Lea allein in Beijing

Diese Woche war für mich eine kleine Premiere: Zum ersten Mal seit unserem Umzug nach Peking war ich eine ganze Woche alleine hier.

Ich war vorher ehrlich gesagt etwas gespannt, wie sich das anfühlen würde. In den vergangenen Monaten war Nico immer da und viele Routinen haben sich ganz selbstverständlich um unseren gemeinsamen Alltag herum entwickelt.

Gleichzeitig wusste ich aber auch, dass ich die Woche nicht komplett alleine verbringen würde. Neben meinen festen Terminen wie Chinesischunterricht, Sport und einem Besuch im Nagelstudio standen auch einige Treffen mit Freunden auf dem Programm.

Rückblickend war die Woche eine gute Mischung aus Zeit für mich selbst und gemeinsamen Unternehmungen. Es gab Momente, in denen die Wohnung ungewohnt leer wirkte, aber auch viele schöne Begegnungen, die gezeigt haben, wie sehr sich mein eigenes Leben hier inzwischen entwickelt hat.

Mit dem Floßboot auf dem Liangma River

Eines meiner Highlights der Woche war das letzte gemeinsame Event unserer Patengruppe, bevor es nun in die Sommerpause geht. Bei strahlend blauem Himmel und Temperaturen um die 30 Grad hätten die Bedingungen dafür kaum besser sein können.

Geplant war eine gemeinsame Floßboot-Tour auf dem Liangma River. Wobei „Floßboot“ eigentlich nicht ganz richtig ist. Die bereits fertige Konstruktion bestand aus zwei Stand-up-Paddle-Boards, die mit Eisenstangen miteinander verbunden waren. In der Mitte befand sich eine Kiste für persönliche Gegenstände und auf den Boards wurden Campingstühle befestigt.

In der Theorie sollte man sich gemütlich mit den Paddeln über den Fluss bewegen. In der Praxis hatten wir allerdings mit einer überraschend starken Strömung und ordentlich Gegenwind zu kämpfen. Entsprechend anstrengend war es teilweise, überhaupt voranzukommen. Statt elegant über das Wasser zu gleiten, drehten wir uns eher gelegentlich im Kreis oder kämpften darum, die gewünschte Richtung beizubehalten.

Gerade das sorgte aber für jede Menge Gelächter. Zwischendurch legten wir die Paddel auch einfach beiseite, ließen uns treiben und nutzten die Zeit zum Reden.

Nach der Tour gingen wir noch gemeinsam essen. Das Restaurant lag eines nur etwa 500 Meter entfernt, sodass wir nach dem sportlichen Teil direkt dort einkehren konnten. Bei gutem Essen, kalten Getränken und vielen Gesprächen ließen wir den Nachmittag schließlich entspannt ausklingen.

Ablenkung mit guter Gesellschaft

Rückblickend haben mir in dieser Woche vor allem die vielen kleinen Treffen mit Freunden geholfen, dass sich die Tage nie wirklich einsam angefühlt haben. Mal traf ich mich spontan zum Mittagessen, mal zum Abendessen und manchmal auch einfach nur auf einen Kaffee.

Dabei habe ich sogar wieder ein neues chinesisches Restaurant entdeckt, das mich wirklich positiv überrascht hat. Außerdem war ich erneut in dem Steakrestaurant, das für mich nach wie vor das beste Steak in Beijing serviert. Diesmal kam ich dort länger mit der Besitzerin ins Gespräch. Solche Begegnungen mag ich besonders, denn plötzlich ist es nicht mehr nur ein Restaurant, sondern ein Ort mit Geschichten und Menschen, die man kennt. Dadurch fühlt sich die Stadt für mich jedes Mal ein kleines Stück vertrauter an.

Natürlich durfte auch unser Frühstückstreff nicht fehlen. Diesmal trafen wir uns in genau dem Café, das wir erst vor kurzem getestet hatten und das uns so gut gefallen hatte. Die Runde war wieder gemütlich und die Gespräche vergingen wie immer viel zu schnell.

Besonders amüsant war allerdings das Geschehen um unseren Tisch herum. In dem Park hatten sich nach und nach verschiedene Gruppen versammelt. Drei ältere Chinesen sangen lautstark Karaoke, ein paar Meter weiter spielte jemand auf einem Instrument, das ich bis heute nicht benennen könnte, während eine Frau dazu Töne sangen. Es war ein herrlich chaotisches Klanggemisch und wir mussten teilweise einfach etwas lauter sprechen, um uns überhaupt zu verstehen.

Pünktlich gegen halb zwölf verschwanden die meisten Gruppen dann zum Mittagessen und plötzlich wurde es erstaunlich ruhig. Erst in diesem Moment bemerkten wir, wie laut es zuvor eigentlich gewesen war.

Eine kleine Attraktion waren wir allerdings ebenfalls. Sieben Ausländer an einem Tisch ziehen hier noch immer Aufmerksamkeit auf sich. Immer wieder wurden wir heimlich gefilmt, beobachtet oder sogar nach gemeinsamen Fotos gefragt. Solche Situationen passieren inzwischen zwar deutlich seltener als noch vor einigen Jahren, ganz alltäglich sind sie aber trotzdem noch nicht. Mittlerweile nehmen wir es meist mit Humor und gehören damit vermutlich genauso zum Unterhaltungsprogramm des Parks wie die Karaoke-Gruppe nebenan.

Von KTV bis hin zum Pekinger Coachella

Eigentlich hatte ich Freitagabend gar nichts Großes geplant, aber dann habe ich mich doch noch mit einem befreundeten Paar zum Hotpot essen verabredet.

Die Einladung kam ziemlich spontan beim Schwimmen freitags morgens. Umso schöner war es, dass sich daraus direkt ein gemeinsamer Abend entwickelt hat.

Wir gingen in ihr Lieblings-Hotpot-Restaurant, das vor allem für seine besonderen Pilze bekannt ist. Schon beim Essen merkt man hier wieder, wie sehr Hotpot in China auch ein soziales Erlebnis ist. Man sitzt lange zusammen, bestellt nach und nach und probiert sich durch verschiedene Zutaten.

Nach dem Essen wollten wir eigentlich nur noch kurz etwas trinken gehen und den Abend ruhig ausklingen lassen. Wir setzten uns mit Blick auf die Skyline, beobachteten die Leute und ließen die Atmosphäre auf uns wirken. Rund um uns herum war einiges los: Menschen machten Fotos von der Skyline, teilweise mit professionellen Setups mit großen Lichtern und Kameras, andere wiederum ganz simpel mit dem Handy oder sogar mit kleinen Tanzvideos für Social Media.

Eigentlich hätte es dabei bleiben sollen, aber irgendwann kam dachten wir „Lass doch noch Karaoke singen gehen.“ Und wer mich kennt, weiß, dazu sage ich eigentlich nie nein.

Wir bekamen einen eigenen Raum, der überraschend professionell ausgestattet war: zwei große Bildschirme, eine kleine Bühne und alles, was man braucht, um sich komplett in den Karaoke-Modus zu verlieren. Über ein Tablet konnte man Essen und Getränke bestellen und gleichzeitig Songs in die Warteschlange packen.

Die Songauswahl war groß, zumindest auf Chinesisch und Englisch. Deutsch hingegen gab es erwartungsgemäß gar nicht. „Bruttosozialprodukt“ hätte ich zwar gerne gesungen, aber dann musste eben alles von Rihanna herhalten.

Am Ende wurden es zwei Stunden voller Energie, Gesang und sehr wenig Zurückhaltung. Bis zur letzten Minute haben wir durchgezogen und einfach Spaß gehabt. Ein spontaner und gelungener Abend, der mir für immer in Erinnerung bleibt.

Am Samstagabend stand dann das Sommerfest der Deutschen Schule Peking auf dem Programm. Bei strahlendem Sonnenschein und rund 30 Grad machte ich mich gegen 17 Uhr auf den Weg. Das diesjährige Motto lautete „Coachella” und schon am Eingang wurde klar, dass man sich bei der Gestaltung wirklich Mühe gegeben hatte. Jeder Besucher erhielt ein bedrucktes Festivalbändchen und entlang der Wege reihten sich zahlreiche Essens- und Getränkestände aneinander.

Kulinarisch war für jeden etwas dabei. Neben Döner, Fleischkäsebrötchen, Schnitzelbrötchen und Bratwürsten gab es auch chinesische Fleischspieße sowie ein großes Kuchenbuffet. Auch bei den Getränken war die Auswahl beeindruckend. Neben deutschem Bier von Bitburger und Erdinger wurde auch das deutsch-chinesische Bier „Karl Fürst” ausgeschenkt. Dahinter steckt ein Deutscher, der sich mit seiner eigenen Brauerei in China ein erfolgreiches Standbein aufgebaut hat. Auserdem gab es Aperol Spritz, Sekt und verschiedene Cocktails.

Im Zentrum des Festgeländes stand ein großer Pavillon mit Bühne. Dort sorgten Schülerinnen und Schüler mit musikalischen Auftritten, Chorbeiträgen und weiteren Programmpunkten für Unterhaltung.

Leider machte uns das Wetter zwischenzeitlich einen Strich durch die Rechnung. Aus dem Nichts zogen dunkle Wolken auf und kurz darauf begann es kräftig zu regnen. Innerhalb weniger Minuten flüchteten alle Besucher in die Schulgebäude. Glücklicherweise tat das der Stimmung keinen Abbruch. Im Gegenteil: Während draußen der Regen gegen die Fenster prasselte, traf man drinnen überall bekannte Gesichter und kam gleichzeitig mit neuen Leuten ins Gespräch. So verging die Regenpause erstaunlich schnell.

Nach etwa einer Stunde zog der Himmel wieder auf und das Fest konnte draußen weitergehen. Bei gutem Essen, angenehmen Temperaturen und vielen Gesprächen verging der Abend wie im Flug.

Besonders schön fand ich, was nach den offiziellen Programmpunkten auf der Bühne passierte. Diese wurde anschließend für Karaoke geöffnet und die Schülerinnen und Schüler nutzten die Gelegenheit mit beeindruckendem Selbstbewusstsein. Nach und nach wurde gesungen, getanzt und performt.

Spontan bin ich noch mit drei Freunden zu einer Afterparty gegangen. Einer von ihnen legte dort als DJ auf und da ich ihn bisher noch nie live erlebt hatte, sagte ich kurzerhand zu. Allerdings mit dem festen Vorsatz, nicht allzu lange zu bleiben.

Nach etwa zwei Stunden machten wir uns dann wie geplant wieder auf den Heimweg. Für mich war es genau die richtige Mischung: noch einmal etwas Neues erleben, meinen Freund als DJ sehen und einen schönen Abend verbringen, ohne völlig übermüdet nach Hause zu kommen. Die Atmosphäre hat mir auf jeden Fall gefallen und ich werde dort bestimmt noch einmal vorbeischauen, dann am liebsten gemeinsam mit Nico.

Rückblickend war meine erste Woche alleine in Peking zuerst definitiv ungewohnt. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass sich in den vergangenen Monaten viele eigene Routinen entwickelt haben. Chinesischunterricht, Sport, Treffen mit Freunden oder einfach ein Spaziergang durch die Nachbarschaft. Sodass die Woche dann schneller verging, als anfangs vermutet.

Natürlich habe ich mich trotzdem sehr gefreut, als Nico am Sonntagnachmittag wieder zurückkam und wir den Abend gemeinsam mit selbstgemachten Burgern verbringen konnten. Auch wenn die Woche schneller vorbei war als gedacht, war es schön, wieder gemeinsam am Tisch zu sitzen und sich von Angesicht zu Angesicht erzählen zu können, was in den letzten Tagen alles passiert war.

Für die nächsten Wochen wird es hier auf dem Blog übrigens etwas ruhiger. Durch unseren Heimaturlaub in Deutschland werde ich mir bis zum 13. Juli eine kleine Blogpause gönnen, um die Zeit mit Familie und Freunden bewusst zu genießen.

Danach geht es natürlich wieder weiter mit unseren Geschichten und Eindrücken aus China.

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