Eine ganz normale Alltagswoche

Dieses Mal war es eine ganz typische Alltagswoche hier in Peking: ein paar Erledigungen, ein paar Treffen und zwischendurch auch mal Zeit nur für mich/uns. Veranstaltungen der Patengruppe oder Frühstücksgruppe standen diesmal nicht auf meinem Plan. Gerade deshalb fühlten sich die einzelnen Tage sehr leicht an. Es waren keine großen Programmpunkte. Dafür aber wieder mehr Raum, um Chinesisch zu lernen, Organisatorisches zu klären und Dinge zu erledigen, die hier sonst schnell untergehen.

So begann die Woche ganz entspannt. Nachdem ich den Blog veröffentlicht hatte, traf ich mich mit zwei Freundinnen zu einer Fußmassage. Das klingt vielleicht nach Luxus, gehört hier aber für viele ganz selbstverständlich zum Alltag. Gerade weil man viel zu Fuß unterwegs ist und solche Massagen in Peking unkompliziert, schnell und erschwinglich sind. Viele machen dies in ihrer Mittagspause, was man auch deutlich merkte, denn um 12 Uhr war nahezu jeder Raum belegt.

Anschließend wagte ich mich zum ersten Mal an Malatang, ein Gericht aus der Sichuan-Küche. Dabei handelt es sich um ein sehr beliebtes chinesisches Alltagsgericht, bei dem man sich seine Suppe selbst zusammenstellt. In großen Kühlregalen werden frische Zutaten angeboten: Gemüse, Pilze, Tofu, Nudeln, Fleisch und vieles mehr. Mit einer Zange bedient man sich an den Lebensmitteln, die man möchte, und stellt sich so seine persönliche Mischung zusammen. Dann überreicht man seine Schüssel dem Personal. Die Zutaten werden gewogen, der Preis berechnet und man wird nach der gewünschten Zubereitung gefragt. Zur Auswahl stehen meist eine scharfe oder eine würzige Brühe. Mit einer Bestellnummer nimmt man dann Platz und wartet, bis die Suppe frisch zubereitet wird. Malatang ist weniger ein „Restaurantbesuch“ im klassischen Sinne, sondern vielmehr ein unkompliziertes, schnelles Essen, das viele hier ganz selbstverständlich in ihren Alltag integrieren. Beim ersten Mal ist das Auge meist größer als der Magen – doch genau das gehört dazu. Man sollte ruhig mutig sein und vieles ausprobieren. Für mich war es spannend, dieses System einmal selbst zu erleben, und vor allem: Es hat mir richtig gut geschmeckt.

Im Anschluss erledigten wir noch ein paar Einkäufe und gingen gemeinsam ins Nagelstudio. Am Ende war es einfach ein schöner Mädelsnachmittag: gemeinsam unterwegs sein, Dinge erledigen, Neues ausprobieren und zwischendurch Zeit für Gespräche haben.

Zwischendurch gab es auch ganz spontane Treffen, ohne Anlass, ohne Plan, einfach weil man sich sehen wollte. An einem Vormittag war ich mit Freunden essen, haben geredet, gelacht und gemerkt, wie schnell die Zeit vergeht, wenn Gespräche gut tun. Danach bin ich zu Fuß nach Hause gelaufen ca. eine Stunde lang. Genau diese Wege mag ich besonders, weil man dabei so viel vom echten Alltag mitbekommt: Rentner, die abends gemeinsam Sport im Park machen, Kinder, die laut singend durch die Gegend ziehen, ein Mechaniker, der ganz selbstverständlich mitten auf der Straße an einem Roller schraubt. Zwischendurch bin ich durch zwei Parks gelaufen, ruhig, grün, fast schon entschleunigend.

Auch Bewegung hatte in diesen Tagen ihren Platz. Ein Vormittag auf dem Eis brachte echtes Kindheitsgefühl zurück. Zwar fanden wir draußen keine Eisfläche, auf der Schlittschuhlaufen erlaubt gewesen wäre, aber die Eisbahn im Einkaufszentrum machte das mehr als wett. Irgendwie typisch Peking: selbst Wintersport findet hier zwischen Rolltreppen und Cafés statt.

Am Freitagmorgen ging es gesellig weiter: Frühstück mit Freunden. Jeder brachte eine Kleinigkeit mit, wir saßen zusammen, redeten, tranken Kaffee und starteten langsam in den Tag. Kein Programm, kein Zeitdruck, sondern einfach Zusammensein.

Ein Stück Zuhause

Eine Kleinigkeit, die uns viel bedeutet hat diese Woche, hat auch wieder Platz in unserem Leben gefunden. Ich wagte mich abends an selbstgemachten Flammkuchenteig und er ist richtig gut gelungen. Mit der Backmatte, dem typisch chinesischen Holzausroller und etwas Geschick, ließ sich der Teig super einfach ausrollen. Der Duft aus dem Ofen und der erste Bissen fühlten sich sofort vertraut an.

Nico war genauso begeistert, dass er noch am selben Abend einen elektrischen Pizzaofen bestellte. Knusprig, heiß und genau so, wie wir ihn mögen. Unser kleines Flammkuchen-Ritual hat damit nun auch in Peking seinen festen Platz gefunden.

ZDF-Filmabend

Ein echtes Highlight der Woche war der Donnerstagabend. Nico und ich machten uns nach seiner Arbeit auf den Weg zur Deutschen Schule. Dort fand ab 19:30 Uhr in der Aula der DSP ein ZDF-Filmabend statt. Organisiert wurde der Abend vom ZDF-Studio Ostasien, das seinen Sitz ebenfalls in Peking hat.

Mit dabei waren die beiden ZDF-Ostasienkorrespondentinnen Elisabeth Schmidt und Miriam Steimer sowie Jannis Vieting als Kameramann. Gemeinsam gaben sie einen sehr offenen und spannenden Einblick in ihre Arbeit vor und hinter der Kamera. Man kennt ihre Beiträge aus den „ZDFheute“-Nachrichten, dem „auslandsjournal“, dem „MoMa“ oder auch aus „logo!“, aber an diesem Abend ging es darum zu zeigen, wie diese Beiträge überhaupt entstehen.

Gezeigt wurden Ausschnitte aus aktuellen Nachrichtenbeiträgen, Magazinformaten und Dokumentationen. Dazwischen erzählte das Team von Drehreisen, besonderen Begegnungen, organisatorischen Herausforderungen und auch von den schönen Momenten, die dieser Beruf mit sich bringt. Gerade hier in Ostasien ist journalistische Arbeit oft mit besonderen Hürden verbunden. Umso spannender war es, einmal aus erster Hand zu hören, wie der Alltag eines Auslandskorrespondenten tatsächlich aussieht.

Besonders schön fanden wir die nahbare und persönliche Atmosphäre des Abend. Es blieb viel Raum für Fragen aus dem Publikum und für einen echten Austausch. Für uns war es ein sehr interessanter Abend, der noch einmal gezeigt hat, wie viel Arbeit, Vorbereitung und Leidenschaft hinter den kurzen Beiträgen steckt, die man sonst ganz selbstverständlich im Fernsehen sieht.

Rückblickend war diese Woche vielleicht nicht spektakulär, denn es ist eben kein Urlaub, sondern zunehmend unser Alltag hier in Peking. Gerade das fühlt sich im Moment sehr stimmig an. Es war einfach schön, noch einmal viele Menschen zu sehen, bevor für einige spätestens Ende nächster Woche die Reisezeit beginnt.

Zum chinesischen Neujahr 2026 (Frühlingsfest) erwarten die chinesischen Behörden erneut eine Rekord-Reisewelle. Diese Zeit wird Chunyun genannt und gilt als die größte saisonale Massenmigration der Welt. Anders als ein einzelner Feiertag ist die Frühlingsfest-Reisesaison ein langes Reise- und Pendelfenster: Millionen Chinesinnen und Chinesen kehren vom Arbeitsort in ihre Heimatregionen zurück, um das Neujahr mit ihren Familien zu verbringen.

Für die rund 40-tägige Reisesaison, die etwa von Anfang Februar bis Mitte März 2026 dauert, werden rund 9,5 Milliarden Passagierreisen erwartet. In dieser Zahl sind alle überregionalen Reisen innerhalb Chinas enthalten: mit Bahn, Flugzeug, Bus, Auto oder Schiff. Einzelne Personen werden dabei mehrfach gezählt, wenn sie mehrmals unterwegs sind.

Für mich stehen in der kommenden Woche noch zwei größere Termine an: eine Wanderung und der Frühstückstreff. Und am Samstag starten dann auch wir in den Urlaub. Ab Sonntag beginnt hier in China dann offiziell die Frühlingsfest-Woche – eine Zeit, in der sich die Stadt spürbar verändert, ruhiger wird und gleichzeitig voller Bewegung ist.

Dazu dann mehr im nächsten Beitrag 🙂

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