Dieser Blogbeitrag ist aus einer ganz besonderen Einladung entstanden: Unser Apartmentkomplex Kerry, in dem wir hier in Peking wohnen, hat alle Bewohner zu einem gemeinsamen Kochkurs eingeladen. Anlass war das bevorstehende chinesische Neujahrsfest und was könnte dafür passender sein als Jiaozi, die klassischen chinesischen Dumplings.
Gemeinsam mit professionellen Köchen lernten wir in kleinen Gruppen an mehreren Tischen, wie Jiaozi traditionell zubereitet werden. Ziel war es nicht nur ein Gericht zu kochen, sondern sich gemeinsam auf das Neujahrsfest einzustimmen und einen Einblick in eine der wichtigsten kulinarischen Traditionen Chinas zu bekommen.
Jiaozi gehören untrennbar zum chinesischen Neujahr: Sie stehen für Glück, Wohlstand und einen guten Start ins neue Jahr. Gleichzeitig sind sie aber weit mehr als nur ein Festtagsessen. Dumplings sind in China das ganze Jahr über beliebt, als Familienessen, Streetfood oder schnelles Alltagsgericht. Kaum ein Gericht verbindet Tradition, Gemeinschaft und Genuss so sehr wie diese kleinen, gefüllten Teigtaschen.
Der Kochkurs selbst begann um 14 Uhr in der Gemeinschaftsküche auf der fünften Etage unseres Apartmentkomplexes. Es ist ein großer, heller Raum mit einer Küchenzeile und vier kleinen Tischen.
Dort angekommen bekam jeder zunächst eine Schürze, bevor wir uns auf die vier Tische verteilten. Für mich war das Ganze besonders spannend, denn obwohl ich hier schon eine Weile wohne, hatte ich bisher kaum Kontakt zu anderen Bewohnern. Meist blieb es bei einem kurzen Lächeln oder einem „Hallo“ im Aufzug. Entsprechend aufgeregt und voller Vorfreude war ich neue Menschen kennenzulernen.
Zu Beginn versammelten wir uns alle um die großen Küchenzeile, an der uns die Köche den Ablauf erklärten. Besonders beeindruckend war ihre Technik beim Ausrollen des Teigs: In wenigen Sekunden formten sie aus kleinen Teigstücken perfekt runde, gleichmäßig dünne Kreise. Genau dieser Teil stellte sich später auch für mich als größte Herausforderung heraus. Während ich anfangs klassisch mit dem Nudelholz arbeitete, versuchte ich mich auch an der chinesischen Technik – mit mäßigem Erfolg. Aber Übung macht den Meister.
Anschließend zeigten sie uns, wie die Dumplings gefüllt und vor allem richtig verschlossen werden. Genau darin liegt die eigentliche Kunst: Der Teig und die Füllung sind schnell gemacht, aber das Falten entscheidet darüber, ob die Jiaozi später auch halten und gut aussehen.

Danach ging es zurück an unsere Tische. Jeder Arbeitsplatz war gut ausgestattet: eine elektrische Herdplatte, eine Ausrollmatte und zwei kleine Nudelholz-Roller. Wir bekamen zwei verschiedene Teig-Arten, einen klassischen, weißen aus Mehl und Wasser sowie einen grünen, der mit Spinatsaft eingefärbt war. Dazu gab es zwei Füllungen: eine vegetarische Pilzmischung und eine Fleisch-Karotten-Füllung. Schnell einigten wir uns darauf, den grünen Teig vegetarisch zu halten und den weißen für die Fleischfüllung zu nutzen, damit wir sie später gut unterscheiden konnten.
Dann hieß es: ausprobieren, füllen, falten und lachen. Nach und nach kamen die Köche zu den einzelnen Tischen, korrigierten unsere Technik und gaben Tipps. Besonders gefreut hat mich, dass ich am Ende sogar für meine Falttechnik gelobt wurde. An meiner Rolltechnik muss ich definitiv noch arbeiten, aber insgesamt lief es besser als erwartet.
Gekocht wurden die Jiaozi ganz klassisch in Wasser. Sobald sie an die Oberfläche steigen (ähnlich wie bei Knödeln) sind sie fertig. Serviert wurden sie mit Sojasauce, Essig oder Chilisauce, je nach Geschmack.


Mindestens genauso schön wie das Kochen selbst war das Miteinander. An meinem Tisch saßen eine Chinesin, eine Koreanerin, eine Inderin, eine Türkin und ich – die gemeinsame Sprache war Englisch. Wir kamen schnell ins Gespräch, tauschten uns über unser Leben in Peking aus und vernetzten uns direkt über WeChat. Noch am selben Abend ging ich sogar mit einer der Teilnehmerinnen schwimmen und in die Sauna. Erste Kontakte waren geknüpft und vielleicht entstehen daraus ja echte Freundschaften.
Rückblickend bin ich sehr froh, dass ich meine anfängliche Unsicherheit überwunden und an diesem Kochkurs teilgenommen habe. Ich habe nicht nur gelernt, wie man Jiaozi macht, sondern auch ein Stück Gemeinschaft erlebt. Ein paar Dumplings habe ich mit nach Hause genommen, welche Nico am Abend probierte.
Und weil dieses Erlebnis so schön war, möchte ich das Gelernte nun an euch weitergeben.
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Jiaozi Rezept
Zutaten :
1.Teig (25-30 Dumplings)
150g Dumplingmehl oder mittleres Weizenmehl
75g lauwarmes Wasser
2.Fleisch Füllung (25-30 Dumplings)
250g Hackfleisch (traditionell Schwein)
1-2 mittelgroße Karotten
2 Frühlingszwiebeln
1 Knoblauchzehe
1 EL Sesamöl
Salz & Pfeffer
3.Vegetarische Füllung (25-30 Dumplings)
150 g Shiitakepilze (frisch oder getrocknet)
100 g Chinakohl (Napa-Kohl)
30–40 g Glasnudeln (Mungbohnen-Vermicelli)
2 Frühlingszwiebeln
1 Knoblauchzehen
1 EL Sesamöl
1 Tl Gemüsebrühepulver
Salz & Pfeffer
! Wenn ihr Fleisch und vegetarisch wollt müsst ihr die doppelte Menge des Teiges machen !
Zubereitung:
1. Teig vorbereiten
Das Mehl in eine Schüssel geben und das Wasser nach und nach hinzufügen, während du mit einer Gabel oder den Händen mischst. (Oder der Thermomix)
Nicht zwingend das gesamte Wasser verwenden – der Teig soll eine knetbare, nicht klebrige Konsistenz haben.
Sobald der Teig zusammenkommt:
ca. 5 Minuten kräftig kneten, damit sich das Gluten entwickelt, anschließend abgedeckt ruhen lassen
2. Füllung herstellen
Fleisch-Füllung
– Karotten fein reiben Frühlingszwiebeln, Knoblauch und Ingwer sehr fein hacken
Wichtig: Alles wirklich sehr fein, damit die Dumplings sich gut schließen lassen.
– Hackfleisch in eine große Schüssel geben.
Dann hinzufügen: Sojasauce Sesamöl neutrales Öl Zucker, Salz, Pfeffer optional Ei und Wasser/Brühe
! Alles in nur eine Richtung rühren (mit Stäbchen oder Löffel) bis die Masse leicht klebrig und gebunden wirkt.
– Gemüse unterheben: Karotten Frühlingszwiebeln Knoblauch Ingwer unter die Fleischmasse mischen
! wieder in eine Richtung, aber vorsichtig.
Die Füllung sollte:
saftig, aber nicht wässrig sein gut zusammenhalten intensiv würzig, aber nicht salzig schmecken
Vegetarische-Füllung
– Shiitakepilze sehr fein hacken (getrocknete vorher 20–30 Min. einweichen, Einweichwasser nicht wegschütten)
– Chinakohl fein schneiden, leicht salzen, 10 Minuten ziehen lassen → danach kräftig ausdrücken
– Glasnudeln mit heißem Wasser übergießen, 5 Minuten ziehen lassen, sehr fein schneiden
– Frühlingszwiebeln, Knoblauch, Ingwer fein hacken
– Alle Zutaten in eine große Schüssel geben.
– Dann hinzufügen: Sojasauce Sesamöl neutrales Öl Salz, Pfeffer, Zucker optional Brühepulver & Reisessig
! Alles in eine Richtung rühren, bis die Masse leicht bindet.
Falls die Füllung zu trocken wirkt:
1–2 EL Pilz-Einweichwasser oder normales Wasser unterrühren
Die perfekte vegetarische Füllung ist: aromatisch leicht feucht, aber nicht wässrig gut formbar
Vor dem Füllen idealerweise 10 Minuten ruhen lassen.
3. Dumplings formen
Teig in kleine Stücke teilen Zu dünnen, runden Kreisen ausrollen (Ränder etwas dünner als die Mitte) Einen gehäuften Teelöffel Füllung in die Mitte geben Finger in Wasser tauchen und den Rand leicht anfeuchten Wrapper locker zusammenfalten, nicht direkt flach zusammendrücken Von einer Seite beginnend kleine Falten legen und fest verschließen Wiederholen, bis Füllung und Teig aufgebraucht sind
4. Dumplings kochen
Großen Topf mit Wasser zum Kochen bringen Hälfte der Dumplings hineingeben und einmal umrühren Sobald das Wasser wieder kocht: 1 Tasse kaltes Wasser hinzufügen Wenn es erneut kocht: 3 Tassen kaltes Wasser hinzufügen Beim dritten Aufkochen sind die Dumplings gar Mit einem Schaumlöffel herausnehmen Mit der zweiten Hälfte wiederholen
5. Servieren
Sofort servieren, klassisch mit: chinesischem schwarzem Reisessig, Sojasauce und optional Chiliöl oder Chilisauce
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Insgesamt war der Kochkurs ein rundum gelungenes Event voller Austausch, neuer Eindrücke und gemeinsamer Freude am Kochen. Zum Abschluss erwartete uns noch eine besonders schöne Geste: Jeder Teilnehmende erhielt ein kleines Geschenk: ein kräftiges Pferd mit einem Yuanbao (Goldbarren) auf dem Rücken. In der chinesischen Symbolik steht das Pferd für Erfolg, Ausdauer und schnelles Vorankommen. Die runde, kräftige Form symbolisiert Wohlstand, Fülle und ein sorgenfreies Leben. Gold und insbesondere der Yuanbao, die traditionellen Goldbarren des alten Chinas, gelten als starke Glücksbringer für Reichtum und finanziellen Segen. Ein sehr passender Abschluss für einen Nachmittag, der nicht nur kulinarisch bereichernd war, sondern auch ganz im Zeichen von Gemeinschaft, Glück und einem guten Start ins neue Jahr stand.
