9000 Kilometer Mut prägten unsere Jahr 2025

Vor einem Jahr hätte ich nicht gedacht, dass wir einmal hier Silvester verbringen dürfen.

Es fühlt sich deshalb auch ganz anders an. Nicht nur, weil wir es in Peking verbringen, sondern weil der Weg hierher keine leichte Entscheidung war. Wir haben Familie, Freunde, unsere Tiere und ein vertrautes Zuhause zurückgelassen. Kurz nach unserer kirchlichen Hochzeit, einem der emotionalsten Momente unseres Lebens, haben wir uns bewusst für diesen Schritt entschieden. Für ein gemeinsames Abenteuer und eine Chance, aber auch für viele Abschiede.

Gerade an Tagen wie Silvester oder in der Weihnachtszeit spürt man diese Entfernung besonders. Momente, die sonst laut und gemeinschaftlich sind, werden leiser. Sie erinnern daran, dass dieses Jahr nicht nur aus neuen Orten und Erlebnissen bestand, sondern vor allem aus Mut, Vertrauen und dem bewussten Loslassen.

Der letzte Tag des Jahres 2024 begann für mich ganz vertraut. Am Morgen war ich im Stall und verbrachte viel Zeit mit Cohiba. Wir machten einen Spaziergang, waren grasen und genossen diese Stunden ganz zusammen. Es war ein Moment, in dem ich mich bewusst dafür entschied, keinen Plan zu verfolgen, nichts zu fordern, sondern einfach da zu sein. Diese ruhige Zweisamkeit hat mir noch einmal gezeigt, wie wichtig mir solche Augenblicke sind: Zeit ohne Erwartungen, ohne Tempo, nur im Miteinander.

Zurück zu Hause starteten Nico und ich den Tag mit einem gemeinsamen Frühstück. Ohne Eile, einfach zusammensitzen, reden und den Moment genießen.

Am Abend fuhren wir nach Stuttgart zu Freunden. Zu sechst verbrachten wir den Jahreswechsel gemeinsam, aßen Raclette, zu dem jeder etwas mitgebracht hatte, lachten viel und genossen dieses Zusammensein. Kurz vor Mitternacht machten wir uns auf den Weg zum Killesberg, um dort das Feuerwerk anzuschauen. Wir umarmten uns, wünschten uns ein frohes neues Jahr und sagten einander, was wir aneinander schätzen. Ein sehr herzlicher, ehrlicher Moment, der mir bis heute im Gedächtnis geblieben ist.

Danach feierten wir noch weiter. Einige von uns bis in die frühen Morgenstunden, andere etwas kürzer. Es war kein lauter Abschied vom alten Jahr, sondern ein warmer, vertrauter Übergang.

Schon zu Beginn des neuen Jahres lag diese leise Ahnung in der Luft, dass 2025 ein besonderes Jahr werden würde. Die Idee, nach China zu gehen, stand bereits im Raum, noch ohne feste Zusage, eher als Gedanke, der immer wieder zwischen uns auftauchte. Gleichzeitig steckten wir mitten in den Vorbereitungen für unsere kirchliche Hochzeit. So vieles lief parallel: Vorfreude, Organisation, Hoffnung und auch Unsicherheit. Unser Urlaub in den Niederlanden war eigentlich als kleine Auszeit gedacht, als Zeit für Familie, für meine Eltern, für unsere Hunde und um kurz durchzuatmen.

Und genau in diese Zeit fiel dann die Zusage von Nicos Arbeitgeber. Ein Moment, der alles veränderte. Mit dieser Zusage wuchs die To-do-Liste plötzlich enorm. Während wir eigentlich mitten in der Hochzeitsplanung steckten, mussten wir uns zusätzlich mit der Ausreise, Visa, Verträge und all den organisatorischen Dingen beschäftigen, die dieser Schritt mit sich brachte. Gleichzeitig arbeiteten wir beide weiterhin Vollzeit, 41 Stunden pro Woche. Besonders für mich war diese Phase emotional herausfordernd. Lange war unklar, ob ich für diese Zeit beurlaubt werden würde oder ob ich kündigen muss. Viele Rückmeldungen waren eher negativ, die aktuelle Arbeitsmarktlage ließ wenig Hoffnung. Trotzdem wollten wir es versuchen. Denn für uns war klar: Dieser Schritt funktioniert nur gemeinsam. Also reichten wir den Antrag ein, mit einem persönlichen Anschreiben. Darin versuchten wir, das in Worte zu fassen, was uns beide bewegt hat:

„Die Entscheidung, meinen Ehemann bei diesem Schritt zu unterstützen, ist für mich von hoher Bedeutung, da wir als Familie zusammenbleiben möchten. Eine jahrelange Fernbeziehung würde für uns eine enorme emotionale Belastung bedeuten.“

Gleichzeitig machten wir deutlich, dass diese Entscheidung bewusst und zeitlich begrenzt ist und ich nach der Beurlaubung wieder zurückkehren möchte.

Danach begann eine Zeit des Wartens. Wochen, in denen Hoffnung und Zweifel sich immer wieder abwechselten. Wochen, in denen wir überlegten, welche Wege es geben könnte, was wir im Zweifel tun würden und welche Optionen uns bleiben. Wir spielten Szenarien durch, versuchten vorbereitet zu sein und gleichzeitig die Hoffnung nicht zu verlieren.

Dann kam der Tag, der mir bis heute Gänsehaut bereitet. Am Tag von Nicos Junggesellenabschied, nach drei Monaten Warten, Hoffen und Bangen, kam die Zusage: Ich werde beurlaubt. Mein Job ist nach den drei Jahren sicher, ich bleibe Beamtin. Ein riesiger Stein fiel mir vom Herzen. Plötzlich wurde aus einer Idee ein echter, greifbarer Lebensabschnitt.

Unsere Hochzeit war dann der Höhepunkt des Jahres. Ein Tag, an dem wir so deutlich gespürt haben, was für wunderbare Menschen wir um uns haben. Familie, Freunde, so viel Liebe und Unterstützung. Gleichzeitig war da aber auch die leise Traurigkeit, weil wir wussten: Genau diese Menschen lassen wir bald zurück. 9.000 Kilometer Entfernung, für drei Jahre.

Und statt erst einmal anzukommen oder innezuhalten, ging es direkt weiter. Organisation bestimmte unseren Alltag: Ummelden, Post umstellen, Abos kündigen, Abschiede auf der Arbeit, im Stall, überall dort, wo unser Leben bis dahin stattgefunden hatte. Eine klassische Hochzeitsreise kam für uns in dieser Phase nicht in Frage, dafür war einfach zu viel zu regeln. Stattdessen haben wir bewusst entschieden, diese drei Jahre als unsere Reise zu sehen. Als gemeinsame Zeit, in der wir all das erleben möchten, wofür sonst vielleicht nie Raum gewesen wäre.

Dadurch hatte ich die Möglichkeit nach der kirchlichen Hochzeit noch beim BOSS Open zu Kellnern. Besonders eine Nacht ist mir davon bis heute im Gedächtnis geblieben: die Après-Ski-Nacht. Ein Ausnahmezustand – so viele Menschen auf engstem Raum, eine Stimmung, die kaum zu beschreiben ist und kaum ein Durchkommen mit Gedränge. Und trotzdem war genau dieser Abend ein Moment, in dem ich gespürt habe, wie viel Kraft in mir steckt und wie viel ich in diesem Jahr bereits getragen hatte.

Im August erfüllte sich dann für mich ein ganz besonderer Herzenswunsch: unser After-Wedding-Shooting mit den Pferden. Ein Kindheitstraum, den mir der Besitzer der Pferde erfüllt hat. Ein Moment voller Dankbarkeit und zugleich ein stiller Abschied, der noch einmal gezeigt hat, wie tief diese Verbindung geht.

Zu meinem Leben gehörte mittlerweile außerdem auch das Weindorf in Stuttgart, das in diesem Jahr bereits zum dritten Mal ein Bestandteil meines Spätsommers war. Es ist ein kompletter Gegensatz zu meinem Alltag im Finanzamt, aber genau deshalb so wertvoll für mich. Der Kontakt mit den Menschen, das hohe Tempo, die Gespräche hinter der Theke, all das war für mich ein Ausgleich, den ich sehr gebraucht habe und den ich mir ganz bewusst noch einmal genommen habe.

Ähnlich ging es uns mit der Hengstbacher Kerb. Sie ist für uns mehr als nur ein Fest – sie steht für Tradition, Herzblut und Gemeinschaft. In diesem Jahr fühlten sich diese Tage besonders intensiv an, weil wir wussten, dass auch hier bald Abschiede bevorstehen würden. So kam es dann auch sonntags zu einer emotionalen Kerberede die uns in Teilen gewidmet war.

Auch unsere Wohnung stellte uns noch einmal vor große Entscheidungen. Wir lieben sie, sowohl die Lage, als auch das Gefühl von Zuhause. Kündigen und riskieren, nach drei Jahren nichts Vergleichbares mehr zu finden? Leer stehen lassen? Das kam für uns nicht in Frage, auch aus Fairness gegenüber all den Menschen, die dringend Wohnraum suchen. Also stellten wir die Wohnung auf einer Plattform ein. Zunächst passierte nichts. Keine ernsthaften Anfragen, nur Enttäuschung und Unverständnis.

Erst nachdem wir sie auf einer anderen Plattform anboten, ging plötzlich alles ganz schnell. Mit nur noch vier Wochen bis zum Abflug organisierten wir Besichtigungen, trafen Entscheidungen und versuchten, den Überblick zu behalten. Am Ende entschieden wir uns bewusst für jemanden, der ein ähnliches Schicksal hatte, wie wir selbst ein paar Jahre zuvor: Berufsbedingt neu in der Stadt, dringend auf der Suche nach einer Wohnung.

Das er die Wohnung nicht möbliert übernehmen konnte, bedeutete für uns den nächsten Kraftakt. Es folgte eine intensive Zeit aus Möbel verkaufen, umlagern, packen und aussortieren. Von wirklich unschönen, teils bedrohlichen Nachrichten über eBay bis hin zu einem Polizeikontakt, haben wir in diesen Tagen wirklich alles erlebt. Die Belastung war enorm, körperlich wie emotional. Inmitten all der Anspannung passierte dann auch noch eines dieser typischen Stress-Missgeschicke, die wohl jeder kennt und plötzlich fand ich mich zwei Tage vor dem Abflug noch in der Notaufnahme wieder. Zum Glück blieb es bei einem offenen Bluterguss am Zeh und es war nichts gebrochen.

Alles fühlte sich plötzlich noch knapper an. Der Sperrmüll wurde erst am Morgen unseres Abflugtages abgeholt, die Wohnungsübergabe fand ebenfalls an diesem letzten Tag statt. Als schließlich meine Eltern da waren, wir unsere sieben Koffer ins Auto geladen hatten und die Wohnung abgeschlossen war, fiel eine riesige Last von uns ab. Es war geschafft – irgendwie, gerade noch rechtzeitig.

Und dann stand dieser Moment am Flughafen an, der ohnehin schon emotional ist. Das viele unserer Freunde und Familie da waren, um uns zu verabschieden machte es noch herzergreifender. Ein letztes Mal Umarmen, Tränen, Lächeln und wehmütiges Winken, als wir durch die Sicherheitskontrolle gingen. Es war unglaublich emotional und gleichzeitig stärkend. Kurz darauf erreichte uns ein Video von unseren Liebsten. Ein so berührendes Video, das wir immer wieder ansehen mit einem Lachenden und weinenden Auge.

Was folgte, war ein Jahr, das alles auf den Kopf stellte. Wohnungssuche in China in zwei Tagen, neue Kolleg:innen, neue Freundschaften, eine fremde Kultur, Reisen, plötzlich nicht mehr arbeiten. Weihnachten fern von zu Hause, Silvester in einer Stadt, die dieses Fest an diesem Tag nicht feiert.

Denn das chinesische Neujahr richtet sich nicht nach dem Kalender, sondern nach dem Mond: Es beginnt mit dem zweiten Neumond nach der Wintersonnenwende und fällt dadurch meist in den Zeitraum zwischen Ende Januar und Mitte Februar. Erst dann startet hier offiziell ein neues Jahr.

Wir verbrachten Neujahr damit, unsere Koffer zu packen, aßen einen Raclette Auflauf, tranken etwas Sekt und blickten auf alles zurück, was wir geschafft haben. Umso mehr freuen wir uns auf das was noch kommt. Denn wir haben das Glück, das Jahr bereits mit einer Reise starten zu dürfen. Am 01.01 ging es für uns nach Thailand, dort haben wir zwei Freunde für 4 Tage in Bangkok getroffen. Jetzt sind wir zu zweit weiter gereist nach Hua Hin, um dort die Kraftreserven und -akkus zu laden.

Wir setzen uns für 2026 keine klassischen Vorsätze. Stattdessen möchten wir weiterhin mit Neugier durch dieses Abenteuer gehen, für das wir uns bewusst entschieden haben. Die Balance zwischen Ankommen und Weiterziehen finden, zwischen Alltag und Reisen, zwischen Sicherheit und Wachstum.

Fundstück Dezember 2025

Wenn in China ein neuer Laden eröffnet, bleibt das selten ein stilles Ereignis. Schon von Weitem fällt es ins Auge: Vor dem Eingang reiht sich ein Blumenmeer aneinander. Große, kunstvoll gebundene Gestecke stehen dicht gedrängt, geschmückt mit roten Schleifen und goldenen Schriftzeichen. Sie versperren fast den Weg zur Tür und machen unmissverständlich klar: Hier beginnt etwas Neues.

Rot und Gold sind dabei kein Zufall. Rot gilt in China als wichtigste Glücksfarbe, sie steht für Freude, Lebensenergie und Schutz vor Unglück. Gold wiederum symbolisiert Reichtum, Erfolg und Beständigkeit. Zusammen bringen sie die Hoffnung auf einen gelungenen Start und langfristigen Wohlstand zum Ausdruck.

Die Bedeutung des Brauchs

1. Glück und einen guten Anfang sichern
Blumen stehen in China für Wachstum, Lebenskraft und Neubeginn. Zur Eröffnung sollen sie gutes Qi, also positive Energie, anziehen. Ein Geschäft beginnt nicht neutral, sondern wird bewusst unter ein günstiges Vorzeichen gestellt. Je üppiger und lebendiger die Blumen, desto stärker das gewünschte Glück.

2. Unterstützung und Beziehungen sichtbar machen
Die Blumen stammen nicht vom Ladenbesitzer selbst, sondern von Freunden, Familie, Geschäftspartnern, Lieferanten oder Nachbarn. Jede Schleife trägt Glückwünsche und den Namen des Schenkenden. So wird öffentlich gezeigt: Dieser Laden steht nicht allein, sondern ist eingebettet in ein Netzwerk aus Beziehungen. Die Unterstützung wird dadurch sichtbar und geteilt.

3. Ansehen und „Gesicht“ wahren
In China spielt gesellschaftliches Ansehen eine große Rolle. Viele Blumen vor einem Laden signalisieren, dass der Inhaber respektiert ist und über gute Kontakte verfügt. Ein üppig geschmückter Eingang vermittelt Vertrauen und Seriosität sowohl gegenüber Kund:innen als auch gegenüber anderen Geschäftsleuten.

4. Aufmerksamkeit und Zugehörigkeit zum Viertel
Die Gestecke sind kaum zu übersehen. Sie ziehen Blicke auf sich, erzeugen Neugier und laden ein, den Laden zu betreten. Gleichzeitig markieren sie symbolisch: Dieses Geschäft gehört jetzt dazu, es ist Teil des Viertels und des lokalen Alltags.

Typische Blumen und warum sie gewählt werden

Bestimmte Blumen werden besonders häufig verwendet, weil ihre Bedeutung positiv ist oder ihr Name gut klingt:

  • Gladiolen
    Stehen für Stärke, Erfolg und einen aufrechten Weg nach oben. Sie sind hochgewachsen und wirken kraftvoll. Es ist ein Symbol für den Aufstieg im Geschäftsleben.
  • Lilien (百合)
    Symbolisieren Harmonie, Glück und einen reibungslosen Verlauf. Ihr Name klingt im Chinesischen nach „alles möge gut zusammenkommen“.
  • Pfingstrosen
    Gelten als „Königin der Blumen“ und stehen für Reichtum, Ehre und gesellschaftliches Ansehen.
  • Orchideen
    Symbolisieren Eleganz, Qualität und Kultiviertheit, besonders beliebt bei hochwertigen Geschäften.
  • Getreideähren (siehe Foto)
    Steht für Fruchtbarkeit, Wachstum, Wohlstand und eine reiche Ernte. Es symbolisiert, dass das Geschäft ertragreich sein soll.

Wichtig ist weniger die einzelne Blume, sondern der Gesamteindruck: lebendig, üppig, farbenfroh.

Tabus und warum sie vermieden werden

Neben dem, was Glück bringt, gibt es auch klare No-Gos:

  • Weiße Blumen allein
    Weiß ist in China die Farbe der Trauer und wird mit Beerdigungen verbunden. Reine weiße Arrangements gelten bei einer Eröffnung als schlechtes Omen.
  • Gelbe Chrysanthemen in Traueranmutung
    Sie werden stark mit Abschied und Tod assoziiert, wenn sie nicht klar festlich kombiniert sind.
  • Geranien
    Ihr Name klingt im Chinesischen ähnlich wie „verfallen“ oder „weggehen“ – eine ungünstige Assoziation für ein neues Geschäft.
  • Verwelkte oder sparsame Arrangements
    Sie könnten mangelnde Unterstützung oder schwaches Glück signalisieren.

Nach ein paar Tagen verschwinden die Blumen wieder. Zurück bleibt der Alltag.

Ein kleines Fundstück aus dem chinesischen Alltag, das zeigt, wie wichtig Gemeinschaft, Symbolik und ein guter Anfang hier sind. Denn ein gelungener Ladenstart ist in China entscheidend, da der Markt von enormer Wettbewerbsdichte geprägt ist. Sodass eben selbst ein ganz gewöhnlicher Ladenstart in China einen festlichen Rahmen bekommt.

Mit dem Schnellzug nach Shanghai

– ein Reise-Wochenende rund um die Feiertage

Aber fangen wir erstmal vorne an…

Denn diese Woche startete mit meinem Geburtstag und dieser war in diesem Jahr ganz anders als sonst. Mein Geburtstag fällt in die Vorweihnachtszeit, eine Zeit, in der sonst fast immer alle frei haben, Familien zusammenkommen und sich alles vertraut anfühlt. Dieses Jahr war vieles neu: keine Familie vor Ort, keine Freunde und Nico war tagsüber arbeiten. Gleichzeitig spürte ich, dass genau darin auch eine Chance lag: innezuhalten, auf mich zu hören und mir selbst bewusst Zeit zu schenken.

Ich startete entspannt mit einem Saunagang und ging anschließend frühstücken. Auf meinem Teller landete ein pochiertes Ei auf einem Bagel mit Guacamole. Leider wurde bei der Zubereitung Koriander verwendet, aber davon ließ ich mir meine Laune nicht trüben. Bei einem Spaziergang genoss ich den Sonnenschein an dem kalten Wintertag. Mittags kaufte ich mir einen Kaffee und ein besonders leckeres Stück Karottenkuchen.

Zwischendurch telefonierte ich mit Familie und Freunden. Es waren Gespräche, die mir unglaublich gutgetan haben und über die ich mich sehr freute. Zum Abschluss meiner Me-Time hatte ich einen Termin zur Massage, bei der eine Stunde lang versucht wurden, alle Blockaden zu lösen. Es war genau das, was ich an diesem Tag gebraucht habe, um abzuschalten.

Als Nico von der Arbeit nach Hause kam gingen wir gemeinsam essen, in eine fabelhafte, mehrfach ausgezeichnete Pizzeria. Mit einem Glas Sekt stießen wir auf mich an, auf 26 Jahre Lea. Zurück im Apartment warteten gleich zwei schöne Überraschungen auf mich: Die Mitarbeiter an der Rezeption schenkten mir eine Flasche Wein und richteten mir herzliche Geburtstagsgrüße aus. Doch damit nicht genug, sie meinten vor unserer Tür würde ebenfalls etwas auf mich warten.

Die Aufzugsfahrt kam mir dieses Mal vor lauter Aufregung endlos vor. Oben angekommen erwartete mich ein wunderschöner Blumenstrauß von meinen Freunden aus dem Stall. In diesem Moment wurde mir bewusst, wie nah sich Menschen auch über große Entfernungen sein können. Ich war unendlich dankbar für diesen Strauß, aber genauso für jedes Telefonat, jede Nachricht und jedes liebe Wort an diesem Tag.

Frohe Weihnachten !

Den 24. Dezember begann ich ruhig, begleitet von etwas Weihnachtsmusik. Das Wetter war überraschend schön, also ging ich am Vormittag erst einmal spazieren, ließ die Gedanken treiben und genoss die frische Luft, bevor es danach an die Vorbereitungen für unser Weihnachtsessen ging.

Nico konnte dank seiner Chefin früher Feierabend machen. Sie zeigte großes Verständnis dafür, wie bedeutend Weihnachten für uns ist. Nicht nur diese Geste hat uns gerührt – sie hat ihm zusätzlich noch eine kleine Aufmerksamkeit zu Weihnachten geschenkt. Diese Offenheit und Wertschätzung sind alles andere als selbstverständlich.

So war Nico also bereits gegen 15 Uhr zu Hause. Bis zum Abendessen machten wir es uns gemütlich, schauten Serien und ließen den Tag langsam werden, unter anderem mit Michel aus Lönneberg, einem dieser Klassiker, der sofort ein vertrautes, weihnachtliches Gefühl auslöst.

Am Abend stand mein erstes selbst gekochtes Weihnachtsmenü bereit. Als Vorspeise gab es Toast-Hawaii-Sterne und Tomaten-Mozzarella-Bäumchen, angelehnt an die Tradition von Nicos Familie. Als Hauptgang habe ich versucht, so nah wie möglich an das Weihnachtsessen meiner eigenen Familie heranzukommen: Rotkraut, Spätzle, Truthahnbrust und eine festliche Soße. Zum Abschluss gab es einen Wichtel-Cheesecake und einen Brownie in Tannenbaumform. Begleitet wurde das Ganze von einem argentinischen Wein.

Auch wenn nicht alles perfekt war, der Tannenbaum war zum Beispiel etwas zerlaufen und die Soße war nicht ganz wie bei Mutti – bin ich trotzdem stolz darauf. Alles in allem hat es gut geschmeckt und schließlich wird man nur durchs Probieren besser.

Nach dem Essen telefonierten wir noch mit unseren Familien und für einen kurzen Moment fühlte es sich an, als säßen wir alle gemeinsam an einem Tisch. So ließen wir Heiligabend ruhig ausklingen ohne Trubel, ohne Hektik, aber mit viel Nähe und Dankbarkeit.

Den ersten Weihnachtsfeiertag starteten wir mit einer Runde Switch, welche uns passend zu Weihnachten beide als Sieger körte. Bei einem gemeinsamen ausgiebigen Frühstück, schauten wir die nächste Folge Michel. Tagsüber verbrachten wir Zeit zusammen, gingen zum Sport, räumten die Küche vollständig auf, packten langsam unsere Koffer und kamen ein wenig zur Ruhe. Bevor es am Abend für uns in ein Restaurant ging, welches ich extra reserviert hatte, denn dieses bietet Käsefondue an. Genau das Richtige für einen weihnachtlichen Abschluss.

Die Metropole Shanghai

Wir haben uns dazu entschieden uns zu Weihnachten das wichtigste zu schenken was wir haben: Zeit zu zweit. Und diese in Form eines gemeinsamen Erlebnisses, denn für uns ging es am Freitag um 8 Uhr mit dem Schnellzug nach Shanghai.

Die Tickets welche wir bereits online vorreserviert hatten, waren keine im klassischen Sinne. Denn durch die Angaben bei der Reservierung werden alle Daten gespeichert und man reist nur mit seinem Reisepass. Dieser dient als Ticket und wird direkt beim betreten des Bahnhofs gescannt. Somit wird sichergestellt, dass nur Personen mit Ticket Zugang zu den Gleisen haben.

Der Bahnhof für die Fernzüge wirkt eher wie ein Flughafen als wie ein klassischer Bahnhof. Es gibt verschiedene Check-in-Gates, jeweils mit zwei Eingängen. Über Rolltreppen gelangt man hinunter zu den Gleisen. Dort angekommen sucht man den Abschnitt seines Waggons, diese sind deutlich auf dem Boden markiert. Die Fahrgäste stellen sich ordentlich in Reihen auf, dabei sorgt extra Personal dafür, dass alles ruhig und strukturiert abläuft.

Im Zug selbst gibt es in der zweiten Klasse auf der einen Seite Zweier-, auf der anderen Seite Dreier-Sitzreihen. Die Beinfreiheit ist überraschend großzügig, deutlich angenehmer als in vielen Flugzeugen und auch die Rückenlehnen lassen sich bequem verstellen. Ähnlich wie im Flugzeug gibt es auch hier Mitarbeitende, die das Verstauen des Gepäcks kontrollieren, Müll einsammeln, bestelltes Essen verteilen und generell für das leibliche Wohl sorgen. Besonders faszinierend ist dabei das Essensbestellsystem in den chinesischen Zügen. Über eine App kann man Mahlzeiten vorbestellen, von klassischen Zuggerichten bis hin zu bekannten Ketten wie McDonald’s oder lokalen Restaurants. Diese Restaurants befinden sich an ausgewählten Bahnhöfen entlang der Strecke. Bei einem Zwischenstopp wird das Essen von Mitarbeitenden des Bahnhofs an den Zug übergeben, von Zugpersonal entgegengenommen und anschließend direkt an den jeweiligen Sitzplatz gebracht. Alles ist zeitlich genau abgestimmt, sodass selbst kurze Stopps ausreichen, um warme Speisen zuverlässig auszuliefern.

In nur 4 Stunden und 32 Minuten legten wir die Strecke von 1300 km von Peking nach Shanghai zurück. Der sogenannte Gaosu (G-Serie), kann eine Geschwindigkeiten von bis zu 350 km/h erreichen. Nach zwei Zwischenstopps kamen wir pünktlich in Shanghai an. Die Fahrt mit ihm war ein echtes Erlebnis und zeigt eindrucksvoll, wie durchorganisiert und effizient Reisen hier funktioniert.

Alle verließen den Zug ruhig und geordnet. Wir folgten den Schildern zu den Taxiständen und machten uns auf den Weg zu unserem Hotel. Dort angekommen wurden wir herzlich empfangen. Unser Zimmer war sehr komfortabel, einziges kleines Manko waren die fehlenden einheitlichen Steckdosen, weshalb ich dieses Wochenende ohne Glätteisen auskommen musste. Dafür überzeugte die Lage des Hotels umso mehr: Direkt gegenüber befindet sich eine der bekanntesten Attraktionen der Stadt und genau diese erkundeten wir noch am selben Tag.

Wir starteten am The Bund und spazierten an der Uferpromenade des Flusses entlang, mit Blick auf die Skyline von Shanghai. Ein Anblick, der wirklich atemberaubend ist. Unser Weg führte uns bis zum North Bund und wieder zurück, insgesamt 15.000 Schritte. Zwischendurch probierten wir noch die traditionellen Soup Dumplings, welche in Shanghai besonders bekannt sind.

Während wir entlang des Bunds liefen, lag vor uns eine der beeindruckendsten Skylines der Welt. Shanghai vereint hier auf engstem Raum Geschichte, Moderne und architektonische Superlative. Die Skyline von Pudong gilt als Symbol für Chinas rasante Entwicklung der letzten Jahrzehnte und verändert sich bis heute ständig weiter. Besonders faszinierend ist der Kontrast zwischen den historischen Gebäuden auf der einen Seite des Flusses und den futuristischen Wolkenkratzern auf der anderen.

Dominant ragt der Shanghai Tower in den Himmel, mit seinen rund 632 Metern ist er das höchste Gebäude Chinas und eines der höchsten der Welt. Seine spiralförmige Glasfassade steht für Nachhaltigkeit und Energieeffizienz und wirkt trotz der enormen Höhe erstaunlich leicht und elegant.

Im Zentrum der Skyline steht der Oriental Pearl Tower, eines der ikonischsten Wahrzeichen Shanghais. Mit seinen markanten, kugelförmigen Elementen wirkt er fast futuristisch und ist sofort unverwechselbar. Der 468 Meter hohe Fernsehturm verbindet moderne Architektur mit symbolischer Gestaltung: Die unterschiedlich großen Kugeln stehen für fallende Perlen und verleihen dem Bauwerk seine spielerische Eleganz. Als eines der meistfotografierten Bauwerke der Stadt zieht er Besucher aus aller Welt an und zieht alle Blicke auf sich.

Eins der Gebäude war Nico bereits gut bekannt: das Shanghai World Financial Center, das wegen seiner markanten Öffnung an der Spitze umgangssprachlich nur der „Flaschenöffner“ genannt wird. Mit etwa 492 Metern Höhe gehört es ebenfalls zu den Wahrzeichen der Stadt. Die charakteristische Form ist nicht nur ein architektonisches Statement, sondern wurde auch aus statischen Gründen so entworfen, um Windbelastungen besser standzuhalten.

Diese drei Giganten nebeneinander zu sehen, eingebettet in ein Meer aus weiteren Hochhäusern, war schlicht überwältigend.

Mit Einbruch der Dämmerung kehrten wir ins Hotel zurück, machten uns frisch und fuhren anschließend zum Abendessen. Den Tag beendeten wir schließlich dort, wo er begonnen hatte: mit dem Blick auf die Skyline, diesmal im Lichtermeer der Nacht.

Schon unser erster Tag in Shanghai fühlte sich magisch an. Ganz gleich ob bei Tageslicht, zum Sonnenuntergang oder später bei Nacht. Diese Stadt hatte zu jeder Zeit eine ganz eigene, fast unwirkliche Ausstrahlung. Wir machten unzählige Fotos, blieben immer wieder stehen, schauten, staunten und genossen einfach den Moment. Es war einer dieser Tage, an denen man nichts festhalten möchte, außer das Gefühl selbst.

Tag zwei: Kontraste, Geschichte und Lichterzauber

Gestärkt nach einem westlich-chinesischen Frühstück im Hotel starteten wir in unseren zweiten Tag. Unser erster Stopp führte uns zu einem beeindruckenden Gebäudekomplex: 1000 Trees. Schon beim Ankommen waren wir fasziniert. Die Architektur ist außergewöhnlich, terrassenförmig angelegte Gebäude, aus denen unzählige Bäume und Pflanzen wachsen. In Kombination mit der Lage direkt am Fluss und einem schön angelegten Parkweg rundherum entsteht eine unglaublich ruhige, fast meditative Atmosphäre mitten in der Großstadt. Ein Ort zum Verweilen und für uns definitiv ein Ort, an dem wir aus dem Fotografieren gar nicht mehr herauskamen.

Der restliche Tag verlief bewusst entspannt. Wir schlenderten durch die Former French Concession, eines der charmantesten Viertel Shanghais. Breite Alleen, historische Gebäude und viele kleine Läden prägen diese Gegend. Besonders schön waren die Einkaufsstraßen Wukang Road und Anfu Road, die mit ihren Cafés, Boutiquen und alten Fassaden zum Bummeln einladen.

Ein absolutes Highlight dort ist das Wukang Mansion. Das Gebäude wurde 1924 erbaut und ist im Stil des französischen Neoklassizismus gehalten. Durch seine Form erinnert es viele an das Flatiron Building in New York. Heute ist es eines der meistfotografierten Häuser der Stadt und das merkt man sofort: Menschenmassen versammeln sich rund um das Gebäude, um Fotos von und mit diesem besonderen Bauwerk zu machen.

Zwischendurch sammelten wir in verschiedenen Shops kleine Stempel. In China sind sogenannte Stempelbücher sehr beliebt. Viele Cafés, Läden oder Sehenswürdigkeiten haben eigene Stempel, die man als Erinnerung sammelt. Anschließend kehrten wir in ein französisches Café ein, tranken Café, aßen ein Kaffeestück und ließen die Eindrücke auf uns wirken.

Zurück im Hotel ruhten wir uns kurz aus, denn am Abend stand etwas ganz Besonderes an. Punkt 18 Uhr beginnt in Shanghai ein tägliches Schauspiel: Nach einem kurzen Lichterspiel und einem Countdown werden gleichzeitig die Lichter an unzähligen Gebäuden der Stadt eingeschaltet. Ein Moment, der uns beide tief beeindruckt hat- so synchron, so groß, so überwältigend. Ein Anblick, der uns für immer in Erinnerung bleiben wird.

Doch damit war der Tag noch nicht vorbei. Am Abend führte ich uns in die Gegend rund um die Yu Gardens. Diese klassischen chinesischen Gärten stammen ursprünglich aus dem 16. Jahrhundert und gehören zu den bekanntesten der Stadt. Auch die umliegenden Straßen sind ein echtes Highlight: kunstvoll verzierte Gebäude, Laternen, kleine Tempel und lebendige Gassen schaffen eine ganz besondere Atmosphäre.

Nach dem Abendessen in einem außergewöhnlichen Restaurant mit moderner chinesischer Küche, kunstvoll eingerichtet und ebenso kreativ angerichtet Speisen, ließen wir uns noch durch die belebten Straßen treiben. Es war der perfekte Abschluss für diesen wunderschönen Tag in Shanghai.

Tag drei: Ankommen im Moment

Nach all den Eindrücken der vergangenen zwei Tage entschieden wir uns, unseren letzten Tag ruhig anzugehen. Kein straffer Plan, keine Must-sees mehr, einfach bummeln, treiben lassen und genießen. Wir schlenderten durch die Straßen, gingen shoppen und wurden beide fündig.

Nach einem entspannten Kaffee-und-Kuchen-Stopp machten wir uns langsam auf den Weg zum Bahnhof. Mit einem Koffer voller neuer Erinnerungen traten wir unsere Rückreise an.

Wie schon auf der Hinfahrt kamen wir auch diesmal wieder pünktlich in Peking an. Zu Hause angekommen bekam unser neuer Magnet seinen Platz am Kühlschrank, die neue Espressotasse wanderte in den Schrank und wir fielen glücklich, erfüllt und ein kleines bisschen wehmütig ins Bett.

Shanghai ist eine magische Metropole. Eine Stadt voller Gegensätze, Lichter, Geschichte und moderner Dynamik. Sie hat uns überwältigt, inspiriert und berührt. Zudem hat sie uns gezeigt, wie viel es noch zu entdecken gibt. Ein Ort, der bleibt. In Bildern, in Erinnerungen und ganz tief im Gefühl.

Eine kleine Auszeit vom Gedankenkarussell

Die Vorweihnachtszeit ist in vollem Gange. Überall wird es gemütlich, draußen ist es kalt, Lichter glitzern und die Menschen kehren zu ihren Liebsten zurück. Ebenso nutzen viele Expats in China diese Zeit für kleine Abenteuer mit Familie und Freunden. Denn jetzt ist die perfekte Gelegenheit, noch einmal zu reisen, außerhalb der Regenzeit warme Länder zu erkunden und dem Winter zu entfliehen. 

Auch für uns geht es im Januar auf eine Reise, doch bis dahin bleiben wir noch in China. Die Vorfreude auf den ersten Trip liegt also schon in der Luft, während wir unsere ganz normalen Arbeitswochen hinter uns bringen. Nico hatte diese Woche zwei Events auf der Arbeit: ein Happy Lunch mit der Abteilung am Mittwoch und am Freitag ein kleiner, vorweihnachtlicher Jahresabschluss mit dem Team.

Bei mir standen keine großen Veranstaltungen auf dem Plan, aber dafür viele organisatorische Dinge. Ich war damit beschäftigt, Weihnachtsgeschenke fertigzustellen, offene To-Dos abzuhaken, Restaurants zu reservieren, die Festtage zu planen und den Weihnachtseinkauf vorzubereiten. Gerade diese kleinen Dinge sind für mich hier oft noch sehr herausfordernd. Erstens wegen der Sprachbarrieren und wegen des hohen Angebots. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten und trotzdem findet man manchmal genau das nicht, was man sich in dem Moment wünscht. Vielleicht mache ich mir dabei auch einfach zu viel Druck.

Für uns war diese Woche besonders vom Gedankenkarussell geprägt: Weihnachten zum ersten Mal ohne unsere Familien zu feiern, Silvester ohne Freunde, mit denen man sonst zusammen ist.

Immer wieder stellten wir uns die gleichen Fragen: Wie finden wir Ablenkung? Sollten wir versuchen, andere Leute zu treffen, oder die Zeit zu zweit einfach genießen? Kann das Weihnachtsessen trotz fehlender Zutaten gelingen? Oder tun uns kleine Ausflüge wie nach Shanghai oder Hongkong gut, um den Kopf frei zu bekommen?

Mit all diesen Gedanken im Kopf fiel mir das Einschlafen oft schwer. Ich merkte, wie viel Druck ich mir selbst machte, alles „perfekt“ gestalten zu wollen. Doch langsam wurde bewusst: Akzeptieren, dass hier vielleicht alles anders ist, heißt nicht, dass es schlechter ist. Ganz im Gegenteil anders kann auch bedeuten, dass wir die Zeit neue Erfahrungen sammeln und die kleine Momente zu zweit besonders schätzen.

Zwischen Alltag und Vorfreude

Für uns kam deshalb diese Wanderung am Samstag wie gerufen. Raus aus der Stadt, frische Luft, Bewegung und einfach mal den Kopf frei bekommen. Wer dem Trubel Pekings für ein paar Stunden entkommen möchte, sollte sich auf die Silver Pagoda Loop Wanderung begeben – eine Mischung aus Dorfspaziergang, Bergwanderung und Kulturgeschichte.

Wie so oft haben wir die Tour über Beijing Hikers gebucht, eine Organisation, die geführte Wanderungen rund um Peking anbietet und bei der wir uns immer gut aufgehoben fühlen. Dieses Mal hatten wir sogar das Glück, dass eine der beiden Gründerinnen selbst unsere Reiseleiterin war, was der Tour noch einmal eine ganz besondere persönliche Note verliehen hat.

Wir waren eine kleine Gruppe von insgesamt zehn Personen – genau die richtige Größe, um entspannt unterwegs zu sein, sich auszutauschen und trotzdem genug Raum für sich selbst zu haben. Nach 2 Stunden Busfahrt raus aus der Stadt in den Norden Pekings, kamen wir an unserem Startpunkt an.

Unsere Tour startet in einem kleinen, idyllischen Dorf, wo wir auf 300 Jahre alte Tempelbühnen und traditionelle Granithäuser stoßen. Von dort aus führt der Weg langsam bergauf durch Felder, Wasserreservoirs und einen abgelegenen Schrein, während wir die ruhige Changping-Landschaft genießen. Viele der Wasserläufe waren zugefroren, kleine Wasserfälle wirkten wie erstarrt. Die Landschaft war ruhig, fast schon magisch und man hörte kaum mehr als unsere Schritte im Schnee.

Auf der anderen Seite des Bergrückens betreten wir ein weiteres Dorf, schlendern vorbei an alten Steinbauten und Kastanienhainen, bevor es in das sogenannte „Tal der Barmherzigkeit“ geht. Hier wurde der Aufstieg steiler, die Beine spürten die Herausforderung, doch der Ausblick lohnte jede Mühe.

Am Ende erreichen wir den Silver Pagoda Park, wo eine kleine Treppe zur Aussichtsplattform führt. Von dort eröffnet sich ein 360°-Panorama über Berge, Täler und die fünf Jahrhunderte alten Pagoden, die vom einstigen Tempelkomplex übrig geblieben sind. Früher erklungen hier die silbernen Glocken im Wind – daher der Name des Ortes (… und der Wanderung).

Der Abstieg führt vorbei an historischen Punkten wie dem Glockenpavillon, der Taille-Dreh-Pagode und dem Predigtplatz der Mönche, bevor wir durch die Hügel zurück zum Ausgangspunkt gelangen.

Ein gemütliches Mittagessen in einem nahegelegenen Landrestaurant rundet den Ausflug perfekt ab. Es gab neben den besten Jiaozi (Dumplings), die wir bisher hatten: viel Gemüse, Eier, Tofu, Kartoffeln, Reis und Fleisch. Genau das Richtige nach einer Wanderung und definitiv ein Highlight für sich.

Insgesamt waren wir etwa vier Stunden unterwegs, haben rund 10 Kilometer zurückgelegt und 520 Höhenmeter überwunden. Eine perfekte Mischung aus Natur, Kultur und Bewegung – ideal für alle, die die grüne, ruhige Seite Pekings entdecken möchten.

Als wir später mit dem Bus zurück in der Innenstadt von Peking ankamen, konnten wir nicht widerstehen und probierten noch einen typischen Wintersnack: Tanghulu, kandierte Früchte am Spieß. Für die Pekinger gehört das im Winter einfach dazu, so selbstverständlich wie für uns Plätzchen in der Weihnachtszeit. Ein süßer Abschluss eines rundum gelungenen Tages.

Ein entspannter Abschluss

Am Sonntag haben wir uns einfach Zeit für einander genommen. Ohne großen Plan, ohne festen Auftrag, nur wir zwei, ein bisschen bummeln, ein bisschen shoppen und schauen, wohin uns der Tag führt. Nach einem gemütlichen bayrischem Frühstück machten wir uns auf den Weg in die Stadt, ganz entspannt und ohne Zeitdruck.

Am Ende sind wir beim Shoppen nicht wirklich fündig geworden. Die Läden hatten nicht das, was wir gesucht haben, manches passte nicht, anderes fühlte sich einfach nicht richtig an. Vielleicht war genau das der Punkt dieses Sonntags: Nicht mit vollen Taschen nach Hause zu kommen, sondern mit dem Gefühl, bewusst Zeit miteinander verbracht zu haben.

Am Abend haben wir uns ganz spontan entschieden, Sushi essen zu gehen. Besonders schön war es, den Köchen bei der Zubereitung zuzuschauen, jedes Stück wurde mit viel Ruhe und Sorgfalt vorbereitet. Auf den Tellern landeten viele, für uns neue, Kreationen, die nicht nur geschmacklich, sondern auch optisch sehr überzeugten. Liebevoll angerichtet, kreativ kombiniert und bis ins Detail durchdacht, wurde jedes einzelne Sushi zu einem kleinen Kunstwerk.

Danach zogen wir noch los, um den Wein für Weihnachten zu besorgen. Und dann kam dieser kleine, spontane Moment, der manchmal alles abrundet: Wir haben uns entschieden, ein Jellycat mit nach Hause zu nehmen. Die Entscheidung bei all den süßen Figuren fiel uns nicht leicht, aber am Ende durften eine Sonnenblume und ein Faultier bei uns einziehen. Ein kleiner, unerwarteter Kauf und doch der perfekte, krönende Abschluss unseres Wochenendes.

Zum Abschluss wurde mir klar: nicht alles muss geplant, perfekt oder genauso sein wie Zuhause. Manchmal reicht es, Entscheidungen bewusst zu treffen oder auch Dinge einfach so anzunehmen, wie sie gerade sind. Es darf anders sein und vielleicht liegt genau darin die größte Ruhe.

Dezember-Momente in Peking

Die letzten zwei Wochen hier in Peking waren eine bunte Mischung aus schönen Begegnungen und besonderen Momenten. Zwischen Frühstückstreffen, Nikolausritualen, einem kreativen Weihnachtsevent und unserem ersten Hochzeitstag gab es viele Augenblicke, die uns dankbar gemacht haben.

Momente in guter Gesellschaft

Die erste Dezemberwoche startete für mich mit mehreren gemütlichen Verabredungen. Zuerst ein schöner Kaffee-Nachmittag mit tollen Gesprächen, am nächsten Tag dann ein gemeinsames Mittagessen mit Freunden in einem stilvoll eingerichteten chinesischen Restaurant, in dem wirklich jedes Gericht hervorragend schmeckte.

Am Donnerstagabend stand wieder „Frühstück goes out“ auf dem Plan. Dieses Mal gingen wir zu zehnt in die Bar „Obstkorb“. Das Konzept dort ist besonders: Man kreiert seinen Cocktail selbst aus verschiedenen Zutaten ein Obst/Gemüse, eine Alkoholsorte und ein Gewürz. Meine Entscheidung fiel auf Erdbeere, Gin, Basilikum und Chili, serviert im typischen Asia-Mitnehmbehälter. Natürlich gab es auch die Klassiker und viele weitere ausgefallene Drinks, darunter den Reeperbahn-Cocktail oder den Schwarzwalddrink. Nicht nur die speziellen „Gläser“ brachten uns zum Schmunzeln, auch die Karte hatte interessante Passagen, unter anderem den Satz:

„Das nächste Krankenhaus liegt nur 1,3 km entfernt – bitte wählen Sie bedacht.“

Ein paar charmante Übersetzungsfehler sorgten zusätzlich für Lacher (siehe Foto).

Ein rundum lustiger Abend und ich freue mich jetzt schon auf das nächste Treffen.

Den Abschluss der Woche bildete mein erstes Probe-Frühstück als neue Mit-Organisatorin der Frühstücksgruppe. In unserem kleinen Dreierteam suchen wir geeignete Cafés aus und schauen sie uns vorab an. Da meist 15–20 Personen kommen, muss die Location groß genug sein und auch größere Gruppen gut koordinieren können. Dieses Mal hat alles wunderbar gepasst, somit steht unsere erste Location für Januar 2026 fest. Nach dem Frühstück machten wir noch einen kleinen Spaziergang am See, tranken eine heiße Schokolade und ließen so den Vormittag gemütlich ausklingen.

Ein entspanntes, aber besonderes Wochenende

Unser Wochenende begann ruhig. Nico war die Woche über leicht angeschlagen mit Halsschmerzen, deshalb gingen wir am Freitagabend nur einen Burger essen und ließen den Abend mit Serien ausklingen. Natürlich wurden vorher noch die Schuhe geputzt – sonst kommt der Nikolaus nicht!

Das hat wohl funktioniert: Am nächsten Morgen warteten gefüllte Nikolaussocken auf uns. Nico freute sich über eine Mütze, perfekt für kommende Wanderungen und in meinem Socken waren Espresso-Tassen, diese sammele ich neuerdings von jeder chinesischen Stadt, die wir besuchen. So haben wir hoffentlich bei unserer Rückkehr eine schöne und vielfältige Sammlung!

Nach dem Frühstück fuhren wir ins Outlet, in der Mission preiswerte, passende und schöne Hosen für Nico zu finden. Anders als das Zweibrücker Outlet ist dieses komplett überdacht und wie eine große Einkaufshalle aufgebaut.  Neben bekannten Marken wie Hugo Boss, Polo Ralph Lauren oder Gabor waren auch chinesische Labels vertreten. Wir verbrachten fast den ganzen Tag dort und wurden fündig: zwei Hosen für Nico, ein Oberteil für mich.

Der Sonntag war für uns etwas Besonderes, denn vor einem Jahr haben wir zueinander „Ja“ gesagt. Im Zeichen unserer Papierhochzeit machten wir uns kleine Geschenke: Ich bekam ein Buch, in dem ich unsere Hochzeitstage festhalten kann und Nico erhielt ein Blatt Papier mit einer liebevollen Skizze unseres ersten Ehejahres, inklusive Zielen und Träumen für die Zukunft.

Wir verbrachten den Tag im nahegelegenen Ritan-Park, nur 25 Gehminuten von uns entfernt. Dort gibt es Sportplätze, einen kleinen Mini-Freizeitpark, Spielplätze und wunderschöne Teichlandschaften. Nicht nur für Kinder ein Highlight, auch wir genossen es durch die Felsenlandschaft zu laufen. Da es jedoch sehr kalt war, kehrten wir später in unser Lieblingscafé ein. Nico bestellte wie immer seinen Brownie und ich probierte die Maronentorte.

Am Abend entschieden wir uns für ein Essen in einem spanischen Restaurant, das wir bereits ganz am Anfang entdeckt hatten und uns für einen besonderen Anlass aufheben wollten. Neben einem Glas Wein, gab es Tapas zur Vorspeise und als Hauptgang ein Wagyu Steak für Nico sowie Paella für mich. Ein rundum gelungener Tag gemeinsam als Ehepaar.

Kreativer Teamspaß im Chaoyang Park

Am Dienstag fand die Weihnachtsfeier der Patengruppe der Deutschen Botschaftsschule statt. Ein wunderschönes Event, in das so viel Liebe und Kreativität gesteckt wurde. Es war eine kleine Überraschung für alle, wir wussten vorher nur: warme Kleidung, den Treffpunkt und jeder sollte ein kleines Wichtelgeschenk mitbringen.

Warm eingepackt und voller Vorfreude machte ich mich also auf den Weg zum Chaoyang Park, einer der größten Parks in Peking mit rund 288 Hektar. Vor Ort wurden wir in zwei Teams eingeteilt und bekamen eine Tüte mit Gegenständen und einer Anleitung. Darin standen verschiedene Stationen beschrieben, die wir finden und an denen wir Aufgaben lösen mussten. Der Clou: Wir fuhren das Ganze mit Vierer-Fahrrädern ab. Jedes Team bestand aus elf Personen und hatte zwei dieser Räder.  Allein das Fahren war schon ein Erlebnis: lustig, anstrengend und einfach nur schön.

Meine Lieblingsaufgaben waren:

– Alpakas füttern und Fotos machen

– einen Drachen steigen lassen

– „Jingle Bells“ mit Chinesen singen und filmen

– eine Löwenskulptur dekorieren und ein Gruppenfoto davor machen

Insgesamt gab es neun Stationen, alle liebevoll und unterschiedlich gestaltet. Zum Ende der Tour trafen sich beide Teams an einem Pavillon. Jeder bekam ein kleines Andenken (Nikolausmütze, Tasse) und wir tranken alle gemeinsam Glühwein. Nach einem Gruppenfoto und gemütlichem Beisammensein gaben wir die Fahrräder zurück.

Zum Abschluss gingen wir noch alle gemeinsam ins italienische Restaurant Tavola. An einer langen Tafel durften wir aus einem großzügigen Menü wählen. Ich entschied mich für Lachs als Vorspeise, eine Pistazien-Schinken-Pizza als Hauptgang und zum Dessert einen Schokoladenbrownie. Nicht nur das Essen war hervorragend, auch das Ambiente und die Gespräche machten den Vormittag besonders schön.

Beim anschließenden Wichteln gab es viele kreative und liebevolle Geschenke. Ich freute mich sehr über ein Handcreme-Set – perfekt für den trockenen Winter hier.

Ein Ort zum Stöbern, Lesen und Staunen

Vor einigen Wochen hatte mir meine Chinesischlehrerin eine besondere Bücherei empfohlen. Diese Kette gibt es in mehreren chinesischen Städten und ist bekannt für ihre außergewöhnliche Architektur und Einrichtung. In Peking gibt es zwei Filialen, von denen eine etwas außerhalb liegt, also entschied ich mich für die Nähergelegene.

Auf dem Weg dorthin entdeckte ich eine Hello-Kitty-Welt und eine wunderschöne Lichtprojektion an einem Gebäude. Genau aus diesem Grund liebe ich es, Wege zu Fuß zurückzulegen, denn man entdeckt immer etwas Neues.

Die Bücherei selbst hat mich sofort beeindruckt. Ich ließ die besondere Atmosphäre auf mich wirken, setzte mich dann in einen der „Ringe“ und las in meinem mitgebrachten Buch. Man kann dort Bücher ausleihen, einfach lernen, entspannen, einen Kaffee trinken oder Bücher kaufen. Die meisten Bücher waren allerdings auf Chinesisch, dennoch erkannte ich viele Titel an den Buchcovern wieder, zum Beispiel Gregs Tagebuch oder Goethes Faust. Eine wirklich eindrucksvolle Kulisse und auf jeden Fall ein Besuch wert, nur die Musik war für meinen Geschmack etwas zu laut zum entspannten Lesen.

Ein festlicher Abschluss 

Der letzte Frühstückstreff des Jahres war ein besonderer: ein Buffet Lunch im Restaurant des Kerry Hotel. Es gab verschiedenste Fleischgerichte wie Kung Pao Chicken, Spareribs oder Roastbeef, viel Gemüse, Tofu, eine Salatbar, Dessertbar und jede Menge Früchte. Mein Highlight: die Meeresfrüchte, besonders der butterzarte Sashimi-Lachs.

Insgesamt waren wir 32 Personen, viele bekannte, aber auch einige neue Gesichter. Genau das macht diese Veranstaltung aus, dass man immer wieder neue Kontakte knüpfen kann.

Es war nicht nur das letzte Treffen des Jahres, sondern auch das letzte unter der bisherigen Leitung. Deshalb sammelten wir vorher Geld für einen Gutschein und organisierten einen Blumenstrauß inklusive kleiner Karte. Sie wird uns allen sehr fehlen, denn sie hat sie nicht nur toll organisiert, auch ihre Energie hat die Treffen immer geprägt.

Nach dem gelungenen Abschied und dem Vorstellen der neuen Orga-Gruppe, gingen zwei Freundinnen und ich weiter zum sogenannten „International Trade Center“, einem Einkaufszentrum mit überwiegend russischsprechenden Händlern. Wir entschieden uns, mit dem Fahrrad zu fahren und somit meine erste Fahrradtour im Verkehr Pekings zu erleben. Das Ausleihen ist simpel: QR-Code scannen, bestätigen, dann entriegelt sich das Fahrrad und los geht’s. Für 20 Minuten zahlt man umgerechnet rund 15 Cent, weshalb es hier für viele ein besonders attraktives Verkehrsmittel ist. Auch das Fahren im Verkehr war überraschend angenehm. Man fährt einfach im Fluss der Masse und kann dabei wunderbar die Umgebung beobachten.

Auf dem Markt angekommen ging es direkt zum ersten Laden, von vielen. Es gibt dort überwiegend Kleidung und vereinzelt Haushaltsgegenstände. Ich kaufte mir nur zwei Paar längere Socken für den Winter und auch wenn die Ausbeute klein war, hat sich der Abstecher absolut gelohnt, allein schon wegen den gemeinsamen Momenten.

Winterliches Wochenende

Das zweite Wochenende hielt ein echtes Highlight bereit: Schnee in Peking. Das ist hier alles andere als selbstverständlich. Obwohl es im Winter oft sehr kalt ist, schneit es nur selten. Der Grund dafür liegt vor allem an der trockenen Winterluft. Kalte Luft aus Sibirien bringt zwar niedrige Temperaturen, aber kaum Feuchtigkeit. Zudem liegt Peking weit im Landesinneren und wird durch umliegende Gebirge von feuchter Meeresluft abgeschirmt. Der meiste Niederschlag fällt hier im Sommer.

Umso schöner war es, als es am Freitagmittag tatsächlich zu schneien begann. Bei Temperaturen von minus fünf bis minus zehn Grad blieb der Schnee auch liegen. Die hohen Gebäude, Straßen und Parks wirkten plötzlich ganz ruhig.

Am Samstagabend ließen wir das Wochenende entspannt ausklingen. Nico hatte über die Arbeit einen neuen Bekannten kennengelernt, der ebenfalls neu hier lebt. Gemeinsam gingen wir essen und tauschten uns über die ersten Eindrücke aus. Danach landeten wir noch in einer Sportsbar, schauten Darts, spielten selbst eine Runde und kamen schnell mit Menschen aus ganz unterschiedlichen Ländern ins Gespräch. Ein schöner, unkomplizierter Abend.

Wenn ich auf die letzten zwei Wochen zurückblicke, merke ich, wie viele besondere Momente sich in kurzer Zeit sammeln können. Es waren Tage voller Austausch, neuer Erfahrungen, kleiner Abenteuer und wertvoller Begegnungen. Manche davon waren geplant, andere haben sich einfach ergeben und genau diese Mischung macht diese Zeit für mich so besonders.

Bezahlen in China – ein Alltag ohne Bargeld

Wenn man in China ankommt, merkt man eines ziemlich schnell: Dieses Land ist digitaler, als man es sich vorstellen kann.

Ob im Supermarkt, im Taxi, im Restaurant, beim Bäcker oder sogar am Straßenstand, überall wird gescannt und mit Handy bezahlt. Bargeld steckt man hier kaum noch ein, denn das Leben funktioniert zu über 90 % komplett digital.

Während man in Deutschland noch über Kartenterminals schimpft, die nicht funktionieren oder gar nicht vorhanden sind, läuft man in China einfach an einer QR-Code-Tafel vorbei, scannt, bestätigt, bezahlt. So simpel und so selbstverständlich.

💡Ein QR-Code ist ein Quadrat aus vielen kleinen schwarzen und weißen Kästchen, in denen Informationen wie ein Link oder Text gespeichert sind. Ein Handy kann dieses Muster scannen und die enthaltenen Daten sofort anzeigen. Jeder QR-Code sieht anders aus, weil jede Information ein eigenes, einzigartiges Muster erzeugt.

In diesem Beitrag zeige ich euch, wie das Bezahlen in China funktioniert, welche Apps man braucht, wie sicher das Ganze ist und wie man als Tourist problemlos zurechtkommt.

Die drei häufigsten Bezahlmethoden

1. WeChat – nicht nur ein Messenger, sondern ein Alleskönner

WeChat ist weit mehr als eine App. Eigentlich ist es ein eigenes Ökosystem. Hierüber schreiben die Menschen, telefonieren, bestellen Essen, buchen Arzttermine und natürlich zahlen sie.

Bezahlen mit WeChat Pay funktioniert so:

Möglichkeit 1: QR-Code des Geschäfts scannen, vereinbarten Betrag eingeben und mit PIN bestätigen – fertig!

Diese Variante nutzt man oft dort, wo Preise flexibel sind, sprich auf Märkten oder im Nagelstudio. Man sagt, was man möchte, der Verkäufer nennt einen Preis, man verhandelt (wer kann und möchte) und gibt den vereinbarten Betrag ein.

Möglichkeit 2: Eigenen QR-Code zeigen und vom Händler scannen lassen, den Betrag mit PIN bestätigen – fertig!

Das ist der Standard bei festen Preisen etwa im Supermarkt, im Restaurant oder in Geschäften.

Möglichkeit 3 (für bestehende Kontakte): Den vereinbarten Betrag per unkomplizierter Freund-zu-Freund Überweisung transferieren. Hierbei sendet die eine Partei der anderen Partei ein Art „Überweisungsanfrage“. Stimmt die empfangende Partei dem Betrag zu, wird die Transaktion durchgeführt, ansonsten wird die Transaktion verworfen.

Möglichkeit 4 (für bestehende Kontakte): Split-the-Bill (Teile die Rechnung). Bei dieser Zahlungsmöglichkeit kann eine gemeinsame Rechnung, beispielsweise nach einem gemeinsamen Besuch im Restaurant, unkompliziert und transparent unter den „Freunden“ bzw. Kontakten aufgeteilt und beglichen werden. Dies nutzen in unserem Umkreis häufig Personen, die sich die Kosten für eine gemeinsame Taxifahrt aufteilen möchten, da die Taxi bzw. Didi Zahlung nur von demjenigen bezahlt werden kann, der das Taxi/Didi geordert hat.

2. Alipay – der große Konkurrent

Alipay ist die zweite große Plattform.

Gerade in Geschäften, die ein bisschen touristischer sind, sieht man viele Alipay-Codes – beide Apps sind absolut gleichwertig und überall akzeptiert.

Viele Urlauber nutzen Alipay besonders gern, weil es gut mit internationalen Kredit-Karten kompatibel ist und ein super übersichtliches Interface hat.

Auch hier läuft alles über QR-Codes:

scannen – bestätigen – bezahlen!

3. Bankkarten (UnionPay + internationale Karten)

Bankkarten werden hier auch vereinzelt genutzt, aber eher weniger für den alltäglichen Gebrauch. Auch wenn UnionPay (das nationale Kartennetz, vergleichbar mit Visa) und in vielen städtischen Geschäften auch vereinzelt internationale Karten akzeptiert werden, ist das Zahlen mit dem Handy deutlich unkomplizierter.

Im Alltag greifen die meisten Menschen trotzdem entweder zu WeChat Pay oder Alipay, zusammen dominieren sie den Markt. Bankkarten bleiben dennoch relevant für größere Zahlungen, Hotels, Geldautomaten und für manche Tourist:innen, die keine lokalen Konten einrichten wollen.

Kann man in China noch mit Bargeld bezahlen?

Ja, theoretisch schon.

Praktisch jedoch wird es jedes Jahr seltener.

Einige kleine Händler, ältere Verkäufer auf Märkten oder staatliche Einrichtungen nehmen Bargeld weiterhin an, denn offiziell muss jedes Geschäft Bargeld akzeptieren. Trotzdem bevorzugen fast alle die digitale Zahlung, einfach weil es schneller, sauberer und bequemer ist.

Ein kleiner aber doch entscheidender Haken bringt dieser Wandel klar mit sich… das Bargeld in den Beständen der Geschäfte hat stark abgenommen. Dies wiederum hat zur Folge, dass sich das Rückgeld (teilweise) als schwieriger herausstellt, als man das bisher aus Deutschland gewohnt war. So kann es also durchaus vorkommen, dass bei Bargeldzahlungen, kein oder nicht der vollständige Rückgeldbetrag ausgehändigt wird. Genau dies ist Nico bei seiner damaligen Reise 2023 bei einer Busfahrt passiert. Der Bus akzeptierte nur Alipay, über welches Nico damals nicht verfügte. Die Fahrt kostete 3 Yuan, Nico hatte jedoch nur einen 10 Yuan Schein und der Busfahrer kein Bargeld. Somit war die Fahrt also dreifach so gut bezahlt…

Ein kurzer Blick auf Chinas Bargeld:

Die chinesische Währung heißt Renminbi (RMB), die geläufigste Einheit ist der Yuan (¥ / 元).

Auf den Scheinen findet man immer dieselbe Person:

Mao Zedong (1893–1976) – Er war die zentrale Führungspersönlichkeit der kommunistischen Revolution, erster Vorsitzender der Volksrepublik China und prägendste Figur des 20. Jahrhunderts des Landes. Sein Bild auf den Scheinen ist Ausdruck seiner historischen Rolle im Aufbau des modernen chinesischen Staates und der politischen Kontinuität seit 1949.

Egal ob 1 Yuan, 5 Yuan, 10, 20, 50 oder 100 Yuan – es ist immer sein Porträt.

Ein paar interessante Fakten:

Der häufigste Schein im Alltag ist der 100-Yuan-Schein, er ist knallrot und oft der einzige, den man überhaupt noch in der Hand hält. Münzen gibt es ebenfalls (1 Yuan, 0,5 und 0,1 Yuan), werden aber nur selten genutzt. Im Vergleich zu früher wird Bargeld kaum noch bewegt und viele jüngere Menschen sehen es fast als „Ausnahmezahlung“.

Gibt es Risiken und vermeintliche Probleme?

1. Thema Sicherheit

Natürlich stellt man sich erstmal die Frage, wie sicher ist das Zahlungssystem über das Handy?

Aufgrund starker Authentifizierung wird das System als sehr sicher eingestuft. Jede Zahlung wird mit Gesichtserkennung oder Fingerabdruck bestätigt. Der QR-Code ändert sich alle paar Sekunden und Transaktionen lassen sich sofort in der App einsehen. Außerdem haben WeChat und Alipay integrierte Sicherheitschecks, die ungewöhnliche Aktivitäten melden.

Für die meisten Menschen ist digitales Bezahlen sicherer als Bargeld. Denn man kann kein Portemonnaie verlieren, keine Geldscheine fallen lassen, nichts wird geklaut. Auch das Risiko von Betrug oder Kartenmissbrauch ist dadurch extrem gering.

2. Technische Probleme

Zum Abwickeln einer Zahlung ist natürlich auch eine gute Infrastruktur des Landes nötig, denn die Händler benötigen zur Durchführung der Zahlung eine Internetverbindung. Als Kunde ist dies irrelevant, da der persönliche Zahlungs-QR-Code auch offline funktioniert. Zudem gibt es in den meisten Geschäften WLAN Zugänge für die Gäste. Komplett ohne Internet ist man hier praktisch nie, die Infrastruktur ist beeindruckend verlässlich.

Aber nicht nur das Internet kann versagen, sondern auch der Akku eines Gerätes kann leer werden. Doch auch für dieses Problem ist gesorgt. An vielen Straßenecken, Bahnhöfen und Einkaufszentren gibt es Power-Bank-Leihstationen: QR-Code scannen → Powerbank ausleihen → nach Gebrauch zurückgeben. Diese Option ist günstig und praktisch. Alternativ bieten Cafés und Restaurants ihre Steckdosen zum Kurzzeit-Laden an, sofern man eine Kleinigkeit bestellt.

China ist daher aus meiner Sicht bestens auf das moderne Smartphone-Leben eingestellt, sodass ein leerer Akku in der Regel überhaupt kein Problem darstellt.

Meine persönliche Empfehlung an Reisende

1. Installiere Alipay vor der Reise und versuche, ein internationales Zahlungsmittel damit zu verbinden. Das ist für die meisten Tourist:innen der unkomplizierteste Start. 

2. Kauf eine lokale SIM / eSIM für SMS-Verifizierung & stabile Navigation.

3. Ein bisschen Bargeld (kleine Scheine) dabei haben für den Notfall.

4. Powerbank oder Ladekabel im Rucksack haben beruhigt!

Ein digitales System, das funktioniert!

Was anfangs vielleicht ungewohnt ist, wird innerhalb weniger Tage selbstverständlich. Man muss nur einmal verstehen, wie WeChat oder Alipay funktionieren.

Kein Kleingeld suchen, kein Bankkarten-Pin, keine Kassenprobleme.

Für uns gehört das digitale Bezahlen mittlerweile völlig selbstverständlich dazu.

Ob Taxi, Supermarkt oder Arztbesuch: wir brauchen nur unser Handy. Bargeld spielt keine Rolle.

Zum Abschied erkläre ich euch noch ein paar praktische Beispiele, wie wir das digitale Bezahlen hier im Alltag tatsächlich nutzen.

1. Bahnfahren mit Alipay

Wenn wir in Peking U-Bahn fahren, brauchen wir kein Ticket kaufen und auch keine Fahrkarte vorher laden. Wir öffnen einfach in Alipay die Funktion: „Transport Code“. Dort wird ein einzelner QR-Code angezeigt, den man am Eingang und Ausgang der Station scannt.

Das System erkennt automatisch, an welcher Station wir eingestiegen und wo wir wieder ausgestiegen sind, und berechnet den passenden Fahrpreis. Der Betrag wird direkt nach der Fahrt in Alipay abgebucht.

2. Taxi fahren mit Didi

Auch beim Taxi fahren nutzen wir ausschließlich digitale Bezahlung. Wenn wir ein Didi (das chinesische Pendant zu Uber) bestellen, wird die Fahrt automatisch mit WeChat Pay oder Alipay verknüpft. Wir steigen einfach ein, fahren los und nach dem Aussteigen betätigen wir den Betrag und bezahlen mit Wechat oder Alipay.

Es gibt keine Diskussion über Wechselgeld, keine Kartenzahlung, die nicht funktioniert. Auch Quittungen können wir digital abrufen, was vor allem bei beruflichen Fahrten super praktisch ist.

Sollte es einmal ein Problem geben (z. B. ein Umweg oder ein technischer Fehler), lassen sich Rückbuchungen ganz einfach über die App anfragen und das Geld landet problemlos wieder im Wallet.

Auch die oftmalige Angst, als Tourist oder „Nicht-Einheimischer“ in touristisch geprägten Regionen vom Taxifahrer über den Tisch gezogen zu werden, ist völlig ausgeschlossen.

China zeigt uns jeden Tag, wie flüssig und intuitiv ein digitales Zahlungssystem sein kann, wenn es wirklich konsequent umgesetzt wird.

Heimatsgefühle schaffen

Neue Aufgaben

Am Anfang der Woche stand für mich ein wichtiger Termin an, bei dem es um die zukünftige Organisation der Frühstücksgruppe ging. Die aktuelle Leitung der Frühstücksgruppe kehrt im Januar zurück nach Deutschland, weshalb bereits seit längerem jemand gesucht wurde, der diese Aufgaben übernimmt. Beim letzten Frühstück hatten sich bereits zwei Personen dazu bereit erklärt und ich habe mich ebenfalls gemeldet.

An unserem Treffen in einem Café sammelten wir Ideen und Anregungen für künftige Veranstaltungen. Ich bin froh dass wir es jetzt am Anfang zusammen machen, da ich ja noch nicht so viele Locations hier kenne. Die beiden anderen werden voraussichtlich nur noch ein halbes Jahr bzw. ein Jahr in Peking bleiben. Für mich bedeutet das, dass ich die Gruppe am längsten begleiten werde. Sei es, indem ich die Leitung dann alleine übernehme oder jemand Neues der Interesse hat mit ins Boot hole.

Zu dritt bilden wir jetzt ein gutes Team und können die Aufgaben schön verteilen:

Cafés und Bars raussuchen, ausprobieren, Termine planen und in der WeChat-Gruppe teilen. Wenn möglich, sollte immer einer von uns beim Frühstück oder den „Breakfast goes out“-Events dabei sein. Zweimal pro Monat findet etwas statt, einmal morgens und einmal abends.

Der Aufwand ist überschaubar, aber ich freue mich, mithelfen zu können und Neuankömmlingen eine Möglichkeit zu bieten hier schnell Anschluss zu finden. Mir hat die Gruppe persönlich gut geholfen Kontakte zuknüpfen, deshalb ist es mir wichtig, dass sie weiterbesteht.

Happy Lunch im Büro

Diesen Donnerstag hatte Nico auf der Arbeit „Happy Lunch“. Jeder bringt etwas zu essen aus der Heimat mit und man isst gemeinsam als Team. Wir haben lange überlegt, was er mitbringen könnte, denn uns hätte vieles gefallen z.B. Knödel, Kartoffel-Karotten-Stamp, Fleischkäse etc.. Am Ende entschieden wir uns für Currywurst nach Hendriks Rezept.

Die größte Herausforderung war, die eingelegten Früchte und das richtige Currypulver für die Sauce zu bekommen. Wir haben es dann mit Trockenfrüchten gelöst, die wir in Wasser und Zucker weichgekocht haben. Nach einem Probeessen stand fest: Das wird’s! Und auch die Kollegen fanden es super.

Alle haben unglaublich viel und sehr abwechslungsreiches Essen mitgebracht: Jiaozi, Trauben, Schweineohren, Lamm, selbstbezogener Kürbis und vieles mehr. Am Ende war der Tisch reichlich und bunt gedeckt, voll mit unterschiedlichen Speisen aus verschiedenen Küchen. Gemeinsam zu essen, sich auszutauschen und miteinander zu lachen, machte das Mittagessen für Nico zu einem richtig schönen Moment im Arbeitsalltag.

Ein schöner Abend zu zweit

Um das Wochenende einzuläuten, sind wir am Freitagabend zum berühmten Houhai-See gefahren. Entlang des Wassers reiht sich eine Bar Street mit bunten Lichtern und Neon-Schildern – eine tolle Atmosphäre, nur leider war es etwas kalt und windig.

Da es dort überwiegend Streetfood gibt und kaum Innenbereiche, sind wir fürs Abendessen weitergegangen. Nach längerer vergeblicher Suche, ist mir dann ein Restaurant eingefallen, welches mir vor kurzem empfohlen wurde. Es liegt zufällig ganz in der Nähe des Sees in den angrenzenden Hutongs.

Der Weg führte uns durch eine unbeleuchtete, schmale Gasse, typisch für die besten Restaurants in Hutongs. Am Ende der Gasse erwartete uns ein liebevoll eingerichtetes kleines Restaurant mit einem Puzzle als Schild, was passenderweise auch der Name ist.

Der deutsche Besitzer und seine chinesische Kollegin begrüßten uns herzlich. Es gibt dort viele verschiedene europäische Gerichte. Wir entschieden uns für Flammkuchen, Flank-Steak und Ofenkartoffeln. Dazu gab es vorab Brot und gesalzene Butter in Puzzleform.

Wir hatten tolle Gespräche mit dem Besitzer, der seit fast zehn Jahren in China lebt und vor drei Jahren das Restaurant eröffnet hat. Einmal im Monat macht er außerdem einen Weinabend – den wir uns definitiv vormerken wollen. Es war ein schöner Start ins Wochenende.

Adventszeit in Peking

Diesen Sonntag begann die Adventszeit, für uns eine der stimmungsvollsten Zeiten des Jahres. Für Christen ist es die Vorbereitung auf Weihnachten, die Geburt Jesu Christi. Normalerweise verbinden wir diese Zeit mit Weihnachtsmärkten, Plätzchenbacken, Dekoration und gemeinsamen Stunden mit den Liebsten.

Aber wie fühlt sich der Advent in Peking an?

Da die Mehrheit der chinesischen Bevölkerung nicht religiös ist, ist Weihnachten kein gesetzlicher Feiertag. Nico muss eigentlich normal arbeiten. Nur der 25.12. ist bei Mercedes frei, aber eben nur firmenbedingt und am 26.12 hat er Urlaub eingereicht.

Dennoch versuchen wir hier in Weihnachtsstimmung zu kommen. Und diese Woche gab es einige Momente, die uns dieses Gefühl nähergebracht haben.

Weihnachtsmarkt in der Deutschen Botschaft

Für das Wochenende hatten wir schon vor einem Monat Tickets gekauft für den beliebten Weihnachtsmarkt. Dank des Helferlinks konnten wir sie sogar drei Wochen früher sichern, sonst sind sie über den regulären Verkauf innerhalb weniger Minuten ausverkauft.

Als wir ankamen, waren wir überrascht, wie viele Stände es gab. Zuerst drehten wir eine kleine Runde über den Markt und holten uns dann unseren ersten Glühwein am Siemens-Stand. Anders als gewohnt werden die Stände hier überwiegend von Firmen betrieben, nur einige wenige von Vereinen oder Privatpersonen.

Bei Mercedes bestellten wir unter dem Slogan „Eat the Best or Nothing“ einen Mini-Burger und ein Hotdog. Dann probierten wir an verschiedenen Firmenständen noch Elsässer Flammkuchen und Raclette-Kartoffeln. Wir teilten uns alles so blieb noch Platz für eine Waffel mit Sahne, Schokosauce und Puderzucker.

Neben dem ganzen leckeren Essen hatten wir vor allem richtig schöne Gespräche. Die Stimmung war warm, lebendig und fast so wie auf einem kleinen Weihnachtsmarkt zuhause. Deshalb beschlossen wir spontan, nach dem Markt noch weiterzuziehen. Wir suchten eine Bar aus, die direkt gegenüber von unserem Apartment liegt. Dort spielte eine englische Liveband Klassiker und etwas Rock, was der ganzen Atmosphäre eine richtig gute Energie gegeben hat. Die Stimmung erreichte ihren Höhepunkt, als ab 23 Uhr eine Rugby-Mannschaft dazustieß – laut, fröhlich, ausgelassen.

Um 1 Uhr machte sich Nico noch auf den Weg in die Disco, während ich wegen leichter Kopfschmerzen nach Hause ging. Trotzdem war es ein richtig schöner Abend, mit unvergesslichen Momenten, neuen Kontakten und einem kleinen Stück Weihnachtsgefühl hier in Peking.

Plätzchen backen

Am Sonntag haben wir unsere Weihnachtsplaylist angemacht und Plätzchen gebacken. Einige Zutaten waren schwer zu finden, deshalb haben wir uns dieses Jahr für Kokosmakronen ohne Oblaten, Hildaplätzchen, Vanillekipferl und Spritzgebäck entschieden.

Die Hildaplätzchen gelangen super, Nico stach die kleinen Sterne in der Mitte aus, ich rollte den Teig aus und stach die großen Sterne aus. Gefüllt mit Marmelade und bestäubt mit Puderzucker waren sie unsere ersten fertigen Leckereien.

Weiter ging es mit den Vanillekipferln. Beim Rollen riss der Teig etwas, aber irgendwie hat es mit etwas Mühe geklappt. Sie schmecken nur etwas anders als gewohnt.

Dann begann die Misere: Beim Kneten des Spritzgebäck-Teigs meinte Nico schon, dass er sich komisch anfühlt. Wir hofften, dass es nach dem Kühlen besser wird. Leider nicht, der Teig blieb krümelig und zu hart. Vermutlich lag es an der zweiten Mehlpackung, die wir verwendet hatten, Auch die Kokosmakronen wurden nicht so, wie sie sollten.

Trotzdem haben wir am Ende mehr als genug Plätzchen gehabt, sodass Nico auch noch ein paar mit zur Arbeit nehmen kann für seine Kollegen.

Weihnachtliche Dekoration in der Stadt

Auch wenn die meisten Menschen in China Weihnachten nicht feiern, sind viele Gegenden und Hotels wunderschön geschmückt. Lichter, große Figuren und festliche Installationen tragen für uns ein Stück zur Weihnachtsstimmung bei. Ein ungewohnter, aber schöner Mix aus westlichen Traditionen und chinesischer Interpretation.

In unserem Komplex ist das Motto der Weihnachts-Deko etwas verspielter. Neben der Wunderschön beleuchteten Einfahrt, schmücken niedliche Figuren mit großen Köpfen die Gebäude. Das ist natürlich vor allem für die Kinder ein echtes Highlight.

Auch in unserer Wohnung ist etwas Dekoration eingezogen: eine Lichterkette und zwei Nikolaussocken. Diese werden am 06.12. von uns gegenseitig gefüllt, um ein wenig Kindheits-Weihnachtsgefühl zu erleben.

Fazit: Advent in China – es ist anders, aber besonders.

Die Adventszeit in China fühlt sich anders an: weniger religiös, weniger traditionell, weniger allgegenwärtig. Und doch haben wir viele kleine Wege gefunden, die vertraute Stimmung herzustellen. Mit Rezepten von Zuhause, neuen Eindrücken, besonderen Menschen und Momenten, die uns verbinden.

Vielleicht ist es gerade dieses Mischung aus Fremdem und Vertrautem, die unsere Adventszeit hier besonders macht.

Fundstück November 2025

Manchmal findet man die spannendsten Eindrücke nicht in Tempeln, Museen oder an großen Sehenswürdigkeiten, sondern einfach auf der Straße.

So wie diese kleine Alltagssituation, über die ich heute gestolpert bin, als ich morgens gegen sieben Uhr mit Nico zur Haltestelle gelaufen bin.

Auf einem Gehweg in der Zhaofeng Street standen mehrere orangefarbene Metallgitter, Kartons in verschiedenen Größen und viele kleine elektrische Zustellfahrzeuge. Daneben sortierten mehrere Zusteller konzentriert und routiniert Pakete in große, schwarze Rollwagen.

In China läuft ein Großteil des Stadtlebens über Onlinebestellungen und die Logistik arbeitet im wahrsten Sinne des Wortes auf Hochtouren. Innerhalb von Sekunden kann man online eine Bestellung aufgeben und oftmals bekommt man die Bestätigung, dass die Zustellung am nächsten Tag geschieht. Aber was dahinter steckt, vergisst man in diesem Moment meistens.

Jeder Block hat seine eigene Mini-Verteilstation, oft einfach auf dem Gehweg. Dort liefert zuerst ein großes Sammelfahrzeug die Pakete für das ganze Viertel ab. Danach kommen die Fahrer nacheinander an, scannen ihre Pakete und sortieren ihre Ware ein. Als Nächstes laden sie die Ware in ihre Dreiräder; diese kleinen Fahrzeuge eignen sich perfekt für die engen Gassen und Hofanlagen. Anschließend machen sich alle Fahrer wieder auf den Weg, die Pakete an die wartenden Kunden auszuliefern.

Gerade an kälteren Tagen wirkt diese Szene noch beeindruckender:

Eingepackte Fahrer, die im Morgengrauen Pakete sortieren, bevor die Stadt überhaupt vollständig aufgewacht ist. Ein unscheinbarer Moment, der aber so viel über das Tempo und die Organisation dieser Metropole verrät.

Für mich ist es wieder eines dieser Fundstücke, die man leicht übersieht – die aber genau das Herz des Alltags zeigen, das hinter den Kulissen schlägt.

Ich finde es wichtig, solche Momente bewusst wahrzunehmen. Es erinnert mich daran, dass hinter jeder Lieferung, jedem Paket und jedem reibungslosen Ablauf Menschen stehen, die oft früh aufstehen, lange Wege zurücklegen und dabei unauffällig, aber unverzichtbar sind.

Xi‘an

Dieses Wochenende hat es uns in die Hauptstadt der chinesischen Provinz Shaanxi verschlagen.

Neben zahlreichen Sehenswürdigkeiten, die ich euch gleich noch genauer vorstellen werde, hat Xi’an vor allem eines: unglaublich viel Geschichte.

Die Stadt war unter der Qin-Dynastie die erste Hauptstadt des Kaiserreichs China und das nicht nur einmal. Auch während wichtiger Dynastien wie der westlichen Zhou, Qin, westlichen Han, Sui und Tang war Xi’an über viele Jahrhunderte politisches und kulturelles Zentrum des Reiches. Bereits im 7. Jahrhundert war sie eine Millionenstadt. Heute hat Xi’an eine Fläche von 10.097 km² und rund 12,95 Millionen Einwohner (Stand: Zensus 2020).

Kein Wunder also, dass es zu den beliebtesten Reisezielen in China zählt und mit seinen knapp 913 Kilometern Luftlinie von Peking perfekt für einen Wochenendtrip geeignet ist.

Anreise & unser erster Tag

Samstagmorgen um 04:00 Uhr klingelte der Wecker, wir machten uns voller Vorfreude fertig und bestellten ein Didi (Taxi) zum Flughafen. Die Fahrerin war ziemlich müde, ihr Fahrstil ließ uns etwas nervös werden, aber wir kamen sicher an. Beim betreten des Flughafen wird ein Abstrich an einer Stelle (Körper/Koffer etc.) pro Person gekommen, erst wenn dieser Drogentest negativ ausfällt darf man den Flughafen betreten.

Da wir nur mit Handgepäck reisen, sind wir direkt zum Security Check gegangen. Vom Eingang bis zu unserem Gate haben wir insgesamt nur 14 Minuten gebraucht, dass haben wir so schnell noch nie erlebt. In einem süß eingerichteten Café haben wir uns noch zwei Cappuccino gekauft und damit den Trip eingeläutet.

Das Boarding begann pünktlich und war nach 20 Minuten schon abgeschlossen. Somit konnten wir um 07:17 Uhr losfliegen. An jedem Platz stand bereits ein Wasser bereit und zum Essen gab es ein warmes Panini mit Hähnchenwurst und Käse, Maronen sowie Tee oder Kaffee. Außerdem ein Joghurt, welcher hier typischerweise mit Strohhalm getrunken wird. All dies ist im Flugpreis inklusive, aber wer möchte kann darauf verzichten und bekommt stattdessen Flugmeilen gutgeschrieben.

Nach 1 Stunde und 50 Minuten landeten wir und wurden anschließend in etwa einer Stunde zum Hotel gebracht. Der Check-in war bereits deutlich früher als geplant möglich, sodass wir direkt los konnten, um unsere Umgebung zu erkunden.

Unsere Unterkunft, das Novotel, liegt mitten im Herzen der Stadt, direkt am bekannten Glockenturm, also die perfekte Lage um Xi’an zu erkunden. Es liegt neben einem Theater und direkt dahinter ist eine Freilichtbühne, auf der an diesem Tag eine kostenlose öffentliche Aufführung stattfand.

Um 12:30 Uhr wurden wir von unserem englischsprachigen Tourguide abgeholt. Mit ihm ging es direkt zu DEM Highlight der Stadt:

Die Terrakotta-Armee

Im Mausoleum Qin Shihuangdis befindet sich die berühmteste Sehenswürdigkeit Xi’ans: die Terrakotta-Armee.

Chinas erster Kaiser, Qin Shihuang (259–210 v. u. Z.), ließ diese unterirdische Armee aus Tausenden lebensgroßen Kriegern errichten, als Wächter für sein Jenseits.

1974 wurde die Anlage zufällig entdeckt, als Bauern einen Brunnen graben wollten. Heute zählt sie zu den größten archäologischen Funden des 20. Jahrhunderts.

Und das Beeindruckendste: Keine einzige Figur gleicht der anderen.

Steht man vor diesen unzähligen Kriegern, die seit über 2000 Jahren unter der Erde standen, bleibt einem wirklich kurz die Luft weg. Ein absoluter Pflichtbesuch.

Unser nächster Stopp war der Huaqing Palace, ein historischer Ort am Fuße des Lishan-Bergs. Dort haben wir uns Tickets für die berühmte „Song of Everlasting Sorrow“-Show gebucht.

Wir holten unsere Tickets ab und hatten noch etwas Zeit, bis die Show um 18:30 Uhr begann. Wir stärkten uns in einem gemütlichen Restaurant mit Abendessen und entdeckten auf dem Weg dorthin einen schönen Platz mit beeindruckendem Brunnen.

Zurück bei der Show Location, durften wir noch die Parade sehen, gemeinsam mit dieser läuft man dann zu dem Einlass. Nachdem man die Sicherheitskontrolle erledigt hat, kann man gegen ein paar Schauspieler „Schere-Stein-Papier“ spielen. Für jede Person die man schlägt bekommt man eine Münze und wenn man gegen alle gewinnt bekommt man ein rotes Seiden-Tuch geschenkt.

Wir machten dann noch ein Foto mit den Hauptdarstellern der Show (Kaiser und Geliebte) und suchten unseren Plätze auf. Diese waren super zentral und boten uns die perfekte Aussicht auf die wahnsinnige Kulisse.

Das Tanzdrama basiert auf Bai Juyis Gedicht „Lied der ewigen Trauer“ und erzählt die tragisch-romantische Liebesgeschichte zwischen Kaiser Xuanzong und seiner Geliebten Yang Yuhuan – vom ersten Kennenlernen über glückliche Zeiten bis hin zur dramatischen Trennung und dem Wiedersehen im sagenumwobenen Penglai-Wunderland.

Die Show selbst ist unglaublich aufwendig inszeniert, mit Musik, Lichtern und Kulissen, die in die natürliche Landschaft eingebettet sind. Der Berg wurde beleuchtet mit Sternen, die Gebäude auf den Bergen leuchteten auf, Feuerwerke, Schnee und sogar fliegende Tauben. Eine wirklich eindrucksvolle Show, welche für uns das Highlight des Wochenende war.

Tag zwei & die Abreise

Der zweite Tag startete für uns ganz entspannt mit einem Frühstück im Hotel. Es gab überwiegend chinesisches Essen, aber auch Brot, Marmelade und Croissants. Danach checkten wir aus dem Hotel aus und konnten unsere Koffer dort untergestellt, damit wir den Tag voll nutzen konnten, ohne Gepäck hinter uns herzuziehen.

An diesem Tag wollten wir uns vor allem auf Xi’ans Stadtleben und seine historischen Highlights konzentrieren.

Unser erster Stopp war die Großen Wildganspagode, einem der wichtigsten buddhistischen Bauwerke Chinas. Die Anlage strahlt eine wunderbare Ruhe aus und bietet einen spannenden Kontrast zur lebendigen Stadt drumherum. Die 7-stöckige Pagode wurde errichtet, um die buddhistischen Schriften und Statuen aufzubewahren, die der Mönch Xuanzang aus Indien zurückbrachte.

Danach führte uns der Weg zur Stadtmauer, eine der am besten erhaltenen Chinas. Sie ist nahezu vollständig intakt und zieht sich in einem Rechteck von etwa 13–14 km um die Altstadt – perfekt für eine Fahrradtour!

Wir entschieden uns für ein Tandem. Leider konnten die Sitze nicht eingestellt werden, aber Spaß hatten wir trotzdem jede Menge. Hoch über den Straßen zu radeln, den Blick über Dächer, Türme und Parks schweifen zu lassen, war einmalig.

Im Anschluss besuchten wir das Muslimische Viertel, dass zur Zeit der Tang-Dynastie entstand, als Handelsrouten Händler und Muslime zusammenbrachten. Die Straßen sind voller Essenstände, Gewürze, Musik und Händler. Wir probierten regionale Spezialitäten und ließen uns von der Atmosphäre treiben.

Unser letzter Programmpunkt war der Glocken- und Trommelturm, zwei Wahrzeichen mitten im Herzen der Stadt. Die Glocken dienten früher zur Zeitansage und als Alarm, die Trommeln als Pendant abends zur Zeitangabe. Heute sind darin Ausstellungen und sie werden als Foto-Kulisse genutzt.

Da wir noch etwas Zeit hatten haben wir noch die traditionellen Biang Biang Nudeln gegessen, dies sind sehr breite, handgezogene Nudeln typisch mit würziger Chili- Knoblauch-Essig-Sauce, Gemüse und Fleisch. Danach kauften wir uns noch ein paar Souvenirs, holten unsere Koffer im Hotel ab und machten uns auf zum Flughafen.

Unser Rückflug mit Air China startete um 18:50 Uhr. Wie üblich bei der Airline , gab es eine warme Mahlzeit an Bord. Ein kleines, aber feines Detail, das wir beide super finden, weil man nach der Landung nicht mehr überlegen muss, was man noch essen soll. Gegen 20:45 Uhr landeten wir wieder in Peking, nahmen ein Didi nach Hause und waren etwas müde, aber sehr erfüllt von unserem kleinen Wochenendtripp.

Leider reichte die Zeit diesmal nicht, den berühmten Hua Shan zu besuchen, einer der heiligen Berge Chinas mit spektakulären Granitwänden, mehreren Gipfeln und Wanderwegen, die fast in den Himmel führen. Viele schwärmen vom Sonnenaufgang dort oben, andere vom legendären „Plank Walk“, der wohl spannendsten Himmelsleiter Chinas.

Ein Grund mehr, noch einmal nach Xi’an zurückzukommen.

Um euch Xi’an noch etwas lebendiger zu zeigen, habe ich ein kleines Video zusammengestellt. Darin seht ihr einige der Highlights unserer Reise und bekommt einen visuellen Eindruck von Eindrücken und Emotionen, die in Worten nur schwer zu beschreiben sind.

Zwischen Alltag und Abenteuer

Der perfekte Wocheneinkauf

Vor einer Weile wurde mir ein lokaler Lebensmittelmarkt empfohlen, auf dem man frisches Gemüse, Obst, Fleisch und Fisch kaufen kann. Da mich die chinesische Küche und ihre Lebensmittel sehr interessiert, war ein Besuch auf diesem natürlich Pflicht. Begleitet wurde ich von einer meiner neuen Freundinnen.

Mein Weg dorthin war schon ein Highlight: durch einen kleinen Park mit herbstlich gelben und orangenen Blättern, die Sonne schien, alles wirkte so richtig schön herbstlich.

Der Markt selbst ist eine überdachte Markthalle, richtig lebendig und bunt: Gemüse, Obst, Fleisch, Fisch, frische Nudeln, getrocknete Getreideprodukte, Tee und sogar kleine Essensstände an denen man direkt etwas snacken kann. Alles super frisch! Besonders beeindruckend fand ich die Fisch- und Meeresfrüchte-Abteilung: hier gibt es nicht nur Lachsfilets, sondern auch lebende Fische und Krabben, die man direkt auswählen kann. Alles zappelt, krabbelt oder zittert– definitiv ein Erlebnis!

Beim Fleisch ist es ähnlich: man wählt einfach das gewünschte Stück aus, welches direkt vor den eigenen Augen herausgeschnitten wird.

Wir haben uns zuerst etwas treiben lassen und dann versucht unsere Einkaufsliste abzuarbeiten. Am Stand sagt man was man möchte und wie viel. Bei Obst kann man sich die Stücke oft selbst aussuchen, bei Fleischwaren ziehen die Verkäufer Handschuhe an und packen es hygienisch für einen ab. Danach wird alles gewogen, man scannt einen QR-Code und bezahlt direkt mit dem Handy. Am Anfang war es noch etwas ungewohnt, aber nach ein paar Ständen hatten wir den Dreh raus und verstanden gut, wie alles abläuft.

Besonders schön war, dass wir ein paar interessante Begegnungen mit Einheimischen hatten: An zwei, drei Ständen wurden wir gefragt, woher wir kommen. Die Menschen waren super freundlich, offen und neugierig. Bereits auf der Bahnfahrt hatte ich ein junges Mädchen neben mir, das versuchte, mir auf Chinesisch und Englisch Fragen zu stellen. Wir konnten uns zwar nur rudimentär verständigen, aber ich fand es super schön, wie interessiert sie war. Für mich ein Ansporn noch besser chinesisch zu lernen!

Am Ende waren wir sehr zufrieden: für umgerechnet 13,92 Euro hatte ich eine riesige Auswahl an frischem Gemüse und Obst gekauft. Der Marktbesuch lohnt sich definitiv, nicht nur wegen der Frische der Produkte, sondern auch wegen der lebendigen Atmosphäre und der kleinen Begegnungen mit Einheimischen. Ich werde ab sofort regelmäßig hier einkaufen gehen.

Unser erster Arztbesuch in Peking

Am Dienstagmorgen stand bei uns mal ein etwas anderer „Ausflug“ auf dem Plan: ein Arztbesuch. Nico hatte seit Montagmorgen starke Rückenschmerzen. Am Abend ist er bereits zur Massage gegangen, in der Hoffnung, dass es sich nur um eine einfache Verspannung handelt. Doch danach spürte er kaum Besserung und über Nacht wurden die Schmerzen sogar noch stärker, sodass er sich morgens nur noch eingeschränkt bewegen konnte. Also haben wir beschlossen, die Situation ärztlich beurteilen zu lassen.

In Peking ist das Buchen von Arztterminen sehr unkompliziert. Alles läuft online. Man kann gezielt nach Ärzten suchen, die auf ein bestimmtes Gebiet spezialisiert sind und auch die Sprache filtern. In unserem Fall suchten wir also gezielt einen Orthopäden und Rücken-Spezialisten, der Englisch spricht.

Ich habe also einen Arzt gefunden, der noch einen freien Termin um 9 Uhr im United Family Hospital hatte, etwa 20 Minuten von uns entfernt. Bereits online konnten wir unsere Daten hochladen: Krankenkarte, Pass und eine kurze Beschreibung der Symptome. So war der Arzt beim Eintreffen bereits vorbereitet und wir mussten vor Ort kaum noch Papierkram erledigen.

Mit einem Didi (Taxi) fuhren wir zum Krankenhaus. An der Rezeption wurde kurz überprüft, bei welchem Arzt wir sind und welcher Termin gebucht war. Dann wurde der Pass gescannt, um eine Mitgliedsnummer zu vergeben, dies erleichtert zukünftige Besuche. Schon nach wenigen Minuten konnten wir zum Arzt gehen.

Der Termin begann pünktlich um 9 Uhr. Nach einer kurzen Befragung zu den Symptomen und einer Untersuchung meinte der Arzt, dass es sich wahrscheinlich um ein Problem mit Muskeln oder Nerven handele, wollte aber sicherheitshalber ein Röntgenbild machen.

Für das Röntgen wurde Nico von einem Mitarbeiter in einem rollbaren Stuhl abgeholt, sodass er nicht laufen musste. Vom Gebäudewechsel bis zur Umkleide und zum Röntgen lief alles wie am Schnürchen, ohne Wartezeiten. Zwei Aufnahmen später- fertig.

Zurück beim Arzt: die Röntgenbilder waren zum Glück unauffällig. Anschließend nahm sich der Arzt ausgiebig Zeit (mindestens 20 Minuten), um Nico mit Lockerungsübungen, Druckpunktmassagen und gezielten Übungen für zu Hause zu behandeln. Ein Folgetermin wurde direkt vereinbart, zudem erhielten wir ein Rezept, das wir sofort in der Apotheke im selben Gebäude einlösen konnten.

Nach der Apotheke kauften wir uns noch einen Kaffee am Eingang und fuhren zurück nach Hause. Die Abrechnung erfolgt direkt mit der Krankenkasse, alles sehr einfach und unkompliziert. Nico konnte sich frisch machen, Wärmepflaster aufkleben, frühstücken und dann gestärkt wieder zur Arbeit gehen.

Der Besuch im United Family Hospital war ein echter Einblick in die moderne medizinische Versorgung in Peking: hell, sauber, effizient und patientenfreundlich. Von der Online-Buchung über den Check-in bis zur Behandlung und Medikamentenabholung läuft hier alles reibungslos. Was mich wirklich beeindruckt hat: keine langen Wartezeiten, selbst für Röntgen oder MRTs. Alles befindet sich unter einem Dach: Arzt, Röntgen, Apotheke. Nach dem Besuch verlässt man das Krankenhaus quasi „fertig versorgt“. So effizient, unkompliziert und professionell habe ich einen Arztbesuch selten erlebt.

Kunst und Geschichte

Auf Empfehlung von Nico bin ich zur 798 Art Zone in Peking gefahren, einem riesigen Areal im Nordosten Pekings (Chaoyang, Dashanzi). Dort war in den 1950er Jahren ein Fabrikgelände, entworfen mit Hilfe der DDR. Mit der Zeit haben Künstler diese leerstehenden Hallen gemietet und zum heutigen, kreativen Hotspot voller Galerien, Werkstätten, Cafés und riesiger Außenskulpturen entwickelt.

Ich bin den ganzen Vormittag ohne Plan durch die Gassen geschlendert. Mal tauchte plötzlich eine meterhohe Statur auf, mal ein buntes Wandbild, mal eine kleine Metallwerkstatt, in der Mini-Eisenbahnen, Motorräder oder Skulpturen gefertigt werden.

Dazwischen Cafés, Designläden, Schmuckboutiquen und Handwerksstudios mit Keramik, Mode oder selbst bemalten Tellern.

Ein Ort, an dem man stundenlang herumstöbern kann, ohne dass es langweilig wird.

Besonders fasziniert haben mich die kleinen Keramikläden.

Bei einem Laden stand vor dem Geschäft eine kleine Auswahl. Ich blieb stehen, schaute mich um und der Besitzer bemerkte schnell, dass ich Interesse habe. Er hat mich freundlich hereingebeten und im nächsten Moment wurde ich schon von einem neugierigen Hund begrüßt. Voller Begeisterung. Voller Liebe. Mein Herz zerbrach etwas, da ich ihn nicht streicheln konnte, da man leider nie genau weiß, wie der Gesundheitszustand der Tiere ist. Unser Arzt sowie der Werksarzt rieten uns daher zur kompromisslosen Vorsicht.

Eigentlich wollte ich direkt mit dem Taxi (Didi) zurückfahren. Aber als ich gesehen habe, wie der Verkehr stand, bin ich lieber noch etwas gelaufen.

Auf einer Fußgängerbrücke hatte ich dann diesen typischen Peking-Moment: Gebäude, Autos, Lichter, eigentlich nichts Besonderes. Aber zusammen ergibt es dieses echte Großstadtgefühl, das gleichzeitig überwältigend und beruhigend ist.

Ein paar Straßen weiter kam ich an einem Fluss vorbei. Die hängenden Bäume spiegelten sich im Wasser und für ein paar Minuten war einer dieser intensiven Pekinger Sonnenuntergänge: warm, orange, kräftig, fast schon magisch.

Ich liebe diese kurzen Momente hier, die einen komplett einfangen und alles entschleunigen.

Hike „Gubeikou Great Wall

Am Sonntag haben wir eine geführte Wanderung entlang der Chinesischen Mauer gebucht – Nicos erste Wanderung in China und mein erstes Mal an der Mauer. Treffpunkt war um 7:30 Uhr, wo wir von dem Tour-Bus eingesammelt wurden. Gemeinsam mit fünf weiteren Personen und einer Freundin fuhren wir ca. zwei Stunden zum Startpunkt.

Die Tour führte uns in den Panlongshan-Abschnitt der Gubeikou Great Wall.

Gestartet sind wir in der Nähe eines kleinen Dorfes. Von dort beginnt ein Bergpfad, der uns zur oberen Sektion der Großen Mauer von Gubeikou führte. Der Aufstieg war nicht besonders schwierig, da er mit gut erhaltenen Treppen versehen ist. Oben angekommen standen wir bereits fast am höchsten Punkt der gesamten Tour.

Der tatsächliche höchste Punkt ist der 24-Eyes Tower. Wir folgten der Mauer weiter bergauf und wurden mit weiten Ausblicken auf die umliegenden Berge und weitere Mauerabschnitte belohnt. Der Turm ist der höchste und einer der größten auf dem Panlongshan-Abschnitt, auch bekannt als „Coiling Dragon Mountain“. Seinen Namen verdankt er ursprünglich den 24 Fenstern: sechs auf jeder der vier Seiten. Heute stehen allerdings nur noch zwei Seiten, da der Turm über die Jahre, unter anderem während eines Gefechts in den 1930er-Jahren zwischen chinesischen und japanischen Truppen, stark beschädigt wurde.

Nach einer kurzen Pause wanderten wir weiter die Mauer hinunter in Richtung des Nordtors von Gubeikou. Der Weg führte größtenteils direkt auf der Mauer entlang, vorbei am Haowang Tower und später am General’s Tower. Kurz hinter diesem Turm bogen wir auf einen Seitenpfad ab, um über schmale Hügelwege wieder zur alten Stadtmauer von Gubeikou zu gelangen. Auf dieser letzten Mauerpassage wanderten wir schließlich bis zum Nordtor, einem eindrucksvollen, bogenförmigen Tor in der Mauer.

Vom Nordtor stiegen wir ins Dorf hinab und beendeten den Tag mit einem großzügigen, wohlverdienten Essen in einem lokalen Dorfrestaurant.

Wie in China üblich, gab es viele Gerichte, die auf den Tisch gestellt werden. Jeder kann sich das nehmen, was er möchte, alles wird geteilt. Zu trinken gab es Bier, Jasmintee und chinesische Limonaden. Mit netten Gesprächen und gutem Essen ließen wir die Wanderung ausklingen.

Danach fuhren wir wieder zweieinhalb Stunden zurück in die Stadt und fielen nach einer Dusche glücklich ins Bett. Wir sind dankbar, so etwas erleben zu können und freuen uns auf weitere Wanderungen.