Fundstück Februar 2026

Der digitale Leseautomat in Peking

Lesen ist für mich seit ein paar Jahren wieder ein richtiges Hobby geworden. Besonders vor dem Schlafengehen oder im Urlaub liebe ich es, beim Umblättern eines Buches diesen besonderen Moment zu genießen. In Deutschland war es für mich immer einfach an Bücher zu gelangen, sei es über die nächste Bibliothek oder die Buchhandlung um die Ecke.

Doch hier in Peking gestaltet sich das ein wenig anders, besonders wenn man Bücher auf Deutsch oder Englisch lesen möchte. 

In Deutschland kennt man Leseautomaten meist als kleine Regale oder Tauschstationen: Bücher hinlegen, Bücher mitnehmen, fertig. Sie funktionieren nach dem Prinzip „bring eins, nimm eins“ und leben von der Eigenverantwortung der Leser. Praktisch für kurze Pausen oder um alte Klassiker loszuwerden, aber das echte Bücherei-Erlebnis bleibt dabei außen vor. Seltene oder besonders interessante Bücher findet man nur selten, die Organisation ist locker und eine offizielle Kontrolle, wer welches Buch ausgeliehen hat, gibt es nicht. Außerdem werden diese Automaten manchmal beschädigt oder verwahrlosen.

Hier in Peking ist der digitale Leseautomat anders. Er wird von einer Bibliothek organisiert und verbindet Technik, Bibliothekswesen und Stadtlogistik auf clevere Weise. Auf den ersten Blick sieht er aus wie ein normaler Automat, ein Kasten voller Bücher. Doch dahinter steckt ein ausgeklügeltes System, das ein komplettes Büchereierlebnis außerhalb der Bibliotheksmauern ermöglicht.

Es gibt drei Abonnent-Modelle des Automaten: eines für Erwachsene, eines für Kinder und eines für Menschen mit Beeinträchtigungen. Jedes Modell ist auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnitten, sowohl in der Buchauswahl als auch in der Bedienung. Für Kinder gibt es etwa eine speziell kuratierte Auswahl an Bilder- und Kinderbüchern, während die Automaten für Erwachsene chinesische Titel, Hörbücher und auch ausländische Bücher anbieten. Das Modell für Menschen mit Beeinträchtigungen ist barrierefrei gestaltet, sodass jeder Zugang zu Literatur hat, egal welche Einschränkungen bestehen.

Die Ausleihe läuft komplett über eine digitale Lesekarte und QR-Codes am Automaten. Der Leser scannt einfach den Code, meldet sich an und der Automat öffnet sich. Danach kann man das gewünschte Buch herausnehmen. Kein Anstehen, kein Blättern durch Regale und doch ein richtiges Bibliotheksgefühl.

Man kann bis zu 40 Bücher in den 28 Tage ausleihen, darunter chinesische Bücher, Hörbücher und ausländische Titel (letztere sind auf drei pro Ausleihperiode begrenzt). Die digitale Lesekarte sorgt dafür, dass die Bibliothek immer genau weiß, wer welches Buch hat.

Wird ein Buch nicht zurückgebracht, wird die Karte vorübergehend gesperrt. Ebenso bei beschädigten Büchern, dann wird die Bibliothek informiert und man regelt das wie gewohnt vor Ort.

Dieses System schafft Transparenz, Fairness und eine reibungslose Organisation. Zudem sind darin die neusten und angesagten Bücher erhältlich und nicht nur die aussortiert eines anderen.

Ein Vorteil ist das man nicht mehr extra zur Bibliothek fahren muss, sondern kann an verschiedenen Automaten in der ganzen Stadt Bücher ausleihen. Besonders praktisch, wenn man wenig Zeit hat oder unterwegs spontan ein Buch mitnehmen möchte. Gleichzeitig spart es den Bibliotheksmitarbeitern Arbeit: weniger Ausleihe über den Schalter, weniger Verwaltungsaufwand und trotzdem bleibt alles organisiert und nachvollziehbar.

Für mich persönlich ist das natürlich nichts, da ich chinesische Bücher oder Hörbücher noch nicht verstehen kann. In China ist die Auswahl ausländischer Bücher auch in Bibliotheken stark begrenzt, oft gibt es nur wenige Exemplare und Bestseller auf Deutsch oder Englisch sind selten.

Bücherwurm bleiben als Expat

Aktuell habe ich ein paar Strategien entwickelt, um trotzdem an deutschsprachige Bücher zu kommen. Einige Bücher hatte ich selbst aus Deutschland mitgebracht, die habe ich inzwischen alle gelesen. Danach bin ich auf eine WeChat-Gruppe für Expats gestoßen, in der Bücher untereinander verkauft oder getauscht werden. Man bekommt Zugang zu Titeln, die sonst schwer zu bekommen wären und gleichzeitig können andere Leser etwas davon profitieren, dass ich meine Bücher weitergebe.

Ich bin auch noch der klassische „Buch-in-der-Hand“-Typ: Ich mag es, Bücher zu besitzen, die ich gelesen habe und zu sehen, was ich schon geschafft habe. Digitales Lesen kommt für mich nur begrenzt infrage. Deshalb ist diese WeChat-Gruppe aktuell eine gute Lösung.

Außerdem leihe ich Bücher von Freundinnen aus, die einen ähnlichen Lesegeschmack haben. Zum Beispiel habe ich mir ein Buch über die Generation der Kriegskinder ausgeliehen, welches Nico schon in Vietnam gelesen hat und ich werde es demnächst in Malaysia lesen.

Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, über die Bibliothek der Deutschen Schule in Peking einen Ausweis zu beantragen und darüber Bücher auszuleihen. Das werde ich auf jeden Fall noch machen.

Als letzte Möglichkeit kann man auch, über die Deutsche Schule Bücher in Deutschland bestellen, allerdings dauert das lange und ist teuer. Deshalb werde ich wahrscheinlich diese Option nicht nutzen.

Meine pragmatische Lösung neben den bereits bestehenden: Ich plane bei meiner nächsten Deutschlandreise einen Besuch bei Thalia, um gezielt Bücher einzukaufen.

Fazit

Lesen war noch nie so flexibel und gleichzeitig so gut organisiert. Der digitale Leseautomat in Peking zeigt, wie Technik, Literatur und Stadtleben harmonisch zusammenpassen. Für Leser, die Chinesisch verstehen, bietet er schnellen Zugang zu einer breiten Auswahl an Büchern, Hörbüchern und ausländischen Titeln. Für Expats wie mich ist er noch nichts, aber zum Glück ist der Zusammenhalt in der Community so gut.

Mein Fundstück des Monats ist ein kleines Stück Alltagsmagie, das zeigt, dass moderne Technologie Bibliothekskultur nicht ersetzt, sondern sinnvoll ergänzt. Vielleicht könnte dieses Konzept in Zukunft auch Deutschland inspirieren und Bücher zugänglich, flexibel und gleichzeitig gut organisiert zu machen.

Vietnam – Die Reise beginnt

Wie bereits im letzten Beitrag erzählt, hat Nico durch die gesetzlichen Feiertage zehn Tage frei. Schnell war klar, dass wir diese Gelegenheit zum Reisen nutzen.

Schon länger stand Vietnam auf unserer Wunschliste, ein Land voller Kontraste, bewegter Geschichte, beeindruckender Natur und traumhafter Küsten.

Insgesamt werden wir 13 Tage unterwegs sein. Unsere Route führt uns vom Norden Vietnams Schritt für Schritt Richtung Süden, mit einem entspannten Inselabschluss. Neben Natur, Kultur und Strand möchten wir uns auch mit der Kriegsgeschichte des Landes beschäftigen, die Vietnam bis heute prägt.

Anreise – Premiere am Daxing Flughafen

Schon der Start fühlte sich neu an. Zum ersten Mal flogen wir über den Beijing Daxing International Airport. Der riesige, futuristische Flughafen ist beeindruckend, modern, aber eben auch deutlich weiter außerhalb gelegen.

Viele hatten mich gewarnt: Stau, lange Anfahrt, Chaos. Manche brauchten bis zu vier Stunden mit dem Auto. Alternativ gibt es eine Zugverbindung (ca. 1,5 Stunden mit Umstieg), allerdings nur zwischen 5 Uhr morgens und Mitternacht.

Unser Flug ging um 01:40 Uhr und wir entschieden uns trotzdem für die Anreise per Auto, mit ausreichend Pufferzeit versteht sich. Am Ende waren wir fast ein bisschen enttäuscht, wie reibungslos alles lief. Vom Betreten des Flughafens bis zur Sicherheitskontrolle dauerte es nur wenige Minuten.

Direkt danach trafen wir Bekannte aus Peking, die ebenfalls nach Vietnam gereist sind. Gemeinsam verbrachten wir die Zeit bis zum Boarding und somit vergingen die 2 Stunden wie im Flug.

Am Gate trafen wir dann weitere Bekannte. Vietnam scheint dieses Jahr ein echter Favorit unter den Expats zu sein. Vielleicht liegt es an der Mischung aus exotischer Ferne, gutem Essen, bewegter Geschichte und vergleichsweise kurzer Flugzeit aus China.

Der Flug selbst war… sagen wir zweckmäßig. Alte Sitze, wenig Beinfreiheit, kaum Schlaf. Mein Sitznachbar konnte auf eine freie Reihe ausweichen, wodurch ich etwas mehr platzt hatte. Allerdings konnte ich trotzdem nicht besser schlafen und starrte irgendwann einfach nur noch ins Dunkel.

Als wir in Hanoi landeten, begann der Tag für die Stadt gerade erst. Für uns fühlte es sich eher wie das Ende einer sehr langen Nacht an.

Die Einreise gestaltete sich sehr zäh. Zwei lange Schlangen und nur vier Schalter geöffnet. Die Beamten arbeiteten ruhig, fast gemächlich. Niemand schien sich von der wachsenden Warteschlange stressen zu lassen. Nach anderthalb Stunden wurde ich unruhig, denn unser Fahrer wartete nur bis 6:19 Uhr. Es war nun inzwischen 05:45 Uhr. Ein weiterer Schalter öffnete, wir kamen endlich durch, holten hektisch die Koffer vom Band und liefen ohne klaren Plan Richtung Ausgang.

Zum Glück fanden wir sofort den richtigen Treffpunkt und unseren sichtlich genervten Fahrer. Es war eine Punktlandung: Zehn Minuten vor Ablauf der Zeit.

Ankommen in Hanoi – zwischen Chaos und Charme

Nach etwa 45 Minuten Fahrt erreichten wir unser Hotel Du Lac im Zentrum von Hanoi.

Hanoi ist nicht nur die Hauptstadt Vietnams, sondern auch eine der ältesten Hauptstädte Asiens. Über 1.000 Jahre Geschichte liegen hier in der Luft. Und das spürt man sofort.

Ein Check-in war natürlich noch nicht möglich. Stattdessen ließen wir unser Gepäck an der Rezeption und zogen los. Unser erstes Ziel war ein Geldautomat und vor allem ein Kaffee.

Wir liefen durchs Old Quarter, der Altstadt. Hier trägt jede Straße traditionell den Namen eines alten Handwerks z.B. Seidenstraße, Zinnstraße, Bambusstraße. Früher arbeiteten hier die jeweiligen Zünfte, heute reihen sich Souvenirshops, Cafés, kleine Restaurants und traditionelle Geschäfte in schmalen Häusern aneinander. Oft sind diese nur wenige Meter breit, dafür aber mehrere Stockwerke hoch aneinander. Der französische Baustil ist noch deutlich erkennbar: Balkone mit schmiedeeisernen Geländern, helle Fassaden, verspielte Details. Überall Blumen an den Gebäuden. Man möchte am liebsten jedes zweite Haus fotografieren, weil keines dem anderen gleicht.

Während wir im Café saßen, beobachteten wir das Straßenleben. Motorroller schoben sich hupend durch den Verkehr, winzige Plastikstühle standen am Straßenrand, auf denen Menschen bereits morgens Suppe aßen.

Vietnam fühlt sich vom ersten Moment an lebendig an. Intensiv. Warm. Laut. Und gleichzeitig unglaublich herzlich.

Mit starkem vietnamesischem Kaffee vor uns, kam langsam das Gefühl an: Wir sind in Vietnam.

Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg zum Hoàn-Kiếm-See. Der gepflegte, mitten in der Stadt gelegene See wirkt wie eine kleine Oase im sonst so lebendigen Hanoi. Die Temperaturen waren angenehm warm, moderne und liebevoll restaurierte Gebäude spiegelten sich im Wasser.

Schon von weitem strahlte uns die leuchtend rote Huc-Brücke entgegen. Die Brücke, deren Name so viel wie „Brücke der aufgehenden Sonne“ bedeutet, wurde im 19. Jahrhundert erbaut und ist eines der bekanntesten Fotomotive der Stadt. Wie ein Farbklecks über dem grünen Wasser führt sie zum Ngọc-Sơn-Tempel, der auf einer kleinen Insel im See liegt.

Der Tempel stammt ebenfalls aus dem 19. Jahrhundert und ist dem Nationalhelden Trần Hưng Đạo gewidmet, einem General, der Vietnam im 13. Jahrhundert gegen mongolische Invasionen verteidigte. Zwischen Blumenarrangements, kleinen Innenhöfen und Fischen im Wasser herrschte hier eine ruhige, fast meditative Stimmung.

Anschließend liefen wir eine komplette Runde um den See. Der Fußweg ist gut ausgebaut, breit und angenehm. In der Altstadt muss man ständig parkenden Rollern ausweichen oder vom Bürgersteig auf die Straße treten, wo man sich den Weg mit hupenden Motorrollern teilt. Am See hingegen konnte man einfach laufen, ohne „Tetris mit dem Verkehr“ spielen zu müssen.

Unser nächster Stopp war die St.-Joseph-Kathedrale. Diese ragt auffällig zwischen den schmalen Häusern hervor. Ein pompöses, neugotisches Bauwerk, das stark an französische Kolonialarchitektur erinnert. Auch innen beeindruckte sie mit hohen Gewölben und bunten Fenstern.

Gerade fand eine Trauerfeier statt. Wir setzten uns in die letzte Reihe und beobachteten leise das Geschehen. Besonders spannend: moderne Bose-Lautsprecher und elektronische Anzeigen an jeder Sitzreihe, auf denen die Liedtexte eingeblendet wurden.

Danach ging es weiter zur berühmten Train Street, wohl eines der bekanntesten Fotomotive der Stadt. Die schmale Bahntrasse verläuft hier mitten durch ein dicht bebautes Wohnviertel, so nah an den Häusern, dass man von den Balkonen fast die vorbeifahrenden Züge berühren könnte. Ursprünglich wurde die Strecke Anfang des 20. Jahrhunderts während der französischen Kolonialzeit gebaut und ist bis heute Teil der wichtigen Nord-Süd-Eisenbahnlinie Vietnams, die Hanoi mit Ho Chi Minh City verbindet. Mehrmals täglich fährt hier tatsächlich ein Zug durch, nur wenige Zentimeter an Hauswänden und Gästen vorbei.

Schon am Eingang wurden wir von einem Hahn begrüßt, der seelenruhig auf den Gleisen stand. Links und rechts der Schienen reihten sich kleine Cafés und Bars, geschmückt mit Lichterketten, Pflanzen und bunten Blumenranken. Die Tische standen so nah an den Gleisen, dass man sich kaum vorstellen konnte, dass hier tatsächlich ein Zug durchfährt.

Wir fragten nach dem nächsten Zug. „20 Minuten“, hieß es. Nach unserer Bestellung waren es plötzlich 45 Minuten. Und am Ende warteten wir 1 Stunde und 15 Minuten, bis der Zug schließlich gegen 12 Uhr durchfuhr.

Wirklich jeder filmte gespannt die Einfahrt des Zuges. Einer war sogar so mutig, sein Handy von einem Kellner mittig auf die Gleise stellen zu lassen, um ein Video aufzunehmen, wie der Zug darüber hinwegrollt. Er fuhr langsam ein, alles wirkte erstaunlich geordnet und routiniert.

Aber jetzt hatten wir nur noch ein Ziel: Das Hotel und ein Bett. Denn zu diesem Zeitpunkt waren wir seit rund 27 Stunden wach. Die Müdigkeit setzte langsam ein. Zum Glück war unser Zimmer bereits früher fertig. Ein kurzer Mittagsschlaf und wir fühlten uns zumindest halbwegs wieder wie Menschen.

Abends zog es uns traditionell zu Bánh Mì, Vietnams berühmtem Sandwich. Bánh Mì ist ebenfalls ein Überbleibsel der französischen Kolonialzeit: ein knuspriges Baguette, gefüllt mit einer Mischung aus vietnamesischen und französischen Einflüssen. Meist kommen verschiedene Fleischsorten wie Schweinefleisch oder Pastete hinein, dazu eingelegtes Gemüse, Gurke, frischer Koriander und eine würzige Sauce. Außen kross, innen saftig, einfach, günstig und unglaublich aromatisch. In Vietnam bekommt man es an fast jeder Straßenecke, frisch zubereitet und oft für nur wenige Euro.

Auf dem Weg dorthin merkten wir sofort den Unterschied zum frühen Morgen. Der Verkehr war deutlich intensiver. Lauter. Chaotischer. Beim Überqueren der Straße musste man tatsächlich „Tetris mit Rollern und Autos“ spielen. Stehen bleiben ist keine Option, gleichmäßig weitergehen ist die Regel.

Die Bürgersteige sind zwar breiter als in Thailand und immerhin hängen einem hier keine Kabel direkt ins Gesicht. Doch oft sind sie komplett von Rollern zugeparkt oder mit den typischen kleinen Plastik-Hockern vollgestellt, auf denen die Gäste in den Straßenrestaurants sitzen.

Nach einem Dessert (Eggnog-Tiramisu) ging es für uns noch auf die Dachterrasse unseres Hotels. Wunderschön angelegt, mit Blick über die Dächer der Stadt. Unter uns das ununterbrochene Hupen, über uns warme Abendluft und nebenher lief das Spiel des 1. FC Kaiserslautern auf unserem Tablet.

Ein langer, intensiver erster Tag ging zu Ende.

Tag 2 – Die erste Berührung mit der Landschaft Vietnam’s

Der Tag begann… leicht stressig.

Am Abend zuvor, kurz bevor wir eigentlich schlafen wollten, schrieb uns unser Tourguide, dass wir am nächsten Morgen eine halbe Stunde früher abgeholt würden. Diskussion zwecklos. Für uns bedeutete das: Frühstück in Gefahr.

Hätten wir es früher gewusst, hätten wir sicher mit dem Hotel sprechen können. Also versuchten wir es am Morgen auf gut Glück. Zehn Minuten vor offizieller Öffnung standen wir beim Frühstück, erklärten die Situation und tatsächlich: Wir durften schon hinein. 20 Minuten Zeit. Schnell, aber machbar.

Nach einer rund zweistündigen Fahrt in einem recht komfortablen Mini Bus, mit ca. 20 Plätzen, war unser erster Stopp die Mua-Höhle in Ninh Binh.

Der Weg über ca. 400 Stufen führt hinauf auf den sogenannten „Berg des liegenden Drachens“. Oben angekommen wird man mit einem spektakulären Panorama belohnt: Tam Coc liegt einem zu Füßen, eingerahmt von Reisfeldern und dramatisch aufragenden Kalksteinbergen.

Unterwegs begegneten uns immer wieder Ziegen, die mühelos über die Felsen kletterten. Und nach dem Abstieg erwartete uns unten im Tal eine liebevoll angelegte Anlage mit kleinen Teichen, Wegen und weiten Reisfeldern.

Weiter ging es für unsere Reisegruppe nach Hoa Lu, der antiken Hauptstadt Vietnams aus dem 10. Jahrhundert. Hier besichtigten wir alte Königstempel, umgeben von grünen Bergen.

Direkt am Eingang stand ein Wasserbüffel ruhig da. Und auf der anderen Seite eine kleine Babyziege am Berg. Natürlich blieben wir stehen. Viel zu süß.

Nach einem vietnamesischen Buffet-Mittagessen und netten Gesprächen mit zwei Österreichern, die ebenfalls Urlaub hier machten, ging es zur Verdauung auf eine Fahrradtour.

Wir fuhren durch Reisfelder, vorbei an kleinen Häusern, Wassergräben und lokalen Dörfern. Überall diese gewaltigen Kalksteinberge, die aus der Landschaft ragen. Es fühlte sich ruhig, weit und gleichzeitig lebendig an. Kein Großstadtlärm, nur Natur und ein paar lachende Kinder am Wegesrand. Das war unerwartet eines der Highlights der Tagestour.

Doch danach kam dann Trang An, der Hauptprogrammpunkt. Der Landschsaftskomplex liegt in Nordvietnam nahe Ninh Binh und gehört zum UNESCO-Weltnatur- und -kulturerbe. Die Region ist berühmt für ihre spektakuläre Karstlandschaft mit Kalksteinfelsen, Flüssen, Höhlen und Tempeln.

Mit jeweils vier Personen pro Boot, gerudert von einer einheimischen Frau (ca. 70 Jahre alt), erkundeten wir 2 stundenlang die Gegend.

Langsam glitten wir durch die beeindruckende Karstlandschaft, hinein in dunkle Höhlentunnel, vorbei an heiligen Tempeln, die zwischen Felsen versteckt liegen. Das Wasser spiegelte die Berge, es war fast surreal ruhig.

Unser Boot teilten wir mit zwei deutschen Urlaubern. Zwischendurch halfen wir beim Rudern, um zumindest ein bisschen zu entlasten. Viele Arbeitsplätze hängen hier vom Tourismus ab. Es ist eine harte und körperliche Arbeit, weshalb jede Person nur eine Tour pro Tag rudert.

Die Zeit verging wie im Flug und damit endete unser Trip. Es war ein rundum gelungener Ausflug, geprägt von beeindruckender Natur und einem tollen 24-jährigen Tourguide. Ein Tag, der uns eindrucksvoll gezeigt hat, warum Ninh Binh oft als „trockene Halong-Bucht“ bezeichnet wird.

Zurück in Hanoi waren wir müde, aber hungrig. Eigentlich hatten wir uns ein bestimmtes italienisches Restaurant ausgesucht, doch es war leider ausgebucht. Also entschieden wir uns spontan für eine Alternative und landeten im „Läpis – Mixology & Cuisine“.

Was zunächst nach einem Plan B klang, entpuppte sich als echter Glücksgriff. Kreative Küche, stilvolles Ambiente und eine tolle Atmosphäre machten das Abendessen zu einem hervorragenden Abschluss eines langen Tages.

Im Hotel angekommen wartete dann noch eine Überraschung auf Nico: Girlande, Rosenblätter auf dem Bett und ein kleines Dessert. Eine liebevolle Aufmerksamkeit des Hotels, auch wenn sie einen Tag zu früh dran waren mit seinem Geburtstag.

Da Nang – Meer, Geburtstag & ein Himmel voller Feuerwerk

Nach dem Frühstück in Hanoi ging es für uns weiter Richtung Zentralvietnam.

Da Nang ist die drittgrößte Stadt Vietnams und gilt als moderne Küstenmetropole zwischen Tradition und Aufbruch. Während Hanoi noch laut, historisch und verwinkelt wirkt, empfängt einen Da Nang deutlich strukturierter, breiter, luftiger. Hochhäuser treffen hier auf kilometerlange Sandstrände. Die Stadt liegt strategisch perfekt zwischen dem alten Kaiserzentrum Huế und der charmanten Altstadt von Hoi An und ist deshalb für viele der ideale Ausgangspunkt.

Nach dem Einchecken zog es uns direkt ans Meer. Unser Hotel lag gegenüber vom bekannten My Khe Beach, einem der beliebtesten Strände Vietnams. Weicher Sand, breite Promenade, Palmen und ein erstaunlich sauberes, ruhiges Meer. Nach dem quirligen Hanoi fühlte sich das fast meditativ an.

Abends durfte Nico sich natürlich sein Lieblingsessen aussuchen – Burger. Also ging es für uns in die Innenstadt zu Chops Burger (absolute Empfehlung!). Saftige Burger, gute Atmosphäre und genau das Richtige für einen Geburtstagsabend.

Danach wechselten wir in die Sky Bar unseres Hotels. Oben angekommen bot sich uns ein großartiger Blick: auf der einen Seite die funkelnde Skyline von Da Nang, auf der anderen das dunkle Meer mit dem leisen Rauschen der Wellen.

Und dann kam das Highlight des Abends.

Es war Tết, das vietnamesische Neujahrsfest (= chinesisches Neujahr). Punkt 12 begann ein spektakuläres Feuerwerk über der Stadt. Minutenlang erhellten bunte Explosionen den Himmel, spiegelten sich im Meer und tauchten die Hochhäuser in flackerndes Licht. Laut, intensiv und beeindruckend.

Ba Na Hills im Nebel

Am dritten Tag stand ein Ausflug zu den berühmten Ba Na Hills auf dem Plan. Das Bergresort liegt auf knapp 1.500 Metern Höhe und ist vor allem für das Größtes Seilbahn-System (>20 km) der Welt und die ikonische „Golden Bridge“ mit den riesigen steinernen Händen bekannt.

Leider zog pünktlich zu unserem Besuch Regen auf. Schon während der Fahrt mit der 6 km langen Seilbahn sahen wir: nichts. Nebel. Dichte Wolken. Keine Aussicht.

Oben angekommen war es trotz des Wetters erstaunlich voll. Menschenmassen schoben sich durch das nachgebaute französische Bergdorf, doch von Panorama oder Weitblick keine Spur. Man merkte, wie viel Potenzial dieser Ort bei gutem Wetter haben muss. Aber an diesem Tag war es einfach schade.

So ist Reisen eben manchmal. Nicht jeder Tag ist perfekt.

Abends ließen wir den Tag entspannter ausklingen: Abendessen in der Stadt, danach wieder ein Drink in der Hotelbar.

Während wir auf unser Essen warteten, kamen wir mit einem netten Ehepaar aus Australien ins Gespräch. Schnell ging es um Reisen, Fußball und die unterschiedlichen Lebensstile zweier Generationen. Wir – mitten im Abenteuer Peking, voller Pläne und Fernweh. Und sie – bereits im Ruhestand, lebend in einer Gated Community in Australien, mit unzähligen Reisen und Geschichten im Gepäck.

Solche zufälligen Begegnungen sind oft die schönsten und gaben dem Abend einen besonders stimmigen Abschluss.

Damit endet der erste Teil unserer Vietnam-Reise.

Vom quirligen Hanoi über die beeindruckenden Landschaften rund um Ninh Binh bis hin zur Küstenstadt Da Nang. Der Norden und der erste Teil in der Mitte des Landes haben uns bereits unglaublich viele Eindrücke geschenkt: Geschichte, Natur, Tradition und Strand.

Doch unsere Reise ist noch nicht vorbei.

Im nächsten Teil führt uns unsere Reise zunächst ins charmante Hoi An in Zentralvietnam, bevor wir weiter in den Süden nach Ho Chi Minh City und schließlich auf die Insel Phu Quoc reisen. Dort erwartet uns noch einmal eine ganz andere Dynamik, ein anderes Klima und eine neue Energie.

Mehr dazu dann nächsten Montag.

Chinesisches Neujahrsfest

Aktuell zeigt sich Peking von seiner festlichsten Seite. Rote Laternen hängen über den Straßen, bunte Banner wehen im Wind und goldene Schriftzeichen leuchten aus jedem Schaufenster. Überall spürt man die Vorfreude auf das chinesische Neujahr, die Stadt wirkt lebendig, bunt und irgendwie magisch. Es ist beeindruckend zu sehen, wie viel Liebe zum Detail in die Dekorationen fließt und wie sehr Tradition, Familie und Glück hier gefeiert werden.

Was ist das chinesische Neujahr?

Das chinesische Neujahr, auch Frühlingsfest genannt, ist das wichtigste Fest in China. Es markiert den Beginn des neuen Mondjahres und dreht sich vor allem um Familie und Tradition. Anders als beim westlichen Jahreswechsel kommt es weniger auf das Datum, sondern auf Rituale und gemeinsame Zeit an: Familien essen zusammen, lösen alte Konflikte und wünschen einander Glück und Gesundheit. Feuerwerke, rote Dekorationen und Glückssymbole begleiten das Fest und sollen das neue Jahr mit Freude und Wohlstand füllen.

Wann findet Chinese New Year statt?

Das chinesische Neujahr richtet sich nicht nach dem gregorianischen Kalender, sondern nach dem traditionellen Lunisolarkalender. Deshalb fällt das Datum jedes Jahr anders, meistens irgendwo zwischen Ende Januar und Mitte Februar.

„Lunisolar“ bedeutet, dass sowohl der Mond als auch die Sonne in die Zeitrechnung einbezogen werden. Ein Monat beginnt immer mit einem Neumond. Da ein Mondmonat etwa 29,5 Tage dauert, ergeben zwölf Mondmonate nur rund 354 Tage – also etwa elf Tage weniger als ein Sonnenjahr.

Damit das Neujahrsfest trotzdem im Frühling bleibt und mit den Jahreszeiten übereinstimmt (was historisch für die Landwirtschaft entscheidend war), wird etwa alle zwei bis drei Jahre ein Schaltmonat eingefügt.

Das chinesische Neujahr beginnt immer mit dem zweiten Neumond nach der Wintersonnenwende (nach dem 21. Dezember). Deshalb liegt das Datum jedes Jahr zwischen dem 21. Januar und dem 20. Februar.

Diese Berechnung basiert auf präzisen astronomischen Beobachtungen:

der exakten Bestimmung von Neumonden der Position der Sonne auf ihrer jährlichen Bahn den sogenannten 24 Sonnenperioden, einer traditionellen Einteilung des Sonnenjahres, die für Aussaat und Ernte wichtig war

Es handelt sich also nicht um eine symbolische Festlegung, sondern um ein jahrtausendealtes, mathematisch-astronomisches Kalendersystem.

Feiertage in China – warum eine ganze Woche?

In China ist es üblich, dass Feiertage nicht nur an einem einzelnen Tag gefeiert werden. Rund um die Feiertage geben die Behörden oft zusätzliche Tage frei, sodass die Menschen nicht nur am eigentlichen Festtag, sondern auch schon ein oder zwei Tage davor und danach Zeit haben. So entsteht praktisch eine ganze Ferienwoche, die Millionen Chines:innen nutzen, um zu ihren Familien zu reisen. Dieses Jahr sind es insgesamt 9 frei Tage vom 15 bis zum 23. Februar. Aber um diesen langen Arbeitsausfall auszugleichen gibt es von der Regierung vorgeschriebene Arbeitstage am Wochenende über das Jahr verteilt (2026 insgesamt 6 Tage).

Für viele ist diese Zeit besonders wichtig, weil der gesetzliche Jahresurlaub relativ gering. Die Neujahrsferien werden daher für viele zur einzigen Gelegenheit, längere Strecken zu reisen und Zeit mit der Familie zu verbringen.

Diese massive Bewegung prägt den Alltag in China spürbar: Bahnhöfe, Flughäfen und Straßen sind vollgestopft, während viele Großstädte vorübergehend ruhiger wirken, weil die Bewohner wegfahren. Gleichzeitig boomt der Konsum: Geschäfte, Restaurants und Märkte sind voller Menschen, die Geschenke kaufen, Dekorationen besorgen oder Festessen planen. So wird das chinesische Neujahrsfest nicht nur zum familären Höhepunkt, sondern beeinflusst Wirtschaft, Infrastruktur und das tägliche Leben im ganzen Land.

Wie wird das chinesische Neujahr gefeiert?

Das chinesische Neujahr ist ein Fest voller Farben, Rituale, gemeinsamer Momente und die Vorfreude beginnt schon Wochen vorher. Die Menschen bereiten ihre Häuser sorgfältig vor: Fenster und Türen werden geputzt, rote Dekorationen aufgehängt, Glückssymbole angebracht, um das neue Jahr willkommen zu heißen und das alte Unglück zu vertreiben.

Der Vorabend des Neujahrs (Chúxī) ist der wichtigste Moment für viele Familien. Es gibt ein großes Festessen, das sogenannte Reunion Dinner, bei dem die ganze Familie zusammenkommt. Dazu reisen oft Menschen über weite Strecken, um rechtzeitig dabei zu sein. Dieses Essen gilt als zentraler Moment des Festes, denn es symbolisiert Zusammenhalt, Glück und Wohlstand.

Am ersten Tag des Neujahrs werden frühmorgens die älteren Familienmitglieder geehrt, Kinder erhalten oft rote Umschläge mit Geld als Glücksbringer, und viele Menschen besuchen Tempel, um für Gesundheit, Glück und Erfolg zu beten. Überall in der Stadt und auf dem Land gibt es Feuerwerke, öffentliche Veranstaltungen, Drachen- und Löwentänze, die die Straßen in ein lebendiges Spektakel aus Licht, Musik und Bewegung verwandeln.

In den Tagen danach halten sich viele an weitere Traditionen: Es werden Besuche bei Verwandten und Freunden gemacht, Glücks- und Segenswünsche ausgetauscht, und es gibt kleinere Festessen oder Snacks, die je nach Region unterschiedlich sind. Die Feierlichkeiten verbinden so Familie, Religion, Kultur und gemeinsames Vergnügen auf einzigartige Weise und machen das chinesische Neujahr zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Essen zum chinesischen Neujahr & seine Symbolik 🍜

Auch das Essen spielt eine zentrale Rolle, denn die Speisen sind weit mehr als nur Nahrung – sie sind Symbole für Glück, Wohlstand und ein gutes neues Jahr. Schon beim großen Familienessen am Vorabend, dem Reunion Dinner, geht es darum, Zusammenhalt und Harmonie zu feiern.

Vorabend – Chúxī (Reunion Dinner)

Der Abend vor dem Neujahr ist das wichtigste Familienessen des Jahres. Typische Gerichte sind:

Dumplings (Jiaozi): Symbol für Reichtum und Wohlstand, besonders in Nordchina sehr beliebt.

Fisch: Wird ganz serviert für Überfluss und Glück.

Huhn oder Ente: Steht für Familienzusammenhalt und Vollkommenheit.

Klebreisgerichte (Nian Gao): Süßspeisen für Harmonie und ein gutes Jahr.

Gemüse, Pilze und andere Beilagen: Jede Zutat kann symbolische Bedeutung haben, z. B. Glück, Gesundheit oder langes Leben.

Neujahrstag – 1. Tag des neuen Jahres

Am eigentlichen Neujahrstag ist das Essen oft etwas leichter, aber immer noch symbolträchtig:

Lange Nudeln: Stehen für ein langes Leben.

Frühlingsrollen: Werden oft zum Frühstück oder Brunch gegessen, sie symbolisieren Wohlstand.

Süßspeisen: Für Freude und Glück im neuen Jahr.

Fisch und kleine Fleischgerichte: Oft in Kombination mit Reis oder regionalen Spezialitäten.

Jedes Gericht erzählt also eine kleine Geschichte und drückt Wünsche für die Zukunft aus. Das Essen wird so zum Mittel, um Glück, Wohlstand und familiäre Verbundenheit zu teilen und ist damit ein Herzstück des chinesischen Neujahrsfestes. Wer an diesem Abend den Tisch mit symbolträchtigen Speisen deckt, wünscht sich nicht nur ein leckeres Mahl, sondern auch ein glückliches, erfolgreiches neues Jahr.

Symbole & Aberglaube

Ein weiteres zentrales Element des chinesischen Neujahrs sind rote Umschläge, die sogenannten Hóngbāo. Diese kleinen Umschläge enthalten meist Geldgeschenke und werden vor allem an Kinder, Jugendliche oder jüngere Familienmitglieder verteilt. Sie sollen Glück, Schutz und Wohlstand ins neue Jahr bringen.

Die Farbe Rot spielt dabei eine herausragende Rolle: Rote Laternen, Banner und Schriftzeichen schmücken Häuser, Straßen und Geschäfte. Rot symbolisiert Glück, Freude und Schutz vor bösen Geistern. Viele Familien hängen zudem Schriftzeichen wie „福“ (Fú, „Glück“) an Türen oder Fenster, manchmal auch verkehrt herum, denn das chinesische Wort für „umgedreht“ klingt wie „das Glück kommt an“.

Neben Farben und Geschenken spielt im Alltag auch Aberglaube eine große Rolle. Laut traditionellem Volksglauben gibt es an Neujahr einige Dinge, die man vermeiden sollte, um Unglück oder Pech zu verhindern:

Nicht putzen oder Müll wegwerfen: Sonst könnte man symbolisch das Glück „hinauskehren“. Nicht streiten oder böse Worte sprechen: Streit am ersten Tag bringt Unglück für das ganze Jahr. Keine zerbrochenen Gegenstände: Glas oder Porzellan zerbrechen gilt als schlechtes Omen. Nicht schneiden der Haare oder Nägel: Es soll das Abtrennen von Glück symbolisieren. Glückszahlen beachten: Zahlen wie 8 oder 6 gelten als positiv, während die 4 gemieden wird, da sie ähnlich klingt wie „Tod“.

Diese Regeln zeigen, wie eng Glaube, Symbolik und Alltag im chinesischen Neujahr miteinander verbunden sind. Alles – von roten Umschlägen über Dekorationen bis zu kleinen Ritualen – dient dazu, Glück und Schutz ins Haus zu holen und das neue Jahr positiv zu beginnen

Die Tierkreiszeichen – jedes Jahr ein Tier

Im chinesischen Kalender ist jedes Jahr einem von 12 Tieren zugeordnet, die gemeinsam den chinesischen Tierkreis bilden.  In der traditionellen Bezeichnung nennt man sie Erdzweige.

Jedes Tier steht für bestimmte Charaktereigenschaften, Glück und Symbolik:

Ratte – schlau, einfallsreich, geschickt; symbolisiert Intelligenz und Wohlstand.

Büffel (Ochse) – fleißig, zuverlässig, ausdauernd; steht für Geduld und Stabilität.

Tiger – mutig, dynamisch, energisch; Symbol für Stärke und Abenteuerlust.

Hase (Kaninchen) – sanft, freundlich, diplomatisch; Glück und Frieden.

Drache – kraftvoll, selbstbewusst, charismatisch; Symbol für Glück, Macht und Erfolg.

Schlange – weise, elegant, intuitiv; steht für Klugheit und Geheimnisvolles.

Pferd – freiheitsliebend, lebhaft, energiegeladen; Symbol für Beweglichkeit, Tatkraft und Erfolg.

Ziege (Schaf) – freundlich, kreativ, sanft; steht für Harmonie, Schönheit und Glück.

Affe – clever, witzig, anpassungsfähig; Symbol für Intelligenz und Abenteuerlust.

Hahn – aufmerksam, fleißig, mutig; steht für Ehrlichkeit, Pünktlichkeit und Schutz.

Hund – loyal, ehrlich, treu; Symbol für Vertrauen und Schutz.

Schwein – großzügig, freundlich, gutmütig; steht für Reichtum, Glück und Wohlstand.

Die Zuordnung erfolgt nach dem Geburtsjahr: Wer in einem bestimmten Jahr geboren wurde, übernimmt die Eigenschaften des entsprechenden Tieres.

Mehr als nur Tiere: Himmelsstämme und Elemente

Was viele nicht wissen: Ein chinesisches Jahr besteht nicht nur aus einem Tier. Jedes Jahr kombiniert ein Tier mit einem der fünf Elemente. Diese Elemente nennt man traditionell Himmelsstämme.

Es gibt fünf Elemente:

Holz

Feuer

Erde

Metall

Wasser

Jedes Element tritt in einer Yin- und einer Yang-Variante auf. Dadurch entstehen insgesamt 10 Himmelsstämme.

Die Kombination aus

10 Himmelsstämmen (Elemente mit Yin/Yang) 12 Erdzweigen (Tiere)

ergibt einen 60-Jahre-Zyklus, da sich beide Reihen erst nach 60 Kombinationen wiederholen.

Deshalb gibt es nicht nur ein „Pferdejahr“, sondern zum Beispiel:

Holz-Pferd, Feuer-Pferd, Erde-Pferd, Metall-Pferd oder Wasser-Pferd.

Ein bestimmtes Element-Tier-Jahr – wie etwa das Feuer-Pferd – tritt nur alle 60 Jahre auf.

Dieses System wurde bereits vor über 2000 Jahren genutzt und diente zur Datierung von Jahren, Monaten, Tagen und sogar Stunden. Es war Teil der offiziellen Zeitrechnung und wurde von kaiserlichen Astronomen überwacht.

Das Jahr des Pferdes 2026

Das Pferd ist eines der beliebtesten Tierkreiszeichen, besonders weil es Tatkraft, Beweglichkeit und Lebensfreude symbolisiert. Menschen, die im Jahr des Pferdes geboren wurden, gelten als lebhaft, unabhängig und abenteuerlustig.

Während des Jahres des Pferdes findet man das Motiv überall: Dekorationen, Souvenirs, Kleidung, Anhänger – vom kleinen Glücksbringer bis zu aufwendigen Drachentänzen mit Pferdemotiven. Wer durch die Straßen Pekings geht oder einen Markt besucht, merkt sofort, dass das Pferd allgegenwärtig ist. Es prägt Farben, Muster und Symbole des Jahres und erinnert die Menschen daran, welche Eigenschaften in diesem Jahr besonders geschätzt werden: Energie, Mut und Freiheit.

Kommt zusätzlich das Element Feuer hinzu, verstärkt das die typischen Eigenschaften des Pferdes noch einmal. Feuer steht in der chinesischen Philosophie für Leidenschaft, Intensität, Charisma, Energie und manchmal auch Impulsivität. Ein Feuer-Pferd-Jahr gilt deshalb als besonders dynamisch und kraftvoll.

Das letzte Feuer-Pferd-Jahr war 1966.

In Teilen Chinas, besonders aber in Japan, existierte der Volksglaube, dass im Jahr des Feuer-Pferdes geborene Mädchen besonders temperamentvoll, dominant und schwer kontrollierbar würden. Man fürchtete, sie könnten später ihren Ehemännern Unglück bringen.

Dieser Aberglaube hatte reale Auswirkungen: 1966 sank die Geburtenrate in Japan deutlich messbar, da viele Paare bewusst versuchten, eine Geburt in diesem Jahr zu vermeiden. Erst im darauffolgenden Jahr stiegen die Zahlen wieder an.

Heute wird das Feuer-Pferd deutlich positiver gesehen – eher als Symbol für außergewöhnliche Energie, Durchsetzungsstärke und Unabhängigkeit.

Chinesische Sternzeichen – was ist der Unterschied?

Während die westlichen Sternzeichen auf dem Geburtsmonat und -tag basieren, richtet sich der chinesische Tierkreis nach dem Geburtsjahr. Jedes Jahr ist einem von 12 Tieren zugeordnet, die bestimmte Charaktereigenschaften und Glückssymbole repräsentieren.

Im Alltag spielen diese Tierzeichen oft eine Rolle bei Horoskopen, Partnerwahl, Glücksbräuchen oder Dekorationen. Viele Chines:innen nutzen sie, um Persönlichkeit, Karriere oder Beziehungen einzuschätzen – ähnlich wie westliche Sternzeichen, nur stärker kulturell und jahrgangsbezogen verankert.

Hier sind die Tierzeichen und Himmelsstämme für einige Geburtsdaten:

Mai/Juli 1972 – Wasser-Ratte 🌊🐀 (Yang) – Intelligente, anpassungsfähige Persönlichkeit, clever und kontaktfreudig

Feb.1948 – Erde-Ratte 🌎🐀 (Yang) – Praktische, kluge Persönlichkeit, gut organisiert und verantwortungsbewusst

Okt. 1950 – Metall-Tiger ⚙️🐅 (Yang) – Starker, unabhängiger Charakter mit Fokus und Durchsetzungskraft

Jan. 1932 – Metall-Pferd ⚙️🐎 (Yang) – Kraftvolle Persönlichkeit, aktiv, energiegeladen, ehrgeizig

Okt. 1969 – Erde-Hahn 🌎🐓 (Yin) – Konzentrierte, fleißige Persönlichkeit, treu und verantwortungsbewusst

Dez. 1967 – Feuer-Ziege 🔥🐐 (Yin) – Kreativ und warmherzig, mit viel Energie und Leidenschaft

Dez. 1939 & Dez. 1999 – Erde-Hase 🌎🐇 (Yin) – harmonische, bodenständige Persönlichkeit, freundlich, ausdauernd, gut organisiert

April 1946 & März 2006 – Feuer-Hund 🔥🐕 (Yang) – leidenschaftlich, aktiv, beschützend, mit starkem Durchsetzungswillen

April 1942 – Wasser-Pferd 🌊🐎 (Yang) – Lebhafte, energiegeladene Persönlichkeit, charmant und kreativ

Nov. 1995 – Holz-Schwein🪵🐷 ( Yin) – großzügig, freundlich, optimistisch, kreative Energie

Feb. 1998 -Erde-Tiger 🌎🐅 (Yang) – kraftvoller, entschlossener Charakter, standfest und mutig

Feb. 2000 – Metall-Drache ⚙️🐲 (Yang) – mächtige, selbstbewusste Persönlichkeit, klar in Zielen und Handlungen

Besonders harmonisch gelten Verbindungen zwischen Zeichen, die im Tierkreis-Kreis nebeneinanderliegen oder in sogenannten harmonischen Dreiergruppen stehen. Weniger günstig hingegen sind Konstellationen, die sich im Kreis direkt gegenüberliegen oder in Spannung zueinander stehen. Auch wenn viele Menschen dies heute eher spielerisch betrachten, haben diese Zuordnungen bis heute Einfluss auf Partnerwahl, Hochzeitsdaten und persönliche Entscheidungen.

Gerade rund um das Frühlingsfest wird deutlich, wie tief diese Symbolik kulturell verankert ist und welche Bedeutung der Tierkreis im chinesischen Alltag noch immer hat. Es ist ein Fest mit vielen Traditionen, die bis heute gerne gelebt werden.

Eine ganz normale Alltagswoche

Dieses Mal war es eine ganz typische Alltagswoche hier in Peking: ein paar Erledigungen, ein paar Treffen und zwischendurch auch mal Zeit nur für mich/uns. Veranstaltungen der Patengruppe oder Frühstücksgruppe standen diesmal nicht auf meinem Plan. Gerade deshalb fühlten sich die einzelnen Tage sehr leicht an. Es waren keine großen Programmpunkte. Dafür aber wieder mehr Raum, um Chinesisch zu lernen, Organisatorisches zu klären und Dinge zu erledigen, die hier sonst schnell untergehen.

So begann die Woche ganz entspannt. Nachdem ich den Blog veröffentlicht hatte, traf ich mich mit zwei Freundinnen zu einer Fußmassage. Das klingt vielleicht nach Luxus, gehört hier aber für viele ganz selbstverständlich zum Alltag. Gerade weil man viel zu Fuß unterwegs ist und solche Massagen in Peking unkompliziert, schnell und erschwinglich sind. Viele machen dies in ihrer Mittagspause, was man auch deutlich merkte, denn um 12 Uhr war nahezu jeder Raum belegt.

Anschließend wagte ich mich zum ersten Mal an Malatang, ein Gericht aus der Sichuan-Küche. Dabei handelt es sich um ein sehr beliebtes chinesisches Alltagsgericht, bei dem man sich seine Suppe selbst zusammenstellt. In großen Kühlregalen werden frische Zutaten angeboten: Gemüse, Pilze, Tofu, Nudeln, Fleisch und vieles mehr. Mit einer Zange bedient man sich an den Lebensmitteln, die man möchte, und stellt sich so seine persönliche Mischung zusammen. Dann überreicht man seine Schüssel dem Personal. Die Zutaten werden gewogen, der Preis berechnet und man wird nach der gewünschten Zubereitung gefragt. Zur Auswahl stehen meist eine scharfe oder eine würzige Brühe. Mit einer Bestellnummer nimmt man dann Platz und wartet, bis die Suppe frisch zubereitet wird. Malatang ist weniger ein „Restaurantbesuch“ im klassischen Sinne, sondern vielmehr ein unkompliziertes, schnelles Essen, das viele hier ganz selbstverständlich in ihren Alltag integrieren. Beim ersten Mal ist das Auge meist größer als der Magen – doch genau das gehört dazu. Man sollte ruhig mutig sein und vieles ausprobieren. Für mich war es spannend, dieses System einmal selbst zu erleben, und vor allem: Es hat mir richtig gut geschmeckt.

Im Anschluss erledigten wir noch ein paar Einkäufe und gingen gemeinsam ins Nagelstudio. Am Ende war es einfach ein schöner Mädelsnachmittag: gemeinsam unterwegs sein, Dinge erledigen, Neues ausprobieren und zwischendurch Zeit für Gespräche haben.

Zwischendurch gab es auch ganz spontane Treffen, ohne Anlass, ohne Plan, einfach weil man sich sehen wollte. An einem Vormittag war ich mit Freunden essen, haben geredet, gelacht und gemerkt, wie schnell die Zeit vergeht, wenn Gespräche gut tun. Danach bin ich zu Fuß nach Hause gelaufen ca. eine Stunde lang. Genau diese Wege mag ich besonders, weil man dabei so viel vom echten Alltag mitbekommt: Rentner, die abends gemeinsam Sport im Park machen, Kinder, die laut singend durch die Gegend ziehen, ein Mechaniker, der ganz selbstverständlich mitten auf der Straße an einem Roller schraubt. Zwischendurch bin ich durch zwei Parks gelaufen, ruhig, grün, fast schon entschleunigend.

Auch Bewegung hatte in diesen Tagen ihren Platz. Ein Vormittag auf dem Eis brachte echtes Kindheitsgefühl zurück. Zwar fanden wir draußen keine Eisfläche, auf der Schlittschuhlaufen erlaubt gewesen wäre, aber die Eisbahn im Einkaufszentrum machte das mehr als wett. Irgendwie typisch Peking: selbst Wintersport findet hier zwischen Rolltreppen und Cafés statt.

Am Freitagmorgen ging es gesellig weiter: Frühstück mit Freunden. Jeder brachte eine Kleinigkeit mit, wir saßen zusammen, redeten, tranken Kaffee und starteten langsam in den Tag. Kein Programm, kein Zeitdruck, sondern einfach Zusammensein.

Ein Stück Zuhause

Eine Kleinigkeit, die uns viel bedeutet hat diese Woche, hat auch wieder Platz in unserem Leben gefunden. Ich wagte mich abends an selbstgemachten Flammkuchenteig und er ist richtig gut gelungen. Mit der Backmatte, dem typisch chinesischen Holzausroller und etwas Geschick, ließ sich der Teig super einfach ausrollen. Der Duft aus dem Ofen und der erste Bissen fühlten sich sofort vertraut an.

Nico war genauso begeistert, dass er noch am selben Abend einen elektrischen Pizzaofen bestellte. Knusprig, heiß und genau so, wie wir ihn mögen. Unser kleines Flammkuchen-Ritual hat damit nun auch in Peking seinen festen Platz gefunden.

ZDF-Filmabend

Ein echtes Highlight der Woche war der Donnerstagabend. Nico und ich machten uns nach seiner Arbeit auf den Weg zur Deutschen Schule. Dort fand ab 19:30 Uhr in der Aula der DSP ein ZDF-Filmabend statt. Organisiert wurde der Abend vom ZDF-Studio Ostasien, das seinen Sitz ebenfalls in Peking hat.

Mit dabei waren die beiden ZDF-Ostasienkorrespondentinnen Elisabeth Schmidt und Miriam Steimer sowie Jannis Vieting als Kameramann. Gemeinsam gaben sie einen sehr offenen und spannenden Einblick in ihre Arbeit vor und hinter der Kamera. Man kennt ihre Beiträge aus den „ZDFheute“-Nachrichten, dem „auslandsjournal“, dem „MoMa“ oder auch aus „logo!“, aber an diesem Abend ging es darum zu zeigen, wie diese Beiträge überhaupt entstehen.

Gezeigt wurden Ausschnitte aus aktuellen Nachrichtenbeiträgen, Magazinformaten und Dokumentationen. Dazwischen erzählte das Team von Drehreisen, besonderen Begegnungen, organisatorischen Herausforderungen und auch von den schönen Momenten, die dieser Beruf mit sich bringt. Gerade hier in Ostasien ist journalistische Arbeit oft mit besonderen Hürden verbunden. Umso spannender war es, einmal aus erster Hand zu hören, wie der Alltag eines Auslandskorrespondenten tatsächlich aussieht.

Besonders schön fanden wir die nahbare und persönliche Atmosphäre des Abend. Es blieb viel Raum für Fragen aus dem Publikum und für einen echten Austausch. Für uns war es ein sehr interessanter Abend, der noch einmal gezeigt hat, wie viel Arbeit, Vorbereitung und Leidenschaft hinter den kurzen Beiträgen steckt, die man sonst ganz selbstverständlich im Fernsehen sieht.

Rückblickend war diese Woche vielleicht nicht spektakulär, denn es ist eben kein Urlaub, sondern zunehmend unser Alltag hier in Peking. Gerade das fühlt sich im Moment sehr stimmig an. Es war einfach schön, noch einmal viele Menschen zu sehen, bevor für einige spätestens Ende nächster Woche die Reisezeit beginnt.

Zum chinesischen Neujahr 2026 (Frühlingsfest) erwarten die chinesischen Behörden erneut eine Rekord-Reisewelle. Diese Zeit wird Chunyun genannt und gilt als die größte saisonale Massenmigration der Welt. Anders als ein einzelner Feiertag ist die Frühlingsfest-Reisesaison ein langes Reise- und Pendelfenster: Millionen Chinesinnen und Chinesen kehren vom Arbeitsort in ihre Heimatregionen zurück, um das Neujahr mit ihren Familien zu verbringen.

Für die rund 40-tägige Reisesaison, die etwa von Anfang Februar bis Mitte März 2026 dauert, werden rund 9,5 Milliarden Passagierreisen erwartet. In dieser Zahl sind alle überregionalen Reisen innerhalb Chinas enthalten: mit Bahn, Flugzeug, Bus, Auto oder Schiff. Einzelne Personen werden dabei mehrfach gezählt, wenn sie mehrmals unterwegs sind.

Für mich stehen in der kommenden Woche noch zwei größere Termine an: eine Wanderung und der Frühstückstreff. Und am Samstag starten dann auch wir in den Urlaub. Ab Sonntag beginnt hier in China dann offiziell die Frühlingsfest-Woche – eine Zeit, in der sich die Stadt spürbar verändert, ruhiger wird und gleichzeitig voller Bewegung ist.

Dazu dann mehr im nächsten Beitrag 🙂

Winterzauber in einer Großstadt

Der Winter in Peking zeigt sich oft von einer Seite, mit der man in einer Megacity nicht unbedingt rechnet. Zwischen gefrorenen Seen, stillen Naturmomenten außerhalb der Stadt und lebendigen Begegnungen im Alltag entsteht eine besondere Mischung aus Ruhe, Trubel und überraschenden Erlebnissen. Die letzten zwei Wochen waren genau davon geprägt – von Winterabenteuern, gemeinsamen Aktivitäten und vielen kleinen Momenten.

Frozen River Wanderung

In der dritten Januarwoche stand für mich eine ganz besondere Wanderung an, eine die unter Expats als die schönste Winterwanderung rund um Peking gilt. Organisiert wurde sie von der Patengruppe der Deutschen Botschaftsschule.

Um 8 Uhr morgens machten wir uns gemeinsam mit einem großen Bus auf den Weg in den Miyun District, etwa 95 Kilometer nordöstlich von Pekings Innenstadt. Ziel war der Baihe Canyon, ein beeindruckendes Naturgebiet, das für seine Grand-Canyon-ähnlichen Täler bekannt ist.

Mit einer Gruppe von insgesamt 17 Personen erkundeten wir diesen außergewöhnlichen Ort. Im Winter verwandelt sich der Baihe Canyon in eine fast magische Landschaft: Der Fluss ist komplett zugefroren, Schnee bedeckt die Umgebung, und die steilen Felswände und Berge wirken in der klaren Winterluft besonders eindrucksvoll. Abseits jeglicher Zivilisation bietet diese Gegend eine unglaubliche Ruhe.

Unsere Wanderung erstreckte sich über etwa 6 Kilometer, größtenteils direkt auf dem zugefrorenen Fluss. Mit Spikes (Steigeisen) an den Füßen ließ es sich erstaunlich gut über das Eis laufen. Anfangs war ich allerdings noch etwas vorsichtig und man muss erst lernen, dem Eis zu vertrauen. Doch bei Temperaturen von bis zu -14 Grad in dieser Woche war der Fluss extrem dick zugefroren. An vielen Stellen konnte man die Eisschichten gut erkennen, was das Vertrauen nach und nach wachsen ließ. Trotzdem zuckte man bei jedem Knacken kurz zusammen, auch wenn man weiß, dass das Eis uns trägt.

Unser Wanderführer Stev ging stets voraus und gab klare Anweisungen, welche Stellen sicher waren und welche man besser meiden sollte. Die Route selbst war größtenteils flach, die größte Herausforderung bestand eindeutig im rutschigen Untergrund. Wanderstöcke und Spikes waren hier definitiv Gold wert.

Trotz der eisigen Kälte wurden wir mit einem strahlend blauen Himmel belohnt, was die Stimmung sofort hob und die Landschaft noch beeindruckender wirken ließ. Die Kombination aus Sonne, Schnee, Eis und den imposanten Felsformationen war einfach atemberaubend.

Unsere Mittagspause machten wir an einem besonders schönen, sonnigen Platz auf großen Steinen, die im Eis eingefroren waren. Eingepackt in warme Kleidung, umgeben von Stille und Natur, fühlte sich dieser Moment fast surreal an.

Diese Winterwanderung war ein absolut außergewöhnliches Erlebnis und etwas, womit ich in Peking niemals gerechnet hätte. Sie hat mir einmal mehr gezeigt, wie vielfältig und überraschend die Natur rund um diese riesige Metropole sein kann besonders im Winter.

Winterspaß auf dem Houhai See mit Käsefondue

Ein weiteres Event, das bei der Patengruppe inzwischen seit mehreren Jahren zur Tradition gehört, ist das Eisradeln auf dem Houhai-See in Peking. Pünktlich um 10 Uhr trafen wir uns, um gemeinsam einen winterlichen Vormittag auf dem zugefrorenen See zu verbringen.

Vor Ort gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich auf dem Eis fortzubewegen: Neben den klassischen Eisfahrrädern mit Kufen kann man auch Stühle oder kleine Delfine ausleihen, die man mit Stöcken anschiebt, sowie elektrisch betriebene Kutschen. Wir hatten großen Spaß daran, die verschiedenen Gefährte auszuprobieren, miteinander zu reden und einfach die besondere Atmosphäre auf dem Eis zu genießen.

Nach dem sportlich-spaßigen Teil ging es weiter zum gemütlichen Teil des Tages. Gemeinsam gingen wir im Café Zarah in den Hutongs Käsefondue essen. Es war genau das Richtige, um sich wieder aufzuwärmen.

Ich entschied mich anschließend, zu Fuß nach Hause zu gehen. So hatte ich die Gelegenheit, die Umgebung noch etwas genauer zu erkunden und mich einfach treiben zu lassen. Auf dem Weg kam ich an vielen kleinen Läden vorbei, entdeckte verschiedene Ecken der Hutongs und genoss es, den Tag ruhig ausklingen zu lassen.

Alltägliche Begegnungen und doch besondere Momente

Für Nico standen einige Abschiede an. Sein Chef, der ihn bereits in Deutschland begleitet und uns letztlich auch nach Peking geholt hat, kehrt nun nach 3 Jahren China wieder zurück. Es gab mehrere Abschiedsrunden, sowohl in der Firma, im kleineren privaten Rahmen und schließlich sogar noch einen letzten gemeinsamen Weg zum Flughafen. Abschiede dieser Art sind emotional, besonders weil unsere gemeinsame Zeit hier leider viel kürzer war, als wir es uns gewünscht hätten. Umso größer ist aber die Hoffnung, dass sich die Wege irgendwann wieder kreuzen.

Auch mein soziales Leben hier hat sich in den letzten Tagen weiter gefüllt. Mit der Frühstücksgruppe, die sich einmal im Monat auch abends trifft, waren wir in einer gemütlichen Runde unterwegs. Wir landeten in der „Alcohol Association“, einer liebevoll eingerichteten Bar, in der wir an diesem Abend fast ganz unter uns waren. Acht Frauen, gute Gespräche und verschiedene Cocktails, unter anderem ein New York Sour, also ein Whisky Sour mit Rotwein, den ich wirklich sehr empfehlen kann. Es war eine schöne Mischung aus bekannten und neuen Gesichtern und wieder einmal dieser offene, unkomplizierte Austausch, den ich hier sehr schätze.

Besonders gefreut hat mich auch, dass sich aus dem Dumpling-Kochkurs erste echte Kontakte ergeben haben. Mit einer neu gewonnenen Bekanntschaft, die ebenfalls hier im Komplex wohnt und aus Peking stammt, verabrede ich mich inzwischen regelmäßig zum morgendlichen Schwimmen mit anschließender Sauna. Es ist schön, jemanden zu haben, mit dem man spontan Sport machen kann und der sich hier auch noch bestens auskennt. Nächste Woche wollen wir gemeinsam frühstücken gehen, und sie möchte mir einige ihrer Lieblingsorte zeigen.

Neben all dem Alltäglichen gab es auch Pflichten: Ich habe mich wieder etwas intensiver mit Steuerthemen beschäftigt und war im Austausch mit meinem ehemaligen Arbeitgeber. Ich bin sehr dankbar, dass ich weiterhin Fortbildungsunterlagen bekomme und fachlich am Ball bleiben kann.

Ganz spontan ergab sich am letzten Wochenende noch ein weiteres Wiedersehen: Nico traf zufällig einen ehemaligen Studienkollegen in der Mensa, der gerade für eine Woche in China war. Kurz entschlossen verabredeten wir uns am Abend vor seiner Abreise und gingen gemeinsam im Beersmith gegenüber essen. Ein schöner, unkomplizierter Abend mit Live-Musik, Gesprächen und dem Gefühl, wie klein die Welt manchmal ist.

Zum Ende der Woche hin wurde es dann etwas ruhiger. Ein Ausflug zu Decathlon und Ikea stand an. Dieser war weniger zum gezielten Einkaufen, sondern mehr zum Schlendern, Reden und Lachen. Trotzdem sind ein paar Dinge für unsere Wohnung mitgekommen: eine Pflanze, neue Kunstblumen, eine Kerze. Kleinigkeiten, die erstaunlich viel verändern. Unsere Wohnung fühlt sich mit jedem Teil ein bisschen mehr nach Zuhause an und ich merke, wie ich innerlich immer mehr ankomme.

Dieses Wochenende verbrachten wir ruhig und ohne viel Stress. Nach vielen Terminen, Abschieden und Begegnungen tut es gut, einfach etwas abzuschalten. Gerade im Winter ist es besonders gemütlich, es sich auf dem Sofa mit einem guten Film oder einer Serie bequem zu machen. Wir schauten erneut Charité, da inzwischen eine neue Staffel erschienen ist. (absolut empfehlenswert)