Fundstück Juli 2026

„Lieber Helm-Frisur statt Schädel-Fraktur

Wahrscheinlich eines der bekanntesten Sprichwörter unter Reitern und mittlerweile auch unter vielen anderen Sportlern. Denn egal ob beim Reiten, Fahrradfahren, Skifahren oder Motorradfahren: Ein Helm kann im entscheidenden Moment einen großen Unterschied machen.

Seit dem 1. Mai 2026 gilt in Peking eine neue Regelung, die das Thema Helm auch im alltäglichen Straßenverkehr deutlich sichtbarer macht. Wer mit einem elektrischen Fahrrad/ elektrischen Roller unterwegs ist, muss seitdem einen geeigneten und zertifizierten Schutzhelm tragen. Das gilt nicht nur für den Fahrer, sondern auch für einen Mitfahrer. Für normale Fahrräder gilt diese neue gesetzliche Helmpflicht dagegen nicht.

Als wir nach unserem Sommerurlaub wieder zurück in Peking waren, fiel uns sofort auf, dass sich im Straßenbild etwas verändert hatte. Besonders faszinierend finde ich dabei, wie unterschiedlich die Menschen mit der neuen Regelung umgehen.

Deshalb dachte ich: Das ist doch ein perfektes Fundstück des Monats.

Helm-Situation Oktober 2025

Seit der neuen Regelung begegnen uns zwar tatsächlich mehr Menschen mit Kopfschutz. Gleichzeitig zeigt sich aber auch: „Helm tragen“ bedeutet offenbar nicht automatisch, dass dieser auch so genutzt wird, wie man es sich ursprünglich vorgestellt hat.

Man sieht zum Beispiel Menschen, die den Helm zwar auf dem Kopf haben, ihn aber nicht richtig befestigt haben. Der Kinnriemen hängt locker unter dem Kinn oder ist überhaupt nicht geschlossen. Damit ist der Helm zwar theoretisch vorhanden, würde im Falle eines Sturzes aber wahrscheinlich schneller vom Kopf fliegen als der Fahrer selbst.

Und auch bei der Größe scheint manchmal das Motto zu gelten: Hauptsache, er ist irgendwie auf dem Kopf. Manche Helme sind deutlich zu groß und wackeln bei jeder Bewegung fröhlich hin und her. Andere wirken eher eine Nummer zu klein und sitzen so eng, dass man sich fragt, ob der Helm oder der Kopf eigentlich angepasst werden musste. Dazu kommen schief sitzende Helme, die irgendwo zwischen Stirn und Hinterkopf ihren persönlichen Lieblingsplatz gefunden haben.

Und dann gibt es natürlich noch die Frage: Ist Helm wirklich gleich Helm?

Wenn man durch Peking läuft, sieht man die unterschiedlichsten Modelle. Manche Menschen tragen klassische Fahrradhelme, andere eher geschlossene Helme, wie man sie auch vom Motorrad kennt. Wieder andere Modelle erinnern eher an Bauhelme oder sehen aus wie einfache Kunststoffschalen. Für den Laien ist deshalb gar nicht immer leicht zu erkennen, ob es sich tatsächlich um einen geeigneten Schutzhelm handelt.

Die neue Regelung schreibt vor, dass die Helme den entsprechenden nationalen Standards entsprechen und zertifiziert sein müssen. Ein beliebiger Fahrradhelm oder eine einfache Kopfbedeckung reicht also natürlich nicht aus.

Das Überraschendste bleibt aber, dass trotz der neuen Regelung noch immer einige Menschen ganz ohne Helm unterwegs sind. Besonders häufig sieht man Situationen, in denen zwar der Fahrer einen Helm trägt, die Beifahrerin, ob Partnerin, Freundin oder Tochter, jedoch ohne Kopfschutz mitfährt. Manchmal entsteht dabei fast der Eindruck, dass der Helm weniger der Sicherheit dient, sondern eher dazu, mögliche Strafen zu vermeiden.

Denn der Helm ist erstaunlich oft zumindest in der Nähe: Manche Fahrer hängen ihn bequem an den Lenker, andere befestigen ihn an einem Haken am Roller. Wieder andere platzieren ihn einfach vor sich auf dem Sitz, quasi als Beifahrer ohne Führerschein. Der Helm fährt also mit und ist theoretisch jederzeit griffbereit. Nur befindet er sich während der Fahrt nicht unbedingt dort, wo er im Falle eines Sturzes den größten Nutzen hätte: auf dem Kopf.

Besonders amüsant wird es, wenn eine Polizeikontrolle auftaucht. Dann verwandelt sich der lässig am Roller baumelnde Helm innerhalb weniger Sekunden in einen ordnungsgemäß getragenen Kopfschutz. Eine beeindruckende Reaktionsgeschwindigkeit und fast schon ein kleines Schauspiel für die Zuschauer am Straßenrand.

Positiv ist das die meisten Lieferfahrer vorallem von großen Unternehmen jetzt durchweg Helme tragen. Auch im allgemeinen fällt auf das mehr Leute nun geschützt fahren.

Während man früher deutlich häufiger Menschen ohne Helm gesehen hat, begegnen uns inzwischen immer mehr Fahrer mit Kopfschutz. Natürlich gibt es weiterhin Menschen, die keinen Helm tragen oder ihn nicht korrekt befestigen. Aber insgesamt scheint sich das Straßenbild langsam zu verändern.

Die Polizei kontrolliert nun die Einhaltung der neuen Vorschriften stärker. Wer ohne vorgeschriebenen Helm mit einem elektrischen Fahrrad unterwegs ist, muss mit einer Verwarnung oder einer Geldstrafe von 10 bis 50 Yuan rechnen.

Helm-Situation Juli 2026

Der Helm ist aber auch einfach ein beliebtes Accessoire geworden, denn viele Menschen machen ihren Helm inzwischen zu etwas ganz Persönlichem. Statt eines einfachen schwarzen Schutzhelms sieht man immer häufiger bunte Modelle, kleine Figuren, Ohren, Schleifen oder andere Verzierungen. In China, wo Individualisierung und niedliche Designs im Alltag eine große Rolle spielen, wird selbst aus einem eigentlich praktischen Gegenstand schnell ein kleines Statement.

Doch nicht nur optisch wird der Helm immer individueller. Immer häufiger sieht man auch Helme mit kleinen Kameras, ähnlich wie eine Dashcam am Auto. Diese zeichnen während der Fahrt den Verkehr auf und sollen im Falle eines Unfalls helfen, den Hergang besser nachvollziehen zu können. Gerade im dichten Pekinger Straßenverkehr, wo Fahrräder, E-Bikes, Roller und Autos oft sehr nah aneinander unterwegs sind, können solche Aufnahmen wertvolle Hinweise liefern. Videoaufnahmen können bei der Klärung von Verkehrsunfällen als Beweismittel herangezogen werden, wenn sie zur Aufklärung des Unfallhergangs beitragen. 

Vielleicht liegt genau darin eine Chance: Je mehr Menschen überhaupt einen Helm tragen, desto normaler wird der Anblick im Straßenbild. Und wenn ein Helm nicht mehr nur als lästige Pflicht gesehen wird, sondern auch als etwas, das den eigenen Stil widerspiegeln kann oder sogar zusätzliche Sicherheit bietet, steigt vielleicht für den ein oder anderen die Motivation, tatsächlich einen zu tragen.

Denn am Ende schützt auch der schönste, kreativste oder technisch ausgestattetste Helm nur dann, wenn er dort sitzt, wo er hingehört: auf dem Kopf.

Ob sich dadurch langfristig wirklich alle Menschen an die Helmpflicht halten werden, wird sich natürlich noch zeigen. Aber die Regelung soll vor allem dazu beitragen, ein neues Sicherheitsbewusstsein zu schaffen und bereits jetzt ist der Unterschied im Stadtbild bemerkbar. Besonders wenn man nach einigen Wochen aus dem Urlaub zurückkommt, fallen solche Veränderungen wahrscheinlich noch stärker auf.

Regenzeit mit über 30 Grad

Wir sind genau zur Pekinger Regenzeit aus Deutschland zurückgekommen. Der Juli gehört zu den niederschlagsreichsten Monaten des Jahres. Das bedeutet allerdings nicht, dass es hier tagelang durchregnet. Viel häufiger wechseln sich strahlender Sonnenschein und kurze, teilweise kräftige Regenschauer ab.

Und selbst wenn es regnet, bleiben die Temperaturen sommerlich warm. Bei über 30 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit fühlt sich das Wetter dadurch manchmal fast tropisch an.

Genau dieses typische Pekinger Sommerwetter begleitete uns auch durch die vergangenen zwei Wochen. Mal begann der Tag bei strahlendem Sonnenschein und endete mit einem kräftigen Regenschauer.

Dazwischen gab es aber trotzdem einiges zu erleben und auch der Alltag direkt wieder auf Hochtouren.

Ein Besuch im Pekinger Freibad

Gemeinsam mit einer Freundin nutzte ich einen sonnigen Tag, um endlich einmal etwas auszuprobieren, das ich mir hier in Peking ehrlich gesagt zunächst gar nicht so richtig vorstellen konnte: einen Besuch im Freibad.

Das Schwimmbad war deutlich größer, als ich erwartet hatte. Es gab allerdings nur ein einziges großes Becken mit verschiedenen Bereichen für Schwimmer, Nichtschwimmer und einen Kinderbereich.

Was mir allerdings sofort auffiel: Ein klassisches Freibad, wie wir es aus Deutschland kennen, ist es nicht. Eine große Liegewiese mit Handtüchern und Picknickdecken sucht man hier vergeblich. Stattdessen gibt es Klappstühle, betonierte Flächen und Tribünen, auf denen es sich die Besucher gemütlich machen.

Das liegt unter anderem auch daran, dass helle Haut in China nach wie vor einem verbreiteten Schönheitsideal entspricht. Viele Besucher suchten deshalb bewusst den Schatten auf oder trugen lange UV-Schutzkleidung.

Auch der Eintrittspreis war für uns zunächst überraschend. Während man sich in Deutschland schon gerne einmal über die Preise mancher Freibäder beschwert, kostete der Eintritt hier umgerechnet etwa zehn Euro pro Person. Das empfand ich ehrlich gesagt als ziemlich teuer. Vor allem, weil es sich dabei nicht um eine riesige Freizeitanlage mit mehren Becken handelte, wie man sie aus Deutschland kennt.

Alles in allem war es also weniger ein klassischer Freibadtag mit stundenlangem Liegen auf der Wiese, sondern vielmehr eine Mischung aus Schwimmen, Entspannen und einem ausgiebigen Update mit einer Freundin.

Ein regnerisches Wochenende

Am Freitagabend wollten Nico und ich ein italienisches Restaurant in Sanlitun ausprobieren, einem lebhaften Viertel Pekings mit vielen Restaurants, Bars und Nachtleben.
Trotz großer Nachfrage mussten wir nur fünf statt der angekündigten 20 Minuten warten und bekamen sogar einen Platz draußen. Die Pizza war zudem so gut, dass sie für uns jetzt auf Platz eins in Peking steht.


Danach gingen wir noch auf eine Dachterrasse, genossen den Blick über die Stadt und starteten entspannt ins Wochenende.

Weil es immer wieder regnete, blieben wir ansonsten viel zuhause, erledigten To-dos und planten unseren nächsten Trip mit Freunden sowie die Reise für die Golden Week im Oktober.


Samstagabend ging es für uns, noch zu Haidilao Hot Pot. Diese Kette ist bekannt für solides Essen, Roboter, die Speisen bringen und eine Nudel-Show am Tisch.

Für uns gehört Hot Pot inzwischen einfach zu den Dingen, die man in China erlebt haben sollte.

Kleine Erledigungen

In der folgenden Woche standen bei mir vor allem die Planung unserer nächsten Wochen und das Chinesischlernen auf dem Programm.

Nach der längeren Sommerpause hatte ich vor meiner ersten Chinesischstunde tatsächlich ein wenig Sorge, dass ich vieles wieder vergessen haben könnte. Umso positiver war ich überrascht, dass das Gegenteil der Fall war. Die Stunde lief besser als erwartet und hat mir wieder richtig Spaß gemacht.

Während ich langsam wieder in meine Routinen zurückfand, war Nico zudem weiterhin mit seinem chinesischen Führerschein beschäftigt. Für den Antrag fehlte unter anderem noch ein Sehtest. Da die entsprechende Stelle am Wochenende geschlossen hatte, kam Nico an einem Wochentag etwas früher von der Arbeit nach Hause und wir machten uns gemeinsam auf den Weg.

Schon beim Betreten des Ärztehauses wurde klar: Hier spricht niemand Englisch. Also hieß es: Gestik, Handzeichen und Übersetzer-App. Wir wurden von Zimmer zu Zimmer geschickt, erst zum Arzt, zurück zur Anmeldung, dann endlich zum Sehtest.

Der Sehtest selbst war dann überraschend vertraut. Aus einem Buch musste er eine Zahl erkennen für die Rost-Grün schwäche auszuschließen und anschließend an verschiedene Zeichen sagen, ob die Öffnung nach oben, unten, links oder rechts ist.

Nach vier Zeichen war der Test auch schon geschafft.

Die nächste Herausforderung wartete allerdings direkt danach: Nico musste mit seinem chinesischen Namen unterschreiben. Zum ersten Mal in seinem Leben musste er also chinesische Schriftzeichen schreiben.

Mit dem fertigen Dokument wollten wir dann eigentlich heim, doch das Wetter hatte andere Pläne. Aus strahlendem Sonnenschein wurde plötzlich starker Regen und natürlich hatten wir kein Schirm dabei.

Also Standen wir erstmal noch in dem Eingang, Nico erledigte nebenher noch ein paar Telefonate für die Arbeit und als es etwas nachließ, sind wir nach Hause gelaufen.

Chinesische Küche entdecken

Mittwochs war ich mit meiner Freundin zum Brunch verabredet. Sie wollte mir unbedingt eines ihrer Lieblingsrestaurants zeigen: das Buffet im JEN Hotel direkt gegenüber von unserem Gebäude.

Dieses bietet eine große Auswahl an verschiedenen Speisen. Es gibt ausschließlich typische Pekinger Speisen und einige besondere Stationen. Man kann sich zum Beispiel sogar seinen eigenen kleinen Hot Pot zusammenstellen.

Meine Freundin kommt gebürtig aus Peking und konnte mir deshalb viele der Gerichte erklären. Es war schön, gemeinsam durch das Buffet zu gehen und von ihr einige ihrer Lieblingsspeisen gezeigt zu bekommen.

Ein Wochenend-Roadtrip

Am Freitagnachmittag trafen wir uns gemeinsam mit einem befreundeten Pärchen am Mercedes Benz Werk, um gemeinsam unseren Ausflug zu starten.

Unser Ziel: Qingdao.

Insgesamt waren es rund 650 Kilometer von Peking bis an die Küste und diese haben wir gemeinsam mit dem elektrischen EQS zurücklegen. Nach 4 1/2 Stunden machten wir unseren einzigen Ladestopp von etwa 20 Minuten. Während unser Auto geladen wurde, konnten wir uns die Beine vertreten und die Raststätte erkunden.

Diese sind gar nicht so anders als bei uns. Es gibt Restaurants, Toiletten, kleine Geschäfte und teilweise sogar Spielbereiche für Kinder. Nur das Essen unterscheidet sich natürlich deutlich. Statt belegter Brötchen oder Currywurst gibt es chinesische Gerichte. Außerdem findet man überall Stationen mit heißem Wasser, an denen man sich Tee oder Instantnudeln zubereiten kann.

Nach insgesamt etwa sieben Stunden Fahrt kamen wir kurz vor 23 Uhr in Qingdao an. Die Küstenstadt in der Provinz Shandong ist vor allem für ihre Strände und ihr Bier bekannt.

Gleichzeitig hat Qingdao eine besondere Verbindung zu Deutschland: Von 1898 bis 1914 stand die Stadt unter deutscher Kolonialherrschaft. Noch heute findet man dort zahlreiche deutsche Bauwerke und rote Ziegeldächer. Und zudem ist Qingdao auch die Heimat des berühmten Tsingtao-Biers.

Nach der langen Fahrt wollten wir den Abend noch nicht sofort beenden. Also setzten wir uns noch zusammen in dem Restaurant direkt am Hotel, bestellten uns einen Drink und stießen auf das bevorstehende Wochenende an. Danach ging es für uns aber auch schnell ins Bett, schließlich wartete am nächsten Morgen unser erstes richtiges Qingdao-Abenteuer auf uns.

Zwischen deutscher Geschichte und chinesischer Bierkultur

Am Samstag machten wir uns nach einem gemütlichen Frühstück mit dem Taxi auf den Weg in die Altstadt rund um die Zhongshan Lu. Eigentlich wollten wir direkt das Tsingtao-Biermuseum besuchen. Als wir dort ankamen, mussten wir allerdings feststellen, dass für den Tag bereits fast alles ausgebucht war. Die einzige noch verfügbare Möglichkeit war eine Führung auf Englisch zu einem späteren Zeitpunkt.

Im Nachhinein war das aber eigentlich gar nicht schlecht. So hatten wir zunächst noch Zeit, die Altstadt zu erkunden.

Unser erster Stopp war die St.-Michael-Kathedrale. Die Kirche mit ihren beiden markanten Türmen gehört zu den bekanntesten historischen Bauwerken Qingdaos und wurde in den 1930er-Jahren von deutschen Missionaren errichtet. Sie liegt mitten in dem Teil der Stadt, der noch heute stark von der deutschen Geschichte Qingdaos geprägt ist.

Von dort aus schlenderten wir einfach ohne konkreten Plan durch die Straßen. Qingdao fühlt sich in vielen Teilen der Altstadt erstaunlich europäisch an. Die roten Ziegeldächer, historischen Gebäude und die teilweise fast mediterrane Atmosphäre unterscheiden sich deutlich von vielen anderen chinesischen Städten.

Der Grund dafür liegt in der besonderen Geschichte der Stadt. Qingdao stand von 1898 bis 1914 unter deutscher Kontrolle. Nach dem Ersten Weltkrieg übernahm Japan die Stadt, bevor Qingdao 1945 wieder endgültig unter chinesische Kontrolle kam. Die deutsche Prägung ist heute aber noch deutlich im Stadtbild sichtbar und natürlich auch in der wohl bekanntesten Erfindung dieser Zeit: dem Qingdao-Bier.

Während wir weiter durch die Straßen schlenderten, holten wir uns noch einen Kaffee und kamen immer wieder an kleinen Ständen und Werbeflächen rund um das Qingdao-Bier vorbei. In der ganzen Stadt begegnet man dem Bier auf unterschiedliche Weise.

Eine Besonderheit Qingdaos ist ist das Bier in Plastiktüten. Das klingt zunächst etwas ungewöhnlich, ist dort aber eine richtige Tradition. Frisch gezapftes Bier wird in Tüten gefüllt und häufig mit einem Strohhalm getrunken. Früher war diese Variante vor allem praktisch und günstig und bis heute gehört sie für viele einfach zum typischen Qingdao-Erlebnis dazu.

Auch die Bierbörse ist besonders bekannt in der Stadt. Dabei handelt es sich um eine Art Selbstbedienungsstation, an der verschiedene Biersorten zu unterschiedlichen Preisen angeboten werden. Die Preise schwanken je nach aktueller Nachfrage, ähnlich wie an einer Börse. Über einen QR-Code kann man sein Bier bezahlen, selbst zapfen und anschließend direkt genießen.

Brauerei Besuch

Nach einer kleinen Stärkung mit Jiaozi, also chinesische Dumplings, ging es dann zum eigentlichen Höhepunkt der Stadt: der Tsingtao-Brauerei.

Die Geschichte der Brauerei ist eng mit der deutschen Vergangenheit der Stadt verbunden. Sie wurde 1903 von deutschen und britischen Geschäftsleuten als „Germania-Brauerei Tsingtao Co., Ltd.“ gegründet . Die deutschen Brauer brachten dabei nicht nur ihr Wissen, sondern auch die entsprechende Technik nach Qingdao, darunter vier kupferne Sudkessel und einen Siemens-Elektromotor, der tatsächlich bis 1995 im Einsatz war.

So entstand eine Brauerei, die deutsche Brautradition mit chinesischen Zutaten und lokalen Gegebenheiten verband.

Während der Führung erfuhren wir mehr über die Geschichte der Brauerei, konnten verschiedene Produktionsbereiche sehen und bekamen erklärt, wie sich das Bier im Laufe der Zeit entwickelt hat. Besonders interessant fand ich auch die Ausstellung mit alten Flaschen und Krügen im Qingdao Beer Museum, das auf dem alten Brauereigelände eingerichtet ist Dadurch wurde sichtbar, wie sich das Design der Marke über die Jahrzehnte verändert hat.

Zusätzlich wurde uns die Herstellung des Bieres genauer erklärt. Wir erfuhren, welche Zutaten verwendet werden und welche Rolle Wasser, Malz und Hopfen bei der Produktion spielen. In der Ausstellung waren außerdem einige der ursprünglichen deutschen Maschinen zu sehen, die in der Anfangszeit der Brauerei nach Qingdao gebracht wurden.

Die Tsingtao-Brauerei gehört heute zu den bekanntesten Biermarken Chinas und wurde im Laufe ihrer Geschichte mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet. 2025 wurde sie sogar als stärkste Biermarke der Welt ausgezeichnet . Mit einem Markenwert von 3,6 Milliarden US-Dollar und einem Bierausstoß von 7,65 Millionen Hektolitern ist sie zudem einer der größten Bierproduzenten der Welt.

Auch bei großen internationalen Veranstaltungen ist die Marke präsent. So war Tsingtao unter anderem offizieller Sponsor der Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking sowie der Olympischen Winterspiele 2022 – als weltweit einziger „Double-Olympic“-Biersponsor“ . Dadurch ist die Marke längst nicht mehr nur mit China verwurzelt, sondern weltweit bekannt, in über 120 Ländern .

Natürlich durfte auch eine Verkostung nicht fehlen. Dazu gab es kostenlos kleine Gläser des traditionellen Biers und Bier-Erdnüsse.

Wir wollten allerdings unbedingt nach der Führung auch noch etwas Besonderes probieren: das sogenannte Original Beer.

Dabei handelt es sich um besonders frisches, unpasteurisiertes Bier, das direkt aus der Brauerei kommt und deshalb nur sehr kurz haltbar ist. Es wird frisch gezapft und direkt vor Ort verkauft.

Wir kauften uns zwei der berühmten Bierbeutel. Eine Tüte tranken wir direkt aus unseren Gläsern, die andere nahmen wir für den Abend mit. Die Tüten waren dabei sogar eine Art Premium-Version der klassischen Plastiktüte und eine große Tüte mit ungefähr zwei Litern kostete dabei gerade einmal umgerechnet etwa acht Euro.

Geschmacklich ist das Tsingtao Bier wesentlich leichter und weniger bitter als viele traditionelle deutsche Biere. Ursprünglich wurde es nach deutschem Vorbild gebraut, dieses war aber für viele Chinesen zunächst zu bitter und wurde als Pferdeurin verpönt. Deshalb wurde der Geschmack im Laufe der Zeit an die chinesischen Vorlieben angepasst und das Bier wird nun deutlich milder gebraut.

Nach einem kurzen Zwischenstopp im Hotel machten wir uns am Abend wieder auf den Weg zum Essen. Da Qingdao eine Hafenstadt ist, gehört Seafood natürlich zu den Spezialitäten der Region.

Wir bestellten eine große Seafood-Platte für uns vier. Für umgerechnet etwa 20 Euro bekamen wir eine beeindruckende Auswahl an verschiedenen Meeresfrüchten: Muscheln, Garnelen, Krabben, Hummer und sogar einen Seestern. Dazu gab es Pommes, Reis, Lotuswurzel, Blumenkohl und eingelegten Sellerie.

Und dann war es endlich Zeit für den eigentlichen Grund, warum wir dieses Wochenende hierher gekommen waren.

Ein chinesisches Beer Fest?

Das Qingdao Beer Festival gilt als eines der größten Bierfestivals der Welt und wird als das größte Bierfest Asiens bezeichnet. 2026 fand bereits die 36. Ausgabe statt. Das Festival erstreckt sich über mehrere Veranstaltungsorte und verbindet Biergärten, Konzerte, Fahrgeschäfte, Shows und internationale Marken miteinander. Der Hauptstandort allein bot 2026 mehr als 2.300 verschiedene Biere und über 2.000 Veranstaltungen. 

Als wir das Gelände betraten, waren wir zunächst völlig überwältigt. Es war riesig und deutlich größer, als wir erwartet hatten. Überall gab es verschiedene Bierzelte, Essensstände, Fahrgeschäfte und Bühnen. Zudem fiel uns immer wieder ein ganz besonderes Gebäude ins Auge: das außergewöhnliche Theatergebäude direkt am Strand. Mit seiner markanten, geschwungenen Form ragte es zwischen den verschiedenen Bereichen des Festivalgeländes hervor. Zu der lebhaften Atmosphäre tragen außerdem jedes Jahr große Shows, Feuerwerke und weitere Veranstaltungen bei.

Unser erster Stopp war das deutsche Warsteiner-Zelt, da wir hofften, dort etwas Discofox tanzen zu können. Die Stimmung war allerdings ganz anders als erwartet und deutsche Tanzmusik lief ebenfalls nicht.

Also probierten wir stattdessen das große Tsingtao-Bierzelt aus. Dort war die Stimmung deutlich ausgelassener. Allerdings wurde auch hier nur wenig getanzt. Stattdessen gab es eine moderierte Show mit verschiedenen Wettbewerben und Spielen: Wer trinkt am schnellsten? Welcher Tisch ist am lautesten? Und wer kann für die beste Stimmung sorgen?

Auch das dritte Zelt, das wir uns anschauten, vermittelte wieder eine ganz andere Atmosphäre, eher wie bei einer Hochzeit oder einem großen Geschäftsessen. Besonders interessant fanden wir dort eine Band, die auf den ersten Blick aus Robotern zu bestehen schien. Zumindest dachten wir das zunächst. Bei genauerem Hinsehen stellten wir jedoch fest, dass es sich lediglich um Attrappen handelte.

So hatte jedes Zelt seinen ganz eigenen Charme. Fairerweise müssen wir allerdings sagen, dass wir auch gar nicht richtig in die jeweilige Atmosphäre eintauchen konnten. Die meisten Tische waren bereits besetzt und ohne Bändchen hätten wir uns auch keinen eigenen Tisch nehmen können. Für die wenigen Stunden, die wir noch auf dem Festival verbringen wollten, hätte sich das für uns jedoch nicht mehr wirklich gelohnt.

Tsingtao Zelt
Warsteiner Zelt

Zwischendurch sahen wir Fahrgeschäfte, eine europäische Blaskapelle, verschiedene Shows und sogar eine gemeinsame Gesangseinlage, bei der plötzlich alle zusammen ein Lied sangen. Auch die Biergöttin bekamen wir zu Gesicht. Wir fanden es besonders interessant, dass es sich dabei um eine weibliche Figur handelt und nicht wie man bei einem Bierfestival vielleicht zunächst erwarten würde, um einen männlichen Gott.

Natürlich durfte auch das berühmte Foto vor dem Tor mit den beiden anstoßenden Bierkrügen nicht fehlen. Pünktlich dazu gab es auch das große Feuerwerk, das jeden Abend gleich zweimal stattfindet und das Festivalgelände für einen Moment noch einmal in ein ganz besonderes Licht tauchte.

Einmal mussten wir natürlich auch noch das Bier direkt an einer Bier-Tankstelle ausprobieren und zapften uns unser Bier selbst. Anfangs war das gar nicht so einfach, doch sobald man den Dreh heraus hatte, klappte es auch mit der angemessenen Menge an Schaum.

Es waren diese kleinen, teilweise unerwarteten Momente, die uns immer wieder zum Schmunzeln brachten und die besondere Atmosphäre des Qingdao Beer Festivals ausmachten. Hier ging es nicht nur um das Bier selbst, sondern um die gesamte bunte, laute und manchmal auch etwas skurrile Mischung aus Musik, Shows und den vielen kleinen Überraschungen am Wegesrand, wie zum Beispiel einem Verkäufer an einem Stand, der voller Begeisterung tanzte, während er seine Waren anpries.

Zum Abschluss ließen wir den Abend jedoch nicht in einem der großen Bierzelte ausklingen, sondern gingen noch an die Uferpromenade. Das Festivalgelände liegt direkt am Meer und deshalb setzten wir uns dort zum Abschluss noch auf die Campingstühle. Hinter uns lag das bunte und laute Festivalgelände, während wir vor uns das Meer hatten. Ein schöner Kontrast zu den vielen Eindrücken des Tages.

Anschließend liefen wir noch etwa 25 Minuten zurück zu unserem Hotel. Ein langer, ereignisreicher Tag, an dem wir unglaublich viel gesehen und erlebt hatten und definitiv eine Erinnerung, die uns noch lange bleiben wird.

Ein ruhiger Sonntag am Meer

Am Sonntag ließen wir es deutlich ruhiger angehen. Nach dem Frühstück mussten wir eigentlich nur die Straße überqueren und standen bereits am Strand.

Dort wollten wir uns vier Liegen mieten. Der erste Preis lag bei 500 Yuan, also umgerechnet etwa 63 Euro. Da wir allerdings wussten, dass wir nur wenige Stunden bleiben konnten, begannen wir zu verhandeln. Am Ende konnten wir den Preis auf 200 Yuan, also etwa 25 Euro, reduzieren.

Obwohl der Himmel an diesem Tag eher bewölkt und dunstig war, war es am Strand sehr warm. Das Meer war deshalb eine willkommene Abkühlung. Der Einstieg war zwar zunächst etwas algenreich, aber sobald man einmal im Wasser war, war es sehr angenehm.

Nach ungefähr drei Stunden machten wir uns wieder auf den Weg zurück ins Hotel, duschten und packten unsere Sachen. Danach ging es mit dem Auto wieder zurück nach Peking.

Auch auf der Rückfahrt blieben wir von Staus verschont. Nach einem kurzen Ladestopp von etwa 15 Minuten kamen wir nach rund sieben Stunden wieder in Peking an.

Damit ging unser Wochenende in Qingdao zu Ende. Wir hatten deutsche Geschichte, chinesische Bierkultur, frisches Seafood, ein riesiges Bierfestival und einen Tag am Meer miteinander verbunden. Und genau diese Mischung war für uns der Grund, warum sich die lange Fahrt von Peking nach Qingdao absolut gelohnt hatte.

Moderne Architektur, die mich beeindruckt

Peking ist eine Stadt voller architektonischer Gegensätze. Neben den historischen Bauwerken der Kaiserzeit ist in den letzten Jahrzehnten eine völlig neue Stadtlandschaft entstanden: futuristische Hochhäuser, außergewöhnliche Bürogebäude und experimentelle Architektur, die weltweit Aufmerksamkeit bekommen hat.

Die Zahl faszinierender moderner Gebäude in Peking ist riesig und diese Liste könnte noch deutlich länger sein. Ich habe deshalb bewusst meine persönlichen Highlights herausgesucht: Gebäude, die mich durch ihre Form, ihre Idee, ihre Atmosphäre oder ihre besondere Wirkung vor Ort beeindruckt haben.

Dabei habe ich einige bekannte Sehenswürdigkeiten bewusst nicht aufgenommen, da ich sie bereits in anderen Beiträgen vorgestellt habe. Dazu gehören zum Beispiel die Bauwerke des Olympiaparks wie das „Bird’s Nest“ oder der „Water Cube“. Diese sind zweifellos wunderschön, passen aber nicht zu meiner persönlichen Auswahl der modernen Architektur, die mich in Peking besonders fasziniert.

Der Fokus dieser Liste liegt daher auf der neuen Skyline Pekings, den futuristischen SOHO-Projekten, außergewöhnlichen Bürogebäuden und sonstigen Bauwerken, die zeigen, wie vielfältig und spannend die Architektur der Stadt heute ist.

SOHO – Pekings futuristische Büroarchitektur

SOHO steht ursprünglich für „Small Office / Home Office“ und wurde durch die chinesische Immobiliengruppe SOHO China zu einer eigenen Architektursprache in Peking. Besonders bekannt sind die Projekte von Zaha Hadid Architects, die mit fließenden Formen, organischen Linien und futuristischen Innenräumen neue Akzente in der Stadt gesetzt haben.

Die SOHO-Gebäude gehören zu den auffälligsten modernen Bauwerken Pekings und zeigen eine Architektur, die eher wie eine Skulptur wirkt als wie ein klassisches Gebäude.

Galaxy SOHO

Architekt: Zaha Hadid Architects, Vereinigtes Königreich
Fertigstellung: 2012
Nutzung: Büro- und Einzelhandelsflächen

Galaxy SOHO ist eines der ersten großen futuristischen Projekte von Zaha Hadid in Peking.

Vier geschwungene Baukörper verbinden sich über Brücken und offene Ebenen miteinander. Die Architektur verzichtet fast vollständig auf klassische rechte Winkel und wirkt wie eine fließende Landschaft. Die einzelnen Gebäudeteile scheinen ineinander überzugehen, anstatt klar voneinander getrennt zu sein.

Besonders beeindruckend finde ich die Innenräume. Man fühlt sich hier weniger in einem normalen Büro- und Einkaufszentrum als in einer futuristischen Welt. Die geschwungenen Wände und offenen Ebenen erzeugen eine Atmosphäre, die ich so bei kaum einem anderen Gebäude in Peking erlebt habe.

Für mich ist Galaxy SOHO ein Gebäude, bei dem man ständig neue Formen entdeckt, je nachdem, aus welchem Winkel man es betrachtet.

Wangjing SOHO

Architekt: Zaha Hadid Architects, Vereinigtes Königreich
Fertigstellung: 2014
Nutzung: Büro- und Einzelhandelsflächen

Die drei Türme von Wangjing SOHO gehören zu den bekanntesten modernen Gebäuden Pekings.

Ihre geschwungenen Formen erinnern an Segel oder an fließende Bewegungen. Je nach Blickwinkel verändert sich die Wirkung des gesamten Komplexes. Mal wirken die Türme leicht und elegant, mal massiv und beeindruckend.

Wangjing SOHO ist eines der gelungensten Beispiele dafür, wie ein Bürokomplex gleichzeitig funktional und skulptural sein kann. Die Gebäude sehen nicht einfach wie drei nebeneinanderstehende Hochhäuser aus, sondern wirken wie eine zusammengehörige Komposition.

Pekings neue Skyline – die Wahrzeichen der modernen Stadt

Peking hat in den letzten Jahrzehnten eine neue Skyline entwickelt, die nicht nur aus hohen Türmen besteht. Einige Gebäude beeindrucken durch ihre Höhe und Präsenz, andere durch völlig neue Formen und architektonische Ideen.

Besonders spannend ist, dass viele dieser Bauwerke nicht einfach klassische Wolkenkratzer sind, sondern eigenständige Skulpturen im Stadtraum.

CCTV Headquarters

Architekt: OMA / Rem Koolhaas und Ole Scheeren, Niederlande
Fertigstellung: 2012
Nutzung: Hauptsitz des chinesischen Fernsehsenders CCTV

Das CCTV Headquarters ist für mich das beeindruckendsten Gebäude Pekings. Statt eines klassischen Hochhauses besteht es aus zwei geneigten Türmen, die durch einen riesigen umlaufenden Baukörper verbunden werden.

Durch seine ungewöhnliche Form wird es in China oft scherzhaft „Unterhose“ genannt – ein Spitzname, der sich auf die zwei „Beine“ und die große Öffnung dazwischen bezieht. Gerade dieser Kontrast macht das Gebäude so interessant: ein weltweit bedeutendes Architekturprojekt, das gleichzeitig einen sehr menschlichen und humorvollen Spitznamen bekommen hat.

Die sichtbare Stahlstruktur an der Fassade ist nicht nur Gestaltung, sondern Teil der Konstruktion. Das Gebäude zeigt, dass ein Bürohochhaus nicht einfach nur ein hoher Glaskasten sein muss.

Für mich ist das CCTV Headquarters ein Gebäude, bei dem man sofort stehen bleibt und denkt: Wie kann so etwas überhaupt funktionieren?

China Zun (CITIC Tower)

Architekten: TFP Farrells, Vereinigtes Königreich, und BIAD, China
Fertigstellung: 2018
Nutzung: Bürogebäude, Hotel und weitere Nutzungen

Mit 528 Metern ist China Zun das höchste Gebäude Pekings.

Die Form orientiert sich an einem traditionellen chinesischen Gefäß („Zun“), wodurch der Turm eine Verbindung zwischen chinesischer Kultur und moderner Hochhausarchitektur herstellt.

Seine Größe ist beeindruckend, besonders wenn man direkt davor steht und die Dimensionen wahrnimmt. Auch die Wölbungen an den Eingängen finde ich faszinierend, da sie dem Gebäude trotz seiner enormen Höhe eine elegante und harmonische Form verleihen.

Weitere Gebäude, die mich beeindrucken

Phoenix International Media Center

Architekt: BIAD / Shao Weiping, China
Fertigstellung: 2014
Nutzung: Medien- und Bürogebäude

Ein außergewöhnliches Gebäude, das eher wie eine riesige Skulptur wirkt. Die ringförmige Struktur erinnert an ein technisches Objekt und zeigt eine andere Richtung moderner chinesischer Architektur.

Linked Hybrid

Architekt: Steven Holl Architects, USA
Fertigstellung: 2009
Nutzung: Wohngebäude, Hotel, Geschäfte und öffentliche Einrichtungen

Ein Wohnkomplex, der Hochhäuser neu denkt. Die einzelnen Türme werden durch Brücken verbunden, wodurch eine vertikale Stadt entsteht.

Das Projekt zeigt, dass moderne Architektur nicht nur aus spektakulären Fassaden besteht, sondern auch neue Formen des Zusammenlebens schaffen kann.

Ganz ehrlich: meiner Meinung nach ist Linked Hybrid nicht unbedingt das schönste Gebäude auf dieser Liste. Aber genau deshalb fasziniert es mich. Die Architektur ist ungewöhnlich, eigenständig und irgendwie schwer einzuordnen.

Man schaut es an und denkt nicht unbedingt sofort: „Das ist schön.“ Aber man fragt sich: Warum sieht dieses Gebäude so aus?

National Centre for the Performing Arts

Architekt: Paul Andreu, Frankreich
Fertigstellung: 2007
Nutzung: Oper, Theater und Konzertsaal

Das berühmte „Ei“ gehört zu den bekanntesten Gebäuden Pekings.

Die Titan-Glas-Kuppel schwimmt wie eine Insel in einem Wasserbecken und bildet einen starken Kontrast zur historischen Umgebung.

Besonders spannend ist, wie stark sich die Wirkung des Gebäudes je nach Tageszeit verändert. Am Tag wirkt die Kuppel fast wie ein futuristisches Objekt, das auf dem Wasser liegt. Nachts verändert sich die Atmosphäre komplett.

Chaoyang Park Plaza

Architekt: MAD Architects / Ma Yansong, China
Fertigstellung: 2017
Nutzung: Wohnungen, Büros und Geschäfte

Die Gebäude erinnern an chinesische Landschaftsmalerei, insbesondere an die traditionelle „Shan-Shui“-Malerei. Berge, Täler und natürliche Landschaften werden in moderne Architektur übersetzt.

Die Türme wirken wie dunkle Felsen oder Berge, die aus der Stadt herausragen.

Für mich ist Chaoyang Park Plaza eindeutig Batmans Zuhause.

Durch die dunkle Fassade und die massiven, geschwungenen Formen wirkt das Gebäude gleichzeitig elegant, geheimnisvoll und ein wenig aggressiv.

People’s Daily Headquarters

Architekt: chinesische Planungsbüros
Fertigstellung: 2015
Nutzung: Hauptsitz der chinesischen Tageszeitung People’s Daily

Die Zentrale der chinesischen Tageszeitung ist ein weiteres Beispiel für repräsentative Architektur in Pekings neuer Skyline.

Die ungewöhnliche Form macht das Gebäude zu einem markanten Symbol für die Bedeutung großer Institutionen in China.

Hotels, die selbst zu architektonischen Wahrzeichen geworden sind

Die bisherigen Gebäude zeigen bereits, wie unterschiedlich moderne Architektur in Peking aussehen kann. Doch nicht nur Bürokomplexe und Wolkenkratzer prägen das moderne Stadtbild. Auch einige Hotels haben sich durch ihre Architektur zu echten Wahrzeichen entwickelt.

InterContinental Beijing Sanlitun

Nutzung: Hotel
Fertigstellung: 2018

Von Anfang an habe ich dieses Gebäude mit seiner wabenförmigen Fassade geliebt.

Die Struktur wirkt modern und gleichzeitig sehr ungewöhnlich. Besonders nachts ist das Hotel wunderschön anzusehen. Die Beleuchtung verändert sich immer wieder und erzeugt unterschiedliche Farbspiele.

Besonders bekannt ist das Gebäude für seine farbigen Lichtinstallationen. Je nach Anlass und Zeitraum kann sich die gesamte Wirkung des Hauses dadurch verändern.

Fairmont Beijing

Architekt: Paul Tange, Japan
Eröffnung: 2010
Nutzung: Luxushotel

Ein riesiges Tor mitten in einem modernen Hochhauskomplex – genau das ist es, was mich am Fairmont Beijing sofort fasziniert hat.

Die Architektur verbindet moderne Hochhausarchitektur mit einem Element, das stark an traditionelle chinesische Stadttore erinnert. Besonders auffällig ist der gewaltige Torbogen, der sich über mehrere Stockwerke erstreckt und dem Gebäude eine außergewöhnliche Silhouette verleiht.

Für mich wirkt das Fairmont Beijing dadurch fast wie eine moderne Interpretation eines chinesischen Stadttores. Der Kontrast ist faszinierend: Auf der einen Seite ein modernes Luxushotel mit einer zeitgenössischen Fassade, auf der anderen Seite eine Form, die an die historischen Tore und Eingänge Pekings erinnert.

Gerade diese Verbindung von Tradition und moderner Architektur gefällt mir besonders gut. Das Gebäude versucht nicht, einfach wie ein gewöhnlicher internationaler Hotelbau auszusehen. Stattdessen greift es ein Element auf, das stark mit der chinesischen und besonders der Pekinger Stadtgeschichte verbunden ist, und interpretiert es völlig neu.

Legendale Hotel Beijing

Nutzung: Hotel

Mitten in Peking plötzlich vor einem Gebäude zu stehen, das stark an europäische Architektur erinnert, ist durchaus überraschend.

Das Legendale Hotel fällt durch seinen europäischen Stil deutlich aus dem architektonischen Umfeld heraus. Zwischen traditionellen chinesischen Bauwerken und futuristischen Hochhäusern wirkt es fast wie ein Stück Europa mitten in China.

Genau dieser Kontrast ist es, der mich an dem Gebäude fasziniert. Es passt nicht unbedingt in das typische Bild, das man von der modernen Architektur Pekings erwartet und gerade deshalb bleibt es im Gedächtnis.

Diese Liste ist keine Rangliste der besten Gebäude Pekings, sondern eine persönliche Auswahl der Bauwerke, die mich besonders beeindruckt, überrascht oder einfach nicht mehr losgelassen haben.

Für diesen Blogbeitrag habe ich innerhalb drei Tagen alle vorgestellten Gebäude selbst mit dem Fahrrad oder zu Fuß besucht. Insgesamt bin ich dabei 63 Kilometer gefahren und gelaufen. Die längste Strecke an einem Tag waren 24,7 Kilometer.

Dabei wurde die Suche nach den Gebäuden fast zu einer eigenen Stadterkundung. Im Vergleich zu Städten wie London oder New York konzentrieren sich die architektonischen Highlights und Wolkenkratzer in Peking nicht auf ein einziges, dicht bebautes Zentrum, sondern sind über die gesamte Stadt verteilt. Zwischen den einzelnen architektonischen Highlights liegen teilweise große Entfernungen, sodass man auf dem Weg dorthin immer wieder ganz unterschiedliche Seiten Pekings erlebt.

Trotz der vielen Hochhäuser wirkt Peking dadurch oft erstaunlich luftig und großzügig. Zwischen den großen Gebäuden gibt es viel Raum, breite Straßen, Parks und offene Flächen. Man fühlt sich dadurch trotz der enormen Größe der Stadt nicht ständig von Hochhäusern umgeben oder eingeengt.

Gerade unterwegs entdeckt man hier oft neue Perspektiven und erlebt, wie sich Pekings Stadtbild verändert. Ein Gebäude wirkt außerdem ganz anders, wenn man tatsächlich davorsteht und nicht nur ein Foto davon sieht.

Nach diesen drei Tagen und all den unterschiedlichen Eindrücken ist mir deshalb noch einmal klar geworden, dass Architektur sehr unterschiedlich wirken kann. Manche Gebäude beeindrucken durch ihre Größe, andere durch ihre ungewöhnliche Form, ihre Konstruktion oder einfach durch die Atmosphäre, die sie vor Ort erzeugen.

Inmitten zweier Welten 

Drei Wochen lang war es hier ungewöhnlich ruhig. Der Grund dafür war allerdings ein sehr schöner: Nach fast neun Monaten in China ging es für uns endlich wieder nach Deutschland.

Wir hatten uns natürlich unglaublich auf Familie, Freunde und all die kleinen Dinge gefreut, die man im Alltag oft für selbstverständlich hält. Gleichzeitig waren wir aber auch gespannt, wie sich Deutschland nach so langer Zeit anfühlen würde.

Und ehrlich gesagt? Es fühlte sich überhaupt nicht fremd an.

Es war, als hätten wir unser Leben dort nur kurz auf Pause gedrückt. Die vertrauten Straßen, unsere Familien, Freunde und Lieblingsorte – alles war sofort wieder da. Gleichzeitig haben wir aber auch gemerkt, dass sich etwas verändert hat. Nicht Deutschland, sondern wir. Viele Dinge, die früher selbstverständlich waren, haben wir plötzlich viel bewusster wahrgenommen und wertgeschätzt.

Zehn Stunden Vorfreude

Los ging unsere Reise bereits früh Morgens in Peking. Vor uns lagen fast zehn Stunden Flug, ein Zwischenstopp in Istanbul und anschließend noch einmal knapp drei Stunden bis nach Luxemburg.

Für den Rückflug hatten wir uns bewusst gegen Frankfurt und für Luxemburg entschieden. Ursprünglich waren vor allem die bessere Flugverbindung und der günstigere Preis ausschlaggebend. Im Nachhinein stellte sich aber heraus, dass es genau die richtige Entscheidung war. Der Flughafen ist angenehm klein und übersichtlich, die Wege sind kurz und selbst die Ein- und Ausreise verlief erstaunlich entspannt. Auch die Weiterfahrt nach Hause unterscheidet sich zeitlich kaum von Frankfurt, für uns also definitiv eine Verbindung, die wir wieder wählen würden.

Der Zwischenstopp in Istanbul verging ebenfalls schneller als gedacht. Zwar mussten wir unser Handgepäck erneut kontrollieren lassen, ansonsten blieb aber genügend Zeit, sich kurz die Beine zu vertreten, bevor es in den letzten Flieger Richtung Heimat ging.

Je näher wir Luxemburg kamen, desto größer wurde die Vorfreude. Und kaum aus dem Flughafen heraus, warteten schon die ersten vertrauten Gesichter auf uns. Ab diesem Moment fühlte es sich an, als hätte unser Leben in Deutschland einfach auf uns gewartet.

Was wir am meisten vermisst haben

Rückblickend waren es gar nicht die großen Programmpunkte, die diese Zeit so besonders gemacht haben, sondern die vielen kleinen Momente, die für uns früher völlig selbstverständlich waren.

Am meisten haben wir natürlich die Zeit mit unserer Familie und unseren Freunden genossen. Nach dieser langen Zeit gab es unendlich viel zu erzählen. Manche Gespräche dauerten bis spät in die Nacht, andere fanden ganz spontan bei einer Tasse Kaffee oder am Küchentisch statt. Ein spontaner Besuch, ein gemeinsames Frühstück oder einfach zusammen im Garten sitzen.

Auch unsere Großeltern endlich wieder in den Arm nehmen zu können, war für uns sehr emotional. Es ist etwas ganz Besonderes, einfach wieder gemeinsam am Küchentisch zu sitzen, Geschichten auszutauschen und Zeit miteinander zu verbringen. Gerade weil man weiß, dass solche Momente nicht selbstverständlich sind, schätzt man sie noch einmal ganz anders.

Natürlich durfte danach auch ausgiebiges Kuscheln mit unseren Hunden nicht fehlen. Sie nach so langer Zeit wiederzusehen, war mindestens genauso schön und sie haben uns begrüßt, als wären wir nie weg gewesen.

Mit unseren Freunden verbrachten wir ebenfalls viele schöne Stunden. Besonders spannend war es, den Familienzuwachs von Freunden kennenzulernen. Während wir in China waren, hat sich zuhause das Leben natürlich ebenfalls weiterentwickelt. Plötzlich hält man ein Baby auf dem Arm, das es bei der Abreise noch im Bauch lebte.

Mit meiner besten Freundin verbindet mich seit einigen Jahren eine besondere Tradition: Einmal im Jahr gehen wir gemeinsam wandern, nehmen uns bewusst Zeit füreinander und genießen diese Stunden in. Umso schöner war es, dass wir diese Tradition auch diesmal wieder erleben konnten.

Auch für unsere Freunden aus Stuttgart haben wir uns bewusst Zeit genommen und uns in der Mitte getroffen, um gemeinsam schöne Stunden zu verbringen. Bei einem Besuch im Erlebnisbad in Karlsruhe konnten wir uns alles neue berichten, viel lachen und einfach die gemeinsame Zeit genießen.

Dazu kamen viele gemeinsame Fußballabende. Mal konnten wir jubeln, mal hätten wir vermutlich besser früher den Fernseher ausgeschaltet und wären schlafen gegangen. Aber genau darum ging es auch gar nicht. Es war einfach schön, wieder gemeinsam auf der Couch zu sitzen, mitzufiebern und über jede Szene zu diskutieren.

Oft sind es eben die kleinen Dinge die das Leben so besonders machen und die Menschen die es mit Liebe schmücken.

Es gibt auch einige Lebensmittel, die wir in den vergangenen neun Monaten vermisst haben. Die Essenskultur in China ist einfach eine andere als in Deutschland. Vieles schmeckt hervorragend, aber trotzdem gibt es eben Gerichte und Snacks, die man dort einfach nicht bekommt oder die anders schmecken.

Deshalb führte uns unser erster Stopp nach der Ankunft auch direkt zu unserem Lieblingsdöner. Ja, auch in Peking gibt es Döner, aber an diesen hier kommt für uns einfach keiner heran.

Mindestens genauso sehr hatten wir das gemeinsame Grillen vermisst. Gute Bratwürste, verschiedene Salate, frisches Brot und einfach ein langer Sommerabend mit der Familie und Freunden im Garten.

Das sind Dinge, über die man sich früher kaum Gedanken gemacht hat. Erst wenn sie plötzlich nicht mehr selbstverständlich sind, merkt man, wie besonders sie eigentlich sind.

Außerdem standen auch Besuche in unseren Lieblingsrestaurants auf dem Programm. Viele Orte waren noch genauso, wie wir sie in Erinnerung hatten.

Ein kleines Highlight waren für mich aber tatsächlich auch die deutschen Supermärkte. Plötzlich freut man sich über Dinge, an denen man früher einfach vorbeigelaufen ist. Entsprechend landeten einige unserer Lieblingssnacks, Gewürze und andere Kleinigkeiten direkt im Einkaufswagen und später natürlich auch im Koffer zurück nach Peking.

Beim Packen mussten wir deshalb fast schon überlegen, wie wir all die Mitbringsel und Lebensmittel noch unterbekommen. Ein Teil unseres Gepäcks bestand am Ende weniger aus Kleidung als aus Dingen, die uns in China einfach ein Stück Heimat schenken.

Deutschland neu entdecken

Eine Erkenntnis hat uns während unseres Heimaturlaubs besonders überrascht.

Seit wir in China leben, nutzen wir fast jedes Wochenende, um neue Orte zu entdecken. Mal ein Markt, mal ein Tempel, mal eine andere Stadt oder einfach ein Café, das wir noch nicht kannten. Irgendwann haben wir uns deshalb gefragt: Warum haben wir das in Deutschland eigentlich so selten gemacht?

Oft ist man im eigenen Alltag gefangen. Man fährt immer wieder an die gleichen Orte, besucht die gleichen Restaurants oder fährt weit weg in ein anderes Land. Dabei gibt es direkt vor der eigenen Haustür so viel zu entdecken.

Genau deshalb haben wir unseren Heimaturlaub auch genutzt, um Deutschland einmal mit den Augen eines Touristen zu erleben.

Gemeinsam verbrachten wir einen Tag an der Saarschleife, spazierten über den Baumwipfelpfad, genossen den Ausblick von dem Cloef und machten anschließend noch eine Schiffsrundfahrt.

Auch mit Freunden waren wir gemeinsam unterwegs. Wir besuchten die Zitadelle in Bitche in Frankreich. Besonders die audiovisuelle Führung hat uns begeistert, weil Geschichte dadurch auf eine ganz andere Art erlebbar wird.

Aus diesem Heimaturlaub nehmen wir deshalb nicht nur schöne Erinnerungen mit, sondern auch einen Vorsatz für die Zukunft. Deutschland hat unglaublich viel zu bieten und wir möchten künftig viel öfter bewusst neue Orte entdecken, statt immer nur an die bekannten Plätze zurückzukehren.

Ganz oben auf unserer Liste steht inzwischen die Schwäbische Alb. Seit wir 2019 nach Stuttgart gezogen sind, waren wir tatsächlich noch kein einziges Mal dort. Das möchten wir unbedingt nach unserer Auslandszeit ändern.

Bevor es für uns wieder zurück nach China ging, stand dann noch ein letzter besonderer Termin auf dem Programm: das Dorffest.

Über den Abend verteilt trafen wir viele Menschen, die man lange nicht gesehen hatte. Manche nur kurz für ein Gespräch, andere für eine längere Unterhaltung.

Es wurde viel erzählt, gelacht gegessen und auch ausgiebig getanzt.

Besonders schön war, dass man nicht das Gefühl hatte, einfach nur „zu Besuch“ zu sein. Für einen Abend war alles wieder genauso vertraut wie früher.

Und genau da merkt man, wie besonders Heimat ist. Auch wenn sich in neun Monaten viel verändert hat, gibt es Orte und Menschen, bei denen man sofort wieder anknüpfen kann.

Am Montagmorgen hieß es dann aber wieder Abschied nehmen. Um 10 Uhr startete unser Flug von Luxemburg zurück nach Peking.

Mit vielen schönen Erinnerungen im Gepäck und gleichzeitig einem etwas gemischten Gefühl machten wir uns auf den Weg zurück in unser Leben in China.

Zurück in unserer zweiten Welt

Obwohl die ersten Nächte geprägt von Jetlag waren, sind wir insgesamt erstaunlich schnell wieder im Alltag angekommen.

Am ersten Tag holten wir zunächst etwas Schlaf nach, packten unsere Koffer aus und genossen gemeinsam unseren letzten freien Tag.

Während Nico am Mittwoch wieder zurück in seinen Arbeitsalltag fand, warteten auf mich die ganz normalen Dinge nach einer längeren Reise: mehrere Wäscheberge, den Kühlschrank wieder auffüllen und die Wohnung langsam wieder in unseren Alltag zurückbringen.

Abgesehen von einem Arzttermin am Donnerstag standen zunächst keine großen Termine an. Stattdessen genossen wir es, wieder unsere normalen Routinen aufzunehmen.

Am Wochenende trafen wir uns dann jeden Abend mit Freunden zum Essen. Nach so einer langen Zeit in Deutschland gab es natürlich viel zu erzählen und wir nutzten die Gelegenheit, uns gegenseitig auf den neuesten Stand zu bringen.

Sonntags ging es spontan noch in eine Bar, da direkt gegenüber von unserer Wohnung die Dachterrassenbar wieder geöffnet hatte. Vor einigen Monaten hatte es dort gebrannt, weshalb sie lange geschlossen und komplett renoviert wurde. Jetzt konnten wir sie endlich wieder ausprobieren, den Blick über die Stadt genießen und auf die größte Gebäude Pekings schauen.

Es fühlte sich fast so an, als hätten beide Welten während unserer Abwesenheit einfach auf uns gewartet.

Deutschland hatte uns wieder aufgenommen, als wären wir nie weg gewesen. Und genauso empfing uns auch Peking wieder mit unserem vertrauten Alltag.

Unser Heimaturlaub hat uns vor allem eines gezeigt: Wie schön es ist, Familie und Freunde wieder ganz nah bei sich zu haben.

Gleichzeitig hat uns die Zeit in Deutschland aber auch gezeigt, dass inzwischen nicht mehr nur ein Ort unser Zuhause ist.

Deutschland wird immer unsere Heimat bleiben. Dort sind unsere Familien, unsere Freunde und unsere Geschichte.

Aber gleichzeitig freuen wir uns inzwischen auch darauf, nach Peking zurückzukommen. Auf unsere Wohnung, unsere Arbenteuer, unsere Freunde hier und das Leben, das wir uns in den vergangenen Monaten aufgebaut haben.

Lea allein in Beijing

Diese Woche war für mich eine kleine Premiere: Zum ersten Mal seit unserem Umzug nach Peking war ich eine ganze Woche alleine hier.

Ich war vorher ehrlich gesagt etwas gespannt, wie sich das anfühlen würde. In den vergangenen Monaten war Nico immer da und viele Routinen haben sich ganz selbstverständlich um unseren gemeinsamen Alltag herum entwickelt.

Gleichzeitig wusste ich aber auch, dass ich die Woche nicht komplett alleine verbringen würde. Neben meinen festen Terminen wie Chinesischunterricht, Sport und einem Besuch im Nagelstudio standen auch einige Treffen mit Freunden auf dem Programm.

Rückblickend war die Woche eine gute Mischung aus Zeit für mich selbst und gemeinsamen Unternehmungen. Es gab Momente, in denen die Wohnung ungewohnt leer wirkte, aber auch viele schöne Begegnungen, die gezeigt haben, wie sehr sich mein eigenes Leben hier inzwischen entwickelt hat.

Mit dem Floßboot auf dem Liangma River

Eines meiner Highlights der Woche war das letzte gemeinsame Event unserer Patengruppe, bevor es nun in die Sommerpause geht. Bei strahlend blauem Himmel und Temperaturen um die 30 Grad hätten die Bedingungen dafür kaum besser sein können.

Geplant war eine gemeinsame Floßboot-Tour auf dem Liangma River. Wobei „Floßboot“ eigentlich nicht ganz richtig ist. Die bereits fertige Konstruktion bestand aus zwei Stand-up-Paddle-Boards, die mit Eisenstangen miteinander verbunden waren. In der Mitte befand sich eine Kiste für persönliche Gegenstände und auf den Boards wurden Campingstühle befestigt.

In der Theorie sollte man sich gemütlich mit den Paddeln über den Fluss bewegen. In der Praxis hatten wir allerdings mit einer überraschend starken Strömung und ordentlich Gegenwind zu kämpfen. Entsprechend anstrengend war es teilweise, überhaupt voranzukommen. Statt elegant über das Wasser zu gleiten, drehten wir uns eher gelegentlich im Kreis oder kämpften darum, die gewünschte Richtung beizubehalten.

Gerade das sorgte aber für jede Menge Gelächter. Zwischendurch legten wir die Paddel auch einfach beiseite, ließen uns treiben und nutzten die Zeit zum Reden.

Nach der Tour gingen wir noch gemeinsam essen. Das Restaurant lag eines nur etwa 500 Meter entfernt, sodass wir nach dem sportlichen Teil direkt dort einkehren konnten. Bei gutem Essen, kalten Getränken und vielen Gesprächen ließen wir den Nachmittag schließlich entspannt ausklingen.

Ablenkung mit guter Gesellschaft

Rückblickend haben mir in dieser Woche vor allem die vielen kleinen Treffen mit Freunden geholfen, dass sich die Tage nie wirklich einsam angefühlt haben. Mal traf ich mich spontan zum Mittagessen, mal zum Abendessen und manchmal auch einfach nur auf einen Kaffee.

Dabei habe ich sogar wieder ein neues chinesisches Restaurant entdeckt, das mich wirklich positiv überrascht hat. Außerdem war ich erneut in dem Steakrestaurant, das für mich nach wie vor das beste Steak in Beijing serviert. Diesmal kam ich dort länger mit der Besitzerin ins Gespräch. Solche Begegnungen mag ich besonders, denn plötzlich ist es nicht mehr nur ein Restaurant, sondern ein Ort mit Geschichten und Menschen, die man kennt. Dadurch fühlt sich die Stadt für mich jedes Mal ein kleines Stück vertrauter an.

Natürlich durfte auch unser Frühstückstreff nicht fehlen. Diesmal trafen wir uns in genau dem Café, das wir erst vor kurzem getestet hatten und das uns so gut gefallen hatte. Die Runde war wieder gemütlich und die Gespräche vergingen wie immer viel zu schnell.

Besonders amüsant war allerdings das Geschehen um unseren Tisch herum. In dem Park hatten sich nach und nach verschiedene Gruppen versammelt. Drei ältere Chinesen sangen lautstark Karaoke, ein paar Meter weiter spielte jemand auf einem Instrument, das ich bis heute nicht benennen könnte, während eine Frau dazu Töne sangen. Es war ein herrlich chaotisches Klanggemisch und wir mussten teilweise einfach etwas lauter sprechen, um uns überhaupt zu verstehen.

Pünktlich gegen halb zwölf verschwanden die meisten Gruppen dann zum Mittagessen und plötzlich wurde es erstaunlich ruhig. Erst in diesem Moment bemerkten wir, wie laut es zuvor eigentlich gewesen war.

Eine kleine Attraktion waren wir allerdings ebenfalls. Sieben Ausländer an einem Tisch ziehen hier noch immer Aufmerksamkeit auf sich. Immer wieder wurden wir heimlich gefilmt, beobachtet oder sogar nach gemeinsamen Fotos gefragt. Solche Situationen passieren inzwischen zwar deutlich seltener als noch vor einigen Jahren, ganz alltäglich sind sie aber trotzdem noch nicht. Mittlerweile nehmen wir es meist mit Humor und gehören damit vermutlich genauso zum Unterhaltungsprogramm des Parks wie die Karaoke-Gruppe nebenan.

Von KTV bis hin zum Pekinger Coachella

Eigentlich hatte ich Freitagabend gar nichts Großes geplant, aber dann habe ich mich doch noch mit einem befreundeten Paar zum Hotpot essen verabredet.

Die Einladung kam ziemlich spontan beim Schwimmen freitags morgens. Umso schöner war es, dass sich daraus direkt ein gemeinsamer Abend entwickelt hat.

Wir gingen in ihr Lieblings-Hotpot-Restaurant, das vor allem für seine besonderen Pilze bekannt ist. Schon beim Essen merkt man hier wieder, wie sehr Hotpot in China auch ein soziales Erlebnis ist. Man sitzt lange zusammen, bestellt nach und nach und probiert sich durch verschiedene Zutaten.

Nach dem Essen wollten wir eigentlich nur noch kurz etwas trinken gehen und den Abend ruhig ausklingen lassen. Wir setzten uns mit Blick auf die Skyline, beobachteten die Leute und ließen die Atmosphäre auf uns wirken. Rund um uns herum war einiges los: Menschen machten Fotos von der Skyline, teilweise mit professionellen Setups mit großen Lichtern und Kameras, andere wiederum ganz simpel mit dem Handy oder sogar mit kleinen Tanzvideos für Social Media.

Eigentlich hätte es dabei bleiben sollen, aber irgendwann kam dachten wir „Lass doch noch Karaoke singen gehen.“ Und wer mich kennt, weiß, dazu sage ich eigentlich nie nein.

Wir bekamen einen eigenen Raum, der überraschend professionell ausgestattet war: zwei große Bildschirme, eine kleine Bühne und alles, was man braucht, um sich komplett in den Karaoke-Modus zu verlieren. Über ein Tablet konnte man Essen und Getränke bestellen und gleichzeitig Songs in die Warteschlange packen.

Die Songauswahl war groß, zumindest auf Chinesisch und Englisch. Deutsch hingegen gab es erwartungsgemäß gar nicht. „Bruttosozialprodukt“ hätte ich zwar gerne gesungen, aber dann musste eben alles von Rihanna herhalten.

Am Ende wurden es zwei Stunden voller Energie, Gesang und sehr wenig Zurückhaltung. Bis zur letzten Minute haben wir durchgezogen und einfach Spaß gehabt. Ein spontaner und gelungener Abend, der mir für immer in Erinnerung bleibt.

Am Samstagabend stand dann das Sommerfest der Deutschen Schule Peking auf dem Programm. Bei strahlendem Sonnenschein und rund 30 Grad machte ich mich gegen 17 Uhr auf den Weg. Das diesjährige Motto lautete „Coachella” und schon am Eingang wurde klar, dass man sich bei der Gestaltung wirklich Mühe gegeben hatte. Jeder Besucher erhielt ein bedrucktes Festivalbändchen und entlang der Wege reihten sich zahlreiche Essens- und Getränkestände aneinander.

Kulinarisch war für jeden etwas dabei. Neben Döner, Fleischkäsebrötchen, Schnitzelbrötchen und Bratwürsten gab es auch chinesische Fleischspieße sowie ein großes Kuchenbuffet. Auch bei den Getränken war die Auswahl beeindruckend. Neben deutschem Bier von Bitburger und Erdinger wurde auch das deutsch-chinesische Bier „Karl Fürst” ausgeschenkt. Dahinter steckt ein Deutscher, der sich mit seiner eigenen Brauerei in China ein erfolgreiches Standbein aufgebaut hat. Auserdem gab es Aperol Spritz, Sekt und verschiedene Cocktails.

Im Zentrum des Festgeländes stand ein großer Pavillon mit Bühne. Dort sorgten Schülerinnen und Schüler mit musikalischen Auftritten, Chorbeiträgen und weiteren Programmpunkten für Unterhaltung.

Leider machte uns das Wetter zwischenzeitlich einen Strich durch die Rechnung. Aus dem Nichts zogen dunkle Wolken auf und kurz darauf begann es kräftig zu regnen. Innerhalb weniger Minuten flüchteten alle Besucher in die Schulgebäude. Glücklicherweise tat das der Stimmung keinen Abbruch. Im Gegenteil: Während draußen der Regen gegen die Fenster prasselte, traf man drinnen überall bekannte Gesichter und kam gleichzeitig mit neuen Leuten ins Gespräch. So verging die Regenpause erstaunlich schnell.

Nach etwa einer Stunde zog der Himmel wieder auf und das Fest konnte draußen weitergehen. Bei gutem Essen, angenehmen Temperaturen und vielen Gesprächen verging der Abend wie im Flug.

Besonders schön fand ich, was nach den offiziellen Programmpunkten auf der Bühne passierte. Diese wurde anschließend für Karaoke geöffnet und die Schülerinnen und Schüler nutzten die Gelegenheit mit beeindruckendem Selbstbewusstsein. Nach und nach wurde gesungen, getanzt und performt.

Spontan bin ich noch mit drei Freunden zu einer Afterparty gegangen. Einer von ihnen legte dort als DJ auf und da ich ihn bisher noch nie live erlebt hatte, sagte ich kurzerhand zu. Allerdings mit dem festen Vorsatz, nicht allzu lange zu bleiben.

Nach etwa zwei Stunden machten wir uns dann wie geplant wieder auf den Heimweg. Für mich war es genau die richtige Mischung: noch einmal etwas Neues erleben, meinen Freund als DJ sehen und einen schönen Abend verbringen, ohne völlig übermüdet nach Hause zu kommen. Die Atmosphäre hat mir auf jeden Fall gefallen und ich werde dort bestimmt noch einmal vorbeischauen, dann am liebsten gemeinsam mit Nico.

Rückblickend war meine erste Woche alleine in Peking zuerst definitiv ungewohnt. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass sich in den vergangenen Monaten viele eigene Routinen entwickelt haben. Chinesischunterricht, Sport, Treffen mit Freunden oder einfach ein Spaziergang durch die Nachbarschaft. Sodass die Woche dann schneller verging, als anfangs vermutet.

Natürlich habe ich mich trotzdem sehr gefreut, als Nico am Sonntagnachmittag wieder zurückkam und wir den Abend gemeinsam mit selbstgemachten Burgern verbringen konnten. Auch wenn die Woche schneller vorbei war als gedacht, war es schön, wieder gemeinsam am Tisch zu sitzen und sich von Angesicht zu Angesicht erzählen zu können, was in den letzten Tagen alles passiert war.

Für die nächsten Wochen wird es hier auf dem Blog übrigens etwas ruhiger. Durch unseren Heimaturlaub in Deutschland werde ich mir bis zum 13. Juli eine kleine Blogpause gönnen, um die Zeit mit Familie und Freunden bewusst zu genießen.

Danach geht es natürlich wieder weiter mit unseren Geschichten und Eindrücken aus China.

Eine ruhige Woche und doch voller Termine

Diese Woche war eine dieser Wochen, die man wahrscheinlich nicht auf einer Postkarte festhalten würde. Keine spektakulären Ausflüge, keine neuen Sehenswürdigkeiten und keine besonderen Highlights, über die man sofort erzählen möchte.

Und trotzdem habe ich in dieser Woche gemerkt, wie sehr sich unser Leben hier verändert hat.

Vor neun Monaten war jeder Tag in Peking ein kleines Abenteuer. Alles war neu, ungewohnt und manchmal auch überfordernd. Heute kenne ich die Verkäufer auf dem Markt, habe meine Lieblingscafés, fahre selbstverständlich mit dem Fahrrad quer durch die Stadt und ärgere mich über die gleichen Alltagsdinge wie zuhause. Vieles wirkt inzwischen vertraut und genau das hätte ich vor einem Jahr wahrscheinlich nicht erwartet.

Gleichzeitig befinde ich mich gerade in einer merkwürdigen Zwischenphase. Der Heimaturlaub rückt immer näher und ich freue mich unglaublich darauf, Familie und Freunde wiederzusehen. Nach neun Monaten gibt es vieles zu erzählen und noch mehr Menschen, die ich gerne in den Arm nehmen möchte.

Vielleicht hat mich diese Woche deshalb mehr zum Nachdenken gebracht als viele andere. Darüber, wie schnell man sich an ein Leben auf der anderen Seite der Welt gewöhnen kann. Darüber, wie wichtig Freundschaften und Routinen werden. Und darüber, dass gerade die ganz normalen Tage das schwierigste sein können.

Montag = Markttag

Der Montag begann für mich, nachdem ich den Blog veröffentlicht hatte, mal wieder mit einem Besuch auf dem Markt. Bereits um 10 Uhr zeigte das Thermometer knapp 30 Grad, als ich mich mit dem Fahrrad auf den Weg machte. Der Markt liegt etwa eine halbe Stunde von uns entfernt, die Strecke lässt sich aber angenehm fahren, da es größtenteils einfach geradeaus geht.

Als ich zwischen den Kirschständen stand, musste ich daran denken, dass mir vor neun Monaten dieser Markt noch völlig fremd war. Heute erkennen mich die Händler teilweise wieder und ich weiß genau, an welchem Stand ich welches Obst kaufe. Solche Momente zeigen mir immer wieder, wie sehr Peking inzwischen zu einem Stück Alltag geworden ist.

Trotzdem gibt es jedes Mal etwas Neues zu entdecken. Ständig eröffnen neue Händler ihre Stände und bringen andere Spezialitäten mit. Gleichzeitig verändert sich das Angebot mit den Jahreszeiten. Die Erdbeerbauern, die noch vor wenigen Wochen überall vertreten waren, sind inzwischen fast ganz verschwunden.

An diesem Tag brauchte ich gar nicht besonders viel, trotzdem blieb ich an einigen Ständen stehen, probierte hier und da etwas und genoss die besondere Atmosphäre.

Mit meinen Einkäufen machte ich mich anschließend wieder auf den Heimweg.

📸 Kleines Ratespiel:
Was glaubt ihr, habe ich für meinen Einkauf auf dem Markt bezahlt? Die Auflösung gibt es am Ende dieses Abschnitts.

Der restliche Tag war deutlich weniger spektakulär, aber nicht weniger produktiv. Zuhause arbeitete ich weiter an unseren Fotobüchern. Da die Versandkosten recht hoch sind, wollte ich alle Bücher gleichzeitig bestellen. Insgesamt sind es mittlerweile fünf Fotobücher geworden, die unsere vergangenen Monate in Asien festhalten. Zwei davon mussten noch fertiggestellt werden, damit ich am nächsten Tag alles gemeinsam bestellen konnte.

Dabei habe ich mich immer wieder in den Bildern verloren. Es ist verrückt, wie viele Erinnerungen sich in nur wenigen Monaten ansammeln können. Viele Situationen fühlen sich an, als wären sie erst vor ein paar Wochen gewesen, obwohl inzwischen fast ein Jahr vergangen ist.

Danach bereitete ich noch einen Kartoffelsalat für das Abendessen vor, bevor am Nachmittag mein Chinesischunterricht stattfand. Am Abend ging es dann wie so oft noch gemeinsam ins Fitnessstudio, bevor wir den Tag zuhause ausklingen ließen.

Auflösung Ratespiel: 8,47€💰🍒🍑🍉

Mädelstage mit kleinen Besorgungen

Am Dienstag und Mittwoch standen vor allem viele kleine Erledigungen und gemeinsame Unternehmungen mit meiner Freundin auf dem Programm. Morgens kümmerte ich mich meist zuerst um meine To-dos, lernte Chinesisch, erledigte die Wäsche, bestellte die fertigen Fotobücher und arbeitete meine Aufgabenliste ab, bevor wir uns später trafen.

An einem der Tage starteten wir ganz entspannt mit einem Kaffee im Cabo Café, einem meiner absoluten Lieblingscafés in Peking. Dort gibt es den besten Affogato der Stadt (Espresso mit Vanilleeis). Bei den sommerlichen Temperaturen wäre das eigentlich die perfekte Wahl gewesen, ich blieb aber wie gewohnt bei meinem Flat White.

Kleine Sprachbeobachtung am Rande: Ein Flat White heißt auf Chinesisch tatsächlich übersetzt „weißer Kaffee“, während Cappuccino meist einfach als „Kapu“ ausgesprochen wird.

Anschließend fuhren wir gemeinsam mit dem Fahrrad zum Pearl Market. Dort wollte meine Freundin noch eine Tasche für ihre Mutter abholen, die sie bereits zuvor ausgesucht hatte. Der Pearl Market ist immer wieder ein Erlebnis. Manche Geschäfte wirken von außen fast geschlossen und man muss erst klingeln, klopfen oder die Händler anrufen, damit sie einen hereinlassen.

Nachdem wir unsere Besorgungen erledigt hatten, gingen wir noch gemeinsam etwas essen, bevor wir wieder nach Hause radelten. Dort aktualisierte ich an meinen Lebenslauf, ging zum Sport und bereitete später das Abendessen vor, bis Nico von der Arbeit nach Hause kam.

Am nächsten Tag stand erneut etwas Chinesischlernen auf dem Programm, außerdem begann ich damit, die ersten Notizen für diesen Wochenblog zu sammeln. Ehrlich gesagt fallen mir solche Wochen manchmal sogar schwerer zu schreiben als Reiseberichte oder Ausflüge. Bei Sehenswürdigkeiten kann man Fakten erzählen. Im Alltag geht es viel mehr um die kleinen Momente und die Gefühle dahinter.

Am Nachmittag traf ich mich dann mit zwei Freundinnen zu einem kleinen Abschiedstag. Da eine von ihnen Peking bald verlassen wird, hatte sie sich zum Abschied noch einmal einen gemeinsamen Mädelstag gewünscht. Ihre Wahl fiel auf etwas, das in China fast schon zum Alltag gehört: eine ausgiebige Massage.

Für 378 Yuan, also rund 48 Euro, bekamen wir 130 Minuten Entspannung mit Fußmassage, Ganzkörpermassage, Aromaöl und heißen Steinen. In Deutschland würde man für ein vergleichbares Angebot vermutlich deutlich mehr bezahlen.

Danach ging es noch zu einem anderen Markt, der größtenteils von russischsprachigen Händlern betrieben wird. Meine Freundin wollte dort noch ein paar Mitbringsel für ihre Familie besorgen und mir gleichzeitig eine Händlerin zeigen, die für ihre hochwertigen Seiden- und Kaschmirschals bekannt ist. Solche Kontakte sind in Peking Gold wert. Viele der besten Händler findet man nicht über das Internet, sondern nur durch Empfehlungen.

Genau solche Tipps machen für mich einen großen Teil des Lebens hier aus. So wird diese riesige Millionenstadt mit der Zeit immer kleiner und vertrauter. Was anfangs oft überwältigend wirkte, fühlt sich heute an vielen Stellen schon erstaunlich selbstverständlich an.

Als Nico am Abend von der arbeit kam, gingen wir erneut gemeinsam zum Sport, aßen anschließend zu Abend und ließen den Tag schließlich gemütlich auf der Couch ausklingen. Weil wir einfach Lust auf etwas Leichtes zum Abschalten hatten, starteten wir die neue Staffel „LOL“ auf Amazon Prime und verbrachten einen entspannten Abend zuhause.

Café zwischen Tempel und Parkidylle

Am Donnerstag stand noch eine kleine Mission für unser „Frühstückstreff“ an. Bevor ich nach Deutschland fliege, wollten wir noch eine neue Location Empfehlung testen, die für eines unserer nächsten Treffen In Frage kommen könnte.

Dabei gibt es immer einige Punkte zu prüfen: Ist das Café groß genug für unsere Gruppe? Öffnet es tatsächlich zur angegebenen Uhrzeit? Gibt es Frühstück oder nur Mittagessen? Und natürlich die wichtigste Frage: Schmeckt es überhaupt?

Vor Ort angekommen, war ich zunächst etwas verwirrt, weil ich das Café nicht direkt finden konnte. Stattdessen stand ich plötzlich vor einem kleinen Tempel. Natürlich nutzte ich die Gelegenheit und schaute mich kurz um. Der Tempel war zwar nicht besonders groß, wirkte aber unglaublich friedlich. Im Inneren stand eine Buddha-Statue, davor brannten Räucherstäbchen und zwei kunstvoll gestaltete Figuren bewachten den Eingang.

Direkt neben dem Tempel lag ein Park und genau dort versteckte sich auch das Café. Schon beim Betreten war ich begeistert. Überall waren Menschen unterwegs. Einige sangen, andere tanzten, spielten Karten oder saßen einfach zusammen und unterhielten sich. Es ist etwas, das mir in China immer wieder auffällt: Parks sind hier keine Orte, durch die man nur hindurchläuft. Sie sind echte Treffpunkte für Menschen jeden Alters.

Kurz darauf trafen auch die beiden anderen Mitorganisatorinnen ein. Es war vermutlich eines unserer letzten Treffen in dieser Konstellation, umso schöner war es, noch einmal gemeinsam unterwegs zu sein.

Das Café selbst überzeugte schnell. Es lag direkt an einem kleinen angelegten See, hatte sowohl einen gemütlichen Außenbereich als auch einen sehr schön gestalteten Innenraum und bot genau die entspannte Atmosphäre, die wir für unsere Frühstücksrunde suchen. Bei Kaffee, Frühstück und vielen Gesprächen testeten wir die Speisekarte und waren uns schnell einig: Diese Location wird es für das nächste Treffen.

Nach zwei schönen Stunden machten wir uns wieder auf den Heimweg. Die sechs Kilometer mit dem Leihfahrrad nach Hause kosteten mich gerade einmal 2 Yuan, also rund 26 Cent. Solche Preise sind einer der Gründe, warum ich hier fast alles mit dem Fahrrad erledige. Es ist günstig, flexibel und oft sogar schneller als mit dem Auto oder Taxi. Außerdem erlebt man die Stadt viel intensiver, als wenn man einfach nur von A nach B gefahren wird.

Am Abend war ich dann mit Nico verabredet. Eigentlich wollten wir uns gemeinsam mit einem Arbeitskollegen von ihm zum Essen treffen, doch dieser musste kurzfristig absagen. Also gingen wir spontan einfach zu zweit essen.

Die Wahl fiel auf ein türkisches Restaurant, nur etwa 1,8 Kilometer von unserer Wohnung entfernt. Das Essen war hervorragend und wir verbrachten einen entspannten Abend mit guten Gesprächen.

Ein ruhiger Ausklang

Am Freitag startete ich den Tag ganz entspannt mit einem Kaffee und meinen Chinesisch-Vokabeln im Innenhof unseres Apartmentkomplexes. Eigentlich nutze ich diesen Bereich viel zu selten, denn er ist wirklich schön angelegt. Von dort hat man sogar einen direkten Blick auf eines der bekanntesten modernen Bauwerke Pekings – das CCTV-Hauptquartier, das aufgrund seiner ungewöhnlichen Form von vielen liebevoll einfach nur „die Unterhose“ genannt wird.

Zwischen schattigen Sitzplätzen, sonnigen Ecken, kleinen Grünflächen und einer Laufstrecke lässt es sich dort wunderbar aushalten. An diesem Morgen war es erstaunlich ruhig. Außer einem Mitarbeiter, der gerade die Blumen und Büsche bewässerte, war niemand unterwegs. So konnte ich die angenehme Ruhe genießen, Vokabeln lernen und anschließend auch meine Hausaufgaben für den Chinesischunterricht erledigen.

Wieder zurück in der Wohnung hängte ich die Wäsche auf, bereitete mir Frühstück zu und schon begann mein Chinesischunterricht. Aktuell habe ich zweimal pro Woche jeweils anderthalb Stunden Unterricht. Zusätzlich habe ich mir vorgenommen, die nächsten 70 Tage besonders intensiv zu lernen, um zu sehen, wie weit ich komme und ob ich mir vielleicht sogar die HSK-Prüfungen zutrauen würde.

Die größte Herausforderung beim Chinesischlernen sind für mich aktuell die Schriftzeichen. Ab HSK 3 werden diese vorausgesetzt und genau damit tue ich mich im Moment noch schwer. Trotzdem merke ich, wie gut mir das Lernen tut. Es gibt meinem Alltag Struktur und das Gefühl, auf etwas hinzuarbeiten.

Manchmal fehlt mir ein konkretes Ziel, auf das ich hinarbeiten kann, oder etwas Greifbares, an dem ich meinen Fortschritt messen kann. Umso wichtiger sind für mich inzwischen die kleinen Projekte geworden: das Chinesischlernen, die Fotobücher oder auch dieser Blog. Sie erinnern mich daran, dass diese Zeit nicht einfach nur vorbeigeht. Ich sammle Erfahrungen, lerne neue Dinge, entwickle mich weiter und schaffe Erinnerungen, die mich wahrscheinlich noch lange begleiten werden, auch wenn man das im Alltag nicht immer so deutlich sieht wie später auf den fertigen Seiten eines Fotobuchs.

Nach dem Unterricht ging es für mich noch zum Sport. Anschließend nutzte ich die letzten Erdbeeren der Saison, um eine Erdbeer-Biskuitrolle zu backen. Die Erdbeeren beziehen wir hier regelmäßig direkt über einen Bauern, bei dem viele Bewohner unseres Apartmentkomplexes gemeinsam bestellen.

Für das letzte Kilo der Saison zahlten wir gerade einmal 18 Yuan – umgerechnet etwa 2,20 Euro.

Das eigentliche Abenteuer begann allerdings beim Backen. Mein Handrührgerät hat vor einiger Zeit den Geist aufgegeben, weshalb ich die Eier für den Biskuit komplett von Hand aufschlagen musste. Dabei wurde mir schnell bewusst, wie viel Arbeit das früher gewesen sein muss.

Am Abend trafen wir uns nach der Arbeit noch mit einem Freund und gleichzeitig Nachbarn aus unserem Apartmentkomplex. Gemeinsam gingen wir in ein Restaurant direkt gegenüber unserer Wohnanlage, das man mittlerweile fast schon als eines unserer Stammlokale bezeichnen kann. Bei gutem Essen, netten Gesprächen und sommerlichen Temperaturen ließen wir den Tag ausklingen.

Am Samstag stand für uns zunächst der große Gesundheitscheck an. Nachdem wir in der vergangenen Woche bereits zur Voruntersuchung dort gewesen waren, folgte nun der eigentliche Termin mit Blutbild, EKG und verschiedenen weiteren Untersuchungen.

Anschließend gingen wir gemeinsam frühstücken und genossen einen entspannten Vormittag zu zweit. Danach musste Nico noch seinen Koffer packen, zum Friseur und die letzten Vorbereitungen für seine bevorstehende Dienstreise erledigen.

Am Abend aßen wir noch gemeinsam, bevor es für ihn schließlich zum Flughafen ging. Für Nico beginnt damit seine erste Reise zurück nach Deutschland seit unserem Umzug nach Peking.

Nachdem er losgefahren war, machte ich es mir mit einer Maracuja-Schorle in unserem Sessel am Fenster gemütlich. Ich hörte Musik, blickte über die Stadt und begann schließlich, ein kleines Video von unserer Party am Hochzeitstag zusammenzuschneiden. Da am Sonntag unser erster kirchlicher Hochzeitstag anstand, war das die perfekte Gelegenheit, noch einmal in die Erinnerungen dieses besonderen Tages einzutauchen.

Der Sonntag verlief anschließend sehr ruhig. Nachdem es am Samstag fast durchgehend geregnet hatte, zeigte sich nun wieder die Sonne. Mit einem Kaffee setzte ich mich erneut in den Innenhof, las ein wenig in meinem Buch und genoss die angenehme Morgenstimmung.

Später traf ich mich ein letztes Mal mit einer Freundin und ihrem Mann. Gemeinsam schauten wir durch ihre verbliebenen Lebensmittelvorräte und stießen noch einmal auf die vergangenen Monate an.

Gerade in den letzten Wochen habe ich gemerkt, wie viele Menschen Peking aktuell verlassen. Einerseits freue ich mich natürlich für jeden, der den nächsten Schritt geht. Andererseits wird einem dabei bewusst, wie vergänglich vieles hier ist. Freundschaften entstehen oft unglaublich schnell, weil alle in einer ähnlichen Situation stecken. Gleichzeitig weiß man aber oft schon von Anfang an, dass sich die Wege irgendwann wieder trennen werden.

Am Abend ging ich noch einmal gemeinsam mit ihnen essen, bevor wir uns verabschiedeten. Den Sonntag ließ ich anschließend zuhause an unserem ersten kirchlichen Hochzeitstag ganz ruhig im Schein unserer Traukerze ausklingen.

Diese Woche war deutlich ruhiger als viele der vergangenen. Keine großen Reisen, keine spektakulären Sehenswürdigkeiten und keine besonderen Events.

Die besonderen Highlights bleiben natürlich in Erinnerung, doch am Ende sind es oft die ganz normalen Tage, die zeigen, wie sich ein Ort wirklich anfühlt.

Und nächste Woche wartet dann direkt die nächste neue Erfahrung auf mich: Zum ersten Mal seit unserem Umzug werde ich eine ganze Woche alleine in Peking verbringen, während Nico beruflich in Stuttgart unterwegs ist.

Tage voller Abschiede und Vorfreude

Die letzten Tage standen bei uns schon ganz im Zeichen der Vorfreude auf den bevorstehenden Heimaturlaub in Deutschland. Nach inzwischen neun Monaten freuen wir uns riesig darauf, endlich wieder Familie und Freunde zu sehen. Gleichzeitig bringt so ein kurzer Heimatbesuch aber auch einiges an Organisation mit sich. Zwischen Packlisten, Mitbringseln, aussortierten Sachen und den letzten Fotobüchern gab es deshalb im Alltag einiges zu erledigen.

Parallel dazu waren die vergangenen Wochen aber auch geprägt von vielen Verabschiedungen, denn aktuell verlassen wieder zahlreiche Freunde und Bekannte Peking. Dazu kamen sommerliche Temperaturen um die 30 Grad, die das Leben in der Stadt momentan besonders angenehm machen.

Und genau zwischen all diesen Vorbereitungen, Abschieden und kleinen Alltagsmomenten war natürlich trotzdem wieder einiges los, von einem spontanen Tagesausflug nach Tianjin über lange Fahrradtouren durch Peking bis hin zu gemeinsamen Sommerabenden mit Freunden.

Tianjin

Am letzten Wochenende zog es uns mal wieder aus Peking heraus. Diesmal ging es nach Tianjin, eine Millionenstadt etwa 130 Kilometer südöstlich von Peking, die man mit dem Schnellzug in gerade einmal rund 30 Minuten erreicht. Gerade diese unkomplizierte Verbindung macht Tianjin zu einem beliebten Ziel für Tagesausflüge.

Die Stadt unterscheidet sich architektonisch deutlich von Peking. Der Grund dafür liegt in der Geschichte: Ende des 19. Jahrhunderts entstanden dort mehrere internationale Konzessionen unter anderem von Großbritannien, Frankreich, Italien, Deutschland und Japan. Deshalb findet man bis heute ganze Straßenzüge mit europäischer Architektur, alten Villen und Gebäuden im westlichen Stil.

Schon nach der Ankunft machten wir uns direkt auf den Weg zu den berühmten „Fünf Großen Alleen“, auf Chinesisch Wudadao genannt. Das Viertel zählt zu den bekanntesten Gegenden Tianjins und besteht aus über 200 historischen Villen verschiedenster Baustile von britisch über französisch bis hin zu italienisch. Früher lebten dort Diplomaten, wohlhabende Händler und wichtige Persönlichkeiten Chinas. Beim Spaziergang fühlt man sich teilweise eher wie in Europa als mitten in China. Zwischen alten Fassaden, kleinen Cafés und den breiten, von Bäumen gesäumten Straßen herrschte eine richtig entspannte Atmosphäre.

Von dort aus ging es für uns mit den Leihfahrrädern weiter durch die Stadt. Ganz spontan hielten wir an einem Gebäude an, das uns sofort ins Auge stach. Der große rote Uhrturm mit den neugotischen Elementen wirkte fast wie eine kleine europäische Kirche mitten zwischen modernen Hochhäusern. Tatsächlich gehört das Gebäude zu einer künstlich angelegten europäischen Themenstraße im Stil britischer Architektur.

Wir setzten uns dort spontan in ein Café, tranken einen Kaffee und genossen einfach ein bisschen die Aussicht und das sommerliche Wetter. Genau solche ungeplanten Stopps machen Tagesausflüge oft besonders schön.

Danach ging es mit dem Fahrrad weiter zu unserem eigentlichen Ziel: dem berühmten Porzellanhaus, auch „China House“ genannt, sowie zur ehemaligen Residenz von Commander Zhang. Das Porzellanhaus gehört zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Tianjins. Die komplette Fassade wurde mit Millionen von Porzellanscherben, Vasen und Keramikelementen verziert und wirkt fast ein bisschen surreal. Allerdings war an diesem Tag dort extrem viel los. Die Straßen waren komplett überfüllt, überall drängten sich Touristengruppen und die Atmosphäre war dadurch leider ziemlich hektisch. Deshalb schauten wir uns die Gebäude nur kurz von außen an und beschlossen dann relativ schnell, lieber weiterzufahren.

Anschließend fuhren wir ins italienische Viertel von Tianjin. Auch dort merkt man noch deutlich den europäischen Einfluss vergangener Zeiten. Kleine Plätze, alte Fassaden und enge Straßen verleihen dem Viertel einen ganz eigenen Charme. Dort suchten wir außerdem den Paulaner Biergarten, in dem Nico bereits 2023 einmal gewesen war.

Danach spazierten wir noch entspannt entlang des Haihe-Flusses, der sich mitten durch Tianjin zieht. Dort herrschte eine richtig lebendige Stimmung. Menschen saßen am Wasser, Angler beobachteten geduldig ihre Ruten, einige schwammen sogar im Fluss und an manchen Stellen standen Sänger mit Lautsprechern und sorgten für Unterhaltung. Gerade solche Alltagsszenen machen chinesische Städte für mich oft besonders spannend, weil sich überall gleichzeitig ganz unterschiedliche Dinge abspielen.

Eigentlich wollten wir anschließend noch weiter durch die Stadt fahren. Als wir dann allerdings wieder zufällig am Bahnhof ankamen was wir direkt an dem große Kreisverkehr mit der riesigen mechanischen Uhrenskulptur erkannten, beschlossen wir spontan, doch schon zurück nach Peking zu fahren. Irgendwie hatten wir beide das Gefühl, den Tag lieber entspannt ausklingen zu lassen, anstatt noch krampfhaft weitere Sehenswürdigkeiten mitzunehmen.

Zurück in Peking ging es deshalb am Abend noch in den Biergarten beim Paulaner. Nach einem langen Sommertag mit viel Fahrradfahren, Sonne und Stadttrubel war das wirklich der perfekte Abschluss: deutsches Essen, ein kaltes Bier und gemütliche Biergarten-Atmosphäre mitten in Peking. Manchmal sind genau diese einfachen Abschlüsse am Ende die schönsten Momente eines Tages.

Mit dem Fahrrad durch Pekings Sommer

Seit die Temperaturen bei uns dauerhaft über 15 Grad liegen, fahre ich eigentlich fast alles nur noch mit dem Fahrrad. Man erlebt die Stadt dadurch nochmal viel intensiver und entdeckt oft schon auf dem Weg zum eigentlichen Ziel kleine Dinge, die man aus dem Auto oder Taxi wahrscheinlich gar nicht wahrnehmen würde. Außerdem spart man sich den dichten Verkehr, in dem man in Peking sonst schnell viel Zeit verlieren kann.

Und obwohl wir mittlerweile meistens zwischen 26 und 36 Grad haben, fahre ich weiterhin fast überall mit dem Rad. Durch den Fahrtwind bleibt es oft überraschend angenehm und gerade an sonnigen Tagen macht es einfach Spaß, durch die Straßen Pekings zu fahren.

So ging es für uns auch zu einigen unserer letzten gemeinsamen Shopping-Ausflüge. Meine Freundin brauchte noch ein paar Dinge vor ihrer Ausreise zurück nach Deutschland und ich war ebenfalls auf der Suche nach kleinen Mitbringseln für unseren Heimaturlaub. Dabei verbrachten wir viel Zeit damit, einfach gemeinsam durch die Stadt zu fahren, kleine Läden zu entdecken und zwischendurch spontan irgendwo anzuhalten.

Doch fast noch schöner als das eigentliche Shoppen war am Ende oft der Weg dorthin. Gemeinsam Fahrrad zu fahren, unterwegs zu quatschen, über Kleinigkeiten zu lachen und einfach die sommerliche Atmosphäre der Stadt zu genießen, sind genau die Momente, die ich später wahrscheinlich besonders mit dieser Zeit in Peking verbinden werde.

Farewell-Partys

Diese Woche standen bei uns direkt mehrere Verabschiedungen an. Unsere gemeinsamen Freunde, bei deren Hochzeit wir vor einiger Zeit eingeladen waren, veranstalteten nochmal einen kleinen Umtrunk, bevor es für sie weitergeht. Leider überschnitten sich an diesem Abend gleich mehrere Termine, denn auch bei unserem „Breakfast Goes Out“ mussten wir wieder eine der Mitorganisatorinnen verabschieden. Deshalb teilten Nico und ich uns auf, er ging zu unseren Freunden und ich zur Abschiedsfeier auf der Rooftopbar des Lenbachs.

Dort verabschiedeten wir unsere Mitorganisatorin, aber vor allem auch Freundin, natürlich mit Blumen, einem kleinen Gutschein und ein paar persönlichen Worten. Gerade bei solchen Abenden merkt man immer wieder, wie schnell hier im Ausland Freundschaften entstehen. Viele Menschen sind nur für eine begrenzte Zeit in Peking und trotzdem fühlt es sich oft so an, als würde man sich schon viel länger kennen.

Am Freitagabend stand dann direkt die nächste Verabschiedung an. Gemeinsam gingen wir zur Farewell-Party eines Arbeitskollegen von Nico, die im Marriott stattfand. Dort wurde wirklich groß gefeiert. Eingeladen waren viele Freunde, Kollegen und Bekannte und es gab ein riesiges Buffet mit chinesischen sowie westlichen Speisen.

Besonders schön war, dass an dem Abend sogar die Gewinnerin von „The Voice of Russia“ für einige Stunden sang und für richtig gute Stimmung sorgte. Später am Abend griffen dann auch einige Gäste selbst zum Mikrofon, denn Karaoke ist hier unglaublich beliebt. Was mich dabei immer wieder überrascht: Viele Chinesen singen wirklich extrem gut und man rechnet im ersten Moment oft gar nicht damit. Dadurch entstand eine richtig lockere und ausgelassene Atmosphäre und der Abend wurde zu einem wirklich schönen Abschluss einer Woche voller Abschiede und gemeinsamer Erinnerungen.

Gemütliche Abende

Am Samstag gingen wir zunächst gemeinsam zum Sport, bevor wir uns später für ein Treffen mit Freunden fertig machten. Zu sechst gingen wir am Abend auf der Dachterrasse eines kleinen Lokals essen. Die Stimmung war wirklich schön entspannt und harmonisch, wir hatten tolle Gespräche, haben viel gelacht und einfach einen richtig gemütlichen Sommerabend zusammen verbracht.

Nach dem Essen schlenderten wir noch etwas durch das angrenzende Viertel. Dort gibt es viele kleine Cafés, Bars und Restaurants, alles schön angelegt und besonders am Abend mit den vielen Lichtern und den Menschen draußen eine richtig angenehme Atmosphäre. Man merkt in solchen Momenten immer wieder, wie lebendig Peking auch in vermeintlich kleinen Ecken ist.

Da wir alle in dieselbe Richtung wohnen, machten wir uns anschließend gemeinsam mit den Fahrrädern auf den Heimweg. Gerade abends macht das Fahrradfahren hier besonders Spaß, wenn die Temperaturen langsam angenehmer werden, die Straßen leerer werden und die Stadt trotzdem noch voller Leben ist.

Am nächsten Tag stand dann noch ein Arzttermin an. Wir wollten bereits einen kleinen medizinischen Check-up machen und bei mir außerdem einige zuvor auffällige Blutwerte (unter anderem Vitamin D) noch einmal kontrollieren lassen. Der große jährliche Gesundheitscheck folgt allerdings erst nächsten Dienstag mit EKG, großem Blutbild und verschiedenen Vorsorgeuntersuchungen.

Den Abend ließen wir den Tag dann noch ganz entspannt beim Pizzaessen ausklingen, bevor am nächsten Morgen schon wieder die neue Arbeitswoche beginnt.

Fundstück Mai 2026

Wasserzapfstelle am Straßenrand 🚰

Dieses Fundstück haben wir eher zufällig entdeckt, bei einem Spaziergang in Kaiyuan in der Provinz Liaoning. Mitten am Straßenrand stand plötzlich dieses riesige rote Metallgestell, das irgendwie aussah wie eine Mischung aus Hydrant, Industrieanlage und Tankstelle.

Während ich noch gerätselt habe, was dieses Gerät eigentlich sein könnte, hatte Nico die Vermutung, dass es etwas mit der Wasserversorgung zu tun haben muss. Und tatsächlich lag er damit genau richtig.

In dieser Region haben wir diese Anlagen plötzlich immer wieder gesehen. Als wir einige Tage später mit dem Auto Richtung Changbai Mountain gefahren sind, sogar mehrfach in Benutzung. Da wurde uns klar, dass das kein einzelnes kurioses Objekt ist, sondern Teil der ganz normalen Infrastruktur hier.

Bei dem Gerät handelt es sich um eine öffentliche Wasserentnahmestelle. Sie wird vor allem von Tankwagen, Straßenreinigungsfahrzeugen oder Fahrzeugen zur Bewässerung genutzt. Die Konstruktion ist dabei erstaunlich simpel und gleichzeitig ziemlich praktisch: Fahrzeuge können direkt darunterfahren und Wasser aufnehmen, ohne komplizierte Anschlüsse oder lange Wege.

Gerade in Städten oder Regionen mit viel Straßenreinigung, Bewässerung oder Baustellen ist das natürlich unglaublich effizient. Wege werden verkürzt, Wasser kann flexibel aufgenommen werden und die Fahrzeuge müssen nicht jedes Mal zu einem zentralen Betriebshof zurückfahren.

Besonders interessant fanden wir dabei, wie selbstverständlich solche Anlagen hier mitten im öffentlichen Raum stehen. In Deutschland würde man technische Infrastruktur dieser Art wahrscheinlich eher hinter Zäunen, auf Betriebshöfen oder in Industriegebieten vermuten. Hier dagegen gehört sie einfach zum Straßenbild dazu. Niemand scheint ihr besondere Aufmerksamkeit zu schenken außer vermutlich wir, die erst einmal rätselnd davorstanden.


Natürlich gibt es ähnliche Systeme auch in Deutschland, allerdings meist deutlich unscheinbarer. Öffentliche Hydranten oder Wasseranschlüsse für Straßenreinigung und Feuerwehr existieren natürlich ebenfalls. Früher gab es in manchen Regionen sogar öffentliche Wasserpumpen oder Zapfstellen, insbesondere in Dörfern oder älteren Stadtvierteln.

Der Unterschied liegt heute aber vor allem darin, wie sichtbar Infrastruktur gestaltet wird. Während man in Deutschland und mittlerweile auch in vielen chinesischen Metropolen versucht, technische Anlagen möglichst zu verstecken oder optisch anzupassen, scheint in kleineren Städten hier häufig noch der praktische Nutzen im Vordergrund zu stehen: Es muss funktionieren und leicht erreichbar sein.

Gerade dieser Unterschied ist uns zwischen kleineren Städten und Metropolen in China immer wieder aufgefallen. In Kaiyuan oder generell außerhalb der großen Zentren sieht man Infrastruktur oft noch sehr direkt und offen. Rohre, Leitungen, Wasseranschlüsse oder technische Anlagen werden nicht zwangsläufig verkleidet oder „verschönert“ sie sind einfach Teil des Alltags. Funktion steht hier häufig klar über Design.

In modernen Großstädten wie Peking verändert sich das allerdings zunehmend. Dort verschwindet Infrastruktur immer mehr aus dem sichtbaren Stadtbild. Ähnlich wie in europäischen Großstädten wird Wert auf ein modernes, aufgeräumtes und ästhetisches Erscheinungsbild gelegt. Große freistehende Wasserzapfstellen wie in Kaiyuan passen dort immer weniger hinein. Stattdessen werden viele Systeme unterirdisch verbaut, hinter Verkleidungen versteckt oder deutlich unauffälliger gestaltet.

Natürlich spielt dabei auch das Geld eine große Rolle. In wirtschaftlich starken und touristisch wichtigen Regionen wird enorm viel investiert. Straßen, Versorgungssysteme und öffentliche Infrastruktur werden modernisiert, um Städte moderner, sauberer und internationaler wirken zu lassen. In kleineren oder weniger touristischen Regionen dagegen liegt der Fokus häufig stärker auf Funktionalität. Solange eine Anlage zuverlässig arbeitet, besteht oft kein dringender Grund, sie teuer umzubauen oder optisch anzupassen.

Genau das macht solche Orte aber auch spannend. Man bekommt einen direkteren Eindruck davon, wie eine Stadt tatsächlich funktioniert. Vieles wirkt pragmatischer, weniger durchdesignt und manchmal fast wie eine Momentaufnahme zwischen „alt“ und „neu“.

Gleichzeitig könnte es gut sein, dass solche sichtbaren Anlagen in einigen Jahren immer seltener werden. China entwickelt sich unglaublich schnell und selbst kleinere Städte verändern sich kontinuierlich. Was heute noch offen am Straßenrand steht, könnte morgen bereits modernisiert, unterirdisch verlegt oder komplett ersetzt worden sein.

Dadurch bekommen solche Entdeckungen fast etwas Zeitdokumentarisches. Vielleicht schaut man in ein paar Jahren auf solche Wasserzapfstellen zurück und sagt: „Weißt du noch, damals standen die noch überall sichtbar am Straßenrand?“

Die rote Wasserzapfstelle am Straßenrand ist deshalb weit mehr als nur ein merkwürdiges Rohr mitten in Kaiyuan. Sie ist ein kleines Beispiel dafür, wie unterschiedlich Infrastruktur sichtbar gemacht wird – in China genauso wie in Europa.

Ein Tag im Sommerpalast

Manche Orte in Peking beeindrucken einen allein durch ihre Größe, andere durch ihre Geschichte. Der Sommerpalast schafft beides gleichzeitig. Zwischen glitzernden Seen, geschwungenen Brücken, versteckten Pavillons und den bunt bemalten Wandelgängen fühlt man sich dort schnell wie in einer anderen Zeit.

Für uns war dieser Tag aber nicht nur ein Ausflug zu einer der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Chinas, sondern gleichzeitig auch ein besonderer gemeinsamer Tag mit Freunden. Den Besuch im Sommerpalast hatten wir Laura zum Geburtstag geschenkt, gemeinsam mit einer deutschsprachigen Führung. Gleichzeitig war es aber auch ein bisschen ein Abschiedstag, denn Laura wird Peking bald verlassen und wieder zurück nach Deutschland ziehen. Umso schöner war es, dass wir noch einmal gemeinsam als kleine Gruppe unterwegs sein konnten.

Schon früh am Morgen machten wir uns gemeinsam auf den Weg in den Nordwesten Pekings. Der Neue Sommerpalast liegt etwa 15 Kilometer außerhalb des Stadtzentrums und nur wenige hundert Meter westlich der Ruinen des Alten Sommerpalastes. Die Anlage erstreckt sich über rund 297 Hektar Fläche, wovon ungefähr drei Viertel allein vom Wasser des Kunming-Sees bedeckt werden. Seit 1998 gehört die Anlage außerdem zum UNESCO-Weltkulturerbe und gilt bis heute als eines der bedeutendsten Beispiele traditioneller chinesischer Gartenkunst.

Unsere Guide begrüßte uns direkt am Ost-Eingang. Sie hat Germanistik an der Universität studiert und spricht wirklich beeindruckend gutes Deutsch. Dadurch war die Führung nicht nur informativ, sondern auch angenehm locker und verständlich. Besonders spannend fand ich, dass sie nicht einfach nur Daten und Fakten heruntergebetet hat, sondern auch viele Geschichten aus dem Alltag des Kaiserhofes erzählte. Gerade diese kleinen Details machen Geschichte und Orte irgendwie lebendig.

Der Sommerpalast heißt auf Chinesisch übrigens gar nicht einfach „Sommerpalast“. Sein eigentlicher Name lautet Yiheyuan und bedeutet übersetzt etwa „Garten der Erholung und Harmonie“ oder auch „Garten des friedvollen Bewahrens“. Ursprünglich wurde die Anlage bereits im 12. Jahrhundert angelegt. Kaiser Qianlong ließ den Palast schließlich zwischen 1751 und 1764 als Geschenk zum 60. Geburtstag seiner Mutter ausbauen. Dafür wurde damals die enorme Summe von 4,8 Millionen Silber-Tael investiert.

Besonders bekannt wurde der Sommerpalast jedoch durch Kaiserinwitwe Cixi aus der Qing-Dynastie. Interessant war dabei vor allem, dass der Sommerpalast eigentlich gar nicht die Hauptresidenz des Kaisers war. Vielmehr entwickelte sich die Anlage zunehmend zum Wohnort von Kaiserinwitwe Cixi, also der Mutter des Kaisers.

Die Geschichte des Sommerpalastes verlief allerdings keineswegs friedlich. Wie auch der Alte Sommerpalast wurde die Anlage während des Zweiten Opiumkrieges 1860 von anglo-französischen Truppen zerstört und geplündert. Anders als der Alte Sommerpalast wurde der Neue Sommerpalast jedoch später auf Initiative von Kaiserinwitwe Cixi zwischen 1885 und 1895 wieder aufgebaut.

Ursprünglich war die Anlage gar nicht vollständig ummauert. Lange Zeit existierte hauptsächlich nur das Osttor als repräsentativer Zugang zum Gelände. Doch die Kaisermutter war beim Volk nicht sonderlich beliebt und fühlte sich zunehmend unsicher. Aus diesem Grund ließ sie zusätzlich Wachtürme und Mauern errichten, um die Anlage besser zu schützen und gleichzeitig Kontrolle über das Gelände zu behalten. Dadurch entstanden weitere Eingänge, sodass der Sommerpalast heute über drei Zugänge verfügt und deutlich stärker abgegrenzt ist als in seiner ursprünglichen Form.

Während wir durch die Anlage liefen, wurde schnell klar, wie sehr hier Architektur und Natur miteinander verbunden wurden. Genau dieses Zusammenspiel gilt als eines der wichtigsten Prinzipien chinesischer Gartenkunst. Der Mensch soll die Natur nicht dominieren, sondern sich harmonisch in sie einfügen.

Unser erster größerer Halt war der ehemalige Gerichts- und Verwaltungsbereich des Palastes. Dort befanden sich früher die Hallen, in denen politische Entscheidungen getroffen wurden und wo Cixi Gäste empfing.

Nicht weit entfernt befand sich die Halle der Jadewellen, die früher als Wohnbereich des Kaisers Guangxu diente. Besonders bedrückend war die Geschichte dahinter: Nach der gescheiterten Hundert-Tage-Reform von 1898 wurde Guangxu dort von Cixi praktisch unter Hausarrest gestellt.

Danach liefen wir weiter zur Halle der Freude und Langlebigkeit. Diese wurde ursprünglich bereits 1750 unter Kaiser Qianlong erbaut, später jedoch zerstört und 1886 erneut aufgebaut. Sie diente anschließend als Privatgemach von Kaiserinwitwe Cixi.

Immer wieder blieben wir aber auch einfach stehen, um die vielen kleinen Details zu betrachten. Überall entdeckte man kunstvolle Zimmer, geschnitzte Fensterrahmen oder alte Holzbetten.

Danach liefen wir weiter Richtung Kunming-See. Der riesige See bildet das Herzstück des Sommerpalastes und prägt die gesamte Anlage. Überall spiegelten sich die Weiden im Wasser und durch den leichten Wind bewegten sich die langen grünen Äste fast wie Vorhänge über dem See.

Vom Stadtzentrum in Peking kann man mit dem Boot direkt in den Sommerpalast fahren, durch alte Kanäle bis in den Kunming-See hinein. Genau diese Route entlang der kaiserlichen Wasserstraße nutzte einst Cixi, um der stickigen Verbotenen Stadt zu entkommen. Die Bootsfahrt vom Zizhuyuan Park zum Sommerpalast dauert ca. 40 Minuten und ist mittlerweile eine beliebte Touristen Attraktion.

Doch was viele nicht wissen: Der Kunming-See ist komplett künstlich. Kaiser Qianlong ließ ihn 1750 ausheben und der Aushub wanderte gleich nebenan auf den Langlebigkeitshügel. Der Name „Kunming“ ist eine Hommage an den Kunming-See in der alten Hauptstadt Chang’an (dem heutigen Xi’an).

Die Kaiserinwitwe Cixi reiste nicht gerne, weshalb sie stattdessen viele Elemente aus verschiedenen Städten Chinas in den Sommerpalast einbauen. Pavillons, Brücken und Gartendesigns aus unterschiedlichen Regionen fanden sich hier zusammen, als wäre das ganze Reich in einem Garten versammelt.

Von dort aus ging es für uns weiter entlang des Sees zur berühmten Siebzehn-Bogen-Brücke. Sie verbindet das Festland mit der Insel Nanhu und wurde bereits 1750 erbaut. Unsere Guide erklärte uns, dass die Brücke bewusst an die berühmte Marco-Polo-Brücke in Peking erinnern soll, die für ihre vielen Bögen und Steinfiguren bekannt ist. Auch die Siebzehn-Bogen-Brücke wirkt durch ihre geschwungene Form besonders elegant und spiegelt sich wunderschön im Wasser des Kunming-Sees.

Die Zahl 17 wurde dabei nicht zufällig gewählt: In der chinesischen Architektur gelten ungerade Zahlen oft als harmonisch und symbolisch bedeutungsvoll. Der mittlere, höchste Bogen bildet gemeinsam mit den jeweils acht kleineren Bögen auf beiden Seiten eine perfekt symmetrische Anlage. Besonders auffällig sind außerdem die vielen kunstvoll gestalteten Steinlöwen entlang der Brücke, von denen keiner exakt dem anderen gleicht.

Ein weiteres Highlight war der berühmte Wandelgang. Mit seinen 728 Metern gilt er als längster bemalter Korridor Chinas. Viele davon zeigen Landschaften, historische Szenen oder Figuren aus alten chinesischen Geschichten.

Der Gang besteht aus 273 verbundenen Säulenpaaren und mehreren Pavillons. Über 8000 Gemälde schmücken die Balken des Wandelgangs.

Eine der Darstellungen zeigte beispielsweise eine Szene aus „Die Reise nach Westen“, einem der bekanntesten Werke der chinesischen Literatur. Der Roman aus dem 16. Jahrhundert erzählt die abenteuerliche Reise des Mönchs Xuanzang nach Indien, wo er buddhistische Schriften beschaffen soll. Begleitet wird er dabei von mehreren mystischen Figuren, darunter auch der berühmte Affenkönig Sun Wukong, der bis heute zu den bekanntesten Figuren der chinesischen Kultur zählt. Unsere Guide erklärte uns, dass diese Bilder früher nicht nur der Dekoration dienten, sondern gleichzeitig Geschichten, Werte und kulturelles Wissen vermitteln sollten.

Zwischendurch machten wir immer wieder kleine Pausen und genossen einfach die Atmosphäre. Mal saßen wir am Wasser, mal liefen wir durch kleine Gartenanlagen mit blühenden Bäumen und verwinkelten Wegen.

Besonders beeindruckend war, wie sich immer wieder neue Perspektiven öffneten. Mal blickte man durch Fenster auf einen Pavillon, mal auf kleine Inseln mitten im Wasser.

Natürlich durfte auch das berühmte Marmorboot nicht fehlen, das wir nun endlich auch selbst vor uns sahen. Unsere Guide erklärte uns dazu nochmal die spannende Geschichte hinter dem Bauwerk. Das dekorative Boot aus Stein wurde Ende des 19. Jahrhunderts unter Kaiserinwitwe Cixi fertiggestellt und erinnert bis heute daran, dass für den Wiederaufbau des Sommerpalastes teilweise Gelder verwendet wurden, die ursprünglich für die Modernisierung der chinesischen Marine vorgesehen waren.

Zwar kann das Boot natürlich nicht fahren und diente rein repräsentativen Zwecken, trotzdem gehört es heute zu den bekanntesten Fotomotiven der gesamten Anlage.

Im Laufe des Tages stiegen die Temperaturen immer weiter an und wir waren froh über die vielen schattigen Wege unter den Weidenbäumen. Überall in der Anlage saßen Menschen auf Steinen oder kleinen Mauern und genossen einfach das Frühlingswetter.

Unsere Guide zeigte uns noch viele weitere Gebäude, die man sonst wahrscheinlich einfach übersehen hätte. Darunter die Wolkenzerstreuende Halle, den Pavillon des Buddhistischen Wohlgeruchs hoch oben auf dem Berg der Langlebigkeit sowie den Pavillon der Kostbaren Wolken.

Den Aufstieg zum Pavillon des Buddhistischen Wohlgeruchs schafften wir zeitlich leider nicht. Aber selbst von unten ist er schon sehr beeindruckenden anzusehen.

Am Ende der Führung waren wir zwar müde, aber gleichzeitig auch beeindruckt davon, wie viel Geschichte und Symbolik hinter dieser Anlage steckt. Der Sommerpalast ist weit mehr als nur ein schöner Park. Er erzählt von Macht, Politik, Familienstrukturen und dem Leben am chinesischen Kaiserhof und schafft es gleichzeitig, eine unglaubliche Ruhe auszustrahlen.

Langsam liefen wir Richtung Ausgang und verließen den Sommerpalast schließlich über eine der eleganten Steinbrücken, die sich perfekt in die Gartenlandschaft einfügen. Besonders diese Brücke blieb mir nochmal im Kopf, weil sie mit ihrem geschwungenen Rundbogen und der Spiegelung im Wasser fast wie aus einem Gemälde wirkte. Solche Brücken sind typisch für die chinesische Gartenkunst. Sie sollten nicht nur Wege verbinden, sondern gleichzeitig bewusst schöne Blickachsen schaffen und die Landschaft harmonisch ergänzen.

Und während wir ein letztes Mal zwischen Wasser, alten Bäumen und den geschwungenen Steinbrücken entlangliefen, wurde uns allen bewusst, warum dieser Ort seit Jahrhunderten als Rückzugsort der Kaiser galt. Manche Orte schaffen es einfach, selbst mitten in einer Millionenstadt Ruhe auszustrahlen.

Für uns war es aber nicht nur ein touristischer Ausflug, sondern vor allem ein gemeinsamer Tag voller Gespräche, Eindrücke und Erinnerungen. Gerade mit dem Gedanken daran, dass Laura bald Peking verlassen wird, hatte dieser Tag nochmal eine ganz besondere Bedeutung.

Sommerliche Tage in Peking

Zwischen Sprachunterricht, Sauerteig und spontanen Straßensperrungen war auch diese Woche wieder einiges los.

Mein Chinesischunterricht hat nun wieder begonnen und damit heißt es zweimal pro Woche jeweils anderthalb Stunden neue Vokabeln lernen, Grammatik üben und versuchen, beim Sprechen nicht komplett durcheinanderzukommen. Auch wenn es manchmal anstrengend ist, macht es Spaß und ich hoffe, dass langsam Fortschritte im Alltag zu merken sind.

Neben dem Unterricht begleitet mich aktuell vor allem auch das „Projekt“ Sauerteigstarter durch den Alltag. Damit er nicht irgendwann im Müll landet, wurde diese Woche fleißig gebacken. Zum Wochenende gab es deshalb frische Brötchen und süße Nutella Hörnchen aus selbstgemachtem Teig.

Auch in Peking selbst war diese Woche einiges los und durch einen besonderen Staatsbesuch hat man das sogar im Alltag immer wieder gemerkt.

Sunset Hike Jinshanling Great Wall

Diesmal ging es zu einer eher ungewohnten Uhrzeit für mich auf eine Wanderung zur Chinesischen Mauer. Wir trafen uns erst um 13 Uhr an der Deutschen Schule im Botschaftsviertel Pekings, von wo aus unser Bus startete.

Schon auf dem Weg dorthin fiel mir auf, dass die Stadt an diesem Tag anders wirkte als sonst. Es standen deutlich mehr Polizisten an den Straßen, teilweise sogar mit Campingstühlen an Straßenecken, und ganze Abschnitte wirkten wie leergefegt. Kaum Autos, kaum Fahrräder und insgesamt eine ungewohnte Stimmung für Peking.

Auch rund um die Schule selbst war sofort zu erkennen, dass etwas Besonderes im Gange war. Die beiden großen Hotels in der Nähe, das Kempinski und das Four Seasons, waren großflächig abgesperrt, mit Sicherheitskontrollen, Zelten und vielen Sicherheitskräften ausgestattet. Es war schnell klar, dass ein Staatsbesuch im Land sein musste und man merkte deutlich, wie sich die Stadt darauf einstellte.

Da die Deutsche Schule mitten im Botschaftsviertel liegt, war auch dort alles etwas anders als sonst. Normalerweise herrscht hier viel Bewegung, besonders um die Mittagszeit, wenn Schüler abgeholt werden. An diesem Tag jedoch fehlten die üblichen Busse zunächst komplett. Irgendwann kam unser Busfahrer schließlich zu Fuß und erklärte, dass er mit dem Bus nicht wie gewohnt draußen halten dürfe und stattdessen über einen anderen Zugang auf das Gelände fahren müsse. Auch die anderen Busse wurden verlegt und kamen nun über einen gesicherten Bereich auf das Schulgelände.

Als wir schließlich vollständig waren, ging es los.

Dieses Mal war die Fahrt deutlich länger als gewohnt und wir waren etwa zwei Stunden unterwegs. Unser Ziel war die Jinshanling Great Wall, ein Abschnitt der Chinesischen Mauer, der besonders für seine Sonnenuntergänge bekannt ist. Dort wollten wir eine Sunset Hike Tour machen und den Tag auf der Mauer ausklingen lassen.

Im Gegensatz zu vielen unserer bisherigen Touren handelte es sich diesmal um einen eher touristisch erschlossenen Abschnitt. Nach der Ankunft mussten wir zunächst Tickets kaufen, da der Zugang offiziell geregelt ist. Es gibt dort sogar die Möglichkeit, mit einer Seilbahn nach oben zu fahren und direkt auf der Mauer zu starten. Wir entschieden uns jedoch bewusst für den Aufstieg zu Fuß.

Nach dem Eingang führten uns die Wege zunächst durch ein kleines Besucherzentrum, bevor sich der Pfad in zwei Richtungen teilte. Wir entschieden uns für die linke Route und machten uns auf den Weg. Etwa 45 Minuten ging es bergauf, bevor wir schließlich die Mauer erreichten.

Der Moment, in dem man oben ankommt, ist jedes Mal beeindruckend. Die Jinshanling Great Wall schlängelt sich dort über die Bergkämme und wirkt wie eine endlose steinerne Linie, die sich durch die Landschaft zieht. Auch wenn dieser Abschnitt teilweise restauriert ist, bleibt die Kulisse unglaublich eindrucksvoll.

Wir liefen ein Stück entlang der Mauer, vorbei an alten Wachtürmen und steilen Treppen, während sich immer wieder weite Blicke über die Berge öffneten.

Nach einiger Zeit erreichten wir schließlich unseren Zielturm, den sogenannten Sunset Tower. Dort angekommen war die Sonne zwar noch nicht ganz untergegangen, aber schon deutlich tiefer am Himmel. Jeder hatte etwas zu essen mitgebracht und so entstand ein kleines Picknick mit Brot, Dips, Würstchen, Käse und einigen chinesischen Snacks. Nur ein klassischer Kuchen fehlte, obwohl genau das im Nachhinein eigentlich ganz gut gepasst hätte.

Während wir dort saßen, wurde es langsam ruhiger. Die Gespräche wurden entspannter, der Himmel färbte sich immer wärmer und die Stimmung war einfach besonders. Als die Sonne schließlich langsam hinter den Bergen verschwand, war der Moment kaum in Worte zu fassen. Das Licht färbte die Mauer und die umliegenden Berge in warme Rot und Orangetöne und für einen kurzen Augenblick wirkte alles fast still.

Fotos konnten diesen Moment nur teilweise einfangen, denn in echt war die Atmosphäre deutlich intensiver. Genau solche Augenblicke bleiben einem oft am stärksten im Gedächtnis.

Da es nach Sonnenuntergang schnell dunkel wird und der Abschnitt nicht beleuchtet ist, machten wir uns kurz darauf wieder auf den Rückweg. Der Abstieg führte uns entlang der Mauer zurück, während der Himmel langsam in dunklere Blautöne wechselte. Immer wieder konnten wir noch den rosa gefärbten Abendhimmel sehen und kleine Details am Wegesrand entdecken, wie künstliche Blüten an echten Bäumen, die uns kurz zum Schmunzeln brachten.

Unten angekommen war es bereits komplett dunkel und wir stiegen wieder in den Bus für die Rückfahrt nach Peking. Nach etwa zwei Stunden Fahrt kamen wir wieder in der Stadt an und ich machte mich schließlich mit dem Fahrrad auf den letzten Weg nach Hause.

Gemeinsamkeiten finden

Mit neuen Freundschaften entdeckt man nach und nach immer mehr Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede. So kam es dazu, dass ich gemeinsam mit einer Freundin, die im selben Gebäude wie wir wohnt, in ein kleines Studio gefahren bin, um zusammen zu malen.

Sie wollte schon lange ein Bild ihrer Heimatgemeinde nachmalen und ich hatte vor allem das Ziel, etwas mehr Farbe in unser Apartment zu bringen.

Ganz so künstlerisch begabt bin ich leider nicht. Das meiste Talent dafür ging wohl eher an meinen Bruder. Deshalb entschied ich mich für ein eher schlichtes Motiv, bei dem vor allem die Farben im Mittelpunkt standen. Mit dem Spruch „Don’t overthink it“ habe ich das Bild dann noch etwas personalisiert.

Da sie bereits etwas Erfahrung hatte und außerdem ein kleineres Bild malte, passte es zeitlich perfekt und wir wurden tatsächlich fast gleichzeitig mit unseren Gemälden fertig. Zuhause ergänzte sie später noch mit einem dünnen Stift die Konturen der Häuser ihres Bildes.

Es war schön, gemeinsam kreativ zu sein und einfach Zeit miteinander zu verbringen. Und jedes Mal, wenn ich jetzt den kleinen Farbklecks in unserer Wohnung sehe, freue ich mich darüber.

Hoher Besuch mit großem Aufwand

In dieser Woche war US Präsident Donald Trump zu Besuch in China. Solche Staatsbesuche sorgen in Peking immer für enorme Sicherheitsmaßnahmen und auch diesmal war der Aufwand im gesamten Stadtbild deutlich spürbar.

Bereits Tage vorher wurden Straßen leergeräumt, Leihfahrräder entfernt und parkende Autos teilweise sogar mit Gabelstaplern umgesetzt. Vor einigen Hotels entstanden plötzlich Sicherheitskontrollen mit Zelten, Absperrungen und zahlreichen Sicherheitskräften. Immer wieder wurden Straßen komplett oder zeitweise gesperrt.

Teilweise wusste man gar nicht mehr, ob die Sperrungen wirklich notwendig waren oder eher zur Verwirrung dienten, damit niemand nachvollziehen konnte, welche Route tatsächlich genutzt wird.

Auch wir bekamen den Staatsbesuch direkt mit. Auf dem Weg zum Frühstückstreff kamen eine Freundin mit ihrem Roller und ich mit dem Fahrrad an eine Kreuzung, die gerade abgesperrt wurde. Interessanterweise blieben viele Menschen bewusst an den Absperrungen stehen und warteten ab, was passieren würde. Also beschlossen wir ebenfalls, noch kurz zu bleiben, da wir genug Zeit hatten.

Oft werden Straßen auch einfach vorsorglich gesperrt und am Ende fährt doch niemand vorbei. Doch als plötzlich aus allen vier Richtungen Polizeiautos und Notarztwagen auftauchten, war klar: Hier muss gleich die Kolonne durchfahren.

Etwa zehn Minuten warteten wir schließlich, bis es dann soweit war. Die Fahrzeugkolonne raste unglaublich schnell an uns vorbei und bestand aus deutlich mehr Fahrzeugen, als man es sich vorher vorgestellt hätte. Nach gerade einmal einer Minute und vierzig Sekunden war das gesamte Schauspiel schon wieder vorbei.

Wenige Minuten später wurden die ersten Absperrungen bereits wieder aufgehoben. Zuerst durften Fußgänger und Fahrräder weiterfahren, etwa zehn Minuten später dann auch wieder die Autos. Schon verrückt, wie schnell sich eine Millionenstadt innerhalb weniger Minuten komplett an einen solchen Besuch anpasst.

(Das Video der Kolonne ist leider zu lang, um es hier einzufügen. Schreibt mir einfach kurz eine Nachricht, dann sende ich es euch bei Interesse zu.)

Bei gutem Wetter kamen wir schließlich in der Frühstückslocation an und genossen zu elft den Vormittag mit netten Gesprächen und leckeren Bagels. Wie immer verging die Zeit dabei deutlich schneller als gedacht.

Danach wollten wir uns eigentlich ganz entspannt mit den Drahteseln wieder auf den Weg nach Hause machen, doch der Besuch von Donald Trump beeinflusste erneut unseren Alltag. Die Straße, in der wir uns befanden, wurde plötzlich abgesperrt und wir kamen erstmal nicht weiter. Erst nach etwa zehn Minuten wurden die Absperrungen wieder geöffnet und wir durften unsere Fahrt fortsetzen.

An dem Abend war ich noch mit zwei Freundinnen zum Abendessen verabredet. Wir entschieden uns für indisches Essen in einem versteckten kleinen Lokal. Danach ging es noch auf einen Drink weiter, da wir noch viel Gesprächsstoff hatten.

Es war ein schöner Abend und leider ebenfalls einer der letzten in dieser Konstellation, denn auch für eine dieser Freundinnen geht es bald zurück in die Heimat.

Gemeinsame Tage

Die Woche beendeten wir ganz entspannt mit vielen kleinen Dingen, die einfach guttun. Bei meist über 30 Grad und strahlendem Sonnenschein fühlte sich Peking inzwischen richtig sommerlich an.

Zwar war für das Wochenende eigentlich Regen angekündigt, doch dieser kam erst am Sonntag. So konnten wir das warme Wetter noch genießen, gemeinsam lecker essen gehen, gemütliche Abende mit Freunden verbringen, ein paar Folgen Bergdoktor schauen, zur Massage gehen und etwas Sport machen.

Nach den vielen Ausflügen, stressigen Arbeitstagen und Erlebnissen der vergangenen Tage tat dieses ruhigere Wochenende uns beiden besonders gut.