Diese Woche war eine dieser Wochen, die man wahrscheinlich nicht auf einer Postkarte festhalten würde. Keine spektakulären Ausflüge, keine neuen Sehenswürdigkeiten und keine besonderen Highlights, über die man sofort erzählen möchte.
Und trotzdem habe ich in dieser Woche gemerkt, wie sehr sich unser Leben hier verändert hat.
Vor neun Monaten war jeder Tag in Peking ein kleines Abenteuer. Alles war neu, ungewohnt und manchmal auch überfordernd. Heute kenne ich die Verkäufer auf dem Markt, habe meine Lieblingscafés, fahre selbstverständlich mit dem Fahrrad quer durch die Stadt und ärgere mich über die gleichen Alltagsdinge wie zuhause. Vieles wirkt inzwischen vertraut und genau das hätte ich vor einem Jahr wahrscheinlich nicht erwartet.
Gleichzeitig befinde ich mich gerade in einer merkwürdigen Zwischenphase. Der Heimaturlaub rückt immer näher und ich freue mich unglaublich darauf, Familie und Freunde wiederzusehen. Nach neun Monaten gibt es vieles zu erzählen und noch mehr Menschen, die ich gerne in den Arm nehmen möchte.
Vielleicht hat mich diese Woche deshalb mehr zum Nachdenken gebracht als viele andere. Darüber, wie schnell man sich an ein Leben auf der anderen Seite der Welt gewöhnen kann. Darüber, wie wichtig Freundschaften und Routinen werden. Und darüber, dass gerade die ganz normalen Tage das schwierigste sein können.
Montag = Markttag
Der Montag begann für mich, nachdem ich den Blog veröffentlicht hatte, mal wieder mit einem Besuch auf dem Markt. Bereits um 10 Uhr zeigte das Thermometer knapp 30 Grad, als ich mich mit dem Fahrrad auf den Weg machte. Der Markt liegt etwa eine halbe Stunde von uns entfernt, die Strecke lässt sich aber angenehm fahren, da es größtenteils einfach geradeaus geht.
Als ich zwischen den Kirschständen stand, musste ich daran denken, dass mir vor neun Monaten dieser Markt noch völlig fremd war. Heute erkennen mich die Händler teilweise wieder und ich weiß genau, an welchem Stand ich welches Obst kaufe. Solche Momente zeigen mir immer wieder, wie sehr Peking inzwischen zu einem Stück Alltag geworden ist.
Trotzdem gibt es jedes Mal etwas Neues zu entdecken. Ständig eröffnen neue Händler ihre Stände und bringen andere Spezialitäten mit. Gleichzeitig verändert sich das Angebot mit den Jahreszeiten. Die Erdbeerbauern, die noch vor wenigen Wochen überall vertreten waren, sind inzwischen fast ganz verschwunden.
An diesem Tag brauchte ich gar nicht besonders viel, trotzdem blieb ich an einigen Ständen stehen, probierte hier und da etwas und genoss die besondere Atmosphäre.
Mit meinen Einkäufen machte ich mich anschließend wieder auf den Heimweg.
📸 Kleines Ratespiel:
Was glaubt ihr, habe ich für meinen Einkauf auf dem Markt bezahlt? Die Auflösung gibt es am Ende dieses Abschnitts.



Der restliche Tag war deutlich weniger spektakulär, aber nicht weniger produktiv. Zuhause arbeitete ich weiter an unseren Fotobüchern. Da die Versandkosten recht hoch sind, wollte ich alle Bücher gleichzeitig bestellen. Insgesamt sind es mittlerweile fünf Fotobücher geworden, die unsere vergangenen Monate in Asien festhalten. Zwei davon mussten noch fertiggestellt werden, damit ich am nächsten Tag alles gemeinsam bestellen konnte.
Dabei habe ich mich immer wieder in den Bildern verloren. Es ist verrückt, wie viele Erinnerungen sich in nur wenigen Monaten ansammeln können. Viele Situationen fühlen sich an, als wären sie erst vor ein paar Wochen gewesen, obwohl inzwischen fast ein Jahr vergangen ist.
Danach bereitete ich noch einen Kartoffelsalat für das Abendessen vor, bevor am Nachmittag mein Chinesischunterricht stattfand. Am Abend ging es dann wie so oft noch gemeinsam ins Fitnessstudio, bevor wir den Tag zuhause ausklingen ließen.
Auflösung Ratespiel: 8,47€💰🍒🍑🍉
Mädelstage mit kleinen Besorgungen
Am Dienstag und Mittwoch standen vor allem viele kleine Erledigungen und gemeinsame Unternehmungen mit meiner Freundin auf dem Programm. Morgens kümmerte ich mich meist zuerst um meine To-dos, lernte Chinesisch, erledigte die Wäsche, bestellte die fertigen Fotobücher und arbeitete meine Aufgabenliste ab, bevor wir uns später trafen.
An einem der Tage starteten wir ganz entspannt mit einem Kaffee im Cabo Café, einem meiner absoluten Lieblingscafés in Peking. Dort gibt es den besten Affogato der Stadt (Espresso mit Vanilleeis). Bei den sommerlichen Temperaturen wäre das eigentlich die perfekte Wahl gewesen, ich blieb aber wie gewohnt bei meinem Flat White.
Kleine Sprachbeobachtung am Rande: Ein Flat White heißt auf Chinesisch tatsächlich übersetzt „weißer Kaffee“, während Cappuccino meist einfach als „Kapu“ ausgesprochen wird.
Anschließend fuhren wir gemeinsam mit dem Fahrrad zum Pearl Market. Dort wollte meine Freundin noch eine Tasche für ihre Mutter abholen, die sie bereits zuvor ausgesucht hatte. Der Pearl Market ist immer wieder ein Erlebnis. Manche Geschäfte wirken von außen fast geschlossen und man muss erst klingeln, klopfen oder die Händler anrufen, damit sie einen hereinlassen.
Nachdem wir unsere Besorgungen erledigt hatten, gingen wir noch gemeinsam etwas essen, bevor wir wieder nach Hause radelten. Dort aktualisierte ich an meinen Lebenslauf, ging zum Sport und bereitete später das Abendessen vor, bis Nico von der Arbeit nach Hause kam.



Am nächsten Tag stand erneut etwas Chinesischlernen auf dem Programm, außerdem begann ich damit, die ersten Notizen für diesen Wochenblog zu sammeln. Ehrlich gesagt fallen mir solche Wochen manchmal sogar schwerer zu schreiben als Reiseberichte oder Ausflüge. Bei Sehenswürdigkeiten kann man Fakten erzählen. Im Alltag geht es viel mehr um die kleinen Momente und die Gefühle dahinter.
Am Nachmittag traf ich mich dann mit zwei Freundinnen zu einem kleinen Abschiedstag. Da eine von ihnen Peking bald verlassen wird, hatte sie sich zum Abschied noch einmal einen gemeinsamen Mädelstag gewünscht. Ihre Wahl fiel auf etwas, das in China fast schon zum Alltag gehört: eine ausgiebige Massage.
Für 378 Yuan, also rund 48 Euro, bekamen wir 130 Minuten Entspannung mit Fußmassage, Ganzkörpermassage, Aromaöl und heißen Steinen. In Deutschland würde man für ein vergleichbares Angebot vermutlich deutlich mehr bezahlen.
Danach ging es noch zu einem anderen Markt, der größtenteils von russischsprachigen Händlern betrieben wird. Meine Freundin wollte dort noch ein paar Mitbringsel für ihre Familie besorgen und mir gleichzeitig eine Händlerin zeigen, die für ihre hochwertigen Seiden- und Kaschmirschals bekannt ist. Solche Kontakte sind in Peking Gold wert. Viele der besten Händler findet man nicht über das Internet, sondern nur durch Empfehlungen.
Genau solche Tipps machen für mich einen großen Teil des Lebens hier aus. So wird diese riesige Millionenstadt mit der Zeit immer kleiner und vertrauter. Was anfangs oft überwältigend wirkte, fühlt sich heute an vielen Stellen schon erstaunlich selbstverständlich an.
Als Nico am Abend von der arbeit kam, gingen wir erneut gemeinsam zum Sport, aßen anschließend zu Abend und ließen den Tag schließlich gemütlich auf der Couch ausklingen. Weil wir einfach Lust auf etwas Leichtes zum Abschalten hatten, starteten wir die neue Staffel „LOL“ auf Amazon Prime und verbrachten einen entspannten Abend zuhause.
Café zwischen Tempel und Parkidylle
Am Donnerstag stand noch eine kleine Mission für unser „Frühstückstreff“ an. Bevor ich nach Deutschland fliege, wollten wir noch eine neue Location Empfehlung testen, die für eines unserer nächsten Treffen In Frage kommen könnte.
Dabei gibt es immer einige Punkte zu prüfen: Ist das Café groß genug für unsere Gruppe? Öffnet es tatsächlich zur angegebenen Uhrzeit? Gibt es Frühstück oder nur Mittagessen? Und natürlich die wichtigste Frage: Schmeckt es überhaupt?
Vor Ort angekommen, war ich zunächst etwas verwirrt, weil ich das Café nicht direkt finden konnte. Stattdessen stand ich plötzlich vor einem kleinen Tempel. Natürlich nutzte ich die Gelegenheit und schaute mich kurz um. Der Tempel war zwar nicht besonders groß, wirkte aber unglaublich friedlich. Im Inneren stand eine Buddha-Statue, davor brannten Räucherstäbchen und zwei kunstvoll gestaltete Figuren bewachten den Eingang.

Direkt neben dem Tempel lag ein Park und genau dort versteckte sich auch das Café. Schon beim Betreten war ich begeistert. Überall waren Menschen unterwegs. Einige sangen, andere tanzten, spielten Karten oder saßen einfach zusammen und unterhielten sich. Es ist etwas, das mir in China immer wieder auffällt: Parks sind hier keine Orte, durch die man nur hindurchläuft. Sie sind echte Treffpunkte für Menschen jeden Alters.
Kurz darauf trafen auch die beiden anderen Mitorganisatorinnen ein. Es war vermutlich eines unserer letzten Treffen in dieser Konstellation, umso schöner war es, noch einmal gemeinsam unterwegs zu sein.
Das Café selbst überzeugte schnell. Es lag direkt an einem kleinen angelegten See, hatte sowohl einen gemütlichen Außenbereich als auch einen sehr schön gestalteten Innenraum und bot genau die entspannte Atmosphäre, die wir für unsere Frühstücksrunde suchen. Bei Kaffee, Frühstück und vielen Gesprächen testeten wir die Speisekarte und waren uns schnell einig: Diese Location wird es für das nächste Treffen.
Nach zwei schönen Stunden machten wir uns wieder auf den Heimweg. Die sechs Kilometer mit dem Leihfahrrad nach Hause kosteten mich gerade einmal 2 Yuan, also rund 26 Cent. Solche Preise sind einer der Gründe, warum ich hier fast alles mit dem Fahrrad erledige. Es ist günstig, flexibel und oft sogar schneller als mit dem Auto oder Taxi. Außerdem erlebt man die Stadt viel intensiver, als wenn man einfach nur von A nach B gefahren wird.








Am Abend war ich dann mit Nico verabredet. Eigentlich wollten wir uns gemeinsam mit einem Arbeitskollegen von ihm zum Essen treffen, doch dieser musste kurzfristig absagen. Also gingen wir spontan einfach zu zweit essen.
Die Wahl fiel auf ein türkisches Restaurant, nur etwa 1,8 Kilometer von unserer Wohnung entfernt. Das Essen war hervorragend und wir verbrachten einen entspannten Abend mit guten Gesprächen.


Ein ruhiger Ausklang
Am Freitag startete ich den Tag ganz entspannt mit einem Kaffee und meinen Chinesisch-Vokabeln im Innenhof unseres Apartmentkomplexes. Eigentlich nutze ich diesen Bereich viel zu selten, denn er ist wirklich schön angelegt. Von dort hat man sogar einen direkten Blick auf eines der bekanntesten modernen Bauwerke Pekings – das CCTV-Hauptquartier, das aufgrund seiner ungewöhnlichen Form von vielen liebevoll einfach nur „die Unterhose“ genannt wird.
Zwischen schattigen Sitzplätzen, sonnigen Ecken, kleinen Grünflächen und einer Laufstrecke lässt es sich dort wunderbar aushalten. An diesem Morgen war es erstaunlich ruhig. Außer einem Mitarbeiter, der gerade die Blumen und Büsche bewässerte, war niemand unterwegs. So konnte ich die angenehme Ruhe genießen, Vokabeln lernen und anschließend auch meine Hausaufgaben für den Chinesischunterricht erledigen.
Wieder zurück in der Wohnung hängte ich die Wäsche auf, bereitete mir Frühstück zu und schon begann mein Chinesischunterricht. Aktuell habe ich zweimal pro Woche jeweils anderthalb Stunden Unterricht. Zusätzlich habe ich mir vorgenommen, die nächsten 70 Tage besonders intensiv zu lernen, um zu sehen, wie weit ich komme und ob ich mir vielleicht sogar die HSK-Prüfungen zutrauen würde.
Die größte Herausforderung beim Chinesischlernen sind für mich aktuell die Schriftzeichen. Ab HSK 3 werden diese vorausgesetzt und genau damit tue ich mich im Moment noch schwer. Trotzdem merke ich, wie gut mir das Lernen tut. Es gibt meinem Alltag Struktur und das Gefühl, auf etwas hinzuarbeiten.
Manchmal fehlt mir ein konkretes Ziel, auf das ich hinarbeiten kann, oder etwas Greifbares, an dem ich meinen Fortschritt messen kann. Umso wichtiger sind für mich inzwischen die kleinen Projekte geworden: das Chinesischlernen, die Fotobücher oder auch dieser Blog. Sie erinnern mich daran, dass diese Zeit nicht einfach nur vorbeigeht. Ich sammle Erfahrungen, lerne neue Dinge, entwickle mich weiter und schaffe Erinnerungen, die mich wahrscheinlich noch lange begleiten werden, auch wenn man das im Alltag nicht immer so deutlich sieht wie später auf den fertigen Seiten eines Fotobuchs.
Nach dem Unterricht ging es für mich noch zum Sport. Anschließend nutzte ich die letzten Erdbeeren der Saison, um eine Erdbeer-Biskuitrolle zu backen. Die Erdbeeren beziehen wir hier regelmäßig direkt über einen Bauern, bei dem viele Bewohner unseres Apartmentkomplexes gemeinsam bestellen.
Für das letzte Kilo der Saison zahlten wir gerade einmal 18 Yuan – umgerechnet etwa 2,20 Euro.
Das eigentliche Abenteuer begann allerdings beim Backen. Mein Handrührgerät hat vor einiger Zeit den Geist aufgegeben, weshalb ich die Eier für den Biskuit komplett von Hand aufschlagen musste. Dabei wurde mir schnell bewusst, wie viel Arbeit das früher gewesen sein muss.
Am Abend trafen wir uns nach der Arbeit noch mit einem Freund und gleichzeitig Nachbarn aus unserem Apartmentkomplex. Gemeinsam gingen wir in ein Restaurant direkt gegenüber unserer Wohnanlage, das man mittlerweile fast schon als eines unserer Stammlokale bezeichnen kann. Bei gutem Essen, netten Gesprächen und sommerlichen Temperaturen ließen wir den Tag ausklingen.


Am Samstag stand für uns zunächst der große Gesundheitscheck an. Nachdem wir in der vergangenen Woche bereits zur Voruntersuchung dort gewesen waren, folgte nun der eigentliche Termin mit Blutbild, EKG und verschiedenen weiteren Untersuchungen.
Anschließend gingen wir gemeinsam frühstücken und genossen einen entspannten Vormittag zu zweit. Danach musste Nico noch seinen Koffer packen, zum Friseur und die letzten Vorbereitungen für seine bevorstehende Dienstreise erledigen.
Am Abend aßen wir noch gemeinsam, bevor es für ihn schließlich zum Flughafen ging. Für Nico beginnt damit seine erste Reise zurück nach Deutschland seit unserem Umzug nach Peking.
Nachdem er losgefahren war, machte ich es mir mit einer Maracuja-Schorle in unserem Sessel am Fenster gemütlich. Ich hörte Musik, blickte über die Stadt und begann schließlich, ein kleines Video von unserer Party am Hochzeitstag zusammenzuschneiden. Da am Sonntag unser erster kirchlicher Hochzeitstag anstand, war das die perfekte Gelegenheit, noch einmal in die Erinnerungen dieses besonderen Tages einzutauchen.
Der Sonntag verlief anschließend sehr ruhig. Nachdem es am Samstag fast durchgehend geregnet hatte, zeigte sich nun wieder die Sonne. Mit einem Kaffee setzte ich mich erneut in den Innenhof, las ein wenig in meinem Buch und genoss die angenehme Morgenstimmung.
Später traf ich mich ein letztes Mal mit einer Freundin und ihrem Mann. Gemeinsam schauten wir durch ihre verbliebenen Lebensmittelvorräte und stießen noch einmal auf die vergangenen Monate an.
Gerade in den letzten Wochen habe ich gemerkt, wie viele Menschen Peking aktuell verlassen. Einerseits freue ich mich natürlich für jeden, der den nächsten Schritt geht. Andererseits wird einem dabei bewusst, wie vergänglich vieles hier ist. Freundschaften entstehen oft unglaublich schnell, weil alle in einer ähnlichen Situation stecken. Gleichzeitig weiß man aber oft schon von Anfang an, dass sich die Wege irgendwann wieder trennen werden.
Am Abend ging ich noch einmal gemeinsam mit ihnen essen, bevor wir uns verabschiedeten. Den Sonntag ließ ich anschließend zuhause an unserem ersten kirchlichen Hochzeitstag ganz ruhig im Schein unserer Traukerze ausklingen.



Diese Woche war deutlich ruhiger als viele der vergangenen. Keine großen Reisen, keine spektakulären Sehenswürdigkeiten und keine besonderen Events.
Die besonderen Highlights bleiben natürlich in Erinnerung, doch am Ende sind es oft die ganz normalen Tage, die zeigen, wie sich ein Ort wirklich anfühlt.
Und nächste Woche wartet dann direkt die nächste neue Erfahrung auf mich: Zum ersten Mal seit unserem Umzug werde ich eine ganze Woche alleine in Peking verbringen, während Nico beruflich in Stuttgart unterwegs ist.