Japan

Für zehn Tage hieß es für uns: Kon’nichiwa statt Nihao! Von Peking aus ging es nach Japan, genauer gesagt auf eine kleine Rundreise durch die Städte, die uns besonders interessiert haben. Nach unseren bisherigen Reisen durch Asien waren wir gespannt darauf, was uns in Japan erwarten würde.

Und schon bei der Ankunft merkten wir schnell: Japan fühlt sich gleichzeitig vertraut und doch ganz anders an.

Unser erster Eindruck lässt sich wohl am besten mit Gegensätzen beschreiben. Japan wirkt an vielen Stellen fast wie eine Zeitreise in die 90er-Jahre, während direkt daneben moderne Technik und futuristische Elemente zu finden sind. In den kleinen Gassen stehen traditionelle Häuser mit Laternen und Vorhängen vor den Eingängen, während wenige Straßen weiter, riesige Hochhäuser und leuchtende Werbetafeln das Stadtbild prägen. Alte Telefonzellen, Briefkästen und teilweise fast nostalgisch wirkende Postgebäude gehören genauso zum Alltag wie Restaurants, in denen die Bestellung ganz selbstverständlich über das eigene Smartphone läuft. Und trotzdem war an vielen Stellen noch ganz klassisch und ausschließlich Barzahlung möglich. Gerade bei Sehenswürdigkeiten, Bahntickets oder in kleineren Geschäften hing nicht selten ein „Cash Only“-Schild. Also mussten wir unseren in China schon fast eingestaubten Geldbeutel wieder hervorkramen und hatten plötzlich so viele Münzen in der Tasche wie schon lange nicht mehr.

Allgemein ist Japan unglaublich sauber, ordentlich und organisiert. Gleichzeitig wirkt vieles angenehm ruhig und rücksichtsvoll. Selbst in den häufig gut gefüllten Zügen bleibt es erstaunlich leise. Der öffentliche Nahverkehr ist zudem vergleichsweise günstig und meistens sehr pünktlich. Dabei treffen aber auch hier Vergangenheit und Gegenwart aufeinander: Neben älteren Zügen fährt der moderne Shinkansen durch das Land, der trotz seiner Geschwindigkeit innen teilweise fast so wirkt, als wäre die Zeit vor zwanzig Jahren stehen geblieben.

Besonders schön fanden wir die vielen kleinen Details, die man erst beim genaueren Hinsehen entdeckt. Von kunstvoll gestalteten Gullideckeln über traditionelle Laternen bis hin zu alten Tankstellen, bei denen die Zapfhähne von der Decke herunterkommen und das Tanken noch vom Personal übernommen wird. Selbst die Taxis haben ihren ganz eigenen Charme: Viele erinnern mit ihrer klassischen Form und den sorgfältig gepflegten Innenräumen fast an kleine Oldtimer. Im Vergleich zu anderen asiatischen Ländern sind sie allerdings ziemlich teuer.

Shinkansen

Auch kulturell begegnet einem Japan an jeder Ecke. Tempel, Pagoden, Schreine und buddhistische Anlagen gehören ganz selbstverständlich zum Stadtbild und erzählen von der langen religiösen und kulturellen Geschichte des Landes. Gleichzeitig findet man in nahezu jeder Stadt überdachte Shoppingstraßen, moderne Einkaufszentren und unzählige kleine Geschäfte.

Und dann wäre da natürlich noch das Essen. Für alle, die gerne essen, ist Japan wirklich ein kleines Paradies. An fast jeder Ecke findet man etwas Neues: Ramen, Sushi, Wagyu, Burger, Pizza, Donuts, Cookies, Matcha, Kaffee oder unzählige andere Desserts und Snacks. Dazu kommen riesige Supermärkte und Convenience Stores, in denen man sich vermutlich stundenlang durchprobieren könnte.

Auch zum Shoppen ist Japan ein echtes Erlebnis. Von riesigen UNIQLO-Filialen über ASICS und adidas bis hin zu Luxusmarken gibt es eigentlich nichts, was es nicht gibt. Manche Geschäfte erstrecken sich über etliche Stockwerke und allein das Stöbern wird schnell zum eigenen Programmpunkt, sodass die japanischen Airlines in der Economy Class häufig zwei Gepäckstücke mit jeweils bis zu 23 Kilogramm erlauben. Schließlich muss das ganze „Geshoppte“ am Ende auch wieder mit nach Hause.

Schon die Anreise nach Japan passte irgendwie zu diesem ersten Eindruck. Nach der Ankunft am Flughafen wurden wir durch verschiedene Kontrollen und Bereiche mit QR-Codes und Fingerabdruck geführt. Dabei reichte tatsächlich der Fingerabdruck des Zeigefingers. Besonders süß war allerdings ein anderer Mitarbeiter: Ein kleiner Beagle kontrollierte unsere Koffer und sorgte damit für einen deutlich niedlicheren Teil der Einreise.

Von dort ging es schließlich mit dem JR Express weiter Richtung Kyoto. Statt digitaler Tickets hielten wir ganz klassisch unsere Papiertickets in der Hand. Der Zug sollte um 18:45 Uhr abfahren und uns um 20:04 Uhr nach Kyoto bringen. Am Ende wurde es 20:12 Uhr, bis wir ankamen. Für japanische Verhältnisse also schon fast eine kleine Verspätung.

Kyoto

Die ersten Tage empfingen uns allerdings nicht mit Sonnenschein, sondern mit Regen. Doch irgendwie passte das Wetter zu Kyoto, der ehemaligen Kaiserstadt Japans. Die Stadt gilt als kulturelles Herz des Landes und ist bekannt für ihre zahlreichen Tempel und Schreine, traditionellen Viertel und historischen Gassen.

Nach unserer Ankunft schauten wir uns zunächst ein wenig in der Umgebung unseres Hotels um. Zum Abendessen zog es uns dann in ein Izakaya, einen typisch japanischen Pub, in dem vor allem kleine Gerichte und gegrillte Spieße serviert werden. Wir probierten verschiedene Kushiyaki, also gegrillte Spieße mit Fleisch, Gemüse und anderen Zutaten. Dazu gab es natürlich ein traditionelles japanisches Asahi-Bier, die wohl bekannteste japanische Biermarke.

Am nächsten Morgen ging es nach einer kurzen Origami-Einheit zu unserem ersten richtigen Programmpunkt: dem Fushimi Inari-Taisha. Der Shinto-Schrein ist vor allem für seine unzähligen leuchtend roten Torii bekannt, die sich den Berg hinaufziehen. Fushimi Inari ist dem Gott Inari gewidmet, der unter anderem mit Reis, Landwirtschaft und Wohlstand verbunden wird.

Wir schlenderten durch die Torii und ließen die besondere Atmosphäre einfach auf uns wirken.

Anschließend ging es weiter zum Kiyomizu-dera. Einer der bekanntesten buddhistischen Tempel Kyotos, dessen Geschichte bis ins Jahr 778 zurückreicht. Besonders beeindruckend ist die große Holzterrasse, die rund 13 Meter über den Hang hinausragt und von mächtigen Holzkonstruktionen getragen wird. Von hier aus eröffnet sich ein weiter Blick über Kyoto. 

Auf dem Tempelgelände entdeckten wir auch den Otowa-Wasserfall. Dort konnten wir beobachten, wie Besucher das Wasser mit langen Kellen auffingen, um daraus zu trinken oder sich damit zu waschen. Dem Wasser wird traditionell eine besondere Bedeutung zugeschrieben und die drei Wasserströme stehen jeweils für unterschiedliche Wünsche, etwa Gesundheit, Erfolg oder Glück in der Liebe. Es war spannend, dieses Ritual aus nächster Nähe zu beobachten und einen kleinen Einblick in die japanischen Traditionen zu bekommen.

Danach führte unser Weg durch die historischen Gassen von Sannenzaka und Ninenzaka weiter durch das Viertel Higashiyama. Zwischen traditionellen Holzhäusern, kleinen Geschäften und Teehäusern tauchte immer wieder die berühmte Yasaka-Pagode auf. Gerade diese verwinkelten Gassen und die traditionellen Gebäude machten diesen Teil Kyotos für uns besonders authentisch.

Der letzte Stopp war der buddhistische Tempel Kōdai-ji mit wunderschönen Gartenanlagen und traditionellen Gebäuden. Zum Abschluss schlenderten wir noch durch Gion und Ponto-chō. Hier reihten sich die Gebäude dicht aneinander und überall gab es etwas zu entdecken. 

Am zweiten Tag führte uns unser Weg in den Westen Kyotos nach Arashiyama. Die Gegend ist vor allem für ihren berühmten Bambuswald bekannt, hat aber noch einiges mehr zu bieten. Zunächst schlenderten wir durch die schmalen Gassen von Sagano, vorbei an kleinen Handwerksläden, bevor wir uns auf den Weg zum Bambuswald machten.

Als eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Kyotos war es dort erwartungsgemäß ziemlich voll. Überall versuchten Besucher, das perfekte Foto zwischen den hoch aufragenden Bambusstämmen zu schießen.

Deshalb zog es uns anschließend weiter zum Katsura-Fluss und zur Togetsukyō-Brücke. Dort konnten wir die ruhigere Atmosphäre am Wasser genießen und unseren Ausflug in den Westen Kyotos entspannt ausklingen lassen.

Nara

Von Kyoto aus machten wir einen Tagesausflug nach Nara. Die ehemalige Kaiserstadt war für mich eines der Highlights unserer gesamten Japanreise. Vor allem die Rehe haben diesen Tag für mich zu etwas ganz Besonderem gemacht.

Die Rehe gehören in Nara schon seit Jahrhunderten zum Stadtbild. Sie gelten als heilige Tiere und werden eng mit dem Kasuga-Taisha-Schrein und dem Gott Takemikazuchi verbunden. Der Überlieferung nach soll dieser einst auf einem weißen Reh nach Nara gekommen sein. Auch heute gelten die Tiere als besondere Bewohner der Stadt und dürfen sich dort frei bewegen.

Schon auf dem Weg zu unserem ersten Ziel begegneten uns überall Rehe. Sie liefen ganz selbstverständlich über die Straßen, standen am Wegesrand oder lagen einfach mitten auf dem Bürgersteig.

Wir starteten am Kasuga-Taisha und liefen zunächst einfach durch die wunderschöne Tempelanlage. Zwischen den Bäumen und traditionellen Gebäuden begegneten uns immer wieder Rehe, was die ohnehin besondere Atmosphäre des Schreins noch einmal einzigartiger machte.

Immer wieder sahen wir andere Besucher, die die Rehe mit den berühmten Shika-Senbei fütterten. Nur hatten wir offenbar den Verkaufsstand für die Reiscracker übersehen. So konnten wir zunächst nur zuschauen und uns den Tieren nicht wirklich nähern.

Kurz vor dem Nara-Park fanden wir dann schließlich doch noch einen Stand und kauften uns selbst eine Packung. Damit konnten auch wir die besondere Tradition erleben. Die Rehe sind nämlich nicht nur an die Cracker gewöhnt, sondern haben sogar gelernt, sich vor den Menschen zu verbeugen, bevor sie ihr Futter bekommen.

Weiter ging es zum Nigatsu-dō. Je näher wir dem Nara-Park und damit den touristischeren Bereichen kamen, desto frecher wurden die Rehe. Hier merkte man deutlich, wie sehr sie an Besucher und das Füttern gewöhnt sind. Einige knabberten uns frech in den Hintern oder schubsten uns mit dem Kopf an, wenn sie der Meinung waren, dass wir ihnen nicht schnell genug etwas gaben.

Natürlich durfte auch der Tōdai-ji nicht fehlen. Der buddhistische Tempel wurde im 8. Jahrhundert auf Wunsch von Kaiser Shōmu errichtet und sollte das Zentrum eines landesweiten Systems buddhistischer Provinztempel bilden. Besonders berühmt ist die riesige Buddha-Statue im Inneren der Haupthalle. Die Einweihung des Großen Buddha fand bereits im Jahr 752 statt. Obwohl der Tempel im Laufe seiner Geschichte zweimal durch Brände zerstört wurde, sind bis heute zahlreiche bedeutende Bauwerke und Kunstwerke erhalten geblieben.

Nach all den Tempeln, Rehen und Eindrücken ließen wir den Tag noch etwas ruhiger ausklingen und schlenderten durch Naramachi. Das historische Viertel mit seinen kleinen Gassen und traditionellen Häusern fühlte sich noch einmal ganz anders an als der weitläufige Nara-Park. Anschließend ging es mit dem Zug zurück nach Kyoto – mit ziemlich vielen Fotos und noch mehr Erinnerungen an einen für mich ganz besonderen Tag.

Hiroshima

Ein Besuch in Hiroshima durfte auf unserer Japanreise auch nicht fehlen. Wir wollten nicht nur die traditionellen Seiten des Landes kennenlernen, sondern auch mehr über seine Geschichte erfahren. Gerade die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs und der Atombombenabwurf auf Hiroshima gehören zu den Kapiteln, die man besser versteht, wenn man selbst einmal vor Ort gewesen ist.

Unser erster Halt war der Atomic Bomb Dome, eines der bekanntesten Wahrzeichen Hiroshimas. Die Ruine des ehemaligen Industriegebäudes blieb nach dem Atombombenabwurf am 6. August 1945 teilweise erhalten und steht heute als Mahnmal für die Zerstörung und das Leid, das die Atombombe über die Stadt brachte.

Von dort aus liefen wir weiter durch den Peace Memorial Park zur Gedenkstätte und zum Peace Memorial Museum. Das Museum hat uns besonders berührt, weil es die Ereignisse sehr anschaulich und informativ vermittelt. Gleich zu Beginn sahen wir eine Darstellung, die Hiroshima vor dem Bombenabwurf zeigte und anschließend verdeutlichte, wie die Stadt danach aussah. Dieser direkte Vergleich machte das Ausmaß der Zerstörung auf eine sehr eindrückliche Weise greifbar. Auch die persönlichen Geschichten und Ausstellungsstücke verdeutlichten, welche Folgen der Atombombenabwurf für die Menschen hatte.

Danach ging wir noch das Hiroshima Castle besichtigen. Die Burg, auch bekannt als Karpfenburg, wurde ursprünglich im 16. Jahrhundert erbaut und diente einst als Sitz eines feudalen Herrschers. Im Laufe der Geschichte wurde sie mehrfach zerstört und wieder aufgebaut, zuletzt fiel sie 1945 dem Atombombenabwurf zum Opfer. Der heutige Nachbau beherbergt ein Museum, das über die Geschichte der Burg und der Stadt informiert.

Am Abend ließen wir den Tag bei einem typischen Gericht aus Hiroshima ausklingen: Hiroshima-Okonomiyaki. Dabei handelt es sich um eine japanische Art von herzhaftem Pfannkuchen, der unter anderem mit Kohl, Nudeln, Ei und verschiedenen weiteren Zutaten zubereitet wird. Anders als bei der bekannteren Variante aus Osaka werden die Zutaten in Hiroshima meist in mehreren Schichten übereinandergeschichtet. Ein leckerer Abschluss für einen Tag, der uns gedanklich noch lange beschäftigen sollte.

Miyajima

Am nächsten Tag ging es weiter auf die Insel Miyajima, die für ihren berühmten Itsukushima-Schrein und das große Torii bekannt ist, das bei Flut scheinbar im Wasser steht.

Unser erster großer Programmpunkt war der Itsukushima-Schrein, der mit seiner Lage direkt am Wasser zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Japans zählt. Die Kombination aus traditioneller Architektur und der umgebenden Landschaft war wirklich schön anzusehen.

Anschließend besuchten wir den Daishō-in, einen buddhistischen Tempel am Fuße des Mount Misen. Besonders die vielen kleinen Figuren mit ihren gestrickten Mützen blieben uns in Erinnerung. Überall gab es kleine Details zu entdecken, die dem Tempel eine ganz eigene Atmosphäre verliehen.

Eigentlich hätten wir gerne auch noch den Mount Misen erkundet, dafür reichte allerdings unsere Zeit an diesem Tag leider nicht mehr. Stattdessen nutzten wir die verbleibenden Stunden, um durch die kleinen Gassen zu schlendern und die vielen Geschäfte mit handgefertigten Souvenirs und traditionellem Kunsthandwerk anzuschauen.

Tokio

Japans Hauptstadt war der letzte große Stopp unserer Reise und gleichzeitig noch einmal eine ganz eigene Welt. Riesige Hochhäuser, blinkende Leuchtreklamen, volle Straßen und unzählige kleine Gassen machen die Stadt zu einem Ort, an dem es gefühlt an jeder Ecke etwas Neues zu entdecken gibt. In unseren vier Tagen wollten wir möglichst viele unterschiedliche Seiten der japanischen Hauptstadt kennenlernen.

Nachdem wir in unserem Hotel eingecheckt hatten, machten wir uns zunächst auf den Weg, um die Gegend rund um unsere Unterkunft zu erkunden. Wir schauten uns die modernen Azabudai Hills an und spazierten anschließend durch Roppongi.

Schon auf dem Weg war uns der Tokyo Tower immer wieder zwischen den Gebäuden aufgefallen. Am Abend wollten wir ihn deshalb noch einmal aus der Nähe sehen. Die 333 Meter hohe Konstruktion wurde bereits 1958 eröffnet und gehört bis heute zu den bekanntesten Wahrzeichen der Stadt. Besonders beeindruckend fanden wir ihn aber bei Nacht: In seiner Beleuchtung sorgte der Turm für eine ganz besondere Atmosphäre.

Am nächsten Tag starteten wir mit Harajuku und der berühmten Takeshita Street. Hier reiht sich ein kleiner Laden an den nächsten, dazwischen gibt es bunte Schaufenster, ausgefallene Mode und jede Menge süße Snacks. Das Viertel ist besonders für seine Jugendkultur und individuellen Styles bekannt.

Anschließend ging es nach Shibuya. Natürlich wollten wir auch die berühmte Shibuya Crossing erleben. An dieser Kreuzung strömen bei Grün Fußgänger aus mehreren Richtungen gleichzeitig über die Straße. Umgeben von riesigen Bildschirmen und Hochhäusern ist das ein ziemlich beeindruckendes Bild und obwohl wir schon viele Videos davon gesehen hatten, war es noch einmal etwas anderes, selbst mittendrin zu stehen.

Um 17 Uhr wartete dann unser persönliches Highlight des Tages: eine Sumo-Show.

Zu Beginn erklärten uns die Moderatoren einige Grundlagen dieser traditionellen japanischen Sportart. Sumo blickt auf eine Geschichte von mehr als 1.500 Jahren zurück und war ursprünglich eng mit religiösen Ritualen verbunden. Im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus ein Wettkampfsport, der heute als wichtiger Teil der japanischen Kultur gilt.

Danach betraten die beiden Sumo-Ringer die Bühne. Die Zwillingsbrüder zeigten uns verschiedene Trainingsmethoden und erklärten, worauf es beim Kampf ankommt. Das Ziel ist im Grunde einfach: Man gewinnt, wenn man den Gegner aus dem kreisförmigen Ring drängt oder ihn dazu bringt, den Boden mit einem anderen Körperteil als den Fußsohlen zu berühren. Wer selbst den Ring verlässt oder den Boden berührt, verliert. So einfach die Regeln klingen, so viel Kraft, Technik und Gleichgewicht stecken dahinter.

Zwischendurch durften wir den beiden auch Fragen stellen. Das war nicht nur interessant, sondern gab den Ringern gleichzeitig eine kleine Verschnaufpause, bevor es ernst wurde. Anschließend traten sie dreimal gegeneinander an und zeigten uns, wie schnell und kraftvoll solche Kämpfe ablaufen können.

Zum Abschluss wurde es dann richtig unterhaltsam: Freiwillige aus dem Publikum durften gegen die Profis antreten. Insgesamt wurden fünf Erwachsene und ein Kind ausgelost. Dafür schlüpften die Teilnehmenden in aufblasbare Sumo-Kostüme und versuchten, sich gegen die beiden Ringer durchzusetzen. Natürlich machten die Profis ordentlich Show daraus und ließen den einen oder anderen auch einmal gewinnen. Wir haben uns köstlich amüsiert!

Nach diesem abwechslungsreichen Nachmittag ließen wir den Tag ganz klassisch mit einer Schüssel Ramen ausklingen, bevor es zurück ins Hotel ging.

Unser dritter Tag in Tokio begann in Asakusa, einem Viertel, in dem sich die Stadt von ihrer traditionelleren Seite zeigt. Schon am Eingang wartete mit dem großen roten Kaminarimon-Tor ein echtes Wahrzeichen auf uns. Die riesige rote Laterne in seiner Mitte ist ein beliebtes Fotomotiv und markiert den Beginn der Nakamise-dōri, einer belebten Einkaufsstraße mit traditionellen Snacks und kleinen Souvenirläden. Von dort ging es weiter zum Sensō-ji, dem ältesten buddhistischen Tempel Tokios. Zwischen den historischen Gebäuden und den vielen Besuchern konnten wir noch einmal eine ganz andere Seite der japanischen Hauptstadt erleben.

Von dort aus ging es weiter zum Tokyo Skytree. Mit seinen beeindruckenden 634 Metern ist er eines der höchsten Bauwerke der Welt und überragt die Skyline der Stadt deutlich. Von oben konnten wir Tokio aus einer ganz neuen Perspektive betrachten und erst richtig erahnen, wie riesig diese Metropole eigentlich ist.

Am Abend zog es uns noch einmal nach Shibuya, diesmal bei Dunkelheit. Die Kreuzung, die wir am Vortag schon bei Tageslicht gesehen hatten, wirkte mit den leuchtenden Werbetafeln und den vielen Menschen noch einmal ganz anders. Gemeinsam mit Freunden, die wir in China kennengelernt hatten und die zufällig zur gleichen Zeit in Tokio waren, gingen wir Sushi essen.

Danach ließen wir den Abend in einer traditionellen japanischen Bar ausklingen. Es war schön, gemeinsam zu essen und sich bei guten Gesprächen auszutauschen.

An unserem letzten Tag wollten wir noch einmal das moderne Tokio erleben. Dafür ging es zunächst nach Ginza, einem der bekanntesten Einkaufsviertel der Stadt. Hier findet man elegante Geschäfte, große Kaufhäuser und internationale Luxusmarken. Die breiten Straßen und modernen Gebäude vermittelten noch einmal ein ganz anderes Stadtgefühl als die kleinen Gassen.

Ein Besuch durfte dabei natürlich nicht fehlen: der zwölfstöckige UNIQLO-Flagshipstore. Das Geschäft zählt zu den bekanntesten UNIQLO-Filialen weltweit und bietet auf mehreren Etagen ein riesiges Sortiment für Damen, Herren und Kinder. Wer die Marke mag, kann hier definitiv etwas Zeit verbringen.

Abends machten wir uns auf den Weg nach Shinjuku, eines der bekanntesten Viertel Tokios. Hier prägen hohe Bürogebäude, riesige Leuchtreklamen und belebte Straßen das Stadtbild. Gerade am Abend entfaltet das Viertel seinen ganz eigenen Charme: Überall leuchtet und blinkt es, aus den Seitenstraßen dringt Musik und hinter jeder Ecke scheint ein weiterer Laden oder ein Restaurant zu warten. Tokio ist eben eine Stadt, die kaum zur Ruhe kommt.

Nach vier Tagen voller Eindrücke, Lichter, leckerem Essen und ganz unterschiedlicher Erlebnisse hieß es schließlich Abschied nehmen. Tokio war für uns ein spannender Abschluss der Japanreise: laut und lebendig, modern und gleichzeitig tief in seinen Traditionen verwurzelt.

Schreibe einen Kommentar