Anfang August beginnt in China der Herbstanfang, 立秋 (Lìqiū), einer der 24 traditionellen chinesischen Jahreszeitenabschnitte. Auch wenn es temperaturmäßig noch lange nicht nach Herbst aussieht und die Tage weiterhin heiß und sommerlich bleiben, markiert dieser Zeitpunkt im chinesischen Kalender den Übergang von der heißesten Zeit des Jahres in Richtung einer langsam kühler werdenden Jahreszeit.
Allerdings zeigte sich das Wetter in dieser Woche noch einmal von seiner typisch sommerlichen Seite. Nach den heißen Tagen mit über 35 Grad sorgte zunächst die hohe Luftfeuchtigkeit weiter für tropisches Wettergefühl. Gleichzeitig zog ein Taifun auf, der bereits in Shanghai für starke Regenfälle, Überschwemmungen und Einschränkungen im Verkehr sorgte. Auch für Peking wurden kräftige Regenfälle erwartet, da der Taifun zwar nicht direkt über die Stadt zieht, aber weiterhin viel Feuchtigkeit und Regen mit sich bringt.
Für uns bedeutete das vor allem: öfter einen Blick auf die Wetter-App werfen und unsere Pläne etwas flexibler gestalten. Bei mir stand ohnehin nicht viel an diese Woche nur ein wenig Alltag zu Hause, chinesisch lernen und ein paar kleine Todos.
Erster Zahnarztbesuch in China
In dieser Woche stand für mich mein erster Zahnarztbesuch in China an um den jährlichen Checkup zu machen.
Obwohl ich schon mehrfach in diesem Krankenhaus war, war die Suche nach dem richtigen Gebäude zunächst gar nicht so einfach. Das Krankenhaus besteht aus insgesamt fünf verschiedenen Gebäuden und natürlich befand sich der Zahnarzt nicht dort, wo ich zuerst gesucht hatte. Also fragte ich kurzerhand einen Mitarbeiter nach dem Weg. Statt mir nur schnell eine Richtung zu zeigen, nahm er mich direkt mit und brachte mich persönlich bis zum richtigen Gebäude.
Dort angekommen, ging alles überraschend vertraut weiter. Die Räume, die Ausstattung und auch der Ablauf erinnerten sehr an einen Zahnarztbesuch in Deutschland. Ich wurde direkt aufgerufen und konnte mich problemlos auf Englisch mit der Zahnärztin und der Arzthelferin verständigen. Nach einem kurzen Check-up folgte eine professionelle Zahnreinigung, alles verlief unkompliziert und ohne Probleme.
Ein paar kleine Unterschiede gab es dann aber doch. Während der Behandlung bekam ich beispielsweise eine Schutzbrille mit leicht abgedunkelten Gläsern, damit die helle Lampe über dem Behandlungsstuhl nicht so blendet. Was ich als sehr angenehm und eine clevere Lösung finde.
Außerdem bekam ich während der Zahnreinigung plötzlich ein Haarnetz übergezogen, das die Arzthelferin sogar bis über meine Nase zog. Im ersten Moment war ich etwas überrascht, aber der Grund dafür war schnell klar: Bei der Reinigung wird mit einem starken Wasserstrahl gearbeitet und so sollte verhindert werden, dass Wasser oder Spritzer ins Gesicht gelangen. Ungewöhnlich, aber nicht weiter störend.
Nach dem Zahnarztbesuch machte ich noch einen kurzen Abstecher zu einem Markt in der Nähe, bevor es wieder nach Hause ging. Mittags regnete es dann auch immer mal wieder, meist stark und kurz. Aber lange nicht so schlimm wie erwartet.

Deutschland Teil 2
Am Mittwoch hieß es für mich: Koffer packen, die restliche Wäsche waschen und die letzten Vorbereitungen für meine Abreise erledigen. Zwischendurch war aber auch noch Zeit für ein bisschen Alltag. Ich war mit meiner Freundin zum Schwimmen verabredet und ging am Nachmittag noch einmal aufs Laufband. Am Abend gingen Nico und ich noch einmal gemeinsam essen und genossen die letzten Stunden zu zweit, bevor es am nächsten Tag für mich zum Flughafen ging.
Für mich standen knapp vier Wochen Deutschland bevor, unter anderem um wieder auf dem Stuttgarter Weindorf zu arbeiten. Für Nico bedeutete das gleichzeitig, dass er diese Zeit alleine in Peking bleiben würde. Anfangs wird es für uns beide sicher wieder ungewohnt sein, plötzlich nicht mehr den gesamten Alltag gemeinsam zu erleben. Aber vier Wochen gehen am Ende wahrscheinlich schneller vorbei, als man denkt. Und wenn ich dann wieder zurück in Peking bin, ist vielleicht sogar schon etwas von dem angekündigten Herbst zu spüren.



Am Donnerstag ging es für mich dann zum ersten Mal mit einem Direktflug von Peking nach Deutschland. Unser Flug startete um ca. 13 Uhr Pekinger Zeit und nach 9 Stunden und 20 Minuten in der Luft landeten wir in Frankfurt. Da es für mich mitten am Tag war und wir während des Fluges natürlich einige Stunden „zurückgewonnen“ hatten, war an Schlaf bei mir nicht wirklich zu denken. Stattdessen verbrachte ich die meiste Zeit mit Serien schauen. Zwischendurch wollte ich die Gelegenheit nutzen und endlich auch einmal chinesische Schriftzeichen mit meiner Lern-App zu üben. Ich hatte mir vorgenommen, elektronische Karteikarten anzulegen, um neben dem Sprechen nun auch das Lesen der Zeichen besser zu lernen. Pro Tag lassen sich in der App allerdings nur 50 neue Karten erfassen und nach etwa 30 Minuten war dieses Tageslimit bereits erreicht. So viel also zum geplanten intensiven Chinesischlernen im Flugzeug.
In Frankfurt angekommen, erwartete mich ungewohntes Gewusel am Terminal 1. Für die Einreise musste ich mich zunächst an die extrem lange Schlange zur sogenannten Immigration anstellen. Dabei wird kontrolliert, wer in ein Land einreist und ob die notwendigen Einreisevoraussetzungen erfüllt sind. Anders als an vielen anderen Flughäfen gab es zunächst keine getrennten Schlangen für EU- und Nicht-EU-Bürger. Erst weiter vorne wurden die Reisenden entsprechend aufgeteilt. Dadurch sah die Schlange zunächst endlos aus, bewegte sich letztlich aber erstaunlich schnell.
Am Gepäckband angekommen, wartete schon die nächste kleine Überraschung. Dort lagen bereits so viele Koffer, dass wir irgendwann selbst anfangen mussten, die Gepäckstücke zusammenzurücken oder vom Band zu nehmen, damit überhaupt noch Platz für die nächsten Koffer war. Personal, das sich darum kümmerte, war weit und breit nicht zu sehen. Irgendwann entdeckte ich dann tatsächlich einen schwarzen Koffer der aussah wie meiner. Allerdings fehlte mein grünes Kofferband, weshalb ich ihn zunächst einmal eine komplette Runde auf dem Band fahren ließ. Als er wieder bei mir vorbeikam, nahm ich ihn herunter, probierte den Code am Kofferschloss aus und öffnete ihn kurz. Und tatsächlich: Es war mein Koffer. Mein grünes Kofferband hatte die Reise dagegen offenbar nicht ganz bis Deutschland geschafft.
Draußen warteten dann bereits meine Eltern auf mich. Ohne größeren Stau ging es nach Hause und nach einer Kleinigkeit zu essen, fiel ich nach dem langen Reisetag ziemlich pünktlich um 22 Uhr ins Bett.




Am Freitagmittag ging es zunächst zu meinen Großeltern, bevor wir abends gemeinsam mit der Familie grillten. Und auch der Samstag startete direkt mit dem nächsten Besuch. Ich traf mich morgens mit einer Freundin in ihrem Stall, um ihre inzwischen schon deutlich größer gewordenen Fohlen anzuschauen. Anschließend durfte ich sogar noch eine Runde auf ihrem Islandpferd reiten. Dabei war ich allerdings ziemlich vorsichtig und zurückhaltend, denn das Pferd war erst seit kurzer Zeit eingeritten und ich wollte natürlich nichts falsch machen.
Danach ging es direkt weiter zu einem kleinen Städteausflug mit Lea. Wir entschieden uns für Saarburg – eine kleine Stadt an der Saar, die auf den ersten Blick überschaubar wirkt, aber erstaunlich viel zu entdecken bietet. Schon beim ersten Spaziergang durch die Altstadt fällt auf, wie eng hier Geschichte, Wasser und die historischen Häuser miteinander verbunden sind.
Wir schlenderten zunächst durch die kleinen Gassen und schauten uns die katholische Pfarrkirche St. Laurentius sowie dem Wasserfall mitten in der Stadt an. Der Leukbach stürzt hier auf einer Höhe von knapp 20 Metern über Felsen zwischen Ober- und Unterstadt hinab. Besonders spannend ist, dass der Wasserlauf bereits im Mittelalter künstlich durch die Stadt geführt wurde. Die Wasserkraft des Baches wurde früher für mehrere Mühlen genutzt. Heute ist der Wasserfall vor allem ein beeindruckendes Fotomotiv und macht Saarburg zu einer der außergewöhnlichsten kleinen Städte der Region.






Danach ging es zur evangelische Kirche, bevor es für uns hinauf zur Burg ging. Die Saarburg ist das Wahrzeichen der Stadt und thront rund 60 Meter über dem Leukbachtal. Die mittelalterliche Burganlage geht auf das Jahr 964 zurück und gehört damit zu den ältesten Höhenburgen im Westen Deutschlands. Heute sind vor allem die Reste der Burganlage und der mächtige Turm erhalten. Von oben hat man einen schönen Blick über die Dächer der Altstadt, die Saar und das umliegende Saartal. Durch den Wind war es dort oben außerdem angenehm kühl, sodass wir die Aussicht eine ganze Weile genossen.





Von dort ging es weiter zum Staden, einem der ältesten Bereiche Saarburgs. Direkt am Wasser stehen hier historische Fischer- und Schifferhäuser, die noch heute an die Zeit erinnern, als die Saar für das Leben und Arbeiten der Menschen eine wesentlich größere Rolle spielte. Kleine Brücken führen über den Leukbach, enge Gassen ziehen sich zwischen den Häusern hindurch und überall sorgen Blumen und das Wasser für eine besonders gemütliche Atmosphäre. An manchen Stellen erinnert die Altstadt dadurch tatsächlich ein wenig an ein kleines „Venedig“ – weshalb Saarburg diesen Spitznamen auch trägt.
Zum Abendessen ließen wir uns schließlich direkt an der Saar im Restaurant Fährhaus nieder. Das Restaurant liegt am Staden unmittelbar am Wasser und bietet dadurch gerade bei schönem Wetter eine richtig schöne Atmosphäre. Ich entschied mich für eine Chili-Lyoner, der nicht nur richtig lecker war, sondern auch eine überraschend große Portion hatte. Anschließend schlenderten wir noch einmal zurück in Richtung Altstadt und ließen den Tag bei einem Getränk am Wasser langsam ausklingen.



Gerade diese Mischung aus kleinen Gassen, historischen Häusern, Wasser und viel Grün hat mir an Saarburg besonders gut gefallen. Die Stadt ist überschaubar, wirkt nicht überlaufen und hat gleichzeitig genug zu entdecken, um dort problemlos einen ganzen Nachmittag zu verbringen.
Irgendwann mussten wir uns dann aber doch auf den Weg zurück zum Bahnhof machen. Ganz reibungslos lief die Rückfahrt allerdings nicht: Unser Zug hatte aufgrund von Personen im Gleis rund 45 Minuten Verspätung. Dafür wurde die Zugfahrt selbst noch einmal zu einem kleinen Erlebnis. Zwischen laut singenden Betrunkenen und allerlei anderen interessanten Mitreisenden wurde es zumindest nicht langweilig.
Am Sonntag ging es dann noch zu meinen Schwiegereltern, bevor das Wochenende und damit auch meine ersten Tage zurück in Deutschland langsam zu Ende gingen.
Derweil in China
Während ich bereits wieder deutsche Luft schnupperte, ließ Nico das Wochenende in Peking ruhiger angehen. Nach einem gemeinsamen Abendessen mit Freunden am Donnerstagabend nutzte er den Freitagabend für einen entspannten Ausklang der Woche. Am Samstag stand dann auch noch sein jährlicher Kontrolltermin beim Zahnarzt an, bevor er sich abends wieder mit einem Freund zum Essen traf. Am Sonntag telefonierten wir alle gemeinsam und für Nico ging es noch zum Sport.
So verbrachten wir unser erstes Wochenende seit Langem wieder in zwei verschiedenen Ländern. Plötzlich lagen nicht nur viele Tausende Kilometer zwischen uns, sondern auch eine andere Zeitzone. Zwischen meinen Terminen, seiner Arbeit und unseren unterschiedlichen Tagesabläufen müssen wir erst einmal herausfinden, wann wir Zeit für gemeinsame Telefonate finden. Nicht einfach spontan gemeinsam den Abend zu verbringen, wird zunächst ungewohnt sein und genau diese kleinen gemeinsamen Momente werden uns in den nächsten Wochen vermutlich am meisten fehle.