Tage voller Abschiede und Vorfreude

Die letzten Tage standen bei uns schon ganz im Zeichen der Vorfreude auf den bevorstehenden Heimaturlaub in Deutschland. Nach inzwischen neun Monaten freuen wir uns riesig darauf, endlich wieder Familie und Freunde zu sehen. Gleichzeitig bringt so ein kurzer Heimatbesuch aber auch einiges an Organisation mit sich. Zwischen Packlisten, Mitbringseln, aussortierten Sachen und den letzten Fotobüchern gab es deshalb im Alltag einiges zu erledigen.

Parallel dazu waren die vergangenen Wochen aber auch geprägt von vielen Verabschiedungen, denn aktuell verlassen wieder zahlreiche Freunde und Bekannte Peking. Dazu kamen sommerliche Temperaturen um die 30 Grad, die das Leben in der Stadt momentan besonders angenehm machen.

Und genau zwischen all diesen Vorbereitungen, Abschieden und kleinen Alltagsmomenten war natürlich trotzdem wieder einiges los, von einem spontanen Tagesausflug nach Tianjin über lange Fahrradtouren durch Peking bis hin zu gemeinsamen Sommerabenden mit Freunden.

Tianjin

Am letzten Wochenende zog es uns mal wieder aus Peking heraus. Diesmal ging es nach Tianjin, eine Millionenstadt etwa 130 Kilometer südöstlich von Peking, die man mit dem Schnellzug in gerade einmal rund 30 Minuten erreicht. Gerade diese unkomplizierte Verbindung macht Tianjin zu einem beliebten Ziel für Tagesausflüge.

Die Stadt unterscheidet sich architektonisch deutlich von Peking. Der Grund dafür liegt in der Geschichte: Ende des 19. Jahrhunderts entstanden dort mehrere internationale Konzessionen unter anderem von Großbritannien, Frankreich, Italien, Deutschland und Japan. Deshalb findet man bis heute ganze Straßenzüge mit europäischer Architektur, alten Villen und Gebäuden im westlichen Stil.

Schon nach der Ankunft machten wir uns direkt auf den Weg zu den berühmten „Fünf Großen Alleen“, auf Chinesisch Wudadao genannt. Das Viertel zählt zu den bekanntesten Gegenden Tianjins und besteht aus über 200 historischen Villen verschiedenster Baustile von britisch über französisch bis hin zu italienisch. Früher lebten dort Diplomaten, wohlhabende Händler und wichtige Persönlichkeiten Chinas. Beim Spaziergang fühlt man sich teilweise eher wie in Europa als mitten in China. Zwischen alten Fassaden, kleinen Cafés und den breiten, von Bäumen gesäumten Straßen herrschte eine richtig entspannte Atmosphäre.

Von dort aus ging es für uns mit den Leihfahrrädern weiter durch die Stadt. Ganz spontan hielten wir an einem Gebäude an, das uns sofort ins Auge stach. Der große rote Uhrturm mit den neugotischen Elementen wirkte fast wie eine kleine europäische Kirche mitten zwischen modernen Hochhäusern. Tatsächlich gehört das Gebäude zu einer künstlich angelegten europäischen Themenstraße im Stil britischer Architektur.

Wir setzten uns dort spontan in ein Café, tranken einen Kaffee und genossen einfach ein bisschen die Aussicht und das sommerliche Wetter. Genau solche ungeplanten Stopps machen Tagesausflüge oft besonders schön.

Danach ging es mit dem Fahrrad weiter zu unserem eigentlichen Ziel: dem berühmten Porzellanhaus, auch „China House“ genannt, sowie zur ehemaligen Residenz von Commander Zhang. Das Porzellanhaus gehört zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Tianjins. Die komplette Fassade wurde mit Millionen von Porzellanscherben, Vasen und Keramikelementen verziert und wirkt fast ein bisschen surreal. Allerdings war an diesem Tag dort extrem viel los. Die Straßen waren komplett überfüllt, überall drängten sich Touristengruppen und die Atmosphäre war dadurch leider ziemlich hektisch. Deshalb schauten wir uns die Gebäude nur kurz von außen an und beschlossen dann relativ schnell, lieber weiterzufahren.

Anschließend fuhren wir ins italienische Viertel von Tianjin. Auch dort merkt man noch deutlich den europäischen Einfluss vergangener Zeiten. Kleine Plätze, alte Fassaden und enge Straßen verleihen dem Viertel einen ganz eigenen Charme. Dort suchten wir außerdem den Paulaner Biergarten, in dem Nico bereits 2023 einmal gewesen war.

Danach spazierten wir noch entspannt entlang des Haihe-Flusses, der sich mitten durch Tianjin zieht. Dort herrschte eine richtig lebendige Stimmung. Menschen saßen am Wasser, Angler beobachteten geduldig ihre Ruten, einige schwammen sogar im Fluss und an manchen Stellen standen Sänger mit Lautsprechern und sorgten für Unterhaltung. Gerade solche Alltagsszenen machen chinesische Städte für mich oft besonders spannend, weil sich überall gleichzeitig ganz unterschiedliche Dinge abspielen.

Eigentlich wollten wir anschließend noch weiter durch die Stadt fahren. Als wir dann allerdings wieder zufällig am Bahnhof ankamen was wir direkt an dem große Kreisverkehr mit der riesigen mechanischen Uhrenskulptur erkannten, beschlossen wir spontan, doch schon zurück nach Peking zu fahren. Irgendwie hatten wir beide das Gefühl, den Tag lieber entspannt ausklingen zu lassen, anstatt noch krampfhaft weitere Sehenswürdigkeiten mitzunehmen.

Zurück in Peking ging es deshalb am Abend noch in den Biergarten beim Paulaner. Nach einem langen Sommertag mit viel Fahrradfahren, Sonne und Stadttrubel war das wirklich der perfekte Abschluss: deutsches Essen, ein kaltes Bier und gemütliche Biergarten-Atmosphäre mitten in Peking. Manchmal sind genau diese einfachen Abschlüsse am Ende die schönsten Momente eines Tages.

Mit dem Fahrrad durch Pekings Sommer

Seit die Temperaturen bei uns dauerhaft über 15 Grad liegen, fahre ich eigentlich fast alles nur noch mit dem Fahrrad. Man erlebt die Stadt dadurch nochmal viel intensiver und entdeckt oft schon auf dem Weg zum eigentlichen Ziel kleine Dinge, die man aus dem Auto oder Taxi wahrscheinlich gar nicht wahrnehmen würde. Außerdem spart man sich den dichten Verkehr, in dem man in Peking sonst schnell viel Zeit verlieren kann.

Und obwohl wir mittlerweile meistens zwischen 26 und 36 Grad haben, fahre ich weiterhin fast überall mit dem Rad. Durch den Fahrtwind bleibt es oft überraschend angenehm und gerade an sonnigen Tagen macht es einfach Spaß, durch die Straßen Pekings zu fahren.

So ging es für uns auch zu einigen unserer letzten gemeinsamen Shopping-Ausflüge. Meine Freundin brauchte noch ein paar Dinge vor ihrer Ausreise zurück nach Deutschland und ich war ebenfalls auf der Suche nach kleinen Mitbringseln für unseren Heimaturlaub. Dabei verbrachten wir viel Zeit damit, einfach gemeinsam durch die Stadt zu fahren, kleine Läden zu entdecken und zwischendurch spontan irgendwo anzuhalten.

Doch fast noch schöner als das eigentliche Shoppen war am Ende oft der Weg dorthin. Gemeinsam Fahrrad zu fahren, unterwegs zu quatschen, über Kleinigkeiten zu lachen und einfach die sommerliche Atmosphäre der Stadt zu genießen, sind genau die Momente, die ich später wahrscheinlich besonders mit dieser Zeit in Peking verbinden werde.

Farewell-Partys

Diese Woche standen bei uns direkt mehrere Verabschiedungen an. Unsere gemeinsamen Freunde, bei deren Hochzeit wir vor einiger Zeit eingeladen waren, veranstalteten nochmal einen kleinen Umtrunk, bevor es für sie weitergeht. Leider überschnitten sich an diesem Abend gleich mehrere Termine, denn auch bei unserem „Breakfast Goes Out“ mussten wir wieder eine der Mitorganisatorinnen verabschieden. Deshalb teilten Nico und ich uns auf, er ging zu unseren Freunden und ich zur Abschiedsfeier auf der Rooftopbar des Lenbachs.

Dort verabschiedeten wir unsere Mitorganisatorin, aber vor allem auch Freundin, natürlich mit Blumen, einem kleinen Gutschein und ein paar persönlichen Worten. Gerade bei solchen Abenden merkt man immer wieder, wie schnell hier im Ausland Freundschaften entstehen. Viele Menschen sind nur für eine begrenzte Zeit in Peking und trotzdem fühlt es sich oft so an, als würde man sich schon viel länger kennen.

Am Freitagabend stand dann direkt die nächste Verabschiedung an. Gemeinsam gingen wir zur Farewell-Party eines Arbeitskollegen von Nico, die im Marriott stattfand. Dort wurde wirklich groß gefeiert. Eingeladen waren viele Freunde, Kollegen und Bekannte und es gab ein riesiges Buffet mit chinesischen sowie westlichen Speisen.

Besonders schön war, dass an dem Abend sogar die Gewinnerin von „The Voice of Russia“ für einige Stunden sang und für richtig gute Stimmung sorgte. Später am Abend griffen dann auch einige Gäste selbst zum Mikrofon, denn Karaoke ist hier unglaublich beliebt. Was mich dabei immer wieder überrascht: Viele Chinesen singen wirklich extrem gut und man rechnet im ersten Moment oft gar nicht damit. Dadurch entstand eine richtig lockere und ausgelassene Atmosphäre und der Abend wurde zu einem wirklich schönen Abschluss einer Woche voller Abschiede und gemeinsamer Erinnerungen.

Gemütliche Abende

Am Samstag gingen wir zunächst gemeinsam zum Sport, bevor wir uns später für ein Treffen mit Freunden fertig machten. Zu sechst gingen wir am Abend auf der Dachterrasse eines kleinen Lokals essen. Die Stimmung war wirklich schön entspannt und harmonisch, wir hatten tolle Gespräche, haben viel gelacht und einfach einen richtig gemütlichen Sommerabend zusammen verbracht.

Nach dem Essen schlenderten wir noch etwas durch das angrenzende Viertel. Dort gibt es viele kleine Cafés, Bars und Restaurants, alles schön angelegt und besonders am Abend mit den vielen Lichtern und den Menschen draußen eine richtig angenehme Atmosphäre. Man merkt in solchen Momenten immer wieder, wie lebendig Peking auch in vermeintlich kleinen Ecken ist.

Da wir alle in dieselbe Richtung wohnen, machten wir uns anschließend gemeinsam mit den Fahrrädern auf den Heimweg. Gerade abends macht das Fahrradfahren hier besonders Spaß, wenn die Temperaturen langsam angenehmer werden, die Straßen leerer werden und die Stadt trotzdem noch voller Leben ist.

Am nächsten Tag stand dann noch ein Arzttermin an. Wir wollten bereits einen kleinen medizinischen Check-up machen und bei mir außerdem einige zuvor auffällige Blutwerte (unter anderem Vitamin D) noch einmal kontrollieren lassen. Der große jährliche Gesundheitscheck folgt allerdings erst nächsten Dienstag mit EKG, großem Blutbild und verschiedenen Vorsorgeuntersuchungen.

Den Abend ließen wir den Tag dann noch ganz entspannt beim Pizzaessen ausklingen, bevor am nächsten Morgen schon wieder die neue Arbeitswoche beginnt.

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