Zwischen Sprachunterricht, Sauerteig und spontanen Straßensperrungen war auch diese Woche wieder einiges los.
Mein Chinesischunterricht hat nun wieder begonnen und damit heißt es zweimal pro Woche jeweils anderthalb Stunden neue Vokabeln lernen, Grammatik üben und versuchen, beim Sprechen nicht komplett durcheinanderzukommen. Auch wenn es manchmal anstrengend ist, macht es Spaß und ich hoffe, dass langsam Fortschritte im Alltag zu merken sind.
Neben dem Unterricht begleitet mich aktuell vor allem auch das „Projekt“ Sauerteigstarter durch den Alltag. Damit er nicht irgendwann im Müll landet, wurde diese Woche fleißig gebacken. Zum Wochenende gab es deshalb frische Brötchen und süße Nutella Hörnchen aus selbstgemachtem Teig.
Auch in Peking selbst war diese Woche einiges los und durch einen besonderen Staatsbesuch hat man das sogar im Alltag immer wieder gemerkt.
Sunset Hike Jinshanling Great Wall
Diesmal ging es zu einer eher ungewohnten Uhrzeit für mich auf eine Wanderung zur Chinesischen Mauer. Wir trafen uns erst um 13 Uhr an der Deutschen Schule im Botschaftsviertel Pekings, von wo aus unser Bus startete.
Schon auf dem Weg dorthin fiel mir auf, dass die Stadt an diesem Tag anders wirkte als sonst. Es standen deutlich mehr Polizisten an den Straßen, teilweise sogar mit Campingstühlen an Straßenecken, und ganze Abschnitte wirkten wie leergefegt. Kaum Autos, kaum Fahrräder und insgesamt eine ungewohnte Stimmung für Peking.
Auch rund um die Schule selbst war sofort zu erkennen, dass etwas Besonderes im Gange war. Die beiden großen Hotels in der Nähe, das Kempinski und das Four Seasons, waren großflächig abgesperrt, mit Sicherheitskontrollen, Zelten und vielen Sicherheitskräften ausgestattet. Es war schnell klar, dass ein Staatsbesuch im Land sein musste und man merkte deutlich, wie sich die Stadt darauf einstellte.
Da die Deutsche Schule mitten im Botschaftsviertel liegt, war auch dort alles etwas anders als sonst. Normalerweise herrscht hier viel Bewegung, besonders um die Mittagszeit, wenn Schüler abgeholt werden. An diesem Tag jedoch fehlten die üblichen Busse zunächst komplett. Irgendwann kam unser Busfahrer schließlich zu Fuß und erklärte, dass er mit dem Bus nicht wie gewohnt draußen halten dürfe und stattdessen über einen anderen Zugang auf das Gelände fahren müsse. Auch die anderen Busse wurden verlegt und kamen nun über einen gesicherten Bereich auf das Schulgelände.
Als wir schließlich vollständig waren, ging es los.
Dieses Mal war die Fahrt deutlich länger als gewohnt und wir waren etwa zwei Stunden unterwegs. Unser Ziel war die Jinshanling Great Wall, ein Abschnitt der Chinesischen Mauer, der besonders für seine Sonnenuntergänge bekannt ist. Dort wollten wir eine Sunset Hike Tour machen und den Tag auf der Mauer ausklingen lassen.
Im Gegensatz zu vielen unserer bisherigen Touren handelte es sich diesmal um einen eher touristisch erschlossenen Abschnitt. Nach der Ankunft mussten wir zunächst Tickets kaufen, da der Zugang offiziell geregelt ist. Es gibt dort sogar die Möglichkeit, mit einer Seilbahn nach oben zu fahren und direkt auf der Mauer zu starten. Wir entschieden uns jedoch bewusst für den Aufstieg zu Fuß.
Nach dem Eingang führten uns die Wege zunächst durch ein kleines Besucherzentrum, bevor sich der Pfad in zwei Richtungen teilte. Wir entschieden uns für die linke Route und machten uns auf den Weg. Etwa 45 Minuten ging es bergauf, bevor wir schließlich die Mauer erreichten.
Der Moment, in dem man oben ankommt, ist jedes Mal beeindruckend. Die Jinshanling Great Wall schlängelt sich dort über die Bergkämme und wirkt wie eine endlose steinerne Linie, die sich durch die Landschaft zieht. Auch wenn dieser Abschnitt teilweise restauriert ist, bleibt die Kulisse unglaublich eindrucksvoll.






Wir liefen ein Stück entlang der Mauer, vorbei an alten Wachtürmen und steilen Treppen, während sich immer wieder weite Blicke über die Berge öffneten.
Nach einiger Zeit erreichten wir schließlich unseren Zielturm, den sogenannten Sunset Tower. Dort angekommen war die Sonne zwar noch nicht ganz untergegangen, aber schon deutlich tiefer am Himmel. Jeder hatte etwas zu essen mitgebracht und so entstand ein kleines Picknick mit Brot, Dips, Würstchen, Käse und einigen chinesischen Snacks. Nur ein klassischer Kuchen fehlte, obwohl genau das im Nachhinein eigentlich ganz gut gepasst hätte.




Während wir dort saßen, wurde es langsam ruhiger. Die Gespräche wurden entspannter, der Himmel färbte sich immer wärmer und die Stimmung war einfach besonders. Als die Sonne schließlich langsam hinter den Bergen verschwand, war der Moment kaum in Worte zu fassen. Das Licht färbte die Mauer und die umliegenden Berge in warme Rot und Orangetöne und für einen kurzen Augenblick wirkte alles fast still.
Fotos konnten diesen Moment nur teilweise einfangen, denn in echt war die Atmosphäre deutlich intensiver. Genau solche Augenblicke bleiben einem oft am stärksten im Gedächtnis.




Da es nach Sonnenuntergang schnell dunkel wird und der Abschnitt nicht beleuchtet ist, machten wir uns kurz darauf wieder auf den Rückweg. Der Abstieg führte uns entlang der Mauer zurück, während der Himmel langsam in dunklere Blautöne wechselte. Immer wieder konnten wir noch den rosa gefärbten Abendhimmel sehen und kleine Details am Wegesrand entdecken, wie künstliche Blüten an echten Bäumen, die uns kurz zum Schmunzeln brachten.
Unten angekommen war es bereits komplett dunkel und wir stiegen wieder in den Bus für die Rückfahrt nach Peking. Nach etwa zwei Stunden Fahrt kamen wir wieder in der Stadt an und ich machte mich schließlich mit dem Fahrrad auf den letzten Weg nach Hause.




Gemeinsamkeiten finden
Mit neuen Freundschaften entdeckt man nach und nach immer mehr Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede. So kam es dazu, dass ich gemeinsam mit einer Freundin, die im selben Gebäude wie wir wohnt, in ein kleines Studio gefahren bin, um zusammen zu malen.
Sie wollte schon lange ein Bild ihrer Heimatgemeinde nachmalen und ich hatte vor allem das Ziel, etwas mehr Farbe in unser Apartment zu bringen.
Ganz so künstlerisch begabt bin ich leider nicht. Das meiste Talent dafür ging wohl eher an meinen Bruder. Deshalb entschied ich mich für ein eher schlichtes Motiv, bei dem vor allem die Farben im Mittelpunkt standen. Mit dem Spruch „Don’t overthink it“ habe ich das Bild dann noch etwas personalisiert.
Da sie bereits etwas Erfahrung hatte und außerdem ein kleineres Bild malte, passte es zeitlich perfekt und wir wurden tatsächlich fast gleichzeitig mit unseren Gemälden fertig. Zuhause ergänzte sie später noch mit einem dünnen Stift die Konturen der Häuser ihres Bildes.
Es war schön, gemeinsam kreativ zu sein und einfach Zeit miteinander zu verbringen. Und jedes Mal, wenn ich jetzt den kleinen Farbklecks in unserer Wohnung sehe, freue ich mich darüber.




Hoher Besuch mit großem Aufwand
In dieser Woche war US Präsident Donald Trump zu Besuch in China. Solche Staatsbesuche sorgen in Peking immer für enorme Sicherheitsmaßnahmen und auch diesmal war der Aufwand im gesamten Stadtbild deutlich spürbar.
Bereits Tage vorher wurden Straßen leergeräumt, Leihfahrräder entfernt und parkende Autos teilweise sogar mit Gabelstaplern umgesetzt. Vor einigen Hotels entstanden plötzlich Sicherheitskontrollen mit Zelten, Absperrungen und zahlreichen Sicherheitskräften. Immer wieder wurden Straßen komplett oder zeitweise gesperrt.
Teilweise wusste man gar nicht mehr, ob die Sperrungen wirklich notwendig waren oder eher zur Verwirrung dienten, damit niemand nachvollziehen konnte, welche Route tatsächlich genutzt wird.
Auch wir bekamen den Staatsbesuch direkt mit. Auf dem Weg zum Frühstückstreff kamen eine Freundin mit ihrem Roller und ich mit dem Fahrrad an eine Kreuzung, die gerade abgesperrt wurde. Interessanterweise blieben viele Menschen bewusst an den Absperrungen stehen und warteten ab, was passieren würde. Also beschlossen wir ebenfalls, noch kurz zu bleiben, da wir genug Zeit hatten.
Oft werden Straßen auch einfach vorsorglich gesperrt und am Ende fährt doch niemand vorbei. Doch als plötzlich aus allen vier Richtungen Polizeiautos und Notarztwagen auftauchten, war klar: Hier muss gleich die Kolonne durchfahren.
Etwa zehn Minuten warteten wir schließlich, bis es dann soweit war. Die Fahrzeugkolonne raste unglaublich schnell an uns vorbei und bestand aus deutlich mehr Fahrzeugen, als man es sich vorher vorgestellt hätte. Nach gerade einmal einer Minute und vierzig Sekunden war das gesamte Schauspiel schon wieder vorbei.
Wenige Minuten später wurden die ersten Absperrungen bereits wieder aufgehoben. Zuerst durften Fußgänger und Fahrräder weiterfahren, etwa zehn Minuten später dann auch wieder die Autos. Schon verrückt, wie schnell sich eine Millionenstadt innerhalb weniger Minuten komplett an einen solchen Besuch anpasst.
(Das Video der Kolonne ist leider zu lang, um es hier einzufügen. Schreibt mir einfach kurz eine Nachricht, dann sende ich es euch bei Interesse zu.)

Bei gutem Wetter kamen wir schließlich in der Frühstückslocation an und genossen zu elft den Vormittag mit netten Gesprächen und leckeren Bagels. Wie immer verging die Zeit dabei deutlich schneller als gedacht.
Danach wollten wir uns eigentlich ganz entspannt mit den Drahteseln wieder auf den Weg nach Hause machen, doch der Besuch von Donald Trump beeinflusste erneut unseren Alltag. Die Straße, in der wir uns befanden, wurde plötzlich abgesperrt und wir kamen erstmal nicht weiter. Erst nach etwa zehn Minuten wurden die Absperrungen wieder geöffnet und wir durften unsere Fahrt fortsetzen.




An dem Abend war ich noch mit zwei Freundinnen zum Abendessen verabredet. Wir entschieden uns für indisches Essen in einem versteckten kleinen Lokal. Danach ging es noch auf einen Drink weiter, da wir noch viel Gesprächsstoff hatten.
Es war ein schöner Abend und leider ebenfalls einer der letzten in dieser Konstellation, denn auch für eine dieser Freundinnen geht es bald zurück in die Heimat.
Gemeinsame Tage
Die Woche beendeten wir ganz entspannt mit vielen kleinen Dingen, die einfach guttun. Bei meist über 30 Grad und strahlendem Sonnenschein fühlte sich Peking inzwischen richtig sommerlich an.
Zwar war für das Wochenende eigentlich Regen angekündigt, doch dieser kam erst am Sonntag. So konnten wir das warme Wetter noch genießen, gemeinsam lecker essen gehen, gemütliche Abende mit Freunden verbringen, ein paar Folgen Bergdoktor schauen, zur Massage gehen und etwas Sport machen.
Nach den vielen Ausflügen, stressigen Arbeitstagen und Erlebnissen der vergangenen Tage tat dieses ruhigere Wochenende uns beiden besonders gut.




