Drei Wochen lang war es hier ungewöhnlich ruhig. Der Grund dafür war allerdings ein sehr schöner: Nach fast neun Monaten in China ging es für uns endlich wieder nach Deutschland.
Wir hatten uns natürlich unglaublich auf Familie, Freunde und all die kleinen Dinge gefreut, die man im Alltag oft für selbstverständlich hält. Gleichzeitig waren wir aber auch gespannt, wie sich Deutschland nach so langer Zeit anfühlen würde.
Und ehrlich gesagt? Es fühlte sich überhaupt nicht fremd an.
Es war, als hätten wir unser Leben dort nur kurz auf Pause gedrückt. Die vertrauten Straßen, unsere Familien, Freunde und Lieblingsorte – alles war sofort wieder da. Gleichzeitig haben wir aber auch gemerkt, dass sich etwas verändert hat. Nicht Deutschland, sondern wir. Viele Dinge, die früher selbstverständlich waren, haben wir plötzlich viel bewusster wahrgenommen und wertgeschätzt.
Zehn Stunden Vorfreude
Los ging unsere Reise bereits früh Morgens in Peking. Vor uns lagen fast zehn Stunden Flug, ein Zwischenstopp in Istanbul und anschließend noch einmal knapp drei Stunden bis nach Luxemburg.
Für den Rückflug hatten wir uns bewusst gegen Frankfurt und für Luxemburg entschieden. Ursprünglich waren vor allem die bessere Flugverbindung und der günstigere Preis ausschlaggebend. Im Nachhinein stellte sich aber heraus, dass es genau die richtige Entscheidung war. Der Flughafen ist angenehm klein und übersichtlich, die Wege sind kurz und selbst die Ein- und Ausreise verlief erstaunlich entspannt. Auch die Weiterfahrt nach Hause unterscheidet sich zeitlich kaum von Frankfurt, für uns also definitiv eine Verbindung, die wir wieder wählen würden.
Der Zwischenstopp in Istanbul verging ebenfalls schneller als gedacht. Zwar mussten wir unser Handgepäck erneut kontrollieren lassen, ansonsten blieb aber genügend Zeit, sich kurz die Beine zu vertreten, bevor es in den letzten Flieger Richtung Heimat ging.
Je näher wir Luxemburg kamen, desto größer wurde die Vorfreude. Und kaum aus dem Flughafen heraus, warteten schon die ersten vertrauten Gesichter auf uns. Ab diesem Moment fühlte es sich an, als hätte unser Leben in Deutschland einfach auf uns gewartet.
Was wir am meisten vermisst haben
Rückblickend waren es gar nicht die großen Programmpunkte, die diese Zeit so besonders gemacht haben, sondern die vielen kleinen Momente, die für uns früher völlig selbstverständlich waren.
Am meisten haben wir natürlich die Zeit mit unserer Familie und unseren Freunden genossen. Nach dieser langen Zeit gab es unendlich viel zu erzählen. Manche Gespräche dauerten bis spät in die Nacht, andere fanden ganz spontan bei einer Tasse Kaffee oder am Küchentisch statt. Ein spontaner Besuch, ein gemeinsames Frühstück oder einfach zusammen im Garten sitzen.
Auch unsere Großeltern endlich wieder in den Arm nehmen zu können, war für uns sehr emotional. Es ist etwas ganz Besonderes, einfach wieder gemeinsam am Küchentisch zu sitzen, Geschichten auszutauschen und Zeit miteinander zu verbringen. Gerade weil man weiß, dass solche Momente nicht selbstverständlich sind, schätzt man sie noch einmal ganz anders.
Natürlich durfte danach auch ausgiebiges Kuscheln mit unseren Hunden nicht fehlen. Sie nach so langer Zeit wiederzusehen, war mindestens genauso schön und sie haben uns begrüßt, als wären wir nie weg gewesen.
Mit unseren Freunden verbrachten wir ebenfalls viele schöne Stunden. Besonders spannend war es, den Familienzuwachs von Freunden kennenzulernen. Während wir in China waren, hat sich zuhause das Leben natürlich ebenfalls weiterentwickelt. Plötzlich hält man ein Baby auf dem Arm, das es bei der Abreise noch im Bauch lebte.
Mit meiner besten Freundin verbindet mich seit einigen Jahren eine besondere Tradition: Einmal im Jahr gehen wir gemeinsam wandern, nehmen uns bewusst Zeit füreinander und genießen diese Stunden in. Umso schöner war es, dass wir diese Tradition auch diesmal wieder erleben konnten.
Auch für unsere Freunden aus Stuttgart haben wir uns bewusst Zeit genommen und uns in der Mitte getroffen, um gemeinsam schöne Stunden zu verbringen. Bei einem Besuch im Erlebnisbad in Karlsruhe konnten wir uns alles neue berichten, viel lachen und einfach die gemeinsame Zeit genießen.
Dazu kamen viele gemeinsame Fußballabende. Mal konnten wir jubeln, mal hätten wir vermutlich besser früher den Fernseher ausgeschaltet und wären schlafen gegangen. Aber genau darum ging es auch gar nicht. Es war einfach schön, wieder gemeinsam auf der Couch zu sitzen, mitzufiebern und über jede Szene zu diskutieren.
Oft sind es eben die kleinen Dinge die das Leben so besonders machen und die Menschen die es mit Liebe schmücken.


Es gibt auch einige Lebensmittel, die wir in den vergangenen neun Monaten vermisst haben. Die Essenskultur in China ist einfach eine andere als in Deutschland. Vieles schmeckt hervorragend, aber trotzdem gibt es eben Gerichte und Snacks, die man dort einfach nicht bekommt oder die anders schmecken.
Deshalb führte uns unser erster Stopp nach der Ankunft auch direkt zu unserem Lieblingsdöner. Ja, auch in Peking gibt es Döner, aber an diesen hier kommt für uns einfach keiner heran.
Mindestens genauso sehr hatten wir das gemeinsame Grillen vermisst. Gute Bratwürste, verschiedene Salate, frisches Brot und einfach ein langer Sommerabend mit der Familie und Freunden im Garten.
Das sind Dinge, über die man sich früher kaum Gedanken gemacht hat. Erst wenn sie plötzlich nicht mehr selbstverständlich sind, merkt man, wie besonders sie eigentlich sind.
Außerdem standen auch Besuche in unseren Lieblingsrestaurants auf dem Programm. Viele Orte waren noch genauso, wie wir sie in Erinnerung hatten.
Ein kleines Highlight waren für mich aber tatsächlich auch die deutschen Supermärkte. Plötzlich freut man sich über Dinge, an denen man früher einfach vorbeigelaufen ist. Entsprechend landeten einige unserer Lieblingssnacks, Gewürze und andere Kleinigkeiten direkt im Einkaufswagen und später natürlich auch im Koffer zurück nach Peking.
Beim Packen mussten wir deshalb fast schon überlegen, wie wir all die Mitbringsel und Lebensmittel noch unterbekommen. Ein Teil unseres Gepäcks bestand am Ende weniger aus Kleidung als aus Dingen, die uns in China einfach ein Stück Heimat schenken.
Deutschland neu entdecken
Eine Erkenntnis hat uns während unseres Heimaturlaubs besonders überrascht.
Seit wir in China leben, nutzen wir fast jedes Wochenende, um neue Orte zu entdecken. Mal ein Markt, mal ein Tempel, mal eine andere Stadt oder einfach ein Café, das wir noch nicht kannten. Irgendwann haben wir uns deshalb gefragt: Warum haben wir das in Deutschland eigentlich so selten gemacht?
Oft ist man im eigenen Alltag gefangen. Man fährt immer wieder an die gleichen Orte, besucht die gleichen Restaurants oder fährt weit weg in ein anderes Land. Dabei gibt es direkt vor der eigenen Haustür so viel zu entdecken.
Genau deshalb haben wir unseren Heimaturlaub auch genutzt, um Deutschland einmal mit den Augen eines Touristen zu erleben.
Gemeinsam verbrachten wir einen Tag an der Saarschleife, spazierten über den Baumwipfelpfad, genossen den Ausblick von dem Cloef und machten anschließend noch eine Schiffsrundfahrt.
Auch mit Freunden waren wir gemeinsam unterwegs. Wir besuchten die Zitadelle in Bitche in Frankreich. Besonders die audiovisuelle Führung hat uns begeistert, weil Geschichte dadurch auf eine ganz andere Art erlebbar wird.






Aus diesem Heimaturlaub nehmen wir deshalb nicht nur schöne Erinnerungen mit, sondern auch einen Vorsatz für die Zukunft. Deutschland hat unglaublich viel zu bieten und wir möchten künftig viel öfter bewusst neue Orte entdecken, statt immer nur an die bekannten Plätze zurückzukehren.
Ganz oben auf unserer Liste steht inzwischen die Schwäbische Alb. Seit wir 2019 nach Stuttgart gezogen sind, waren wir tatsächlich noch kein einziges Mal dort. Das möchten wir unbedingt nach unserer Auslandszeit ändern.
Bevor es für uns wieder zurück nach China ging, stand dann noch ein letzter besonderer Termin auf dem Programm: das Dorffest.
Über den Abend verteilt trafen wir viele Menschen, die man lange nicht gesehen hatte. Manche nur kurz für ein Gespräch, andere für eine längere Unterhaltung.
Es wurde viel erzählt, gelacht gegessen und auch ausgiebig getanzt.
Besonders schön war, dass man nicht das Gefühl hatte, einfach nur „zu Besuch“ zu sein. Für einen Abend war alles wieder genauso vertraut wie früher.
Und genau da merkt man, wie besonders Heimat ist. Auch wenn sich in neun Monaten viel verändert hat, gibt es Orte und Menschen, bei denen man sofort wieder anknüpfen kann.
Am Montagmorgen hieß es dann aber wieder Abschied nehmen. Um 10 Uhr startete unser Flug von Luxemburg zurück nach Peking.
Mit vielen schönen Erinnerungen im Gepäck und gleichzeitig einem etwas gemischten Gefühl machten wir uns auf den Weg zurück in unser Leben in China.
Zurück in unserer zweiten Welt
Obwohl die ersten Nächte geprägt von Jetlag waren, sind wir insgesamt erstaunlich schnell wieder im Alltag angekommen.
Am ersten Tag holten wir zunächst etwas Schlaf nach, packten unsere Koffer aus und genossen gemeinsam unseren letzten freien Tag.
Während Nico am Mittwoch wieder zurück in seinen Arbeitsalltag fand, warteten auf mich die ganz normalen Dinge nach einer längeren Reise: mehrere Wäscheberge, den Kühlschrank wieder auffüllen und die Wohnung langsam wieder in unseren Alltag zurückbringen.
Abgesehen von einem Arzttermin am Donnerstag standen zunächst keine großen Termine an. Stattdessen genossen wir es, wieder unsere normalen Routinen aufzunehmen.
Am Wochenende trafen wir uns dann jeden Abend mit Freunden zum Essen. Nach so einer langen Zeit in Deutschland gab es natürlich viel zu erzählen und wir nutzten die Gelegenheit, uns gegenseitig auf den neuesten Stand zu bringen.
Sonntags ging es spontan noch in eine Bar, da direkt gegenüber von unserer Wohnung die Dachterrassenbar wieder geöffnet hatte. Vor einigen Monaten hatte es dort gebrannt, weshalb sie lange geschlossen und komplett renoviert wurde. Jetzt konnten wir sie endlich wieder ausprobieren, den Blick über die Stadt genießen und auf die größte Gebäude Pekings schauen.
Es fühlte sich fast so an, als hätten beide Welten während unserer Abwesenheit einfach auf uns gewartet.
Deutschland hatte uns wieder aufgenommen, als wären wir nie weg gewesen. Und genauso empfing uns auch Peking wieder mit unserem vertrauten Alltag.




Unser Heimaturlaub hat uns vor allem eines gezeigt: Wie schön es ist, Familie und Freunde wieder ganz nah bei sich zu haben.
Gleichzeitig hat uns die Zeit in Deutschland aber auch gezeigt, dass inzwischen nicht mehr nur ein Ort unser Zuhause ist.
Deutschland wird immer unsere Heimat bleiben. Dort sind unsere Familien, unsere Freunde und unsere Geschichte.
Aber gleichzeitig freuen wir uns inzwischen auch darauf, nach Peking zurückzukommen. Auf unsere Wohnung, unsere Arbenteuer, unsere Freunde hier und das Leben, das wir uns in den vergangenen Monaten aufgebaut haben.