Kaum zu glauben, aber mein erster Blogbeitrag ist inzwischen tatsächlich fast ein Jahr her.
Am 29. September letzten Jahres ging hier der erste Beitrag online. Damals war noch vieles neu: China war für uns noch kein Zuhause, Peking noch keine Stadt, in der wir uns selbstverständlich mit dem Auto/Fahrrad durch den Verkehr bewegen und unser Alltag bestand gefühlt aus einer Mischung aus Papierkram, Wohnungsbesichtigungen und der Frage: „Wie funktioniert das hier eigentlich?“
Heute, ein Jahr später, sieht vieles anders aus.
Wir wohnen inzwischen in unserem Zuhause für die nächsten Jahre, kennen unsere Lieblingsrestaurants, wissen, wie man Essen bestellt, bezahlen ganz selbstverständlich mit dem Handy, verstehen etwas die Sprache und haben gelernt, wie man in China zurecht kommt.
Und trotzdem gibt es noch regelmäßig Momente, in denen wir uns anschauen und denken: Wir leben wirklich in China.
Wenn ich an unsere ersten Wochen zurückdenke, fühlt sich vieles gleichzeitig unglaublich weit weg und doch erstaunlich nah an.
Da waren unsere ersten chinesischen SIM-Karten, die Bankkonten, die WeChat-Verifizierung und all die kleinen organisatorischen Dinge, die man vorher nie auf dem Schirm hatte. Dazu kamen unsere unzählige Wohnungsbesichtigungen.
Neun Wohnungen am ersten Tag, acht am zweiten. Insgesamt also 17 Besichtigungen, bevor wir das Gefühl hatten: Das könnte unser Zuhause werden.
Heute ist diese Wohnungssuche schon fast eine kleine Geschichte für sich. Damals war sie vor allem anstrengend.
Auch kulinarisch hat sich einiges verändert. Am Anfang wurde noch vieles ausprobiert und kritisch beäugt. Manche chinesischen Gerichte haben sofort einen Platz auf unserer persönlichen Favoritenliste bekommen, andere eher nicht. Dazu kam die Erkenntnis, dass man in Peking eigentlich fast alles bestellen kann.
Während man sich früher überlegt hat, ob man wirklich noch zum Supermarkt fahren möchte, steht das Essen in China teilweise schneller vor der Tür, als man sich entschieden hat, was man überhaupt bestellen möchte.
Auch Peking selbst hat sich für uns verändert. Oder vielleicht eher unser Blick auf Peking.
Am Anfang waren wir Touristen in unserer neuen Heimat. Wir wollten die Verbotene Stadt sehen, den Himmelstempel besuchen, über den Tian’anmen-Platz laufen und möglichst viel von dieser riesigen Stadt aufnehmen.
Mittlerweile kennen wir nicht nur die großen Sehenswürdigkeiten, sondern auch kleine Ecken, Restaurants, Cafés und Wege, die für uns einfach zu „unserem Peking“ gehören.
Natürlich stehen die großen Highlights weiterhin auf unserer Liste. Aber inzwischen ist Peking nicht mehr nur eine Stadt, die wir entdecken.
Es ist die Stadt, in der wir wohnen.
Und genau das war vielleicht eine der größten Veränderungen dieses ersten Jahres.
Ein großer Teil unseres ersten Jahres bestand zudem natürlich aus Reisen und Ausflügen.
Wir haben die chinesische Landschaft kennengelernt, waren auf verschiedenen Abschnitten der Chinesischen Mauer unterwegs und haben dabei eine neue gemeinsame Leidenschaft entdeckt: Wandern.
Dass ausgerechnet Wandern zu einem unserer gemeinsamen China-Hobbys werden würde, hätten wir vor unserem Umzug wahrscheinlich nicht unbedingt vorhergesagt.
Heute gehören Wanderungen mit zu unseren schönsten China-Erlebnissen.
Dazu kamen weitere Reisen und Ausflüge, neue Städte, neue Hotels, neue Landschaften und immer wieder dieses Gefühl, dass China einfach unglaublich groß ist.
Man kann monatelang hier leben und hat trotzdem das Gefühl, gerade erst angefangen zu haben.
Auch unser Alltag ist inzwischen ganz anders. Während Nico mittlerweile längst seinen Arbeitsalltag in China gefunden hat, hat auch bei mir im Laufe des Jahres etwas Neues begonnen.
Ich arbeite inzwischen auch ein paar Stunden in der Woche und habe damit meinen eigenen kleinen Platz in unserem China-Alltag gefunden. Aus dem anfänglichen „Was mache ich eigentlich in China?“ wurde ein ganz konkreter Alltag mit Kindern, Kolleginnen und Kollegen, Frühstückstreff und vielen neuen Aufgaben.
Das hat für mich persönlich noch mehr Struktur in unser gemeinsames Leben gebracht.
Denn unser China-Abenteuer besteht eben nicht nur aus Reisen und Sehenswürdigkeiten.
Es besteht auch aus ganz normalen Tagen.
Aus Arbeit.
Aus Einkaufen.
Aus Wäsche.
Aus „Was essen wir heute?“
Aus müden Abenden.
Aus kleinen Erfolgen.
Und manchmal auch aus Tagen, an denen China einfach nur China ist und man sich nach einem ganz normalen deutschen Alltag sehnt.
Genau diese Mischung macht unser Leben hier so besonders.
Und wenn ich mir die alten Blogbeiträge durchlese, fällt mir vor allem eines auf:
Wie viel in diesem einen Jahr passiert ist.
Wir sind angekommen.
Wir haben uns eingerichtet.
Wir haben Menschen kennengelernt.
Wir haben Dinge ausprobiert, die wir vorher noch nie gemacht haben, und uns an Dinge gewöhnt, die am Anfang völlig fremd waren.
Und wir haben festgestellt, dass sich „Zuhause“ manchmal schneller verändern kann, als man denkt.
Deutschland ist weiterhin unsere Heimat.
Aber Peking ist inzwischen unser Zuhause auf Zeit.
Und irgendwo zwischen diesen beiden Welten spielt sich gerade unser Leben ab.
Nach einem Jahr Blog wollte ich deshalb dieses Mal nicht einfach nur einen weiteren langen, emotionalen Rückblick schreiben.
Stattdessen gibt es ein kleines Quiz über Themen aus dem Blog.
Denn wenn ihr mich hier schon ein Jahr lang begleitet, dann habt ihr vielleicht sogar besser aufgepasst, als ihr denkt.
11 Fragen, 11 Buchstaben und am Ende wartet ein Lösungswort.
Kleiner Tipp: Die richtigen Antworten ergeben in der Reihenfolge ihrer Anfangsbuchstaben das Lösungswort.
1. Wo arbeitet Lea inzwischen?
A) Deutsche Botschaftsschule
B) Tierheim
C) Botschaft in Peking
2. Mit welcher Chinesischen Airline sind wir in unserem China-Jahr überwiegend unterwegs gewesen?
A) Air China
B) Hainan Airlines
C) China Eastern
3. Was bedeutet „Hallo“ auf chinesisch ?
A) Xiexie
B) Nihao
C) Konnichiwa
4. In welcher Stadt waren wir auf einer chinesischen Hochzeit?
A) Shanghai
B) Hongkong
C) Kaiyuan
5. In welcher Stadt leben wir?
A) Shanghai
B) Chengdu
C) Beijing
6. Welche App gehört bei uns inzwischen ganz selbstverständlich zum chinesischen Alltag?
A) Signal
B) Alipay
C) Telegram
7. Mit welchem Fortbewegungsmittel kommt unser bestelltes Essen zu uns?
A) Fahrrad
B) Auto
C) Roller
8. Wie heißt unser Apartment für die nächsten Jahre?
A) Kerry
B) Hilton
C) Kempinski
9. Wie viele Kilometer sind es ungefähr mit dem Zug von Beijing nach Shanghai?
A) Siebenhundert Kilometer
B) Eintausenddreihundert Kilometer
C) Zweitausendeinhundert Kilometer
10. In welcher Stadt machen wir meistens einen Zwischenstopp auf dem Flug nach Deutschland?
A) Istanbul
B) Madrid
C) Rom
11. Welches Land war unser erstes Reiseziel seitdem wir in China leben?
A) Thailand
B) Australien
C) Vietnam
Und wenn ihr nun alle Antworten habt, könnt ihr aus den Anfangsbuchstaben das Lösungswort zusammensetzen: _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _
Vielleicht ist das tatsächlich das Wort, das unser Gefühl zu dem erstes China-Jahr am besten beschreibt.
Nicht weil jeder Tag perfekt war.
Nicht weil immer alles einfach war.
Sondern weil wir unglaublich viele Dinge erleben durften, die wir vor einem Jahr noch nicht kannten.
D A N K B A R K E I T
Und auch D A N K B A R K E I T, für euch
Danke an alle, die seit dem ersten Beitrag mitlesen.
An diejenigen, die jeden Beitrag lesen, an diejenigen, die nur ab und zu vorbeischauen und natürlich auch an diejenigen, die mir irgendwann schreiben und erzählen, dass sie gerade beim Lesen das Gefühl hatten, ein kleines bisschen mit in China gewesen zu sein.
Genau dafür gibt es diesen Blog.
Natürlich schreibe ich ihn in erster Linie für uns. Als Erinnerung an diese besondere Zeit, als kleines digitales Fotoalbum und als Ort, an dem wir unsere Erlebnisse sammeln können.
Aber es ist etwas ganz Besonderes zu wissen, dass irgendwo in Deutschland, in Europa oder vielleicht sogar an einem ganz anderen Ort jemand sitzt und unseren Alltag in China mitverfolgt.
Ihr begleitet uns bei den großen Momenten.
Bei unseren Reisen.
Bei neuen Wohnungen.
Bei Wanderungen.
Bei kulinarischen Experimenten.
Aber eben auch bei den ganz normalen kleinen Geschichten, die unser Leben hier ausmachen.
Und genau diese Mischung möchte ich auch im nächsten Jahr beibehalten.
Denn unser China-Abenteuer ist noch lange nicht vorbei. Wir haben noch ungefähr zwei Jahre vor uns.
Noch viele Städte, die wir nicht kennen.
Noch viele Wanderwege, die wir nicht gelaufen sind.
Noch unzählige Gerichte, die wir ausprobieren werden.
Und wahrscheinlich auch noch einige Situationen, bei denen wir uns gegenseitig anschauen und sagen werden:
„Okay. Das ist jetzt wirklich sehr China.“
Also: Danke, dass ihr mit uns reist.
Danke fürs Lesen, Mitfiebern, Nachfragen und Wiederkommen.
Auf ein weiteres Jahr voller Geschichten, kleiner Abenteuer und hoffentlich ganz viel Dankbarkeit.
Eure Lea & Nico