Moderne Architektur, die mich beeindruckt

Peking ist eine Stadt voller architektonischer Gegensätze. Neben den historischen Bauwerken der Kaiserzeit ist in den letzten Jahrzehnten eine völlig neue Stadtlandschaft entstanden: futuristische Hochhäuser, außergewöhnliche Bürogebäude und experimentelle Architektur, die weltweit Aufmerksamkeit bekommen hat.

Die Zahl faszinierender moderner Gebäude in Peking ist riesig und diese Liste könnte noch deutlich länger sein. Ich habe deshalb bewusst meine persönlichen Highlights herausgesucht: Gebäude, die mich durch ihre Form, ihre Idee, ihre Atmosphäre oder ihre besondere Wirkung vor Ort beeindruckt haben.

Dabei habe ich einige bekannte Sehenswürdigkeiten bewusst nicht aufgenommen, da ich sie bereits in anderen Beiträgen vorgestellt habe. Dazu gehören zum Beispiel die Bauwerke des Olympiaparks wie das „Bird’s Nest“ oder der „Water Cube“. Diese sind zweifellos wunderschön, passen aber nicht zu meiner persönlichen Auswahl der modernen Architektur, die mich in Peking besonders fasziniert.

Der Fokus dieser Liste liegt daher auf der neuen Skyline Pekings, den futuristischen SOHO-Projekten, außergewöhnlichen Bürogebäuden und sonstigen Bauwerken, die zeigen, wie vielfältig und spannend die Architektur der Stadt heute ist.

SOHO – Pekings futuristische Büroarchitektur

SOHO steht ursprünglich für „Small Office / Home Office“ und wurde durch die chinesische Immobiliengruppe SOHO China zu einer eigenen Architektursprache in Peking. Besonders bekannt sind die Projekte von Zaha Hadid Architects, die mit fließenden Formen, organischen Linien und futuristischen Innenräumen neue Akzente in der Stadt gesetzt haben.

Die SOHO-Gebäude gehören zu den auffälligsten modernen Bauwerken Pekings und zeigen eine Architektur, die eher wie eine Skulptur wirkt als wie ein klassisches Gebäude.

Galaxy SOHO

Architekt: Zaha Hadid Architects, Vereinigtes Königreich
Fertigstellung: 2012
Nutzung: Büro- und Einzelhandelsflächen

Galaxy SOHO ist eines der ersten großen futuristischen Projekte von Zaha Hadid in Peking.

Vier geschwungene Baukörper verbinden sich über Brücken und offene Ebenen miteinander. Die Architektur verzichtet fast vollständig auf klassische rechte Winkel und wirkt wie eine fließende Landschaft. Die einzelnen Gebäudeteile scheinen ineinander überzugehen, anstatt klar voneinander getrennt zu sein.

Besonders beeindruckend finde ich die Innenräume. Man fühlt sich hier weniger in einem normalen Büro- und Einkaufszentrum als in einer futuristischen Welt. Die geschwungenen Wände und offenen Ebenen erzeugen eine Atmosphäre, die ich so bei kaum einem anderen Gebäude in Peking erlebt habe.

Für mich ist Galaxy SOHO ein Gebäude, bei dem man ständig neue Formen entdeckt, je nachdem, aus welchem Winkel man es betrachtet.

Wangjing SOHO

Architekt: Zaha Hadid Architects, Vereinigtes Königreich
Fertigstellung: 2014
Nutzung: Büro- und Einzelhandelsflächen

Die drei Türme von Wangjing SOHO gehören zu den bekanntesten modernen Gebäuden Pekings.

Ihre geschwungenen Formen erinnern an Segel oder an fließende Bewegungen. Je nach Blickwinkel verändert sich die Wirkung des gesamten Komplexes. Mal wirken die Türme leicht und elegant, mal massiv und beeindruckend.

Wangjing SOHO ist eines der gelungensten Beispiele dafür, wie ein Bürokomplex gleichzeitig funktional und skulptural sein kann. Die Gebäude sehen nicht einfach wie drei nebeneinanderstehende Hochhäuser aus, sondern wirken wie eine zusammengehörige Komposition.

Pekings neue Skyline – die Wahrzeichen der modernen Stadt

Peking hat in den letzten Jahrzehnten eine neue Skyline entwickelt, die nicht nur aus hohen Türmen besteht. Einige Gebäude beeindrucken durch ihre Höhe und Präsenz, andere durch völlig neue Formen und architektonische Ideen.

Besonders spannend ist, dass viele dieser Bauwerke nicht einfach klassische Wolkenkratzer sind, sondern eigenständige Skulpturen im Stadtraum.

CCTV Headquarters

Architekt: OMA / Rem Koolhaas und Ole Scheeren, Niederlande
Fertigstellung: 2012
Nutzung: Hauptsitz des chinesischen Fernsehsenders CCTV

Das CCTV Headquarters ist für mich das beeindruckendsten Gebäude Pekings. Statt eines klassischen Hochhauses besteht es aus zwei geneigten Türmen, die durch einen riesigen umlaufenden Baukörper verbunden werden.

Durch seine ungewöhnliche Form wird es in China oft scherzhaft „Unterhose“ genannt – ein Spitzname, der sich auf die zwei „Beine“ und die große Öffnung dazwischen bezieht. Gerade dieser Kontrast macht das Gebäude so interessant: ein weltweit bedeutendes Architekturprojekt, das gleichzeitig einen sehr menschlichen und humorvollen Spitznamen bekommen hat.

Die sichtbare Stahlstruktur an der Fassade ist nicht nur Gestaltung, sondern Teil der Konstruktion. Das Gebäude zeigt, dass ein Bürohochhaus nicht einfach nur ein hoher Glaskasten sein muss.

Für mich ist das CCTV Headquarters ein Gebäude, bei dem man sofort stehen bleibt und denkt: Wie kann so etwas überhaupt funktionieren?

China Zun (CITIC Tower)

Architekten: TFP Farrells, Vereinigtes Königreich, und BIAD, China
Fertigstellung: 2018
Nutzung: Bürogebäude, Hotel und weitere Nutzungen

Mit 528 Metern ist China Zun das höchste Gebäude Pekings.

Die Form orientiert sich an einem traditionellen chinesischen Gefäß („Zun“), wodurch der Turm eine Verbindung zwischen chinesischer Kultur und moderner Hochhausarchitektur herstellt.

Seine Größe ist beeindruckend, besonders wenn man direkt davor steht und die Dimensionen wahrnimmt. Auch die Wölbungen an den Eingängen finde ich faszinierend, da sie dem Gebäude trotz seiner enormen Höhe eine elegante und harmonische Form verleihen.

Weitere Gebäude, die mich beeindrucken

Phoenix International Media Center

Architekt: BIAD / Shao Weiping, China
Fertigstellung: 2014
Nutzung: Medien- und Bürogebäude

Ein außergewöhnliches Gebäude, das eher wie eine riesige Skulptur wirkt. Die ringförmige Struktur erinnert an ein technisches Objekt und zeigt eine andere Richtung moderner chinesischer Architektur.

Linked Hybrid

Architekt: Steven Holl Architects, USA
Fertigstellung: 2009
Nutzung: Wohngebäude, Hotel, Geschäfte und öffentliche Einrichtungen

Ein Wohnkomplex, der Hochhäuser neu denkt. Die einzelnen Türme werden durch Brücken verbunden, wodurch eine vertikale Stadt entsteht.

Das Projekt zeigt, dass moderne Architektur nicht nur aus spektakulären Fassaden besteht, sondern auch neue Formen des Zusammenlebens schaffen kann.

Ganz ehrlich: meiner Meinung nach ist Linked Hybrid nicht unbedingt das schönste Gebäude auf dieser Liste. Aber genau deshalb fasziniert es mich. Die Architektur ist ungewöhnlich, eigenständig und irgendwie schwer einzuordnen.

Man schaut es an und denkt nicht unbedingt sofort: „Das ist schön.“ Aber man fragt sich: Warum sieht dieses Gebäude so aus?

National Centre for the Performing Arts

Architekt: Paul Andreu, Frankreich
Fertigstellung: 2007
Nutzung: Oper, Theater und Konzertsaal

Das berühmte „Ei“ gehört zu den bekanntesten Gebäuden Pekings.

Die Titan-Glas-Kuppel schwimmt wie eine Insel in einem Wasserbecken und bildet einen starken Kontrast zur historischen Umgebung.

Besonders spannend ist, wie stark sich die Wirkung des Gebäudes je nach Tageszeit verändert. Am Tag wirkt die Kuppel fast wie ein futuristisches Objekt, das auf dem Wasser liegt. Nachts verändert sich die Atmosphäre komplett.

Chaoyang Park Plaza

Architekt: MAD Architects / Ma Yansong, China
Fertigstellung: 2017
Nutzung: Wohnungen, Büros und Geschäfte

Die Gebäude erinnern an chinesische Landschaftsmalerei, insbesondere an die traditionelle „Shan-Shui“-Malerei. Berge, Täler und natürliche Landschaften werden in moderne Architektur übersetzt.

Die Türme wirken wie dunkle Felsen oder Berge, die aus der Stadt herausragen.

Für mich ist Chaoyang Park Plaza eindeutig Batmans Zuhause.

Durch die dunkle Fassade und die massiven, geschwungenen Formen wirkt das Gebäude gleichzeitig elegant, geheimnisvoll und ein wenig aggressiv.

People’s Daily Headquarters

Architekt: chinesische Planungsbüros
Fertigstellung: 2015
Nutzung: Hauptsitz der chinesischen Tageszeitung People’s Daily

Die Zentrale der chinesischen Tageszeitung ist ein weiteres Beispiel für repräsentative Architektur in Pekings neuer Skyline.

Die ungewöhnliche Form macht das Gebäude zu einem markanten Symbol für die Bedeutung großer Institutionen in China.

Hotels, die selbst zu architektonischen Wahrzeichen geworden sind

Die bisherigen Gebäude zeigen bereits, wie unterschiedlich moderne Architektur in Peking aussehen kann. Doch nicht nur Bürokomplexe und Wolkenkratzer prägen das moderne Stadtbild. Auch einige Hotels haben sich durch ihre Architektur zu echten Wahrzeichen entwickelt.

InterContinental Beijing Sanlitun

Nutzung: Hotel
Fertigstellung: 2018

Von Anfang an habe ich dieses Gebäude mit seiner wabenförmigen Fassade geliebt.

Die Struktur wirkt modern und gleichzeitig sehr ungewöhnlich. Besonders nachts ist das Hotel wunderschön anzusehen. Die Beleuchtung verändert sich immer wieder und erzeugt unterschiedliche Farbspiele.

Besonders bekannt ist das Gebäude für seine farbigen Lichtinstallationen. Je nach Anlass und Zeitraum kann sich die gesamte Wirkung des Hauses dadurch verändern.

Fairmont Beijing

Architekt: Paul Tange, Japan
Eröffnung: 2010
Nutzung: Luxushotel

Ein riesiges Tor mitten in einem modernen Hochhauskomplex – genau das ist es, was mich am Fairmont Beijing sofort fasziniert hat.

Die Architektur verbindet moderne Hochhausarchitektur mit einem Element, das stark an traditionelle chinesische Stadttore erinnert. Besonders auffällig ist der gewaltige Torbogen, der sich über mehrere Stockwerke erstreckt und dem Gebäude eine außergewöhnliche Silhouette verleiht.

Für mich wirkt das Fairmont Beijing dadurch fast wie eine moderne Interpretation eines chinesischen Stadttores. Der Kontrast ist faszinierend: Auf der einen Seite ein modernes Luxushotel mit einer zeitgenössischen Fassade, auf der anderen Seite eine Form, die an die historischen Tore und Eingänge Pekings erinnert.

Gerade diese Verbindung von Tradition und moderner Architektur gefällt mir besonders gut. Das Gebäude versucht nicht, einfach wie ein gewöhnlicher internationaler Hotelbau auszusehen. Stattdessen greift es ein Element auf, das stark mit der chinesischen und besonders der Pekinger Stadtgeschichte verbunden ist, und interpretiert es völlig neu.

Legendale Hotel Beijing

Nutzung: Hotel

Mitten in Peking plötzlich vor einem Gebäude zu stehen, das stark an europäische Architektur erinnert, ist durchaus überraschend.

Das Legendale Hotel fällt durch seinen europäischen Stil deutlich aus dem architektonischen Umfeld heraus. Zwischen traditionellen chinesischen Bauwerken und futuristischen Hochhäusern wirkt es fast wie ein Stück Europa mitten in China.

Genau dieser Kontrast ist es, der mich an dem Gebäude fasziniert. Es passt nicht unbedingt in das typische Bild, das man von der modernen Architektur Pekings erwartet und gerade deshalb bleibt es im Gedächtnis.

Diese Liste ist keine Rangliste der besten Gebäude Pekings, sondern eine persönliche Auswahl der Bauwerke, die mich besonders beeindruckt, überrascht oder einfach nicht mehr losgelassen haben.

Für diesen Blogbeitrag habe ich innerhalb drei Tagen alle vorgestellten Gebäude selbst mit dem Fahrrad oder zu Fuß besucht. Insgesamt bin ich dabei 63 Kilometer gefahren und gelaufen. Die längste Strecke an einem Tag waren 24,7 Kilometer.

Dabei wurde die Suche nach den Gebäuden fast zu einer eigenen Stadterkundung. Im Vergleich zu Städten wie London oder New York konzentrieren sich die architektonischen Highlights und Wolkenkratzer in Peking nicht auf ein einziges, dicht bebautes Zentrum, sondern sind über die gesamte Stadt verteilt. Zwischen den einzelnen architektonischen Highlights liegen teilweise große Entfernungen, sodass man auf dem Weg dorthin immer wieder ganz unterschiedliche Seiten Pekings erlebt.

Trotz der vielen Hochhäuser wirkt Peking dadurch oft erstaunlich luftig und großzügig. Zwischen den großen Gebäuden gibt es viel Raum, breite Straßen, Parks und offene Flächen. Man fühlt sich dadurch trotz der enormen Größe der Stadt nicht ständig von Hochhäusern umgeben oder eingeengt.

Gerade unterwegs entdeckt man hier oft neue Perspektiven und erlebt, wie sich Pekings Stadtbild verändert. Ein Gebäude wirkt außerdem ganz anders, wenn man tatsächlich davorsteht und nicht nur ein Foto davon sieht.

Nach diesen drei Tagen und all den unterschiedlichen Eindrücken ist mir deshalb noch einmal klar geworden, dass Architektur sehr unterschiedlich wirken kann. Manche Gebäude beeindrucken durch ihre Größe, andere durch ihre ungewöhnliche Form, ihre Konstruktion oder einfach durch die Atmosphäre, die sie vor Ort erzeugen.

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