Eindrücke aus dem Nordosten Chinas rund um eine besondere Hochzeit

Sanjiabei Great Wall

Bevor es für uns über das verlängerte Mai-Wochenende auf Reisen ging, stand noch ein besonderes Highlight in Peking an: Endlich ging es wieder mit der Patengruppe auf eine gemeinsame Wanderung. Da ich bei der letzten Tour im Urlaub war, habe ich mich umso mehr darauf gefreut, alle wiederzusehen.

Dieses Mal führte uns der Weg zur Sanjiabei Great Wall und die Landschaft zeigte sich von einer ganz neuen Seite. Die Berge erstrahlten in sattem Grün, die Bäume hatten endlich wieder Blätter und so wirkte auch die Mauer ganz anders als noch vor ein paar Wochen. Zusammen mit dem Sonnenschein und der klaren Sicht war es wirklich ein perfekter Tag für eine Wanderung.

Insgesamt sind wir rund 9 Kilometer gelaufen, davon etwa 6 Kilometer direkt auf der Mauer. Durch das ständige Auf und Ab kamen am Ende knapp 20.000 Schritte zusammen. Die Gruppe war super und die Stimmung durchweg entspannt, einfach eine rundum gelungene und unvergessliche Wanderung.

Am Donnerstagmorgen ging es dann für uns weiter in Richtung verlängertes Mai-Wochenende rund um den 1. Mai, dem internationalen Labour Day. Da die Hochzeit bereits am Feiertag stattfand, haben wir uns entschieden, schon einen Tag früher anzureisen, um alles entspannt angehen zu können.

Kaiyuan – Eine Kleinstadt mit ca. 450.000 Einwohner

Unsere Weiterreise führte uns mit dem Schnellzug von Peking nach Kaiyuan. Für die rund 800 Kilometer brauchten wir gerade einmal 4 Stunden und 13 Minuten. Eine Strecke, für die man in Deutschland vermutlich deutlich länger unterwegs wäre. Mit ein paar Folgen Der Bergdoktor und guter Verpflegung verging die Zeit aber wie im Flug.

In Kaiyuan angekommen, wurden wir direkt vom Brautpaar empfangen und gemeinsam mit Taxis zum Hotel gebracht. Nach dem Einchecken zog es uns erstmal nach draußen. Nach der langen Zugfahrt ist ein Spaziergang genau das richtige, also machten wir uns auf den Weg zum botanischen Garten der Stadt.

Kaiyuan gilt mit seinen rund 450.000 Einwohnern zwar als Kleinstadt, wirkte im Vergleich zu Peking deutlich ursprünglicher, weniger modern und vor allem überhaupt nicht touristisch. Genau deshalb waren wir dort auch eine kleine Attraktion. Immer wieder wurden wir fotografiert, mal mit Nachfrage, mal ganz spontan. Das Interesse war groß, oft wurden wir auf Chinesisch angesprochen und gefragt, woher wir kommen. Englisch sprach hier kaum jemand, selbst im Hotel war die Verständigung nicht immer einfach.

Auch sonst merkt man schnell, dass die Stadt anders tickt. Rauchen ist allgegenwärtig, drinnen wie draußen, viele Hotelzimmer sind noch klassische Raucherzimmer. Auch beim Thema Sicherheit gibt es Unterschiede: Anschnallen ist hier eher die Ausnahme, teilweise sind die Gurte sogar so fixiert, dass kein Warnton ertönt, wenn man unangeschnallt ist. Insgesamt fühlte es sich ein bisschen an wie eine Zeitreise, als würde man 20 oder 30 Jahre zurückblicken.

Im Park selbst genossen wir die Ruhe und die frische Luft, bevor es zurück ins Hotel ging, um uns für den Abend fertig zu machen.

Da bereits viele Gäste angereist waren, trafen wir uns alle gemeinsam zum Abendessen in einem Restaurant. Gegessen wurde in separaten Räumen an den typischen runden Tischen mit drehbarer Platte. Die verschiedenen Gerichte werden in die Mitte gestellt und jeder bedient sich nach Belieben.

Auch die Trinkkultur spielt dabei eine wichtige Rolle. Der Älteste am Tisch eröffnet traditionell die erste Runde und gibt damit den Ton für den Abend vor. Beim Anstoßen achtet man darauf, das eigene Glas etwas tiefer zu halten als das des Gegenübers – ein Zeichen von Respekt. Niemand wird zum Trinken gezwungen, aber zumindest ein kleiner Schluck gilt als höfliche Geste.

Kulinarisch war der Abend eine spannende Mischung und überraschend nah an der deutschen Küche. Es gab Gerichte, die an Sauerkraut erinnerten, gekochte Schweinshaxe, Kartoffeln, Gemüse und Fisch. Natürlich durften auch Dumplings nicht fehlen. Insgesamt ist die Region weniger für scharfes Essen bekannt, sondern eher für herzhafte, wärmende Gerichte wie Schmortöpfe, was bei den kalten Wintern hier gut nachvollziehbar ist.

Nach dem Essen wollten wir noch etwas unternehmen, stellten aber schnell fest, dass das Nachtleben hier eher überschaubar ist. Was uns allerdings schon auf der Fahrt aufgefallen war: Überall gibt es Billardcafés. Laut Trish (die Braut), die aus Kaiyuan stammt, ist das eine der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen vor Ort. Also schlossen wir uns dem an und spielten ein paar Runden Billard.

Nachdem das Brautpaar noch mit den Vorbereitungen und Proben für den großen Tag fertig war, ließen wir den Abend später gemeinsam im Hotel ausklingen, bevor es für uns ins Bett ging.

Hochzeit Trish und Dominik

Am nächsten Morgen stand schließlich der eigentliche Anlass unserer Reise an: die Hochzeit zweier Freunde. Traditionell wird in China am Vormittag geheiratet und dabei spielt die genaue Uhrzeit eine wichtige Rolle, da sie eine Glückszahl enthalten soll.

So machten wir uns bereits um 9:45 Uhr auf den Weg zur Location. Noch vor Beginn der Trauung wurden Fotos vom Brautpaar sowie mit den Gästen gemacht, bevor anschließend alle zu ihren Plätzen geführt wurden. Wir „Laowais“, also die ausländischen Gäste, saßen gemeinsam mit einigen Freunden aus Peking und Kaiyuan in der ersten Reihe. Rechts davon war die Familie platziert, dahinter weitere Bekannte und entferntere Gäste. Insgesamt waren etwa 140 Personen anwesend.

Die Zeremonie begann um 10:58 Uhr, bewusst gewählt wegen der Glückszahlen 5 und 8. Eröffnet wurde sie mit einem Feuerwerk, das draußen vom Vater der Braut gemeinsam mit Freunden gezündet wurde. Im Saal selbst sah man davon nichts, hörte jedoch die lauten Knallgeräusche. Die Moderatorin, eine Schulfreundin der Braut, erklärte parallel den Ablauf und kündigte damit den offiziellen Beginn an. Sie führte zweisprachig durch die Zeremonie, erst auf Chinesisch und anschließend auf Englisch.

Der Bräutigam wartete bereits vorne auf der Bühne mit dem Blumenstrauß, während die Eltern an ihren Plätzen saßen. Die Braut stand am Eingang des Saals, links von ihr ihre Trauzeuginnen, rechts die Trauzeugen des Bräutigams. Zunächst wurde der Bräutigam von der Moderatorin angesprochen und gefragt, ob er bereit sei und wie er sich fühle. Danach durfte er zur Braut gehen und gemeinsam mit ihr, begleitet von Musik und gefolgt von den Trauzeugen, zur Bühne laufen.

Dort angekommen wurden einige Worte gesprochen, die Ringe übergeben und anschließend das Ehegelübde vorgetragen. Der Bräutigam sprach zunächst ein paar Sätze auf Chinesisch und wiederholte sie dann auf Englisch. Die Braut hielt ihr Gelübde ebenfalls zweisprachig und überraschte zusätzlich mit ein paar Worten auf Deutsch.

Im Anschluss trat der Trauzeuge des Bräutigams auf die Bühne. Er übersetzte das Gelübde noch einmal vollständig ins Chinesische und hielt anschließend selbst eine zweisprachige Rede. Er ist Deutscher, lebt jedoch seit neun Jahren in China und spricht entsprechend gut Chinesisch.

Danach wurden die Eltern auf die Bühne gebeten. Jeder hielt eine kurze Rede in seiner jeweiligen Sprache. Anschließend erhielten alle ein Glas, gefüllt mit Cola, stießen gemeinsam an und tranken darauf. Danach richteten Braut und Bräutigam noch persönliche Worte an ihre Schwiegereltern.

Mit einem Kuss endete schließlich die Zeremonie und das frisch verheiratete Paar verließ die Bühne. Insgesamt dauerte der offizielle Teil nur etwa 30 Minuten.

Direkt im Anschluss wurde das Essen serviert. Währenddessen zog sich das Brautpaar um und erschien später in traditioneller chinesischer Kleidung erneut im Saal. Sie gingen von Tisch zu Tisch, bedankten sich persönlich bei den Gästen und erkundigten sich, ob alles in Ordnung sei.

Dabei wurde gemeinsam angestoßen, meist mit Schnaps oder Bier und die Gäste überreichten ihre Geschenke in Form von Geld in einem roten Umschlag, dem sogenannten „Hongbao“. Dieser wird traditionell mit beiden Händen an die Braut übergeben, als Zeichen von Respekt.

Nach dem Essen leerten sich die Tische überraschend schnell. Am Ende waren nur noch unsere wenigen Tische besetzt. Uns wurde erklärt, dass die Veranstaltung um 13 Uhr endet, da der Saal im Anschluss direkt für die nächste Feier vorbereitet wird.

Es war sehr spannend, eine chinesische Hochzeit einmal selbst mitzuerleben. Gleichzeitig wirkte sie auf mich strukturierter und kürzer, als man es von Hochzeiten in Deutschland kennt.

Da viele internationale Gäste angereist waren und der Bräutigam selbst Deutscher ist, sollte der Tag nach der kurzen Zeremonie noch nicht enden. Deshalb trafen wir uns nach einer kleinen Pause von etwa vier Stunden erneut, diesmal zu einem gemeinsamen Abendessen mit anschließender Feier in einer Bar.

Die Bar hatte eine ganz besondere Bedeutung, denn dort arbeitet die Mutter der Braut. Außerdem wurde dort selbst gebrautes Bier ausgeschenkt. Besonders gut geschmeckt haben mir der Apple Cider und ein fruchtiges Berry Beer.

Neben den Getränken gab es auch reichlich Essen. Ein echtes Highlight waren die hausgemachten Dumplings der Mutter der Braut, die wirklich hervorragend waren.

Für Unterhaltung sorgten die Trauzeugen mit verschiedenen Spielen, die teilweise den ganzen Abend über liefen. Besonders witzig war das Hochzeits-Bingo: Auf den Karten standen typische Situationen wie „jemand tanzt viel zu ernst“ oder „jemand verschüttet ein Getränk“. Wer zuerst eine Reihe voll hatte und „Bingo“ rufen konnte, gewann ein gemeinsames Essen mit dem Brautpaar.

Ein weiteres Spiel war der Klassiker mit den Schuhen und den Fragen. Allerdings wurde hier auch das Publikum mit einbezogen. Wir durften vorab abstimmen, indem wir je nach Antwort die linke Hand für die Braut oder die rechte Hand für den Bräutigam hoben, bevor das Paar selbst antwortete. Das hat für viele lustige Momente gesorgt.

Insgesamt war es ein sehr gelungener Abend mit vielen netten Gesprächen, viel Lachen und einem schönen Abschluss für eine unvergessliche Hochzeit.

Shenyang – Hauptstadt der Provinz Liaoning

Am Tag nach der Hochzeit machten wir uns mit dem Zug auf den Weg nach Shenyang, der Hauptstadt der Provinz Liaoning, in der auch Kaiyuan liegt. Die Fahrt dauerte nur etwa 30 Minuten, sodass wir uns bewusst dafür entschieden hatten, das Wochenende noch vor Ort zu nutzen. Einige Gäste traten bereits die Heimreise an, andere so wie wir blieben noch ein wenig länger, um die Region besser kennenzulernen.

Shenyang zählt mit rund 9 Millionen Einwohnern zu den größeren Städten im Nordosten Chinas und gilt als wichtiges Industrie- und Kulturzentrum. Gleichzeitig blickt die Stadt auf eine lange Geschichte zurück und spielte insbesondere während der Qing-Dynastie eine bedeutende Rolle.

Unser erster Stopp war der Shenyang Imperial Palace, auch bekannt als Mukden-Palast. Er wurde im 17. Jahrhundert erbaut und diente als frühe Residenz der Qing-Kaiser, bevor die Hauptstadt nach Peking verlegt wurde. Heute gehört die Anlage zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist nach der Verbotenen Stadt in Peking eine der bedeutendsten kaiserlichen Palastanlagen Chinas.

Allerdings entschieden wir uns an diesem Tag, den Palast nur von außen zu betrachten. Durch die Feiertage rund um den 1. Mai war die Stadt extrem voll und besonders an touristischen Orten herrschte ein regelrechter Ausnahmezustand.

Auf unserem Weg dorthin fielen uns neben den oft kunstvoll gestalteten Gullideckeln auch einige beeindruckende Gebäude ins Auge. Besonders auffällig war ein großes Gebäude, das sich bei näherem Hinsehen als Feuerwehrstation entpuppte – modern, imposant und gleichzeitig überraschend gut in das Stadtbild integriert.

Weiter ging es für uns zur Nanguan-Kirche, einer der bekanntesten katholischen Kirchen in Shenyang. Sie wurde ursprünglich im 19. Jahrhundert erbaut und zählt zu den größten Kirchen im Nordosten Chinas. Die Architektur hebt sich deutlich vom sonst eher traditionellen Stadtbild ab und zeigt, wie stark auch westliche Einflüsse in bestimmten Regionen Chinas vertreten sind.

Im Anschluss liefen wir noch ein Stück durch die Straßen und kamen dabei an einem lokalen Markt vorbei. Danach legten wir eine kleine Pause ein, gönnten uns einen Kaffee und beobachteten einfach ein wenig das Geschehen um uns herum.

Unser letzter Stopp des Tages war eine Einkaufsstraße. Mit modernen Gebäuden und vielen bekannten Weltmarken, ein Kontrast zu den kulturellen Gebäuden.

Anschließend machten wir uns mit dem Taxi auf den Weg zum Bahnhof. Leider verpassten wir unseren ursprünglich geplanten Zug und mussten spontan umbuchen. Die Wartezeit nutzten wir, um noch etwas essen zu gehen und uns ein kleines Andenken zu kaufen, eine Espressotasse für unsere Sammlung. Als kleine Überraschung bekamen wir sogar noch einen Magneten geschenkt, was unsere Stimmung nach dem verpassten Zug direkt wieder deutlich verbessert hat.

Zurück im Hotel fielen wir ziemlich müde ins Bett, denn am nächsten Morgen ging es für uns schon früh weiter zum nächsten Stopp unserer Reise: den Changbai Mountains. Mehr dazu gibt es dann im nächsten Blog.

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