Kultureller Wochenmix

Die vergangenen Tage waren geprägt von einigen Terminen und organisatorischen Aufgaben, aber auch von schönen Begegnungen und kleinen Entdeckungen. Gleich zu Beginn der Woche nutzte ich das herbstliche Wetter, um vor meinem Chinesischunterricht noch eine kleine Runde spazieren zu gehen. Dabei konnte ich den Kopf freibekommen und ganz zufällig einen weiteren Park in unserer Nähe entdecken. Die Anlage ist schön gestaltet und mit vielen Blumen bepflanzt. Ein netter kleiner Fund, der mir bisher tatsächlich entgangen war und eine willkommene Ablenkung von den vielen bürokratischen Aufgaben.

Neben solchen kleinen Auszeiten gab es auch schöne Begegnungen und einige besondere Erlebnisse: von einem überraschenden Fisch auf dem Markt über ein deutsch-chinesisches Fußballturnier bis hin zum Oktoberfest in Peking.

Irgendwo zwischen Kunst, Alltag und Moderne

Besuch aus Deutschland bringt immer ein bisschen Abwechslung in den Alltag hier in Peking. Deshalb habe ich mich sehr gefreut, die Eltern von Freunden kennenzulernen und ihnen ein paar meiner Lieblingsorte in der Stadt zu zeigen. Dabei ging es in ganz unterschiedliche Ecken Pekings, angefangen beim 798 Art District.

Das ehemalige Industriegebiet ist heute ein bekanntes Kunstviertel mit Galerien, Ausstellungen und kleinen Läden. Bei den inzwischen recht kühlen Temperaturen war das ein guter Start in den Tag, denn in den Ausstellungen und Geschäften konnten wir uns zwischendurch immer wieder aufwärmen.

Anschließend ging es auf den Markt und somit ein kleiner Einblick ins alltägliche Leben. Zum Einstieg gab es erst einmal einen traditionellen chinesischen Snack: Jianbing, einen herzhaften chinesischen Crêpe, den man dort mitten im geschäftigen Treiben in typisch einheimischer Atmosphäre genießen kann. Danach schlenderten wir über den Markt, probierten verschiedene Obstsorten und kauften natürlich auch etwas ein.

Besonders lebendig ging es wie immer in der Fischabteilung zu. Die Verkäufer sind ausgesprochen extrovertiert, rufen durcheinander und präsentieren lautstark ihre Ware. Diesmal wurde es allerdings auch für mich turbulent: Ein Fisch sprang tatsächlich aus seinem Becken direkt in meine Richtung, prallte an meinem Kragen ab und landete vor meinen Füßen auf dem Boden. Ich hatte mich ordentlich erschrocken, während alle anderen herzlich lachen mussten.

Eigentlich hätte ich den Fisch direkt kaufen müssen. Schließlich hatte er sich ja irgendwie mich ausgesucht! Ob das nun ein Zeichen war oder einfach nur ein besonders sprungfreudiger Fisch, lassen wir einmal dahingestellt.

Nach unserem erfolgreichen Markteinkauf liefen wir am Liangma-Fluss entlang. In einem netten Café mit Blick auf das Wasser legten wir eine Pause ein und genossen unseren Kaffee, bevor es anschließend ins moderne Peking ging.

Im Einkaufszentrum Solana schlenderten wir durch die Geschäfte und bekamen einen Eindruck von der modernen Einkaufswelt der Stadt. Danach wollten wir eigentlich noch eine größere Runde durch den angrenzenden Chaoyang-Park drehen. Dieser wird derzeit allerdings großflächig renoviert, sodass wir leider nicht allzu viel von ihm sehen konnten.

Doch einen besonderen Blickfang konnten wir uns ansehen: den Thai-Chinese Friendship Bell Pavilion. Der im thailändischen Stil aus Teakholz errichtete Pavillon wurde 2005 anlässlich des 30-jährigen Bestehens der diplomatischen Beziehungen zwischen Thailand und China eröffnet. Die kunstvollen Holzschnitzereien zeigen unter anderem Drachen, Naga-Schlangenwesen und die Schatzschiffe des chinesischen Admirals Zheng He. Die Glocke im Inneren steht symbolisch für die dauerhafte Freundschaft zwischen beiden Ländern. Zum 50-jährigen Jubiläum der diplomatischen Beziehungen wurde der Pavillon aufwendig ergänzt und im Mai 2026 offiziell neu eröffnet.

Kurzerhand entschieden wir uns dann, den restlichen Weg nach Hause zu Fuß zurückzulegen. Dabei bekamen wir noch einmal eine ordentliche Portion Pekinger Großstadtleben zu sehen.

Der Berufsverkehr war deutlich zu spüren: Die Autos standen dicht an dicht, sodass ein Didi ohnehin keine besonders gute Alternative gewesen wäre. Aber auch auf den Bürgersteigen war einiges los. Unterwegs kamen wir an einem Theatergebäude vorbei, vor dem Reisegruppen aus Bussen ein- und ausgeladen wurden, um eine Akrobatikshow zu besuchen. Wir schlängelten uns mitten durch die Menschenmenge und mussten anschließend mehrere stark frequentierte Kreuzungen überqueren.

In solchen Momenten hilft meiner Meinung nach vor allem eines: Ruhe bewahren und sich nicht aus der Fassung bringen lassen. Aufregen bringt schließlich auch nichts, wenn man ohnehin mitten im Geschehen steckt.

Peking gleicht oft einem geordneten Chaos. Auf den ersten Blick wirkt alles hektisch, laut und unübersichtlich. Und trotzdem scheint sich jeder irgendwie seinen Weg zu bahnen. Mit der Zeit gewöhnt man sich daran und lernt, einfach mit dem Strom zu schwimmen.

Deutsch-chinesische Begegnungen

Am Samstagmorgen stand für Nico wieder einmal Fußball auf dem Programm. In Shunyi fand das deutsch-chinesische Fußballturnier statt, das von der Pekinger Demonstrationszone für deutsch-chinesische Wirtschafts- und Technologiekooperation organisiert wird. Neben dem sportlichen Wettbewerb steht bei solchen Veranstaltungen auch der Austausch zwischen der deutschen und chinesischen Community im Mittelpunkt.

Dieses Jahr kamen leider nur zwei Mannschaften zusammen, die auf einem kleinen Spielfeld im 5-gegen-5-Format gegeneinander antraten. Für Nico ging es mit seinem Team auf den Platz, während ich am Spielfeldrand fleißig anfeuerte. Und das mit Erfolg: Nicos Mannschaft konnte sich am Ende mit 12:6 durchsetzen und den Sieg mit nach Hause nehmen.

Am Abend hieß es dann endlich wieder: O’zapft is! 🍻🥨

Nachdem ich in den vergangenen Wochen all die Social-Media-Beiträge von der Wiesn in München und dem Wasen in Stuttgart verfolgt hatte, habe ich mich umso mehr darauf gefreut, endlich auch in Peking wieder Oktoberfeststimmung zu erleben.

Bereits im vergangenen Jahr waren wir beim Oktoberfest im Kempinski dabei. Auch dieses Mal erwartete uns eine gemütliche Atmosphäre, die ein bisschen an ein kleines, uriges Festzelt erinnerte. Dazu gab es deutsches Festessen, frisch gezapftes Festbier und eine deutsche Band, die nun schon seit drei Jahren für die passende musikalische Begleitung sorgt.

So wurde aus einem Abend in Peking ein kleines Stück Heimat – mit allem, was für mich zu einem richtigen Oktoberfest dazugehört.

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