Die vergangenen Tage waren wieder eine Mischung aus ganz unterschiedlichen Momenten: Während Nico mit der Vorbereitung auf sein erstes Fußballturnier begonnen hat, habe ich ein neues Restaurant ausprobiert und mich mit einer Freunden getroffen. Am Wochenende haben wir außerdem die Pekinger Ghost Street erkundet und sind für einen Tag ins Haituo Valley gefahren. Dazwischen blieb natürlich auch Zeit für unsere ganz normalen To-dos, Sport und ein bisschen Entspannung.
Fußballfieber bei Mercedes-Benz
Diese Woche hat bei Nico die Vorbereitung auf ein besonderes Firmenevent begonnen: die Mercedes-Benz Labor Union Football Champions League. Bereits zum 13. Mal treten dabei verschiedene Mercedes-Benz-Teams aus den verschiedenen Abteilungen gegeneinander an. Insgesamt spielen sechs unternehmensinterne Mannschaften in einem Ligasystem um den Titel.
Bis Ende August finden zunächst vier gemeinsame Trainingseinheiten statt, bevor Ende August die ersten Ligaspiele beginnen. Gespielt wird jeweils im 8-gegen-8 auf dem halben Platz mit 80 Minuten Spielzeit.
Trainiert wird im Yinhai Soccer Theme Park im Süden Pekings, nicht weit von Nicos Arbeitsplatz entfernt. Die Anlage verfügt über vier Kunstrasenplätze sowie einen Naturrasenplatz mit Tartanbahn und Tribüne. Anders als in Deutschland sind solche Sportanlagen in China meist kostenpflichtig. Die Platzmiete wird normalerweise von den Spielern gemeinsam getragen. Da das Training jedoch im Rahmen der Mercedes-Benz Labor Union organisiert wird, übernimmt das Unternehmen die Kosten für den Platz. Sogar Wasser steht bei den Trainings für alle Spieler kostenlos bereit.
Besonders schön ist auch, dass jeder Teilnehmer eine komplette Mannschaftsausrüstung erhält. Vor dem Turnier bekommt jeder Spieler ein eigenes Trikot mit seinem Namen, dazu passende Hose und Stutzen. Das macht das Ganze noch ein Stück professioneller, steigert natürlich auch die Vorfreude auf die ersten Spiele und ist auch ein Andenken für die Zukunft.
Beim ersten Training ging es dann auch direkt auf den Platz. Die Stimmung war von Anfang an gut, auch wenn die sommerliche Temperatur das Training ziemlich anstrengend machten. Für die Mannschaft heißt es nun erst einmal, zusammenzufinden, die eigenen Positionen zu finden und sich als Team einzuspielen.




Die Restauranttester
Auf WeChat bin ich auf einen Restauranttipp gestoßen, der direkt meine Neugier geweckt hat: das 二十年老店 in Beixinqiao. Das Restaurant ist bei vielen Einheimischen für zwei ganz bestimmte Gerichte bekannt.
Da das Restaurant nicht allzu weit entfernt war, schwang ich mich kurzerhand aufs Fahrrad. An diesem Tag war die Entscheidung allerdings nur bedingt clever. Bei fast 37 Grad, strahlendem Sonnenschein und dem teilweise ziemlich chaotischen Pekinger Verkehr kam ich entsprechend im Restaurant an.
Die Hitze war schnell vergessen: mit einem kalten Getränk in der Hand und der angenehmen Klimaanlage im Rücken, studierten wir erst einmal die Speisekarte. Bei der großen Auswahl an leckeren Gerichten fiel uns die Entscheidung allerdings gar nicht so leicht.
Doch wir kamen ja aus einem bestimmten Grund, nämlich die berühmten 锅贴 (Guōtiē), also knusprig angebratene Teigtaschen. Das Restaurant ist vor allem für die Sorte „drei frische Zutaten“ bekannt mit einer Füllung aus Garnelen, Schweinefleisch und Schnittlauch. Die Teigtaschen werden zunächst angebraten und anschließend gedämpft. Dadurch entsteht der typische Kontrast zwischen dem knusprigen Boden und dem weichen, saftigen Inneren.
Wir entschieden uns gleich für zwei verschiedene Varianten: einmal die klassische Kombination und zusätzlich eine Variante mit Schweinefleisch und Frühlingszwiebeln. Beide waren unglaublich saftig und hatten einen tollen Geschmack.
Das zweite Gericht, für das das Restaurant bekannt ist, war 糖醋里脊 (Tángcù Lǐji) – süß-saures Schweinefleisch. Anders als viele die süß-saure Sauce vielleicht vom chinesischen Restaurant in Deutschland kennen, wird das Fleisch hier außen besonders knusprig frittiert und erst anschließend mit einer glänzenden süß-sauren Sauce überzogen. Dadurch bleibt es außen knusprig und innen trotzdem zart. Für mich definitiv eines der besten süß-sauren Schweinegerichte, die ich bisher in China gegessen habe.
Dazu bestellten wir noch 凉拌葫芦丝, einen kalt angemachten Salat aus fein geschnittenem Flaschenkürbis, der angenehm frisch und leicht war und perfekt zu den eher herzhaften Gerichten passte. Außerdem teilten wir uns noch eine kleine Schale Reis und jeder bestellte zwei Getränke.
Für all das bezahlten wir am Ende gerade einmal 99 Yuan, also umgerechnet rund 12 Euro. Das Restaurant ist zwar schon etwas in die Jahre gekommen und sicher kein Ort, an den man wegen des Ambientes geht. Aber wenn man unkompliziert, authentisch und vor allem günstig essen möchte, ist es definitiv einen Besuch wert.
Danach wollte ich noch ein wenig durch die Hutongs schlendern und die Atmosphäre genießen. Nach gerade einmal fünf Minuten musste ich allerdings einsehen, dass es einfach zu heiß ist.
Also bestellte ich kurzerhand ein Didi und ließ mich lieber klimatisiert nach Hause fahren.
Restauranttester-Fazit: eindeutig Top, aber beim nächsten Mal vielleicht lieber mit dem Didi statt mit dem Fahrrad. (Oder im Herbst)





Der kleine Freitag
Am Donnerstag war bei uns das Wochenende schon zum Greifen nah. Wir nutzten beide den Abend, um uns mit Freunden/ Kollegen zu treffen und damit die Arbeitswoche langsam ausklingen zu lassen.
Für Nico ging es zur Abschiedsfeier einer Kollegin, die das Unternehmen verlassen hat, um sich beruflich neu zu orientieren. Gefeiert wurde in einem traditionellen chinesischen Restaurant. Gerade wenn größere Gruppen zusammenkommen, ist es in China üblich, einen eigenen Nebenraum zu reservieren. So sitzt die Gruppe etwas abgeschirmt zusammen, bestellt viele verschiedene Gerichte für alle und verbringt meist mehrere Stunden gemeinsam am Tisch.
Ein schöner Teil des Abends waren dabei auch die kleinen Abschiedsreden. Nach und nach richteten sich die Kollegen an die Kollegin und jeder sagte ein paar persönliche Worte. Solche kleinen Reden gehören bei Abschieden in China häufig einfach dazu. Dabei geht es weniger um eine große, vorbereitete Ansprache, sondern vielmehr darum, sich noch einmal für die gemeinsame Zeit zu bedanken, ein paar Erinnerungen zu teilen und der Person für ihren nächsten beruflichen Schritt alles Gute zu wünschen.
Solche kleinen Farewell-Runden sind eine schöne Gelegenheit, gemeinsam auf die vergangenen Jahre zurückzublicken und auch neben der Arbeit die Kollegen besser kennenzulernen.

Währenddessen traf ich mich mit einer Freundin in der Cache Rooftop Bar. Schon lange wollten wir dort einmal den Abend verbringen. Allerdings mussten wir die Bar erst einmal finden. Sie befindet sich in einer Mall und ist dort nicht unbedingt auf den ersten Blick zu entdecken. Nach einigem Suchen hatten wir schließlich den richtigen Weg gefunden und spätestens als wir oben ankamen hatte sich die Suche gelohnt.
Von der Dachterrasse aus hat man einen tollen Blick über die Pekinger Skyline. Besonders am frühen Abend, wenn langsam die Sonne untergeht und die Lichter der Stadt nach und nach angehen, ist die Atmosphäre dort richtig schön. Mit einem Getränk in der Hand saßen wir einfach zusammen, haben uns über alles Mögliche unterhalten und den Blick über die Stadt genossen.
Preislich liegt die Rooftop Bar zwar etwas über dem, was man in Peking sonst durchschnittlich für ein Getränk bezahlt. Für die Lage und vor allem den Ausblick fanden wir die Preise aber absolut angemessen. Man bezahlt hier eben nicht nur für das Getränk, sondern auch ein bisschen für die Atmosphäre und die Aussicht.



Sterne und Lampions
Die Arbeitswoche beendeten wir noch mit einer kleine Neuigkeit: Unser Auto ist angekommen! Ab sofort können wir es für unsere Ausflüge und im Alltag nutzen. Abends haben wir es uns deshalb erst einmal in Ruhe angeschaut, bevor wir uns etwas zu essen bestellten und den Abend gemütlich bei einem Film ausklingen ließen.
Für Samstag hatten wir eigentlich schon überlegt, direkt unseren ersten Ausflug mit dem Auto zu machen. So richtig entscheiden konnten wir uns aber nicht. Das Ziel, das wir uns ausgesucht hatten, wäre mit einer Übernachtung deutlich schöner gewesen allerdings war dort bereits alles ausgebucht. Also beschlossen wir, lieber nichts zu erzwingen. Der Ort wurde uns von vielen Freunden empfohlen und wir wollten nicht durch eine kurzfristig zusammengeschusterte Tour am Ende genau die Erfahrung verlieren, auf die wir uns eigentlich gefreut hatten.
Stattdessen ließen wir den Samstag ganz entspannt angehen. Wir schliefen aus, erledigten ein paar gemeinsame To-dos und nutzten die Zeit, um schon einmal die nächsten Tage und Ausflüge zu planen. Danach ging es für uns noch zum Sport.
Am Abend stand dann aber doch noch ein kleines Abenteuer auf dem Programm: Wir trafen uns mit drei Freunden und machten uns gemeinsam auf den Weg zur Ghost Street, einer der bekanntesten Straßen Pekings. Obwohl wir mittlerweile schon einige Zeit hier leben, waren wir selbst bisher noch nie dort gewesen.
Zunächst schlenderten wir einfach die Straße entlang und schauten uns die verschiedenen Restaurants an. Bei der großen Auswahl fiel die Entscheidung gar nicht so leicht. Schließlich entschieden wir uns für ein Restaurant, dessen Gerichte uns direkt ansprachen und auch die offene Atmosphäre gefiel uns besonders.
Beim Essen entschieden wir uns für verschiedene Gerichte zum Teilen. Neben Klassikern wie Peking-Ente landeten auch ein oder zwei Gerichte auf dem Tisch, die wir bisher noch nicht probiert hatten.
Nach dem Essen schlenderten wir noch ein Stück weiter durch die Straße. Besonders am Abend ist die Ghost Street mit ihren unzähligen roten Lampions, den beleuchteten Restaurants und den vielen Menschen wirklich schön anzusehen. Gleichzeitig merkt man allerdings auch schnell, dass die Straße längst ein fester Bestandteil vieler Reiseführer ist. Neben Einheimischen trifft man hier auffällig viele Touristen.
Die Atmosphäre ist deshalb ohne Frage sehenswert, für das Gefühl von „echtem“ China bleiben die Hutongs für uns aber weiterhin unser Favorit. Dort wirkt vieles ursprünglicher und weniger touristisch, und gerade das macht für uns den besonderen Charme Pekings aus.
Für den Abschluss des Abends mussten wir zum Glück gar nicht weit laufen. Nur etwa zwei Minuten vom Restaurant entfernt, versteckt in einer kleinen Hutong-Seitenstraße, entdeckten wir noch eine Bar. Von außen eher unscheinbar, erwartete uns drinnen ein richtig schönes Ambiente. Da das Wetter noch angenehm war, setzten wir uns nach draußen und ließen den Abend bei ausgefallenen Cocktails ausklingen.



Schweiz oder doch China?
Am Sonntag machten wir uns um 8 Uhr auf den Weg ins Haituo Valley, das wegen seiner Landschaft auch gerne als „Mini Switzerland of Beijing“ bezeichnet wird.
Schon die Hinfahrt war ein kleines Erlebnis. Wir kamen an bekannten und weniger bekannten Abschnitten der Chinesischen Mauer vorbei und fuhren auch an verschiedenen Anlagen der Olympischen Winterspiele, unter anderem an einer Bobbahn, vorbei. Dazwischen gab es immer wieder schöne Ausblicke auf die Berge, sodass die Fahrt selbst schon einige schöne Eindrücke bot.


Nach etwa zwei Stunden kamen wir im Haituo Valley an. Bevor wir mit der Wanderung starteten, schauten wir uns noch kurz das kleine „Schweizer Dorf“ an. Dort stehen zahlreiche kleine Ferienhäuser im Schweizer Stil, dazu wurden sogar Kirchen und andere typische Gebäude nachgebaut. Durch die Holzhäuser, Blumenwiesen und die Berge im Hintergrund wirkt das Ganze tatsächlich ein bisschen wie ein kleines Schweizer Feriendorf, nur eben mitten in China.






Anschließend machten wir uns über Treppen aus Steinen und Holzstämmen auf den Weg zu einem Café. Wir entschieden uns für den längeren Weg durch den Birkenwald und kamen dabei an zwei Aussichtsplattformen vorbei. An der zweiten blieben wir allerdings unfreiwillig etwas länger: Plötzlich wurden wir von kleinen Fluginsekten regelrecht überfallen und hatten irgendwann genug von der Aussicht.






Der anschließende Holzsteg zum Café war für mich eines der Highlights. Zusammen mit den kleinen dekorierten Zelten, den Blumenwiesen und der Bergkulisse sah der Weg einfach wunderschön aus.
Am Café 1473山顶咖啡馆, das seinem Namen entsprechend auf etwa 1.473 Metern Höhe liegt, machten wir dann eine kleine Mittagspause. Mit einem Kaffee, dem selbstgemachten Lunchpaket und der Aussicht ließ es sich dort ziemlich gut aushalten.


Von dort aus ging es anschließend zurück Richtung Dorf. Eigentlich wollten wir noch zu den kleinen Zelten hinter dem See. Wir dachten, wir könnten dafür einfach durch das angrenzende traditionelle chinesische Dorf laufen, allerdings war dort jeder Eingang verschlossen. Also mussten wir wieder zurück zum Haupteingang und einen Umweg nehmen. Der Blick durch das traditionelle Dorf auf das Schweizer Dorf und dahinter das Café hoch oben am Berg machte den Umweg dann aber doch irgendwie lohnenswert.

Zurück im Resort erkundeten wir anschließend noch den Bereich rund um den See und schlenderten am Ufer entlang. Dort gab es bereits einige Attraktionen für Kinder: Ponyreiten, eine kleine Eisenbahn und dahinter einen großen Campingbereich.
Dieser wirkte fast wie ein kleines Familienparadies. Kinder ließen Drachen steigen, sprangen auf Trampolinen oder angelten in kleinen aufgestellten Pools. Viele Familien hatten sich mit Zelten und Essen für den ganzen Tag eingerichtet. Neben festen Zelten, die man nutzen konnte, hatten manche sogar ihre eigenen aufgebaut.
Am Ende unseres Rundgangs schauten wir uns noch einmal das gesamte Panorama des Dorfes und der umliegenden Berge an, bevor wir uns auf den Heimweg machten.




Wieder zu Hause angekommen, telefonierten wir noch mit unseren Familien. Mit gutem Essen und gemeinsamem Fußballschauen ließen wir den Tag schließlich gemütlich ausklingen.
Und damit war unser Wochenende auch schon wieder vorbei. Nach Ghost Street am Samstag und dem Haituo Valley am Sonntag hatten wir einiges erlebt und waren am Ende vor allem eines: ziemlich müde. Genau so darf ein Wochenende gerne sein.