Eine Woche voller Begegnungen & Erlebnisse

Cocktail Nacht

Am 23. Oktober traf ich mich mit meinen zwei neuen Freundinnen zum Abendessen und Cocktails trinken. Eine von ihnen schlug ein vegetarisches, chinesisches Restaurant vor, gelegen in den charmanten Gassen der Hutongs.

💡 Hutongs bezeichnen die engen, traditionellen Gassen Nordchinas. Sie bestehen meist aus kleinen Wohnhäusern mit Innenhöfen und prägten lange Zeit das Stadtbild Pekings. In den 1990er Jahren lebte noch fast die Hälfte der Bevölkerung in solchen Vierteln. Heute werden sie durch moderne Bauprojekte immer seltener.

Das Essen war fantastisch, voller Aromen und neuer Geschmäcker. Zum ersten Mal probierte ich Sichuanpfeffer: mäßig scharf, leicht bitter, mit einer zitronigen Note und einer ganz besonderen Wirkung – einem leichten Prickeln auf der Zunge. Anfangs war ich irritiert, weil meine Lippen leicht taub wurden und ich kurz dachte, ich hätte eine allergische Reaktion. Doch meine Begleiterinnen lachten und erklärten mir, dass genau das typisch für Sichuanpeffer ist. Als ich mich daran gewöhnt hatte, fand ich ihn richtig lecker!

Nach dem Essen gingen wir noch in eine kleine Bar in der Nähe, bestellten Cocktails und unterhielten uns ausgelassen über das Leben in Peking, Alltagsgeschichten und lernten uns besser kennen. Ein entspannter, fröhlicher Abend in guter Gesellschaft.

Verabschiedungen

Aktuell ist in Peking nicht nur die Zeit der Ankunft neuer Expats, sondern auch die Zeit der Rückkehr. Viele der langjährigen Expats haben das Ende ihres Vertrages erreicht und ziehen daher wieder zurück in ihre Heimat. Dadurch durften wir in den letzten Wochen an einigen Abschiedsveranstaltungen teilnehmen. Gelegenheiten, für die wir sehr dankbar sind. Solche Abende sind nicht nur gesellige Treffen, sondern eine wunderbare Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und das Netzwerk außerhalb der Arbeit zu erweitern.

Bereits am Freitagabend war Nico nach der Arbeit zu einer Veranstaltung eingeladen. Diese fand in einem mongolischen Restaurant statt, in großen Zelten aufgebaut, mit liebevoll angerichteten Speisen und frisch gezapftem Bier aus der Zapfanlage eines Kollegen. Eine tolle Atmosphäre, bei der die kulturellen Unterschiede charmant miteinander verschmolzen.

Am Samstag waren wir beide auf der privaten Abschiedsfeier eines Freundes in einem Hotelrestaurant eingeladen. Unter den Gäste waren deutschen Expats verschiedener Firmen, chinesischen Kollegen und Freunde. Das Buffet war ein Stück Heimat pur: Ente, Rotkraut, Spätzle, Sauerkraut, Salate, Hähnchen, Fisch, Pommes und als Dessert Schwarzwälder Kirschtorte und Apfelstrudel. Ein kulinarischer Gaumenschmauß!

Dazu gab es frisch gezapftes Bier, Wein, Softdrinks und verschiedene Mischgetränke. Ein besonderes Highlight war der originale, deutsche Schnaps von Prinz, den wir gemeinsam mit Nicos chinesischen Kollegen und seinem Chef tranken.

Es war ein rundum gelungener Abend, an dem wir viele nette Gespräche führten, neue Kontakte knüpften und einmal mehr spürten, wie herzlich und offen die Community hier in Peking ist.

FaceTime Baustellenbesichtigung

Am Dienstag war Nico beruflich im Daimler Tower unterwegs. Der Daimler Tower ist eine Art Büro und Verwaltungsgebäude für die MB-Geschäfte in China. In diesem Tower finden „offiziellere“ Besprechungen und Besprechungen mit „Außenwirkung“ statt. Da für das Team von Nico ein Regierungsaudit bzgl. der TCC-seitigen CO2-Emissionen anstand, wurde dementsprechend der Daimler-Tower als Besprechungsort ausgerufen.

Als er abends nach Hause kam – dieses Mal etwas früher, schon gegen 17 Uhr beschlossen wir, den Feierabend gemütlich einzuläuten. Wir bestellten uns Kaffee, Tee und ein Stück Kuchen.

Doch statt eines typischen Fernsehabends gab es dieses Mal ein ganz besonderes „Abendprogramm“:

Ein Videoanruf von den Kolleginnen und Kollegen aus Untertürkheim!

Per FaceTime durften wir live dabei sein, wie auf der Baustelle, an der Nico mitgeplant hat, eine der neuen Tiefkälteerzeugungsanlagen angeliefert und mithilfe zweier City-Krane centimetergenau durch die Einbringöffnung in den Tiefkeller abgesetzt wurde.

Für Nico war das ein besonders bewegender Moment, schließlich war es sein erstes großes Projekt nach dem Studium, in das er sehr viel Herzblut gesteckt hat. Ihm ging richtig das Herz auf, das Geschehen auch aus der Ferne mitzuerleben und zu sehen, wie sich seine Arbeit nun Stück für Stück verwirklicht.

An dieser Stelle nochmals vielen Dank an Euch, Jana und Gerd, dass ihr an mich gedacht und den Livestream hergestellt habt!

Frühstück goes out

Ich hatte euch ja schon von der Frühstücksgruppe erzählt, die sich einmal im Monat trifft. Sie besteht überwiegend aus deutschen Frauen und Männern und ist einfach eine wunderbare Möglichkeit, gemeinsam Zeit zu verbringen, sich über Erlebnisse und Erfahrungen auszutauschen oder neue Freundschaften zu knüpfen.

Neben dem monatlichen Frühstück gibt es auch einmal im Monat ein Abendtreffen. Diesen Donnerstag war es wieder so weit und wir entschieden uns, gemeinsam in eine Weinbar zu gehen, die SipSiip Bar.

Schon am ersten Abend ist mir die Bar aufgefallen, denn vor dem Eingang liegt ein niedlicher Hase mit einer Weinflasche auf dem Bauch, kaum zu übersehen und wirklich ein süßes Detail.

Das Konzept der Bar ist besonders: All you can drink.

Entlang der Wände stehen Weinflaschen hinter Glasvitrinen, jeweils mit einem kleinen Zapfhahn. Für umgerechnet etwa 9 € kann man zwei Stunden lang so viel Wein probieren, wie man möchte. Ein Glas einzeln kostet rund 5 €, außerdem kann man kleine Snacks bestellen.

Nach dem Bezahlen bekommt man ein Armband, das man an einem Scanner hält. Dann blinkt der Knopf an dem Wein, den man gewählt hat, Glas drunter, Knopf drücken, fertig.

An diesem Abend waren wir neun Leute, die Stimmung war super, die Gespräche ausgelassen. Ich bekam viele tolle Tipps, welche Orte ich mir in Peking unbedingt noch anschauen sollte. Darunter eine Markthalle und ein besonderes Einkaufszentrum. Wir haben direkt Termine ausgemacht, an denen sie mir die Orte zeigen wollen.

Ich freue mich schon riesig darauf und bin einfach dankbar für so viele nette Begegnungen, Offenheit und Hilfsbereitschaft.

Wanderung zur „Wild Hidden Forbidden City

Morgens um 6:30 Uhr klingelte mein Wecker. Bereits am Vorabend hatte ich mein Lunchpaket vorbereitet, sodass ich morgens nur noch Kleinigkeiten erledigen und alles einpacken musste. Zum Frühstück gab es einen Bagel mit selbstgemachtem Avocado-Dip und Gurke, als Snacks Nüsse, einen Müsliriegel und eine Nashi-Birne. Für das Mittagessen bereitete ich einen Couscous-Salat mit Kichererbsen, Tomaten und Gurken vor, dazu zwei Flaschen Wasser und ein Elektrolytgetränk.

Nachdem der Rucksack gepackt war, machte ich mich fertig, putzte die Zähne und ging um 7:15 Uhr los zur U-Bahn-Station, um zum vereinbarten Treffpunkt zu fahren. Es gab zwei Haltestellen, an denen der Bus die Teilnehmenden abholte.

Die Wanderung wurde von der deutschen Patengruppe organisiert.

💡 Deutsche Patengruppe: diese wurde 2003 als ehrenamtliche Initiative von Müttern und Lehrerinnen gegründet und hat sich seitdem zu einer festen Gemeinschaft entwickelt. Sie bietet Neuankömmlingen und alteingesessenen Expats in Peking die Möglichkeit, Stadt und Umgebung kennenzulernen und Erfahrungen auszutauschen.

Nach dem zweiten Stopp fuhren wir etwa zwei Stunden bis zum Startpunkt.

„Unsere Tour beginnt im Dorf Miaofeng / Mentougou. Von dort aus führt uns ein alter Pilgerweg hinauf zum versteckten Qiyin-Tempel „Hidden Forbidden City“.“ So Lautete die Beschreibung der Wanderung, diese sollte rund 8 km lang mit 420 Höhenmetern werden, verteilt auf etwa viereinhalb Stunden.

Die erste Etappe bestand fast ausschließlich aus Aufstieg: 420 Höhenmeter auf nur 2 km. Oben angekommen, bot sich ein großartiger Blick auf den höchsten Berg Pekings, den Lingshan.

Nach einer kurzen Verschnaufpause ging unsere Route weiter. Wir kamen an Feldern vorbei, wo Arbeiter Büsche und Gräser zurückschnitten, um Waldbrände zu vermeiden. Auf unserem Weg durch den Wald, konnte man schon die Dächer unseres Zieles sehen.

Die „Wild Hidden Forbidden City“

Den Namen gab unser Wanderführer dieser beeindruckenden Tempellandschaft, weil die Dächer stark an die der Verbotenen Stadt im Zentrum Pekings erinnern. Der offizielle Namen ist Qiyin- Templ oder auch Nama-Temple. Die Anlage wird nicht genutzt und sie wurde auch nie fertiggestellt.

Das Bauprojekt wurde 2014 plötzlich gestoppt, alle Maschinen, Materialien und Fahrzeuge blieben einfach zurück. Seitdem stehen die acht großen Tempel und einige kleinere Gebäude halbfertig da: Verlassen, aber erstaunlich gut erhalten.

Wir verbrachten dort unsere Mittagspause und nutzten die Gelegenheit uns kennenzulernen. Nach unserem Rast, ging es zwischen den Tempeln einige Treppen hinab. Während wir durch die Anlage spazierten, entdeckten wir viele kleine Details fast so, als wäre die Zeit dort stehen geblieben.

Besonders beeindruckend waren die kunstvollen Verzierungen, die Statuen und die Architektur der Tempel.

Nach einer ausführlichen Erkundung wanderten wir weiter bergab. Zuerst führten gepflegte Treppen hinab, flankiert von Löwenfiguren. Dann wechselte der Weg ständig den Untergrund, von Laub und Sand über Felsen und Kies bis hin zu Asphalt. Es war stellenweise rutschig, also war volle Konzentration gefragt.

Unten angekommen, hatten wir etwa 6,5 km geschafft, somit etwas kürzer als geplant, da wir spontan einen anderen Rückweg genommen habe. Stev ist da sehr flexibel und geht auf die Wünsche der Teilnehmer ein.

Im Bus erwarteten uns Tee, Kaffee und Kekse von der Patengruppe, die perfekte kleine Belohnung nach einem langen Tag.

Mit vielen neuen Eindrücken fuhren wir zurück nach Peking. Gegen 17 Uhr erreichten wir unseren Ausgangspunkt, dann hieß es noch einmal U-Bahn fahren und ab nach Hause ins Apartment.

Es war eine ereignisreiche Woche, geprägt von wunderbaren Abendveranstaltungen und einer ersten, beeindruckenden Wanderung durch die faszinierende Landschaft Chinas

Kommentar verfassen