Fundstück August 2026

„Sonne tanken“, braun werden und am Ende des Sommers stolz die gebräunte Haut zeigen – für viele Menschen in Deutschland gehört das ganz selbstverständlich zum Sommer dazu. In China sieht man den Umgang mit Sonne dagegen oft genau andersherum.

Hier gilt helle Haut seit Jahrhunderten als Schönheitsideal. Der Grund dafür liegt unter anderem in der Geschichte und gesellschaftlichen Bedeutung von Hautfarbe. Früher war helle Haut ein Zeichen dafür, dass jemand nicht draußen körperlich arbeiten musste, sondern eher einer wohlhabenderen Gesellschaftsschicht angehörte. Während Menschen, die auf Feldern oder im Freien arbeiteten, durch die Sonne automatisch dunklere Haut bekamen, stand blasse Haut für einen geschützten und gepflegten Lebensstil.

Diese Vorstellung hat sich bis heute gehalten und wurde durch moderne Schönheitsideale noch verstärkt. Helle Haut wird häufig mit Eleganz, Jugendlichkeit und einem gepflegten Aussehen verbunden. Deshalb versuchen viele Menschen in China, ihre Haut im Sommer möglichst vor der Sonne zu schützen.

Als wir nun unsere ersten Sommer in Peking erlebt haben, ist uns schnell aufgefallen: Der Kampf gegen Sonne und Hitze ist hier fast eine eigene Alltagsdisziplin. Dabei entstehen viele kleine Gewohnheiten und Lösungen, die für uns zunächst ungewohnt wirken, aber im chinesischen Sommer völlig normal sind.

Beijing Bikinis

Eine der wohl bekanntesten chinesischen Sommererscheinungen ist der sogenannte „Beijing Bikini“. Dabei handelt es sich nicht um Badekleidung, sondern um eine Abkühlungs- Methode: Vor allem ältere Männer rollen an heißen Sommertagen ihr T-Shirt bis zur Brust hoch und legen so den Bauch frei. 

Für viele Besucher wirkt das zunächst ungewöhnlich, für die Träger ist es dagegen eine einfache Möglichkeit, sich bei Temperaturen von über 35 Grad etwas Abkühlung zu verschaffen. Ob das tatsächlich hilft, darüber lässt sich streiten – zum Pekinger Sommer gehört dieses Bild aber einfach dazu.

Schirme

Ein Regenschirm heißt zwar Regenschirm, wird in China aber mindestens genauso häufig gegen die Sonne eingesetzt. Egal ob zu Fuß, beim Warten an der Ampel oder sogar auf dem Fahrrad beziehungsweise Elektroroller. Überall sieht man Menschen, die sich mit einem Schirm ihren eigenen Schatten schaffen.

Kleine Helfer gegen die Sonne

Sonnenschutz wird hier nicht nur mit Sonnencreme verbunden. Stattdessen wird versucht, die Sonne möglichst gar nicht erst an die Haut kommen zu lassen. Das beginnt bei der Kleidung und reicht bis zu kleinen Alltagshelfern, die man unterwegs jederzeit griffbereit hat.

Lange, luftige Kleidung gehört im Sommer für viele ganz selbstverständlich dazu. Dünne UV-Jacken, lange Ärmel, Handschuhe oder spezielle Gesichtsmasken schützen möglichst viel Haut vor der Sonne. Selbst Tiere werden dabei nicht vergessen: Auch Hunde sieht man manchmal mit kleinen Kleidungsstücken oder Sonnenschutz-Accessoires, die sie vor der direkten Sonne schützen sollen.

Besonders auffällig ist, wie konsequent viele Menschen ihre Haut vor der Sonne schützen. Dünne UV-Jacken, lange Ärmel, Handschuhe oder spezielle Gesichtsmasken, die oft nur die Augen freilassen, gehören für viele einfach zur Sommergarderobe. 

Kopfbedeckung

Auch auf dem Kopf wird improvisiert. Klassische Sonnenhüte und Kappen sieht man überall. Manche wickeln sich aber auch einfach spontan ein Tuch oder einen Schal um den Kopf oder über den Nacken, sobald die Sonne zu stark wird. Hauptsache, möglichst wenig Haut ist der direkten Sonne ausgesetzt. Und natürlich darf auch während dem Rollerfahren die Kappe unterm Helm nicht fehlen.

Abkühlung

Neben dem Schutz vor der Sonne gibt es natürlich auch viele Tricks gegen die Hitze selbst. In den Straßen sieht man Menschen mit kleinen Ventilatoren, klassischen Handfächern oder manchmal sogar mit Eiswürfeln, die für einen kurzen Moment Abkühlung bringen.

Gerade die kleinen tragbaren Ventilatoren gehören im Sommer fast zur Grundausstattung. Sie hängen am Handy, werden um den Hals getragen oder stehen beim Warten auf Bus und Bahn bereit. Auch im Restaurant wird man fleißig mit Ventilatoren versorgt.

Überhaupt bekommt man in China erstaunlich oft einen Ventilator zur Seite gestellt. In Restaurants, Geschäften oder an anderen Orten, an denen man warten muss, stehen kleine Ventilatoren bereit oder werden direkt angeboten. Dazu kommen die ganz einfachen Methoden: ein Fächer, ein Stück Eis oder einfach ein möglichst schattiger Platz können bei 35 Grad schon einen erstaunlich großen Unterschied machen.

Die Schatten-Suche

Ein weitereres Detail was auffällt, ist das jeder aktiv sucht. Menschen warten lieber unter Bäumen, stellen sich unter Vordächer oder wählen bewusst die schattige Straßenseite.

Wo kein Schatten vorhanden ist, wird manchmal kurzerhand eigener geschaffen – durch das Handy, kleine Fächer oder andere kreative Lösungen. Jeder Meter ohne direkte Sonne zählt.

Nach unserem ersten Sommer in Peking haben wir gemerkt: Sommer bedeutet hier nicht unbedingt, möglichst viel Sonne abzubekommen. Statt Sonnenbräune steht der Schutz vor Hitze und UV-Strahlung im Vordergrund.

Natürlich ist ein bewusster Umgang mit Sonne auch aus gesundheitlicher Sicht sinnvoll. Intensive UV-Strahlung kann die Haut belasten und langfristig schädlich sein. Der Unterschied zu Deutschland liegt vor allem darin, dass die Sonneneinstrahlung in Peking über viele Monate hinweg deutlich intensiver und gleichmäßiger ist. Und nicht nur ein paar besonders sonnige Wochen im Jahr.

Was für uns zunächst ungewohnt aussieht, ist deshalb weniger ein kurioser Trend, sondern eine Anpassung an Klima, Kultur und Schönheitsvorstellungen. Der chinesische Sommer zeigt einmal mehr: Selbst bei etwas so Alltäglichem wie Sonne und Hitze gibt es ganz unterschiedliche Wege, damit umzugehen.

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