunterrichts ja auch mit dem einen oder anderen neuen Gespräch.

Erstes Mal alleine raus aus der Stadt

Natürlich wollte Nico seinen frisch bestandenen Führerschein direkt nutzen. Deshalb bekam ich die Aufgabe, ein passendes Ausflugsziel auszusuchen. Seine einzige Bedingung: keine Chinesische Mauer, denn die hatten wir inzwischen schon oft besucht.

Von Freunden hatte ich bereits einige Empfehlungen bekommen und stöberte mich noch einmal durch verschiedene Ausflugsziele. Am Ende fiel unsere Wahl auf den Nanshiyang Grand Canyon, der oft als „Chinas kleiner Colorado“ oder sogar als „Grand Canyon der Erde“ bezeichnet wird.

Die Schlucht liegt im Bezirk Mentougou und ist etwa eineinhalb Autostunden vom Pekinger Stadtzentrum entfernt. Entstanden ist sie durch uralte tektonische Kräfte, beim Wandern bewegt man sich also buchstäblich durch ein aufgeschlagenes Geschichtsbuch der Erde mit über einer Milliarde Jahre alten Gesteinsschichten.

Bereits die Anfahrt war ein besonderes Erlebnis. Zum ersten Mal waren wir ganz alleine mit dem Auto außerhalb Pekings unterwegs, ohne Reisegruppe, ohne festen Zeitplan, einfach nur wir beide. Je weiter wir die Stadt hinter uns ließen, desto beeindruckender wurde die Landschaft. Rund 40 Minuten führte die Strecke über eine gut ausgebaute Bergstraße, auf der sich immer wieder Ausblicke auf Seen, steile Felswände und bewaldete Berghänge abwechselten.

Am Park angekommen, stellten wir das Auto auf dem Besucherparkplatz ab. Das Parken kostet für den ganzen Tag lediglich 10 Yuan (ca. 1,20 Euro). Da das Gebiet mit einer fast 19 Kilometer langen Hauptachse neun Seitentälern, 18 Kurven und 72 Sehenswürdigkeiten riesig ist, entschieden wir uns zusätzlich für den Shuttlebus, der 60 Yuan pro Person kostet. Rückblickend war das definitiv die richtige Entscheidung, denn so konnten wir unsere Zeit ganz auf die schönsten Abschnitte konzentrieren.

Mit dem Shuttle fuhren wir zunächst bis zur Endstation(主谷终点) und machten uns von dort auf den etwa anderthalbstündigen Aufstieg zur Ruine einer Ming-Dynastie-Mauer (明长城). Der Weg führte zwar größtenteils durch schattigen Wald, trotzdem war die Wanderung bei den sommerlichen Temperaturen ganz schön anstrengend.

Umso schöner war dann der Moment, als wir den Gipfel erreichten. Von dort oben bot sich ein beeindruckender 360-Grad-Blick über die umliegenden Berge. Besonders schön war zu sehen, wie sich die Gipfel wie eine Kette bis in das Huailai-Becken zogen.

Anschließend machten wir eine kurze Picknick Pause mit mitgebrachten Broten und einer gekauften eiskalten Sprite. Wir saßen abseits der Menschenmassen an einem Holztisch mit Hockern und genossen den Moment.

Danach nutzten wir den Shuttlebus auf dem Rückweg und stiegen gezielt an den Stationen aus, die wir besonders spannend fanden. Unser persönliches Highlight war die Fanchen-Schlucht (凡尘谷) mit ihrem berühmten „Himmelsspalt“ (一线天), einer schmalen Felsspalte, durch die nur ein schmaler Streifen Himmel zu sehen ist, sowie einem kleinen Wasserfall (黑龙潭). Kaum vorstellbar, dass diese Landschaft geologisch über eine Milliarde Jahre alt ist und auch geschichtlich eine wichtige Rolle spielte: In der Schlucht befand sich einst unter anderem ein Stützpunkt der gemeinsamen Anti-Japanischen Regierung der Regionen Changping, Yanqing und Huailai.

Zum Abschluss unserer Rund 15 Kilometer Wanderung machten wir uns noch eine kleine Pause in einem vermeintlichen Höhlencafé. Die eigentliche Höhle entpuppte sich zwar als leer und der Kaffee wurde stattdessen aus einem kleinen Foodtruck davor verkauft. Der Ausblick war dafür umso schöner und der Kokos-Eis-Latte war eine willkommene Abkühlung.

Mit 40 Yuan Eintritt pro Person, den Kosten für den Shuttlebus sowie Maut (2x 18 Yuan) und einer halben Batterieladung für das Elektroauto war der Ausflug insgesamt deutlich günstiger als unsere sonstigen geführten Wanderungen, die meist rund 450 Yuan pro Person kosten.

Auf der Rückfahrt zeigte sich dann noch einmal eine ganz andere Seite Pekings. Direkt am Zweiten Ring gerieten wir zwar für etwa eine halbe Stunde in den Feierabendverkehr, dafür führte uns die Strecke unmittelbar an der Verbotenen Stadt vorbei, ein schöner Kontrast nach einem Tag inmitten der Natur.

Dieser Ausflug hat uns gezeigt, wie viel Freiheit ein eigenes Auto in China mit sich bringt. Einfach losfahren, spontan anhalten und Orte entdecken, die wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln wahrscheinlich nie besucht hätten. Ich bin mir deshalb ziemlich sicher: Das war erst der Anfang vieler weiterer Roadtrips.

Mah-Jongg (麻将) Spieleabend

Am Samstagabend waren wir dann noch mit Freunden zu einem traditionellen chinesischen Spieleabend verabredet. Gespielt wurde Mah-Jongg (麻将), eines der bekanntesten Gesellschaftsspiele Chinas und bis heute ein fester Bestandteil der chinesischen Kultur.

Ob in Parks, Teehäusern oder im Familienkreis, Mah-Jongg wird hier überall gespielt. Je nach Region gibt es unterschiedliche Regeln und Spielweisen. Die in China am weitesten verbreitete ist Sichuan-Mah-Jongg (ohne Winde/Drachen, mit blutigem Kampf), während im Westen oft die japanischen Riichi-Regeln oder die alte HK/Cantonese-Variante gespielt werden.

Beim ankommen waren wir direkt von dem Spieltisch fasziniert. Anders als bei einem normalen Brettspiel handelt es sich um einen elektrischen Mah-Jongg-Tisch. Nachdem eine Runde beendet ist, werden alle Spielsteine einfach in die Mitte geschoben. Der Tisch mischt sie automatisch im Inneren und baut anschließend auf Knopfdruck wieder vier fertige Steinreihen auf, die sich aus dem Tisch nach oben schieben.

Gespielt wird zu viert mit insgesamt 144 Spielsteinen („Ziegeln“), die mit verschiedenen Symbolen wie Bambus, Kreisen, Schriftzeichen, Winden und Drachen versehen sind. Diese werden unterteilt in Suiten (Bambus, Kreise, Schriftzeichen) und Ehrensteine (4 Winde + 3 Drachen) und optionale Blumen-/Jahreszeiten-Steine.

Bevor das eigentliche Spiel beginnt, wird ausgewürfelt, an welcher Stelle die Mauer geöffnet wird. Dabei werden zwei Würfel elektronisch geworfen. Die kleinere Zahl bestimmt zunächst, bei welchem Spieler gezählt wird. Man zählt dabei im Uhrzeigersinn und zählt sich selbst als Eins mit. Wird beispielsweise eine Drei gewürfelt, beginnt man bei sich selbst (1), der rechte Nachbar ist die Zwei und der nächste Spieler rechts die Drei. Bei diesem Spieler wird die Mauer geöffnet.

Anschließend zählt man dort entlang der Mauer die höhere Würfelzahl ab. Wird beispielsweise zusätzlich eine Sechs gewürfelt, werden sechs Zweierstapel übersprungen. Direkt danach beginnt die Austeilung der Spielsteine.

Nun erhält jeder Spieler zunächst vier Steine gleichzeitig. Diese werden gegen den Uhrzeigersinn verteilt, bis jeder zwölf Steine besitzt. Anschließend bekommt jeder noch einen weiteren Stein und der Startspieler insgesamt zwei zusätzlichen Stein, sodass er mit 14 Steinen beginnt und alle anderen mit 13.

Von da an beginnt das eigentliche Spiel. Der Spieler, der an der Reihe ist, zieht zunächst einen neuen Stein von der Mauer. Anschließend entscheidet er sich für einen Stein, den er nicht benötigt, und legt ihn offen in die Tischmitte.

Jetzt wird es spannend, denn auch die Mitspieler dürfen auf diesen abgelegten Stein reagieren.

  • Chi (吃 / „Essen“)
    Darf nur der Spieler nutzen, der als Nächstes an der Reihe wäre. Kann er mit dem abgelegten Stein eine Zahlenfolge bilden zum Beispiel 3, 4 und 5 Bambus, ruft er „Chi“, nimmt den Stein auf und legt die vollständige Reihe offen vor sich ab.
  • Peng (碰)
    Hat ein Spieler bereits zwei identische Steine auf der Hand und ein beliebiger Mitspieler legt den dritten ab, darf er „Peng“ rufen. Er nimmt den Stein auf und legt den entstandenen Dreierblock offen vor sich ab. Im Gegensatz zu „Chi“ ist „Peng“ also unabhängig davon möglich, wer den Stein abgelegt hat.
  • Mahjong (胡 / Hu)
    Kann ein abgelegter Stein das eigene Blatt vervollständigen, ruft man sofort „Mahjong“ (oder „Hu“). Der Stein wird aufgenommen und das Spiel endet sofort, weil die Gewinnhand vollständig ist.

Nach jeder dieser Aktionen setzt der Spieler, der den Stein aufgenommen hat, das Spiel fort und legt anschließend wieder einen Stein ab.

Ziel ist es, ähnlich wie beim Rommé, durch geschicktes Ziehen und Ablegen bestimmte Kombinationen zu bilden. Wer zuerst vier vollständige Dreier-Sätze und ein Paar zusammenstellt, gewinnt die Runde.

Da wir mehr als vier Personen waren, spielten Nico und ich gemeinsam als Team. Das war für den Einstieg auch gar nicht schlecht, denn die vielen verschiedenen Steine und Regeln wirkten anfangs doch etwas überwältigend. Doch je länger wir spielten, desto mehr Spaß machte es und wir verstanden nach und nach die Spielstrategie dahinter.

Für den privaten Spielraum zahlten wir 160 Yuan für drei Stunden. Es war ein richtig schöner Abend mit Freunden und gleichzeitig eine tolle Möglichkeit, wieder ein Stück chinesischer Kultur kennenzulernen. Anfangs mussten wir uns zwar erst in die vielen Regeln hineindenken, doch mit jeder Runde machte das Spiel mehr Spaß. Und eines steht für uns jedenfalls fest: Das war ganz sicher nicht unser letzter Mah-Jongg Spieleabend.

Ausklang der Woche

Den Sonntag starteten wir ganz entspannt. Ich hatte noch ein paar Äpfel übrig und nutzte die Gelegenheit, daraus frisches Apfelmus zu kochen. Passend dazu gab es selbstgemachten Kaiserschmarrn.

Gerade als wir mit dem Frühstück beginnen wollten, klingelte allerdings das Telefon. Freunde fragten ganz spontan, ob wir Lust hätten, mit zum Wakeboarden zu kommen. Nach einem kurzen Blick aufeinander war die Entscheidung schnell gefallen. Frühstück essen, fertig machen und los.

Etwa 20 Minuten später saßen wir bereits im Auto und machten uns gemeinsam auf den Weg. Die Anlage liegt etwas außerhalb von Peking, sodass wir je nach Verkehr rund 45 Minuten unterwegs waren. Vor Ort angekommen, wunderte uns allerdings schon der ungewöhnlich leere Parkplatz.

Nach der Sicherheitskontrolle versuchten uns die Mitarbeiter auf Chinesisch etwas zu erklären. Mit dem Handy-Übersetzer fanden wir schließlich heraus, was los war: Aufgrund einer angekündigten Unwetterwarnung musste die gesamte Anlage sofort geschlossen werden.

Natürlich waren wir im ersten Moment etwas enttäuscht. Gemeinsam überlegten wir noch, ob wir spontan etwas anderes unternehmen könnten. Da sich die Gewitterfront aber bereits näherte und alle Wasseraktivitäten ohnehin abgesagt worden wären, beschlossen wir schließlich, wieder nach Hause zu fahren.

Kaum saßen wir im Auto, begann es auch schon kräftig zu regnen. Spätestens da war klar, dass die Entscheidung der Betreiber absolut nachvollziehbar gewesen war.

Den Abend ließen wir dann noch gemeinsam mit den Freunden bei einem gemütlichen Essen ausklingen. 

Wenn wir auf die letzten Tage zurückblicken, wird uns wieder bewusst, wie viel Neues unser Leben hier noch bereithält. Oft sind es die kleinen ersten Male, die unsere Auslandserfahrung so besonders machen – sei es ein neuer Ort, ein neues Rezept, ein neues Spiel oder der erste Roadtrip.