Fundstück Mai 2026

Wasserzapfstelle am Straßenrand 🚰

Dieses Fundstück haben wir eher zufällig entdeckt, bei einem Spaziergang in Kaiyuan in der Provinz Liaoning. Mitten am Straßenrand stand plötzlich dieses riesige rote Metallgestell, das irgendwie aussah wie eine Mischung aus Hydrant, Industrieanlage und Tankstelle.

Während ich noch gerätselt habe, was dieses Gerät eigentlich sein könnte, hatte Nico die Vermutung, dass es etwas mit der Wasserversorgung zu tun haben muss. Und tatsächlich lag er damit genau richtig.

In dieser Region haben wir diese Anlagen plötzlich immer wieder gesehen. Als wir einige Tage später mit dem Auto Richtung Changbai Mountain gefahren sind, sogar mehrfach in Benutzung. Da wurde uns klar, dass das kein einzelnes kurioses Objekt ist, sondern Teil der ganz normalen Infrastruktur hier.

Bei dem Gerät handelt es sich um eine öffentliche Wasserentnahmestelle. Sie wird vor allem von Tankwagen, Straßenreinigungsfahrzeugen oder Fahrzeugen zur Bewässerung genutzt. Die Konstruktion ist dabei erstaunlich simpel und gleichzeitig ziemlich praktisch: Fahrzeuge können direkt darunterfahren und Wasser aufnehmen, ohne komplizierte Anschlüsse oder lange Wege.

Gerade in Städten oder Regionen mit viel Straßenreinigung, Bewässerung oder Baustellen ist das natürlich unglaublich effizient. Wege werden verkürzt, Wasser kann flexibel aufgenommen werden und die Fahrzeuge müssen nicht jedes Mal zu einem zentralen Betriebshof zurückfahren.

Besonders interessant fanden wir dabei, wie selbstverständlich solche Anlagen hier mitten im öffentlichen Raum stehen. In Deutschland würde man technische Infrastruktur dieser Art wahrscheinlich eher hinter Zäunen, auf Betriebshöfen oder in Industriegebieten vermuten. Hier dagegen gehört sie einfach zum Straßenbild dazu. Niemand scheint ihr besondere Aufmerksamkeit zu schenken außer vermutlich wir, die erst einmal rätselnd davorstanden.


Natürlich gibt es ähnliche Systeme auch in Deutschland, allerdings meist deutlich unscheinbarer. Öffentliche Hydranten oder Wasseranschlüsse für Straßenreinigung und Feuerwehr existieren natürlich ebenfalls. Früher gab es in manchen Regionen sogar öffentliche Wasserpumpen oder Zapfstellen, insbesondere in Dörfern oder älteren Stadtvierteln.

Der Unterschied liegt heute aber vor allem darin, wie sichtbar Infrastruktur gestaltet wird. Während man in Deutschland und mittlerweile auch in vielen chinesischen Metropolen versucht, technische Anlagen möglichst zu verstecken oder optisch anzupassen, scheint in kleineren Städten hier häufig noch der praktische Nutzen im Vordergrund zu stehen: Es muss funktionieren und leicht erreichbar sein.

Gerade dieser Unterschied ist uns zwischen kleineren Städten und Metropolen in China immer wieder aufgefallen. In Kaiyuan oder generell außerhalb der großen Zentren sieht man Infrastruktur oft noch sehr direkt und offen. Rohre, Leitungen, Wasseranschlüsse oder technische Anlagen werden nicht zwangsläufig verkleidet oder „verschönert“ sie sind einfach Teil des Alltags. Funktion steht hier häufig klar über Design.

In modernen Großstädten wie Peking verändert sich das allerdings zunehmend. Dort verschwindet Infrastruktur immer mehr aus dem sichtbaren Stadtbild. Ähnlich wie in europäischen Großstädten wird Wert auf ein modernes, aufgeräumtes und ästhetisches Erscheinungsbild gelegt. Große freistehende Wasserzapfstellen wie in Kaiyuan passen dort immer weniger hinein. Stattdessen werden viele Systeme unterirdisch verbaut, hinter Verkleidungen versteckt oder deutlich unauffälliger gestaltet.

Natürlich spielt dabei auch das Geld eine große Rolle. In wirtschaftlich starken und touristisch wichtigen Regionen wird enorm viel investiert. Straßen, Versorgungssysteme und öffentliche Infrastruktur werden modernisiert, um Städte moderner, sauberer und internationaler wirken zu lassen. In kleineren oder weniger touristischen Regionen dagegen liegt der Fokus häufig stärker auf Funktionalität. Solange eine Anlage zuverlässig arbeitet, besteht oft kein dringender Grund, sie teuer umzubauen oder optisch anzupassen.

Genau das macht solche Orte aber auch spannend. Man bekommt einen direkteren Eindruck davon, wie eine Stadt tatsächlich funktioniert. Vieles wirkt pragmatischer, weniger durchdesignt und manchmal fast wie eine Momentaufnahme zwischen „alt“ und „neu“.

Gleichzeitig könnte es gut sein, dass solche sichtbaren Anlagen in einigen Jahren immer seltener werden. China entwickelt sich unglaublich schnell und selbst kleinere Städte verändern sich kontinuierlich. Was heute noch offen am Straßenrand steht, könnte morgen bereits modernisiert, unterirdisch verlegt oder komplett ersetzt worden sein.

Dadurch bekommen solche Entdeckungen fast etwas Zeitdokumentarisches. Vielleicht schaut man in ein paar Jahren auf solche Wasserzapfstellen zurück und sagt: „Weißt du noch, damals standen die noch überall sichtbar am Straßenrand?“

Die rote Wasserzapfstelle am Straßenrand ist deshalb weit mehr als nur ein merkwürdiges Rohr mitten in Kaiyuan. Sie ist ein kleines Beispiel dafür, wie unterschiedlich Infrastruktur sichtbar gemacht wird – in China genauso wie in Europa.

Ein Tag im Sommerpalast

Manche Orte in Peking beeindrucken einen allein durch ihre Größe, andere durch ihre Geschichte. Der Sommerpalast schafft beides gleichzeitig. Zwischen glitzernden Seen, geschwungenen Brücken, versteckten Pavillons und den bunt bemalten Wandelgängen fühlt man sich dort schnell wie in einer anderen Zeit.

Für uns war dieser Tag aber nicht nur ein Ausflug zu einer der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Chinas, sondern gleichzeitig auch ein besonderer gemeinsamer Tag mit Freunden. Den Besuch im Sommerpalast hatten wir Laura zum Geburtstag geschenkt, gemeinsam mit einer deutschsprachigen Führung. Gleichzeitig war es aber auch ein bisschen ein Abschiedstag, denn Laura wird Peking bald verlassen und wieder zurück nach Deutschland ziehen. Umso schöner war es, dass wir noch einmal gemeinsam als kleine Gruppe unterwegs sein konnten.

Schon früh am Morgen machten wir uns gemeinsam auf den Weg in den Nordwesten Pekings. Der Neue Sommerpalast liegt etwa 15 Kilometer außerhalb des Stadtzentrums und nur wenige hundert Meter westlich der Ruinen des Alten Sommerpalastes. Die Anlage erstreckt sich über rund 297 Hektar Fläche, wovon ungefähr drei Viertel allein vom Wasser des Kunming-Sees bedeckt werden. Seit 1998 gehört die Anlage außerdem zum UNESCO-Weltkulturerbe und gilt bis heute als eines der bedeutendsten Beispiele traditioneller chinesischer Gartenkunst.

Unsere Guide begrüßte uns direkt am Ost-Eingang. Sie hat Germanistik an der Universität studiert und spricht wirklich beeindruckend gutes Deutsch. Dadurch war die Führung nicht nur informativ, sondern auch angenehm locker und verständlich. Besonders spannend fand ich, dass sie nicht einfach nur Daten und Fakten heruntergebetet hat, sondern auch viele Geschichten aus dem Alltag des Kaiserhofes erzählte. Gerade diese kleinen Details machen Geschichte und Orte irgendwie lebendig.

Der Sommerpalast heißt auf Chinesisch übrigens gar nicht einfach „Sommerpalast“. Sein eigentlicher Name lautet Yiheyuan und bedeutet übersetzt etwa „Garten der Erholung und Harmonie“ oder auch „Garten des friedvollen Bewahrens“. Ursprünglich wurde die Anlage bereits im 12. Jahrhundert angelegt. Kaiser Qianlong ließ den Palast schließlich zwischen 1751 und 1764 als Geschenk zum 60. Geburtstag seiner Mutter ausbauen. Dafür wurde damals die enorme Summe von 4,8 Millionen Silber-Tael investiert.

Besonders bekannt wurde der Sommerpalast jedoch durch Kaiserinwitwe Cixi aus der Qing-Dynastie. Interessant war dabei vor allem, dass der Sommerpalast eigentlich gar nicht die Hauptresidenz des Kaisers war. Vielmehr entwickelte sich die Anlage zunehmend zum Wohnort von Kaiserinwitwe Cixi, also der Mutter des Kaisers.

Die Geschichte des Sommerpalastes verlief allerdings keineswegs friedlich. Wie auch der Alte Sommerpalast wurde die Anlage während des Zweiten Opiumkrieges 1860 von anglo-französischen Truppen zerstört und geplündert. Anders als der Alte Sommerpalast wurde der Neue Sommerpalast jedoch später auf Initiative von Kaiserinwitwe Cixi zwischen 1885 und 1895 wieder aufgebaut.

Ursprünglich war die Anlage gar nicht vollständig ummauert. Lange Zeit existierte hauptsächlich nur das Osttor als repräsentativer Zugang zum Gelände. Doch die Kaisermutter war beim Volk nicht sonderlich beliebt und fühlte sich zunehmend unsicher. Aus diesem Grund ließ sie zusätzlich Wachtürme und Mauern errichten, um die Anlage besser zu schützen und gleichzeitig Kontrolle über das Gelände zu behalten. Dadurch entstanden weitere Eingänge, sodass der Sommerpalast heute über drei Zugänge verfügt und deutlich stärker abgegrenzt ist als in seiner ursprünglichen Form.

Während wir durch die Anlage liefen, wurde schnell klar, wie sehr hier Architektur und Natur miteinander verbunden wurden. Genau dieses Zusammenspiel gilt als eines der wichtigsten Prinzipien chinesischer Gartenkunst. Der Mensch soll die Natur nicht dominieren, sondern sich harmonisch in sie einfügen.

Unser erster größerer Halt war der ehemalige Gerichts- und Verwaltungsbereich des Palastes. Dort befanden sich früher die Hallen, in denen politische Entscheidungen getroffen wurden und wo Cixi Gäste empfing.

Nicht weit entfernt befand sich die Halle der Jadewellen, die früher als Wohnbereich des Kaisers Guangxu diente. Besonders bedrückend war die Geschichte dahinter: Nach der gescheiterten Hundert-Tage-Reform von 1898 wurde Guangxu dort von Cixi praktisch unter Hausarrest gestellt.

Danach liefen wir weiter zur Halle der Freude und Langlebigkeit. Diese wurde ursprünglich bereits 1750 unter Kaiser Qianlong erbaut, später jedoch zerstört und 1886 erneut aufgebaut. Sie diente anschließend als Privatgemach von Kaiserinwitwe Cixi.

Immer wieder blieben wir aber auch einfach stehen, um die vielen kleinen Details zu betrachten. Überall entdeckte man kunstvolle Zimmer, geschnitzte Fensterrahmen oder alte Holzbetten.

Danach liefen wir weiter Richtung Kunming-See. Der riesige See bildet das Herzstück des Sommerpalastes und prägt die gesamte Anlage. Überall spiegelten sich die Weiden im Wasser und durch den leichten Wind bewegten sich die langen grünen Äste fast wie Vorhänge über dem See.

Vom Stadtzentrum in Peking kann man mit dem Boot direkt in den Sommerpalast fahren, durch alte Kanäle bis in den Kunming-See hinein. Genau diese Route entlang der kaiserlichen Wasserstraße nutzte einst Cixi, um der stickigen Verbotenen Stadt zu entkommen. Die Bootsfahrt vom Zizhuyuan Park zum Sommerpalast dauert ca. 40 Minuten und ist mittlerweile eine beliebte Touristen Attraktion.

Doch was viele nicht wissen: Der Kunming-See ist komplett künstlich. Kaiser Qianlong ließ ihn 1750 ausheben und der Aushub wanderte gleich nebenan auf den Langlebigkeitshügel. Der Name „Kunming“ ist eine Hommage an den Kunming-See in der alten Hauptstadt Chang’an (dem heutigen Xi’an).

Die Kaiserinwitwe Cixi reiste nicht gerne, weshalb sie stattdessen viele Elemente aus verschiedenen Städten Chinas in den Sommerpalast einbauen. Pavillons, Brücken und Gartendesigns aus unterschiedlichen Regionen fanden sich hier zusammen, als wäre das ganze Reich in einem Garten versammelt.

Von dort aus ging es für uns weiter entlang des Sees zur berühmten Siebzehn-Bogen-Brücke. Sie verbindet das Festland mit der Insel Nanhu und wurde bereits 1750 erbaut. Unsere Guide erklärte uns, dass die Brücke bewusst an die berühmte Marco-Polo-Brücke in Peking erinnern soll, die für ihre vielen Bögen und Steinfiguren bekannt ist. Auch die Siebzehn-Bogen-Brücke wirkt durch ihre geschwungene Form besonders elegant und spiegelt sich wunderschön im Wasser des Kunming-Sees.

Die Zahl 17 wurde dabei nicht zufällig gewählt: In der chinesischen Architektur gelten ungerade Zahlen oft als harmonisch und symbolisch bedeutungsvoll. Der mittlere, höchste Bogen bildet gemeinsam mit den jeweils acht kleineren Bögen auf beiden Seiten eine perfekt symmetrische Anlage. Besonders auffällig sind außerdem die vielen kunstvoll gestalteten Steinlöwen entlang der Brücke, von denen keiner exakt dem anderen gleicht.

Ein weiteres Highlight war der berühmte Wandelgang. Mit seinen 728 Metern gilt er als längster bemalter Korridor Chinas. Viele davon zeigen Landschaften, historische Szenen oder Figuren aus alten chinesischen Geschichten.

Der Gang besteht aus 273 verbundenen Säulenpaaren und mehreren Pavillons. Über 8000 Gemälde schmücken die Balken des Wandelgangs.

Eine der Darstellungen zeigte beispielsweise eine Szene aus „Die Reise nach Westen“, einem der bekanntesten Werke der chinesischen Literatur. Der Roman aus dem 16. Jahrhundert erzählt die abenteuerliche Reise des Mönchs Xuanzang nach Indien, wo er buddhistische Schriften beschaffen soll. Begleitet wird er dabei von mehreren mystischen Figuren, darunter auch der berühmte Affenkönig Sun Wukong, der bis heute zu den bekanntesten Figuren der chinesischen Kultur zählt. Unsere Guide erklärte uns, dass diese Bilder früher nicht nur der Dekoration dienten, sondern gleichzeitig Geschichten, Werte und kulturelles Wissen vermitteln sollten.

Zwischendurch machten wir immer wieder kleine Pausen und genossen einfach die Atmosphäre. Mal saßen wir am Wasser, mal liefen wir durch kleine Gartenanlagen mit blühenden Bäumen und verwinkelten Wegen.

Besonders beeindruckend war, wie sich immer wieder neue Perspektiven öffneten. Mal blickte man durch Fenster auf einen Pavillon, mal auf kleine Inseln mitten im Wasser.

Natürlich durfte auch das berühmte Marmorboot nicht fehlen, das wir nun endlich auch selbst vor uns sahen. Unsere Guide erklärte uns dazu nochmal die spannende Geschichte hinter dem Bauwerk. Das dekorative Boot aus Stein wurde Ende des 19. Jahrhunderts unter Kaiserinwitwe Cixi fertiggestellt und erinnert bis heute daran, dass für den Wiederaufbau des Sommerpalastes teilweise Gelder verwendet wurden, die ursprünglich für die Modernisierung der chinesischen Marine vorgesehen waren.

Zwar kann das Boot natürlich nicht fahren und diente rein repräsentativen Zwecken, trotzdem gehört es heute zu den bekanntesten Fotomotiven der gesamten Anlage.

Im Laufe des Tages stiegen die Temperaturen immer weiter an und wir waren froh über die vielen schattigen Wege unter den Weidenbäumen. Überall in der Anlage saßen Menschen auf Steinen oder kleinen Mauern und genossen einfach das Frühlingswetter.

Unsere Guide zeigte uns noch viele weitere Gebäude, die man sonst wahrscheinlich einfach übersehen hätte. Darunter die Wolkenzerstreuende Halle, den Pavillon des Buddhistischen Wohlgeruchs hoch oben auf dem Berg der Langlebigkeit sowie den Pavillon der Kostbaren Wolken.

Den Aufstieg zum Pavillon des Buddhistischen Wohlgeruchs schafften wir zeitlich leider nicht. Aber selbst von unten ist er schon sehr beeindruckenden anzusehen.

Am Ende der Führung waren wir zwar müde, aber gleichzeitig auch beeindruckt davon, wie viel Geschichte und Symbolik hinter dieser Anlage steckt. Der Sommerpalast ist weit mehr als nur ein schöner Park. Er erzählt von Macht, Politik, Familienstrukturen und dem Leben am chinesischen Kaiserhof und schafft es gleichzeitig, eine unglaubliche Ruhe auszustrahlen.

Langsam liefen wir Richtung Ausgang und verließen den Sommerpalast schließlich über eine der eleganten Steinbrücken, die sich perfekt in die Gartenlandschaft einfügen. Besonders diese Brücke blieb mir nochmal im Kopf, weil sie mit ihrem geschwungenen Rundbogen und der Spiegelung im Wasser fast wie aus einem Gemälde wirkte. Solche Brücken sind typisch für die chinesische Gartenkunst. Sie sollten nicht nur Wege verbinden, sondern gleichzeitig bewusst schöne Blickachsen schaffen und die Landschaft harmonisch ergänzen.

Und während wir ein letztes Mal zwischen Wasser, alten Bäumen und den geschwungenen Steinbrücken entlangliefen, wurde uns allen bewusst, warum dieser Ort seit Jahrhunderten als Rückzugsort der Kaiser galt. Manche Orte schaffen es einfach, selbst mitten in einer Millionenstadt Ruhe auszustrahlen.

Für uns war es aber nicht nur ein touristischer Ausflug, sondern vor allem ein gemeinsamer Tag voller Gespräche, Eindrücke und Erinnerungen. Gerade mit dem Gedanken daran, dass Laura bald Peking verlassen wird, hatte dieser Tag nochmal eine ganz besondere Bedeutung.

Sommerliche Tage in Peking

Zwischen Sprachunterricht, Sauerteig und spontanen Straßensperrungen war auch diese Woche wieder einiges los.

Mein Chinesischunterricht hat nun wieder begonnen und damit heißt es zweimal pro Woche jeweils anderthalb Stunden neue Vokabeln lernen, Grammatik üben und versuchen, beim Sprechen nicht komplett durcheinanderzukommen. Auch wenn es manchmal anstrengend ist, macht es Spaß und ich hoffe, dass langsam Fortschritte im Alltag zu merken sind.

Neben dem Unterricht begleitet mich aktuell vor allem auch das „Projekt“ Sauerteigstarter durch den Alltag. Damit er nicht irgendwann im Müll landet, wurde diese Woche fleißig gebacken. Zum Wochenende gab es deshalb frische Brötchen und süße Nutella Hörnchen aus selbstgemachtem Teig.

Auch in Peking selbst war diese Woche einiges los und durch einen besonderen Staatsbesuch hat man das sogar im Alltag immer wieder gemerkt.

Sunset Hike Jinshanling Great Wall

Diesmal ging es zu einer eher ungewohnten Uhrzeit für mich auf eine Wanderung zur Chinesischen Mauer. Wir trafen uns erst um 13 Uhr an der Deutschen Schule im Botschaftsviertel Pekings, von wo aus unser Bus startete.

Schon auf dem Weg dorthin fiel mir auf, dass die Stadt an diesem Tag anders wirkte als sonst. Es standen deutlich mehr Polizisten an den Straßen, teilweise sogar mit Campingstühlen an Straßenecken, und ganze Abschnitte wirkten wie leergefegt. Kaum Autos, kaum Fahrräder und insgesamt eine ungewohnte Stimmung für Peking.

Auch rund um die Schule selbst war sofort zu erkennen, dass etwas Besonderes im Gange war. Die beiden großen Hotels in der Nähe, das Kempinski und das Four Seasons, waren großflächig abgesperrt, mit Sicherheitskontrollen, Zelten und vielen Sicherheitskräften ausgestattet. Es war schnell klar, dass ein Staatsbesuch im Land sein musste und man merkte deutlich, wie sich die Stadt darauf einstellte.

Da die Deutsche Schule mitten im Botschaftsviertel liegt, war auch dort alles etwas anders als sonst. Normalerweise herrscht hier viel Bewegung, besonders um die Mittagszeit, wenn Schüler abgeholt werden. An diesem Tag jedoch fehlten die üblichen Busse zunächst komplett. Irgendwann kam unser Busfahrer schließlich zu Fuß und erklärte, dass er mit dem Bus nicht wie gewohnt draußen halten dürfe und stattdessen über einen anderen Zugang auf das Gelände fahren müsse. Auch die anderen Busse wurden verlegt und kamen nun über einen gesicherten Bereich auf das Schulgelände.

Als wir schließlich vollständig waren, ging es los.

Dieses Mal war die Fahrt deutlich länger als gewohnt und wir waren etwa zwei Stunden unterwegs. Unser Ziel war die Jinshanling Great Wall, ein Abschnitt der Chinesischen Mauer, der besonders für seine Sonnenuntergänge bekannt ist. Dort wollten wir eine Sunset Hike Tour machen und den Tag auf der Mauer ausklingen lassen.

Im Gegensatz zu vielen unserer bisherigen Touren handelte es sich diesmal um einen eher touristisch erschlossenen Abschnitt. Nach der Ankunft mussten wir zunächst Tickets kaufen, da der Zugang offiziell geregelt ist. Es gibt dort sogar die Möglichkeit, mit einer Seilbahn nach oben zu fahren und direkt auf der Mauer zu starten. Wir entschieden uns jedoch bewusst für den Aufstieg zu Fuß.

Nach dem Eingang führten uns die Wege zunächst durch ein kleines Besucherzentrum, bevor sich der Pfad in zwei Richtungen teilte. Wir entschieden uns für die linke Route und machten uns auf den Weg. Etwa 45 Minuten ging es bergauf, bevor wir schließlich die Mauer erreichten.

Der Moment, in dem man oben ankommt, ist jedes Mal beeindruckend. Die Jinshanling Great Wall schlängelt sich dort über die Bergkämme und wirkt wie eine endlose steinerne Linie, die sich durch die Landschaft zieht. Auch wenn dieser Abschnitt teilweise restauriert ist, bleibt die Kulisse unglaublich eindrucksvoll.

Wir liefen ein Stück entlang der Mauer, vorbei an alten Wachtürmen und steilen Treppen, während sich immer wieder weite Blicke über die Berge öffneten.

Nach einiger Zeit erreichten wir schließlich unseren Zielturm, den sogenannten Sunset Tower. Dort angekommen war die Sonne zwar noch nicht ganz untergegangen, aber schon deutlich tiefer am Himmel. Jeder hatte etwas zu essen mitgebracht und so entstand ein kleines Picknick mit Brot, Dips, Würstchen, Käse und einigen chinesischen Snacks. Nur ein klassischer Kuchen fehlte, obwohl genau das im Nachhinein eigentlich ganz gut gepasst hätte.

Während wir dort saßen, wurde es langsam ruhiger. Die Gespräche wurden entspannter, der Himmel färbte sich immer wärmer und die Stimmung war einfach besonders. Als die Sonne schließlich langsam hinter den Bergen verschwand, war der Moment kaum in Worte zu fassen. Das Licht färbte die Mauer und die umliegenden Berge in warme Rot und Orangetöne und für einen kurzen Augenblick wirkte alles fast still.

Fotos konnten diesen Moment nur teilweise einfangen, denn in echt war die Atmosphäre deutlich intensiver. Genau solche Augenblicke bleiben einem oft am stärksten im Gedächtnis.

Da es nach Sonnenuntergang schnell dunkel wird und der Abschnitt nicht beleuchtet ist, machten wir uns kurz darauf wieder auf den Rückweg. Der Abstieg führte uns entlang der Mauer zurück, während der Himmel langsam in dunklere Blautöne wechselte. Immer wieder konnten wir noch den rosa gefärbten Abendhimmel sehen und kleine Details am Wegesrand entdecken, wie künstliche Blüten an echten Bäumen, die uns kurz zum Schmunzeln brachten.

Unten angekommen war es bereits komplett dunkel und wir stiegen wieder in den Bus für die Rückfahrt nach Peking. Nach etwa zwei Stunden Fahrt kamen wir wieder in der Stadt an und ich machte mich schließlich mit dem Fahrrad auf den letzten Weg nach Hause.

Gemeinsamkeiten finden

Mit neuen Freundschaften entdeckt man nach und nach immer mehr Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede. So kam es dazu, dass ich gemeinsam mit einer Freundin, die im selben Gebäude wie wir wohnt, in ein kleines Studio gefahren bin, um zusammen zu malen.

Sie wollte schon lange ein Bild ihrer Heimatgemeinde nachmalen und ich hatte vor allem das Ziel, etwas mehr Farbe in unser Apartment zu bringen.

Ganz so künstlerisch begabt bin ich leider nicht. Das meiste Talent dafür ging wohl eher an meinen Bruder. Deshalb entschied ich mich für ein eher schlichtes Motiv, bei dem vor allem die Farben im Mittelpunkt standen. Mit dem Spruch „Don’t overthink it“ habe ich das Bild dann noch etwas personalisiert.

Da sie bereits etwas Erfahrung hatte und außerdem ein kleineres Bild malte, passte es zeitlich perfekt und wir wurden tatsächlich fast gleichzeitig mit unseren Gemälden fertig. Zuhause ergänzte sie später noch mit einem dünnen Stift die Konturen der Häuser ihres Bildes.

Es war schön, gemeinsam kreativ zu sein und einfach Zeit miteinander zu verbringen. Und jedes Mal, wenn ich jetzt den kleinen Farbklecks in unserer Wohnung sehe, freue ich mich darüber.

Hoher Besuch mit großem Aufwand

In dieser Woche war US Präsident Donald Trump zu Besuch in China. Solche Staatsbesuche sorgen in Peking immer für enorme Sicherheitsmaßnahmen und auch diesmal war der Aufwand im gesamten Stadtbild deutlich spürbar.

Bereits Tage vorher wurden Straßen leergeräumt, Leihfahrräder entfernt und parkende Autos teilweise sogar mit Gabelstaplern umgesetzt. Vor einigen Hotels entstanden plötzlich Sicherheitskontrollen mit Zelten, Absperrungen und zahlreichen Sicherheitskräften. Immer wieder wurden Straßen komplett oder zeitweise gesperrt.

Teilweise wusste man gar nicht mehr, ob die Sperrungen wirklich notwendig waren oder eher zur Verwirrung dienten, damit niemand nachvollziehen konnte, welche Route tatsächlich genutzt wird.

Auch wir bekamen den Staatsbesuch direkt mit. Auf dem Weg zum Frühstückstreff kamen eine Freundin mit ihrem Roller und ich mit dem Fahrrad an eine Kreuzung, die gerade abgesperrt wurde. Interessanterweise blieben viele Menschen bewusst an den Absperrungen stehen und warteten ab, was passieren würde. Also beschlossen wir ebenfalls, noch kurz zu bleiben, da wir genug Zeit hatten.

Oft werden Straßen auch einfach vorsorglich gesperrt und am Ende fährt doch niemand vorbei. Doch als plötzlich aus allen vier Richtungen Polizeiautos und Notarztwagen auftauchten, war klar: Hier muss gleich die Kolonne durchfahren.

Etwa zehn Minuten warteten wir schließlich, bis es dann soweit war. Die Fahrzeugkolonne raste unglaublich schnell an uns vorbei und bestand aus deutlich mehr Fahrzeugen, als man es sich vorher vorgestellt hätte. Nach gerade einmal einer Minute und vierzig Sekunden war das gesamte Schauspiel schon wieder vorbei.

Wenige Minuten später wurden die ersten Absperrungen bereits wieder aufgehoben. Zuerst durften Fußgänger und Fahrräder weiterfahren, etwa zehn Minuten später dann auch wieder die Autos. Schon verrückt, wie schnell sich eine Millionenstadt innerhalb weniger Minuten komplett an einen solchen Besuch anpasst.

(Das Video der Kolonne ist leider zu lang, um es hier einzufügen. Schreibt mir einfach kurz eine Nachricht, dann sende ich es euch bei Interesse zu.)

Bei gutem Wetter kamen wir schließlich in der Frühstückslocation an und genossen zu elft den Vormittag mit netten Gesprächen und leckeren Bagels. Wie immer verging die Zeit dabei deutlich schneller als gedacht.

Danach wollten wir uns eigentlich ganz entspannt mit den Drahteseln wieder auf den Weg nach Hause machen, doch der Besuch von Donald Trump beeinflusste erneut unseren Alltag. Die Straße, in der wir uns befanden, wurde plötzlich abgesperrt und wir kamen erstmal nicht weiter. Erst nach etwa zehn Minuten wurden die Absperrungen wieder geöffnet und wir durften unsere Fahrt fortsetzen.

An dem Abend war ich noch mit zwei Freundinnen zum Abendessen verabredet. Wir entschieden uns für indisches Essen in einem versteckten kleinen Lokal. Danach ging es noch auf einen Drink weiter, da wir noch viel Gesprächsstoff hatten.

Es war ein schöner Abend und leider ebenfalls einer der letzten in dieser Konstellation, denn auch für eine dieser Freundinnen geht es bald zurück in die Heimat.

Gemeinsame Tage

Die Woche beendeten wir ganz entspannt mit vielen kleinen Dingen, die einfach guttun. Bei meist über 30 Grad und strahlendem Sonnenschein fühlte sich Peking inzwischen richtig sommerlich an.

Zwar war für das Wochenende eigentlich Regen angekündigt, doch dieser kam erst am Sonntag. So konnten wir das warme Wetter noch genießen, gemeinsam lecker essen gehen, gemütliche Abende mit Freunden verbringen, ein paar Folgen Bergdoktor schauen, zur Massage gehen und etwas Sport machen.

Nach den vielen Ausflügen, stressigen Arbeitstagen und Erlebnissen der vergangenen Tage tat dieses ruhigere Wochenende uns beiden besonders gut.

Vom Changbai Mountain zurück ins Großstadt Leben

Mit dem Zug ging es für uns am Sonntag weiter Richtung Grenze zu Nordkorea. In der Provinz Jilin im Nordosten Chinas liegt eines der bekanntesten Naturgebiete des Landes: der Changbai Mountain. Das Gebirge ist vor allem für seinen beeindruckenden Kratersee bekannt, den sogenannten „Heaven Lake“ (Tianchi). Dieser liegt auf etwa 2.000 Metern Höhe direkt an der Grenze zwischen China und Nordkorea und zählt zu den höchstgelegenen Kraterseen der Welt. Außerdem ist die Region bekannt für ihre dichten Wälder, heißen Quellen und die langen, schneereichen Winter.

Unser Ziel war es, in den nächsten zwei Tagen den berühmten See zu sehen und etwas wandern zu gehen. Doch schon bei unserer Ankunft wurde klar, dass das Wetter uns einen Strich durch die Rechnung machen könnte. Es regnete, dichter Nebel hing über den Bergen und dadurch war ein Aufstieg an diesem Tag weder erlaubt noch wirklich sinnvoll, da man auf 2.000 Metern ohnehin kaum etwas gesehen hätte.

Deshalb beschlossen wir, den Tag entspannt anzugehen. Nach dem Einchecken frühstückten wir erstmal gemütlich und wärmten uns mit einer heißen Schokolade auf.

Zum Glück ließ es sich in unserem Hotel, dem Hyatt, wirklich gut aushalten. 

Direkt angrenzend befindet sich im Winter ein großes Skigebiet, sodass wir vom Zimmer aus einen schönen Blick auf die Skipisten hatten. Es war spannend zu beobachten, wie sich die Aussicht im Laufe der Tage durch das wechselnde Wetter immer wieder verändert hat.

Den Nachmittag verbrachten wir erst in dem beheizten Außenpool und später machten wir es uns mit ein paar Folgen Bergdoktor gemütlich. Zwischendurch telefonierten wir noch mit der Heimat und so verging der Abend trotz des schlechten Wetters erstaunlich schnell.

Am nächsten Morgen standen wir dann recht früh auf, um das Frühstücksbuffet ausgiebig zu testen. Die Auswahl war riesig und reichte von klassischen westlichen Speisen bis hin zu vielen asiatischen Gerichten. Während Nico meist bei Bekanntem bleibt, probiere ich mich gerne durch neue Sachen. Für mich wurden es diesmal ein herzhafter gefüllter Pfannkuchen und kleine Zimtgebäcke, die direkt in einem Ofen an der Wand geröstet wurden.

Ein echtes Highlight war außerdem die Soup Bar, an der man sich seine eigene Nudelsuppe zusammenstellen konnte. Die Station war allerdings so beliebt, dass ich sie erst am zweiten Morgen testen konnte. Das Warten hat sich aber definitiv gelohnt.

Gut gestärkt machten wir uns anschließend auf den Weg zum Treffpunkt für das Wandergebiet. In den Nationalpark gelangt man nämlich nur mit speziellen Shuttlebussen, die von einem kleinen touristischen Dorf aus starten.

Doch dort angekommen folgte direkt die nächste Enttäuschung: Der Berg war gesperrt.

Mit unserem eher gebrochenen Chinesisch versuchten wir herauszufinden, warum genau, wie lange die Sperrung gilt und welche Alternativen es gibt. Nach einiger Zeit verstanden wir schließlich, dass der Aufstieg zum Kratersee aufgrund von Schnee und Eis aktuell verboten war und vermutlich auch die nächsten Tage geschlossen bleiben würde.

Unser eigentlicher Plan, den berühmten Heaven Lake zu sehen, fiel damit leider komplett ins Wasser. Lediglich ein anderer Bereich des Nationalparks war geöffnet. So ganz verstanden wir zwar nicht, was uns dort genau erwartet, aber wir beschlossen trotzdem, die Gelegenheit zu nutzen, damit die lange Anreise nicht völlig umsonst gewesen war.

Also kauften wir die Tickets, passierten die Sicherheitskontrolle und stiegen in den Shuttlebus. Nach insgesamt etwa eineinhalb Stunden Fahrt durch die Berglandschaft kamen wir schließlich an und waren natürlich gespannt, was uns dort erwarten würde.

Zuerst haben wir uns die Informationstafeln durchgelesen, um überhaupt zu verstehen, was wir uns gleich anschauen werden. Zum Glück waren diese auch auf Englisch übersetzt. Dabei erfuhren wir, dass die sogenannte Jinjiang Gorge durch den Ausbruch des Changbai-Vulkans vor über 1.000 Jahren entstanden ist. Nach der gewaltigen Eruption lagerten sich große Mengen Vulkanasche, Bimsstein und Gestein ab. Über viele Jahre schnitt sich dann der Fluss immer tiefer durch diese weichen Ablagerungen und formte so die heute beeindruckende Schluchtlandschaft.

Die Schlucht liegt etwa 20 Kilometer südwestlich des berühmten Heaven Lakes und ist stellenweise über 100 Meter tief sowie bis zu 300 Meter breit. Besonders faszinierend sind die vielen außergewöhnlichen Felsformationen, Steinsäulen und kleinen „Steinwälder“, die durch Erosion entstanden sind. Von oben betrachtet erinnert die Form der Schlucht sogar an eine Art Fischgräte.

Außerdem wurde erklärt, wie wichtig die umliegenden Wälder für das Ökosystem sind. Vor allem die abgestorbenen und umgefallenen Bäume spielen hier eine große Rolle. Sie dienen als Lebensraum für Insekten und Vögel und gleichzeitig als Nährboden für neue Pflanzen und junge Bäume. In den dichten Wäldern rund um den Changbai Mountain bleibt deshalb vieles ganz bewusst der Natur überlassen.

Anschließend gingen wir den geführten und ausgeschilderten Weg entlang, der mit Holzstegen und Plattformen angelegt war. Immer wieder gab es Aussichtspunkte, an denen man stehen blieb, die Landschaft betrachtete und die beeindruckenden Formationen aus der Nähe anschauen konnte.

Das eigentliche Highlight waren für mich aber die tierischen Bewohner des Waldes – einfach sooo süß!

Immer wieder huschten kleine Streifenhörnchen durch die Gegend oder saßen direkt neben dem Weg und beobachteten die Besucher. Auf den Informationstafeln erfuhren wir dann mehr über die kleinen Tiere. Die Chipmunks, also Streifenhörnchen, gehören zur Familie der Eichhörnchen und sind vor allem für ihre großen Augen, ihr flauschiges Fell und die typischen Streifen auf dem Rücken bekannt.

Besonders lustig ist ihr Essverhalten. Die kleinen Tiere verbringen scheinbar den Großteil ihres Tages damit, Nahrung zu sammeln und ihre Backentaschen vollzustopfen. Dort transportieren sie Samen, Nüsse, Früchte und Getreide zu ihren Vorratslagern. Teilweise können sie mehrere Kilo Nahrung für den Winter sammeln. Da sie sich aber nicht immer an alle Verstecke erinnern, helfen sie gleichzeitig dabei, neue Pflanzen und Bäume zu verbreiten.

Die kleinen Tiere waren wirklich unglaublich niedlich und für mich fast spannender als manche Aussichtspunkte. Man hätte ihnen stundenlang zuschauen können.

Entlang des Weges gab es außerdem immer wieder Informationstafeln über die besonderen Wälder rund um den Changbai Mountain. Zum Beispiel den sogenannten Red Pine Forest, also die koreanischen Rotkiefernwälder, die hier als eine der wichtigsten und artenreichsten Waldformen Nordasiens gelten.

Die Wälder entwickeln sich über viele Jahre hinweg immer weiter. Zuerst wachsen vor allem Laubbäume schnell nach, später kommen immer mehr Nadelbäume dazu. Mit der Zeit übernehmen dann die Rotkiefern zunehmend die Landschaft, bis schließlich ein dichter Nadelwald entsteht. Diese Wälder gelten als besonders wertvoll, da sie unglaublich viele Tier- und Pflanzenarten beherbergen und sich über Millionen Jahre entwickelt haben.

Die Rotkiefer selbst steht in China sogar unter besonderem Schutz und wächst vor allem in Höhenlagen zwischen 500 und 1.000 Metern. Rund um den Changbai Mountain prägt sie große Teile der Landschaft.

Spannend war auch die sogenannte „Liebe zwischen Kiefer und Birke“, wie sie dort beschrieben wurde. Dabei wachsen Birken und Kiefern oft direkt nebeneinander. Die Birken schützen die jungen Kiefern zunächst vor Wind und Wetter. Sobald die Kiefern größer werden, nehmen sie den Birken allerdings nach und nach das Sonnenlicht und ersetzen sie schließlich. So verändert sich der Wald im Laufe der Zeit ganz natürlich.

Nach der anderthalbstündigen Busfahrt zurück zum Tourismuscenter und der anschließenden Taxifahrt zu unserem Hotel beschlossen wir, den restlichen Tag ganz entspannt zu verbringen und uns noch etwas auf dem Gelände des Hyatt umzuschauen.

Das Resort rund um das Park Hyatt Changbaishan ist deutlich mehr als nur ein Hotel. Die gesamte Anlage ist wie ein kleines Bergdorf aufgebaut und gehört zu einem der bekanntesten Ski- und Freizeitresorts Nordostchinas. Im Winter zieht das Gebiet vor allem Skifahrer an, während es im Sommer eher Wanderer und Naturfreunde in die Region verschlägt.

Zunächst haben wir uns noch einen Kaffee geholt und spontan entschieden, mit der Gondel den Berg hinaufzufahren, da sich das Wetter inzwischen deutlich gebessert hatte. Die Wolken lockerten immer mehr auf und oben angekommen wurden wir mit einer wirklich schönen Aussicht belohnt. Von dort konnte man das weitläufige Skigebiet mit seinen verschiedenen Pisten und Liften von oben sehen. Besonders beeindruckend war aber der Blick in die Ferne, denn zwischen den Wolken erschien tatsächlich der schneebedeckte Changbai Mountain.

Wir haben dort oben dann einfach eine Weile die Ruhe und Aussicht genossen, bevor es mit der Gondel wieder nach unten ging.

Unten angekommen schauten wir uns noch etwas auf dem Gelände um. Vor allem für Familien gibt es dort unglaublich viele Freizeitangebote. Neben einer Sommerrodelbahn konnte man auf dem kleinen See Tretboot fahren und es gab verschiedene Spiel- und Erlebnisbereiche für Kinder.

Wir selbst liefen einfach entspannt durch die Anlage und schauten uns noch das kleine Dorf rund um das Resort an. Dort gibt es viele kleine Geschäfte, Cafés und Restaurants.

Am Abend ging es dann zurück ins Hotel. Wir machten uns frisch, aßen noch etwas und ließen den Tag ruhig ausklingen. Damit endeten auch schon unsere Tage am Changbai Mountain deutlich anders als ursprünglich geplant, aber trotzdem mit vielen schönen Eindrücken.

Am nächsten Morgen machten wir uns schließlich wieder mit dem Schnellzug auf den Rückweg nach Peking. Für die Strecke brauchten wir etwa fünf Stunden, wobei unser Zug dieses Mal sogar rund 20 Minuten Verspätung hatte, was in China tatsächlich eher selten vorkommt. Zuhause angekommen wurden nur noch die Koffer ausgepackt und der restliche Abend entspannt genossen, bevor am nächsten Tag wieder der normale Alltag begann.

Sauerteigbrot, ich komme!

Nach den vielen Eindrücken der letzten Tage stand dieses Mal etwas ganz anderes auf dem Programm: ein Sauerteigbrot-Workshop. Organisiert wurde dieser von einer Charity-Gemeinschaft, bei der ein Teil der Einnahmen gespendet wird. Allein deshalb fand ich die Idee schon schön und gleichzeitig war ich natürlich neugierig, endlich mehr über Sauerteigbrot zu lernen.

Vor allem das Thema Starter ansetzen und die richtige Falttechnik haben mich bisher immer etwas abgeschreckt. Genau deshalb hatte ich mich sehr auf den Kurs gefreut.

Vor Ort waren wir ungefähr 25 Teilnehmer und ein Bäckermeister erklärte uns zunächst die Grundlagen rund um Sauerteig, Gehzeiten und verschiedene Techniken. Anschließend mischte er noch einmal einen frischen Teig an, um die einzelnen Schritte zu zeigen. Die eigentlichen Teige für unsere Brote hatte er allerdings bereits am Vortag vorbereitet.

Danach ging es an die erste Falttechnik. Nach und nach durften einige Teilnehmer nach vorne kommen und diese ausprobieren. Leider gab es dabei nicht genügend Teige, sodass nicht jeder selbst üben konnte und ich in der ersten Runde leer ausging. Etwas schade, weil gerade das praktische Arbeiten ja eigentlich das Spannende daran ist.

Später bekamen wir dann einen anderen, bereits vorbereiteten Teig vorgewogen, mit dem schließlich jeder an seinem Platz die endgültige Falttechnik selbst ausprobieren durfte. Das hat mir dann richtig Spaß gemacht. Anschließend wurden die Teige in Gärkörbchen gelegt und jeder schrieb seinen Namen darauf.

Allerdings wurden die Brote danach vom Bäcker nochmal neu gefaltet, bevor sie weiter verarbeitet wurden. Das war etwas frustrierend, weil man natürlich gerne sehen möchte, wie das eigene Brot am Ende wirklich geworden wäre.

Während die Teige erneut ruhten, erklärte er uns noch etwas Theorie, bevor wir anschließend den sogenannten Spannungsschnitt üben durften. Dabei haben wir zwei unterschiedliche Brote vorbereitet und jeweils verschiedene Schnitttechniken ausprobiert.

Gebacken wurden ein Walnuss-Sauerteigbrot und ein Schwarzwälder-Kirschbrot, jeweils kleine 200-Gramm-Brote. Leider landeten beim Backen dann alle Brote gemeinsam auf den Blechen, sodass am Ende niemand mehr genau wusste, welches Brot eigentlich das eigene war.

Nach dem Backen hatten wir erstmal Mittagspause und konnten die Brote später abholen. Zusätzlich bekamen wir noch etwas aktiven Sauerteigstarter für Zuhause, das Rezept und machten gemeinsam noch ein Gruppenfoto mit dem Bäckermeister.

Geschmacklich waren die Brote wirklich sehr lecker, trotzdem war ich insgesamt ein wenig zwiegespalten. Einerseits war es spannend, die Techniken mal live zu sehen und nun endlich einen aktiven Starter zu besitzen. Andererseits hatte ich mir erhofft, mehr selbst machen zu können und vor allem genauer zu lernen, wie man einen Sauerteigstarter wirklich von Grund auf selbst züchtet.

Ganz aufgehalten hat mich das aber nicht. Am Sonntag habe ich direkt meinen ersten eigenen Versuch gestartet. Für das erste selbstgebackene Sauerteigbrot war das Ergebnis eigentlich schon ganz okay auch wenn definitiv noch einiges an Übung vor mir liegt.

Hutong Kneipen-Safari

Am Donnerstagabend war ich wieder mit der Patengruppe unterwegs dieses Mal stand eine Hutong Kneipensafari auf dem Programm.

Getroffen haben wir uns zunächst im Puzzles, wo wir bereits schon öfter waren und das ich euch auch hier im Blog schon mehrmals gezeigt habe. Dort starteten wir ganz entspannt mit einem Getränk und ein paar kleinen Snacks in den Abend. Auf den Tisch kamen unter anderem Flammkuchen, Gemüse mit Hummus und Melone mit Schinken perfekt, um erstmal gemeinsam anzukommen und sich auszutauschen.

Danach ging es weiter in eine zweite Bar mit den Fahrräder entlang des Houhai-Sees und durch die schmalen Gassen der Hutongs. Besonders abends hat diese Gegend nochmal eine ganz eigene Stimmung. Die beleuchteten Dächer, das Licht, das sich im Wasser spiegelt, und die kleinen Gassen drumherum wirken fast ein bisschen wie aus einem Film.

Unser nächster Stopp war dann das Grade Lab Brewing ein kleines Craft-Beer-Lokal mitten in den Hutongs. Die Brauerei ist vor allem für ihre selbstgebrauten Biere bekannt und bietet regelmäßig wechselnde Sorten an. Besonders schön ist dort der kleine Innenhof, in dem man gerade an warmen Abenden unglaublich gemütlich draußen sitzen kann.

Der letzte Stopp des Abends kam mir zunächst gar nicht bekannt vor. Erst als wir drinnen standen, fiel mir auf, dass es tatsächlich die erste Bar in den Hutongs war, die ich damals mit meinen Freundinnen besucht hatte. Im Winter hatten wir dort noch gemütlich drinnen gesessen dieses Mal ging es allerdings hinauf auf die Dachterrasse.

Dort oben waren wir fast alleine und hatten einen wunderschönen Blick über die Dächer der Hutongs. Mit guten Gesprächen, entspannter Musik und ein paar Getränken war es wirklich ein perfekter Abschluss für den Abend.

Gegen Mitternacht wurde es dann langsam etwas frischer und wir machten uns auf den Heimweg. Gemeinsam mit einer Freundin teilte ich mir noch ein Taxi nach Hause.

Auch wenn ich die Orte bereits kannte, war es wieder ein richtig schöner Abend. Die Hutongs gehören einfach weiterhin zu meinen Lieblingsorten in Peking und schaffen es jedes Mal aufs Neue, mich zu begeistern.

Das erste Mal im Stadion

Das Wochenende verlief bei uns insgesamt eher ruhig und entspannt. Am Freitagabend waren wir dann noch gemütlich mit Freunden essen, bevor es auch relativ früh nach Hause ging, da Nico am nächsten Morgen arbeiten musste.

Der Samstag bestand für mich größtenteils aus kleinen Alltagsaufgaben. Ich habe mich mit dem Brotbacken beschäftigt, am Blog weitergeschrieben, an meinem Fotobuch gearbeitet und die Wäsche erledigt.

Am Sonntag nutzten wir die Zeit, um etwas auszuschlafen und ein paar Dinge zu erledigen. Am Abend stand dann für Nico noch Highlight an. Er traf sich er am Abend mit ein paar Freunden. Gemeinsam gingen sie zum Fußballspiel Beijing gegen Shanghai – ein Geschenk für einen Freund und gleichzeitig auch Nicos erster Stadionbesuch hier in China.

Für ihn war es besonders spannend, die Atmosphäre einmal live mitzuerleben und zu sehen, wie sich ein Fußballspiel hier von den Spielen in Deutschland unterscheidet.

Eindrücke aus dem Nordosten Chinas rund um eine besondere Hochzeit

Sanjiabei Great Wall

Bevor es für uns über das verlängerte Mai-Wochenende auf Reisen ging, stand noch ein besonderes Highlight in Peking an: Endlich ging es wieder mit der Patengruppe auf eine gemeinsame Wanderung. Da ich bei der letzten Tour im Urlaub war, habe ich mich umso mehr darauf gefreut, alle wiederzusehen.

Dieses Mal führte uns der Weg zur Sanjiabei Great Wall und die Landschaft zeigte sich von einer ganz neuen Seite. Die Berge erstrahlten in sattem Grün, die Bäume hatten endlich wieder Blätter und so wirkte auch die Mauer ganz anders als noch vor ein paar Wochen. Zusammen mit dem Sonnenschein und der klaren Sicht war es wirklich ein perfekter Tag für eine Wanderung.

Insgesamt sind wir rund 9 Kilometer gelaufen, davon etwa 6 Kilometer direkt auf der Mauer. Durch das ständige Auf und Ab kamen am Ende knapp 20.000 Schritte zusammen. Die Gruppe war super und die Stimmung durchweg entspannt, einfach eine rundum gelungene und unvergessliche Wanderung.

Am Donnerstagmorgen ging es dann für uns weiter in Richtung verlängertes Mai-Wochenende rund um den 1. Mai, dem internationalen Labour Day. Da die Hochzeit bereits am Feiertag stattfand, haben wir uns entschieden, schon einen Tag früher anzureisen, um alles entspannt angehen zu können.

Kaiyuan – Eine Kleinstadt mit ca. 450.000 Einwohner

Unsere Weiterreise führte uns mit dem Schnellzug von Peking nach Kaiyuan. Für die rund 800 Kilometer brauchten wir gerade einmal 4 Stunden und 13 Minuten. Eine Strecke, für die man in Deutschland vermutlich deutlich länger unterwegs wäre. Mit ein paar Folgen Der Bergdoktor und guter Verpflegung verging die Zeit aber wie im Flug.

In Kaiyuan angekommen, wurden wir direkt vom Brautpaar empfangen und gemeinsam mit Taxis zum Hotel gebracht. Nach dem Einchecken zog es uns erstmal nach draußen. Nach der langen Zugfahrt ist ein Spaziergang genau das richtige, also machten wir uns auf den Weg zum botanischen Garten der Stadt.

Kaiyuan gilt mit seinen rund 450.000 Einwohnern zwar als Kleinstadt, wirkte im Vergleich zu Peking deutlich ursprünglicher, weniger modern und vor allem überhaupt nicht touristisch. Genau deshalb waren wir dort auch eine kleine Attraktion. Immer wieder wurden wir fotografiert, mal mit Nachfrage, mal ganz spontan. Das Interesse war groß, oft wurden wir auf Chinesisch angesprochen und gefragt, woher wir kommen. Englisch sprach hier kaum jemand, selbst im Hotel war die Verständigung nicht immer einfach.

Auch sonst merkt man schnell, dass die Stadt anders tickt. Rauchen ist allgegenwärtig, drinnen wie draußen, viele Hotelzimmer sind noch klassische Raucherzimmer. Auch beim Thema Sicherheit gibt es Unterschiede: Anschnallen ist hier eher die Ausnahme, teilweise sind die Gurte sogar so fixiert, dass kein Warnton ertönt, wenn man unangeschnallt ist. Insgesamt fühlte es sich ein bisschen an wie eine Zeitreise, als würde man 20 oder 30 Jahre zurückblicken.

Im Park selbst genossen wir die Ruhe und die frische Luft, bevor es zurück ins Hotel ging, um uns für den Abend fertig zu machen.

Da bereits viele Gäste angereist waren, trafen wir uns alle gemeinsam zum Abendessen in einem Restaurant. Gegessen wurde in separaten Räumen an den typischen runden Tischen mit drehbarer Platte. Die verschiedenen Gerichte werden in die Mitte gestellt und jeder bedient sich nach Belieben.

Auch die Trinkkultur spielt dabei eine wichtige Rolle. Der Älteste am Tisch eröffnet traditionell die erste Runde und gibt damit den Ton für den Abend vor. Beim Anstoßen achtet man darauf, das eigene Glas etwas tiefer zu halten als das des Gegenübers – ein Zeichen von Respekt. Niemand wird zum Trinken gezwungen, aber zumindest ein kleiner Schluck gilt als höfliche Geste.

Kulinarisch war der Abend eine spannende Mischung und überraschend nah an der deutschen Küche. Es gab Gerichte, die an Sauerkraut erinnerten, gekochte Schweinshaxe, Kartoffeln, Gemüse und Fisch. Natürlich durften auch Dumplings nicht fehlen. Insgesamt ist die Region weniger für scharfes Essen bekannt, sondern eher für herzhafte, wärmende Gerichte wie Schmortöpfe, was bei den kalten Wintern hier gut nachvollziehbar ist.

Nach dem Essen wollten wir noch etwas unternehmen, stellten aber schnell fest, dass das Nachtleben hier eher überschaubar ist. Was uns allerdings schon auf der Fahrt aufgefallen war: Überall gibt es Billardcafés. Laut Trish (die Braut), die aus Kaiyuan stammt, ist das eine der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen vor Ort. Also schlossen wir uns dem an und spielten ein paar Runden Billard.

Nachdem das Brautpaar noch mit den Vorbereitungen und Proben für den großen Tag fertig war, ließen wir den Abend später gemeinsam im Hotel ausklingen, bevor es für uns ins Bett ging.

Hochzeit Trish und Dominik

Am nächsten Morgen stand schließlich der eigentliche Anlass unserer Reise an: die Hochzeit zweier Freunde. Traditionell wird in China am Vormittag geheiratet und dabei spielt die genaue Uhrzeit eine wichtige Rolle, da sie eine Glückszahl enthalten soll.

So machten wir uns bereits um 9:45 Uhr auf den Weg zur Location. Noch vor Beginn der Trauung wurden Fotos vom Brautpaar sowie mit den Gästen gemacht, bevor anschließend alle zu ihren Plätzen geführt wurden. Wir „Laowais“, also die ausländischen Gäste, saßen gemeinsam mit einigen Freunden aus Peking und Kaiyuan in der ersten Reihe. Rechts davon war die Familie platziert, dahinter weitere Bekannte und entferntere Gäste. Insgesamt waren etwa 140 Personen anwesend.

Die Zeremonie begann um 10:58 Uhr, bewusst gewählt wegen der Glückszahlen 5 und 8. Eröffnet wurde sie mit einem Feuerwerk, das draußen vom Vater der Braut gemeinsam mit Freunden gezündet wurde. Im Saal selbst sah man davon nichts, hörte jedoch die lauten Knallgeräusche. Die Moderatorin, eine Schulfreundin der Braut, erklärte parallel den Ablauf und kündigte damit den offiziellen Beginn an. Sie führte zweisprachig durch die Zeremonie, erst auf Chinesisch und anschließend auf Englisch.

Der Bräutigam wartete bereits vorne auf der Bühne mit dem Blumenstrauß, während die Eltern an ihren Plätzen saßen. Die Braut stand am Eingang des Saals, links von ihr ihre Trauzeuginnen, rechts die Trauzeugen des Bräutigams. Zunächst wurde der Bräutigam von der Moderatorin angesprochen und gefragt, ob er bereit sei und wie er sich fühle. Danach durfte er zur Braut gehen und gemeinsam mit ihr, begleitet von Musik und gefolgt von den Trauzeugen, zur Bühne laufen.

Dort angekommen wurden einige Worte gesprochen, die Ringe übergeben und anschließend das Ehegelübde vorgetragen. Der Bräutigam sprach zunächst ein paar Sätze auf Chinesisch und wiederholte sie dann auf Englisch. Die Braut hielt ihr Gelübde ebenfalls zweisprachig und überraschte zusätzlich mit ein paar Worten auf Deutsch.

Im Anschluss trat der Trauzeuge des Bräutigams auf die Bühne. Er übersetzte das Gelübde noch einmal vollständig ins Chinesische und hielt anschließend selbst eine zweisprachige Rede. Er ist Deutscher, lebt jedoch seit neun Jahren in China und spricht entsprechend gut Chinesisch.

Danach wurden die Eltern auf die Bühne gebeten. Jeder hielt eine kurze Rede in seiner jeweiligen Sprache. Anschließend erhielten alle ein Glas, gefüllt mit Cola, stießen gemeinsam an und tranken darauf. Danach richteten Braut und Bräutigam noch persönliche Worte an ihre Schwiegereltern.

Mit einem Kuss endete schließlich die Zeremonie und das frisch verheiratete Paar verließ die Bühne. Insgesamt dauerte der offizielle Teil nur etwa 30 Minuten.

Direkt im Anschluss wurde das Essen serviert. Währenddessen zog sich das Brautpaar um und erschien später in traditioneller chinesischer Kleidung erneut im Saal. Sie gingen von Tisch zu Tisch, bedankten sich persönlich bei den Gästen und erkundigten sich, ob alles in Ordnung sei.

Dabei wurde gemeinsam angestoßen, meist mit Schnaps oder Bier und die Gäste überreichten ihre Geschenke in Form von Geld in einem roten Umschlag, dem sogenannten „Hongbao“. Dieser wird traditionell mit beiden Händen an die Braut übergeben, als Zeichen von Respekt.

Nach dem Essen leerten sich die Tische überraschend schnell. Am Ende waren nur noch unsere wenigen Tische besetzt. Uns wurde erklärt, dass die Veranstaltung um 13 Uhr endet, da der Saal im Anschluss direkt für die nächste Feier vorbereitet wird.

Es war sehr spannend, eine chinesische Hochzeit einmal selbst mitzuerleben. Gleichzeitig wirkte sie auf mich strukturierter und kürzer, als man es von Hochzeiten in Deutschland kennt.

Da viele internationale Gäste angereist waren und der Bräutigam selbst Deutscher ist, sollte der Tag nach der kurzen Zeremonie noch nicht enden. Deshalb trafen wir uns nach einer kleinen Pause von etwa vier Stunden erneut, diesmal zu einem gemeinsamen Abendessen mit anschließender Feier in einer Bar.

Die Bar hatte eine ganz besondere Bedeutung, denn dort arbeitet die Mutter der Braut. Außerdem wurde dort selbst gebrautes Bier ausgeschenkt. Besonders gut geschmeckt haben mir der Apple Cider und ein fruchtiges Berry Beer.

Neben den Getränken gab es auch reichlich Essen. Ein echtes Highlight waren die hausgemachten Dumplings der Mutter der Braut, die wirklich hervorragend waren.

Für Unterhaltung sorgten die Trauzeugen mit verschiedenen Spielen, die teilweise den ganzen Abend über liefen. Besonders witzig war das Hochzeits-Bingo: Auf den Karten standen typische Situationen wie „jemand tanzt viel zu ernst“ oder „jemand verschüttet ein Getränk“. Wer zuerst eine Reihe voll hatte und „Bingo“ rufen konnte, gewann ein gemeinsames Essen mit dem Brautpaar.

Ein weiteres Spiel war der Klassiker mit den Schuhen und den Fragen. Allerdings wurde hier auch das Publikum mit einbezogen. Wir durften vorab abstimmen, indem wir je nach Antwort die linke Hand für die Braut oder die rechte Hand für den Bräutigam hoben, bevor das Paar selbst antwortete. Das hat für viele lustige Momente gesorgt.

Insgesamt war es ein sehr gelungener Abend mit vielen netten Gesprächen, viel Lachen und einem schönen Abschluss für eine unvergessliche Hochzeit.

Shenyang – Hauptstadt der Provinz Liaoning

Am Tag nach der Hochzeit machten wir uns mit dem Zug auf den Weg nach Shenyang, der Hauptstadt der Provinz Liaoning, in der auch Kaiyuan liegt. Die Fahrt dauerte nur etwa 30 Minuten, sodass wir uns bewusst dafür entschieden hatten, das Wochenende noch vor Ort zu nutzen. Einige Gäste traten bereits die Heimreise an, andere so wie wir blieben noch ein wenig länger, um die Region besser kennenzulernen.

Shenyang zählt mit rund 9 Millionen Einwohnern zu den größeren Städten im Nordosten Chinas und gilt als wichtiges Industrie- und Kulturzentrum. Gleichzeitig blickt die Stadt auf eine lange Geschichte zurück und spielte insbesondere während der Qing-Dynastie eine bedeutende Rolle.

Unser erster Stopp war der Shenyang Imperial Palace, auch bekannt als Mukden-Palast. Er wurde im 17. Jahrhundert erbaut und diente als frühe Residenz der Qing-Kaiser, bevor die Hauptstadt nach Peking verlegt wurde. Heute gehört die Anlage zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist nach der Verbotenen Stadt in Peking eine der bedeutendsten kaiserlichen Palastanlagen Chinas.

Allerdings entschieden wir uns an diesem Tag, den Palast nur von außen zu betrachten. Durch die Feiertage rund um den 1. Mai war die Stadt extrem voll und besonders an touristischen Orten herrschte ein regelrechter Ausnahmezustand.

Auf unserem Weg dorthin fielen uns neben den oft kunstvoll gestalteten Gullideckeln auch einige beeindruckende Gebäude ins Auge. Besonders auffällig war ein großes Gebäude, das sich bei näherem Hinsehen als Feuerwehrstation entpuppte – modern, imposant und gleichzeitig überraschend gut in das Stadtbild integriert.

Weiter ging es für uns zur Nanguan-Kirche, einer der bekanntesten katholischen Kirchen in Shenyang. Sie wurde ursprünglich im 19. Jahrhundert erbaut und zählt zu den größten Kirchen im Nordosten Chinas. Die Architektur hebt sich deutlich vom sonst eher traditionellen Stadtbild ab und zeigt, wie stark auch westliche Einflüsse in bestimmten Regionen Chinas vertreten sind.

Im Anschluss liefen wir noch ein Stück durch die Straßen und kamen dabei an einem lokalen Markt vorbei. Danach legten wir eine kleine Pause ein, gönnten uns einen Kaffee und beobachteten einfach ein wenig das Geschehen um uns herum.

Unser letzter Stopp des Tages war eine Einkaufsstraße. Mit modernen Gebäuden und vielen bekannten Weltmarken, ein Kontrast zu den kulturellen Gebäuden.

Anschließend machten wir uns mit dem Taxi auf den Weg zum Bahnhof. Leider verpassten wir unseren ursprünglich geplanten Zug und mussten spontan umbuchen. Die Wartezeit nutzten wir, um noch etwas essen zu gehen und uns ein kleines Andenken zu kaufen, eine Espressotasse für unsere Sammlung. Als kleine Überraschung bekamen wir sogar noch einen Magneten geschenkt, was unsere Stimmung nach dem verpassten Zug direkt wieder deutlich verbessert hat.

Zurück im Hotel fielen wir ziemlich müde ins Bett, denn am nächsten Morgen ging es für uns schon früh weiter zum nächsten Stopp unserer Reise: den Changbai Mountains. Mehr dazu gibt es dann im nächsten Blog.