Heimatsgefühle schaffen

Neue Aufgaben

Am Anfang der Woche stand für mich ein wichtiger Termin an, bei dem es um die zukünftige Organisation der Frühstücksgruppe ging. Die aktuelle Leitung der Frühstücksgruppe kehrt im Januar zurück nach Deutschland, weshalb bereits seit längerem jemand gesucht wurde, der diese Aufgaben übernimmt. Beim letzten Frühstück hatten sich bereits zwei Personen dazu bereit erklärt und ich habe mich ebenfalls gemeldet.

An unserem Treffen in einem Café sammelten wir Ideen und Anregungen für künftige Veranstaltungen. Ich bin froh dass wir es jetzt am Anfang zusammen machen, da ich ja noch nicht so viele Locations hier kenne. Die beiden anderen werden voraussichtlich nur noch ein halbes Jahr bzw. ein Jahr in Peking bleiben. Für mich bedeutet das, dass ich die Gruppe am längsten begleiten werde. Sei es, indem ich die Leitung dann alleine übernehme oder jemand Neues der Interesse hat mit ins Boot hole.

Zu dritt bilden wir jetzt ein gutes Team und können die Aufgaben schön verteilen:

Cafés und Bars raussuchen, ausprobieren, Termine planen und in der WeChat-Gruppe teilen. Wenn möglich, sollte immer einer von uns beim Frühstück oder den „Breakfast goes out“-Events dabei sein. Zweimal pro Monat findet etwas statt, einmal morgens und einmal abends.

Der Aufwand ist überschaubar, aber ich freue mich, mithelfen zu können und Neuankömmlingen eine Möglichkeit zu bieten hier schnell Anschluss zu finden. Mir hat die Gruppe persönlich gut geholfen Kontakte zuknüpfen, deshalb ist es mir wichtig, dass sie weiterbesteht.

Happy Lunch im Büro

Diesen Donnerstag hatte Nico auf der Arbeit „Happy Lunch“. Jeder bringt etwas zu essen aus der Heimat mit und man isst gemeinsam als Team. Wir haben lange überlegt, was er mitbringen könnte, denn uns hätte vieles gefallen z.B. Knödel, Kartoffel-Karotten-Stamp, Fleischkäse etc.. Am Ende entschieden wir uns für Currywurst nach Hendriks Rezept.

Die größte Herausforderung war, die eingelegten Früchte und das richtige Currypulver für die Sauce zu bekommen. Wir haben es dann mit Trockenfrüchten gelöst, die wir in Wasser und Zucker weichgekocht haben. Nach einem Probeessen stand fest: Das wird’s! Und auch die Kollegen fanden es super.

Alle haben unglaublich viel und sehr abwechslungsreiches Essen mitgebracht: Jiaozi, Trauben, Schweineohren, Lamm, selbstbezogener Kürbis und vieles mehr. Am Ende war der Tisch reichlich und bunt gedeckt, voll mit unterschiedlichen Speisen aus verschiedenen Küchen. Gemeinsam zu essen, sich auszutauschen und miteinander zu lachen, machte das Mittagessen für Nico zu einem richtig schönen Moment im Arbeitsalltag.

Ein schöner Abend zu zweit

Um das Wochenende einzuläuten, sind wir am Freitagabend zum berühmten Houhai-See gefahren. Entlang des Wassers reiht sich eine Bar Street mit bunten Lichtern und Neon-Schildern – eine tolle Atmosphäre, nur leider war es etwas kalt und windig.

Da es dort überwiegend Streetfood gibt und kaum Innenbereiche, sind wir fürs Abendessen weitergegangen. Nach längerer vergeblicher Suche, ist mir dann ein Restaurant eingefallen, welches mir vor kurzem empfohlen wurde. Es liegt zufällig ganz in der Nähe des Sees in den angrenzenden Hutongs.

Der Weg führte uns durch eine unbeleuchtete, schmale Gasse, typisch für die besten Restaurants in Hutongs. Am Ende der Gasse erwartete uns ein liebevoll eingerichtetes kleines Restaurant mit einem Puzzle als Schild, was passenderweise auch der Name ist.

Der deutsche Besitzer und seine chinesische Kollegin begrüßten uns herzlich. Es gibt dort viele verschiedene europäische Gerichte. Wir entschieden uns für Flammkuchen, Flank-Steak und Ofenkartoffeln. Dazu gab es vorab Brot und gesalzene Butter in Puzzleform.

Wir hatten tolle Gespräche mit dem Besitzer, der seit fast zehn Jahren in China lebt und vor drei Jahren das Restaurant eröffnet hat. Einmal im Monat macht er außerdem einen Weinabend – den wir uns definitiv vormerken wollen. Es war ein schöner Start ins Wochenende.

Adventszeit in Peking

Diesen Sonntag begann die Adventszeit, für uns eine der stimmungsvollsten Zeiten des Jahres. Für Christen ist es die Vorbereitung auf Weihnachten, die Geburt Jesu Christi. Normalerweise verbinden wir diese Zeit mit Weihnachtsmärkten, Plätzchenbacken, Dekoration und gemeinsamen Stunden mit den Liebsten.

Aber wie fühlt sich der Advent in Peking an?

Da die Mehrheit der chinesischen Bevölkerung nicht religiös ist, ist Weihnachten kein gesetzlicher Feiertag. Nico muss eigentlich normal arbeiten. Nur der 25.12. ist bei Mercedes frei, aber eben nur firmenbedingt und am 26.12 hat er Urlaub eingereicht.

Dennoch versuchen wir hier in Weihnachtsstimmung zu kommen. Und diese Woche gab es einige Momente, die uns dieses Gefühl nähergebracht haben.

Weihnachtsmarkt in der Deutschen Botschaft

Für das Wochenende hatten wir schon vor einem Monat Tickets gekauft für den beliebten Weihnachtsmarkt. Dank des Helferlinks konnten wir sie sogar drei Wochen früher sichern, sonst sind sie über den regulären Verkauf innerhalb weniger Minuten ausverkauft.

Als wir ankamen, waren wir überrascht, wie viele Stände es gab. Zuerst drehten wir eine kleine Runde über den Markt und holten uns dann unseren ersten Glühwein am Siemens-Stand. Anders als gewohnt werden die Stände hier überwiegend von Firmen betrieben, nur einige wenige von Vereinen oder Privatpersonen.

Bei Mercedes bestellten wir unter dem Slogan „Eat the Best or Nothing“ einen Mini-Burger und ein Hotdog. Dann probierten wir an verschiedenen Firmenständen noch Elsässer Flammkuchen und Raclette-Kartoffeln. Wir teilten uns alles so blieb noch Platz für eine Waffel mit Sahne, Schokosauce und Puderzucker.

Neben dem ganzen leckeren Essen hatten wir vor allem richtig schöne Gespräche. Die Stimmung war warm, lebendig und fast so wie auf einem kleinen Weihnachtsmarkt zuhause. Deshalb beschlossen wir spontan, nach dem Markt noch weiterzuziehen. Wir suchten eine Bar aus, die direkt gegenüber von unserem Apartment liegt. Dort spielte eine englische Liveband Klassiker und etwas Rock, was der ganzen Atmosphäre eine richtig gute Energie gegeben hat. Die Stimmung erreichte ihren Höhepunkt, als ab 23 Uhr eine Rugby-Mannschaft dazustieß – laut, fröhlich, ausgelassen.

Um 1 Uhr machte sich Nico noch auf den Weg in die Disco, während ich wegen leichter Kopfschmerzen nach Hause ging. Trotzdem war es ein richtig schöner Abend, mit unvergesslichen Momenten, neuen Kontakten und einem kleinen Stück Weihnachtsgefühl hier in Peking.

Plätzchen backen

Am Sonntag haben wir unsere Weihnachtsplaylist angemacht und Plätzchen gebacken. Einige Zutaten waren schwer zu finden, deshalb haben wir uns dieses Jahr für Kokosmakronen ohne Oblaten, Hildaplätzchen, Vanillekipferl und Spritzgebäck entschieden.

Die Hildaplätzchen gelangen super, Nico stach die kleinen Sterne in der Mitte aus, ich rollte den Teig aus und stach die großen Sterne aus. Gefüllt mit Marmelade und bestäubt mit Puderzucker waren sie unsere ersten fertigen Leckereien.

Weiter ging es mit den Vanillekipferln. Beim Rollen riss der Teig etwas, aber irgendwie hat es mit etwas Mühe geklappt. Sie schmecken nur etwas anders als gewohnt.

Dann begann die Misere: Beim Kneten des Spritzgebäck-Teigs meinte Nico schon, dass er sich komisch anfühlt. Wir hofften, dass es nach dem Kühlen besser wird. Leider nicht, der Teig blieb krümelig und zu hart. Vermutlich lag es an der zweiten Mehlpackung, die wir verwendet hatten, Auch die Kokosmakronen wurden nicht so, wie sie sollten.

Trotzdem haben wir am Ende mehr als genug Plätzchen gehabt, sodass Nico auch noch ein paar mit zur Arbeit nehmen kann für seine Kollegen.

Weihnachtliche Dekoration in der Stadt

Auch wenn die meisten Menschen in China Weihnachten nicht feiern, sind viele Gegenden und Hotels wunderschön geschmückt. Lichter, große Figuren und festliche Installationen tragen für uns ein Stück zur Weihnachtsstimmung bei. Ein ungewohnter, aber schöner Mix aus westlichen Traditionen und chinesischer Interpretation.

In unserem Komplex ist das Motto der Weihnachts-Deko etwas verspielter. Neben der Wunderschön beleuchteten Einfahrt, schmücken niedliche Figuren mit großen Köpfen die Gebäude. Das ist natürlich vor allem für die Kinder ein echtes Highlight.

Auch in unserer Wohnung ist etwas Dekoration eingezogen: eine Lichterkette und zwei Nikolaussocken. Diese werden am 06.12. von uns gegenseitig gefüllt, um ein wenig Kindheits-Weihnachtsgefühl zu erleben.

Fazit: Advent in China – es ist anders, aber besonders.

Die Adventszeit in China fühlt sich anders an: weniger religiös, weniger traditionell, weniger allgegenwärtig. Und doch haben wir viele kleine Wege gefunden, die vertraute Stimmung herzustellen. Mit Rezepten von Zuhause, neuen Eindrücken, besonderen Menschen und Momenten, die uns verbinden.

Vielleicht ist es gerade dieses Mischung aus Fremdem und Vertrautem, die unsere Adventszeit hier besonders macht.

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