Zwischen Vergangenheit & Zukunft 

Zwischen geplanten Ausflügen und spontanen Momenten hat sich in den letzten Tagen wieder einiges ereignet. Gleichzeitig war es bei Nico eine sehr arbeitsintensive Zeit, da er intensiv einen wichtigen Termin für die Führungskräften aus Deutschland und China vorbereiten musste. Dafür wurde ein Raum renoviert, eingerichtet und dekoriert, was mehrere lange Arbeitstage mit viel Organisation und Einsatz bedeutete.

Ein Tag auf dem Pferdehof

Beim letzten Frühstückstreffen habe ich einige neue Einblicke zum Thema Reiten in Peking bekommen. Im Gespräch zeigte sich auch eine andere Teilnehmerin interessiert, sodass wir kurzerhand beschlossen, gemeinsam einen Termin bei einem der empfohlenen Ställe zu vereinbaren.

Wir trafen uns zunächst bei ihr und machten uns von dort aus mit dem Didi auf den Weg. Der Stall liegt etwa 30 Minuten entfernt, in der Nähe des Flughafens PEK.

Auf dem Weg dorthin lief ich noch durch den Park, der direkt an ihren Wohnkomplex angrenzt. Der Park war fast menschenleer, nur eine Frau in roter Kleidung fiel mir sofort ins Auge. Sie machte in aller Ruhe ihre Kung-Fu-Übungen und strahlte dabei eine beeindruckende Gelassenheit aus. Ein kleiner, fast meditativer Moment, der mir direkt im Kopf geblieben ist.

Am Stall angekommen war ich natürlich sofort im siebten Himmel. Während wir auf unseren Ansprechpartner warteten, nutzten wir die Zeit, um die Pferde zu streicheln und einfach ein bisschen Nähe zu genießen.

Anschließend wurden wir über das Gelände geführt. Insgesamt leben dort über 60 Pferde, verteilt auf drei kleinere Privatställe und einen Schulpferdestall. Die Boxen verfügen zwar alle über ein Fenster, wirkten insgesamt aber eher dunkel und sind von Beton umgeben. Einige waren ausreichend groß, andere hingegen schon an der Grenze.

Was mir besonders aufgefallen ist, war der fehlende Auslauf. Klassische Weiden gibt es nicht und auch freies Bewegen ist in den inneren Bereichen kaum vorgesehen. Geritten wird auf zwei großen Sandplätzen, einer davon überdacht. Beide verfügen über kleine Tribünen und Lautsprecher, aus denen währenddessen chinesische Musik lief.

Im Aufenthaltsraum, der auch ein kleines Café beherbergt, wurden uns anschließend die Abläufe und Preise erklärt. Theoretisch hätten wir direkt an diesem Tag noch reiten können, aber darauf waren wir nicht vorbereitet und haben uns dagegen entschieden.

Im Anschluss wollten wir noch gemeinsam etwas essen gehen und folgten einer Empfehlung vom Stall. Vor Ort stellte sich jedoch schnell heraus, dass das Restaurant komplett ausgebucht war und eher auf ein sehr lokales Publikum ausgelegt ist. Also suchten wir spontan weiter und wurden direkt auf der gegenüberliegenden Straßenseite fündig.

Auch dieses Restaurant war schlicht und sehr lokal, aber gut besucht, was hier meist ein gutes Zeichen ist. Die Besitzer sprachen ausschließlich Chinesisch und auch die Speisekarte bestand nur aus Schriftzeichen. Zum Glück war das Restaurant bei Meituan (chinesisches Lieferando / Bestellplattform für Speißen) gelistet, sodass wir uns dort die Gerichte anschauen und direkt bestellen konnten. Wir haben online bestellt und die Wartezeit genutzt, um unsere Eindrücke vom Stall zu besprechen.

Relativ schnell waren wir uns einig, dass das Gesamtpaket für uns nicht stimmig ist. Vor allem die Haltung der Pferde hat bei uns kein gutes Gefühl hinterlassen. Zu wenig Auslauf, zu dunkle Boxen und insgesamt nicht das, was wir uns darunter vorstellen.

Auch das Preismodell hat uns nicht überzeugt. Reiten ist nur in Kombination mit einem Trainer möglich, was zusätzlich etwa 25 bis 50 Euro pro Stunde kostet. Der Fokus liegt klar auf dem Springreiten und entsprechend gibt es auch ausschließlich Springtrainer. Als ich erwähnte, dass ich Dressur reite, wurde mir offen gesagt, dass dies dort kaum jemand macht, da es zu schwer ist und man mir in diesem Bereich wenig beibringen könne. Im Grunde würde der Trainer lediglich zur Sicherheit daneben stehen.

Hinzu kommt eine jährliche Mitgliedsgebühr zwischen etwa 950 und 3.900 Euro. Beim günstigsten Modell kann man nur maximal 30 Mal im Jahr für jeweils 45 Minuten reiten.

Am Ende haben wir uns gegen den Stall entschieden. Interessanterweise zeigte unser Ansprechpartner dafür sogar Verständnis und meinte selbst, dass sich das Angebot für uns in dieser Form nicht wirklich lohnt.

Trotzdem war es schön, mal wieder Zeit mit Pferden zu verbringen. Allein die Nähe zu ihnen hat mir gefehlt. Vielleicht fahre ich irgendwann einfach nochmal hin, nur um die Pferde zu sehen, sie zu streicheln und bei einem Kaffee die Atmosphäre zu genießen.

Ein Abend zwischen Innenhof und Hinterzimmer

Am Donnerstagabend traf ich mich mit sieben Mädels aus der Frühstücksgruppe zu unserem monatlichen Abendtermin. Für dieses Treffen hatten sich einige gewünscht, mal in den Hutongs unterwegs zu sein, am liebsten mit Live-Musik. Ich selbst war bisher abends noch nicht dort ausgegangen und habe mich bei der Planung daher auf Empfehlungen von anderen verlassen.

Bevor wir in die Bar gingen, trafen wir uns zunächst zum Abendessen im Café Zarah. Dort war ich im Winter bereits einmal mit der Patengruppe zum Käsefondue gewesen. Ich erinnerte mich noch gut an den schönen Innenhof und wusste, dass es dort auch eine Dachterrasse gibt, die aktuell allerdings vorübergehend geschlossen ist. Da das Wetter momentan sehr angenehm ist und man selbst abends noch gut draußen sitzen kann, war mir ein schönes Ambiente besonders wichtig.

Wir saßen schließlich im offenen Wintergarten, umgeben von vielen grünen Pflanzen. Gerade in der Dämmerung hatte das eine richtig schöne Atmosphäre. Auch das Essen hat allen sehr gut geschmeckt, besonders hervorzuheben ist das breite Angebot an vegetarischen und veganen Gerichten.

Nach ausgiebigen Gesprächen und einem entspannten Abendessen machten wir uns dann auf den Weg zu unserem eigentlichen Ziel.

Unser Weg führte uns durch die verwinkelten Gassen der Hutongs, in denen man jedes Mal etwas Neues entdeckt. Kleine Bars, versteckte Cafés und an diesem Abend sogar ein Biker-Treffen. Die glänzenden Maschinen zogen viele Menschen an und auch wir blieben kurz stehen, um sie uns genauer anzuschauen.

Angekommen bei der berühmt-berüchtigten Bar „Modernista“ waren wir zunächst etwas verwirrt. Fast jeder, der schon länger in Peking lebt, kennt diesen Laden, vor allem wegen seiner wechselnden Live-Musik. Doch beim Betreten sah es zunächst überraschend ruhig aus. Nur wenige Gäste und keine Musik.

Eine Kellnerin nahm uns dann direkt in Empfang und führte uns über eine schmale Treppe mit rotem Teppich nach oben. Wir gingen durch mehrere Räume, die im Stil der 70er Jahre eingerichtet waren, bis sie schließlich eine Tür öffnete. Dahinter verbarg sich dann das Herzstück der Bar.

Eine Empore, von der aus man auf die Bühne hinabschauen kann und unten der Bereich zum Tanzen. Wir entschieden uns erstmal, Platz zu nehmen, Cocktails zu bestellen und die Musik in Ruhe auf uns wirken zu lassen.

Mit guten Gesprächen verging die Zeit wie im Flug. Die meisten verabschiedeten sich bereits gegen 23 Uhr, doch eine Freundin und ich blieben noch auf einen letzten Drink.

Kurz darauf gesellte sich der neue Besitzer zu uns, den wir tatsächlich schon kannten. Er betreibt bereits zwei weitere Läden in den Hutongs, ein Café und ein Restaurant. Letzteres war sogar die Location unseres ersten Frühstückstreffens in diesem Jahr. Ursprünglich kommt er aus Deutschland, lebt aber schon seit rund zehn Jahren in China.

Er erzählte uns ein wenig über die Bar und konnte uns schließlich auch eine Frage beantworten, die uns den ganzen Abend beschäftigt hatte. Wir hatten die ganze Zeit gerätselt, in welcher Sprache die Band singt. Von Englisch über Griechisch, Albanisch, Türkisch bis hin zu Russisch war alles dabei.

Die Auflösung war überraschend: Es war tatsächlich Chinesisch, allerdings nicht Mandarin, sondern Uigurisch. Diese Sprache wird nur von einem kleinen Teil der Bevölkerung gesprochen, vor allem im Westen Chinas, nahe der Grenze zu Kasachstan.

Ein wirklich besonderer Abend mit vielen neuen Eindrücken und endlich war ich auch mal in der wohl meist bekanntesten Bar der Hutongs.

Spieleabend

Ins Wochenende sind wir mit einem Spieleabend mit Freunden gestartet. Gespielt haben wir Captain Sonar, ein Spiel ähnlich wie Schiffe versenken, nur deutlich dynamischer und für mehrere Spieler ausgelegt. Zwei Teams treten dabei gegeneinander an, idealerweise mit jeweils vier Spielern.

Jeder übernimmt eine feste Rolle im Team:
Der Kapitän bestimmt die Richtung des U-Boots.
Der Navigator zeichnet die Route nach, damit man sich nicht selbst in die Enge fährt.
Der Funker versucht, die Position des gegnerischen U-Boots zu entschlüsseln.
Und der Ingenieur kümmert sich um Reparaturen und das System an Bord.

Gemeinsam versucht man, das eigene U-Boot strategisch über die Karte zu bewegen und gleichzeitig die Position des Gegners herauszufinden und zu versenken.

Es war unser erstes Mal mit dem Spiel und hat uns allen überraschend viel Spaß gemacht.

Nördliche Zentral-Achse Pekings

Nach dem entspannten Abend ging es am Samstag direkt aktiver weiter. Nico und ich haben uns wieder die Leihfahrräder geschnappt und sind Richtung Hutongs aufgebrochen.

Unser erster Stopp war ein Frühstück in den Hutongs. Anschließend sind wir noch in ein Café gegangen namens „Room“.

Von dort aus ging es weiter zum Drum and Bell Tower, der mitten in den nördlichen Hutongs liegt. Der Drum Tower wurde ursprünglich im Jahr 1272 während der Yuan-Dynastie erbaut und später mehrfach restauriert. Gemeinsam mit dem benachbarten Bell Tower diente er früher als zentrales Zeitmesssystem der Stadt: Die große Trommel wurde geschlagen, um den Tagesbeginn und wichtige Zeitabschnitte anzuzeigen, während die Glocke vor allem nachts und bei besonderen Anlässen erklang.

Wir sind direkt die steile Treppe im Drum Tower hochgesprintet, da zu jeder vollen Stunde eine traditionelle Trommelvorführung stattfindet. Leider haben wir sie oben angekommen knapp verpasst. Trotzdem hat sich der Aufstieg gelohnt, denn von oben hat man einen tollen Blick über die umliegenden Hutongs und die dicht bebauten Stadtstrukturen im Norden Pekings.

Spontan haben wir uns nach der Besichtigung beider Tower dazu entschieden, weiter entlang der zentralen Achse in Richtung Norden zu fahren, mit dem Ziel, das Olympia-Gelände zu besichtigen. Das Olympiagelände wurde für die Olympischen Spiele 2008 in Peking gebaut und umfasst unter anderem das berühmte Nationalstadion, auch „Vogelnest“ genannt, sowie das National Aquatics Center, bekannt als „Water Cube“. Beide Gebäude gehören heute zu den bekanntesten modernen Wahrzeichen der Stadt.

Vor Ort haben wir die gesamte Anlage vor allem von außen angeschaut und sind viel zu Fuß durch die Bereiche gelaufen. Die Dimensionen sind beeindruckend und wirken in echt noch größer als auf Bildern.

An diesem Tag hatte ich außerdem mein Stempelbuch dabei, da ich mir am Drum Tower einen Stempel holen wollte. Überraschenderweise habe ich im Olympiapark in einem kleinen Shop ebenfalls Stempel entdeckt. Insgesamt durfte ich dort 26 verschiedene Stempel sammeln, wenn man etwas im Souvenirbereich kauft. Natürlich haben wir uns einen Magneten mitgenommen – die kann man ja immer gebrauchen ;D

Zwischendurch gab es immer wieder kleine Aufführungen mit Musik und Tanz auf dem Gelände, was dem Ort zusätzlich Leben gegeben hat.

Am Ende des Tages sind wir mit den Fahrrädern wieder zurück nach Hause gefahren und haben uns dort noch Flammkuchen gemacht. Insgesamt sind wir an diesem Tag rund 25 Kilometer mit dem Fahrrad unterwegs gewesen.

Auto China 2026

Der Sonntag führte uns zur Auto China 2026, einer der größten und wichtigsten Automobilmessen weltweit. Die Messe findet 2026 in Peking statt und wechselt jährlich zwischen den Standorten Peking und Shanghai. Sie gilt als zentraler Treffpunkt der internationalen Automobilindustrie in Asien.

Auf einer enormen Ausstellungsfläche von 53 Fußballfeldern präsentieren sich hier alle großen internationalen Hersteller sowie zahlreiche chinesische Marken. Insgesamt nehmen mehrere hundert Aussteller teil, darunter klassische Automobilkonzerne, neue E Mobility Start Ups, Zulieferer und Technologieunternehmen. An Spitzentagen werden zehntausende bis teilweise über hunderttausend Besucher erwartet, weshalb die Anreise rund um das Gelände entsprechend stark ausgelastet ist.

Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, mit der Bahn anzureisen, denn die Straßen sind rund um das Messegelände meist komplett überfüllt und man verliert dort schnell viel Zeit im Verkehr.

Vor Ort angekommen ging es zunächst durch die Sicherheitskontrolle. Der Eintritt erfolgt digital über einen QR Code, der mit dem Reisepass verknüpft ist. Bei mir funktionierte der Einlass problemlos, bei Nico sah das zunächst anders aus: Der automatische Gesichtsabgleich schlug fehl und der Zutritt wurde verweigert. Nach einem kurzen Check durch einen Mitarbeiter, der alle Passdaten manuell überprüfte, stellte sich jedoch heraus, dass es sich lediglich um einen Systemfehler handelte und Nico problemlos durchgelassen wurde.

Unser erster Stopp war dann der Stand von Mercedes. Der Auftritt war, wie erwartet, sehr modern und hochwertig gestaltet. Neben neuen Elektrofahrzeugen waren auch einige klassische Modelle ausgestellt. Gleichzeitig traf Nico dort auch einige Arbeitskollegen, was den Besuch zusätzlich interessant gemacht hat.

Anschließend haben wir uns auch viele der chinesischen Marken angeschaut. Besonders auffällig war dabei, dass viele Stände stark auf Inszenierung setzen: große Shows, Tänzerinnen und Tänzer, auffällige Kostüme oder überdimensionale Maskottchen und Roboter. Teilweise standen die Präsentationen stärker im Fokus als die Fahrzeuge selbst. Nicht selten wurden deshalb eher die Models als die Autos fotografiert.

Auch die sogenannten Goodie Stände waren sehr beliebt. Dort gab es unter anderem Stanley Becher, kleine Miniaturautos, Sticker oder Taschen. Meistens musste man dafür entweder einen Social Media Beitrag posten oder mehrere interaktive Stationen durchlaufen. Die Schlangen waren entsprechend lang, was deutlich zeigt, wie gut dieses Marketing funktioniert.

Sehr interessant waren auch die Stände, an denen man die Technik der Fahrzeuge genauer kennenlernen konnte. Dort wurde zum Beispiel gezeigt, wie Autos mit ihren Sensoren aufgebaut sind, wie Batterien im Querschnitt aussehen oder wie sie in Kältekammern getestet werden. Auch viele Features sind uns besonders aufgefallen: Sitze, die sich komplett zum Liegen verstellen lassen, drehbare Sitze – vor allem als Einstiegshilfe – sowie kleine, verspielte Details wie individuell programmierbare Lichtbündel. Es gab insgesamt unglaublich viel zu entdecken, sodass ein einzelner Tag auf der Messe eigentlich gar nicht ausreicht.

Im weiteren Verlauf haben wir uns auch die anderen deutschen Hersteller sowie ausgewählte chinesische Wettbewerber angesehen. Dabei wurde schnell deutlich, dass die chinesischen Marken in den letzten Jahren enorm aufgeholt haben. Design und Präsentation wirken sehr modern und teilweise sogar mutig. Über Qualität und Langlebigkeit lässt sich zwar noch nicht abschließend urteilen, da viele Modelle noch nicht lange auf dem Markt sind, aber der Fortschritt ist eindeutig sichtbar.

Gleichzeitig muss sich die deutsche Automobilindustrie nicht verstecken. Besonders Mercedes kann hier sehr gut mithalten, vor allem mit dem neuen elektrischen GLC, der für viel Aufmerksamkeit gesorgt hat.

Ein insgesamt sehr spannender Tag und ein gelungener Abschluss eines Wochenendes, das viel Abwechslung und gleichzeitig auch schöne gemeinsame Zeit gebracht hat.

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