Die Vorweihnachtszeit ist in vollem Gange. Überall wird es gemütlich, draußen ist es kalt, Lichter glitzern und die Menschen kehren zu ihren Liebsten zurück. Ebenso nutzen viele Expats in China diese Zeit für kleine Abenteuer mit Familie und Freunden. Denn jetzt ist die perfekte Gelegenheit, noch einmal zu reisen, außerhalb der Regenzeit warme Länder zu erkunden und dem Winter zu entfliehen.
Auch für uns geht es im Januar auf eine Reise, doch bis dahin bleiben wir noch in China. Die Vorfreude auf den ersten Trip liegt also schon in der Luft, während wir unsere ganz normalen Arbeitswochen hinter uns bringen. Nico hatte diese Woche zwei Events auf der Arbeit: ein Happy Lunch mit der Abteilung am Mittwoch und am Freitag ein kleiner, vorweihnachtlicher Jahresabschluss mit dem Team.
Bei mir standen keine großen Veranstaltungen auf dem Plan, aber dafür viele organisatorische Dinge. Ich war damit beschäftigt, Weihnachtsgeschenke fertigzustellen, offene To-Dos abzuhaken, Restaurants zu reservieren, die Festtage zu planen und den Weihnachtseinkauf vorzubereiten. Gerade diese kleinen Dinge sind für mich hier oft noch sehr herausfordernd. Erstens wegen der Sprachbarrieren und wegen des hohen Angebots. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten und trotzdem findet man manchmal genau das nicht, was man sich in dem Moment wünscht. Vielleicht mache ich mir dabei auch einfach zu viel Druck.
Für uns war diese Woche besonders vom Gedankenkarussell geprägt: Weihnachten zum ersten Mal ohne unsere Familien zu feiern, Silvester ohne Freunde, mit denen man sonst zusammen ist.
Immer wieder stellten wir uns die gleichen Fragen: Wie finden wir Ablenkung? Sollten wir versuchen, andere Leute zu treffen, oder die Zeit zu zweit einfach genießen? Kann das Weihnachtsessen trotz fehlender Zutaten gelingen? Oder tun uns kleine Ausflüge wie nach Shanghai oder Hongkong gut, um den Kopf frei zu bekommen?
Mit all diesen Gedanken im Kopf fiel mir das Einschlafen oft schwer. Ich merkte, wie viel Druck ich mir selbst machte, alles „perfekt“ gestalten zu wollen. Doch langsam wurde bewusst: Akzeptieren, dass hier vielleicht alles anders ist, heißt nicht, dass es schlechter ist. Ganz im Gegenteil anders kann auch bedeuten, dass wir die Zeit neue Erfahrungen sammeln und die kleine Momente zu zweit besonders schätzen.
Zwischen Alltag und Vorfreude
Für uns kam deshalb diese Wanderung am Samstag wie gerufen. Raus aus der Stadt, frische Luft, Bewegung und einfach mal den Kopf frei bekommen. Wer dem Trubel Pekings für ein paar Stunden entkommen möchte, sollte sich auf die Silver Pagoda Loop Wanderung begeben – eine Mischung aus Dorfspaziergang, Bergwanderung und Kulturgeschichte.
Wie so oft haben wir die Tour über Beijing Hikers gebucht, eine Organisation, die geführte Wanderungen rund um Peking anbietet und bei der wir uns immer gut aufgehoben fühlen. Dieses Mal hatten wir sogar das Glück, dass eine der beiden Gründerinnen selbst unsere Reiseleiterin war, was der Tour noch einmal eine ganz besondere persönliche Note verliehen hat.
Wir waren eine kleine Gruppe von insgesamt zehn Personen – genau die richtige Größe, um entspannt unterwegs zu sein, sich auszutauschen und trotzdem genug Raum für sich selbst zu haben. Nach 2 Stunden Busfahrt raus aus der Stadt in den Norden Pekings, kamen wir an unserem Startpunkt an.
Unsere Tour startet in einem kleinen, idyllischen Dorf, wo wir auf 300 Jahre alte Tempelbühnen und traditionelle Granithäuser stoßen. Von dort aus führt der Weg langsam bergauf durch Felder, Wasserreservoirs und einen abgelegenen Schrein, während wir die ruhige Changping-Landschaft genießen. Viele der Wasserläufe waren zugefroren, kleine Wasserfälle wirkten wie erstarrt. Die Landschaft war ruhig, fast schon magisch und man hörte kaum mehr als unsere Schritte im Schnee.






Auf der anderen Seite des Bergrückens betreten wir ein weiteres Dorf, schlendern vorbei an alten Steinbauten und Kastanienhainen, bevor es in das sogenannte „Tal der Barmherzigkeit“ geht. Hier wurde der Aufstieg steiler, die Beine spürten die Herausforderung, doch der Ausblick lohnte jede Mühe.
Am Ende erreichen wir den Silver Pagoda Park, wo eine kleine Treppe zur Aussichtsplattform führt. Von dort eröffnet sich ein 360°-Panorama über Berge, Täler und die fünf Jahrhunderte alten Pagoden, die vom einstigen Tempelkomplex übrig geblieben sind. Früher erklungen hier die silbernen Glocken im Wind – daher der Name des Ortes (… und der Wanderung).



Der Abstieg führt vorbei an historischen Punkten wie dem Glockenpavillon, der Taille-Dreh-Pagode und dem Predigtplatz der Mönche, bevor wir durch die Hügel zurück zum Ausgangspunkt gelangen.
Ein gemütliches Mittagessen in einem nahegelegenen Landrestaurant rundet den Ausflug perfekt ab. Es gab neben den besten Jiaozi (Dumplings), die wir bisher hatten: viel Gemüse, Eier, Tofu, Kartoffeln, Reis und Fleisch. Genau das Richtige nach einer Wanderung und definitiv ein Highlight für sich.
Insgesamt waren wir etwa vier Stunden unterwegs, haben rund 10 Kilometer zurückgelegt und 520 Höhenmeter überwunden. Eine perfekte Mischung aus Natur, Kultur und Bewegung – ideal für alle, die die grüne, ruhige Seite Pekings entdecken möchten.
Als wir später mit dem Bus zurück in der Innenstadt von Peking ankamen, konnten wir nicht widerstehen und probierten noch einen typischen Wintersnack: Tanghulu, kandierte Früchte am Spieß. Für die Pekinger gehört das im Winter einfach dazu, so selbstverständlich wie für uns Plätzchen in der Weihnachtszeit. Ein süßer Abschluss eines rundum gelungenen Tages.


Ein entspannter Abschluss
Am Sonntag haben wir uns einfach Zeit für einander genommen. Ohne großen Plan, ohne festen Auftrag, nur wir zwei, ein bisschen bummeln, ein bisschen shoppen und schauen, wohin uns der Tag führt. Nach einem gemütlichen bayrischem Frühstück machten wir uns auf den Weg in die Stadt, ganz entspannt und ohne Zeitdruck.
Am Ende sind wir beim Shoppen nicht wirklich fündig geworden. Die Läden hatten nicht das, was wir gesucht haben, manches passte nicht, anderes fühlte sich einfach nicht richtig an. Vielleicht war genau das der Punkt dieses Sonntags: Nicht mit vollen Taschen nach Hause zu kommen, sondern mit dem Gefühl, bewusst Zeit miteinander verbracht zu haben.
Am Abend haben wir uns ganz spontan entschieden, Sushi essen zu gehen. Besonders schön war es, den Köchen bei der Zubereitung zuzuschauen, jedes Stück wurde mit viel Ruhe und Sorgfalt vorbereitet. Auf den Tellern landeten viele, für uns neue, Kreationen, die nicht nur geschmacklich, sondern auch optisch sehr überzeugten. Liebevoll angerichtet, kreativ kombiniert und bis ins Detail durchdacht, wurde jedes einzelne Sushi zu einem kleinen Kunstwerk.
Danach zogen wir noch los, um den Wein für Weihnachten zu besorgen. Und dann kam dieser kleine, spontane Moment, der manchmal alles abrundet: Wir haben uns entschieden, ein Jellycat mit nach Hause zu nehmen. Die Entscheidung bei all den süßen Figuren fiel uns nicht leicht, aber am Ende durften eine Sonnenblume und ein Faultier bei uns einziehen. Ein kleiner, unerwarteter Kauf und doch der perfekte, krönende Abschluss unseres Wochenendes.





Zum Abschluss wurde mir klar: nicht alles muss geplant, perfekt oder genauso sein wie Zuhause. Manchmal reicht es, Entscheidungen bewusst zu treffen oder auch Dinge einfach so anzunehmen, wie sie gerade sind. Es darf anders sein und vielleicht liegt genau darin die größte Ruhe.