Mit dem Zug ging es für uns am Sonntag weiter Richtung Grenze zu Nordkorea. In der Provinz Jilin im Nordosten Chinas liegt eines der bekanntesten Naturgebiete des Landes: der Changbai Mountain. Das Gebirge ist vor allem für seinen beeindruckenden Kratersee bekannt, den sogenannten „Heaven Lake“ (Tianchi). Dieser liegt auf etwa 2.000 Metern Höhe direkt an der Grenze zwischen China und Nordkorea und zählt zu den höchstgelegenen Kraterseen der Welt. Außerdem ist die Region bekannt für ihre dichten Wälder, heißen Quellen und die langen, schneereichen Winter.
Unser Ziel war es, in den nächsten zwei Tagen den berühmten See zu sehen und etwas wandern zu gehen. Doch schon bei unserer Ankunft wurde klar, dass das Wetter uns einen Strich durch die Rechnung machen könnte. Es regnete, dichter Nebel hing über den Bergen und dadurch war ein Aufstieg an diesem Tag weder erlaubt noch wirklich sinnvoll, da man auf 2.000 Metern ohnehin kaum etwas gesehen hätte.
Deshalb beschlossen wir, den Tag entspannt anzugehen. Nach dem Einchecken frühstückten wir erstmal gemütlich und wärmten uns mit einer heißen Schokolade auf.
Zum Glück ließ es sich in unserem Hotel, dem Hyatt, wirklich gut aushalten.





Direkt angrenzend befindet sich im Winter ein großes Skigebiet, sodass wir vom Zimmer aus einen schönen Blick auf die Skipisten hatten. Es war spannend zu beobachten, wie sich die Aussicht im Laufe der Tage durch das wechselnde Wetter immer wieder verändert hat.
Den Nachmittag verbrachten wir erst in dem beheizten Außenpool und später machten wir es uns mit ein paar Folgen Bergdoktor gemütlich. Zwischendurch telefonierten wir noch mit der Heimat und so verging der Abend trotz des schlechten Wetters erstaunlich schnell.



Am nächsten Morgen standen wir dann recht früh auf, um das Frühstücksbuffet ausgiebig zu testen. Die Auswahl war riesig und reichte von klassischen westlichen Speisen bis hin zu vielen asiatischen Gerichten. Während Nico meist bei Bekanntem bleibt, probiere ich mich gerne durch neue Sachen. Für mich wurden es diesmal ein herzhafter gefüllter Pfannkuchen und kleine Zimtgebäcke, die direkt in einem Ofen an der Wand geröstet wurden.
Ein echtes Highlight war außerdem die Soup Bar, an der man sich seine eigene Nudelsuppe zusammenstellen konnte. Die Station war allerdings so beliebt, dass ich sie erst am zweiten Morgen testen konnte. Das Warten hat sich aber definitiv gelohnt.








Gut gestärkt machten wir uns anschließend auf den Weg zum Treffpunkt für das Wandergebiet. In den Nationalpark gelangt man nämlich nur mit speziellen Shuttlebussen, die von einem kleinen touristischen Dorf aus starten.
Doch dort angekommen folgte direkt die nächste Enttäuschung: Der Berg war gesperrt.
Mit unserem eher gebrochenen Chinesisch versuchten wir herauszufinden, warum genau, wie lange die Sperrung gilt und welche Alternativen es gibt. Nach einiger Zeit verstanden wir schließlich, dass der Aufstieg zum Kratersee aufgrund von Schnee und Eis aktuell verboten war und vermutlich auch die nächsten Tage geschlossen bleiben würde.
Unser eigentlicher Plan, den berühmten Heaven Lake zu sehen, fiel damit leider komplett ins Wasser. Lediglich ein anderer Bereich des Nationalparks war geöffnet. So ganz verstanden wir zwar nicht, was uns dort genau erwartet, aber wir beschlossen trotzdem, die Gelegenheit zu nutzen, damit die lange Anreise nicht völlig umsonst gewesen war.
Also kauften wir die Tickets, passierten die Sicherheitskontrolle und stiegen in den Shuttlebus. Nach insgesamt etwa eineinhalb Stunden Fahrt durch die Berglandschaft kamen wir schließlich an und waren natürlich gespannt, was uns dort erwarten würde.





Zuerst haben wir uns die Informationstafeln durchgelesen, um überhaupt zu verstehen, was wir uns gleich anschauen werden. Zum Glück waren diese auch auf Englisch übersetzt. Dabei erfuhren wir, dass die sogenannte Jinjiang Gorge durch den Ausbruch des Changbai-Vulkans vor über 1.000 Jahren entstanden ist. Nach der gewaltigen Eruption lagerten sich große Mengen Vulkanasche, Bimsstein und Gestein ab. Über viele Jahre schnitt sich dann der Fluss immer tiefer durch diese weichen Ablagerungen und formte so die heute beeindruckende Schluchtlandschaft.
Die Schlucht liegt etwa 20 Kilometer südwestlich des berühmten Heaven Lakes und ist stellenweise über 100 Meter tief sowie bis zu 300 Meter breit. Besonders faszinierend sind die vielen außergewöhnlichen Felsformationen, Steinsäulen und kleinen „Steinwälder“, die durch Erosion entstanden sind. Von oben betrachtet erinnert die Form der Schlucht sogar an eine Art Fischgräte.
Außerdem wurde erklärt, wie wichtig die umliegenden Wälder für das Ökosystem sind. Vor allem die abgestorbenen und umgefallenen Bäume spielen hier eine große Rolle. Sie dienen als Lebensraum für Insekten und Vögel und gleichzeitig als Nährboden für neue Pflanzen und junge Bäume. In den dichten Wäldern rund um den Changbai Mountain bleibt deshalb vieles ganz bewusst der Natur überlassen.
Anschließend gingen wir den geführten und ausgeschilderten Weg entlang, der mit Holzstegen und Plattformen angelegt war. Immer wieder gab es Aussichtspunkte, an denen man stehen blieb, die Landschaft betrachtete und die beeindruckenden Formationen aus der Nähe anschauen konnte.








Das eigentliche Highlight waren für mich aber die tierischen Bewohner des Waldes – einfach sooo süß!
Immer wieder huschten kleine Streifenhörnchen durch die Gegend oder saßen direkt neben dem Weg und beobachteten die Besucher. Auf den Informationstafeln erfuhren wir dann mehr über die kleinen Tiere. Die Chipmunks, also Streifenhörnchen, gehören zur Familie der Eichhörnchen und sind vor allem für ihre großen Augen, ihr flauschiges Fell und die typischen Streifen auf dem Rücken bekannt.
Besonders lustig ist ihr Essverhalten. Die kleinen Tiere verbringen scheinbar den Großteil ihres Tages damit, Nahrung zu sammeln und ihre Backentaschen vollzustopfen. Dort transportieren sie Samen, Nüsse, Früchte und Getreide zu ihren Vorratslagern. Teilweise können sie mehrere Kilo Nahrung für den Winter sammeln. Da sie sich aber nicht immer an alle Verstecke erinnern, helfen sie gleichzeitig dabei, neue Pflanzen und Bäume zu verbreiten.
Die kleinen Tiere waren wirklich unglaublich niedlich und für mich fast spannender als manche Aussichtspunkte. Man hätte ihnen stundenlang zuschauen können.


Entlang des Weges gab es außerdem immer wieder Informationstafeln über die besonderen Wälder rund um den Changbai Mountain. Zum Beispiel den sogenannten Red Pine Forest, also die koreanischen Rotkiefernwälder, die hier als eine der wichtigsten und artenreichsten Waldformen Nordasiens gelten.
Die Wälder entwickeln sich über viele Jahre hinweg immer weiter. Zuerst wachsen vor allem Laubbäume schnell nach, später kommen immer mehr Nadelbäume dazu. Mit der Zeit übernehmen dann die Rotkiefern zunehmend die Landschaft, bis schließlich ein dichter Nadelwald entsteht. Diese Wälder gelten als besonders wertvoll, da sie unglaublich viele Tier- und Pflanzenarten beherbergen und sich über Millionen Jahre entwickelt haben.
Die Rotkiefer selbst steht in China sogar unter besonderem Schutz und wächst vor allem in Höhenlagen zwischen 500 und 1.000 Metern. Rund um den Changbai Mountain prägt sie große Teile der Landschaft.
Spannend war auch die sogenannte „Liebe zwischen Kiefer und Birke“, wie sie dort beschrieben wurde. Dabei wachsen Birken und Kiefern oft direkt nebeneinander. Die Birken schützen die jungen Kiefern zunächst vor Wind und Wetter. Sobald die Kiefern größer werden, nehmen sie den Birken allerdings nach und nach das Sonnenlicht und ersetzen sie schließlich. So verändert sich der Wald im Laufe der Zeit ganz natürlich.


Nach der anderthalbstündigen Busfahrt zurück zum Tourismuscenter und der anschließenden Taxifahrt zu unserem Hotel beschlossen wir, den restlichen Tag ganz entspannt zu verbringen und uns noch etwas auf dem Gelände des Hyatt umzuschauen.
Das Resort rund um das Park Hyatt Changbaishan ist deutlich mehr als nur ein Hotel. Die gesamte Anlage ist wie ein kleines Bergdorf aufgebaut und gehört zu einem der bekanntesten Ski- und Freizeitresorts Nordostchinas. Im Winter zieht das Gebiet vor allem Skifahrer an, während es im Sommer eher Wanderer und Naturfreunde in die Region verschlägt.






Zunächst haben wir uns noch einen Kaffee geholt und spontan entschieden, mit der Gondel den Berg hinaufzufahren, da sich das Wetter inzwischen deutlich gebessert hatte. Die Wolken lockerten immer mehr auf und oben angekommen wurden wir mit einer wirklich schönen Aussicht belohnt. Von dort konnte man das weitläufige Skigebiet mit seinen verschiedenen Pisten und Liften von oben sehen. Besonders beeindruckend war aber der Blick in die Ferne, denn zwischen den Wolken erschien tatsächlich der schneebedeckte Changbai Mountain.






Wir haben dort oben dann einfach eine Weile die Ruhe und Aussicht genossen, bevor es mit der Gondel wieder nach unten ging.




Unten angekommen schauten wir uns noch etwas auf dem Gelände um. Vor allem für Familien gibt es dort unglaublich viele Freizeitangebote. Neben einer Sommerrodelbahn konnte man auf dem kleinen See Tretboot fahren und es gab verschiedene Spiel- und Erlebnisbereiche für Kinder.
Wir selbst liefen einfach entspannt durch die Anlage und schauten uns noch das kleine Dorf rund um das Resort an. Dort gibt es viele kleine Geschäfte, Cafés und Restaurants.
Am Abend ging es dann zurück ins Hotel. Wir machten uns frisch, aßen noch etwas und ließen den Tag ruhig ausklingen. Damit endeten auch schon unsere Tage am Changbai Mountain deutlich anders als ursprünglich geplant, aber trotzdem mit vielen schönen Eindrücken.



Am nächsten Morgen machten wir uns schließlich wieder mit dem Schnellzug auf den Rückweg nach Peking. Für die Strecke brauchten wir etwa fünf Stunden, wobei unser Zug dieses Mal sogar rund 20 Minuten Verspätung hatte, was in China tatsächlich eher selten vorkommt. Zuhause angekommen wurden nur noch die Koffer ausgepackt und der restliche Abend entspannt genossen, bevor am nächsten Tag wieder der normale Alltag begann.
Sauerteigbrot, ich komme!
Nach den vielen Eindrücken der letzten Tage stand dieses Mal etwas ganz anderes auf dem Programm: ein Sauerteigbrot-Workshop. Organisiert wurde dieser von einer Charity-Gemeinschaft, bei der ein Teil der Einnahmen gespendet wird. Allein deshalb fand ich die Idee schon schön und gleichzeitig war ich natürlich neugierig, endlich mehr über Sauerteigbrot zu lernen.
Vor allem das Thema Starter ansetzen und die richtige Falttechnik haben mich bisher immer etwas abgeschreckt. Genau deshalb hatte ich mich sehr auf den Kurs gefreut.
Vor Ort waren wir ungefähr 25 Teilnehmer und ein Bäckermeister erklärte uns zunächst die Grundlagen rund um Sauerteig, Gehzeiten und verschiedene Techniken. Anschließend mischte er noch einmal einen frischen Teig an, um die einzelnen Schritte zu zeigen. Die eigentlichen Teige für unsere Brote hatte er allerdings bereits am Vortag vorbereitet.




Danach ging es an die erste Falttechnik. Nach und nach durften einige Teilnehmer nach vorne kommen und diese ausprobieren. Leider gab es dabei nicht genügend Teige, sodass nicht jeder selbst üben konnte und ich in der ersten Runde leer ausging. Etwas schade, weil gerade das praktische Arbeiten ja eigentlich das Spannende daran ist.
Später bekamen wir dann einen anderen, bereits vorbereiteten Teig vorgewogen, mit dem schließlich jeder an seinem Platz die endgültige Falttechnik selbst ausprobieren durfte. Das hat mir dann richtig Spaß gemacht. Anschließend wurden die Teige in Gärkörbchen gelegt und jeder schrieb seinen Namen darauf.
Allerdings wurden die Brote danach vom Bäcker nochmal neu gefaltet, bevor sie weiter verarbeitet wurden. Das war etwas frustrierend, weil man natürlich gerne sehen möchte, wie das eigene Brot am Ende wirklich geworden wäre.
Während die Teige erneut ruhten, erklärte er uns noch etwas Theorie, bevor wir anschließend den sogenannten Spannungsschnitt üben durften. Dabei haben wir zwei unterschiedliche Brote vorbereitet und jeweils verschiedene Schnitttechniken ausprobiert.
Gebacken wurden ein Walnuss-Sauerteigbrot und ein Schwarzwälder-Kirschbrot, jeweils kleine 200-Gramm-Brote. Leider landeten beim Backen dann alle Brote gemeinsam auf den Blechen, sodass am Ende niemand mehr genau wusste, welches Brot eigentlich das eigene war.
Nach dem Backen hatten wir erstmal Mittagspause und konnten die Brote später abholen. Zusätzlich bekamen wir noch etwas aktiven Sauerteigstarter für Zuhause, das Rezept und machten gemeinsam noch ein Gruppenfoto mit dem Bäckermeister.




Geschmacklich waren die Brote wirklich sehr lecker, trotzdem war ich insgesamt ein wenig zwiegespalten. Einerseits war es spannend, die Techniken mal live zu sehen und nun endlich einen aktiven Starter zu besitzen. Andererseits hatte ich mir erhofft, mehr selbst machen zu können und vor allem genauer zu lernen, wie man einen Sauerteigstarter wirklich von Grund auf selbst züchtet.
Ganz aufgehalten hat mich das aber nicht. Am Sonntag habe ich direkt meinen ersten eigenen Versuch gestartet. Für das erste selbstgebackene Sauerteigbrot war das Ergebnis eigentlich schon ganz okay auch wenn definitiv noch einiges an Übung vor mir liegt.

Hutong Kneipen-Safari
Am Donnerstagabend war ich wieder mit der Patengruppe unterwegs dieses Mal stand eine Hutong Kneipensafari auf dem Programm.
Getroffen haben wir uns zunächst im Puzzles, wo wir bereits schon öfter waren und das ich euch auch hier im Blog schon mehrmals gezeigt habe. Dort starteten wir ganz entspannt mit einem Getränk und ein paar kleinen Snacks in den Abend. Auf den Tisch kamen unter anderem Flammkuchen, Gemüse mit Hummus und Melone mit Schinken perfekt, um erstmal gemeinsam anzukommen und sich auszutauschen.
Danach ging es weiter in eine zweite Bar mit den Fahrräder entlang des Houhai-Sees und durch die schmalen Gassen der Hutongs. Besonders abends hat diese Gegend nochmal eine ganz eigene Stimmung. Die beleuchteten Dächer, das Licht, das sich im Wasser spiegelt, und die kleinen Gassen drumherum wirken fast ein bisschen wie aus einem Film.
Unser nächster Stopp war dann das Grade Lab Brewing ein kleines Craft-Beer-Lokal mitten in den Hutongs. Die Brauerei ist vor allem für ihre selbstgebrauten Biere bekannt und bietet regelmäßig wechselnde Sorten an. Besonders schön ist dort der kleine Innenhof, in dem man gerade an warmen Abenden unglaublich gemütlich draußen sitzen kann.
Der letzte Stopp des Abends kam mir zunächst gar nicht bekannt vor. Erst als wir drinnen standen, fiel mir auf, dass es tatsächlich die erste Bar in den Hutongs war, die ich damals mit meinen Freundinnen besucht hatte. Im Winter hatten wir dort noch gemütlich drinnen gesessen dieses Mal ging es allerdings hinauf auf die Dachterrasse.
Dort oben waren wir fast alleine und hatten einen wunderschönen Blick über die Dächer der Hutongs. Mit guten Gesprächen, entspannter Musik und ein paar Getränken war es wirklich ein perfekter Abschluss für den Abend.
Gegen Mitternacht wurde es dann langsam etwas frischer und wir machten uns auf den Heimweg. Gemeinsam mit einer Freundin teilte ich mir noch ein Taxi nach Hause.




Auch wenn ich die Orte bereits kannte, war es wieder ein richtig schöner Abend. Die Hutongs gehören einfach weiterhin zu meinen Lieblingsorten in Peking und schaffen es jedes Mal aufs Neue, mich zu begeistern.
Das erste Mal im Stadion
Das Wochenende verlief bei uns insgesamt eher ruhig und entspannt. Am Freitagabend waren wir dann noch gemütlich mit Freunden essen, bevor es auch relativ früh nach Hause ging, da Nico am nächsten Morgen arbeiten musste.
Der Samstag bestand für mich größtenteils aus kleinen Alltagsaufgaben. Ich habe mich mit dem Brotbacken beschäftigt, am Blog weitergeschrieben, an meinem Fotobuch gearbeitet und die Wäsche erledigt.
Am Sonntag nutzten wir die Zeit, um etwas auszuschlafen und ein paar Dinge zu erledigen. Am Abend stand dann für Nico noch Highlight an. Er traf sich er am Abend mit ein paar Freunden. Gemeinsam gingen sie zum Fußballspiel Beijing gegen Shanghai – ein Geschenk für einen Freund und gleichzeitig auch Nicos erster Stadionbesuch hier in China.
Für ihn war es besonders spannend, die Atmosphäre einmal live mitzuerleben und zu sehen, wie sich ein Fußballspiel hier von den Spielen in Deutschland unterscheidet.



