Unser Fundstück des Monats entstand an einem ganz alltäglichen Abend. Nico und ich waren auf dem Weg zum Restaurant, als wir erneut an einer Szene vorbeikamen, die uns inzwischen immer wieder auffällt: Ein LKW, bis oben hin beladen mit gepresstem Müll, Plastiksäcke, Karton und Verpackungen. All das wird ordentlich gestapelt und fest verschnürt.
Auf den ersten Blick wirkt das Bild fast absurd. Der LKW ist so voll beladen, dass man sich unweigerlich fragt, wie er überhaupt noch fahren kann. Was zunächst chaotisch aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Teil eines erstaunlich gut organisierten Systems der Müllentsorgung in einer Megacity wie Peking.
Seit 2020 gilt in Peking eine verpflichtende Mülltrennung. Haushalte müssen ihren Abfall in verschiedene Kategorien trennen, nach Küchenabfall, Recycling, gefährliche Abfälle und Restmüll. Die farblich gekennzeichneten Tonnen stehen in der Nähe der Wohnhäuser oder an festen Sammelpunkten.
Im Gegensatz zu vielen deutschen Städten werden diese Tonnen jedoch nicht direkt von großen Müllfahrzeugen abgeholt, sondern von kleinen Dreirad- oder Trike-Fahrzeugen eingesammelt. Der Grund dafür liegt vor allem in der Struktur der Stadt: Peking ist extrem dicht bebaut, viele Wohnanlagen bestehen aus engen Zufahrten, Innenhöfen und schmalen Seitenstraßen. Große Müllfahrzeuge könnten diese Bereiche oft gar nicht erreichen. Hinzu kommt der dichte Verkehr, würden klassische Müllwagen jede einzelne Tonne direkt anfahren, würde das System schnell an seine Grenzen stoßen.
Genau deshalb kommen hier die kleinen dreirädrigen Transportfahrzeuge ins Spiel, die man tagsüber überall in der Stadt sieht. Diese Trikes sind wendig, flexibel und passen selbst durch enge Gassen oder Wohnkomplexe. Sie sammeln die Mülltonnen oder deren Inhalt direkt vor Ort ein und transportieren den Abfall zu lokalen Sammelstellen. Diese Dreiräder sind eine entscheidende Zwischeninstanz im System. Sie entlasten die Straßen, reduzieren Verkehrsstaus und ermöglichen es, Müll auch dort abzuholen, wo große Fahrzeuge nicht hinkommen.
An den Sammelstellen wird der Müll gebündelt, teilweise noch einmal vorsortiert und in großen Säcken oder gepressten Ballen vorbereitet. Dabei entstand das Bild, das wir an diesem Abend gesehen haben: große Mengen Abfall, sauber gestapelt und gesichert.
Von diesen Sammelstellen aus übernehmen dann größere Fahrzeuge, wie der LKW auf dem Foto, den Abfall. Der Müll wird von Mitarbeitern (ungesichert) gestapelt und mit Spanngurten befestigt. Dann transportieren sie diesen zu zentralen Entsorgungs- oder Transferstationen bringen. Dort wird der Abfall in spezialisierten Anlagen weiterverarbeitet oder sortiert, bevor er recycelt, verbrannt oder anderweitig behandelt wird. Diese größeren Fahrzeuge fahren nicht quer durch die Innenstadt, weil der Verkehr zu dicht und die Straßen zu eng dafür wären. Sie sammeln dort, wo es organisatorisch sinnvoll ist und zu Zeiten an denen der Verkehr gering ist (Abends/Nachts).
Wie viel Müll entsteht eigentlich?
Die Menge an Müll, die allein in Peking täglich anfällt, ist beeindruckend groß: Durchschnittlich werden rund 20.000 bis 26.000 Tonnen Haushaltsabfall pro Tag gesammelt, das entspricht etwa 1,2 Kilogramm pro Person täglich. Messungen aus Wohngebieten zeigen, dass der reine Haushaltsmüll pro Person sogar nur bei rund 0,2 kg täglich liegt, während andere städtische Quellen (Restaurants, Gewerbe etc.) die Gesamtmenge deutlich erhöhen.
Zum Vergleich: In Deutschland produziert die Bevölkerung pro Kopf etwa 520 Kilogramm Siedlungsabfall pro Jahr also etwa 1,4 kg pro Tag, was im globalen Vergleich ähnlich hoch ist.
Diese Zahlen zeigen, wie stark eine Großstadt wie Peking mit ihren Ressourcenwirtschaftssystemen arbeiten muss, um überhaupt die tägliche Müllmenge bewältigen zu können.
Wenn wir also diese Müllfahrzeuge sehen, dann zeigt das einen Teil einer riesigen, still funktionierenden Struktur: vom einfachen Dreirad vor der Haustür über die Sammelstellen in der Nachbarschaft bis zu den großen LKWs, die am Rand der Stadt ihr Bündel abliefern oder weiterfahren. Müll ist nicht einfach nur „Abfall“, sondern ein sichtbarer Teil des Lebens in einer Megacity und er zeigt, wie viel Infrastruktur nötig ist, damit so ein System funktioniert.
Das Fundstück zeigt, wie das Leben hier organisiert ist, welche Herausforderungen eine Stadt dieser Größe stemmen muss und wie viel logistische Leistung hinter scheinbar einfachen Dingen steckt.
Dieser Blogbeitrag ist aus einer ganz besonderen Einladung entstanden: Unser Apartmentkomplex Kerry, in dem wir hier in Peking wohnen, hat alle Bewohner zu einem gemeinsamen Kochkurs eingeladen. Anlass war das bevorstehende chinesische Neujahrsfest und was könnte dafür passender sein als Jiaozi, die klassischen chinesischen Dumplings.
Gemeinsam mit professionellen Köchen lernten wir in kleinen Gruppen an mehreren Tischen, wie Jiaozi traditionell zubereitet werden. Ziel war es nicht nur ein Gericht zu kochen, sondern sich gemeinsam auf das Neujahrsfest einzustimmen und einen Einblick in eine der wichtigsten kulinarischen Traditionen Chinas zu bekommen.
Jiaozi gehören untrennbar zum chinesischen Neujahr: Sie stehen für Glück, Wohlstand und einen guten Start ins neue Jahr. Gleichzeitig sind sie aber weit mehr als nur ein Festtagsessen. Dumplings sind in China das ganze Jahr über beliebt, als Familienessen, Streetfood oder schnelles Alltagsgericht. Kaum ein Gericht verbindet Tradition, Gemeinschaft und Genuss so sehr wie diese kleinen, gefüllten Teigtaschen.
Der Kochkurs selbst begann um 14 Uhr in der Gemeinschaftsküche auf der fünften Etage unseres Apartmentkomplexes. Es ist ein großer, heller Raum mit einer Küchenzeile und vier kleinen Tischen.
Dort angekommen bekam jeder zunächst eine Schürze, bevor wir uns auf die vier Tische verteilten. Für mich war das Ganze besonders spannend, denn obwohl ich hier schon eine Weile wohne, hatte ich bisher kaum Kontakt zu anderen Bewohnern. Meist blieb es bei einem kurzen Lächeln oder einem „Hallo“ im Aufzug. Entsprechend aufgeregt und voller Vorfreude war ich neue Menschen kennenzulernen.
Zu Beginn versammelten wir uns alle um die großen Küchenzeile, an der uns die Köche den Ablauf erklärten. Besonders beeindruckend war ihre Technik beim Ausrollen des Teigs: In wenigen Sekunden formten sie aus kleinen Teigstücken perfekt runde, gleichmäßig dünne Kreise. Genau dieser Teil stellte sich später auch für mich als größte Herausforderung heraus. Während ich anfangs klassisch mit dem Nudelholz arbeitete, versuchte ich mich auch an der chinesischen Technik – mit mäßigem Erfolg. Aber Übung macht den Meister.
Anschließend zeigten sie uns, wie die Dumplings gefüllt und vor allem richtig verschlossen werden. Genau darin liegt die eigentliche Kunst: Der Teig und die Füllung sind schnell gemacht, aber das Falten entscheidet darüber, ob die Jiaozi später auch halten und gut aussehen.
Danach ging es zurück an unsere Tische. Jeder Arbeitsplatz war gut ausgestattet: eine elektrische Herdplatte, eine Ausrollmatte und zwei kleine Nudelholz-Roller. Wir bekamen zwei verschiedene Teig-Arten, einen klassischen, weißen aus Mehl und Wasser sowie einen grünen, der mit Spinatsaft eingefärbt war. Dazu gab es zwei Füllungen: eine vegetarische Pilzmischung und eine Fleisch-Karotten-Füllung. Schnell einigten wir uns darauf, den grünen Teig vegetarisch zu halten und den weißen für die Fleischfüllung zu nutzen, damit wir sie später gut unterscheiden konnten.
Dann hieß es: ausprobieren, füllen, falten und lachen. Nach und nach kamen die Köche zu den einzelnen Tischen, korrigierten unsere Technik und gaben Tipps. Besonders gefreut hat mich, dass ich am Ende sogar für meine Falttechnik gelobt wurde. An meiner Rolltechnik muss ich definitiv noch arbeiten, aber insgesamt lief es besser als erwartet.
Gekocht wurden die Jiaozi ganz klassisch in Wasser. Sobald sie an die Oberfläche steigen (ähnlich wie bei Knödeln) sind sie fertig. Serviert wurden sie mit Sojasauce, Essig oder Chilisauce, je nach Geschmack.
Mindestens genauso schön wie das Kochen selbst war das Miteinander. An meinem Tisch saßen eine Chinesin, eine Koreanerin, eine Inderin, eine Türkin und ich – die gemeinsame Sprache war Englisch. Wir kamen schnell ins Gespräch, tauschten uns über unser Leben in Peking aus und vernetzten uns direkt über WeChat. Noch am selben Abend ging ich sogar mit einer der Teilnehmerinnen schwimmen und in die Sauna. Erste Kontakte waren geknüpft und vielleicht entstehen daraus ja echte Freundschaften.
Rückblickend bin ich sehr froh, dass ich meine anfängliche Unsicherheit überwunden und an diesem Kochkurs teilgenommen habe. Ich habe nicht nur gelernt, wie man Jiaozi macht, sondern auch ein Stück Gemeinschaft erlebt. Ein paar Dumplings habe ich mit nach Hause genommen, welche Nico am Abend probierte.
Und weil dieses Erlebnis so schön war, möchte ich das Gelernte nun an euch weitergeben.
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JiaoziRezept
Zutaten :
1.Teig (25-30 Dumplings)
150g Dumplingmehl oder mittleres Weizenmehl
75g lauwarmes Wasser
2.Fleisch Füllung (25-30 Dumplings)
250g Hackfleisch (traditionell Schwein)
1-2 mittelgroße Karotten
2 Frühlingszwiebeln
1 Knoblauchzehe
1 EL Sesamöl
Salz & Pfeffer
3.Vegetarische Füllung (25-30 Dumplings)
150 g Shiitakepilze (frisch oder getrocknet)
100 g Chinakohl (Napa-Kohl)
30–40 g Glasnudeln (Mungbohnen-Vermicelli)
2 Frühlingszwiebeln
1 Knoblauchzehen
1 EL Sesamöl
1 Tl Gemüsebrühepulver
Salz & Pfeffer
! Wenn ihr Fleisch und vegetarisch wollt müsst ihr die doppelte Menge des Teiges machen !
Zubereitung:
1. Teig vorbereiten
Das Mehl in eine Schüssel geben und das Wasser nach und nach hinzufügen, während du mit einer Gabel oder den Händen mischst. (Oder der Thermomix)
Nicht zwingend das gesamte Wasser verwenden – der Teig soll eine knetbare, nicht klebrige Konsistenz haben.
Sobald der Teig zusammenkommt:
ca. 5 Minuten kräftig kneten, damit sich das Gluten entwickelt, anschließend abgedeckt ruhen lassen
2. Füllung herstellen
Fleisch-Füllung
– Karotten fein reiben Frühlingszwiebeln, Knoblauch und Ingwer sehr fein hacken
Wichtig: Alles wirklich sehr fein, damit die Dumplings sich gut schließen lassen.
– Hackfleisch in eine große Schüssel geben.
Dann hinzufügen: Sojasauce Sesamöl neutrales Öl Zucker, Salz, Pfeffer optional Ei und Wasser/Brühe
! Alles in nur eine Richtung rühren (mit Stäbchen oder Löffel) bis die Masse leicht klebrig und gebunden wirkt.
– Gemüse unterheben: Karotten Frühlingszwiebeln Knoblauch Ingwer unter die Fleischmasse mischen
! wieder in eine Richtung, aber vorsichtig.
Die Füllung sollte:
saftig, aber nicht wässrig sein gut zusammenhalten intensiv würzig, aber nicht salzig schmecken
Vegetarische-Füllung
– Shiitakepilze sehr fein hacken (getrocknete vorher 20–30 Min. einweichen, Einweichwasser nicht wegschütten)
! Alles in eine Richtung rühren, bis die Masse leicht bindet.
Falls die Füllung zu trocken wirkt:
1–2 EL Pilz-Einweichwasser oder normales Wasser unterrühren
Die perfekte vegetarische Füllung ist: aromatisch leicht feucht, aber nicht wässrig gut formbar
Vor dem Füllen idealerweise 10 Minuten ruhen lassen.
3. Dumplings formen
Teig in kleine Stücke teilen Zu dünnen, runden Kreisen ausrollen (Ränder etwas dünner als die Mitte) Einen gehäuften Teelöffel Füllung in die Mitte geben Finger in Wasser tauchen und den Rand leicht anfeuchten Wrapper locker zusammenfalten, nicht direkt flach zusammendrücken Von einer Seite beginnend kleine Falten legen und fest verschließen Wiederholen, bis Füllung und Teig aufgebraucht sind
4. Dumplings kochen
Großen Topf mit Wasser zum Kochen bringen Hälfte der Dumplings hineingeben und einmal umrühren Sobald das Wasser wieder kocht: 1 Tasse kaltes Wasser hinzufügen Wenn es erneut kocht: 3 Tassen kaltes Wasser hinzufügen Beim dritten Aufkochen sind die Dumplings gar Mit einem Schaumlöffel herausnehmen Mit der zweiten Hälfte wiederholen
5. Servieren
Sofort servieren, klassisch mit: chinesischem schwarzem Reisessig, Sojasauce und optional Chiliöl oder Chilisauce
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Insgesamt war der Kochkurs ein rundum gelungenes Event voller Austausch, neuer Eindrücke und gemeinsamer Freude am Kochen. Zum Abschluss erwartete uns noch eine besonders schöne Geste: Jeder Teilnehmende erhielt ein kleines Geschenk: ein kräftiges Pferd mit einem Yuanbao (Goldbarren) auf dem Rücken. In der chinesischen Symbolik steht das Pferd für Erfolg, Ausdauer und schnelles Vorankommen. Die runde, kräftige Form symbolisiert Wohlstand, Fülle und ein sorgenfreies Leben. Gold und insbesondere der Yuanbao, die traditionellen Goldbarren des alten Chinas, gelten als starke Glücksbringer für Reichtum und finanziellen Segen. Ein sehr passender Abschluss für einen Nachmittag, der nicht nur kulinarisch bereichernd war, sondern auch ganz im Zeichen von Gemeinschaft, Glück und einem guten Start ins neue Jahr stand.
Nach einem erfolgreichen Start ins neue Jahr haben wir uns sehr auf die weitere Zeit gefreut. Darauf, unsere Routine wiederzufinden und langsam wieder in den Alltag zurückzukehren.
Nico hat sich besonders über sein neues Dart-Equipment gefreut, inklusive einer neuen Dartscheibe, sodass er endlich auch hier in Peking seinem Hobby nachgehen kann.
Für mich standen neben Urlaubswäsche, direkt einige Termine und Veranstaltungen an. Ein besonderes Highlight war die Verabschiedung der bisherigen Leitung der Frühstücksgruppe, die diese Woche nach Deutschland zurückgekehrt ist. Wir schenkten ihr einen Gutschein für einen Wellnesstag und lösten diesen gemeinsam ein.
Mit fünf Mädels verbrachten wir einen wunderschönen Tag im Hamam. Dabei handelt es sich um ein traditionelles türkisches Bad, das vor allem für seine entspannenden Dampfbäder und Reinigungsrituale bekannt ist. Wir hatten 60-minütige Anwendungen und konnten anschließend den weitläufigen Ruhebereich genießen: von Leseecken über Entspannungslounges bis hin zu Hot-Stone-Räumen. Außerdem gab es ein Restaurant, in dem wir gemeinsam chinesisch gegessen haben, sowie kostenloses Eis, Obst und Getränke. Der Tag war geprägt von langen Gesprächen, viel Lachen und einer sehr entspannten Atmosphäre.
Frühstückstreff im Puzzles
Ein weiterer Höhepunkt der Woche war der erste Frühstückstreff, der in diesem Jahr von uns als neues Dreier-Team im Puzzles ausgerichtet wurde. Dies ist ein europäisches Restaurant, welches von einem deutschen Besitzer in den Hutongs in Peking geführt wird.
Für unseren ersten offiziellen Termin wählten wir ein Menü zum Teilen: frisch geschnittener Serrano-Schinken, Hummus, verschiedene Dips, Gemüse und Käse. Zusätzlich konnte sich jeder eine Hauptspeise aussuchen. Ich entschied mich für ein Spiegelei auf einem Kartoffel-Rösti mit Spinat. Zum Abschluss gab es eine frische und sehr leckere Früchteplatte.
Nach dem Frühstück beschlossen wir gemeinsam, den Weg zum nächsten Treffen zu Fuß zurückzulegen. Etwa eine Stunde spazierten wir durch die Stadt, bevor wir ein letztes Mal vor ihrer Abreise die frühere Leitung der Frühstücksgruppe und mittlerweile eine gute Freundin besuchten. Sie hatte zu einem Farewell-Flohmarkt eingeladen, bei dem wir aus ihren verbliebenen Sachen auswählen konnten, was wir noch gebrauchen konnten.
Wir genossen die letzten gemeinsamen Stunden, erinnerten uns an die schöne Zeit und führten viele Gespräche. Ich bin sehr dankbar für die Zeit mit ihr und dafür, wie herzlich sie mich aufgenommen hat. Umso trauriger war es, dass unsere gemeinsame Reise hier so schnell endete.
Post & Zoll – Erlebnis
Zu meinem Geburtstag und zu Weihnachten bekamen wir zwei Pakete aus Deutschland zugeschickt. Schon der Versand nach Peking war erschreckend teuer und leider lief auch nicht alles reibungslos.
Die Pakete wurden bereits etwa zwei Wochen vor Weihnachten verschickt. Mithilfe der Sendungsnummer konnten wir sie innerhalb Deutschlands über DHL verfolgen und auch in China gab es einen entsprechenden Tracking-Link. Als sie jedoch auch nach Weihnachten noch nicht angekommen waren, machte ich mich selbst auf die Suche nach dem Problem.
Online war zu sehen, dass beide Pakete bereits dem Zoll vorgelegt worden waren. Eines davon wurde relativ schnell freigegeben, also ging ich davon aus, dass es bald zugestellt werden würde. Als es jedoch auch im neuen Jahr noch nicht ankam, bat ich die Rezeption unseres Wohnkomplexes um Hilfe. Sie fanden heraus, dass Zollgebühren fällig waren und bezahlten diese zunächst für mich, sodass ich den Betrag unkompliziert bei ihnen begleichen konnte. Ein großes Glück, denn ohne ihre Unterstützung wäre es deutlich komplizierter gewesen.
Doch was war mit dem zweiten Paket? Der Status hatte sich seit Tagen nicht verändert und lautete weiterhin nur: „In Zollabwicklung“. Auch die Rezeption konnte es nicht lokalisieren. Das Problem: Bei der Sendung war das meine deutsche Telefonnummer hinterlegt war, weshalb ich keine SMS mit Bestätigungscode erhalten konnte und auch online keinen weiteren Status einsehen konnte.
Schließlich sagten sie mir, wo ich persönlich nachfragen müsse und haben mir die Adresse einer Postzentrale. Gleichzeitig wiesen sie mich aber direkt darauf hin, dass dort meist ausschließlich Chinesisch gesprochen wird. Ein kurzer Moment des Zweifelns, aber mein Motto hier lautet inzwischen: Nur Mut gewinnt.
In einer ohnehin vollen Woche entschied ich mich, am Freitag dorthin zu gehen, um genügend Zeit zu haben mich sowohl mental als auch sprachlich darauf vorzubereiten. Ich wiederholte ein paar Vokabeln und übte mir einfache Sätze ein.
Am Tag selbst wurde ich bereits am Eingang von einer Sicherheitsperson abgefangen:
„nǐ xiǎng yào shén me?“
Der Satz kam mir bekannt vor. yào = möchten, ma am Satzende macht eine Frage – also: Was möchten Sie?
Ich erklärte kurz, dass ich ein Paket abholen möchte und wurde in ein Nebenzimmer weitergeschickt.
Dort sprach ich mit einem Postmitarbeiter. Mit meinen vorbereiteten Sätzen kam ich zunächst gut zurecht. Anhand der Sendungsnummer zeigte er mir den Status, ich sah lediglich eine Lagernummer und fragte, ob er mir das Paket nun aushändigen könne. An dieser Stelle reichte unser gemeinsamer Wortschatz jedoch nicht mehr aus, also griffen wir beide zu unseren Übersetzer-Apps.
Er stellte mir viele Fragen: Was ist im Paket? Was hat es gekostet? Woher kommt es?
Am Ende erklärte er mir jedoch, dass er nicht zuständig sei und ich direkt zum Zoll müsse.
Also stellte ich mein Handy auf chinesische Tastatur um und fragte:
„wǒ yào qù nǎlǐ?“ – Wo muss ich hin?
Er tippte mir die Adresse ein und wenig später saß ich wieder im Taxi nach etwa 35 Minuten Fahrt, vorbei an unserer Wohnung, am Ritan Park entlang, bis ans Ende der Straße.
Dort stand ich schließlich vor einem unscheinbaren Gebäude: dem Zollamt.
Innen erwarteten mich vier Schalter mit Mitarbeitenden und eine Frau am Empfang. Zunächst versuchte ich es wieder auf Chinesisch, doch sie sprach zum Glück ganz ordentlich Englisch und bat mich, kurz zu warten.
Nach etwa vier Minuten durfte ich zu einer Mitarbeiterin, diese sprach allerdings ausschließlich Chinesisch. Zum Glück kam die Frau vom Empfang mit, um zu übersetzen. Nun musste ich erklären, warum ich das Paket erhalte, was sich darin befindet und welchen Wert der Inhalt hat. All das musste ich zusätzlich auf einem Formular ausfüllen, dieses war natürlich komplett auf Chinesisch. Der gesamte Vorgang wurde sogar mit einer kleinen Tischkamera aufgezeichnet.
Am Ende musste ich meinen Pass sowie Fotos vom Inhalt kopieren lassen. Ich dachte zunächst: Kein Problem, kurz ins Nebenzimmer, wie so oft in China.
Doch diesmal nicht. Ich musste dafür in einen externen, unabhängigen Copyshop.
Die Mitarbeiterin erklärte mir kurz den Weg, etwa fünf Minuten zu Fuß. Auch dort sprach natürlich niemand Englisch. Kopieren konnte ich zwar noch nicht auf Chinesisch sagen, aber was macht man sonst in einem Copyshop? Ich hielt einfach meinen Pass hin. Er fragte: in Farbe ? – ein Wort, das ich zum Glück kannte. Danach zeigte ich ihm das Foto auf meinem Handy. Er verwies mich auf einen QR-Code, über den ich ihm das Bild per WeChat schickte. Wenige Sekunden später war alles ausgedruckt. Bezahlt habe ich ebenfalls per Handy umgerechnet etwa 40 Cent.
Zurück beim Zoll gab ich alle Unterlagen ab. In der Zwischenzeit wurde berechnet, ob Zollgebühren anfallen würden. Da der Warenwert unter 45 Euro lag, musste ich nichts bezahlen. Man verabschiedete sich freundlich und versicherte mir, dass das Paket nun innerhalb von sieben Tagen zugestellt wird.
Eine schöne Geste und letztlich ein gutes Ende, aber alles in allem war der gesamte Prozess sehr teuer, zeitaufwendig und deutlich komplizierter, als man es gedacht hätte.
Spontaner Kinoabend in Peking
Am Samstag entschieden wir uns spontan, noch ins Kino zu gehen – genauer gesagt hatte Nico Lust darauf. Als ich ihn fragte, was denn aktuell läuft, meinte er nur ganz begeistert: Der neue Avatar!
Also machte er sich direkt auf die Suche nach einem Kino, in dem der Film auf Englisch gezeigt wird und buchte die Tickets kurzerhand online.
Am Abend machten wir uns gegen 18:30 Uhr auf den Weg, um die Tickets abzuholen und uns mit Popcorn einzudecken. Im Kino angekommen fiel uns direkt auf, wie digitalisiert hier alles abläuft: Es gibt kaum noch Mitarbeitende. Lediglich an den Essensständen für Popcorn und Getränke ist Personal vor Ort. Klassische Ticketschalter existieren nicht mehr. Stattdessen geht man zu einem Automaten, scannt den QR-Code der Onlinebuchung und bekommt dort seine Tickets ausgedruckt – ebenfalls wieder mit QR-Code, der später für den Einlass benötigt wird.
Beim Popcorn half dann wie so oft: zeigen statt sprechen. Das passende Wort kannten wir leider nicht, aber auch so kommt man hier erstaunlich gut durchs Leben.
Etwa zehn Minuten vor Filmbeginn wurde der Einlass geöffnet. Die Tickets wurden gescannt, wir gingen durch eine elektronische Schranke und konnten uns am Eingang noch eine 3D-Brille nehmen. Vor dem Film liefen einige chinesische Werbespots und wir waren kurz etwas nervös, ob der Film wirklich auf Englisch sein würde. Die ersten zwei Sätze klangen etwas ungewohnt, sodass wir kurz dachten: Oh nein, doch Chinesisch?
Zum Glück stellte sich schnell heraus, dass der Film tatsächlich auf Englisch war und die anfängliche Verwirrung lag wohl eher an der Soundkulisse und den fliegenden Avataren.
Der Film selbst hat uns sehr gut gefallen. Wieder einmal ein typischer Avatar-Film, der nicht nur visuell beeindruckt, sondern auch zum Nachdenken anregt.
Als wir nach dem Film aus dem Kino kamen und uns ein Didi rufen wollten, stellten wir überrascht fest, dass es angefangen hatte zu schneien. Ein unerwarteter, aber wunderschöner Abschluss des Abends und gleichzeitig eine perfekte Einstimmung auf den nächsten Tag.
Immortal Valley Loop – Winterwanderung in der Miyun-Region
Am Sonntag haben wir uns erneut für eine Wanderung entschieden, denn auch im Winter gibt es rund um Peking beeindruckende Naturerlebnisse zu entdecken. Unser Ziel war das Immortal Valley – ein Tal voller Wasserfälle, natürlicher Pools und weiter Bergpanoramen. Gerade in der kalten Jahreszeit zeigt sich die Landschaft hier von einer ganz besonderen Seite: Viele Wasserfälle sind zu Eis gefroren und bilden faszinierende, fast schon magische Formen.
Nach rund zwei Stunden Fahrt aus der Stadt erreichten wir den Startpunkt der Tour auf etwa 225 Metern Höhe. Der erste Teil der Route führte durch einen schattigen Park, in dem große Laubbäume den Weg säumen. Ein eingefrorenen Bach schlängelt sich zwischen riesigen Granitblöcken hindurch, sammelt sich in natürlichen Becken und stürzt schließlich in mehreren Wasserfällen bis zu zwanzig Meter in die Tiefe. Besonders im Winter sind diese gefrorenen Kaskaden ein beeindruckender Anblick und ein echtes Highlight. Nach etwa zwanzig Minuten auf dem Parkweg ging es über eine steile Treppe hinauf zu einem Aussichtspunkt am ersten großen Wasserfall.
Weiter führte uns der Weg tiefer ins Tal, vorbei an kleinen Pools, Höhlen und schattigen Passagen, bis wir den schmalen Talweg erreichten, der stetig bergauf verläuft. Schritt für Schritt gewannen wir an Höhe, bis wir schließlich den höchsten Punkt der Wanderung auf rund 785 Metern erreichten. Dort legten wir eine gemütliche Mittagspause ein und genossen die Aussicht: Auf der einen Seite öffnete sich der Blick in ein tief eingeschnittenes Flusstal, auf der anderen glitzerte der Miyun-Stausee in der Wintersonne, umrahmt von Bergen, die sich bis zum Horizont erstreckten.
Der Abstieg führte uns auf einem anderen Weg über einen Bergrücken. Unter riesigen Felsen hindurch wanderten wir durch kleine Wälder aus Kastanien-, Kiefern- und wilden Aprikosenbäumen. Die Landschaft wechselte ständig: von felsigen Passagen zu ruhigen Waldabschnitten, von stillen Pools zu weiten Aussichtspunkten. Schließlich trafen wir wieder auf den Parkweg, der uns zurück zum Parkplatz brachte.
Insgesamt waren wir etwa vier bis fünf Stunden unterwegs und legten rund 16 Kilometer zurück. Das Immortal Valley ist ein echtes Winterabenteuer: gefrorener Bach, gefrorene Wasserfälle, stille Wälder und weite Panoramen über Täler, Berge und den Stausee. Ein perfekter Sonntag, um die Natur rund um Peking von einer ganz neuen, ruhigen und eindrucksvollen Seite zu erleben.
Dieses Land war lange kein konkretes Reiseziel für uns. Erst mit unserem Umzug nach China rückte das Reisen in Südostasien für uns in den Fokus.
Seitdem stand Thailand auf unserer Liste, geplant war es jedoch erst in ein oder zwei Jahren. Der Anreiz kam schließlich von außen: Als zwei Freunde uns erzählten, dass sie nach Thailand reisen würden, eröffnete sich plötzlich eine neue Perspektive. Die Möglichkeit, inmitten unseres Lebens fern von Zuhause vertraute Menschen aus der Heimat wiederzutreffen.
Also verschoben wir unsere ursprünglichen Pläne und entschieden uns dafür, diese Gelegenheit zu nutzen. Ein paar gemeinsame Tage in einer fremden Stadt, Zeit zum Austausch und vor allem, um uns endlich wiederzusehen.
Ankommen im neuen Jahr – Wiedersehen in Bangkok
Nach einer gewohnt unproblematischen Anreise über den stets gut organisierten Flughafen in Peking kamen wir nach etwa fünf Stunden Flugzeit in Bangkok an. Bereits im Vorfeld hatten wir online die TH Digital Arrival Card ausgefüllt, was die Einreise enorm erleichtert. So konnten wir uns direkt in die Schlange der Ausländer stellen, mussten lediglich unseren Pass vorzeigen und konnten zügig passieren, da alle relevanten Daten unter der Passnummer hinterlegt sind.
Nach dem Abholen unserer Koffer und einer kurzen Wartezeit am Fahrzeugschalter ging es mit unserem Fahrer in etwa 40 Minuten in die Innenstadt Bangkoks. Dort warteten bereits unsere Freunde auf uns, die eine halbe Stunde vor uns angekommen waren. Das Wiedersehen war herzlich und dieses vertraute Gefühl war sofort wieder da.
Nach dem gemeinsamen Check-in verabredeten wir uns, um die Gegend rund um das Hotel zu erkunden. Den Anreisetag ließen wir schließlich bei einem thailändischen Abendessen entspannt ausklingen.
Sightseeing- Lumphini Park und Wat Pho
Am nächsten Morgen waren wir alle gespannt auf das Frühstück und es überzeugte uns auf ganzer Linie. Für ein asiatisches Land gab es viele westliche Optionen und besonders die Pancakes wurden schnell zu unserem Highlight.
Anschließend ging es an den Pool auf der Dachterrasse. Wir unterhielten uns ausgiebig, genossen den Blick über die Stadt und ließen uns einfach treiben.
Natürlich wollten wir an diesem Tag auch etwas Sightseeing machen. Unser erster Stopp war der Lumphini Park, eine grüne Oase mitten in der pulsierenden Metropole. Der Park gilt als eine Art „grüne Lunge“ Bangkoks und ist besonders bekannt für seine freilebenden Warane, die man hier immer wieder ganz entspannt über die Wege oder durch die Wasseranlagen laufen sieht. Die ruhige Atmosphäre, die Pflanzen und der Kontrast zur lauten Stadt drumherum wirkten unglaublich entspannend auf uns.
Danach stand für Nico und mich noch ein Tempelbesuch an, denn es ist ein echtes Must-Do in Bangkok. Wir entschieden uns für Wat Pho, einen der ältesten und bekanntesten Tempel der Stadt. Besonders berühmt ist er für den liegenden Buddha, der mit seinen rund 46 Metern Länge und 15 Metern Höhe zu den größten seiner Art gehört. Die gesamte Tempelanlage mit ihren Innenhöfen, Gärten und kunstvollen Verzierungen hat uns sehr beeindruckt.
Etwas getrübt wurde der Eindruck allerdings durch die Vermarktung des Buddhismus auf vermeintlicher Spendenbasis sowie durch zahlreiche Marktstände innerhalb der Anlage, die die spirituelle Atmosphäre ein wenig störten. Weniger touristisch wäre es sicherlich authentischer, dennoch war es ein sehenswerter Ausflug.
Am Abend trafen wir uns alle wieder zum Abendessen. Eigentlich hatten wir ein sehr gutes thailändisches Restaurant ins Auge gefasst, doch leider hatte dieses entgegen der Online-Angaben geschlossen. Zufällig liefen wir dann an einem italienischen Restaurant vorbei und entschieden uns spontan dafür. Eine gute Wahl: Das Essen war hervorragend, das Restaurant stilvoll eingerichtet und sehr gemütlich.
Ein weiteres Highlight in Bangkok sind die Rooftop-Bars. Über den Dächern der Stadt tranken wir Cocktails, genossen den Ausblick, lauschten einem ausbaufähigen DJ und führten ausgelassene Gespräche.
Zurück im Hotel tranken wir uns noch einen letzten Absacker in der Hotel-Dachterrassenbar, bevor wir müde ins Bett fielen.
Entschleunigung & Abschied
Den dritten Tag hatten wir bewusst als Entspannungstag geplant: Frühstück, Pool, ein wenig durch die Gassen schlendern. Unter anderem durch die beliebten Viertel Chinatown und Song Wat. Außerdem Kaffee und Kuchen am Nachmittag.
Am Abend wünschten sich unsere Freunde Hot Pot, was für uns mittlerweile fast schon Alltagsessen ist, da es in Peking sehr verbreitet ist. Also zeigten wir ihnen, wie es funktioniert und was man alles kombinieren kann. Es war super lecker und überraschend authentisch – fast wie in China.
Da es unser letzter gemeinsamer Abend war, entschieden wir uns, noch einmal zusammen in der Hotelbar zu sitzen und die Zeit bewusst auszukosten. Der Abschied fiel uns schwer. Die letzten Tage hatten sich angefühlt wie früher, wie unser fester Mädelstag am Dienstag in Deutschland. Umso trauriger war der Gedanke, sie jetzt wieder nicht mehr um mich zu haben.
Als die Bar um Mitternacht schloss, gingen wir alle rechtzeitig schlafen. Für uns alle stand am nächsten Morgen die Weiterreise an.
Weiterreise Richtung Meer
Für diesen Urlaub war uns vor allem eines wichtig: Entspannen und einfach das Meer genießen. Unser letzter Badeurlaub im Warmen lag bereits einige Zeit zurück und nach diesem ereignisreichen Jahr sehnten wir uns nach Ruhe und Erholung.
Deshalb entschieden wir uns bewusst gegen Inselhopping und dafür die Reisezeiten möglichst kurz zu halten. Somit fiel unsere Wahl für den zweiten Stopp auf den Strand von Hua Hin am Bay of Bangkok.
Bereits vorab hatte ich unseren Transfer gebucht, der wie vereinbart pünktlich um 12 Uhr vor dem Hotel in Bangkok auf uns wartete. Die Fahrt nach Hua Hin dauerte etwa drei Stunden und beinhaltete zwei kurze Stopps. Währenddessen unterhielt sich Nico viel mit unserem Fahrer. Wie viele Thailänder sprach er ganz gut Englisch, denn Englischunterricht gehört hier sowohl in der Highschool als auch im Studium zum festen Bestandteil der Ausbildung.
Er zeigte großes Interesse an der westlichen Lebensweise und stellte viele Fragen zu Deutschland und unserem Alltag. Selbst konnte er bisher noch nicht verreisen, da ihm dafür das nötige Geld fehlt. Er hat drei Kinder, für deren Schulbildung er vollständig aufkommt und arbeitet in erster Linie für sie. Umso spannender war es für ihn, etwas über unseren Lebensstil und unser Leben in Europa zu erfahren.
Die Fahrt war sehr unterhaltsam und verging wie im Flug. In Hua Hin angekommen, wurden wir im Hotel herzlich mit einem Willkommensdrink empfangen. Nach dem Einchecken ließen wir die Koffer kurz im Zimmer und gingen direkt hinaus zur wunderschön angelegten Poollandschaft. Wir fühlten uns direkt angekommen, entschleunigt und bereit für die nächsten Tage.
In Hua Hin verbrachten wir den Großteil unserer Zeit mit lange Stunden am Pool, Lesen, Massagen und einfach nichts vorhaben.
Der Strand selbst ist in diesem Abschnitt relativ schmal und die Wellen und der Wind waren während unseres Aufenthalts stark. Dadurch war das Liegen am Strand weniger entspannt als erwartet. Am Dienstag wurde sogar eine offizielle Warnung ausgesprochen, sodass keine kleinen Boote mehr ausfahren durften. Leider fiel dadurch auch unser geplanter Schnorchelausflug auf eine vorgelagerte Insel aus und unser BBQ am Strand.
Abends gingen wir meist in einem der umliegenden Restaurants essen. Die Auswahl war groß: von klassisch thailändisch bis hin zu europäischen Gerichten war alles dabei. Natürlich probierten wir auch typische Klassiker wie Mango Sticky Rice und Phat Kaphrao, die einfach immer gehen.
Sam Roi Yod Nationalpark & Phraya-Nakhon-Höhle
Am Donnerstag stand ein Ausflug auf dem Programm: der Sam Roi Yod Nationalpark mit der berühmten Phraya-Nakhon-Höhle. Der Nationalpark liegt südlich von Hua Hin und ist bekannt für seine Kalksteinberge, Mangroven, Strände und eine beeindruckende Naturvielfalt. Die Höhle selbst zählt zu den bekanntesten Naturwundern Thailands und beherbergt einen kleinen königlichen Pavillon, der im Inneren der Höhle steht.
Normalerweise erreicht man die Höhle per Boot. Aufgrund der weiterhin starken Wellen und des kräftigen Winds war das jedoch nicht möglich, sodass wir die Alternative wählten: den Fußweg über die Berge. Insgesamt mussten wir drei Anstiege bewältigen mit jeweils rund 450 Höhenmeter.
Wenn man die körperliche Fitness mitbringt, würden wir diese Wanderung absolut empfehlen. Der Weg führte durch wunderschöne Landschaften, immer wieder mit Blick auf das Meer und hatte eine ganz besondere Atmosphäre.
In der Mittagssonne erreichten wir schließlich die Höhle. Es war ein Moment, der kaum zu beschreiben ist. Der Lichteinfall auf den Pavillon im Inneren wirkte magisch, fast surreal. Wir nahmen uns Zeit, schauten uns alles in Ruhe an und unsere Tourleiterin erklärte uns die Besonderheiten der verschiedenen Bereiche der Höhle.
Nach dem Abstieg ging es zu einem Restaurant, das zwischen den beiden Bergen direkt am Strand liegt. Dort gab es verschiedene thailändische Gerichte und wie hier üblich zum Abschluss frische Ananas.
Auf dem Hinweg hielten wir bereits kurz an einer Ananasplantage an. Dort erfuhren wir mehr über den Anbau, besonders spannend war, dass die Früchte in Zeitungspapier eingewickelt werden, um sie vor zu intensiver Sonneneinstrahlung zu schützen.
Nach einem sehr geselligen Mittagessen mit vielen netten Bekanntschaften machten wir uns an den letzten An- und Abstieg. Unten angekommen wartete eine kleine Belohnung auf uns: frisch gepresster Mangosaft, bestehend ausschließlich aus gefrorener Mango – ohne Zuckerzusatz, unglaublich süß und erfrischend.
Alles in allem war es ein rundum gelungener Ausflug, den wir am Abend zu zweit in einem Rooftop-Restaurant abschlossen. Mit dem wunderschönen Blick über Hua Hin, einer entspannte Atmosphäre und gutem Essen beendeten wir den ereignisreichen Tag.
Kui Buri Nationalpark – Elefanten in freier Wildbahn
Spontan beim Frühstück am nächsten Morgen buchten wir einen weiteren Ausflug, von dem uns am Vortag jemand begeistert erzählt hatte: den Kui Buri Nationalpark.
Dieser gilt als einer der besten Orte in Thailand, um Elefanten in freier Wildbahn zu sehen. Hier leben rund 300 Elefanten sowie viele weitere Tierarten wie Tapire, Serau (eine ziegenartige Antilope), Marmorkatzen, Wildschweine und zahlreiche Vogelarten.
Mit einem Jeep fuhren wir etwa 7,6 Kilometer durch den Park und hielten an mehreren Aussichtspunkten. Am ersten Spot entdeckten wir bereits vier Elefanten, allerdings weit entfernt und größtenteils hinter Bäumen verborgen. Die anfängliche Euphorie war dadurch etwas gedämpft.
Unser Guide erklärte jedoch, dass sich am dritten Aussichtspunkt aktuell sechs Elefanten aufhalten würden. Also übersprangen wir den zweiten Punkt und fuhren direkt weiter.
Schon aus der Ferne konnten wir sie sehen: mitten auf einem offenen Feld, ein paar hundert Meter entfernt. Zunächst waren es sechs Elefanten, dann kam ein weiterer langsam hinter einem Busch hervor. Wir beobachteten sie beim Fressen, sahen die Jungtiere bei ihren Müttern trinken und wie sich die Herde ruhig über das Feld bewegte.
Diese Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu sehen, ohne Zäune, ohne Inszenierung, war unbeschreiblich schön und tief bewegend.
Ein besonderes Highlight selbst für unseren Guide war eine große Wildschweinherde, die plötzlich auf das Feld trat. Es waren mindestens 15 Tiere, von ganz klein bis ausgewachsen. Er erzählte uns, dass es sehr selten sei, sie so offen zu sehen, obwohl er täglich im Park unterwegs ist. Zusätzlich konnten wir noch ein Reh, einen Büffel und viele verschiedene Vogelarten beobachten.
Dieser Ausflug war für uns eines der eindrucksvollsten Erlebnisse der Reise. Zudem viel schöner und respektvoller als jeder Zoo. Zum Abschluss aßen wir gemeinsam mit der Safarigruppe in einem thailändischen Restaurant, bevor es etwa eine Stunde zurück nach Hua Hin ging.
Unseren letzten Tag vor der Abreise verbrachten wir ganz ruhig, bevor am Montag wieder der Alltag begann.
Am Abend gingen wir nach dem Essen in einem Restaurant am Meer, gingen noch eine Runde spazieren und ließen nochmal die Atmosphäre auf uns wirken.
Dann hieß es am Sonntag Abschied nehmen von Thailand. Nach dem Frühstück fuhren wir zum Flughafen und machten uns auf den Weg zurück nach Peking.
Resümee – Ein Land, viele Facetten
Thailand hat bei uns sehr unterschiedliche Eindrücke hinterlassen. Bangkok war für uns zunächst ungewohnt, vor allem im Vergleich zu Peking. Die Stadt wirkte auf uns deutlich lauter, chaotischer und schmutziger. Dazu kommt der hohe touristische Andrang, der Bangkok für uns eher wie „eine große Stadt unter vielen“ wirken ließ. Persönlich hat uns dieser Teil Thailands nicht wirklich abgeholt.
Ganz anders hingegen Hua Hin. Dort fanden wir genau die Ruhe, die wir uns erhofft hatten. Die Stadt ist entspannt, überschaubar und dennoch sehr thailändisch geprägt – mit Tempeln, Märkten und einer angenehmen Atmosphäre. Hier konnten wir abschalten, genießen und das Land auf eine ruhigere, authentischere Weise erleben.
Besonders in Erinnerung geblieben ist uns das Essen. Klassiker wie Pad Thai, Phat Kaphrao und Mango Sticky Rice haben uns jedes Mal aufs Neue überzeugt. Die thailändische Küche ist für uns ein echtes Highlight der Reise gewesen.
Was uns insgesamt sehr positiv überrascht hat, waren die Menschen. Die Thailänder begegneten uns durchweg herzlich, höflich und extrem hilfsbereit. Die offene Mentalität und die Freundlichkeit im Alltag haben unseren Aufenthalt sehr angenehm gemacht. Auch dass viele Menschen gut Englisch sprechen, macht das Reisen gerade für Touristen deutlich entspannter.
Ein kleiner Wermutstropfen war, dass wir die Inselwelt Thailands in diesem Urlaub nicht so erleben konnten, wie ursprünglich geplant. Wetterbedingt mussten Ausflüge aufs Meer ausfallen, sodass wir vor allem das Festland kennengelernt haben. Umso sicherer sind wir uns aber: Wir kommen gerne wieder, um Thailand noch einmal aus einer anderen Perspektive zu entdecken – mit mehr Zeit auf den Inseln, im Meer und in der Natur.
Thailand war für uns vielleicht nicht in allen Aspekten Liebe auf den ersten Blick, aber definitiv eine Erfahrung, die uns bereichert hat. Vor allem Hua Hin und die Naturerlebnisse haben uns gezeigt, wie vielfältig dieses Land ist.
Vor einem Jahr hätte ich nicht gedacht, dass wir einmal hier Silvester verbringen dürfen.
Es fühlt sich deshalb auch ganz anders an. Nicht nur, weil wir es in Peking verbringen, sondern weil der Weg hierher keine leichte Entscheidung war. Wir haben Familie, Freunde, unsere Tiere und ein vertrautes Zuhause zurückgelassen. Kurz nach unserer kirchlichen Hochzeit, einem der emotionalsten Momente unseres Lebens, haben wir uns bewusst für diesen Schritt entschieden. Für ein gemeinsames Abenteuer und eine Chance, aber auch für viele Abschiede.
Gerade an Tagen wie Silvester oder in der Weihnachtszeit spürt man diese Entfernung besonders. Momente, die sonst laut und gemeinschaftlich sind, werden leiser. Sie erinnern daran, dass dieses Jahr nicht nur aus neuen Orten und Erlebnissen bestand, sondern vor allem aus Mut, Vertrauen und dem bewussten Loslassen.
Der letzte Tag des Jahres 2024 begann für mich ganz vertraut. Am Morgen war ich im Stall und verbrachte viel Zeit mit Cohiba. Wir machten einen Spaziergang, waren grasen und genossen diese Stunden ganz zusammen. Es war ein Moment, in dem ich mich bewusst dafür entschied, keinen Plan zu verfolgen, nichts zu fordern, sondern einfach da zu sein. Diese ruhige Zweisamkeit hat mir noch einmal gezeigt, wie wichtig mir solche Augenblicke sind: Zeit ohne Erwartungen, ohne Tempo, nur im Miteinander.
Zurück zu Hause starteten Nico und ich den Tag mit einem gemeinsamen Frühstück. Ohne Eile, einfach zusammensitzen, reden und den Moment genießen.
Am Abend fuhren wir nach Stuttgart zu Freunden. Zu sechst verbrachten wir den Jahreswechsel gemeinsam, aßen Raclette, zu dem jeder etwas mitgebracht hatte, lachten viel und genossen dieses Zusammensein. Kurz vor Mitternacht machten wir uns auf den Weg zum Killesberg, um dort das Feuerwerk anzuschauen. Wir umarmten uns, wünschten uns ein frohes neues Jahr und sagten einander, was wir aneinander schätzen. Ein sehr herzlicher, ehrlicher Moment, der mir bis heute im Gedächtnis geblieben ist.
Danach feierten wir noch weiter. Einige von uns bis in die frühen Morgenstunden, andere etwas kürzer. Es war kein lauter Abschied vom alten Jahr, sondern ein warmer, vertrauter Übergang.
Schon zu Beginn des neuen Jahres lag diese leise Ahnung in der Luft, dass 2025 ein besonderes Jahr werden würde. Die Idee, nach China zu gehen, stand bereits im Raum, noch ohne feste Zusage, eher als Gedanke, der immer wieder zwischen uns auftauchte. Gleichzeitig steckten wir mitten in den Vorbereitungen für unsere kirchliche Hochzeit. So vieles lief parallel: Vorfreude, Organisation, Hoffnung und auch Unsicherheit. Unser Urlaub in den Niederlanden war eigentlich als kleine Auszeit gedacht, als Zeit für Familie, für meine Eltern, für unsere Hunde und um kurz durchzuatmen.
Und genau in diese Zeit fiel dann die Zusage von Nicos Arbeitgeber. Ein Moment, der alles veränderte. Mit dieser Zusage wuchs die To-do-Liste plötzlich enorm. Während wir eigentlich mitten in der Hochzeitsplanung steckten, mussten wir uns zusätzlich mit der Ausreise, Visa, Verträge und all den organisatorischen Dingen beschäftigen, die dieser Schritt mit sich brachte. Gleichzeitig arbeiteten wir beide weiterhin Vollzeit, 41 Stunden pro Woche. Besonders für mich war diese Phase emotional herausfordernd. Lange war unklar, ob ich für diese Zeit beurlaubt werden würde oder ob ich kündigen muss. Viele Rückmeldungen waren eher negativ, die aktuelle Arbeitsmarktlage ließ wenig Hoffnung. Trotzdem wollten wir es versuchen. Denn für uns war klar: Dieser Schritt funktioniert nur gemeinsam. Also reichten wir den Antrag ein, mit einem persönlichen Anschreiben. Darin versuchten wir, das in Worte zu fassen, was uns beide bewegt hat:
„Die Entscheidung, meinen Ehemann bei diesem Schritt zu unterstützen, ist für mich von hoher Bedeutung, da wir als Familie zusammenbleiben möchten. Eine jahrelange Fernbeziehung würde für uns eine enorme emotionale Belastung bedeuten.“
Gleichzeitig machten wir deutlich, dass diese Entscheidung bewusst und zeitlich begrenzt ist und ich nach der Beurlaubung wieder zurückkehren möchte.
Danach begann eine Zeit des Wartens. Wochen, in denen Hoffnung und Zweifel sich immer wieder abwechselten. Wochen, in denen wir überlegten, welche Wege es geben könnte, was wir im Zweifel tun würden und welche Optionen uns bleiben. Wir spielten Szenarien durch, versuchten vorbereitet zu sein und gleichzeitig die Hoffnung nicht zu verlieren.
Dann kam der Tag, der mir bis heute Gänsehaut bereitet. Am Tag von Nicos Junggesellenabschied, nach drei Monaten Warten, Hoffen und Bangen, kam die Zusage: Ich werde beurlaubt. Mein Job ist nach den drei Jahren sicher, ich bleibe Beamtin. Ein riesiger Stein fiel mir vom Herzen. Plötzlich wurde aus einer Idee ein echter, greifbarer Lebensabschnitt.
Unsere Hochzeit war dann der Höhepunkt des Jahres. Ein Tag, an dem wir so deutlich gespürt haben, was für wunderbare Menschen wir um uns haben. Familie, Freunde, so viel Liebe und Unterstützung. Gleichzeitig war da aber auch die leise Traurigkeit, weil wir wussten: Genau diese Menschen lassen wir bald zurück. 9.000 Kilometer Entfernung, für drei Jahre.
Fotografin Johanna Erckert
Und statt erst einmal anzukommen oder innezuhalten, ging es direkt weiter. Organisation bestimmte unseren Alltag: Ummelden, Post umstellen, Abos kündigen, Abschiede auf der Arbeit, im Stall, überall dort, wo unser Leben bis dahin stattgefunden hatte. Eine klassische Hochzeitsreise kam für uns in dieser Phase nicht in Frage, dafür war einfach zu viel zu regeln. Stattdessen haben wir bewusst entschieden, diese drei Jahre als unsere Reise zu sehen. Als gemeinsame Zeit, in der wir all das erleben möchten, wofür sonst vielleicht nie Raum gewesen wäre.
Dadurch hatte ich die Möglichkeit nach der kirchlichen Hochzeit noch beim BOSS Open zu Kellnern. Besonders eine Nacht ist mir davon bis heute im Gedächtnis geblieben: die Après-Ski-Nacht. Ein Ausnahmezustand – so viele Menschen auf engstem Raum, eine Stimmung, die kaum zu beschreiben ist und kaum ein Durchkommen mit Gedränge. Und trotzdem war genau dieser Abend ein Moment, in dem ich gespürt habe, wie viel Kraft in mir steckt und wie viel ich in diesem Jahr bereits getragen hatte.
Im August erfüllte sich dann für mich ein ganz besonderer Herzenswunsch: unser After-Wedding-Shooting mit den Pferden. Ein Kindheitstraum, den mir der Besitzer der Pferde erfüllt hat. Ein Moment voller Dankbarkeit und zugleich ein stiller Abschied, der noch einmal gezeigt hat, wie tief diese Verbindung geht.
Fotografin Johanna Erckert
Zu meinem Leben gehörte mittlerweile außerdem auch das Weindorf in Stuttgart, das in diesem Jahr bereits zum dritten Mal ein Bestandteil meines Spätsommers war. Es ist ein kompletter Gegensatz zu meinem Alltag im Finanzamt, aber genau deshalb so wertvoll für mich. Der Kontakt mit den Menschen, das hohe Tempo, die Gespräche hinter der Theke, all das war für mich ein Ausgleich, den ich sehr gebraucht habe und den ich mir ganz bewusst noch einmal genommen habe.
Ähnlich ging es uns mit der Hengstbacher Kerb. Sie ist für uns mehr als nur ein Fest – sie steht für Tradition, Herzblut und Gemeinschaft. In diesem Jahr fühlten sich diese Tage besonders intensiv an, weil wir wussten, dass auch hier bald Abschiede bevorstehen würden. So kam es dann auch sonntags zu einer emotionalen Kerberede die uns in Teilen gewidmet war.
Auch unsere Wohnung stellte uns noch einmal vor große Entscheidungen. Wir lieben sie, sowohl die Lage, als auch das Gefühl von Zuhause. Kündigen und riskieren, nach drei Jahren nichts Vergleichbares mehr zu finden? Leer stehen lassen? Das kam für uns nicht in Frage, auch aus Fairness gegenüber all den Menschen, die dringend Wohnraum suchen. Also stellten wir die Wohnung auf einer Plattform ein. Zunächst passierte nichts. Keine ernsthaften Anfragen, nur Enttäuschung und Unverständnis.
Erst nachdem wir sie auf einer anderen Plattform anboten, ging plötzlich alles ganz schnell. Mit nur noch vier Wochen bis zum Abflug organisierten wir Besichtigungen, trafen Entscheidungen und versuchten, den Überblick zu behalten. Am Ende entschieden wir uns bewusst für jemanden, der ein ähnliches Schicksal hatte, wie wir selbst ein paar Jahre zuvor: Berufsbedingt neu in der Stadt, dringend auf der Suche nach einer Wohnung.
Das er die Wohnung nicht möbliert übernehmen konnte, bedeutete für uns den nächsten Kraftakt. Es folgte eine intensive Zeit aus Möbel verkaufen, umlagern, packen und aussortieren. Von wirklich unschönen, teils bedrohlichen Nachrichten über eBay bis hin zu einem Polizeikontakt, haben wir in diesen Tagen wirklich alles erlebt. Die Belastung war enorm, körperlich wie emotional. Inmitten all der Anspannung passierte dann auch noch eines dieser typischen Stress-Missgeschicke, die wohl jeder kennt und plötzlich fand ich mich zwei Tage vor dem Abflug noch in der Notaufnahme wieder. Zum Glück blieb es bei einem offenen Bluterguss am Zeh und es war nichts gebrochen.
Alles fühlte sich plötzlich noch knapper an. Der Sperrmüll wurde erst am Morgen unseres Abflugtages abgeholt, die Wohnungsübergabe fand ebenfalls an diesem letzten Tag statt. Als schließlich meine Eltern da waren, wir unsere sieben Koffer ins Auto geladen hatten und die Wohnung abgeschlossen war, fiel eine riesige Last von uns ab. Es war geschafft – irgendwie, gerade noch rechtzeitig.
Und dann stand dieser Moment am Flughafen an, der ohnehin schon emotional ist. Das viele unserer Freunde und Familie da waren, um uns zu verabschieden machte es noch herzergreifender. Ein letztes Mal Umarmen, Tränen, Lächeln und wehmütiges Winken, als wir durch die Sicherheitskontrolle gingen. Es war unglaublich emotional und gleichzeitig stärkend. Kurz darauf erreichte uns ein Video von unseren Liebsten. Ein so berührendes Video, das wir immer wieder ansehen mit einem Lachenden und weinenden Auge.
Was folgte, war ein Jahr, das alles auf den Kopf stellte. Wohnungssuche in China in zwei Tagen, neue Kolleg:innen, neue Freundschaften, eine fremde Kultur, Reisen, plötzlich nicht mehr arbeiten. Weihnachten fern von zu Hause, Silvester in einer Stadt, die dieses Fest an diesem Tag nicht feiert.
Denn das chinesische Neujahr richtet sich nicht nach dem Kalender, sondern nach dem Mond: Es beginnt mit dem zweiten Neumond nach der Wintersonnenwende und fällt dadurch meist in den Zeitraum zwischen Ende Januar und Mitte Februar. Erst dann startet hier offiziell ein neues Jahr.
Wir verbrachten Neujahr damit, unsere Koffer zu packen, aßen einen Raclette Auflauf, tranken etwas Sekt und blickten auf alles zurück, was wir geschafft haben. Umso mehr freuen wir uns auf das was noch kommt. Denn wir haben das Glück, das Jahr bereits mit einer Reise starten zu dürfen. Am 01.01 ging es für uns nach Thailand, dort haben wir zwei Freunde für 4 Tage in Bangkok getroffen. Jetzt sind wir zu zweit weiter gereist nach Hua Hin, um dort die Kraftreserven und -akkus zu laden.
Wir setzen uns für 2026 keine klassischen Vorsätze. Stattdessen möchten wir weiterhin mit Neugier durch dieses Abenteuer gehen, für das wir uns bewusst entschieden haben. Die Balance zwischen Ankommen und Weiterziehen finden, zwischen Alltag und Reisen, zwischen Sicherheit und Wachstum.
Wenn in China ein neuer Laden eröffnet, bleibt das selten ein stilles Ereignis. Schon von Weitem fällt es ins Auge: Vor dem Eingang reiht sich ein Blumenmeer aneinander. Große, kunstvoll gebundene Gestecke stehen dicht gedrängt, geschmückt mit roten Schleifen und goldenen Schriftzeichen. Sie versperren fast den Weg zur Tür und machen unmissverständlich klar: Hier beginnt etwas Neues.
Rot und Gold sind dabei kein Zufall. Rot gilt in China als wichtigste Glücksfarbe, sie steht für Freude, Lebensenergie und Schutz vor Unglück. Gold wiederum symbolisiert Reichtum, Erfolg und Beständigkeit. Zusammen bringen sie die Hoffnung auf einen gelungenen Start und langfristigen Wohlstand zum Ausdruck.
Die Bedeutung des Brauchs
1. Glück und einen guten Anfang sichern Blumen stehen in China für Wachstum, Lebenskraft und Neubeginn. Zur Eröffnung sollen sie gutes Qi, also positive Energie, anziehen. Ein Geschäft beginnt nicht neutral, sondern wird bewusst unter ein günstiges Vorzeichen gestellt. Je üppiger und lebendiger die Blumen, desto stärker das gewünschte Glück.
2. Unterstützung und Beziehungen sichtbar machen Die Blumen stammen nicht vom Ladenbesitzer selbst, sondern von Freunden, Familie, Geschäftspartnern, Lieferanten oder Nachbarn. Jede Schleife trägt Glückwünsche und den Namen des Schenkenden. So wird öffentlich gezeigt: Dieser Laden steht nicht allein, sondern ist eingebettet in ein Netzwerk aus Beziehungen. Die Unterstützung wird dadurch sichtbar und geteilt.
3. Ansehen und „Gesicht“ wahren In China spielt gesellschaftliches Ansehen eine große Rolle. Viele Blumen vor einem Laden signalisieren, dass der Inhaber respektiert ist und über gute Kontakte verfügt. Ein üppig geschmückter Eingang vermittelt Vertrauen und Seriosität sowohl gegenüber Kund:innen als auch gegenüber anderen Geschäftsleuten.
4. Aufmerksamkeit und Zugehörigkeit zum Viertel Die Gestecke sind kaum zu übersehen. Sie ziehen Blicke auf sich, erzeugen Neugier und laden ein, den Laden zu betreten. Gleichzeitig markieren sie symbolisch: Dieses Geschäft gehört jetzt dazu, es ist Teil des Viertels und des lokalen Alltags.
Typische Blumen und warum sie gewählt werden
Bestimmte Blumen werden besonders häufig verwendet, weil ihre Bedeutung positiv ist oder ihr Name gut klingt:
Gladiolen Stehen für Stärke, Erfolg und einen aufrechten Weg nach oben. Sie sind hochgewachsen und wirken kraftvoll. Es ist ein Symbol für den Aufstieg im Geschäftsleben.
Lilien (百合) Symbolisieren Harmonie, Glück und einen reibungslosen Verlauf. Ihr Name klingt im Chinesischen nach „alles möge gut zusammenkommen“.
Pfingstrosen Gelten als „Königin der Blumen“ und stehen für Reichtum, Ehre und gesellschaftliches Ansehen.
Orchideen Symbolisieren Eleganz, Qualität und Kultiviertheit, besonders beliebt bei hochwertigen Geschäften.
Getreideähren (siehe Foto) Steht für Fruchtbarkeit, Wachstum, Wohlstand und eine reiche Ernte. Es symbolisiert, dass das Geschäft ertragreich sein soll.
Wichtig ist weniger die einzelne Blume, sondern der Gesamteindruck: lebendig, üppig, farbenfroh.
Tabus und warum sie vermieden werden
Neben dem, was Glück bringt, gibt es auch klare No-Gos:
Weiße Blumen allein Weiß ist in China die Farbe der Trauer und wird mit Beerdigungen verbunden. Reine weiße Arrangements gelten bei einer Eröffnung als schlechtes Omen.
Gelbe Chrysanthemen in Traueranmutung Sie werden stark mit Abschied und Tod assoziiert, wenn sie nicht klar festlich kombiniert sind.
Geranien Ihr Name klingt im Chinesischen ähnlich wie „verfallen“ oder „weggehen“ – eine ungünstige Assoziation für ein neues Geschäft.
Verwelkte oder sparsame Arrangements Sie könnten mangelnde Unterstützung oder schwaches Glück signalisieren.
Nach ein paar Tagen verschwinden die Blumen wieder. Zurück bleibt der Alltag.
Ein kleines Fundstück aus dem chinesischen Alltag, das zeigt, wie wichtig Gemeinschaft, Symbolik und ein guter Anfang hier sind. Denn ein gelungener Ladenstart ist in China entscheidend, da der Markt von enormer Wettbewerbsdichte geprägt ist. Sodass eben selbst ein ganz gewöhnlicher Ladenstart in China einen festlichen Rahmen bekommt.