Der Winter in Peking zeigt sich oft von einer Seite, mit der man in einer Megacity nicht unbedingt rechnet. Zwischen gefrorenen Seen, stillen Naturmomenten außerhalb der Stadt und lebendigen Begegnungen im Alltag entsteht eine besondere Mischung aus Ruhe, Trubel und überraschenden Erlebnissen. Die letzten zwei Wochen waren genau davon geprägt – von Winterabenteuern, gemeinsamen Aktivitäten und vielen kleinen Momenten.
Frozen River Wanderung
In der dritten Januarwoche stand für mich eine ganz besondere Wanderung an, eine die unter Expats als die schönste Winterwanderung rund um Peking gilt. Organisiert wurde sie von der Patengruppe der Deutschen Botschaftsschule.
Um 8 Uhr morgens machten wir uns gemeinsam mit einem großen Bus auf den Weg in den Miyun District, etwa 95 Kilometer nordöstlich von Pekings Innenstadt. Ziel war der Baihe Canyon, ein beeindruckendes Naturgebiet, das für seine Grand-Canyon-ähnlichen Täler bekannt ist.
Mit einer Gruppe von insgesamt 17 Personen erkundeten wir diesen außergewöhnlichen Ort. Im Winter verwandelt sich der Baihe Canyon in eine fast magische Landschaft: Der Fluss ist komplett zugefroren, Schnee bedeckt die Umgebung, und die steilen Felswände und Berge wirken in der klaren Winterluft besonders eindrucksvoll. Abseits jeglicher Zivilisation bietet diese Gegend eine unglaubliche Ruhe.
Unsere Wanderung erstreckte sich über etwa 6 Kilometer, größtenteils direkt auf dem zugefrorenen Fluss. Mit Spikes (Steigeisen) an den Füßen ließ es sich erstaunlich gut über das Eis laufen. Anfangs war ich allerdings noch etwas vorsichtig und man muss erst lernen, dem Eis zu vertrauen. Doch bei Temperaturen von bis zu -14 Grad in dieser Woche war der Fluss extrem dick zugefroren. An vielen Stellen konnte man die Eisschichten gut erkennen, was das Vertrauen nach und nach wachsen ließ. Trotzdem zuckte man bei jedem Knacken kurz zusammen, auch wenn man weiß, dass das Eis uns trägt.
Unser Wanderführer Stev ging stets voraus und gab klare Anweisungen, welche Stellen sicher waren und welche man besser meiden sollte. Die Route selbst war größtenteils flach, die größte Herausforderung bestand eindeutig im rutschigen Untergrund. Wanderstöcke und Spikes waren hier definitiv Gold wert.
Trotz der eisigen Kälte wurden wir mit einem strahlend blauen Himmel belohnt, was die Stimmung sofort hob und die Landschaft noch beeindruckender wirken ließ. Die Kombination aus Sonne, Schnee, Eis und den imposanten Felsformationen war einfach atemberaubend.
Unsere Mittagspause machten wir an einem besonders schönen, sonnigen Platz auf großen Steinen, die im Eis eingefroren waren. Eingepackt in warme Kleidung, umgeben von Stille und Natur, fühlte sich dieser Moment fast surreal an.
Diese Winterwanderung war ein absolut außergewöhnliches Erlebnis und etwas, womit ich in Peking niemals gerechnet hätte. Sie hat mir einmal mehr gezeigt, wie vielfältig und überraschend die Natur rund um diese riesige Metropole sein kann besonders im Winter.





Winterspaß auf dem Houhai See mit Käsefondue
Ein weiteres Event, das bei der Patengruppe inzwischen seit mehreren Jahren zur Tradition gehört, ist das Eisradeln auf dem Houhai-See in Peking. Pünktlich um 10 Uhr trafen wir uns, um gemeinsam einen winterlichen Vormittag auf dem zugefrorenen See zu verbringen.
Vor Ort gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich auf dem Eis fortzubewegen: Neben den klassischen Eisfahrrädern mit Kufen kann man auch Stühle oder kleine Delfine ausleihen, die man mit Stöcken anschiebt, sowie elektrisch betriebene Kutschen. Wir hatten großen Spaß daran, die verschiedenen Gefährte auszuprobieren, miteinander zu reden und einfach die besondere Atmosphäre auf dem Eis zu genießen.
Nach dem sportlich-spaßigen Teil ging es weiter zum gemütlichen Teil des Tages. Gemeinsam gingen wir im Café Zarah in den Hutongs Käsefondue essen. Es war genau das Richtige, um sich wieder aufzuwärmen.



Ich entschied mich anschließend, zu Fuß nach Hause zu gehen. So hatte ich die Gelegenheit, die Umgebung noch etwas genauer zu erkunden und mich einfach treiben zu lassen. Auf dem Weg kam ich an vielen kleinen Läden vorbei, entdeckte verschiedene Ecken der Hutongs und genoss es, den Tag ruhig ausklingen zu lassen.



Alltägliche Begegnungen und doch besondere Momente
Für Nico standen einige Abschiede an. Sein Chef, der ihn bereits in Deutschland begleitet und uns letztlich auch nach Peking geholt hat, kehrt nun nach 3 Jahren China wieder zurück. Es gab mehrere Abschiedsrunden, sowohl in der Firma, im kleineren privaten Rahmen und schließlich sogar noch einen letzten gemeinsamen Weg zum Flughafen. Abschiede dieser Art sind emotional, besonders weil unsere gemeinsame Zeit hier leider viel kürzer war, als wir es uns gewünscht hätten. Umso größer ist aber die Hoffnung, dass sich die Wege irgendwann wieder kreuzen.
Auch mein soziales Leben hier hat sich in den letzten Tagen weiter gefüllt. Mit der Frühstücksgruppe, die sich einmal im Monat auch abends trifft, waren wir in einer gemütlichen Runde unterwegs. Wir landeten in der „Alcohol Association“, einer liebevoll eingerichteten Bar, in der wir an diesem Abend fast ganz unter uns waren. Acht Frauen, gute Gespräche und verschiedene Cocktails, unter anderem ein New York Sour, also ein Whisky Sour mit Rotwein, den ich wirklich sehr empfehlen kann. Es war eine schöne Mischung aus bekannten und neuen Gesichtern und wieder einmal dieser offene, unkomplizierte Austausch, den ich hier sehr schätze.



Besonders gefreut hat mich auch, dass sich aus dem Dumpling-Kochkurs erste echte Kontakte ergeben haben. Mit einer neu gewonnenen Bekanntschaft, die ebenfalls hier im Komplex wohnt und aus Peking stammt, verabrede ich mich inzwischen regelmäßig zum morgendlichen Schwimmen mit anschließender Sauna. Es ist schön, jemanden zu haben, mit dem man spontan Sport machen kann und der sich hier auch noch bestens auskennt. Nächste Woche wollen wir gemeinsam frühstücken gehen, und sie möchte mir einige ihrer Lieblingsorte zeigen.
Neben all dem Alltäglichen gab es auch Pflichten: Ich habe mich wieder etwas intensiver mit Steuerthemen beschäftigt und war im Austausch mit meinem ehemaligen Arbeitgeber. Ich bin sehr dankbar, dass ich weiterhin Fortbildungsunterlagen bekomme und fachlich am Ball bleiben kann.
Ganz spontan ergab sich am letzten Wochenende noch ein weiteres Wiedersehen: Nico traf zufällig einen ehemaligen Studienkollegen in der Mensa, der gerade für eine Woche in China war. Kurz entschlossen verabredeten wir uns am Abend vor seiner Abreise und gingen gemeinsam im Beersmith gegenüber essen. Ein schöner, unkomplizierter Abend mit Live-Musik, Gesprächen und dem Gefühl, wie klein die Welt manchmal ist.
Zum Ende der Woche hin wurde es dann etwas ruhiger. Ein Ausflug zu Decathlon und Ikea stand an. Dieser war weniger zum gezielten Einkaufen, sondern mehr zum Schlendern, Reden und Lachen. Trotzdem sind ein paar Dinge für unsere Wohnung mitgekommen: eine Pflanze, neue Kunstblumen, eine Kerze. Kleinigkeiten, die erstaunlich viel verändern. Unsere Wohnung fühlt sich mit jedem Teil ein bisschen mehr nach Zuhause an und ich merke, wie ich innerlich immer mehr ankomme.


Dieses Wochenende verbrachten wir ruhig und ohne viel Stress. Nach vielen Terminen, Abschieden und Begegnungen tut es gut, einfach etwas abzuschalten. Gerade im Winter ist es besonders gemütlich, es sich auf dem Sofa mit einem guten Film oder einer Serie bequem zu machen. Wir schauten erneut Charité, da inzwischen eine neue Staffel erschienen ist. (absolut empfehlenswert)