Manchmal findet man die spannendsten Eindrücke nicht in Tempeln, Museen oder an großen Sehenswürdigkeiten, sondern einfach auf der Straße.
So wie diese kleine Alltagssituation, über die ich heute gestolpert bin, als ich morgens gegen sieben Uhr mit Nico zur Haltestelle gelaufen bin.
Auf einem Gehweg in der Zhaofeng Street standen mehrere orangefarbene Metallgitter, Kartons in verschiedenen Größen und viele kleine elektrische Zustellfahrzeuge. Daneben sortierten mehrere Zusteller konzentriert und routiniert Pakete in große, schwarze Rollwagen.
In China läuft ein Großteil des Stadtlebens über Onlinebestellungen und die Logistik arbeitet im wahrsten Sinne des Wortes auf Hochtouren. Innerhalb von Sekunden kann man online eine Bestellung aufgeben und oftmals bekommt man die Bestätigung, dass die Zustellung am nächsten Tag geschieht. Aber was dahinter steckt, vergisst man in diesem Moment meistens.
Jeder Block hat seine eigene Mini-Verteilstation, oft einfach auf dem Gehweg. Dort liefert zuerst ein großes Sammelfahrzeug die Pakete für das ganze Viertel ab. Danach kommen die Fahrer nacheinander an, scannen ihre Pakete und sortieren ihre Ware ein. Als Nächstes laden sie die Ware in ihre Dreiräder; diese kleinen Fahrzeuge eignen sich perfekt für die engen Gassen und Hofanlagen. Anschließend machen sich alle Fahrer wieder auf den Weg, die Pakete an die wartenden Kunden auszuliefern.
Gerade an kälteren Tagen wirkt diese Szene noch beeindruckender:
Eingepackte Fahrer, die im Morgengrauen Pakete sortieren, bevor die Stadt überhaupt vollständig aufgewacht ist. Ein unscheinbarer Moment, der aber so viel über das Tempo und die Organisation dieser Metropole verrät.
Für mich ist es wieder eines dieser Fundstücke, die man leicht übersieht – die aber genau das Herz des Alltags zeigen, das hinter den Kulissen schlägt.
Ich finde es wichtig, solche Momente bewusst wahrzunehmen. Es erinnert mich daran, dass hinter jeder Lieferung, jedem Paket und jedem reibungslosen Ablauf Menschen stehen, die oft früh aufstehen, lange Wege zurücklegen und dabei unauffällig, aber unverzichtbar sind.
Dieses Wochenende hat es uns in die Hauptstadt der chinesischen Provinz Shaanxi verschlagen.
Neben zahlreichen Sehenswürdigkeiten, die ich euch gleich noch genauer vorstellen werde, hat Xi’an vor allem eines: unglaublich viel Geschichte.
Die Stadt war unter der Qin-Dynastie die erste Hauptstadt des Kaiserreichs China und das nicht nur einmal. Auch während wichtiger Dynastien wie der westlichen Zhou, Qin, westlichen Han, Sui und Tang war Xi’an über viele Jahrhunderte politisches und kulturelles Zentrum des Reiches. Bereits im 7. Jahrhundert war sie eine Millionenstadt. Heute hat Xi’an eine Fläche von 10.097 km² und rund 12,95 Millionen Einwohner (Stand: Zensus 2020).
Kein Wunder also, dass es zu den beliebtesten Reisezielen in China zählt und mit seinen knapp 913 Kilometern Luftlinie von Peking perfekt für einen Wochenendtrip geeignet ist.
Anreise & unser erster Tag
Samstagmorgen um 04:00 Uhr klingelte der Wecker, wir machten uns voller Vorfreude fertig und bestellten ein Didi (Taxi) zum Flughafen. Die Fahrerin war ziemlich müde, ihr Fahrstil ließ uns etwas nervös werden, aber wir kamen sicher an. Beim betreten des Flughafen wird ein Abstrich an einer Stelle (Körper/Koffer etc.) pro Person gekommen, erst wenn dieser Drogentest negativ ausfällt darf man den Flughafen betreten.
Da wir nur mit Handgepäck reisen, sind wir direkt zum Security Check gegangen. Vom Eingang bis zu unserem Gate haben wir insgesamt nur 14 Minuten gebraucht, dass haben wir so schnell noch nie erlebt. In einem süß eingerichteten Café haben wir uns noch zwei Cappuccino gekauft und damit den Trip eingeläutet.
Das Boarding begann pünktlich und war nach 20 Minuten schon abgeschlossen. Somit konnten wir um 07:17 Uhr losfliegen. An jedem Platz stand bereits ein Wasser bereit und zum Essen gab es ein warmes Panini mit Hähnchenwurst und Käse, Maronen sowie Tee oder Kaffee. Außerdem ein Joghurt, welcher hier typischerweise mit Strohhalm getrunken wird. All dies ist im Flugpreis inklusive, aber wer möchte kann darauf verzichten und bekommt stattdessen Flugmeilen gutgeschrieben.
Nach 1 Stunde und 50 Minuten landeten wir und wurden anschließend in etwa einer Stunde zum Hotel gebracht. Der Check-in war bereits deutlich früher als geplant möglich, sodass wir direkt los konnten, um unsere Umgebung zu erkunden.
Unsere Unterkunft, das Novotel, liegt mitten im Herzen der Stadt, direkt am bekannten Glockenturm, also die perfekte Lage um Xi’an zu erkunden. Es liegt neben einem Theater und direkt dahinter ist eine Freilichtbühne, auf der an diesem Tag eine kostenlose öffentliche Aufführung stattfand.
Um 12:30 Uhr wurden wir von unserem englischsprachigen Tourguide abgeholt. Mit ihm ging es direkt zu DEM Highlight der Stadt:
Die Terrakotta-Armee
Im Mausoleum Qin Shihuangdis befindet sich die berühmteste Sehenswürdigkeit Xi’ans: die Terrakotta-Armee.
Chinas erster Kaiser, Qin Shihuang (259–210 v. u. Z.), ließ diese unterirdische Armee aus Tausenden lebensgroßen Kriegern errichten, als Wächter für sein Jenseits.
1974 wurde die Anlage zufällig entdeckt, als Bauern einen Brunnen graben wollten. Heute zählt sie zu den größten archäologischen Funden des 20. Jahrhunderts.
Und das Beeindruckendste: Keine einzige Figur gleicht der anderen.
Steht man vor diesen unzähligen Kriegern, die seit über 2000 Jahren unter der Erde standen, bleibt einem wirklich kurz die Luft weg. Ein absoluter Pflichtbesuch.
Unser nächster Stopp war der Huaqing Palace, ein historischer Ort am Fuße des Lishan-Bergs. Dort haben wir uns Tickets für die berühmte „Song of Everlasting Sorrow“-Show gebucht.
Wir holten unsere Tickets ab und hatten noch etwas Zeit, bis die Show um 18:30 Uhr begann. Wir stärkten uns in einem gemütlichen Restaurant mit Abendessen und entdeckten auf dem Weg dorthin einen schönen Platz mit beeindruckendem Brunnen.
Zurück bei der Show Location, durften wir noch die Parade sehen, gemeinsam mit dieser läuft man dann zu dem Einlass. Nachdem man die Sicherheitskontrolle erledigt hat, kann man gegen ein paar Schauspieler „Schere-Stein-Papier“ spielen. Für jede Person die man schlägt bekommt man eine Münze und wenn man gegen alle gewinnt bekommt man ein rotes Seiden-Tuch geschenkt.
Wir machten dann noch ein Foto mit den Hauptdarstellern der Show (Kaiser und Geliebte) und suchten unseren Plätze auf. Diese waren super zentral und boten uns die perfekte Aussicht auf die wahnsinnige Kulisse.
Das Tanzdrama basiert auf Bai Juyis Gedicht „Lied der ewigen Trauer“ und erzählt die tragisch-romantische Liebesgeschichte zwischen Kaiser Xuanzong und seiner Geliebten Yang Yuhuan – vom ersten Kennenlernen über glückliche Zeiten bis hin zur dramatischen Trennung und dem Wiedersehen im sagenumwobenen Penglai-Wunderland.
Die Show selbst ist unglaublich aufwendig inszeniert, mit Musik, Lichtern und Kulissen, die in die natürliche Landschaft eingebettet sind. Der Berg wurde beleuchtet mit Sternen, die Gebäude auf den Bergen leuchteten auf, Feuerwerke, Schnee und sogar fliegende Tauben. Eine wirklich eindrucksvolle Show, welche für uns das Highlight des Wochenende war.
Tag zwei & die Abreise
Der zweite Tag startete für uns ganz entspannt mit einem Frühstück im Hotel. Es gab überwiegend chinesisches Essen, aber auch Brot, Marmelade und Croissants. Danach checkten wir aus dem Hotel aus und konnten unsere Koffer dort untergestellt, damit wir den Tag voll nutzen konnten, ohne Gepäck hinter uns herzuziehen.
An diesem Tag wollten wir uns vor allem auf Xi’ans Stadtleben und seine historischen Highlights konzentrieren.
Unser erster Stopp war die Großen Wildganspagode, einem der wichtigsten buddhistischen Bauwerke Chinas. Die Anlage strahlt eine wunderbare Ruhe aus und bietet einen spannenden Kontrast zur lebendigen Stadt drumherum. Die 7-stöckige Pagode wurde errichtet, um die buddhistischen Schriften und Statuen aufzubewahren, die der Mönch Xuanzang aus Indien zurückbrachte.
Danach führte uns der Weg zur Stadtmauer, eine der am besten erhaltenen Chinas. Sie ist nahezu vollständig intakt und zieht sich in einem Rechteck von etwa 13–14 km um die Altstadt – perfekt für eine Fahrradtour!
Wir entschieden uns für ein Tandem. Leider konnten die Sitze nicht eingestellt werden, aber Spaß hatten wir trotzdem jede Menge. Hoch über den Straßen zu radeln, den Blick über Dächer, Türme und Parks schweifen zu lassen, war einmalig.
Im Anschluss besuchten wir das Muslimische Viertel, dass zur Zeit der Tang-Dynastie entstand, als Handelsrouten Händler und Muslime zusammenbrachten. Die Straßen sind voller Essenstände, Gewürze, Musik und Händler. Wir probierten regionale Spezialitäten und ließen uns von der Atmosphäre treiben.
Unser letzter Programmpunkt war der Glocken- und Trommelturm, zwei Wahrzeichen mitten im Herzen der Stadt. Die Glocken dienten früher zur Zeitansage und als Alarm, die Trommeln als Pendant abends zur Zeitangabe. Heute sind darin Ausstellungen und sie werden als Foto-Kulisse genutzt.
Da wir noch etwas Zeit hatten haben wir noch die traditionellen Biang Biang Nudeln gegessen, dies sind sehr breite, handgezogene Nudeln typisch mit würziger Chili- Knoblauch-Essig-Sauce, Gemüse und Fleisch. Danach kauften wir uns noch ein paar Souvenirs, holten unsere Koffer im Hotel ab und machten uns auf zum Flughafen.
Unser Rückflug mit Air China startete um 18:50 Uhr. Wie üblich bei der Airline , gab es eine warme Mahlzeit an Bord. Ein kleines, aber feines Detail, das wir beide super finden, weil man nach der Landung nicht mehr überlegen muss, was man noch essen soll. Gegen 20:45 Uhr landeten wir wieder in Peking, nahmen ein Didi nach Hause und waren etwas müde, aber sehr erfüllt von unserem kleinen Wochenendtripp.
Leider reichte die Zeit diesmal nicht, den berühmten Hua Shan zu besuchen, einer der heiligen Berge Chinas mit spektakulären Granitwänden, mehreren Gipfeln und Wanderwegen, die fast in den Himmel führen. Viele schwärmen vom Sonnenaufgang dort oben, andere vom legendären „Plank Walk“, der wohl spannendsten Himmelsleiter Chinas.
Ein Grund mehr, noch einmal nach Xi’an zurückzukommen.
Um euch Xi’an noch etwas lebendiger zu zeigen, habe ich ein kleines Video zusammengestellt. Darin seht ihr einige der Highlights unserer Reise und bekommt einen visuellen Eindruck von Eindrücken und Emotionen, die in Worten nur schwer zu beschreiben sind.
Vor einer Weile wurde mir ein lokaler Lebensmittelmarkt empfohlen, auf dem man frisches Gemüse, Obst, Fleisch und Fisch kaufen kann. Da mich die chinesische Küche und ihre Lebensmittel sehr interessiert, war ein Besuch auf diesem natürlich Pflicht. Begleitet wurde ich von einer meiner neuen Freundinnen.
Mein Weg dorthin war schon ein Highlight: durch einen kleinen Park mit herbstlich gelben und orangenen Blättern, die Sonne schien, alles wirkte so richtig schön herbstlich.
Der Markt selbst ist eine überdachte Markthalle, richtig lebendig und bunt: Gemüse, Obst, Fleisch, Fisch, frische Nudeln, getrocknete Getreideprodukte, Tee und sogar kleine Essensstände an denen man direkt etwas snacken kann. Alles super frisch! Besonders beeindruckend fand ich die Fisch- und Meeresfrüchte-Abteilung: hier gibt es nicht nur Lachsfilets, sondern auch lebende Fische und Krabben, die man direkt auswählen kann. Alles zappelt, krabbelt oder zittert– definitiv ein Erlebnis!
Beim Fleisch ist es ähnlich: man wählt einfach das gewünschte Stück aus, welches direkt vor den eigenen Augen herausgeschnitten wird.
Wir haben uns zuerst etwas treiben lassen und dann versucht unsere Einkaufsliste abzuarbeiten. Am Stand sagt man was man möchte und wie viel. Bei Obst kann man sich die Stücke oft selbst aussuchen, bei Fleischwaren ziehen die Verkäufer Handschuhe an und packen es hygienisch für einen ab. Danach wird alles gewogen, man scannt einen QR-Code und bezahlt direkt mit dem Handy. Am Anfang war es noch etwas ungewohnt, aber nach ein paar Ständen hatten wir den Dreh raus und verstanden gut, wie alles abläuft.
Besonders schön war, dass wir ein paar interessante Begegnungen mit Einheimischen hatten: An zwei, drei Ständen wurden wir gefragt, woher wir kommen. Die Menschen waren super freundlich, offen und neugierig. Bereits auf der Bahnfahrt hatte ich ein junges Mädchen neben mir, das versuchte, mir auf Chinesisch und Englisch Fragen zu stellen. Wir konnten uns zwar nur rudimentär verständigen, aber ich fand es super schön, wie interessiert sie war. Für mich ein Ansporn noch besser chinesisch zu lernen!
Am Ende waren wir sehr zufrieden: für umgerechnet 13,92 Euro hatte ich eine riesige Auswahl an frischem Gemüse und Obst gekauft. Der Marktbesuch lohnt sich definitiv, nicht nur wegen der Frische der Produkte, sondern auch wegen der lebendigen Atmosphäre und der kleinen Begegnungen mit Einheimischen. Ich werde ab sofort regelmäßig hier einkaufen gehen.
Unser erster Arztbesuch in Peking
Am Dienstagmorgen stand bei uns mal ein etwas anderer „Ausflug“ auf dem Plan: ein Arztbesuch. Nico hatte seit Montagmorgen starke Rückenschmerzen. Am Abend ist er bereits zur Massage gegangen, in der Hoffnung, dass es sich nur um eine einfache Verspannung handelt. Doch danach spürte er kaum Besserung und über Nacht wurden die Schmerzen sogar noch stärker, sodass er sich morgens nur noch eingeschränkt bewegen konnte. Also haben wir beschlossen, die Situation ärztlich beurteilen zu lassen.
In Peking ist das Buchen von Arztterminen sehr unkompliziert. Alles läuft online. Man kann gezielt nach Ärzten suchen, die auf ein bestimmtes Gebiet spezialisiert sind und auch die Sprache filtern. In unserem Fall suchten wir also gezielt einen Orthopäden und Rücken-Spezialisten, der Englisch spricht.
Ich habe also einen Arzt gefunden, der noch einen freien Termin um 9 Uhr im United Family Hospital hatte, etwa 20 Minuten von uns entfernt. Bereits online konnten wir unsere Daten hochladen: Krankenkarte, Pass und eine kurze Beschreibung der Symptome. So war der Arzt beim Eintreffen bereits vorbereitet und wir mussten vor Ort kaum noch Papierkram erledigen.
Mit einem Didi (Taxi) fuhren wir zum Krankenhaus. An der Rezeption wurde kurz überprüft, bei welchem Arzt wir sind und welcher Termin gebucht war. Dann wurde der Pass gescannt, um eine Mitgliedsnummer zu vergeben, dies erleichtert zukünftige Besuche. Schon nach wenigen Minuten konnten wir zum Arzt gehen.
Der Termin begann pünktlich um 9 Uhr. Nach einer kurzen Befragung zu den Symptomen und einer Untersuchung meinte der Arzt, dass es sich wahrscheinlich um ein Problem mit Muskeln oder Nerven handele, wollte aber sicherheitshalber ein Röntgenbild machen.
Für das Röntgen wurde Nico von einem Mitarbeiter in einem rollbaren Stuhl abgeholt, sodass er nicht laufen musste. Vom Gebäudewechsel bis zur Umkleide und zum Röntgen lief alles wie am Schnürchen, ohne Wartezeiten. Zwei Aufnahmen später- fertig.
Zurück beim Arzt: die Röntgenbilder waren zum Glück unauffällig. Anschließend nahm sich der Arzt ausgiebig Zeit (mindestens 20 Minuten), um Nico mit Lockerungsübungen, Druckpunktmassagen und gezielten Übungen für zu Hause zu behandeln. Ein Folgetermin wurde direkt vereinbart, zudem erhielten wir ein Rezept, das wir sofort in der Apotheke im selben Gebäude einlösen konnten.
Nach der Apotheke kauften wir uns noch einen Kaffee am Eingang und fuhren zurück nach Hause. Die Abrechnung erfolgt direkt mit der Krankenkasse, alles sehr einfach und unkompliziert. Nico konnte sich frisch machen, Wärmepflaster aufkleben, frühstücken und dann gestärkt wieder zur Arbeit gehen.
Der Besuch im United Family Hospital war ein echter Einblick in die moderne medizinische Versorgung in Peking: hell, sauber, effizient und patientenfreundlich. Von der Online-Buchung über den Check-in bis zur Behandlung und Medikamentenabholung läuft hier alles reibungslos. Was mich wirklich beeindruckt hat: keine langen Wartezeiten, selbst für Röntgen oder MRTs. Alles befindet sich unter einem Dach: Arzt, Röntgen, Apotheke. Nach dem Besuch verlässt man das Krankenhaus quasi „fertig versorgt“. So effizient, unkompliziert und professionell habe ich einen Arztbesuch selten erlebt.
Kunst und Geschichte
Auf Empfehlung von Nico bin ich zur 798 Art Zone in Peking gefahren, einem riesigen Areal im Nordosten Pekings (Chaoyang, Dashanzi). Dort war in den 1950er Jahren ein Fabrikgelände, entworfen mit Hilfe der DDR. Mit der Zeit haben Künstler diese leerstehenden Hallen gemietet und zum heutigen, kreativen Hotspot voller Galerien, Werkstätten, Cafés und riesiger Außenskulpturen entwickelt.
Ich bin den ganzen Vormittag ohne Plan durch die Gassen geschlendert. Mal tauchte plötzlich eine meterhohe Statur auf, mal ein buntes Wandbild, mal eine kleine Metallwerkstatt, in der Mini-Eisenbahnen, Motorräder oder Skulpturen gefertigt werden.
Dazwischen Cafés, Designläden, Schmuckboutiquen und Handwerksstudios mit Keramik, Mode oder selbst bemalten Tellern.
Ein Ort, an dem man stundenlang herumstöbern kann, ohne dass es langweilig wird.
Besonders fasziniert haben mich die kleinen Keramikläden.
Bei einem Laden stand vor dem Geschäft eine kleine Auswahl. Ich blieb stehen, schaute mich um und der Besitzer bemerkte schnell, dass ich Interesse habe. Er hat mich freundlich hereingebeten und im nächsten Moment wurde ich schon von einem neugierigen Hund begrüßt. Voller Begeisterung. Voller Liebe. Mein Herz zerbrach etwas, da ich ihn nicht streicheln konnte, da man leider nie genau weiß, wie der Gesundheitszustand der Tiere ist. Unser Arzt sowie der Werksarzt rieten uns daher zur kompromisslosen Vorsicht.
Eigentlich wollte ich direkt mit dem Taxi (Didi) zurückfahren. Aber als ich gesehen habe, wie der Verkehr stand, bin ich lieber noch etwas gelaufen.
Auf einer Fußgängerbrücke hatte ich dann diesen typischen Peking-Moment: Gebäude, Autos, Lichter, eigentlich nichts Besonderes. Aber zusammen ergibt es dieses echte Großstadtgefühl, das gleichzeitig überwältigend und beruhigend ist.
Ein paar Straßen weiter kam ich an einem Fluss vorbei. Die hängenden Bäume spiegelten sich im Wasser und für ein paar Minuten war einer dieser intensiven Pekinger Sonnenuntergänge: warm, orange, kräftig, fast schon magisch.
Ich liebe diese kurzen Momente hier, die einen komplett einfangen und alles entschleunigen.
Hike „Gubeikou Great Wall
Am Sonntag haben wir eine geführte Wanderung entlang der Chinesischen Mauer gebucht – Nicos erste Wanderung in China und mein erstes Mal an der Mauer. Treffpunkt war um 7:30 Uhr, wo wir von dem Tour-Bus eingesammelt wurden. Gemeinsam mit fünf weiteren Personen und einer Freundin fuhren wir ca. zwei Stunden zum Startpunkt.
Die Tour führte uns in den Panlongshan-Abschnitt der Gubeikou Great Wall.
Gestartet sind wir in der Nähe eines kleinen Dorfes. Von dort beginnt ein Bergpfad, der uns zur oberen Sektion der Großen Mauer von Gubeikou führte. Der Aufstieg war nicht besonders schwierig, da er mit gut erhaltenen Treppen versehen ist. Oben angekommen standen wir bereits fast am höchsten Punkt der gesamten Tour.
Der tatsächliche höchste Punkt ist der 24-Eyes Tower. Wir folgten der Mauer weiter bergauf und wurden mit weiten Ausblicken auf die umliegenden Berge und weitere Mauerabschnitte belohnt. Der Turm ist der höchste und einer der größten auf dem Panlongshan-Abschnitt, auch bekannt als „Coiling Dragon Mountain“. Seinen Namen verdankt er ursprünglich den 24 Fenstern: sechs auf jeder der vier Seiten. Heute stehen allerdings nur noch zwei Seiten, da der Turm über die Jahre, unter anderem während eines Gefechts in den 1930er-Jahren zwischen chinesischen und japanischen Truppen, stark beschädigt wurde.
Nach einer kurzen Pause wanderten wir weiter die Mauer hinunter in Richtung des Nordtors von Gubeikou. Der Weg führte größtenteils direkt auf der Mauer entlang, vorbei am Haowang Tower und später am General’s Tower. Kurz hinter diesem Turm bogen wir auf einen Seitenpfad ab, um über schmale Hügelwege wieder zur alten Stadtmauer von Gubeikou zu gelangen. Auf dieser letzten Mauerpassage wanderten wir schließlich bis zum Nordtor, einem eindrucksvollen, bogenförmigen Tor in der Mauer.
Vom Nordtor stiegen wir ins Dorf hinab und beendeten den Tag mit einem großzügigen, wohlverdienten Essen in einem lokalen Dorfrestaurant.
Wie in China üblich, gab es viele Gerichte, die auf den Tisch gestellt werden. Jeder kann sich das nehmen, was er möchte, alles wird geteilt. Zu trinken gab es Bier, Jasmintee und chinesische Limonaden. Mit netten Gesprächen und gutem Essen ließen wir die Wanderung ausklingen.
Danach fuhren wir wieder zweieinhalb Stunden zurück in die Stadt und fielen nach einer Dusche glücklich ins Bett. Wir sind dankbar, so etwas erleben zu können und freuen uns auf weitere Wanderungen.
Am Dienstag stand bei mir etwas ganz Besonderes auf dem Programm: ein vietnamesischer Kochkurs, organisiert durch die deutsche Patengruppe.
Der Kurs fand im Restaurant Susu statt, einem charmanten, modernen vietnamesischen Restaurant, mit mehreren Standorten in Peking.
Nach einer herzlichen Begrüßung durch den Besitzer, zeigten uns zwei der Chefköche/inen Schritt für Schritt, wie man Sommerrollen in verschiedenen Varianten zubereitet.
Was auf den ersten Blick simpel aussieht, hat doch seine Tücken: Das feine Reispapier darf weder zu trocken noch zu weich sein, sonst reißt es beim Rollen. Aber mit etwas Übung und jeder Menge Spaß klappte es bei uns allen erstaunlich gut!
Typischerweise werden die frischen Rollen mit einem Erdnuss-Dip serviert, im Susu gab es dazu aber noch zwei weitere Dips – natürlich alles streng geheime Hausrezepte.
Nach dem Rollen und Probieren folgte ein köstliches Lunch-Menü mit Getränk. Besonders spannend fand ich den Fisch „La Fong“, der traditionell mit einer kräftigen Garnelen-Sauce serviert wird. Im Susu wird allerdings eine hauseigene, mildere Variante verwendet, für mich deutlich angenehmer und geschmacklich perfekt abgestimmt.
Dazu gab es neben einer Passionsfrucht-Limo auch noch Krabbenchips, Erdnüsse, Gemüse, Frühlingsrollen (vegetarisch und mit Fleisch), eine dampfende Schüssel Pho (wahlweise mit Rind oder Huhn) und ein cremiges Tofu-Curry.
In meiner Rubrik „Kulinarisches“ möchte ich euch die Asiatische Küche näher bringen, sodass ihr sie Zuhause auch erleben könnt.
Rezepte:
Variante 1 – Garnelen-Sommerrolle
Zutaten:
Garnelen (längs halbiert)
Karotten und Sellerie in feine Stifte geschnitten (blanchiert)
Gurke in Sticks
Salat
Frische Minze
Reisnudeln
Reispapier
Variante 2 – Beef-Sommerrolle
Zutaten:
Pulled Beef
Gurke
Salat
Basilikum
Reisnudeln
Reispapier
Variante 3 – Tofu-Sommerrolle
Zutaten:
Tofu (am besten Seidentofu, über Nacht in Sojasauce eingelegt)
Karotten, Sellerie und Pilze in feine Stifte geschnitten (blanchiert)
Gurke
Minze
Reisnudeln
Reispapier
Zubereitung (für alle Varianten) :
Lege das Reispapier auf ein Brett, das mit einem Küchentuch umwickelt ist.
Etwas lauwarmes Wasser in eine Schüssel geben und das Reispapier mit den Händen auf beiden Seiten sanft befeuchten– nicht einweichen lassen!
Dann mit den vorbereiteten Zutaten belegen:
Zuerst die untere Seite des Reispapiers über die Füllung klappen, dann die obere Seite, und anschließend von der Seite her fest aufrollen.
💡 Tipp:
Wenn das Reispapier zu nass ist, reißt es beim Rollen. Wenn es zu trocken ist, bricht es. Die Kunst liegt also im perfekten Mittelmaß und ein bisschen Geduld.
Zum Schluss nur noch mit den Dips genießen und fertig ist euer kleines vietnamesisches Geschmackserlebnis!
Da es diesen leider nicht als Rezept gab, hab ich euch einfach meine eigene Kreation aufgeschrieben:
Ingwer-Erdnuss-Dip:
1,0 TL frischer Ingwer, fein gehackt
2,0 EL Erdnussbutter
1,0 EL Sojasauce
1,0 EL Limettensaft
1,0 TL Zucker oder Agavensirup
1,0 EL Wasser
Fakten zu den Sommerrollen
Herkunft:
Sommerrollen, auf Vietnamesisch Gỏi cuốn, stammen ursprünglich aus Südvietnam. Traditionell werden sie kalt serviert, im Gegensatz zu Frühlingsrollen, die frittiert werden.
Gesunde Allrounder:
Sommerrollen sind kalorienarm, leicht und voller Vitamine. Sie werden häufig mit Kräutern wie Minze, Thai-Basilikum oder Koriander verfeinert, was sie besonders aromatisch macht.
In Asien isst man Sommerrollen mit den Fingern, das Rollen ist eine Kunst, aber das Genießen bleibt ganz unkompliziert!
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Neben dem Kochkurs erlebte ich diese Woche auch eine kleine Shopping-Odyssee:
Ich war gleich in zwei Einkaufszentren unterwegs: einmal, um einer Freundin beim Taschenkauf zu helfen und an einem anderen Tag, um mich durch die riesige Welt von Bairong zu kämpfen.
Bairong, von mir liebevoll „Amazon vor Ort“ genannt, besteht aus zwei Gebäuden mit je sechs Etagen.
Eins voll mit Kleidung, das andere ein Paradies aus Spielwaren, Dekoartikeln, Stoffen, Haushaltswaren und allem, was man nicht braucht, aber unbedingt haben will.
Ich hatte mir am Vorabend extra eine Einkaufsliste geschrieben …
und am Ende habe ich neun Dinge gekauft, aber nur zwei davon standen auf der Liste.
Der Rest war spontane Begeisterung und ein bisschen Reizüberflutung. Aber ganz ehrlich: Wie konnte ich mich bitte vorher schminken, ohne dieses fantastische Haarband?
Besonders dankbar war ich für meine liebevollen Begleitungen, die sich schon länger hier auskennen und mir das Einkaufszentrum zeigten. Ohne sie hätte ich mich schnell verloren gefühlt und der Tag hätte nur halb so viel Spaß gemacht.
Mittags genossen wir noch gemeinsam die riesige Food-Abteilung, in der jeder genau das auswählen konnte, worauf er Lust hatte. Ich entschied mich für jiǎo zì – kleine, gedämpfte Dumplings. Danach stöberten wir noch ein wenig weiter, bevor wir gegen 16 Uhr den Heimweg antraten.
Unser Wochende
Am Samstag starteten wir unsere Mission, Hosen für Nico zu finden, allerdings sind westliche Marken hier deutlich teurer als in Deutschland, sodass wir nicht fündig wurden. Stattdessen entdeckte Nico ein Lego-Imitat der G-Klasse, das er über das Wochenende aufbaute. Inzwischen ist es unser erstes dekoratives Highlight im Apartment. Besonders amüsant: In der Nacht stand er auf, um den 1. FC Kaiserslautern zu schauen und nutzte die Zeit gleichzeitig, um weiter am Lego zu bauen.
Nach dem Einkauf ging es sportlich weiter: Tischtennis! Nico spielt seit zwei Wochen regelmäßig freitags in der Mittagspause mit seinem Team und er wollte mir unbedingt auch zeigen, wie viel Spaß es macht. Wir habenNach ein paar ausgelassenen Matches und viel Gelächter machten wir uns frisch, gingen noch Steak und Pommes essen und ließen den Tag gemütlich zu zweit ausklingen.
Am Sonntag war ich dann noch einmal mit Nico in Bairong. Beim zweiten Besuch war ich schon entspannter und konnte gezielter einkaufen. Wir haben gemeinsam einige Punkte unserer To-do-Liste abgehakt: Trinkflaschen, Glas-Aufbewahrungsboxen für Lebensmittel, ein Stativ und ein Holzschneidebrett. Langsam füllen sich unsere Schränke, und man merkt richtig, wie das Zuhause langsam Gestalt annimmt.
Am 23. Oktober traf ich mich mit meinen zwei neuen Freundinnen zum Abendessen und Cocktails trinken. Eine von ihnen schlug ein vegetarisches, chinesisches Restaurant vor, gelegen in den charmanten Gassen der Hutongs.
💡 Hutongs bezeichnen die engen, traditionellen Gassen Nordchinas. Sie bestehen meist aus kleinen Wohnhäusern mit Innenhöfen und prägten lange Zeit das Stadtbild Pekings. In den 1990er Jahren lebte noch fast die Hälfte der Bevölkerung in solchen Vierteln. Heute werden sie durch moderne Bauprojekte immer seltener.
Das Essen war fantastisch, voller Aromen und neuer Geschmäcker. Zum ersten Mal probierte ich Sichuanpfeffer: mäßig scharf, leicht bitter, mit einer zitronigen Note und einer ganz besonderen Wirkung – einem leichten Prickeln auf der Zunge. Anfangs war ich irritiert, weil meine Lippen leicht taub wurden und ich kurz dachte, ich hätte eine allergische Reaktion. Doch meine Begleiterinnen lachten und erklärten mir, dass genau das typisch für Sichuanpeffer ist. Als ich mich daran gewöhnt hatte, fand ich ihn richtig lecker!
Nach dem Essen gingen wir noch in eine kleine Bar in der Nähe, bestellten Cocktails und unterhielten uns ausgelassen über das Leben in Peking, Alltagsgeschichten und lernten uns besser kennen. Ein entspannter, fröhlicher Abend in guter Gesellschaft.
Verabschiedungen
Aktuell ist in Peking nicht nur die Zeit der Ankunft neuer Expats, sondern auch die Zeit der Rückkehr. Viele der langjährigen Expats haben das Ende ihres Vertrages erreicht und ziehen daher wieder zurück in ihre Heimat. Dadurch durften wir in den letzten Wochen an einigen Abschiedsveranstaltungen teilnehmen. Gelegenheiten, für die wir sehr dankbar sind. Solche Abende sind nicht nur gesellige Treffen, sondern eine wunderbare Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und das Netzwerk außerhalb der Arbeit zu erweitern.
Bereits am Freitagabend war Nico nach der Arbeit zu einer Veranstaltung eingeladen. Diese fand in einem mongolischen Restaurant statt, in großen Zelten aufgebaut, mit liebevoll angerichteten Speisen und frisch gezapftem Bier aus der Zapfanlage eines Kollegen. Eine tolle Atmosphäre, bei der die kulturellen Unterschiede charmant miteinander verschmolzen.
Am Samstag waren wir beide auf der privaten Abschiedsfeier eines Freundes in einem Hotelrestaurant eingeladen. Unter den Gäste waren deutschen Expats verschiedener Firmen, chinesischen Kollegen und Freunde. Das Buffet war ein Stück Heimat pur: Ente, Rotkraut, Spätzle, Sauerkraut, Salate, Hähnchen, Fisch, Pommes und als Dessert Schwarzwälder Kirschtorte und Apfelstrudel. Ein kulinarischer Gaumenschmauß!
Dazu gab es frisch gezapftes Bier, Wein, Softdrinks und verschiedene Mischgetränke. Ein besonderes Highlight war der originale, deutsche Schnaps von Prinz, den wir gemeinsam mit Nicos chinesischen Kollegen und seinem Chef tranken.
Es war ein rundum gelungener Abend, an dem wir viele nette Gespräche führten, neue Kontakte knüpften und einmal mehr spürten, wie herzlich und offen die Community hier in Peking ist.
FaceTime Baustellenbesichtigung
Am Dienstag war Nico beruflich im Daimler Tower unterwegs. Der Daimler Tower ist eine Art Büro und Verwaltungsgebäude für die MB-Geschäfte in China. In diesem Tower finden „offiziellere“ Besprechungen und Besprechungen mit „Außenwirkung“ statt. Da für das Team von Nico ein Regierungsaudit bzgl. der TCC-seitigen CO2-Emissionen anstand, wurde dementsprechend der Daimler-Tower als Besprechungsort ausgerufen.
Als er abends nach Hause kam – dieses Mal etwas früher, schon gegen 17 Uhr beschlossen wir, den Feierabend gemütlich einzuläuten. Wir bestellten uns Kaffee, Tee und ein Stück Kuchen.
Doch statt eines typischen Fernsehabends gab es dieses Mal ein ganz besonderes „Abendprogramm“:
Ein Videoanruf von den Kolleginnen und Kollegen aus Untertürkheim!
Per FaceTime durften wir live dabei sein, wie auf der Baustelle, an der Nico mitgeplant hat, eine der neuen Tiefkälteerzeugungsanlagen angeliefert und mithilfe zweier City-Krane centimetergenau durch die Einbringöffnung in den Tiefkeller abgesetzt wurde.
Für Nico war das ein besonders bewegender Moment, schließlich war es sein erstes großes Projekt nach dem Studium, in das er sehr viel Herzblut gesteckt hat. Ihm ging richtig das Herz auf, das Geschehen auch aus der Ferne mitzuerleben und zu sehen, wie sich seine Arbeit nun Stück für Stück verwirklicht.
An dieser Stelle nochmals vielen Dank an Euch, Jana und Gerd, dass ihr an mich gedacht und den Livestream hergestellt habt!
Frühstück goes out
Ich hatte euch ja schon von der Frühstücksgruppe erzählt, die sich einmal im Monat trifft. Sie besteht überwiegend aus deutschen Frauen und Männern und ist einfach eine wunderbare Möglichkeit, gemeinsam Zeit zu verbringen, sich über Erlebnisse und Erfahrungen auszutauschen oder neue Freundschaften zu knüpfen.
Neben dem monatlichen Frühstück gibt es auch einmal im Monat ein Abendtreffen. Diesen Donnerstag war es wieder so weit und wir entschieden uns, gemeinsam in eine Weinbar zu gehen, die SipSiip Bar.
Schon am ersten Abend ist mir die Bar aufgefallen, denn vor dem Eingang liegt ein niedlicher Hase mit einer Weinflasche auf dem Bauch, kaum zu übersehen und wirklich ein süßes Detail.
Das Konzept der Bar ist besonders: All you can drink.
Entlang der Wände stehen Weinflaschen hinter Glasvitrinen, jeweils mit einem kleinen Zapfhahn. Für umgerechnet etwa 9 € kann man zwei Stunden lang so viel Wein probieren, wie man möchte. Ein Glas einzeln kostet rund 5 €, außerdem kann man kleine Snacks bestellen.
Nach dem Bezahlen bekommt man ein Armband, das man an einem Scanner hält. Dann blinkt der Knopf an dem Wein, den man gewählt hat, Glas drunter, Knopf drücken, fertig.
An diesem Abend waren wir neun Leute, die Stimmung war super, die Gespräche ausgelassen. Ich bekam viele tolle Tipps, welche Orte ich mir in Peking unbedingt noch anschauen sollte. Darunter eine Markthalle und ein besonderes Einkaufszentrum. Wir haben direkt Termine ausgemacht, an denen sie mir die Orte zeigen wollen.
Ich freue mich schon riesig darauf und bin einfach dankbar für so viele nette Begegnungen, Offenheit und Hilfsbereitschaft.
Wanderung zur „Wild Hidden Forbidden City“
Morgens um 6:30 Uhr klingelte mein Wecker. Bereits am Vorabend hatte ich mein Lunchpaket vorbereitet, sodass ich morgens nur noch Kleinigkeiten erledigen und alles einpacken musste. Zum Frühstück gab es einen Bagel mit selbstgemachtem Avocado-Dip und Gurke, als Snacks Nüsse, einen Müsliriegel und eine Nashi-Birne. Für das Mittagessen bereitete ich einen Couscous-Salat mit Kichererbsen, Tomaten und Gurken vor, dazu zwei Flaschen Wasser und ein Elektrolytgetränk.
Nachdem der Rucksack gepackt war, machte ich mich fertig, putzte die Zähne und ging um 7:15 Uhr los zur U-Bahn-Station, um zum vereinbarten Treffpunkt zu fahren. Es gab zwei Haltestellen, an denen der Bus die Teilnehmenden abholte.
Die Wanderung wurde von der deutschen Patengruppe organisiert.
💡 Deutsche Patengruppe: diese wurde 2003 als ehrenamtliche Initiative von Müttern und Lehrerinnen gegründet und hat sich seitdem zu einer festen Gemeinschaft entwickelt. Sie bietet Neuankömmlingen und alteingesessenen Expats in Peking die Möglichkeit, Stadt und Umgebung kennenzulernen und Erfahrungen auszutauschen.
Nach dem zweiten Stopp fuhren wir etwa zwei Stunden bis zum Startpunkt.
„Unsere Tour beginnt im Dorf Miaofeng / Mentougou. Von dort aus führt uns ein alter Pilgerweg hinauf zum versteckten Qiyin-Tempel „Hidden Forbidden City“.“ So Lautete die Beschreibung der Wanderung, diese sollte rund 8 km lang mit 420 Höhenmetern werden, verteilt auf etwa viereinhalb Stunden.
Die erste Etappe bestand fast ausschließlich aus Aufstieg: 420 Höhenmeter auf nur 2 km. Oben angekommen, bot sich ein großartiger Blick auf den höchsten Berg Pekings, den Lingshan.
Nach einer kurzen Verschnaufpause ging unsere Route weiter. Wir kamen an Feldern vorbei, wo Arbeiter Büsche und Gräser zurückschnitten, um Waldbrände zu vermeiden. Auf unserem Weg durch den Wald, konnte man schon die Dächer unseres Zieles sehen.
Die „Wild Hidden Forbidden City“
Den Namen gab unser Wanderführer dieser beeindruckenden Tempellandschaft, weil die Dächer stark an die der Verbotenen Stadt im Zentrum Pekings erinnern. Der offizielle Namen ist Qiyin- Templ oder auch Nama-Temple. Die Anlage wird nicht genutzt und sie wurde auch nie fertiggestellt.
Das Bauprojekt wurde 2014 plötzlich gestoppt, alle Maschinen, Materialien und Fahrzeuge blieben einfach zurück. Seitdem stehen die acht großen Tempel und einige kleinere Gebäude halbfertig da: Verlassen, aber erstaunlich gut erhalten.
Wir verbrachten dort unsere Mittagspause und nutzten die Gelegenheit uns kennenzulernen. Nach unserem Rast, ging es zwischen den Tempeln einige Treppen hinab. Während wir durch die Anlage spazierten, entdeckten wir viele kleine Details fast so, als wäre die Zeit dort stehen geblieben.
Besonders beeindruckend waren die kunstvollen Verzierungen, die Statuen und die Architektur der Tempel.
Nach einer ausführlichen Erkundung wanderten wir weiter bergab. Zuerst führten gepflegte Treppen hinab, flankiert von Löwenfiguren. Dann wechselte der Weg ständig den Untergrund, von Laub und Sand über Felsen und Kies bis hin zu Asphalt. Es war stellenweise rutschig, also war volle Konzentration gefragt.
Unten angekommen, hatten wir etwa 6,5 km geschafft, somit etwas kürzer als geplant, da wir spontan einen anderen Rückweg genommen habe. Stev ist da sehr flexibel und geht auf die Wünsche der Teilnehmer ein.
Im Bus erwarteten uns Tee, Kaffee und Kekse von der Patengruppe, die perfekte kleine Belohnung nach einem langen Tag.
Mit vielen neuen Eindrücken fuhren wir zurück nach Peking. Gegen 17 Uhr erreichten wir unseren Ausgangspunkt, dann hieß es noch einmal U-Bahn fahren und ab nach Hause ins Apartment.
Es war eine ereignisreiche Woche, geprägt von wunderbaren Abendveranstaltungen und einer ersten, beeindruckenden Wanderung durch die faszinierende Landschaft Chinas